Das Grid und die Zukunft der Zeitung

hersbruWenn es ein Wort des Jahres für Redakteure gäbe, dann wäre das wohl Grid. Als ich „Grid“ das erste Mal hörte, – ich gebe es zu – musste ich auch erst hier nachschauen. Unwissen íst in diesem Fall keine Bildungslücke.

Dass nun auch eher mit den Inhalten befasste Journalisten über Gestaltungsraster (Grid) sprechen, hat mit der Zeitungskrise zu tun. Die Printleser werden einerseits im Durchschnitt älter, weshalb ihnen das Lesen von Kleingedrucktem schwerer fällt. Andererseits haben mittlerweile oft auch junge Leser mit der geringen Schriftgröße Probleme, wofür auch die Smartphones verantwortlich sein sollen. Auf iPads, Kindles oder Monitoren fällt das nicht weiter ins Gewicht, da kann man die Größe einstellen. Bei Print geht das nicht.
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Wo die Kacke wirklich am Dampfen ist

Alle Welt schaut nach Japan, dabei finden doch die eigentlichen Sauereien ganz woanders statt. Am Altmühlsee zum Beispiel. Dort fallen oberbayerische Gänse, die sich in München anscheinend nicht daneben benehmen wollen, ein und verrichten massenhaft ihre Notdurft. Auf den Skandal werden wir Franken, die wir uns ohnehin oft als weiß-blaues Scheißhaus behandelt fühlen, heute über die Schürze auf den stummen Bild-Verkäufern hingewiesen (Foto).

Wie man sieht, hat der Schürzen-Texter das Thema zumindest bei der Wortwahl mit spitzen Finger angefasst. Geografisch hat er hingegen (ich bin hier im fränkischen Nürnberg und noch nirgendwo in Gänsekacke getappt) massiv übertrieben.

Schürzen-Texter, ich habe es schon ein paarmal erwähnt, sind dennoch eine Berufsgruppe, die unser Mitleid verdient hat, weil sie auf einem schmalen Grat zwischen Sensationsvortäuschung und Scheinseriosität wandeln muss. Diesmal kam wohl noch der Auftrag hinzu: „Mach mal was ohne Japan!“

„Ohne Japan“, das hätte wohl auch der bayerische Umweltminister Markus Söder ganz gern. Laut Bild hat er sofort eingegriffen und die Gänsekacke zur Chefsache erklärt. Schließlich sei Gefahr im Verzuge. Es droht nämlich Überdüngung. Immerhin, da kennt sich die Bildzeitung aus, produziert eine Graugans zwei Kilo Scheiße am Tag.

Und so lernen wir: Gänse kann man leichter bekämpfen als die Atomindustrie und Scheiße, die man sieht, belastet Phantasie und Abstraktionsvermögen weniger als Radioaktivität.

Der Tod und die Zeitung

urn:newsml:dpa.com:20090101:101029-10-11421Im Augenblick wird viel über den Tod der Zeitungen geredet und geschrieben. Der eine sagt ihn in Deutschland für das Jahr 2030 voraus, der andere für irgendwann demnächst. Viele meiner Printkollegen wiederum glauben jedoch felsenfest, dass ihr Produkt das ewige Leben haben wird.

Wie auch immer! Das Thema Zeitung und Tod ist nicht ganz neu. Es ist sogar schon so alt, dass man den Propagandisten des ewigen Lebens Recht geben möchte. Fast möchte man sagen: Ohne Tod keine Zeitung! Der „alte Schnitter“ ist wahrscheinlich sogar einer der wesentlichen Garanten für die Existenz der Zeitung.
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Die Zeitung auf Tüten

Wer es noch nicht geschnallt hat: Geld ist mittlerweile nur noch eine Währung unter vielen. Ich zum Beispiel belohne die Leser meines Blogs nicht mit Gewinnspielen, sondern hin und wieder mal mit Ideen, die ich einfach so in die Runde werfe. Vielleicht wird ja was draus. Wenn nicht, war´s wenigstens eine gute Geschichte.
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Renaissance für die Druckmaschine

