Zurück in der Normalität

Die News:

  • So schwinden auch die letzten Ankündigungen nach dem Fastabstieg dahin. Nichts wird es mit der personellen Verstärkung der Fußballkompetenz in der Clubführung. „Wir brauchen keinen Sportdirektor“, erklärte Palikuca-Nachfolger Dieter Hecking in einem Interview. Nun ja, wenn er das alleine kann, warum sollte man da – vor allem angesichts der vielen Fragezeichen auf der Einnahmenseite – unnötig Geld ausgeben. Trainer könnte Hecking ja notfalls auch…
  • Zur Verstärkung der Abwehr hat der Club noch Pius Krätschmer von Schweinfurt 05 verpflichtet. Dafür soll der zunächst als gefühlte Verstärkung an die Würzburger Kickers verliehene Simon Rhein wohl doch abgegeben werden. Dennis Lippert, lange verletztes Clubtalent, darf schon mal in Bayreuth den Neuanfang starten. Ob Robin Hack geht oder bleibt, ist weiter unklar. Tendenz im Augenblick: Er bleibt.
  • Für die Clubheimspiele werden wieder Zuschauer zugelassen. 10.000 dürfen sich nach dem Windhundprinzip um die Karten für das Spiel am 27. September gegen den SV Sandhausen streiten. Letztlich entscheiden aber – siehe München – die aktuellen Infektionszahlen.

Das Spiel:

Zum Saisonstart stellte sich wieder so etwas wie Fußballnormalität ein. 3000 Regensburger Fans durften ins Jahn-Stadion. Offenbar wurden sie nach Stimmgewalt ausgesucht. Doch wenn 3000 versuchen, wie 30.000 zu klingen, kann das leicht nervtötend werden. Andererseits bot das Spiel dann eher bescheidene Zweitliga-Hausmannskost. Die Nerven wurden also dort eher wenig strapaziert.

Fast aus dem Nichts fiel kurz vor der Pause der Führungstreffer für den Club. Handwerker packte aus gut 25 Metern einfach mal den Hammer aus und überwand den sichtlich überraschten Regensburger Keeper Meyer.

Man könnte die Führung durchaus als glückllich bezeichnen, zumal Jahn Regensburg die besseren Chancen besaß. Zum Ausgleich kam der Jahn allerdings nur mit Hilfe des überforderten Schiedsrichters Jöllenbeck und der Unterstützung von Bibiana Steinhaus im Kölner Keller. In der 57. Minute traf Besuschkow aus kürzester Distanz den angelegten Arm von Enrico Valentini. Gesehen hat dieses „Vergehen“ kaum einer. Selbst Jöllenbeck brauchte zwei Minuten um am Bildschirm was zu entdecken. Den Elfer versenkte Besuschkow danach zum zwar verdienten, in der Entstehung aber lächerlichen Ausgleich.

Schnell war der Club also auch auf dem Spielfeld in der Normalität angekommen. In der nervt halt so einiges. Nicht bloß die Zuschauer, sondern auch das Regelwerk, der VAR, der DFB, aber halt auch die eigene Mannschaft, die zwar hinten stabiler wirkt, nach vorne jedoch weiter ziemlich ideenlos anrennt und kaum Chancen generiert. Immerhin brach sie nach dem Gegentor nicht ein und schaukelte wenigstens den einen Punkt nach Hause.

Insofern kann man zwar erfreut feststellen, dass im Spielbetrieb wieder Normalität einkehrt. Wir als Clubfans hätten es aber gerne etwa unnormaler.

Harm- und chancenlos

  • In der Kapitänsfrage ist inzwischen eine Entscheidung gefallen. Statt Hanno Behrens trägt jetzt Enrico Valentini die Binde. Bei ihm ist offenbar die Chance größer, dass er spielt.
  • Ein bisschen Bewegung kommt offenbar doch ins Trainerwechselabnich-Gremium. Reporterlegende Günther Koch tritt im Herbst nicht mehr an.

