Wohlwollensvorschuss

Manchmal ist es nicht verkehrt, erst mal einen Tag vergehen zu lassen, ehe man sich was von der Seele schreibt. Da kann man sich weitere Abgesänge und Schmähtiraden sparen, hat sich schon wieder so weit gesammelt, dass der Frust nicht mehr so übermächtig ist. Außerdem klingen einem auch noch die Worte das neuen Chefcoachs im Ohr, alle, die es mit dem Club gut meinen, müssten jetzt zusammenhelfen. Auch die Journalisten.

Also: Blicken wir nicht zurück, sondern nach vorne auf die beiden Relegationsspiele am 7. und 11. Juli. Gehen wir mal davon aus, dass die beiden „Notnägel“ Michael Wiesinger und Marek Mintal wissen, wo es hängt, schließlich war das ja kein neuer Stiefel, den die Mannschaft in Kiel zusammengespielt hat.

Dass die beiden bei ihrem früheren Wirken auf der FCN-Trainerbank eher semierfolgreich waren, geschenkt! Jens Keller, der viel zu lange das Vertrauen der Clubverantwortlichen genossen hat, hatte auch keine viel bessere Visitenkarte und schon mit dem FC Ingolstadt bewiesen, dass er eine von Namen und Kosten her zu ganz anderem prädestinierte Mannschaft locker in die dritte Liga führen kann. Anders als Keller und sein Co-Trainer Stickroth gehören Wiesinger und Mintal zu jenen, die beim Club nicht nur einen Job machen, sondern mit Herzblut beim Verein sind. Insofern besteht zumindest die Chance, dass da ein bisschen was auf die davon bislang eher unbeleckte Mannschaft abfärbt. Andererseits dürften es ihnen die Fans aber auch nicht allzu übel nehmen, wenn es dann in der Relegation doch nicht klappen sollte und der FCN in die dritte Liga muss. Was immer die beiden zusammencoachen, die entscheidenden Fehler wurden von anderen schon viel früher gemacht und diese Fehler dürften sich auch nicht abstellen lassen, indem man nur wieder mal „neue Impulse“ auf die Trainerbank setzt, ansonsten aber alles beim Alten belässt.

Trotzdem: Gestern noch war ich drauf und dran, diese Liebe dann endlich doch zu bereuen und die schriftliche Begleitung des „Ruhmreichen“ einzustellen. Am deutschen Fußball hält mich mittlerweile ohnehin kaum noch etwas, am Club waren es immerhin noch die Tradition und die anderen Fans. Verein und Mannschaft haben allerdings viel dazu beigetragen, unsereinem das Gefühl zu geben, dass ihnen Tradition und Fans ziemlich egal sind. Die Lösumg mit Wiesinger und Mintal ist somit immerhin ein Schritt in eine andere, richtige Richtung. Aber halt nur einer. Da müssen weitere folgen. Egal in welcher Liga.

Mit Glück und Grethlein

Inzwischen habe ich mir wieder ein paar Spiele angetan. Auch die vom Club. So ganz kann man es dann doch nicht lassen.

Wenn man ohne Vertrag woanders mitgucken kann und daher nichts zahlen muss, fällt einem aber leider auch auf, dass man immer noch Zeit investiert. Zeit, die man eigentlich für vieles sinnvoller nutzen und unterhaltsamer verbringen könnte. Oben steuern die Bayern ihren drölfzigsten Titel an. Unten wird der Club nur durch die Hilfe der Gegner noch einigermaßen am Leben gehalten. In der ersten Hälfte des Heimspiels gegen Aue wäre ich beinahe weggenickt. Spielerisch und kämpferisch kommt da gar nichts. Nicht einmal akustisch. Die Clubspieler haben offenbar besonders große Angst vor Tröpfcheninfektion und taumeln deshalb stumm in Richtung 3. Liga. Der ebenfalls ziemlich ruhige Trainer Jens Keller scheint mit seinem Latein ohnehin am Ende (dürfte sich eher um das kleine Latinum handeln), was sich auch in dem hilflosen Wortgeschwurbel widerspiegelt, mit dem er die Lokalpresse abspeist.

