Wer verprellt die Klassikfreunde? Die CSU!

Da hat der Bayerische Rundfunk schon einmal einen erfolgreichen Nischensender und dann will er den aus dem frei empfangbaren UKW-Kanal ins digitale Abseits befördern. Bei den – zugegebenermaßen zahlenmäßig überschaubaren – Hörern von BR-Klassik gibt es deshalb einen Aufschrei. Online-Petitionen werden gestartet, die Freunde in den Feuilletons geweckt, sogar der Blogger für das Reiche und Schöne nimmt sich des Themas an.

Im Mai wird der Rundfunkrat über die Zukunft von BR Klassik und das stattdessen geplante Jugendprogramm „Puls“ (war nicht schon Bayern 2 und Bayern 3 als Jugendprogramm gestartet und was wird dann in 15 Jahren verschwinden, wenn die Puls-Macher in die Jahre gekommen sind?) befinden. Es gäbe auch noch einen anderen Grund sich mit dem Rundfunkrat zu beschäftigen: das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ZDF-Staatsvertrag. 40 Prozent staatliche oder staatsnahe Vertreter in dem Gremium seien zu viel. Das dürfte nicht nur fürs ZDF gelten.

Aber zurück zu unseren Klassikfreunden, meist älteren, gesetzteren Leuten, die gar nicht wissen, wo sie ein Digitalradio herbekommen sollen, die aber vielleicht auch nicht wissen, wer ihnen jetzt diese Gemeinheit einbrockt.

Um dies aufzuklären, sollten wir uns die Bestzung im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks näher ansehen. weiter lesen

TV ohne GEZ

ARD und ZDF wollen den Kabelnetzbetreibern nichts mehr bezahlen. Ganz offensichtlich glauben die Senderverantwortlichen, in einer vorteilhaften Verhandlungsposition zu sein. Das stimmt allerdings nur zum Teil. Wenn beispielsweise Kabel Deutschland sicher stellen würde, dass seine Kunden keine öffentlich rechtlichen Sender mehr empfangen können, dann müssten auch keine Rundfunkgebühren mehr bezahlt werden. Und „TV ohne GEZ“ wäre dann wirklich etwas, was man der Kundschaft schmackhaft machen könnte.

Dass ein solches Angebot auch bei Kabel Deutschland in Erwägung gezogen wird, macht die Antwort auf meine Anfrage deutlich, in der ich wissen wollte, ob „TV ohne GEZ“ eine Alternative wäre. Darauf hieß es: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir in der Öffentlichkeit keine Szenarien diskutieren wollen.“

Hier die gesamte Antwort im Wortlaut: weiter lesen

Der ewige Gottschalk

Als Samuel Koch am 4. Dezember 2010 bei „Wetten, dass..?“ in Düsseldorf schwer verunglückte, schien das das Ende der Sendung zu sein. Zumindest das für Thomas Gottschalk als Moderator dieser Sendung. Danach erklärte er jedoch, noch bis zur Show am 18. Juni in Palma de Mallorca weiter machen zu wollen. Dann sei aber wirklich Schluss.

Manche hegten da schon Zweifel. Der Kulmbacher Entertainer, der gerne auch mal seine Hände schweifen lässt, klebe am Wett-Sofa wie die davor aufgebauten Gummibärchen in der Schale. Nicht umsonst hätten er und Co-Moderatorin Michelle Hunziker anklingen lassen, auf dem Sofa gemeinsam alt werden zu wollen.

Jetzt scheinen die beiden durch die Hintertüre doch noch ihren Willen zu bekommen. Überraschend dezent gab man bekannt: Nach der Mallorca-Show werde es drei weitere Shows geben. Eine davon findet in der Messe Nürnberg statt und zwar am 8. Oktober 2011 .

Dass das ZDF zur Erklärung angibt, man wolle die Städte, denen man schon vor dem Unfall Zusagen gegeben habe, „nicht vor den Kopf stoßen“, ist natürlich Quatsch. Sowohl die Messe als auch die Nürnberger hätten das gut verkraftet und ohne „Wetten, dass..?“ weiter leben können. Zumal die letzten Sendungen der Stadt relativ wenig gebracht haben. Oder hilft es dem Image in der deutschsprachigen Welt, dass Nürnberg dort mit Senf in Verbindung gebracht wird?

Ganz offenbar können Gottschalk und das ZDF jedoch nicht ohne „Wetten, dass..?“ leben und schieben jetzt die Fürsorge für Nürnberg vor. So kann man auch davon ablenken, dass man selbst veränderungsresistent und ideenbefreit ist.

…dabei hatte ich gerade mal ein bisschen Sympathie fürs ZDF gewonnen.

Warum blockt man nicht ARD und ZDF?

Ich gebe es zu, auch ich habe am Samstag „Wetten, dass…?“ geguckt. Aus familiären Gründen. Aber wenn diese Sendung eingestellt würde, dann wäre mir das keine einzige Träne wert. Dann würde meine Familie problemlos irgendeinen anderen Quatsch finden, auf den sie sich einigen kann.

