War´s das?

Eigentlich wollten wir uns erst am Sonntag nach dem St.Pauli-Spiel melden. Eigentlich wollten wir da einen Dreier feiern (oder auch nicht). Eigentlich wollten wir da nochmal auf wirre, aber auch auf originelle Fans eingehen. Doch daraus wird jetzt nichts.

Es gibt Wichtigeres als Fußball. Alle Bundesligabegegnungen wurden abgesagt. Dass bei der DFL da doch noch die Vernunft über die Geldgier gesiegt hat, dazu hat auch der Club beigetragen. Indirekt. Nachdem beim letzten Gegner Hannover 96 gestern bereits zwei Coronainfektionen zu vermelden waren, meldete heute auch der FCN eine. Fabian Nürnberger war positiv getestet worden (gute Besserung!). Der Club bat daraufhin alle Spieler zuhause zu bleiben und die DFL das Spiel in Hamburg abzusagen. Da hatte die DFL noch die Durchführung des Spieltages geplant, um zu verhindern, dass die dritte Tranche der Fernsehgelder einbehalten wird.

Kann leicht sein, dass auch der Plan, die Saison mit Verzögerung zum Abschluss zu bringen, kassiert werden muss. Dann würde Plan B greifen. Der sieht nach jetzigem Stand vor, dass die Saison für beendet erklärt wird. Absteiger wird es dann keine geben. Nur Aufsteiger. Die Bundesliga wird dann um vier Aufsteiger aufgestockt. Für die zweite Liga hieße das, Bielefeld, Stuttgart, HSV und Heidenheim gehen rauf und aus Liga 3 rücken die vier ersten vier nach. Der Club bliebe also drin.

Insofern hat das Ganze für uns nach dieser grottig verlaufenen Saison sogar noch eine positive Seite. Die negativen Folgen sind hingegen noch nicht absehbar und werden wohl erst in den nächsten Tagen und Wochen deutlich. Was bedeutet das Ausfall der TV-Gelder und der Zuschauereinnahmen? Wer kommt für den Schaden auf? Wie sieht das mit den vertraglichen Verpflichtungen aus (Spielergehälter, Stadionmiete)? Wo gibt es finanzielle Hilfen?

Für uns stellt sich zudem die Frage, wie gehen wir mit der Langeweile um? Vielleicht ist das der Durchbruch für die eSportler. Da ist Daniel Butenko vom FCN immerhin bei den Play Offs Ende März dabei. Zuschauer wird es dabei zwar nur per Twitch geben. Aber immerhin. Für Publikumssound ist softwareseitig gesorgt. Also gibt es da schon mal keine trostlosen Geisterspiele.

Wir melden uns hier wieder, wenn es Neues gibt. Haltet durch und bleibt gesund!

Wie ein Absteiger

  • Wer etwas auf sich hält, hat einen Podcast. Der FCN natürlich auch. Inzwischen ist die sechste Folge hörbereit. Diesmal mit Kapitän Hanno Behrens. In der ersten Folge kam übrigens der scheidende OB Ulrich Maly zu Wort, was zu der Frage führt: Hat er jetzt endlich Zeit für seine Aufsichtsratstätigkeit oder räumt er seinen Platz für den neuen OB?
  • Kaum hat der Club wieder Anschluss ans Zweitliga-Mittelfeld gefunden, schießen die Transfergerüchte ins Kraut. An Bernard Tekpetey und Kevin Bua sei der FCN dran, außerdem möchte er Michael Frey für eine Rekordsumme fest verpflichten. Dafür stehe Robin Hack vor einem Wechsel… Nun, vielleicht sollte man erst einmal seine Hausaufgaben machen, sonst wird das nämlich nichts mit der Versetzung.
  • Die Vereine sollen es richten. Das meinen DFB, Kalle Rummenigge und jetzt auch die Polizei. Kennen die den FCN? Der stellt noch nicht mal die richtigen Fragen. Das müssen die Fürther machen. Wobei sich die Vereinsführung dank der Ultras gar nicht bewegen muss. Die haben nämlich angeblich angekündigt, auf beleidigende Plakate zu verzichten.
  • In Italien finden die Fußballspiele gegenwärtig ohne Zuschauer statt. Da dürften sich die dort kickenden Nationalspieler und deren ausgeschlossene Fans freuen, wenn sie am 31. März im Max-Morlock-Stadion im Testspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft mal wieder richtigen Fußball zelebrieren können. Auch mancher Nürnberger hätte statt karge Zweitligakost gerne mal wieder gehobenerer Fußballkunst konsumiert. So wie es aussieht, wird daraus aber nichts.

Das Spiel:

Wir erinnern uns, in der Hinrunde konnte der Club in Hannover 4:0 gewinnen, was allerdings nur das Missverständnis mit Damir Canadi verlängerte. Dass das Urteil für Jens Keller mal besser ausfällt, machte nach dem schwachen Auftritt des Clubs keiner unterschreiben. Kein Plan, kein Zug zum Tor, kein Druck, keine Zweikampfstärke… Die Mannschaft fing, wie aus Heimspielen sattsam bekannt, zwar ganz gefällig, aber wenig zielstrebig und ohne den letzten Biss an. Nach einer guten Viertelstunde musste Mathenia erstmals sein ganzes Können aufbieten. Kurz danach war er aber machtlos, als nach einer Ecke ausgerechnet der lange Erras das Kopfballduell gegen Hübers verlor. Hannover führte. Beim Club begannen bereits woeder die Schultern zu hängen und die Einzelaktionen Überhand zu nehmen. Immerhin scheint es bei der fehlenden Frustrationstoleranz so etwas wie mannschaftliche Geschlossenheit zu geben, Folgerichtig kamen die Gäste immer besser ins Spiel und dann sogar zum zweiten Treffer. Ex-Cluberer Cedric Teuchert konnte völlig inbedrängt nach vorne marschieren, auf Maina passen, der dann das 2:0 machte. Danach wieder kein Aufbäumen.