Das Spiel:

Heute dann das erste Pflichtspiel. Und glecih wieder die Ernüchterung. Wenn man – wie Christian Mathenia – bereits in der 3. Minute einen individuellen Fehler macht, der dann prompt bestraft wird, hat man halt gegen eine Mannschaft wie RB Leipzig keine Chance. Eigentlich hätten wir nach dem frühen Rückstand gleich heim gehen/ äh abschalten können. Dass dann im Verlauf des Spiels doch wieder Hoffnung aufkeimte, war nicht der Spielweise des FCN zu verdanken, sondern der mangelnden Chancenverwertung des Champions-League-Halbfinalisten. So lag der Club lediglich mit einem Tor zur Halbzeit zurück. Einer Halbzeit allerdings, in der praktisch nur der Gast spielte und auf der Gegenseite keinerlei Torchance zu verzeichnen war. Wie auch, wenn spätestens der zweite Pass beim Gegner landete.

Viel besser wurde es nach der Pause allerdings auch nicht. Jetzt spielte Geis für Neuzugang Pascal Köpke. Wenig später wurde auch noch Singh (für ihn kam Hack) ausgewechselt, so dass außer Krauß nur die bekannten Gesichter auf dem Platz standen. Die durften dann zuschauen, wie Leipzig in der 67. und der 90. Minute noch zwei Treffer nachlegte und damit auch vom Ergebnis her den Klassenunterschied untermauerte.

Der FCN kann sich jetzt wenigstens ganz auf den Nichtabstieg konzentrieren. Irgendwelche weiteren Ambitionen sollten wir uns schnell abschminken.

Fastabsprung nach Fastabstieg

  • Kommende Woche geht es wieder los. Zunächst mit dem Pokalspiel gegen RB Leipzig und dann die Woche darauf mit dem ersten Punktspiel gegen Jahn Regensburg. Zeit also für ein kleines Update.
  • Da wären zunächst die Testspiele, aus denen besonders das 5:2 gegen Hoffenheim heraussticht. Andererseits: Mit dem gleichen Ergebnis hatte der Club auch Bayern München vor dem Rückrundenstart in einem Testspiel abgefertigt. Danach holten sich die Bayern drei Titel und der Club den Fastabstieg. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass der FCN bei der Generalprobe gegen Union Berlin wieder ein bisschen geerdet wurde. Wobei man die 2:1-Niederlage in Berlin nicht überbewerten sollte. Zum einen kam sie durch einen zweifelhaften Elfmeter – gepfiffen von einem Berliner Schiedsrichter – zustande. Zum anderen wollte Union Jubiläum feiern und das mit 4500 handverlesenen Zuschauern. Da mochte wohl keiner die Feier und die Rückkehr zur Normalität gefährden. Clubfans waren ohnehin nicht zugelassen. Aber diese Art von Wettbewerbsverzerrung (in Leipzig und Berlin wird angefeuert, in Nürnberg oder Stuttgart hingen nicht) dürfte uns noch eine Weile begleiten. Andererseits waren in Berlin auch wieder die alten Clubschwächen erkennbar. Die Abwehr wirkt nur anfangs stabil, agierte dann aber aufgrund der anhaltenden Erfolglosigkeit der Angriffsbemühungen irgendwann unkonzentriert. Vorne häuften sich dann verzweiflungsbedingte Einzelaktionen. Und dabei waren die einschlägig Bekannten aus der letzten Saison (Frey, Hack) gar nicht im Kader. Der hat sich dennoch nicht grundlegend verändert. Lediglich mit Singh, Krauß (wurde aber zur Halbzeit durch Dovedan ersetzt) und Pascal Köpke (für ihn kam nach einer Stunde Lohkemper) standen neue Namen in der Startaufstellung. Da gab es schon mal größere Umbrüche beim FCN.
  • Reisende soll man nicht aufhalten, sagt man. Das mag für den wechselwilligen Robin Hack gelten. Gilt es aber auch für den vergrätzten Clubfan? Mit der körperlichen Anwesenheit unsererseits wird es ja erst einmal nichts. Aber auch, was das Liveerlebnis via Bildschirm angeht, wird einiges getan, um uns den Absprung in die Fußballabstinenz zu erleichtern. Bislang gab es die Clubspiele, sofern sie von Sky übertragen werden durften, für 10 Euro im Monat mit dem Sky-Ticket zu sehen. Inzwischen bekommt man dafür lediglich Konferenzen. Wer nur den Club sehen will, muss monatlich 30 Euro berappen. Also das Dreifache. Da überlegt man sich schwer, ob man in der neuen Saison noch dabei sein will.
  • Der absprungwillige Robin Hack wird wiederum wohl doch bleiben (müssen). Trainer Robert Klauß hat den Wechselambitionen einen Riegel vorgeschoben. Ob das schon das letzte Wort war, wird sich weisen. Immerhin hat der Club mit Pascal Köpke schon mal Ersatz auf der Hack-Position. Mit Manuel Schäffler gibt es noch eine weitere Verstärkung im Offensivbereich. Was die Abwehr angeht, gibt es da leider (noch) wenig zu vermelden.
  • Das Kokettieren mit dem Absprung (auch hier im Blog mehrfach zelebriert) beherrscht auch unser Aufsichtsratsvorsitzender. Thomas Grethlein will sich erst noch „Bedenkzeit“ geben und hinterfragen, ob er nochmal kandidieren und sich das Amt „antun“ soll. Mitgeteilt hat er das der Bildzeitung. Die ist ja für alles Mögliche gut/schlecht. Jedenfalls wirkt die Masche: Etliche finden Grethlein plötzlich gar nicht mehr so schlecht und wollen ihn behalten – wahrscheinlich auch angesichts fehlender oder eher beängstigender Alternativen.