Deutschlands bester Blog-Selbstvermarkter Robert Basic hat seinen letzten Beitrag im Basic Thinking Blog geschrieben. Ich entferne das Blog folglich erstmal aus meiner Blogroll und warte ab, wer den Zuschlag bekommt und was der so zusammenschreibt.
Ohnehin scheint das Bloggerwesen derzeit (ebenfalls) ziemlich im Umbruch zu sein. Hatte man sich noch vor Monaten als bessere Journaille verstanden, träumen Blogger jetzt davon, ihre Blogs als Zeitung herauszugeben, richtig gedruckt, auf Papier. 2009 scheint wirklich strange zu werden.

Nachtrag: Das Basic-Thinking-Blog wurde am Donnerstagabend für 46.902,00 Euro vom Server-Provider Serverloft bei eBay ersteigert.

Beschimpfen können wir uns selber

Hin und wieder belebe ich gerne die deutsche Sprache. Diesmal nach dem Motto: Beleidigen können wir uns selber! Daher führe ich jetzt den Begriff Holzwürmer für uns Printjournalisten ein. Diese rühmen sich bekanntlich gerne für ihre „Qualitätskontrolle“ und „Filterfunktion“, reiten dabei ihre holzbasierten Organe jedoch erst richtig in die Bredouille. Für diese Organe wurde bereits die Bezeichnung Holzmedien kreiert. Doch für die dort angestellten Akteure gab es noch nichts.

Der Begriff „Holzwurm“ deckt gleichzeitig noch eine weitere Facette des Printjournalisten ab: seine Unauffälligkeit. Gerne nimmt er bei Veranstaltungen im hintersten Eck Platz, versucht dort eins zu werden mit der Tapete oder der Wandfarbe.  Gewiefte Exemplare recherchieren daher im Vorfeld das Ambiente, um die Kleidung entsprechend abstimmen zu können. Andere nutzen dies auch dazu, irgendwann gar nicht mehr zu solchen Veranstaltungen gehen zu müssen, ohne damit aufzufallen, wie auch dieses Zitat aus der Holzwurmbeschreibung bei Stupipedia belegt:

Sollte der Wurm optisch nicht wahrgenommen werden, liegt es vielleicht daran dass er gar nicht da ist oder in einem anderen Zustand vielleicht hätte anwesend sein können, oder er macht gerade Urlaub.

Also, um das noch einmal klar zu stellen: Wir kontrollieren, was Qualität ist und was dem Leser nützt. Das gilt auch da, wo es darum geht, uns zu beschimpfen.

Unnötiger Protest gegen Schmelzer

Zeitungsleute jammern häufig, dass ihnen das Internet das Wasser abgräbt. Zur Zerknirschung scheint aber kein Anlass zu bestehen. So hat eine Nürnberger Boulevardzeitung den im Web aktiven Fans des 1. FC Nürnberg jetzt zwei Tage lang zu Überstunden verholfen: Icons wurden gebastelt, Buttons und Transparente entworfen, Protestnoten verfasst, sogar eine Unterschriftenaktion – ähnlich wie bei „Pinola muss bleiben“ – wurde angeregt.

Das Ganze ist im Clubforum Nordkurve zu besichtigen. Dort hatten sich die Fans fast einmütig gegen eine Rückkehr des einflussreichen Immobilienunternehmers Gerd Schmelzer (Sebalder Höfe, Augustinerhof, TA etc.) als Clubpräsident stark gemacht.

Schmelzer hat allerdings via Fernsehen inzwischen mitgeteilt, die Zeitungsmeldung  sei falsch und völlig aus der Luft gegriffen.

Im Internet stirbt man net

Der Traum vom ewigen Leben, im Internet wird er wahr. Das Netz vergisst nichts. Da ist schon Google vor (jetzt sogar mit Hilfe eines neuen Browsers).  Auch wenn ich im Analogen einmal nicht mehr bin, so lebe ich doch digital weiter. Denn selbst ohne die unbarmherzigen Suchmaschinen müssten meine Nachkommen schließlich alle Passwörter kennen, um meine Spuren im Netz zu tilgen. Aber nicht einmal ich habe da noch den Überblick.

