Burkert und die inszenierte Report-Sendung

LOKALES                                                         FOTO: Eduard Weigert     DATUM: 6.3.13  Gabriela Heinrich Martin Burkert   SPD Karl Bröger Haus
Der Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Burkert hat es zurzeit nicht leicht. Unlängst musste er seinen Führerschein für zwei Monate abgeben. Das Vorstandsmitglied der Eisenbahngewerkschaft EVG hatte mit seinem Audi bei Ansbach ein Auto gerammt und ist dann erst einmal weiter gefahren. Jetzt gibt es Untreuevorwürfe gegen den Abgeordneten. Er soll seine Bundestagsmitarbeiterinnen für den Wahlkampf zweckentfremdet haben.

Inzwischen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Burkert und weitere drei Abgeordnete (zwei gehören dem Bundestag nicht mehr an). Sie sollen ihre laut Abgeordnetengesetz nur für die Bundestagsarbeit zuständigen Mitarbeiter fürs Plakatekleben und Flyerverteilen eingesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft bezieht sich dabei auf zwei Berichte von „Report Mainz“ aus den Jahren 2011 und 2013. Heute hat sich die Bildzeitung drangehängt, ein Bild Burkerts mit der Schlagzeile „Untreueverdacht“ und dem Hinweis abgedruckt, der SPD-Politiker habe sich zu einer Bild-Anfrage nicht äußern wollen.
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Facebook: Wahlkampf heißt löschen

Im Real Life dümpelt der Wahlkampf eher so dahin. In den Social Networks wird hingegen mit harten Bandagen vorgegangen. Insbesondere wenn es um die eigentlich dort vorgesehene Diskussion und die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden geht. Besonders CSU-Politiker (aber auch die CDU) kennen da nichts und löschen, was das Zeug hält.

Ministerpräsident Horst Seehofer zum Beispiel. Der nutzt bei Facebook ausgiebig die Löschfunktion, um nicht mit dem Fall Mollath belästigt zu werden. Auch die Nürnberger Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl lässt inzwischen löschen. Und das, obwohl sie so etwas im umgekehrten Fall, überhaupt nicht leiden kann.

Laut Wöhrl sei ihr Facebookaccount von drei AfD-Leuten für Wahlwerbung missbraucht worden. Denen wolle sie keine Plattform bieten. Außerdem seien „Leute in ordinärem Ton diskriminiert“ worden. Aus diesen Gründen habe sie rund 25 Kommentare, die auf ihren Facebookeintrag zur guten Unionsbilanz für die zu Ende gegangene Bundestgasperiode eingegangen sind, gelöscht.

Das Internet vergisst bekanntlich nichts. Daher hier die gelöschten Kommentare mit dem Hinweis, dass der dort häufiger auftretende Martin Linek ehemaliges CSU-Mitglied und jetzt bei den Freien Wählern ist. weiter lesen

Eine Handvoll Stimmen reicht

Manchmal denke ich, dass die Triebfeder im Netz aktiv zu werden, pure Verzweiflung ist. Ein aktuelles Beispiel dafür liefert die SPD. Wenn man zum Beispiel deren bayerischen Vorsitzenden Florian Pronold beim Twittern zusieht, denkt man: Was soll das Ganze (außer vielleicht, dass ein persönlicher Mitarbeiter beschäftigt ist)? Jedes Kaff, in dem er irgendein Gespräch führt, teilt er seiner Followerschaft mit. Und wenn alle zwei Monate sich doch noch versehentlich ein Neumitglied in die bayerische SPD verirrt, gibt es einen Pronoldschen Jubeltweet. Auf Anfragen, etwa zu Wahlergebnissen oder zu ihn persönlich betreffenden Artikeln gibt Pronold keine Antwort.

Besser macht des, der in diesem Blog schon erwähnte Nürnberger Direktkandidat Günter Gloser. Dennoch kommt auch hier zunehmend Verzweiflung zum Vorschein. Oder, wie sollte man so etwas interpretieren?