Einzig Aufsichtsratschef Thomas Grethlein ist mit verbalen Supportversuchen im fanentleerten Stadion zu hören. Außer „FCN“ und „Weiter“ hatte er aber nichts auf der Platte. Da erkennt man erst, wie originell doch die Fans sind. Wobei es auch da Ausnahmen gibt, zum Beispiel wenn fast eine Halbzeit lang bloß das hier gebrüllt wird. Die Leistungen der Fans verhalten sich da anscheinend umgekehrt proportional zu denen auf dem Platz.

Im Heimspiel gegen Aue schien zumindest Kapitän Hanno Behrens dem „Weiter“ seines AR-Vorsitzenden Gehör zu schenken. Sein energischer Vorstoß führte dann wenigstens zum Ausgleich.

In Regensburg war es mit dem von Keller geschmähten Ishak ebenfalls einer der „Alten“, der uns endlich mal ein Feldtor bescherte. Aber egal, auf welcher Seite das Tor fällt, beim FCN scheint das immer Lähmung und Zurückschalten in den Verwaltungsmodus zu bedeuten. Gegen den Jahn ging das sogar eine Zeit lang gut. Statt jedoch nach den beiden Aluminiumtreffern aufzuwachen und das eigene Glück nicht weiter zu strapazieren, bettelte der Club so lange bis er 1:2 in Rückstand lag. Dass dann in der Nachspielzeit noch der kaum erwartbare Ausgleich durch den derzeit besten Clubstürmer (Eigentor) fiel, dürfte höchstens dazu dienen, den trostlosen Auftritt wieder irgendwie schönzureden. In der Tabelle hat sich der Abstand zum Mittelfeld für den Club weiter vergrößert. Möglicherweise muss so lange gezittert werden, bis Dresden seine beiden Nachholspiele absolviert hat.

Andererseits ertappe ich mich mittlerweile bei dem Gedanken, ob nicht ein Abstieg und eine völlige Neuorientierung für den FCN besser wäre als eine irgendwie glücklich zustande gekommene Verlängerung des jetzt noch deutlicher zu Tage tretenden Trauerspiels. Ohne Fans ist der Club, noch mehr als andere Vereine, ein Nichts.

Doch wie soll eine solche Neuorientierung stattfinden? Bekanntlich gibt es nichts Richtiges im Falschen. Einige Fankommentatoren schlagen da vor, das Rad der Zeit um etwa 15 Monate zurück zu drehen, Köllner und Bornemann wieder zu holen und stattdessen die, für deren Entlassung verantwortlichen „Amateure“ in die Wüste zu schicken. Die Beiträge unserer Scoutingabteilung machen Bornemanns reservierte Haltung, was Neuverpflichtungen anging, nachträglich verständlich. Aktuelles Beispiel ist der, lediglich durch seinen Fehlschuss im Derby aufgefallene, Iuri Medeiros, der jetzt an Braga abgegeben werden soll.

Kosten minimieren dürfte beim Club wieder oberstes Gebot werden. Guter Fußball für die Fans interessiert da eher weniger. Ohnehin weiß keiner genau, wie es nach der Saison weiter geht. Im August dürfte es bestimmt noch keinen Impfstoff geben. Ob wir gegen Fürth oder gegen Würzburg nicht hin dürfen, ist dann auch egal.

Immerhin scheint Grethlein – trotz stark limitierter Mittel – erkannt zu haben, dass es beim Produkt Fußball auch um Unterhaltungswerte geht. Das ist schon mal ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht finden sich ja in der Möchtegern-Kulturhauptstadt noch ein paar – derzeit ohnehin beschäftigungslose – Künstler, die wenigstens das mit der akustischen Unterstützung ein bisschen besser hinbekommen.

Ein Letztes:

Kleines Lebenszeichen

War´s das? Das hatten wir vor gut fünf Wochen gefragt. Seitdem gab es hier kein Lebenszeichen mehr. Kein Spiel, kein Glubb-Weekly, keine Antwort auf die Frage.

Andererseits, was hätten wir schreiben sollen? Uns am Gestochere im Nebel beteiligen? So tun, als würde in ein paar Tagen alles weiter gehen wie gewohnt? Natürlich hätten wir die mehr oder weniger hilflosen Statements der Protagonisten aufblasen können. Aber das machen schließlich schon die – derzeit ansonsten weitgehend beschäftigungslosen – Sportkollegen.