In der zweiten Hälfte ging es im selben Stil weiter. Nur dass Hannover es inzwischen lockerer angehen ließ. Im sicheren Gefühl, den einfallslosen Club im Griff zu haben. Teilweise erinnerte das Spiel an die Schlussphase des Bayernauftritts in Hoffenheim. Sinnloses Ballgeschiebe im Mittelfeld, Fußball zum Abgewöhnen!

Akzente von der Bank wurden auch nicht gesetzt. Nur insofern, als Keller erst Ishak zur Einwechslung losschickte, ihn dann aber zurück beorderte. Dafür kam später Lohkemper noch zum Einsatz, der die einzig nennenswerte Torchance des Clubs haben sollte. Aber offenbar war er ob der ungewohnten Situation so überrascht, dass er den Kopfball weit neben das Tor platzierte. So kam dann Hannover 96 in der Schlussminute durch Weydandt noch zum 3:0.

Auf der Suche nach etwas Positiven fing Günther Koch im Fanradio an, den Platzwart zu loben. Das ehrt ihn. Leider fällen die Platzverhältnisse als Ausrede damit auch flach. Aber wenigstens gibt es einen, an dem es nicht liegt.

Nachtrag:

Vielleicht ist das eine Erklärung für diesen schwachen Auftritt.

Ein Letztes:

Endlich kommt Farbe in die Stadt:

…und eine berechtigte Frage,

die sich hier aber genauso stellt:

Dreier im Kellerduell

  • Unter Klimagesichtspunkten, aber auch in punkto Kundenzufriedenheit fördert die Corendon-Partnerschaft das Clubimage nicht unbedingt. Besser als ein in den FCN-Farben angemalte Flieger kommt da schon eine ähnlich gestylte Straßenbahn. Ein auf Twitter geäußerter Wunsch sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben.
  • Club-Profi Dennis Lippert bleibt auch nichts erspart. Während er sich nach langer Verletzung wieder herankämpft, wurde er vom DFB für tot erklärt. Grund war eine Verwechslung mit einem gleichnamigen Motorradrennfahrer, der im vergangenen Juni tödlich verunglückte.

Das Spiel:

Vor dem Spiel versuchte Trainer Jens Keller den Druck von seinen Spielern zu nehmen. Entscheidend sei die Begegnung mit dem KSC nicht, obwohl der bei einem Sieg den Club auf einen Abstiegsplatz hätte kicken können. Nun ja, am 24. Spieltag fallen normalerweise auch noch keine Entscheidungen. Vor allem, wenn es so eng zugeht, wie derzeit in der 2. Liga.

Der Club begann in Karlsruhe erneut durchaus selbstbewusst. Was die Zahl der Chancen anging, war er den Hausherren überlegen. Allerdings kam nichts dabei rum. Beispielsweise als Margreitter völlig frei vor dem Tor zum Kopfball kam oder als ein Schuss von Geis knapp neben das Tor abgefälscht wurde.

Bereits nach 37 Minuten hatte Keller genug von dem unkonzentrierten Auftritt von Oliver Sorg. Für ihn kam der Ex-KSC-Spieler Enrico Valentini, der prompt mit Pfiffen bedacht wurde. Kurz vor der Halbzeit erspielte sich auch der KSC seine Chancen, so dass das 0:0 zur Pause in Ordnung ging.

Auch in der zweiten Hälfte schaffte es keiner, eine der auf dem Papier schwächsten Abwehrreihen zu überwinden. Vorne war beim Club Robin Hack der einzige Aktivposten. Michael Frey brachte kaum Brauchbares zustande. Bezeichnend, dass er in der 73. Minute selbst eine Hundertprozentige liegen ließ. So musste wenige Sekunden später ein Ex-Nürnberger helfen. KSC-Torwart Uphoff ließ eine Geis-Ecke durch die Finger gleiten, hinter ihm stand Patrick Erras und sagte Danke.

Keine zehn Minuten später schien aber die mühsam erarbeitete Führung dahin. Hack traf Stiefler im Strafraum. Videobeweis! Diesmal meinte es der Kölner Keller aber gnädiger mit uns. Kein Elfmeter!

Mit Glück schaukelte der Club den knappen Vorsprung ins Ziel. Auch, weil die Karlsruher am Ende platt waren. Wichtige drei Punkte, zumal auch Dresden gewonnen hat. Aber, wie Keller schon sagte, entscheidend war das Spiel in Karlsruhe nicht.

Ein Letztes:

Verpfiffen!