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Satire ist es jedenfalls keine. Höchstens unfreiwillige (hier übrigens das aufwändige Werben um eine Handvoll Stimmen noch im Gesamtzusammenhang). Es kommt eigentlich eher Mitgefühl auf. Ebenso wie bei den anderen Bemühungen der Nürnberger SPD sich als lustiger Haufen zu präsentieren.

Für die, die weder Clint Eastwood, noch den angesprochenen Western kennen, will ich wenigstens noch den nötigen Zusammenhang herstellen.
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Nachtrag: Inzwischen hat auch Thomas Knüwer vom Handelsblatt das Nürnberger SPD-Video aufgegriffen.

Nette Piraten und twitternde Kandidaten

Die Bundestagswahl wird im Internet entschieden. Diesen Satz habe ich bislang nicht so wirklich geglaubt. Seit gestern weiß ich aber, die Kandidaten scheinen da anders zu ticken. Eine Veranstaltung, wie die „Twittagspause“ von Günter Glöser auf der Wöhrder Wiese in Nürnberg hätte – wäre sie in Berlin, Düsseldorf oder Hamburg abgehalten worden – Tweets und Postings ohne Ende nach sich gezogen. In Nürnberg ist man da etwas unaufgeregter. Dennoch wird man sich später vielleicht noch mal daran erinnern, als Startschuss für den hiesigen Internetwahlkampf.

Eigentlich war für gestern schon ein Twitteressen angesetzt. Eines dieser Twittagessen, die in Nürnberg (mittags passt es den meisten nicht so recht), auf den Abend verlegt wurden und daher „Twabendessen“ genannt werden. Es sollte das dritte Twitteressen in Nürnberg werden. Aber da war der Staatsminister für Europaangelegenheiten Günter Gloser vor. Er kandidiert im Nürnberger Norden als Direktkandidat für die SPD und begann schon vor der Europawahl im Internet heftig zu wirbeln. Videos, ein Audioblog, Twitter und Facebook – an Günter Gloser kommt man im Netz nur schwer vorbei. Für gestern hatte er seine mehr als 1000 Follower bei Twitter per Direktmessage zur Twittagspause eingeladen und damit eine Konkurrenzveranstaltung zum schon länger angesetzen „Twabendessen“ aufgezogen. Sein Wahlkampfteam wurde dafür in eigens gedruckte rote T-Shirts gesteckt, auf denen „Follower von Günter Gloser“ stand. Auch rote Kugelschreiber oder Fensterputztücher hatte Gloser für das möglicherweise noch unentschlossene Twitter-Wahlvolk parat.

Das Wahlvolk kam dann auch zahlreich. Dummerweise war es nicht wirklich unentschlossen. Außerdem hatte es meist auch noch schwarze T-Shirts an, auf denen „Piratenpartei“ stand. Der Kontrahent Glosers um das Direktmandat, der ehemalige Grüne und jetzt zur Piratenpartei gewechselte Emanuel Kotzian („es gibt gute Parteien und bessere Parteien“), war ebenfalls dabei.  Die Piraten diskutierten mit Gloser über Internetsperren und Zensursula, wobei man sich (im realen Leben ist der Ton dann doch um einiges freundlicher als im Netz) eigentlich ganz nett fand. An den Unterschieden in der Sache änderte das freilich nichts. Immerhin gab es am Ende der Debatte aber einen „Trikottausch“ zwischen Gloser und Kotzian.

Gloser die Tour vermasseln wollte auch noch jemand anders: die ebenfalls in Nürnberg-Nord als Direktkandidatin antretende Dagmar Wöhrl. Die CSU-Politikerin ist ebenfalls bei Twitter unterwegs und war daher informiert, dass ihr Kontrahent mit seinem Twittertreffen Wahlkampf machen wollte. Was sie allerdings nicht wußte war, dass da auch die Piraten auftreten. Anders als Gloser mochte sie mit denen nicht unbedingt über das Verhalten ihrer Ministerin Ursula von der Leyen diskutieren. „Ich bin als Twitterin da und nicht als Bundestagskandidatin“, sagte sie. Immerhin unterstrich sie das dann auch, indem sie am Abend noch das wahlkampffreie „Twabendessen“ besuchte.

