Freesteffen: Clubfans hadern mit ihrer Zeitung

ARCHIV - Hinter einem Gitter laufen am 21.11.2014 Gefängnisinsassen der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart (Baden-Württemberg) über einen Gefängnishof. Foto: Daniel Naupold/dpa (zu lsw: «Schitzen statt sitzen" vom 29.03.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Zwischen uns Journalisten und der FCN-Community hängt gerade der Haussegen ein bisschen schief. Letztlich geht es um die Frage: Darf ich in den sozialen Netzwerken aus der Zeitung zitieren oder nicht.

Der Twitterer 2_Steffen versorgt seine Follower öfter mal mit mehr oder weniger knackigen Sätzen, die er in den örtlichen Zeitungen über den Club gefunden hat. Der eine (ich gehöre da auch dazu) stuft sowas als Appetitanreger ein, der andere als Geschäftsschädigung. Die NN-Sportkollegen tendieren offensichtlich zu letzterem und setzten folgenden Tweet ab:

nnsport

Schon entzündete sich jene Diskussion, die schon vom Leistungsschutzrecht bekannt ist, auch unter den Clubfans. Wobei es hier freilich nicht gegen einen Großkonzern wie Google geht, sondern gegen junge Freunde des lokalen Profifußballs.

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Nicht jeder Twitterer macht Karriere

Man kann sich berechtigterweise über die im Koalitionsvertrag verankerte Vorratsdatenspeicherung echauffieren. Man kann auch Sigmar Gabriels Rechtferigung derselben als oberpeinlich ansehen. Auch, dass der neue Verkehrsminister Alexander Dobrindt jetzt fürs Internet zuständig ist, klingt ziemlich daneben…

YouTube Preview Image

Auf der anderen Seite wird bei der CDU aber mit Peter Tauber ein Politiker Generalsekretär, der fast nur Twitterern bekannt ist. Tauber hat dort über 9000 Follower und mehr als 12.000 Tweets abgesetzt.

In diesem Zusammenhang trifft es sich gut, dass die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in München gerade herausgefunden hat, welcher Politiker denn bei uns in der Region der Twitter- und Facebookkönig ist. Blöderweise zeigt dessen Karrierekurve gerade in die umgekehrte Richtung. Es handelt sich nämlich um den Bundestagskandidaten der Piraten Emanuel Kotzian. Der wurde zugunsten von Leuten, die gar nicht (Hans-Joachim Patzelt) oder wenig (wie der OB-Kandidat Michael Bengl) twittern, aus der Stadtratsliste der Piraten gekickt.

Wer zu den Digital Natives gehört, der nimmt das Netz anscheinend nicht mehr ganz so ernst.

Der Stadtrat twittert

Langsam wird es eng für Analog-Uli: Sein Stadtrat beginnt mit dem Twittern. Während der gestrigen Sitzung hat sich der Stadtrat via Internet nach einer erstaunlich zügigen Diskussion einen eigenen Hashtag gegeben, unter dem jetzt immer aus den Sitzungen getwittert wird.

Zunächst fragte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Brehm:

Dann kamen auch ein paarVorschläge: weiter lesen

Der nächste Pabst wird ein Franke

Zum Rücktritt des Papstes wissen fast alle etwas. Eigentlich sollte man deshalb den Mund halten. Aber es geht hier um den Pabst mit B. Da gibt es in Nürnberg zum Beispiel einen Bäcker. Der Name Pabst ist nicht so selten. Sogar eine Biermarke mit dem Namen gibt es. Allein in Nürnberg stehen 25 Leute mit dem Namen im Telefonbuch.

Wenn dann der mit dem harten B abtritt, kann man nicht nur in Franken ins Schleudern kommen Spielt der dann doch im eigenen Leben eine geringere Rolle als besagter Weich-B-ler mit den Brötchen. Deswegen sind erstaunlich viele in ihrem Bemühen, auch etwas zum Rücktritt des Stellvertreters in Rom sagen zu wollen, beim Gewohnten gelandet. Wenn da über mehr als eine Million Meldungen zum Papst-Rücktritt im Netz gejubelt wird, sind die vielen B-Meldungen noch gar nicht enthalten. Wer mir nicht glaubt, dass das viele sind, der sollte sich mal die Pabst-Suche bei Twitter zu Gemüte führen oder die bei Google.