Da gehen sie hin, die Feindbilder

  • Im letzten Beitrag hatten wir noch Bedenken geäußert, der neue Sportvorstand Dieter Hecking könnte zu arg „old school“ sein und den Club nicht wirklich weiter bringen. Statt dem damals noch befürchteten Markus Weinzierl hat Hecking aber den Leipziger Co-Trainer Robert Klauß aus dem Hut gezaubert. Das könnte zusammen mit seiner Erfahrung durchaus passen.
  • Aus Leipzig bringt Klauß das hoch gehandelte Talent Tom Krauß mit. Der 19-Jährige soll als Leihspieler Spielpraxis sammeln.
  • Neben der Leipzig-Connection gibt es offenbar auch eine Bayern-Connection. Vom FCB will der Club das Torwarttalent Früchtl, den Offensivallrounder Sarpreet Singh und den Flügelspieler Oliver Batista-Meier (hat sich mittlerweile aber wohl zerschlagen) ausleihen. Mit den Bayern und Red Bull im Boot, das muss man auch erst mal sacken lassen.
  • Den ganz großen Umbruch wird es aber beim Club – schon coronabedingt – nicht geben. Platz im ziemlich breiten Kader machten lediglich Felix Dornebusch, Dinos Mavropanos, Philip Heise, Patrick Erras, Mikael Ishak, Michael Frey und Sebastian Kerk. Dabei schmerztt vor allem der Weggang von Patrick Erras (zu Werder Bremen), der nicht nur als Vorlagengeber zum immens wichtigen Schleusener-Tor in Ingolstadt einer der wenigen Lichtblicke der vergangenen Katastrophensaison war. Er wäre vielleicht sogar beim Club geblieben, wenn der zu Saisonende handlungsfähig gewesen wäre.
  • Ein paar gefühlte Neuzugänge gilt es ebenfalls zu vermelden. Virgil Misidjan steht offenbar nach langer Verletzung wieder zur Verfügung, außerdem kehren Simon Rhein (Würzburg), Törles Knöll (Wehen-Wiesbaden) und Kevin Goden (Braunschweig) von ihren Leihbereinen zurück.
  • Im Trainerstab tat sich einiges. So trennte sich der FCN unter anderem von Mentalcoach Mathias Berthold, von Torwarttrainer Martin Scharrer und Fitnesstrainer Florian Klausner. Was jetzt angesichts der vielen Gegentore, der Fitnessdefizite und der Schwächen im Mentalbereich durchaus nachvollziehbar ist. Als Neuzugänge vermeldet der FCN: Tobias Schweinsteiger (der Bruder des bekannten Bayernspielers Bastian Schweinsteiger wird Co-Trainer), Tobias Dippert (der Athletiktrainer kommt ebenfalls von den Bayern) sowie Dennis Neudahm (Torwarttrainer, kommt aus Hoffenheim).
Der erst vor wenigen Wochen engagierte Rehacoach Frank Steinmetz darf bleiben.
  • Der bisher als Doping-Experte gefragte Heroldsberger Professor Fritz Sörgel hat sich zu einer anderen FCN-Baustelle geäußert: dem Aufsichtsrat. Vergleichbar Kritisches war hier auch schon zu lesen. Ob es bei der nächsten JHV zum Umbruch kommt, da gibt es dennoch Zweifel. Zum einen steht nur ein Teil der Aufsichtsräte zur Wiederwahl an. Zum anderen müssten sich erst einmal kompetente Gegenknadidaten melden. Selbstkritik scheint diesem seltsamen Gremium ohnehin fremd. AR-Mitglied Ulrich Maly äußerte dieser Tage erst, dass er da gerne weiter machen wolle und Unkenntnis im sportlichen Bereich dabei kein Problem sei. Er sei dort schließlich „nie mit dem Ehrgeiz, sportliche Kompetenz zu haben, angetreten„.
  • Bleibt noch die Frage nach der Gefühlslage. Wirklich bereut haben wir diese Liebe zwar nicht, ein bisschen mehr Gegenleistung wäre aber schon nett. Im Augenblick sind es lediglich Namen, aus denen man Hoffnung schöpfen kann. Allerdings ist da auch die Botschaft herauszulesen, dass wir gefälligst unser alten Feindbilder (Bauern, Dosenplörre) begraben sollten. Uns wiederum an unserer eigener Begeisterung erfreuen, das dürfte noch eine Weile dauern. Statt einer Dauerkarte wird es dann erstmal wohl nur ein Sky-Ticket. Übersetzt heißt das: Kein Strauß Rosen, sondern nur ein Gänseblümchen für die – gerade nicht mehr ganz so – große Liebe.