Womit ich bei Nikolaus Brender wäre. Wegen der Nichtverlängerung des ZDF-Chefredakteurs hätte ich eigentlich „Wetten, dass…?“ gar nicht gucken sollen. Zur Wiedergutmachung daher erst einmal Georg Schramms Beitrag zu dieser Ich-will-meine-GEZ-nicht-mehr-zahlen-müssen-Aktion:
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Derart wieder an meine unfreiwillige Unterstützung solcher Machenschaften/Sendungen erinnert, kommt plötzlich dieses Konglomerat aus Politik, Öffentlich-rechtlichen Sendern und Geldgeilheit ins Spiel und fängt an, am Gebührenmodell zu schrauben. Superzeitpunkt, möchte man sagen. Aber das ficht diese Nullchecker offenbar überhaupt nicht an. Die wähnen sich längst in einer Nachform der Demokratie oder haben – siehe Beck – irgendwelche Verwundungen abzuarbeiten. Geld brauchen sie sowieso immer. Also, was soll`s?

Trotzdem möchte ich einen Gedanken in die Diskussion werfen. Bei den Netzsperren, hier ging es um Stoppschilder vor Kinderpornografie-Seiten, schien die Bundesregierung (damals war auch die SPD voll mit dabei) technisch in der Lage zu sein, bestimmte Inhalte vom Volk fern zu halten. Warum, bitteschön, kann sie das jetzt nicht mehr? Soll sie doch ARD, ZDF und dei anderen öffentlich-rechtlichen Sender einfach blockieren und nur für diejenigen freischalten, die nachweislich ihren GEZ-Obolus entrichtet haben. Technisch sollte dies kein Problem sein.

Allerdings: Dann würde man wahrscheinlich merken, dass keine Sau 17,98 Euro im Monat zahlt, um diese teilweise völlig derangierten Sender schauen zu können. So werden sie wahrscheinlich wieder mit ihrem Volksbeglückungsargument ankommen und behaupten, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sender Bildungsaufträge wahrnehmen und der völligen Verblödung der deutschen Bevölkerung Einhalt gebieten. Dagegen sage ich nur eines: Wenn ich schon gezwungen werde, für irgendetwas mein Geld zu opfern, dann opfere ich dem nicht auch noch meine Lebenszeit.

Sollte diesen Beitrag also irgendjemand aus der Computer- oder Handy-Entwicklersparte lesen: Wenn einer ein Produkt anbietet, das die Öffentlich-Rechtlichen ausbremst und deswegen ohne GEZ-Gebühr verkauft wird, dann verspreche ich, hier einen Werbeartikel zu bringen.

Gottschalk und seine Lästerfans

Das ZDF freut sich, denn offensichtlich lässt sich auch mit altmodischen Sendungen und betagterem Personal junges Publikum anziehen. Da ich während der Sendung in Twitter unterwegs war, würde ich mir als ZDF auf diese Zahlen lieber nichts einbilden.

Inzwischen ist es nämlich Mode geworden, sich bei den wenigen nicht aus der Konserve stammenden und seichte Unterhaltung versprechenden TV-Ereignissen bei Twitter zu treffen. Man macht ein Hashtag (eine Art Stichwort) aus, unter dem können dann alle Beiträge zu der jeweiligen Sendung live verfolgt werden. Gemeinsames Ablästern ist da angesagt. Das war schon bei „Deutschland sucht den Superstar“, bei „Germany´s Next Topmodel“ oder beim Schlager-Grand-Prix so – und jetzt bei „Wetten dass..?“ halt wieder.

Die Beiträge, die ich mitbekommen habe, waren zu mehr als 90 Prozent negativ. Die Sendung, der eine schon fast wieder rührend altmodische Schlüpfrigkeit anhaftete (siehe auch die BH-Wette unten), hatte auch wirklich seltenst Anerkennung verdient. Wenn man beim ZDF allerdings die aufgrund gemeinschaftlicher Lästerfreude entstandenen Zahlen als Qualitätsmerkmal heranzieht, kann man sich vorstellen, was auf dieser Datengrundlage künftig für ein Programm gemacht wird.

Mir soll es recht sein. Auf Twitter hat Wetten, dass…? nämlich viel Spaß gemacht (hier nachzulesen). Ich hatte beispielsweise mit einem, mir zuvor unbekannten Menschen eine Parallelwette laufen, wer während der Sendung mehr Follower verliert. Die Wette habe ich natürlich gewonnen, obwohl mir mein Wettpartner alle möglichen Leute als Follower besorgt hat. Aber ich habe mich natürlich entsprechend gerächt. Nach einer Weile haben wir, schließlich hatte sich die Aufmerksamkeit längst vom Fernseher auf Twitter verlagert, das Hashtag „wettendass“ in „twettendass“ umgewandelt.

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