Und nein, es sind nicht nur unbekannte Wichtigtuer, die da nicht wissen, wie sich das Oberhaupt der katholischen Kirche schreibt. Auch eine Social-Media-Koryphäe wie Hans Sarpei ist mit im B-Boot:

…oder der gerne im Fernsehen mit seiner Bildung kokettierende Eckart von Hirschhausen:

Aber, wie gesagt: Man muss nicht jeden kennen.

Es grüßen die Neidhammel vom Lande

Vorab: Ich habe nichts gegen München. Auf Dauer möchte ich da aber nicht leben: Zu kalt (menschlich), zu teuer, zu viel seltsame Reaktionen auslösender Restalkohol…. Ich habe übrigens auch nichts gegen Fürth, oder Nürnberg….

Aber bleiben wir bei München. Dort sind sie angepisst was uns nichtmünchner Bayern angeht. Aber so richtig. Und weshalb? Wegen eines Schaumschlägers. Wegen Markus Söder. Eigentlich möchte man sich amüsieren und sich an Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge erinnert fühlen, wie sie schauen, wenn der FCB gerade von einem unterklassigen Verein zerlegt wurde. Aber einer dieser – anderweitig unterklassigen – Beteiligten schickt sich gerade an, die Macht in ganz Bayern zu übernehmen und da betrifft uns das doch.

Uns? weiter lesen

Wenn der BR mal selber recherchiert

Mag sein, dass auch der Bayerische Rundfunk sparen muss. Im Vergleich zu vielen anderen Medien geht es ihm finanziell aber nachgerade glänzend. Da kann er auf „die Herausfordeungen des Internets“ schnell mal mit einem Neubau reagieren. Und wenn es trotzdem noch irgendwo zwackt, wird halt die Geheimwaffe Kurt Beck aktiviert und an der Gebührenschraube gedreht.

Neid liegt mir dennoch fern. Ich freue mich immer, wenn es Kollegen gut geht. Nur sollte vielleicht auch die Kundschaft etwas davon haben. Beim BR-Studio Franken habe ich da meine Zweifel. Dort begreift man sich als Nachrichtendienst für Franken und haut beispielsweise über Twitter täglich locker mal 20 Meldungen mit Links auf die eigene Webseite raus. Für die Follower ist das sicher nicht verkehrt, haben sie doch so immer einen guten Überblick, was in ihrer Heimat los ist. Dass sich der BR die Meldungen bei den Lokalzeitungen oder bei anderen privaten Anbietern zusammenschnorrtsucht, weiter lesen

Erlangen: Twittern gegen die Amtsmüdigkeit

Mittlerweile hat das Twitter-Widget auf vielen Webseiten Einzug gehalten. Zeitungen bringen so Beiträge zu bestimmten Keywords auf ihre Portale (hier z.B. zu #Nürnberg), Blogs erweitern so ihr Angebot zu ihrem bevorzugten Thema (hier zum 1.FC Nürnberg), aber auch Kommunen versuchen mittlerweile damit Bürgernähe zu demonstrieren. Nach dem Motto: Wenn Sie sich kurz fassen, kommen Sie auch auf unsere Webseite.

Unabhängig davon, ob der Inhalt der Tweets in irgendeiner Form zur Kenntnis genommen wird, gibt es einen Nutzen durch solche Widgets (die übrigens auch für Facebook existieren, allerdings nicht nach Keywords eingegrenzt). zum einen ziehen sie Traffic auf die entsprechende Seite, zum anderen kann der Twitterer, indem er mit einem entsprechenden Hashtag oder an einen bestimmten Adressaten postet, seine Reichweite steigern, mehr Follower gewinnen und sich eventuell noch wichtiger fühlen als ohnehin schon.

Warum ich das schreibe? weiter lesen

Twinisterin Schröder war da

FotoDas sind Paradigmenwechsel, die muss man erst einmal verdauen. Während ihre Vorgängerin als Familienministerin, Ursula von der Leyen, einfach nur kaum Ahnung vom Internet hatte, twittert ihre Nachfolgerin Kristina Schröder (allerdings noch unter ihrem Mädchennamen Köhler) schon seit Januar 2009 . Am heutigen Mittwoch war sie erstmals in Nürnberg und nutzte gleich die Gelegenheit, die hiesigen Twitterer zum Twabendessen ins Strandhaus am Dutzendteich zu laden. Dort ließ sie sich auch bereitwillig ausfragen. Nett und freundlich war sie aber nur zu Twitterern und Bloggern, nicht aber zu Printjournalisten. „Bevor Sie da was abdrucken, lassen Sie das bitte von meinem Büro autorisieren“, ließ sie mich wissen, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich mitunter – man will ja richtig zitieren – mitgeschrieben hatte.
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CSU: Näher am Follower

Wahrscheinlich bin ich auch mit schuld. Irgendwann hatte ich mich mal aufgeregt, dass sich Politiker am liebsten alles ausdrucken lassen und mit Social Networks nichts am Hut haben. Inzwischen bin ich (was interessiert mich mein Geschwätz von gestern) da etwas zwiespältig geworden angesichts dessen, was man da auf Twitter, Facebook etc. erlebt.