Zurück in die Zukunft

Dass man beim Club in diesen Zeiten auf einen Billigflieger als Symbol setzt, begeistert höchstens die Jubelperser-Fraktion unter den Fans und den Nürnberger Bürgermeister, der sich um die Stadioneinnahmen sorgt. Das beste an der Vorstellung des Corendonfliegers war noch, dass Aufsichtsratschef Grethlein dann doch nicht anwesend war. Wäre auch ein bisschen peinlich gewesen, wenn der auf dem Rollfeld den Grüßaugust gegeben hätte, während der FCN weiter ohne sportliche Führung dasteht.

Das ist nun vorbei. Nachdem das mit Michael Wiesinger einigermaßen geklappt hat, soll nun erneut jemand, unter dem der Club bessere Zeiten gesehen hat, das Ruder herumreißen. Diesmal fungiert Dieter Hecking allerdings als Sportvorstand, der jetzt nicht bloß einen Trainer, sondern auch einen Sportdirektor installieren darf (wobei – passend zu diesem Aufsichtsrat – das auch noch nicht fix ist). Kurz zuvor hatte der ebenfalls als Palikuca-Nachfolger gehandelte Benjamin Schmedes mit der bezeichnenden Begründung, er sei mit der Ausrichtung des FCN nicht zufrieden, abgesagt. Im Gegensatz zu Hecking wäre Schmedes für Innovation und Aufbruch in die Zukunft gestanden, aber das sagte man letztes Jahr von Palikuca auch. Beim Club macht man die gleichen Fehler eben immer erst beim übernächsten Mal. Diesmal also der Griff in die Vergangenheit mit Hecking, der den Club 2012 kurz vor Weihnachten plötzlich verließ, um beim VfL Wolfsburg anzuheuern. Der Club stand damals doppelt blöd da, denn er hatte Hecking mit einer Ausstiegsklausel den Karrieresprung zum reichen VW-Club erst ermöglicht. Ein bisschen erinnert das an den Spruch, man sehe sich im Leben immer zwei Mal, einmal auf dem Weg nach oben und dann auf dem Weg nach unten.

Viel Zeit hat Hecking nicht, den Club personell neu aufzustellen. So könnte sich das Gerücht bestätigen, dass Markus Weinzierl neuer Clubtrainer wird. Das ist einer, der bei offenem Fenster schläft, damit er auch den leisesten Ruf noch mitbekommt. Beim VfB Stuttgart hatte er zuletzt allerdings nur deshalb ein halbes Jahr amtieren dürfen, weil wenigstens der Club ein Einsehen hatte und ihn gewinnen ließ.