  • Kommt Michael Köllner nach Nürnberg zurück? Kooperieren zwei eher von der Tradition lebende bayrtische Fußballclubs? Diese Fragen stellen sich plötzlich, nachdem die Sechziger für zwei Jahre ein Ausweichquartier benötigen und nun auch das Max-Morlock-Stadion im Gespräch ist. Allerdings haben die Münchner Verantwortlichen die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, mittlerweile als „eher gering“ eingestuft
  • Der Club ist eine Partnerschaft mit den türkischen Corendon Airlines eingegangen. Die haben sogar angekündigt, einen Flieger in den Clubfarben zu bemalen. Offenbar, weil´s wurscht ist.
  • Er ist nicht nur Clubspieler, sondern auch Clubfan. Bisschen schade, dass das besonders erwähnt werden muss. Umso besser aber, dass der FCN jetzt den Vertrag mit Enrico Valentini verlängert hat.
  • Torwart beim Club, das scheint die Vorstufe zum Lazarett zu sein. Jetzt fällt Andreas Lukse wegen einer Adduktorenverletzung auf unbestimmte Zeit aus.
  • Einer, der sich derzeit richtig für den Club reinhängt und innerhalb weniger Wochen zum Publikumsliebling avancierte (und der heute leider schon in der 13. Minute verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste) , ist nur Leihspieler und wird wohl nicht beim FCN bleiben: Konstantinos Mavropanos.

Das Spiel:

Zunächst konnte man beim zäh beginnenden Heimspiel gegen Darmstadt 98 Kleidungsfragen erörtern. Der Club lief nämlich nicht im traditionellen Rot-Schwarz sondern erneut in Grau auf. Der meist blaue Gast musste so auf Orange ausweichen. Den ersten Aufreger gab es erst in der 12. Minute. Dinos Mavropanos ging im Clinch mit Dursun zu Boden und musste verletzt raus.

Für ihn kam Lukas Mühl. Wer jetzt dachte, die Clubabwehr würde damit an Stabilität verlieren, sah sich aber getäuscht. Mühl, von den Fans lautstark aufgebaut, hatte sich offenbar vom griechischen Leihspieler einiges in Sachen Einsatz abgeschaut.

Die Lilien aus Darmstadt hatten zwar ein optisches Übergewicht, kamen aber kaum gefährlich vor das Club-Tor. Anders der Club. Der erspielte sich in der 24. Minute die erste Gelegenheit. Nürnberger flankte in den Strafraum auf Behrens, der aber von Holland zu Boden gezogen wurde. Schiedsrichter Patrick Alt winkte ab, ohne den VAR zu Rate zu ziehen. In ähnlichen Situationen hatte es freilich schon mal Strafstoß gegeben. Dafür nutzte der Club nach einer halben Stunde seine nächste Chance zur Führung. Hack und Frey kombinierten sich in den Darmstädter Strafraum. Freys Schuss konnte von Darmstadts Torhüter Schuhen nur nach vorne weggefaustet werden, wo Nikola Dovedan stand und den Ball mit Karacho unter die Latte knallte.

Nicht ganz so effektiv war der Club dann bei den sich danach noch eröffnenden Chancen. Das sollte sich leider noch rächen.

In der zweiten Hälfte begann nämlich Schiedsrichter Alt sich zum Hauptdarsteller aufzuspielen. In der 52. Minute ahndete er eine ähnliche Situation wie bei Behrens in der ersten Halbzeit nicht nur mit Elfmeter, sondern auch mit Gelb gegen Asger Sörensen, der den Darmstädter Dursun an der Schulter gezogen hatte. War das schon überzogen, meldete sich auch noch der Kölner Keller und wies Alt darauf hin, er müsse auf Rot nachbessern. Das tat Alt dann auch. Kempe verwandelte zum 1:1 und der Club war nur noch mit zehn Mann auf dem Platz.

Die hängten sich aber für elf rein, zudem schien Darmstadt auch keinen Plan zu haben, aus der Überzahl Kapital schlagen zu können. Als der Club sich dann mit dem einen Punkt abgefunden hatte, kamen die Gäste kurz vor Schluss doch noch zum Siegtreffer. Dumic konnte sich gegen Frey durchsetzen und aus der Distanz Mathenia überwinden. Zuvor war der Ball möglicherweise im Aus. Aber auf Schiedsrichter Alt durfte sich im Max-Morlock-Stadion mittlerweile keiner mehr verlassen.

Im Gegenteil. Kurz darauf zeigte Alt Nürnberger noch wegen Meckerns die Ampelkarte. Und nach dem Schlusspfiff präsentierte der Gelbwütige dann auch noch Trainer Keller und Co-Trainer Stickroth sein Kärtchen.

Wer auch immer glaubte, die Einführung der Videobeweises würde mehr Objektivität in den Fußball bringen, heute wurde er eines besseren (für uns leider schlechteren) belehrt.

Ein Letztes:

Kiebitz? Nein, Fasching!

Ein Punkt gegen den Abstieg

  • Fast hatten wir ihn schon vergessen: Virgil Misidjan. Inzwischen hat er nicht nur sein Verfahren wegen Körperverletzung, sondern auch seinen Kreuzbandriss überstanden und trainiert wieder. Der Club plant angeblich sogar eine Vertragsverlängerung mit dem schnellen und seinerzeit nicht ganz billigen Außenstürmer.
  • Mit Robin Hack hat der Club noch einen schnellen Außenstürmer, der – wenn er nicht wie heute gelb-gesperrt ist – regelmäßig spielt und dabei mitunter richtig Spaß macht. Ihn deswegen jedoch deswegen jedesmal mit dem Attribut Shootingstar (auch hier) zu versehen, ist jedoch in zweierlei Hinsicht ungeschickt: Zum gibt es da kaum noch Steigerungsmöglichkeiten, zum sieht es stark nach Wegloben aus

Das Spiel:

Der Beginn war vielversprechend. Bereits mit dem ersten Angriff brachte Nikola Dovedan (letzte Saison noch bei den Hausherren unter Vertrag) den Club in Führung. Der zuletzt oft gescholtene Hanno Behrens hatte aufgelegt. Mit der Führung im Rücken trumpfte der Club selbstbewusst auf. Bereits im Mittelfeld wurden die Angriffe der Heidenheimer abgefangen und diese durch hohes Pressing zu Fehlern gezwungen. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, wann der Club nachlegt. Aber damit war es nach einer guten Viertelstunde dann leider vorbei. Der Club schaltete in den Schongang und Heidenheim machte nun massiv Druck. Aber entweder war Mathenia zur Stelle oder Mavropanos, der einen Ball gerade noch von der Linie kratzen konnte. In der Nachspielzeit passierte es dann doch: Heidenheim erzielte den Ausgliech. Zunächst konnte Mathenia noch an den Pfosten abwehren, Den Abpraller bugsierten dann Kleindienst und Margreitter praktisch mit dem Pausenpfiff über die Linie.

Nach der Pause schien sich Geschichte zu wiederholen. Nach wenigen Sekunden kam Dovedan wieder zu einer Großchance. Diesmal verzog er allerdings. Kurz darauf vergab Heise. Nach gut einer Stunde machte er es aber besser, passte im Strafraum zu Behrens, der das 2:1 für den Club markiert.

Zehn Minuten später liegt der Ball erneut im Heidenheimer Tor. Margreitter hatte ihn nach Geis-Flanke per Kopf dorthin befördert. Allerdings stand der diesmal oft unglücklich agierende Michael Frey bei der Aktion im Abseits. Strittig, ob er dabei aktiv eingegriffen hat. Der Kölner Keller bejahte dies. So blieb es bei der knappen Führung.

Für die zuvor augenscheinlich verunsicherten Hausherren war das ein Weckruf. Erneut übernahmen sie das Zepter und schnürten den Club, bei dem langsam auch die Kräfte schwanden, mehr und mehr ein. Nach einer Ecke wurden die Bemühungen in der 83. Minute mit dem Ausgleich belohnt. Wieder war Kleindienst der Schütze.

Das Unentschieden war letztlich gerecht. Beim Club ist zwar ein Aufwärtstrend zu erkennen. Über weiter Strecken war er in Heidenheim sogar die bessere Mannschaft. Die Hausherren haben aber Stehaufmännchenqualitäten und da reicht die Verwaltung eines Ein-Tore-Vorsprungs halt nicht .

Ein Letztes:

Lebenshilfe für den Clubfan (für euch leider zu spät):

Nicht schön, aber erfolgreich

Die Woche:

  • Wer gewinnt, hat Recht. So setzte Clubtrainer Jens Keller nach dem Sieg gegen Sandhausen zur Medienschelte an. Angeblich missfiel ihm, wie nach dem HSV-Debakel die Leistung einiger Spieler beurteilt wurde. Wahrscheinlich aber war er auch sauer, weil darauf hingewiesen wurde, dass er sich halt etwas vercoacht hat. Egal! Obwohl wir uns nicht angesprochen fühlen müssen, geben wir gerne den Sündenbock (Scheißbock?), wenn´s dem Verein dient.
  • Apropos Trainer: Künftigen Entlassungen kann der Club stressfreier entgegen sehen. Das Phantom steht bereit. Marek Mintal hat alle Prüfungen bestanden und darf nun auch Profimannschaften trainieren.
  •  Kaum punktet der Club wieder, taucht Aufsichtsratschef Dr. (so viel Zeit muss sein) Thomas Grethlein wieder aus der Versenkung auf. In dem langen Interview sind es aber weniger die Infos, die bestechen, als vielmehr der salbungsvolle Tonfall und die verbindliche Wortwahl. Man könnte sich Dr. (so viel Zeit muss sein) Grethlein gut auch als Bundespräsidenten oder als Landesbischof vorstellen.
  • Beim Club muss vor allem gespart werden. Das fällt einem wieder ein, wenn die Fanradio-Reporter nicht mehr im Stadion sitzen, sondern nur die Sky-Bilder kommentieren.

Das Spiel:

Die neue, gegen Sandhausen erfolgreiche, Taktik bedeutet einerseits, dem Gegner den Ball überlassen und über schnelles Umschalten irgendwann ein Tor zu machen. Andererseits verlangt sie aber auch viel Geduld beim Zuschauer. Eine Stunde verbreiteten beide Mannschaften an der Bremer Brücke gähnende Langeweile. Die Osnabrücker demonstrierten, dass sie genauso wenig das Spiel machen können, wie der Club in seinen Krisenzeiten. So brannte dann trotz zwei Drittel Ballbesitz kaum etwas an in der erneut umgestellten Clubabwehr (Margreitter und Handwerker für die angeschlagenen Sörensen und Heise). Nach vorne ging beim Club allerdings auch wenig. Der für den gesperrten Frey spielende Adam Zrelak hing völlig in der Luft, Schleusener und Hack hatten kaum Ballkontakte.

Aber was soll´s? Auf die Tore kommt es an.. Dass das Tor ausgerechnet dem hauptsächlich durch diverse Stockfehler aufgefallenen Hanno Behrens gelang, ist da nur noch ein zusätzlicher Beleg.

Wie schon gegen Sandhausen kam die Flanke von links (Nürnberger) und statt Frey köpfte diesmal unser Kapitän mit dem Rücken zum Tor ins selbige.

Der Club führte.