Doch das ewige Leben, das man im Internet fristet, hat auch etwas Tröstliches. Daher habe ich schon lange auf eine Anzeige gewartet wie diese, die am Samstag in unserer Zeitung abgedruckt war:

ewig_1.jpg

Da hat einer für seine verstorbene Tante eine Webseite eingerichtet, auf der er ihr Leben für die Nachwelt festhält.

Wie heißt es in anderen Todesanzeigen immer:

„Sie ist nur um die Ecke gegangen.“

Alte Medien nur noch für Alte?

tita.jpgDie ARD stellt das (Jugend-)Magazin Polylux aus Kostengründen ein. Nicht dass ich diesem Magazin mit seiner eher gedopt als adelig wirkenden Frontfrau Tita von Hardenberg (Bild) eine Träne nachweinen würde. Andererseits hätte ich aber etlichen anderen Sendungen vorher den Saft abgedreht (Beckmann, Silbereisen…). Seis drum: Mich fragt ja keiner, ich zahl ja nur.

Interessant ist der Vorgang dennoch, denn Polylux macht nicht ganz dicht, sondern als Polylog weiter. Was wohl so viel heißt wie: Fernsehen machen wir nur noch für die Alten, die Jungen bekommen das Ihrige als Blog im Internet (dass die ARD-Leute hier eine annähernd vergleichbare Reichweite erzielen, wage ich aber zu bezweifeln). Die „alten Medien“ schärfen also ihr Altersprofil. Das ist legitim, sollte sich aber schnell auch in den Zahlungsmodalitäten niederschlagen.

Zu den „alten Medien“ (eigentlich zu den noch älteren) gehören auch die Zeitungen. Ich wage mal die Prognose: Schauen Sie sich die Jugendseiten in Ihrer Lokalzeitung genau an, die wird es wahrscheinlich nicht mehr lange geben.

Die Zukunft der Zeitung: Zoomer oder Gelber Sack?

AbfallcontainerWie sieht die Zukunft der Zeitung aus? Darüber zerbrechen sich so manche gut bezahlte Menschen die Köpfe. Die einen, vorwiegend handelt es sich dabei um Feuilletonisten, an denen sowieso alles Neue erst einmal spurlos vorüber geht („die Stones, die hippe Band aus England“) , rufen plötzlich zum „Werte bewahren“ auf. Sie propagieren die These: Was man liest, damit muss man sich auch abputzen können. Die anderen rennen jedem Online-Popanz hinterher, Hauptsache „zweinullig“. Da wird dann aus lauter Freude darüber, dass der User klickend seine Meinung kund tun kann, eine Webzeitung kreiert, bei der die Nutzer bestimmen, was gemeldet wird. Wenn man das Ganze, wie bei dem Holtzbrinck-Projekt „Zoomer“, auch noch mit dem Tagesthemen-Rentner Ulrich Wickert garniert, dann kann es schon sein, dass die Leser den simplen Sachverhalt außer Acht lassen, dass sie doch erst einmal wissen müssten, was so los ist auf der Welt, bevor sie daraus ein Nachrichtenangebot zimmern können. Nur logisch, dass auf dem Nachrichtenportal „Zoomer“ dann „Schlechte Stimmung auf Schalke“ zur Topmeldung wird und nicht der von allen politischen Ämtern zurückgetretene Fidel Castro.

Die Zukunft der Zeitung liegt wohl irgendwo dazwischen. Hier im Druckhaus Nürnberg scheinen einige Mitarbeiter bei der Verortung schon etwas weiter gekommen zu sein. Seit einigen Tagen stehen diese (Bild) neuen Abfallcontainer in unserem Kaffeeraum. Die Zeitung rangiert demnach also zwischen „Gelber Sack“ und „Biomüll“.