Nach Aufbruch und mutigen Konzepten sieht das jedenfalls nicht aus. Statt einer Neupositionierung in einem, sich leider nicht zum Positiven entwickelndem Fußballgeschäft, setzt man Seriosität von vorgestern. Immerhin verfügt Hecking wenigstens über jenen zuletzt schmerzlich vermissten sportlichen Sachverstand. Insofern hat der Aufsichtsrat erst mal für Ruhe gesorgt und sich aus der Schusslinie genommen. Trotzdem ist dieser Sachverstand wieder nur ein eingekaufter. Im Aufsichtsrat, der in den letzten Tagen bewiesen hat, dass er zumindest gegenüber der Bildzeitung den Mund aufmachen kann, fehlt er nach wie vor. Hoffen wir mal, dass das bis zur Jahreshauptversammlung nicht in Vergessenheit gerät, damit da nicht wieder die Fünf-Minuten-Dampfplauderer ins Amt gewählt werden.

Ein „Weiter so“ kann es geben

Geschafft! In mehrfacher Hinsicht. Zum einen der Klassenerhalt. Zum anderen wir. Und nicht zuletzt diese beknackte Saison. Längstmögliches Leiden war da angesagt. Nicht bloß wegen der Coronapause. Dazu auch noch das Nachsitzen in der Relegation und dort extremstes Gefühlskarussell mit einer nicht mehr für möglich gehaltenen Erlösung in der 96. Minute. Gut, es hätte auch noch Verlängerung geben können und somit Steigerungsmöglichkeiten. Die sind aber selbst beim Club nur theoretischer Art.

Letztlich sind wir im Soll und der nach dem Bundesligaabstieg ausgerufene Zwei-Jahres-Plan ist immer noch umsetzbar. Was sollen also all die defätistischen Kommentare, wonach es ein „Weiter so“ nicht geben dürfe und der Club einschneidende Veränderungen nötig habe? Fußball ist ein Ergebnissport . Da fragt schon nach ein paar Tagen keiner mehr, wie Siege oder Klassenerhalte zustande gekommen sind.

Ahem! Nein, wir haben nicht wegen des einen Schleusener-Tores die Seiten gewechselt. Wir wollten nur einmal unter Beweis stellen, dass wir realitätsfernes Schönreden nach Grottenkicks ebenfalls beherrschen. Das dürfte ohnehin auch künftig angesagt sein, weil sich nämlich am Weiterwursteln wenig ändern dürfte. Die von Palikuca unter dem Titel „Neuanfang“ zusammengekaufte Mannschaft wird uns nämlich weitgehend bleiben. Interessenten, die dann auch ähnlich hohe Gehälter zahlen, wird es in der gegenwärtigen Situation kaum geben. Angesichts des aufgeblähten Kaders muss man beim FCN froh sein, dass dann doch ein paar Verträge auslaufen (Ishak, Erras) und Robin Hack abgegeben werden kann, um somit wenigstens die Defizite auf bestimmten Positionen beheben zu können. Dass dabei ausgerechnet die wenigen Aktivposten der laufenden Positionen den Verein verlassen, spielt in dieser Notlage keine Rolle .

Zu glauben, dass jetzt nur der richtige Trainer verpflichtet werden muss, ist ebenso blauäugig, wie der Gedanke, dass ausgerechnet Robert Palikuca diesen bei seinem dritten Versuch entdeckt,. Allerdings, selbst wenn er diesen richtigen Trainer fände, würde der unter den gegebenen Umständen wohl kaum zum Club gehen. Das Gleiche gilt übrigens für eine etwaige Suche nach einem neuen Sportvorstand.

Womit wir bei der schon seit Jahrzehnten immer wieder gebetsmühlenhaft geäußerten Forderung wären, der Verein brauche mehr Sachverstand in der Führung, denn dann hätten unerfahrene Sportvorstände und eher mittelmäßige Trainer wenigstens ein Korrektiv. Die Forderung ist zwar immer noch richtig. Getan har sich aber all die Jahre nichts. Warum wohl?

Vielleicht ist es der im Aufsichtsrat nicht unbekannte Dunning-Kruger-Effekt, der wohl auch dafür verantwortlich war, dass Palikuca, Canadi oder Keller regelmäßig mit ihrem Schöngerede durchkamen. Mit Geschwurbel gewählt, mit Geschwurbel ruhig gestellt. So präsentiert sich das oberste Cluborgan. Kein Wunder, dass dieses uns Fans genauso billig ruhig stellen will: etwa mit FCN-Rufen und einer Zigarre . Trotzdem: Bei der nächsten JHV werden sie erneut Stuhlfauth und Morlock zitieren und wir wählen sie wieder…. Allerdings, haben wir eine andere Wahl? Leute mit Sachverstand lassen sich dort halt selten aufstellen. Womit sich wieder die Frage stellt: Warum wohl?