Bei den Hausherren machte sich zunehmend Frust bemerkbar. Die besseren Chancen hatte der Club. Robin Hack hätte zwei Mal erhöhen können. Auch Behrens kam noch einmal zu einer Gelegenheit. Letztlich schaukelte der Club die knappe Führung aber nach Hause.

Früher hätten wir solche Spiele zwar interessanter gestaltet, aber wohl verloren. Insofern: Erstmal da unten raus, dann kann man vielleicht wieder an den Zuschauer denken.

Ein Letztes:

Als twitternder Clubfan wird man immer wieder auch mit Infos aus Nantes versorgt. Der dortige Fußballverein postet nämlich ebenfalls unter dem Hashtag #FCN. Dieser Tage war beim französischen Erstligisten ausnahmsweise mehr los als abei uns. Grund war das Topspiel gegen Paris St.Germain und das Diven-Gehabe der beiden gegnerischen Topstars. Mbappe schmollte nach einer Auswechslung und Neymar hatte sich nach einer pompösen Geburtstagsfeier wegen einer „Rippenverletzung“ krank gemeldet. Eine andere Welt!

Der Club lebt noch

  • Floskeln statt Fußball, das war beim Club zuletzt angesagt. Trainer Keller sah in Hamburg in der 2. Halbzeit sogar eine gute Leistung seiner Mannschaft. Dabei bestand die im Wesentlichen aus einer Einzelaktion, einem Sonntagsschuss von Tim Handwerker. Und wenn Trainer und Sportvorstand dann der Mannschaft doch „Mutlosigkeit“ vorwerfen, dann fragt man sich verwundert, wo die so plötzlich hergekommen ist, bislang hat die doch immer mutig dagegen gehalten. Oder etwa nicht?
  • Nichts unternommen hat Sportvorstand Robert Palikuca auf der Sechser-Position. Eigentlich wurden dort die größten Defizite ausgemacht und deswegen eine entsprechende Verstärkung in der Winterpause gefordert. Stattdessen lieh der FCN zwei auf englischen Ersatzbänken schmorende Verteidiger aus. Zwei Innenverteidiger seien genauso gut wie ein Sechser, behauptet Palikuca nun.
  • Johannes Geis spielte zuletzt für den 1. FC Köln. Deswegen war ihm die Begrifflichkeit wohl geläufig als er forderte, gegen Sandhausen müsse „der Scheißbock endlich umgestoßen werden“. Scheißbock nennen Düsseldorfer Fortuna-Fans gern mal das Maskottchen des 1.FC Köln. Sportvorstand Palikuca wiederum kommt aus Düsseldorf und dürfte sich bei dieser Wortwahl wohl zu Hause gefühlt haben.
  • Vielleicht war das ein Schritt in Richtung Geschwätzreduktion. Jedenfalls gab es vom Club erstmals keine Spieltags-Pressekonferenz im Netz. Könnten aber auch erste Auflösungserscheinungen im PR-Bereich sein.

Das Spiel:

Zum Siegen verdammt, unter solchen Voraussetzungen wird einem angesichts des dünnen Nervenkostüms unserer Spieler angst und bange. Aber zunächst war dazu kein Anlass. Das lag wohl auch an den beiden in der Winterpause verpflichteten Neuzugängen. Neben Konstantinos Mavropanos, der in Hamburg noch Spielpraxisdefizite offenbarte, lief auch Philipp Heise auf der linken Verteidigerposition auf. Dort bewies er, dass er noch nicht vom lähmenden Clubvirus infiziert ist, setzte sich häufug selbstbewusst durch, was bereits in der 13. Minute zum Erfolg führte. Eine Flanke von Heise verwertete Michael Frey akrobatisch per Kopf zur 1:0-Führung.

Wer jedoch dacht, jetzt sei der Knoten geplatzt und der Club würde locker aufspielen, sah sich getäuscht. Wieder ließ man sich hintenrein drücken, um so die Instabilität der Abwehr zu demonstrieren. Allerdings lieferte dort zumindest Mavropanos einen souveränen Auftritt ab. Trotzdem kamen die jetzt überlegenen Gäste mehrfach zu Ausgleichschancen. Die nutzen sie glücklicherweise nicht. Gleiches galt allerdings auch für die wenigen Konterchancen, die sich dem FCN eröffneten. So durften wir zur Pause immerhin das ungewohnte Gefühl einer Führung genießen.

In der zweiten Hälfte klappte dann endlich mal ein Konter. In der 52. Minute verlor Sandhausen den Ball in der Vorwärtsbewegung, Geis spielte ihn zu Hack, der dann noch einen Verteidiger aussteigen ließ und zum 2:0 einschob.

Beruhigend ist aber auch ein Zwei-Tore-Vorsprung nicht. Nicht beim Club! In Minute 63 wird Engels steil geschickt, Mathenia fährt das Bein aus und der Gegner fällt dankbar drüber. Elfmeter! Der war schwach geschossen. Mathenia konnte halten. Mavropanos verhinderte zudem gedankenschnell den Nachschuss.

Als dann wenig später beim SVS Marlon Frey eingewechselt wurde, witzelten manche schon über kommentatorenunfreundliche Mannschaftsaufstellungen, schließlich waren schon zwei Behrense (Hanno beim Club, Kevin beim Gast) auf dem Platz. Der Nürnberger 1:0-Torschütze verabschiedet sich dann jedoch prompt mit einem überharten Einsteigen und der folgenden zweiten gelben Karte vom Feld. Jetzt mussten zehzn Nürnberger den Vorsprung verteidigen. Das gelang überraschend gut, wobei allerdings auch Sandhausen mit teilweise kläglicher Chancenverwertung mitspielte.

