Wird die VAG musikalisch?

Nach Johann Gottfried Seume ist am Dutzendteich eine Straße benannt. Jetzt gelangt möglicherweise auch ein, auf ihn zurückzuführendes Sicherheitskonzept in Nürnberg zu späten Ehren: in der U-Bahn.

In Seumes 1804 veröffentlichten Gedicht „Die Gesänge“ heißt es:

„Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.“

Später wurde im Volksmund daraus:

„Wo man singt, da laß’ dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.“
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Die Bahn soll von Nürnberg lernen

Lokales..Foto: Günter Distler..Motiv: U2 fährt seit 28.09.09 im Teilautomatik-Betrieb;

Bekanntlich war Nürnberg in Sachen Schiene schon immer führend. Jetzt soll die erstmals von Nürnberg aus dampfende Bahn erneut von Nürnberg lernen. Gerade twitterte die CDU mit Hinweis auf ihren Generalsekretär Peter Tauber:

Seit 7 Jahre haben wir die, in Nürnberg lieber als „fahrerlos“ („führerlos“ erinnert dann doch zu sehr an unsere NS-Geschichte) verkehrende U-Bahn. Und richtige Pannen gab es eigentlich nicht. Weshalb zum Fünfjährigen auch eine positive Bildanz gezogen wurde.

Dennoch sträubt sich dagegen nicht bloß die GDL, sondern seltsamerweise auch die Bahn selber. Der Vorschlag, auch die Bahnzüge ohne Lokführer aufs Gleis zu schicken, ist nämlich nicht neu. Er wird von der CDU jetzt nur wieder aufgewärmt. In diesem Fall wieder als „führerlos“. Die Bezeichnung kann einem eigentlich egal sein. Für letztere Variante gäbe es wenigstens schon ein passendes Logo.

Fahrrad und Nürnberg passen nicht zusammen

Am Dienstag wird bei der VAG gestreikt. Da muss der eine oder andere gezwungenermaßen umsteigen. Manchmal bringt der Wechsel der Perspektive neue Erkenntnisse. Dann hätte der Streik immerhin auch was Gutes.

In Nürnberg liegt nämlich verkehrspolitisch etliches im Argen. Zu behaupten, Nürnberg sei eine Autofahrerstadt ist allerdings falsch. In Sachen Vergrämung bemüht sich die Stadt durchaus um Gerechtigkeit. Bei den Radfahrern kommt allerdings auch noch Unkenntnis und fehlende Er“fahr“ung hinzu. Insofern jammern die Radler in Nürnberg – berechtigt – etwas lauter. Zum Beispiel auf der Facebookseite von Critical Mass Nürnberg (weitere Infos ). weiter lesen

Die VAG und der fehlende Humor

Man muss das Logo links von der Tür schon etwas genauer betrachten, um den Witz zu verstehen. Dann merkt man aber: Der ist gut.

Leider kursiert der Witz nur auf der StreetArt-Seite im Netz und nicht in der Realität. Eine U-Bahn, die mit einem durchgestrichenen Hitlerkopf durch Nürnberg fährt, gibt es nicht. Will heißen: Hier hat keiner todesmutig Fahrzeuge beklebt, sondern einfach nur an seinem PC mit Photoshop gearbeitet.

Woher ich das weiß? Von der VAG. Die hat jetzt eigens im Fuhrpark nachprüfen lassen, ob es bei der Fahrzeugreinigung in den letzten Wochen und Monaten Besonderheiten gegeben hat. Aber außer den üblichen Graffitis, die die VAG aus Vergrämungsgründen schnell und aufwändig entfernen lässt, gab es keine Vorkommnisse. Ein Aufkleber „Führerlose U-Bahn“ sei jedenfalls niemandem aufgefallen, erklärte VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger.

Ob die VAG nicht selber den Vorschlag übernehmen und so gleichzeiting Nürnbergs offensiven Umgang mit seiner Vergangenheit dokumentieren könnte? „Mit dem Begriff führerlos arbeiten wird nicht.“ Nicht einmal „fahrerlos“ werde mehr verwendet. Die VAG will für diese Fahrzeuge vielmehr den Begriff „automatisch“ etablieren.

Schade eigentlich. Aber Humor im Nahverkehr wäre auch etwas viel verlangt.

Die Anbetung der Röhre

Gerade hat im Nürnberger Rathaus die Anhörung zum Frankenschnellweg begonnen. Immerhin werden die Einwände jetzt doch öffentlich behandelt. Bevor jetzt aber alle jubeln und meinen, nun werde jetzt alles gut, will ich da mal ein bisschen auf die Bremse treten.

