Wir Clubfans trauern unseren Emotionen hinterher

1. FC Nürnberg - Fortuna DüsseldorfDie Länderspielpause hat nicht gut getan. Mit 0:2 (0:1) verlor der 1.FC Nürnberg am Montagabend sein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Die immerhin zwei Wochen währende Euphorie nach dem 4:0 beim 1.FC Union Berlin, Coach Ismael hatte da von der Geburt einer neuen Mannschaft geschwärmt, ist wieder einmal wie weggeblasen. Für die eher mittelmäßig in die Saison gestarteten Fortunen war der Club nichts weiter als ein angenehmer Aufbaugegner.

Dabei begann die Ismael-Truppe recht gefällig. Sylvestr tauchte bereits nach wenigen Minuten erstmals gefährlich im Düsseldorfer Sechzehner auf, konnte den Ball aber nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin verflachte die Partie etwas. Der FCN war zwar weiterhin optisch überlegen, agierte aber wie so oft in dieser Saison wenig zwingend und kreativ. Bis zur 20. Minute ging das so. Dann wurde es blutig. Düsseldorfs Benschop sprang Petrak in Kung-Fung-Manier mit den Stollen voran ins Gesicht, der Tscheche sackte zusammen und die Blutung am Kopf musste am Seitenrand gestoppt werden.

Es ist fraglich, ob dieses Foul den Club derart verunsicherte, dass er nur wenige Minuten später komplett aus dem Tritt geriet. Da sah Bulthuis auf der linken Abwehrseite nämlich ganz schlecht aus, ließ sich von Schauerte ohne Gegenwehr tunneln. Schauerte war durch, passte stramm nach innen, wo Erwin Hoffer lauerte und nur noch einschieben musste – 0:1 (23.). Wieder mal eine Minusleistung der Abwehr.

Zumindest kämpferisch steckten die Mannen von Trainer Ismael in der Folgezeit nicht auf. Doch spielerisch war irgendwie der Wurm drin. Wenig verwunderlich also, dass es bis zur Halbzeit bei einem knappen Rückstand blieb. Ein Ergebnis, das aus Düsseldorfer Sicht allerdings erstaunlich einfach zu halten war. Einzig Gebhart sorgte kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal für Alarm vor dem Düsseldorfer Kasten, doch Fortuna-Keeper Rensing brauchte nicht einmal einzugreifen, weil der Bad Boy die Kugel über den Querbalken drosch.

Für den 0:1-Mitverursacher Bulthuis brachte Ismael in der Halbzeit Ramirez. Das änderte jedoch nichts an den Kräfteverhältnissen auf dem Grün. Wie gehabt präsentierte sich der Club in wackeliger Verfassung. Viel zu wenig zielstrebig kombinierten sich die Jungs vom Valznerweiher nach vorne. In Minute 57 kam dann Mlapa für Sylvestr. Der vermeintliche Joker durfte aber nur wenig später dabei zusehen, wie Pinto unbedrängt zum 2:0 für die Fortunen einnetzte (62.).

Heiß wurde es in der Schlussphase vor Rensings Gehäuse nicht mehr, dafür aber umso mehr vor der Düsseldorfer Bank. Wieder im Mittelpunkt des Geschehens: der nicht gerade als zimperlich verschriene Pinto. Der senste mit purer Absicht Ramirez von hinten um – eigentlich hätte es hierfür Rot geben müssen. Natürlich hatte Ramirez zuvor mit der Hand Pintos Gesicht getroffen. Das rechtfertig aber nicht eine derartige Form der Selbstjustiz. Letztendlich hätte der rote Karton dem FCN auch nichts mehr gebracht, ebensowenig wie es Füllkrug tat, der in der 83. Minute für Candeias kam.

Am Ende herrschte große Unruhe unter den 26.588 Zuschauern im Grundig-Stadion. Viele pfiffen. Manche starrten ins Leere. Kaum einer regte sich auf. Selbst die Mannschaft schlich einfach nur bedröppelt mit versteinerten Mienen von dannen. Irgendwie ein gewohntes Bild, das man nunmehr selbst als hartgesottener Clubfan fast emotionslos zur Kenntniss nimmt. Das ist das eigentlich Traurige an der momentanen Situation.