Insofern: Wichtige drei Punkte, aber zu Entwarnung oder zu Wendegefasel besteht kein Anlass.

Ein Letztes:

Da geht er hin, der Optimismus!

  • Aus gegebenem Anlass noch ein Nachtrag zum Testspiel gegen die Bayern: Das wurde bekanntlich von „Magenta Sport“ kostenlos übertragen. Jenem Sender, der die Rechte für die 3. Liga besitzt und sich da wohl rechtzeitig bei den Fans eines potenziellen Neuzugangs vorstellen wollte.
  • Für die Abwehr gab es in der Winterpause eine weitere Verstärkung. Bis zum Saisonende kommt der 194 Zentimeter große Grieche Konstantinos Mavropanos nach Nürnberg. Beim FC Arsenal sieht man ihn eher als Perspektivspieler. Hier wie schon beim zweiten Winterneuzugang Philipp Heise konnte der Club auf die guten England-Kontakte seines Scouts Kevin Cruickshank zurückgreifen.
  • Er war vom gegenwärtigen Kader am längsten beim Club, jetzt hat dieser Ondrej Petrak abgegeben; als Leihspieler zum Abstiegskonkurrenten Dynamo Dresden. Ablöse gibt es nur, wenn Petrak einschlägt, sprich Dresden drin bleibt und jemand anderes runtergeht, hoffentlich nicht Petraks dann höchstens kurzfristig ein bisschen reicherer Ex-Verein.
  • Erinnert sich noch jemand an Fuchs-Mühl? Damals dachten wir, Michael Köllner kann zaubern und seinen Heimatort Tore schießen lassen. Vergangene Zeiten! Köllner ist weg, Lukas Mühl spielt durchwachsen und Alexander Fuchs künftig für Unterhaching.
  • Kaderverkleinerung Nr. 3: Auch Lukas Jäger, bei Canadi noch Stammspieler, verlässt den Club. Er kickt ab sofort für Sturm Graz.
  • Selbst in seiner Heimatstadt wandelt der FCN gegenwärtig zwischen Langeweile und Desinteresse. Da da geht es in einer Veranstaltung in Nürnberg dann doch lieber um die, was den Absturz angeht, zugkräftigeren Sechziger. Und wenn die Nürnberger Zeitungen am 8. März eine Leserfahrt zum „Bayerischen Derby“ anbieten, dann geht´s nichtzum Club, sondern zu Bayern gegen den FC Augsburg. Richtiges Drama, richtiger Fußball, dasind wir zurzeit nicht dabei.
  • Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich der FCN im Hinspiel gegen den HSV )0:4). Auch danach nicht mit der eher lächerlichen Klage wegen der Spielberechtigung eines HSV-Akteurs. Inzwischen wird über die Sache – sicher auch im Sinne des Hamburger Spielers – nicht mehr geredet. Da machte ausgerechnet der HSV-Sportvorstand Jonas Boldt das Faß ohne Not wieder auf und tönte, sein Verein habe gegen den Club „noch eine Rechnung offen“. Da sind dann leider manche Fans seriöser und vernünftiger als ihre Vostände.
  • Rettung aus Argentinien naht erst einmal nicht. Javier Pinola verlängerte seinen Vertrag bei River Plate um ein Jahr.

Das Spiel:

In Hamburg hatte Trainer Keller ein paar Überraschungen in der Aufstellung parat. Dass im Tor wieder die Nummer 1 Christian Mathenia stehen würde war noch zu erwarten. In der Innenverteidigung lief Neuzugang Mavropanos auf. Lukas Mühl sollte auf rechts verteidigen. Erstmals von Beginn dabei war Gnezda Cerin.

Wenn da ein Plan dahinter steckte, dann ging der schief. Bezeichnenderweise wurde Ceri9n noch in der ersten Halbzeit wieder ausgewechselt. Lediglich in den ersten Minuten konnte der FCN den Eindruck erwecken, dass die „Aufbruchstimmung“ nicht nur eine der mittlerweile üblichen Durchhaltefloskeln ist. Leider wissen aber die Gegner, wie man den Club immer noch knacken kann. Unter Druck begann die Abwehr (wo ist eigentlich die Verstärkung im defensiven Mittelfeld?) wie gewohnt zu schwimmen und so war es dann wenig verwunderlich, dass der HSV in der 18. Minute durch Jatta in Führung ging. Wie üblich machte sich dann wieder der Frust unter den Cluberern breit. Selbst einfachste Pässe landeten beim Gegner. Geordneter Spielaufbau: Fehlanzeige! Dann war es ausgerechnet Mavropanos, der ungeschickt im Strafraum zum Ball ging. Elfmeter! Bereits nach 29 Minuten führten die Hausherren mit 2:0 und beförderten den Club unsanft auf den Boden der Tatsachen. Der konnte froh sein, zur Halbzeit nicht höher zurückzuliegen.

Aus dem nichts kam der Club zunächst doch noch ins Spiel. Ex-FCN-Spieler Tim Leibold hatte wohl ein Einsehen und bediente Tim Handwerker, der zog in der 51. Minute aus 20 Metern ab und erzielte den Anschlusstreffer. Plötzlich hatte unsere Mannschaft Oberwasser und die Hamburger wirkten verunsichert. Leider dauerte das nur ein paar Minuten an. Dann bekam Margreitter den Ball an die Hand und Schiedsrichter Markus Schmidt entschied erneut auf Elfmeter. 3:1!