Vielleicht bewirkt der ganz tiefe Blick in den Abgrund endlich etwas. Bedauerlicherweise müssen wir auch hier auf Leute setzen, denen wir – spätestens nach dieser Saison – wenig zutrauen.

Vielleicht werden jetzt auch ein paar Richtige gehen, es werden aber auch jede Menge Falsche bleiben. Die müssten es aber auf wundersame Weise schaffen, sich selber an ihren Haaren (Zigarren?) aus der Malaise zu ziehen. Hoffen wir, dass da ein Schleusener kommt und hilft.

Der WM-Effekt

Man sollte nicht übermütig werden. Gerade als erfahrener Clubfan. Dennoch: Da war heute mehr drin. Gegen die schon im Vorfeld wegen Überbelastung durch englische Wochen jammernden Ingolstädter hätte eigentlich ein beruhigenderer Vorsprung eingefahren werden müssen als nur ein 2:0.

Andererseits: Nach den letzten Zweitligaauftritten war die Hoffnung völlig im (vom gleichnamigen Trainer symbolisierten) Keller. Da hätte keiner darauf gewettet, dass der Club derart souverän den Gegner dominiert. Dass da mit einer ganz anderen Körpersprache kein Ball verloren gegeben wurde. Schon früh wurden die Ingolstädter angelaufen und zu Fehlpässen oder Rückgaben gezwungen und kamen kaum einmal gefährlich in die Nähe von Mathenias Kiste.

Sicher, Ingolstadt machte nicht den frischesten Eindruck. Zudem fehlte der Ex-Clubberer Kutschke vorne als Anspielstation. Trotzdem war die Handschrift des neuen Trainerduos Wiesinger/Mintal und ein damit verbundener Motivationsschub deutlich erkennbar. Wobei dann in der zweiten Hälfte dann doch etwas der Faden verloren ging. Immerhin gelang es, die Null zu halten und ein Auswärtstor der Schanzer zu verhindern. Auch das war früher anders.

Bezeichnend schließlich, dass der zweifache Torschütze Nürnberger hieß und somit ein zusätzliches Signal für heimische Lösungen gesetzt wurde. Dass Fabian Nürnberger in Hamburg geboren wurde, lassen wir mal leger beiseite, ebenso wie den, dann doch verdammt an alte Zeiten erinnernden Auftritt des eingewechselten Michael Frey.

Für den Samstag und den Zweitligaverbleib sieht es jedenfalls schon mal gut aus. Wobei der Club halt immer noch der Club ist. Also: Trotz des positiven WM-Effekts sollten wir am Boden bleiben.

Wohlwollensvorschuss

Manchmal ist es nicht verkehrt, erst mal einen Tag vergehen zu lassen, ehe man sich was von der Seele schreibt. Da kann man sich weitere Abgesänge und Schmähtiraden sparen, hat sich schon wieder so weit gesammelt, dass der Frust nicht mehr so übermächtig ist. Außerdem klingen einem auch noch die Worte das neuen Chefcoachs im Ohr, alle, die es mit dem Club gut meinen, müssten jetzt zusammenhelfen. Auch die Journalisten.

Also: Blicken wir nicht zurück, sondern nach vorne auf die beiden Relegationsspiele am 7. und 11. Juli. Gehen wir mal davon aus, dass die beiden „Notnägel“ Michael Wiesinger und Marek Mintal wissen, wo es hängt, schließlich war das ja kein neuer Stiefel, den die Mannschaft in Kiel zusammengespielt hat.