Auch beim Frankenschnellweg wird nur ein einzelner Missstand behoben. Da rückt man der – zugebenermaßen absurden – Situation zuleibe, dass auf einer Quasi-Autobahn zwei Ampelanlagen stehen. Wer da im Stau steckt, flucht und denkt: „Haben die sie noch alle?“ Kann man verstehen. Trotzdem wird auch mit einem Ausbau des Frankenschnellwegs nur der verkehrspolitische Flickenteppich in Nürnberg um ein teures Brokatstückchen erweitert. Am Grundsätzlichen ändert sich nichts: In Nürnberg sagt keiner, wo es verkehrspolitisch hingehen soll.

Im Augenblick gibt es nämlich keinen Plan, sondern Glaubensgrundsätze. Wo die her kommen, belegt sehr gut dieses Bild aus dem Jahr 1978.

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Nürnberg profiliert sich mit Führerlosigkeit

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen Städte versuchen, sich als gutes Pflaster für zukunftsträchige Unternehmenssparten zu profilieren. Fürth bemüht sich etwa mit dem Slogan „Denkmalstadt“ als Mekka für Altbausanierer hervorzutun. Erlangen ist bekanntlich bei der Medizintechnik gelandet.

Nürnberg hatte sich, immerhin ist Suse hier beheimatet, als Open-Source-Kommune versucht. Doch leider hatte man es nicht einmal im Rathaus geschafft, das städtische Datenwesen von Windows auf Linux umzustellen. Möglicherweise war da nicht allein die Unkenntnis der Stadträte und Verwaltungsleute in Computerfragen der Grund, sondern ein ziemlich peinlicher Vertrag, den die Stadt vor ein paar Jahren mit Microsoft abgeschlossen hatte, um kostenlos an ein paar Softwarepakete zu kommen.

Wie dem auch sei, jetzt darf man dieses Kapitel getrost schließen, denn Nürnberg kann sich auf einem anderen Terrain Meriten erwerben: der „Führerlosigkeit“. Die fahrer- bzw. führerlose U-Bahn fährt ja inzwischen und nun wurde in Nürnberg ein Fraunhofer-Institut eingeweiht, das an Autos arbeitet, die selbsttätig Parkplätze suchen, aber vielleicht auch Kinder ins Ballett bringen oder alleine nach Hause fahren, wenn man zu viel getrunken hat.

Dieser städtische Wirtschaftsschwerpunkt hat nicht nur den Vorteil, dass jeder, der irgendwo Fahrpersonal wegrationalisieren will, in Nürnberg die erste Adresse erblickt, er hat auch eine enorm imagefördernde Wirkung für die Stadt, die – vor allem im Ausland – immer noch mit den Reichsparteitagen in Zusammenhang gebracht wird.

Für den Führer ist Nürnberg nicht mehr zuständig, diese Botschaft werden die Fraunhofer-Leute und die von Geisterhand gesteuerten Autos künftig gleich mit in die Welt transportieren.

Nürnberg: Finanzkrise, welche Finanzkrise?

Nächste Woche stehen in Nürnberg die Haushaltsberatungen an. Die Tendenz dabei: So tun, als wäre nichts! Der Kämmerer legt die alte Platte auf, die man schon seit den 70er-Jahren auf dem Teller hat: Der Freistaat soll Nürnberg nicht länger benachteiligen. Da wird dann u.a. mit Staatstheatern argumentiert, als ob es um die noch ginge. Von Finanzkrise, von Risiken, von wahrscheinlich drastisch sinkenden Gewerbesteuereinnahmen: Kein Ton. Man macht halt ein bisschen mehr Schulden und kurbelt die Wirtschaft an, indem man die üblichen Verdächtigen mit Baufträgen versorgt.

Wenn ich das mit Wohlwollen betrachten möchte, dann würde ich annehmen, dass dies Verhalten psycholgische Gründe hat. Dass man einfach keine Panik erzeugen und Ruhe ausstrahlen will. Dass man auch die Haushaltsberatungen nicht unnötig in die Länge ziehen und nicht zielführende Endlosdebatten der 70 Nürnberger Stadträte provozieren will.

Ich befürchte aber, dass auch in der Praxis business as usual betrieben werden soll. Dass die Stadt wirklich Delfinlagune, Frankenschnellweg etc. zu bauen anfangen will, um Fakten zu schaffen, um dann bei  den mit Sicherheit anstehenden Kürzungen durch Bund und Land (die müssen schließlich irgendwie ihre Rettungspakete stemmen) nicht betroffen zu sein. Wie die CSU im Freistaat mit Franken umgegangen ist, kann ich das sogar teilweise nachvollziehen – vor allem, weil ja in der Nürnberger Finanzpolitik die SPD (Kämmerer Harald Riedel und Ex-Kämmerer Ulrich Maly) das Sagen hat. Bloß sind das alles nicht nur Fremdmittel (für den Steuerzahler sowieso nicht), die bei diesen Millionenprojekten verbraten werden. Wenn man nur allein betrachtet, wer alles am Tropf der Geldinstitute hängt, welche sozialen und kulturellen Einrichtungen beispielsweise über die Sparkassenstiftung jene Zuschüsse erhalten, die ihnen die Stadt schon in den letzten Jahren nicht mehr zahlen konnte. Da werden einige, die dann ihren Laden dicht machen oder ihre Aktivitäten gegen Null fahren müssen, der Stadt ihre Schnellweg- und Lagunenpläne um die Ohren hauen.