Jetzt hingen wieder die Schultern. Das Ding schien durch. In der 82. Minute erhöhte Jung noch auf 4:1.

Mittlerweile steht der FCN sogar auf einem direkten Abstiegsplatz. Bereits am Sonntag geht es weiter gegen Sandhausen. Hoffnung macht weder das Spiel in Hamburg, noch das, was die sportlich Verantwortlichen in der Winterpause zusammengezimmert haben.

Ein Letztes:

Fußball ist bekanntlich nur eine Nebensache. Doch auch um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. kümmert sich der FCN. Zum Beispiel um das Abnehmen. Für weibliche Clubfans wird dazu ein neuer Kurs angeboten. Voraussetzung: Clubmitgliedschaft und ein Bauchumfang von mindestens 88 Zentimetern.

Club schlägt die Bayern

  • Dort, wo die Bayern unterwegs sind, tummeln sich auch die Werbetreibenden. Einen kleinen Eindruck bekommen wir in der Diaspora Lebenden aktuell gerade. Da mottet Magenta Sport Alt-Moderator Fritz von Thurn und Taxis für das Freundschaftsspiel des FCN in Nürnberg aus und bekommt prompt allerorten kostenlose Werbung.
  • Er war fast schon beim FC Barcelona. Doch Uli Hoeneß wollte das Talent nicht ziehen lassen. Dann versuchte sich der FCB-Nachwuchsspieler relativ erfolglos beim Club. Jetzt ist Timothy Tillman bei den Greuthern gelandet. Anders als für uns Fans liegt für die Akteure im bezahlten Fußball Fürth eben nahe bei Nürnberg.
  • Der ehemalige Bild-Reporter Daniel Westgate ist nicht mehr Pressesprecher beim FCN. Man wolle mehr und transparenter mit den Fans kommunizieren, ließ der kaufmännische Vorstand Niels Rossow verlauten. Für Westgate wird jetzt im Verein eine andere Verwendung gesucht, seinen als „Leiter Sportkommunikation“ aufgewerteten Posten übernimmt der 42-jährige Christian Bönig. Zumindest in der Pressestelle ist jedenfalls nichts von einer „Verkleinerung des Kaders“ zu bemerken.
  • Wir Fans fragen uns schon länger, warum beim Club die Leistungskurve vieler Spieler nach unten zeigt. Bei der Ursachenforschung ist mancher bei Instagram fündig geworden. Da hat sich erst eine Spielerfrau beklagt, dass selbst ihr Hund nicht wieder nach Nürnberg will. Am 6. Januar postete dann Mikael Ishak einen Hilferuf, er sitze ohne Klopapier daheim und könne auch keines kaufen, weil alle Läden geschlossen hätten. Vielleicht ist die Stadt schuld; und das bayerische Ladenschlussgesetz.
  • Reizvoller als in Norwich auf der Bank zu sitzen, scheint Nürnberg aber allemal zu sein. Zumal, wenn der Aufenthalt zeitlich befristet ist. Linksverteidiger Philipp Heise, an dem der Club schon länger dran ist, kommt zumindest auf Leihbasis bis zum Saisonende. In den nächsten Tagen will Sportvorstand Palikuca noch eine weitere Abwehrverstärkung präsentieren.

Das Spiel:

Mit „Das Spiel“ haben wir die Begegnung gegen die Bayern wahrscheinlich höher gehängt als alle Beteiligten. Club-Trainer Jens Keller hatte schon vorab beklagt, das Testspiel komme zur Unzeit, weil die Mannschaft müde und platt sei. Das dürfte den Kaufleuten beim FCN nicht allzusehr gefallen haben, zumal der Kartenverkauf ohnehin nicht den Erwartungen entsprach. Andererseits schien genau das Druck von der Mannschaft zu nehmen. Die zeigte, dass sie durchaus mit den Bayern mithalten kann, dass sie sich offenbar sogar leichter tut mit einem Gegner, der selbst das Spiel machen und immer Ballbesitz haben will.

So ging der Club in der 22. Minute sogar durch Frey in Führung (Assist: Behrens) und hatte weitere Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Allerdings sah man zwölf Minuten später, dass die Münchner, wenn sie sich gezwungen sehen, immer noch einen Gang hochschalten können und dann gegen eine nicht gerade sattelfeste Abwehr auch zum Erfolg kommen. Diesmal war es Davies, der den Ausgleich machte.

In der Pause wurde komplett durchgewechselt. Lediglich Clubkeeper Dornebusch blieb mangels Alternativen im Spiel. Bei den Bayern standen praktisch nur noch Jugend- und Drittliga-Spieler auf dem Platz. Beim Club wirkte sich die zuletzt beklagte Größe des Kaders hingegen positiv aus. Wohl auch, dass einige ein bisschen Werbung für sich machen wollten. So war es dann der wechselwillige Mikael Ishak der bereits nach wenigen Sekunden den Club erneut in Führung brachte. Beim 3:1 legte Ishak für seinen ebenfalls aufs Abstellgleis geratenen Sturmkollegen Adam Zrelak auf. Das 4:1 hatte Torschütze Schleusener ebenfalls einer Vorlage von Ishak zu verdanken. Danach hatte der Club immer noch nicht genug: Hack erhöhte sogar auf 5:1. Die Bayern konnten hingegen zunächst einen Elfmeter nicht verwerten (Dornebusch hielt) und danach lediglich noch ein bisschen Ergebniskosmetik betreiben.