Dass die beiden bei ihrem früheren Wirken auf der FCN-Trainerbank eher semierfolgreich waren, geschenkt! Jens Keller, der viel zu lange das Vertrauen der Clubverantwortlichen genossen hat, hatte auch keine viel bessere Visitenkarte und schon mit dem FC Ingolstadt bewiesen, dass er eine von Namen und Kosten her zu ganz anderem prädestinierte Mannschaft locker in die dritte Liga führen kann. Anders als Keller und sein Co-Trainer Stickroth gehören Wiesinger und Mintal zu jenen, die beim Club nicht nur einen Job machen, sondern mit Herzblut beim Verein sind. Insofern besteht zumindest die Chance, dass da ein bisschen was auf die davon bislang eher unbeleckte Mannschaft abfärbt. Andererseits dürften es ihnen die Fans aber auch nicht allzu übel nehmen, wenn es dann in der Relegation doch nicht klappen sollte und der FCN in die dritte Liga muss. Was immer die beiden zusammencoachen, die entscheidenden Fehler wurden von anderen schon viel früher gemacht und diese Fehler dürften sich auch nicht abstellen lassen, indem man nur wieder mal „neue Impulse“ auf die Trainerbank setzt, ansonsten aber alles beim Alten belässt.

Trotzdem: Gestern noch war ich drauf und dran, diese Liebe dann endlich doch zu bereuen und die schriftliche Begleitung des „Ruhmreichen“ einzustellen. Am deutschen Fußball hält mich mittlerweile ohnehin kaum noch etwas, am Club waren es immerhin noch die Tradition und die anderen Fans. Verein und Mannschaft haben allerdings viel dazu beigetragen, unsereinem das Gefühl zu geben, dass ihnen Tradition und Fans ziemlich egal sind. Die Lösumg mit Wiesinger und Mintal ist somit immerhin ein Schritt in eine andere, richtige Richtung. Aber halt nur einer. Da müssen weitere folgen. Egal in welcher Liga.

Hilferuf nach Fürth

Blogbeiträge nach Cluberfolgen werden immer besser geklickt, als nach Niederlagen oder drögen Unentschieden. Da will man dann möglichst nicht daran erinnert werden und sucht woanders Ablenkung. Insofern hätten wir hier die Chance nutzen sollen und das 6:0 in Wiesbaden gebührend abfeiern müssen. Doch interessieren uns Zugriffszahlen? Mitichten!

Deshalb ließen wir die Klicks liegen, feierten verhalten und hakten das Ganze erst einmal unter „unerklärlicher Ausrutscher“ ab. Bei den Mitkonkurrenten aus Osnabrück oder Karlsruhe kursierten ja schon Verschwörungstheorien, die verdammt an das 5:1 der Frankfurter gegen Kaiserslautern erinnerten, weswegen der fast schon gesicherte FCN dann 1999 doch noch abgestiegen ist. Gab es da Absprachen, waren gar Drogen oder Schmiergelder im Spiel?

Nun ja! Auch in der Hinrunde gab es mit dem 4:0 in Hannover schon so einen „Ausrutscher“, der dann aber nur den Blick auf die Realitäten verstellte und allenfalls den Beweis erbrachte, dass die Mannschaft zwar gewinnen kann, aber halt nur wenn Ostern und Weihnachten zusammenfallen, also wenn alles passt und der Gegner vorwiegend mit sich selber zu tun hat.

Insofern wollten wir erst einmal das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart abwarten. Da war der Club dann prompt wieder der Alte. Nichts zu sehen vom gewonnenen Selbstvertrauen, von umgestoßenen Bock oder von den – schon wieder nach oben geschriebenen – Unterschiedsspielern. Der Club fing – wie gewöhnlich – ganz nett an. leistete sich dann aber bereits in der 11. Minute den ersten Fehler (diesmal war es Margreitter, der pennte) und lag prompt 0:1 hinten. Danach lief es so, wie wir das noch aus Erstligazeiten bei frühen Rückständen gegen überlegene Teams kennen: Die „Mannschaft“ fiel in sich zusammen. Beim VfB wunderter man sich ein ums andere Mal, wie einfach gegen den Club Torchancen generiert werden konnten. Am Ende kassierte der FCN genau jene sechs Tore, die er gegen Wiesbaden noch geschossen hatte. Und damiti war er sogar noch gut bedient. Der jetzt als Aufsteiger feststehende VfB hätte nämlich locker noch mehr Treffer erzielen können gegen eine völlig desolate Clubabwehr. Wobei die Kritik an der Abwehr nur das eine ist. Nach vorne ging nämlich auch nichts. Da bestand 90 Minuten lang eigentlich nie Gefahr für den Stuttgarter Keeper Kobel. Das Ergebnis war also auch in der Höhe mehr als verdient.

