Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:
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Freesteffen: Clubfans hadern mit ihrer Zeitung

ARCHIV - Hinter einem Gitter laufen am 21.11.2014 Gefängnisinsassen der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart (Baden-Württemberg) über einen Gefängnishof. Foto: Daniel Naupold/dpa (zu lsw: «Schitzen statt sitzen" vom 29.03.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Zwischen uns Journalisten und der FCN-Community hängt gerade der Haussegen ein bisschen schief. Letztlich geht es um die Frage: Darf ich in den sozialen Netzwerken aus der Zeitung zitieren oder nicht.

Der Twitterer 2_Steffen versorgt seine Follower öfter mal mit mehr oder weniger knackigen Sätzen, die er in den örtlichen Zeitungen über den Club gefunden hat. Der eine (ich gehöre da auch dazu) stuft sowas als Appetitanreger ein, der andere als Geschäftsschädigung. Die NN-Sportkollegen tendieren offensichtlich zu letzterem und setzten folgenden Tweet ab:

nnsport

Schon entzündete sich jene Diskussion, die schon vom Leistungsschutzrecht bekannt ist, auch unter den Clubfans. Wobei es hier freilich nicht gegen einen Großkonzern wie Google geht, sondern gegen junge Freunde des lokalen Profifußballs.

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Welches Panorama wir sehen wollen

sonneborn
Nein, solche Bilder will doch niemand sehen. Beim Bundesparteitag 2008 der „Partei“ hatte sich deren Vorsitzernder Martin Sonneborn in Führer-Pose vor dem Reichsparteitagsgelände aufgebaut. Wenn Satire so billig zu haben ist… Aber jetzt scheint der Spuk vorbei zu sein. Am Donnerstag will das EU-Parlament über die Panoramafreiheit befinden und dann könnte es mit dem Veröffentlichen solcher Panoramen bald ein Ende haben. Beispielsweise könnten dann irgendwelche Abmahnanwälte versuchen, die Erben Albert Speers aufzutun und diejenigen, die mit der Naziarchitektur ihre Scherze treiben, zur Kasse zu bitten.

Panoramafreiheit? Den Lesern der regipnalen Printerzeugnisse muss dieser Begriff möglicherweise noch erklärt werden. Panoramefreiheit heißt, dass man Fotos von Gebäuden und öffentlichen Kunstwerken machen und sie frei verwenden darf. In Deutschland ist das bislang möglich. In manchem anderen EU-Land jedoch nicht. Letzteres könnte eventuell demnächst für alle gelten.
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Dieses Blog darf kein vipfreier Raum sein

Gestern Abend gab es auf Phoenix eine Premiere: Erstmals war ein Vertreter der Piratenpartei zu einer TV-Talkshow eingeladen. Das Thema hieß Urheberrecht, was aber nicht so erheblich war. Weder der Moderator Christoph Minhoff, noch der Fechter für die Interessen der Musikindustrie, der ehemalige Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU), lieferten substanziell Neues. Dummerweise eierte auch Dirk Hillbrecht, der Chef der Piratenpartei, ziemlich herum und machte im alten Flimmermedium keine so gute Figur wie im Netz.
Aber sei´s drum. Das Netz sprang via Twitter in die Bresche und Tausende zeigten, dass sie gute Aussichten hätten, bei einer künftigen Phoenix-Castingshow (Idee: CreativeCommons) „Ich kann Piratenparteivorsitzender“ ganz vorne dabei zu sein. Sie griffen nämlich die zentrale Aussage von Rupert Scholz „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ (im Video unten etwa bei Minute 6.00) auf und stellten sie vom Kopf auf die Füße.
Zunächst wurde dann: Das Fernsehen darf kein hirnfreier Raum sein. Dann: Der Karpfenteich darf kein hechtfreier Raum sein. Oder: Das Theater darf kein Brecht-freier Raum sein….
Halt alles Dinge, auf die man – wenn einem nicht gerade Fernsehscheinwerfer auf die Birne prellen und blöde Moderatoren zusalbadern – kommen und so den Scholzens dieser Welt ein bisschen in die Parade fahren kann.
Ich habe dann, nachdem via Twitter schon zahllose Beiträge die ganze Nacht über eingetrudelt waren, am Morgen Folgendes beigesteuert: Die Kanalisation darf kein scheißefreier Raum sein.
Die gesammelten Raumsprüche kann man übrigens hier nachlesen.

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