5:2 gegen die Bayern: Das hört sich super an. Allerdings waren die Voraussetzungen im Nachhinein eher als Aufbauhilfe zu verstehen. Und die älteren unter den Clubfans wissen, FCB-Aufbauhilfe muss nicht immer zum Erfolg führen (Hoeneß!).

Positiv mitnehmen kann der Club immerhin, dass man gegen nicht ganz so motivierte Bayernstars mithalten und dass man gegen Drittliga-Bayern sogar gewinnen kann. Vielleicht passt der Kader also doch, bloß die Liga nicht.

Ein Letztes:

Die SPD des Fußballs

Man könnte im Rückblick auf 2019 fast witzeln, dass der 1.FC Nürnberg seine Trainer  genauso rasch wechselt wie die SPD ihre Vorsitzenden. 2019 benötigten die Genossen sechs Chefs und der Club vier Übungsleiter. Ein Vergleich, der auch deswegen passt, weil weder der Traditionsverein noch die stolze Partei 2019 aus ihrem Dauertief herausgekommen sind.


Allerdings bewies der Club mehr Geduld mit Michael Köllner als die SPD mit Andrea Nahles. Denn er durfte 21 Spieltage bleiben, obwohl dem 1.FC Nürnberg in der Hinserie 2018/19 nur zwei Siege glückten und er als Tabellenletzter überwinterte. Und 2019 ging so weiter, wie 2018 aufgehört hatte – mit Enttäuschungen und Pleiten. Nach zwei Niederlagen und einem Remis schied der Club im Pokal bei Zweitligist Hamburger SV aus und leistete sich anschließend eine 0:2-Niederlage im Kellerduell beim späteren Mitabsteiger Hannover 96.   Erst dann war Schluss für Köllner, mit ihm ging Sportchef Andreas Bornemann, der sein Schicksal mit dem des Trainers verknüpft hatte.


Köllners Assistent Boris Schommers übernahm für die verbleibenden 13 Spiele und startete mit einem 0:0 gegen Borussia Dortmund sehr solide. Letztlich aber war der Kader zu schwach für die Bundesliga. Unter Schommers verlor der Club zunächst zwar knapper als unter Köllner, aber er verlor. So baute der FCN seine Sieglos-Serie auf 20 Bundesligapartien aus, bis am 27. Spieltag mit einem 3:0 gegen den FC Augsburg endlich der dritte Saisonsieg gelang. Es sollte der letzte bleiben. Immerhin trotzte man den Münchner Bayern noch ein 1:1 ab, was aber deren siebten Meistertitel in Folge auch nicht verhindern konnte.  Die Saison endete mit zwei Packungen – nach dem 0:4 gegen Mönchengladbach war der Abstieg auch rechnerisch besiegelt, und zum Saisonabschluss leistete sich der Club ein 1:5 in Freiburg.

Platz 18 mit nur 19 Punkten und drei Siegen – selbst in der Horrorsaison 1983/84 hatte der FCN  viermal gewonnen. Damals war der Altmeister aber angesichts prominenter Neuzugänge wie Manfred Burgsmüller mit großen Erwartungen in die Saison gestartet, diesmal kam der Abstieg indes wenig überraschend.

Im Sommer kamen viele neue Gesichter an den Valznerweiher – darunter auch  Coach Damir Canadi. Der durfte aber auch nur zwölf  Spieltage bleiben. In den ersten vier Partien gelangen noch zwei 1:0-Siege in Dresden und gegen Osnabrück, doch in den folgenden acht Spielen holte der Club nur noch einen „Dreier“, und zwar beim 4:0 in Hannover. Nach dem 1:3 in Bochum musste Canadi im November gehen. Vereinsikone Marek Mintal übernahm für ein Spiel und musste eine 1:5-Klatsche gegen Bielefeld erleben. Cheftainer Nummer vier, Jens Keller, konnte  auch erst im fünften Spiel dreifach punkten, aber mit dem 2:0 gegen Dresden hat man wenigstens einen versöhnlichen Jahresabschluss geschafft und zugleich einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf auf Distanz gehalten.


Denn eben dort, im Abstiegskampf der Zweiten Bundesliga, befindet sich der Club nach 18 Spieltagen. Mit 19 Punkten (immerhin so viele wie in der gesamten Vorsaison) belegen die Nürnberger Rang 16 und müssten nach derzeitigem Stand gegen den Dritten aus der Dritten Liga Relegationsspiele um den Klassenerhalt bestreiten. In eben dieser  Dritten Liga haben die Ex-Trainer Köllner und Schommers übrigens die Traditionsklubs 1860 München und Kaiserslautern zuletzt auf Kurs gebracht.


Beim Club muss Bornemann-Nachfolger Robert Palikuća in der Winterpause wohl vor allem die Abwehr verstärken, wenn man den Tabellenkeller verlassen will. Mit dem Toreschießen klappt es ganz gut, aber die Defensive zeigte sich  chronisch instabil – so verspielte der Altmeister zum Beispiel 2:0-Führungen gegen Heidenheim sowie Kiel (jeweils 2:2) und kassierte bereits 34 Gegentore, nur Wiesbaden (35) und Karlsruhe (36) sind noch anfälliger.


Schafft der 1.FC Nürnberg die Wende? Nach dem katastrophalen Jahr 2019 kann es eigentlich nur besser werden. Aber das dachte die SPD auch oft, etwa nach der Bundestagswahl 2009. Doch später kam es dann noch schlimmer – und auch der Austausch von Vorsitzenden half auf Dauer nicht…