Grüner Pranger will Journalisten helfen

Leute wegen ihrer Gesinnung aufzulisten und namentlich an den Pranger zu stellen, das kannten wir bisher eher von Nazi-Gruppen. Jetzt praktiziert die den Grünen nahe stehende Heinrich-Böll-Stiftung Ähnliches. Auf agentin.org ist ein Wiki mit Personen und Organisationen zu finden, die nicht feministisch sind. Dabei wendet sich die Plattform ausdrücklich auch an uns Journalisten, die gemutmaßt Entscheidungshilfen brauchen, wen sie interviewen sollten und wen lieber nicht:

Die Agent*In erleichtert u.a. Aktivist_innen, Multiplikator*innen und Journalist*innen sowie Bildungseinrichtungen die Recherche zu anti-feministischen Akteur*innen und bietet die Möglichkeit, sich anhand der Informationen selber ein Bild über deren ideologische Ausrichtung und Vernetzung zu machen.

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Wie arbeitet VroniPlag?

Beim niedersächsischen Kultusminister Bernd Altusmann hat „die Zeit“ zur Abwechslung mal die Recherchearbeit übernommen, die sonst von GuttenPlag oder VroniPlag geleistet wird. Genauer gesagt, sie hat einen Gutachter damit beauftragt. Und prompt kommen Zweifel auf. Allzu dünn ist die Faktenlage, allzu schnell können Interessierte behaupten, hier seien Parteiinteressen und Antipathien die Triebfeder gewesen.

Von einem „Apparat“ wie VroniPlag kann selbst eine große Wochenzeitung nur träumen. Auch professionelle Gutachter können nicht das leisten, was die rund 40 VroniPlag-Aktiven leisten. In ihrer Freizeit. Bezahlen könnte das ohnehin keiner.

Unterschiedliche Kulturen, die wohl nie zusammenfinden werden!


Aber egal. Heute besuchte „Goalgetter“ trotzdem die NZ. „Goalgetter“ war Mitarbeiter bei Guttenplag und ist Initiator des Nachfolgeprojekts VroniPlag. Wohlgemerkt: Initiator. Einen Chef gibt es dort nicht. Sonst, so erzählt „Goalgetter“, würde wahrscheinlich keiner mehr mitmachen.
Auch wenn jemand anfangen würde, jetzt durch die Talkshows zu tingeln, dort „den Kämpfer gegen das Abschreiben“ zu geben und die Ehre für sich einzuheimsen, gäbe es Ärger. Insofern ist das schon ein Grund, seine Birne und seinen Namen rauszuhalten (ein anderer ist der, dass einen Publicity nur von der Arbeit abhält). Einer wie Jorgo Chatzimarkakis, dem jetzt ebenfalls der Doktortitel entzogen wurde, dessen Uni auf ihrer Homepage mit den (oben abgebildeten) fliegenden Doktorhüten wirbt und der die Plagiatsjäger mit den Tyrannen der Antike verglichen hat, wird das wohl nie verstehen. Dafür funktioniert VroniPlag, im Gegensatz zur profilierungsgeilen FDP.
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Wiki-Experten unter sich

Nachdem die beiden Profs mit juristischen Schritten gedroht hatten, haben wir beschlossen, den am 20. Juni publizierten Beitrag mit einer anderen Überschrift neu anzulegen. Wegen der sprechenden URL war eine einfache Änderung nicht möglich. Ich bitte alle, die sich an der Diskussion beteiligt haben und deren Links jetzt ins Leere führen, um Entschuldigung. Andererseits wollte ich den Beitrag auch nicht sang- und klanglos verschwinden lassen.

Dazu braucht man keinen Hajo Schumacher um festzustellen, dass die Mitglieder von Guttenplag und Vroniplag im letzten Jahr in der Politik mehr bewegt haben als Kanzlerin Angela Merkel. Aber, und das ist leider nicht bloß in der Politik üblich: Man reagiert darauf nicht mit mehr Engagement und größeren Anstrengungen. Nein, man versucht, demjenigen, der besser ist, Knüppel in den Weg zu werfen.

So haben sich nun zwei Professoren aus Frankfurt/Oder aufgemacht, sozusagen undercover, das VroniPlag-Wiki aufzumischen: Prof. Dr. Johannes Weberling und Prof. Dr. Wolfgang Stock. Die beiden betreiben das Blog „Wiki-Watch“ – und zwar nicht irgendwie privat und als Freizeitvergnügen, sondern im Rahmen des „Studien- und Forschungsschwerpunkt Medienrecht“ der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina.
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Rettet den Bratwurstjournalismus!

Mit ihren Relevanzkriterien haben die Wikipedia-Platzhirsche jetzt auch den Begriff Bratwurstjournalismus auf die Löschliste gesetzt. Bekanntlich wurde der Urheber des Begriffs hier in diesem Blog erstmalig dazu interviewt. Allein die Kommentare dazu zeigen, dass den Sachverhalt, für den Hardy Prothmann diesen Begriff kreierte, ganz offensichtlich viele kennen. Und wenn etwas relevant ist, dann ist es doch: Griffige Bezeichnungen für etwas zu finden, das die Menschen ganz offensichtlich beschäftigt. Anderherum besteht genau darin auch der Informationsbedarf, den Wikipedia ja angeblich stillen will. Wenn irgendwo ein neue Begriff auftaucht, den ich vielleicht noch nicht kenne, dann schaue ich den dort nach. Die nach Schulpädagogensicht als relevant eingestuften Begriffe kennt man doch meistens ohnehin.

Warum einige dieser (beleidigten) Leberwurst-Enzyklopäden genau dies anders sehen wollen, verstehe ich nicht. Das muss wohl an ihrem Wesen liegen. Vielleicht ist nicht ausreichend für ihr leibliches Wohl gesorgt. Wie auch immer. Im Franken-Wiki der NZ ist der Begriff jedenfalls schon länger unbeanstandet aufgeführt. Wenn Wikipedia aus eigenem Unvermögen solchen kleineren Wikis den Aufschwung ermöglicht, soll es mir auch recht sein.

Auf jeden Fall sollte jeder mithelfen, dass der Bratwurstjournalismus weiterleben kann.