Verdient hätte diese Truppe nach diesem Auftritt auch den Abstieg in die dritte Liga. Dass der mittlerweile – zumindest auf direktem Weg – nicht mehr möglich ist, haben wir den Darmstädtern zu verdanken, die gegen Wehen-Wiesbaden gewonnen haben. Am nächsten Sonntag geht es also nurmehr darum, wer in die Relegation muss, der KSC oder der FCN.

Der Club hat zwar zwei Punkte Vorsprung, muss aber noch nach Kiel, während der KSC in Fürth gewinnen muss. Da die Hoffnung, die Kieler zu schlagen, nach dem heutigen Auftritt nicht allzu groß ist, sind wir wohl auf die Hilfe des Kleeblatts angewiesen. Schlimmer kann eine Demütigung kaum sein.

100 Jahre Einsamkeit

Der Club ist ein Weißt-du-noch?-Verein geworden. Nie war das so deutlich, als vor dem Frankenderby. Angesichts der gegenwärtigen Tristesse wurde da nur noch erinnert. Nicht nur an die erste Meisterschaft vor 100 Jahren , auch die „Legende“ und Heiner Stuhlfauth wurden zitiert. Und wenn das passiert, weiß der Clubfan: Jetzt ist es ernst.

Doch beim Club kann man offenbar nicht mal mehr mit der Historie umgehen. Gegen die Fürther lief die Mannschaft in Weiß auf. In Weiß!

Sportlich gesehen waren die Prämissen eigentlich optimal. Die Fürther hatten nach der Corona-Pause noch nichts gerissen und waren vor dem Derby das schwächste Geister-Team. Zudem konnte sich der Club erholen, während die Greuther unter der Woche noch zum Nachholspiel gegen Dresden ran mussten. Eine Prise Selbstvertrauen dürfte man zudem durch das Unentschieden beim Tabellenführer getankt haben. Wobei da schon wieder der realistische Blick verstellt wurde, denn spätestens das freitägliche Unentschieden von Sandhausen in Bielefeld hätte den Clubverantwortlichen die Augen öffnen müssen, dass die Arminia inzwischen in den Safety-Modus geschaltet hat und das 1:1 in Bielefeld nicht überbewertet werden sollte.

In der ansonsten ziemlich öden ersten Hälfte waren es vor allem zwei energische Balleroberungen durch Valentini und Schleusener, die kurz andeuteten, wie es gehen und der ersehnte Dreier eingefahren werden könnte. Letztlich verpufften allerdings die Angriffsbemühungen. Da auch Fürth sich dem gemütlichen Sommerfußball angepasst hat, hätte man von einem 0:0 ausgehen können, wäre da nicht jene clubeigene Fähigkeit der Selbsteinschläferung. Die führt dann immer zu Konzentrationsmängeln und dazu, dass der Gegner mit relativ bescheidenen Mitteln doch noch zum Torerfolg kommt. Wie Fürth in der 56. Minute durch Raum.

Danach offenbarte sich erst das ganze Dilemma des aktuellen Clubkaders. Da ist keiner, der sich noch aufbäumt, keiner dem mal was Originelles einfällt. Strukturen sind in dieser Mannschaft ohnehin nicht erkennbar. Zudem scheint inzwischen jedem klar zu sein, dass die Einkaufspolitik vor der Saison ein Schuss in den Ofen war. Dovedan saß noch nicht einmal auf der Bank, und Geis wartete dort vergeblich auf die Einwechslung. Sorg soll zudem Konditionsprobleme haben, kam dann aber ebenso wie der formschwache Kerk trotzdem noch als „Retter“ auf den Platz. Zu retten gab es da aber nichts mehr. Es blieb beim 0:1.

Dass ein Derby, und dann auch noch so, verloren wird, hätte uns zu früheren Zeiten noch auf die Palme gebracht. Inzwischen ist vieles anders. Man weiß noch nicht einmal, ob man den drohenden Abstieg beklagen oder herbeiwünschen soll, zumal einem dann solche Derbys erst einmal erspart blieben. Genausowenig weiß man, wen man beim Club als erstes ersetzen soll. Selbst die Trikotverantwortlichen scheinen dort nur noch falsche Entscheidungen zu treffen. Vom Erfolg ist dieser Verein wirklich 100 Jahre entfernt.