In anderen Städten werden solche Probleme mittlerweile intensiver thematisiert .  In Nürnberg tut man hingegen noch so, als hätte man alles im Griff und wiegelt ab. Dabei ist längst bekannt, dass die Stadt was die Finanzkrise angeht (sonst auch nicht) keine Insel der Seeligen ist. Hier ein Zitat aus anwalt.de, das genau dies – anhand der Cross-Border-Leasing-Geschäfte (Nürnberg hat Klärwerk, U-Bahn-Röhren und U-Bahn-Fuhrpark verleast) – belegt:

Weil als Leasinggeber häufig US-amerikanische Banken und Versicherungen fungierten, kann die Finanzkrise nun auch die deutschen Kommunen hart treffen: Die CBL-Geschäfte der Städte Berlin und Nürnberg beispielsweise werden über die AIG (American International Group), einen amerikanischen Versicherungskonzern abgewickelt, der kürzlich vom amerikanischen Staat nur mit Hilfe eines Kredits von 85 Milliarden US-Dollar vor der Pleite gerettet werden konnte.

Die Folge war, dass die AIG nun von den Rating-Agenturen schlechter bewertet wird. Das kann für die Kommunen erhebliche finanzielle Belastungen zur Folge haben. Denn in vielen Verträgen haben die Kommunen die Haftung für die Liquidität des Leasinggebers übernommen und sich vertraglich dazu verpflichtet, wenn die Bonität schlechter als die Ratingklasse AAA ist, einen neuen Vertrag mit einem anderen Versicherer abzuschließen. Diese neuen Verträge sind jedoch mit erheblichen Mehrkosten verbunden, so dass letztlich auf einen einzelnen kommunalen Haushalt Mehrbelastungen in Millionenhöhe zukommen können.

Im Fall des Crashs der Leasing gebenden Bank oder Versicherung kann es sogar sein, dass die Kommunen den Rückkaufwert nochmals bezahlen müssen. Die Kommune müsste also für den Rückkauf des Leasingobjekts zweimal bezahlen. Zudem denken viele Finanzinvestoren angesichts ihrer Milliardenverluste an den Ausstieg aus den laufenden CBL-Verträgen.

Erster schwerer Unfall mit der fahrerlosen U-Bahn

Am Donnerstag wurde eine 54 Jahre alte Frau von einer fahrerlosen U-Bahn am Rathenauplatz überfahren und getötet. Was zuerst wie eine tragische Polizeimeldung aussieht, dürfte aber Folgen für die Zukunft des Nürnberger U-Bahnprojektes haben, das schließlich auch anderen Städten verkauft werden soll. Denn selbst wenn die Nürnberger Verkehrs AG nach dem ersten schweren Unfall mit der neuen fahrerlosen U-Bahn einen Systemfehler ausschließt (wobei es daran auch Zweifel gibt), dürfte sie auch bei einem Suizid in Kalamitäten kommen. Denn für Selbstmord ist die von einer Boulevardzeitung bereits zum „Geisterzug“ umbenannte U-Bahn wahrscheinlich besser geeignet als die mit Fahrern besetzte (bei denen man nicht weiß, wie schnell sie reagieren, und die bei solchen Unfällen zusätzlich belastet werden).  Sollen weitere Selbstmorde verhindert werden, dann braucht man dafür aber wahrscheinlich wieder das Personal, das in den Führerständen eingespart wurde.

Spielt Beckstein mit Köpfen Fußball?

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein lässt nichts unversucht, sich als Mann des Sports zu profilieren. Ohne Rücksicht auf zwangseingetriebene Rundfunkgebühren ließ er sich (offensichtlich mit Unterstützung eines Stuntmans) gerade erst in der Staatskanzlei abseilen. Nun bemühte er in seiner Aussage zu den Münchner U-Bahn-Tätern wieder den Sport, wo er nun wirklich überhaupt nicht passt:

„Wer ohne einen vernünftigen Anlass und ohne Anstand mit dem Kopf eines anderen Menschen Fußball spielt, so jemand hat in Deutschland nichts zu suchen.“

Gibt es denn einen vernünftigen Anlass, um mit anderer Menschen Köpfe Fußball zu spielen?