Zwei Twitteressen an einem Tag, damit ist sie sicher vorerst einsame Spitze. Da wird sie es sicher verschmerzen, dass sie von anderen Twitterern gefragt wurde, wer sie denn sei und wie ihr Twittername lautet (man muss ja schließlich nicht jeden kennen, gell Olschok?).

Der Wähler ist verweichlicht

Das Zitat mit den zwei Maß kam schlecht an. Die Landhausjacke seiner Frau Marga ebenfalls.  „Zum Wohl, im Bier ist kein Alkohol“ wird zum Wiesn-Hit, und schließlich bekommt der FC Bayern eine Klatsche, an der eigentlich auch nur der arme Günther Beckstein schuld sein kann. Dabei sind es doch nur die verweichlichten Wähler, die schon nach einem Bier platt machen. Das Wahlvolk ist einfach nicht reif für unseren Günther (interessant wird es übrigens ab Minute 5.10):

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Stoppt die Wandergruppen!

Jetzt bringt Ralf Ollert und seine NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ auch noch das Wandern in Verruf und die wenigen aus Deutschland stammenden Gastronomen in Stress. Ollert hatte nämlich die Vereinsgaststätte des SV Maiach für eine Wahlkampfkundgebung gemietet, weil da „kein Ausländer drauf ist“ und seine rechtsradikalen Ausländerfeinde als „Wandergruppe“ angekündigt. Der Wirt dachte sich zunächst nichts Böses, schließlich ist Wandern ja des Müllers Lust und eigentlich etwas Unpolitisches. Als er dann doch noch merkte, auf wen er sich da eingelassen hatte, zog er seine Zusage zurück. Die Neonazis mussten draußen bleiben.

Also Wirte: Nehmt euch in Acht, wenn sich Wandergruppen anmelden! Und Wähler: Passt auf, sonst stoppen sie erst die Ausländer und dann die Wanderer!

Wahlkampf im Netz: Gerlinde

Gerlinde KörberGegenwärtig hat die CSU 32 Sitze im 70-köpfigen Nürnberger Stadtrat. Selbst wenn es nach der Kommunalwahl am 2. März 2008 noch ein paar mehr würden, Gerlinde Körber hätte keine Chance dabei zu sein. Sie wurde von ihrer Partei auf Platz 45 gesetzt.

Da muss eine Frau sich etwas einfallen lassen und für sich persönlich die Werbetrommel rühren – und das tat Gerlinde Körber. Ihr Webauftritt ist, selbst wenn man über die Nürnberger Verhältnisse hinaus blickt, ziemlich einmalig. So werben vielleicht amerikanische Präsidentschaftskandidatinnen für sich, nicht aber fränkische Hinterbänkler.

Wenn es „Gerlinde 2008“ eventuell doch nicht schaffen sollte, von der Birnthoner Landwirtin zum Web2.0-Star und in die große Politik aufzusteigen, dann dürfte das am Missverhältnis zwischen Form und Inhalt liegen, bzw. daran dass das CSU-Umfeld (siehe Gabriele Pauli) für bestimmte Neuerungen einfach noch nicht reif ist.

Eine Gerlinde-Seite heißt beispielsweise „misten, melken, managen“ und zeigt die „Nürnberger Webkönigin“ mit ihrem Esel, für den sie auf der Wahlkampf-Webseite gleich noch eine Partnerin sucht. Schließlich soll der Esel, der übrigens Papageno heißt, auch etwas davon haben, wenn Frauchen in den Stadtrat kommt.

Dass Frau Körber aber auf meine Mail-Anfrage, was das alles gekostet hat oder ob sie das neben der Viehwirtschaft selber programmiert hat, nicht antwortete, das dämpft meine Begeisterung dann doch etwas.