Interessiert es mich, wenn unsere CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl in Afrika zu der Erkenntnis kommt, dass dort Fußball ein wichtiger Faktor ist, oder, wenn sie dort Menschen aus Maputo trifft? Da ist es mir fast schon egal, ob jene Leute recht haben, die behaupten, Frau Wöhrl würde gar nicht selber twittern, sondern ihre Tweets telefonisch ihrem „Team“ in der Heimat zum Reinstellen übermitteln. Eigentlich wäre es mir lieber, sie nähme sich mehr Zeit für die Menschen aus Maputo.

CSU_WahlAber offenbar muss bei der CSU jemand die Parole ausgegeben haben: Mehr Zeit für die Menschen aus Entwicklungs-SCHLAND! Die können einen wenigstens wählen. So wunderte es mich letztlich nicht, als ich mitbekam, dass der Erlanger CSU-Oberbürgermeister Siegfried Balleis (rechts im Bild) jetzt ebenfalls unter die Twitterer gegangen ist. „Guten Abend, ich kann Ihnen versichern, ich bin es wirklich“, hat er mir geantwortet, nachdem ich ihn – schließlich hatten sich zuvor die Twitteraccounts der Nürnberger und Augsburger Oberbürgermeister als Fakes entpuppt – gefragt hatte, ob er „echt“ sei. Ansonsten sind die Tweets des Erlanger OB qualitativ und quantitativ noch recht dürftig. Sollte er allerdings seine Follower als erstes informieren, wenn er bayerischer Sparkassenpräsident wird, dann nehme ich diese Behauptung sofort zurück.

Um die SPD-Twitterer ist es dagegen nach der Wahl erstaunlich ruhig geworden. Selbst der oft durch unfreiwillige Komik aufgefallene SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold liefert kaum noch was. Sein einziger Tweet in diesem Jahr lautet: „Jetzt in Wildbad Kreuth.“

Nie mehr alleine gähnen

SPD_20090913_nik_006.jpgWenn man sich mal (hier auf dem Bild) anschaut, wie Nürnberger SPDler ihre Freizeit verbringen, dann bekommt der Begriff „miteinander schlafen“ eine ganz neue Bedeutung. Statt Public Viewing beim oberlangweiligen Kanzlerkandidaten-Duell hätten sie mal lieber Public Twitter gemacht. Da gings nämlich ab. Hunderte von Tweets zu dem Thema. Über die Ähnlichkeit der Mundwinkel, über die Krawatte von Steinmeier, über Merkels Kette, aber auch über fehlende Inhalte, über eine abgetauchte Illner und über den wirklichen Zustand des Landes. Es war alles vertreten. Als das Getwitter vorbei war, sagte zum Beispiel der Chefredakteuir der Rheinzeitung:

Schon ein paar Hai-lights aus dem Twitter-Schwarm waren besser als Merkel und Steinmeier zusammen.

Am besten man liest es hier selber nach.
Von da aus ist es auch nicht mehr weit zur – zugegebenermaßen guten – Bild-Schlagzeile: Yes, we gähn!

Dass die Wills und Christiansens das alles ganz anders gesehen und sich in ihrer War-jetzt-Steinmeier-ein-Promille-vorn-oder-Merkel-Fragestellung verhakt haben, zeigt da höchstens noch, wie weit weg die inzwischen vom Zuschauer sind. Wenn man allein vor dem Fernseher sitzt, denkt man jedoch meistens, man sei selber sonderbar und vielleicht nicht mehr ganz richtig im Kopf. Insofern kann ich nur empfehlen: nebenher die entsprechenden Twitterhashtags verfolgen. Das sind die Tags, die hinter einem „#“ stehen. In vorliegenden Fall war das #tvduell . Um das alles verfolgen zu können, klickt man einfach auf #tvduell und sieht dann alles, was dazu getwittert wird.

Also mitmachen und nie mehr alleine gähnen!