Wahlkampf im Netz: Grüne, Linke

LinkeDie GrünenDie Grünen und die Linken waren zwar im Bundestags gegen die Datenspeicherung auf Vorrat. Dass dieser Entscheidung eine tiefere Einsicht in des Wesen von Web 2.0 zugrunde liegt, möchte ich aber nicht unterschreiben. Zumindest die Webauftritte für den Nürnberger Kommunalwahlkampf tendieren doch sehr zum Kläglichen. Besonders die grüne Webseite wirkt reichlich altbacken. Dazu passt auch, dass die „aktuelle“ Topmeldung dort immer noch die Tagesordnung der Delegiertenkonferenz am 23. November 2007 ist.

Ein bisschen frischer ist zwar die Aufmachung der Linken, die – sei es um Geld zu sparen, sei es um Geschichtsbewusstsein zu demonstrieren – gleich die Adresse der PDS benutzt. Ansonsten greifen die Nürnberger Linken zumeist auf das Angebot zurück, das von der Bundespartei zur Verfügung gestellt wurde. Das reicht von Gysi und Lafontaine in bewegten Bildern bis zum zentralen Hartz-4-Notruf.

Wahlkampf im Netz: Die Guten

duerer_pose.jpg„Wähl dich selbst, dann wählst du gut!“, mit diesem Slogan war die Wählergemeinschaft „Die Guten“ 1990 erstmals zur Kommunalwahl angetreten. Ihr OB-Kandidat Kurt zog mit dem Lied „Hier kommt Kurt, ohne Helm und ohne Gurt“ in den Wahlkampf. Es wurde dennoch ein anderer.

Diesmal schlüpfte Nikolaus Struck aus einem Ei, um erneut das Rathaus für die Guten zu erobern. Damit die Schlechten dort endlich den Guten Platz machen, hat die Wählergemeinschaft auch eine Webseite mit Foren und Unterhaltsamen aus der Guten-Historie eingerichtet. Demnächst sollen von dort aus auch die Webseiten aller guten Stadtratskandidaten erreichbar sein, verspricht der zuständige Webmeister Christian Körner, dem die Guten den Titel „Beauftragter für Internet und Irrtum“ verliehen haben.

Da es sich bei den Kandidaten um echte Individuen handelt, dürfte das auf jeden Fall interessant werden. Vorausgesetzt es handelt sich dabei nicht um einen Irrtum.

Wahlkampf im Netz: Ulrich

Utz UlrichGroße Chancen besitzt die OB-Kandidatin der FDP eh nicht. Deswegen reicht ihr offensichtlich eine bescheidene Visitenkarte im Netz aus, auf der man über Christiane Alberternst dann auch nicht viel mehr erfährt, als dass sie für den Ausbau von Kindertagesstätten (das aber massiv) ist, und dass sie trotz ihrer zwei Männernamen die Interessen der Frauen vertreten möchte.

Anders, was die Chancen angeht, sieht es bei Utz Ulrich aus. Auf seiner Homepage sieht man auch warum. Der Mann hat sich mittlerweile extrem fein verwobene Netzwerke geschaffen. Mit Zuschussanträgen für seine Klientel sorgt er dann dafür, dass ihm die bei jeder Kommunalwahl durch die Stimmen dieser Klientel wieder der Einzug ins Stadtparlament gelingt, und zwar so sicher, dass er sogar die Verkleinerung des Stadtrates von 70 auf 50 fordern kann. Bei manchen der vielen Vereine und Organisationen, in denen Ulrich sitzt, hat man allerdings den Eindruck: Ohne den FDP-Mann würde es sie gar nicht geben.

Trotzdem ist der Webauftritt der FDP im Allgemeinen und Ulrichs im Speziellen eine reine Umsetzung von Text und Bild ins Internet. Web 2.0-Elemente fehlen völlig. Auch vom Witz, den der FDP-Solist im realen Leben durchaus hat, ist auf seiner Homepage leider nichts zu entdecken.