Im Gegensatz zu diesen ist man als Blogger in der komfortablen Lage, einfach mal die Klappe halten zu können. Zumal im Augenblick das, was nicht gesagt und getan wird, dem Patienten Fußball mehr hilft, als alle aktionistischen Rettungsversuche. Der Fußball war nämlich – und da sind sich die meisten Fans einig  – schon vor Corona krank. Inzwischen fällt das auch dem Letzten auf. Zum Beispiel hier.

Unser philosophisch gebildeter Aufsichtsratsvorsitzender hat daher darauf verwiesen, dass jeder Krise auch eine Chance innewohnt. Dem kann man nur zustimmen. Hoffentlich nutzt der Fußball sie nicht so wie Medeiros in Fürth oder Baumann 1999 gegen Freiburg.

Auch für den FCN im Speziellen bietet die Krise eine Chance. Beispielsweise die, den zuletzt immer noch drohenden Abstieg zu vermeiden; egal, ob die Saison noch irgendwie zu Ende gegurkt oder ob ein Schlussstrich darunter gezogen wird. Während in letzterem Fall wohl niemand absteigen dürfte, wäre der Club für Geisterspiele mental wohl besser gerüstet als die Konkurrenz. Ein Heimvorteil war bislang eh nicht auszumachen, zumindest parziell leere Ränge kannten die Spieler schon und dank der Aschenbahn drang die Fanunterstützung ohnehin moderater ans Spielerohr als anderswo.

Auch wir Clubfans tun uns mit dem Shutdown etwas leichter. Freudlosigkeit herrschte bereits,  als noch gespielt wurde. Auf einen Abstieg konnten wir uns ebenfalls schon einstellen. Wenn man da nicht alleine leidet, sondern der gesamte Profifußball mitabsteigt, ist das leichter zu ertragen. Oder anders gesagt: Wenn Bayern, Leipzig, Dortmund oder Schalke von ihren hohen Rössern runter müssen, amüsiert sich der, der ohnehin nur auf einem Pony unterwegs ist.

Also: Haltet weiter durch! Die aktuelle Durststrecke ist für einen guten Zweck. In jeder Hinsicht.

Der Club lebt noch

  • Floskeln statt Fußball, das war beim Club zuletzt angesagt. Trainer Keller sah in Hamburg in der 2. Halbzeit sogar eine gute Leistung seiner Mannschaft. Dabei bestand die im Wesentlichen aus einer Einzelaktion, einem Sonntagsschuss von Tim Handwerker. Und wenn Trainer und Sportvorstand dann der Mannschaft doch „Mutlosigkeit“ vorwerfen, dann fragt man sich verwundert, wo die so plötzlich hergekommen ist, bislang hat die doch immer mutig dagegen gehalten. Oder etwa nicht?
  • Nichts unternommen hat Sportvorstand Robert Palikuca auf der Sechser-Position. Eigentlich wurden dort die größten Defizite ausgemacht und deswegen eine entsprechende Verstärkung in der Winterpause gefordert. Stattdessen lieh der FCN zwei auf englischen Ersatzbänken schmorende Verteidiger aus. Zwei Innenverteidiger seien genauso gut wie ein Sechser, behauptet Palikuca nun.
  • Johannes Geis spielte zuletzt für den 1. FC Köln. Deswegen war ihm die Begrifflichkeit wohl geläufig als er forderte, gegen Sandhausen müsse „der Scheißbock endlich umgestoßen werden“. Scheißbock nennen Düsseldorfer Fortuna-Fans gern mal das Maskottchen des 1.FC Köln. Sportvorstand Palikuca wiederum kommt aus Düsseldorf und dürfte sich bei dieser Wortwahl wohl zu Hause gefühlt haben.
  • Vielleicht war das ein Schritt in Richtung Geschwätzreduktion. Jedenfalls gab es vom Club erstmals keine Spieltags-Pressekonferenz im Netz. Könnten aber auch erste Auflösungserscheinungen im PR-Bereich sein.

Das Spiel:

Zum Siegen verdammt, unter solchen Voraussetzungen wird einem angesichts des dünnen Nervenkostüms unserer Spieler angst und bange. Aber zunächst war dazu kein Anlass. Das lag wohl auch an den beiden in der Winterpause verpflichteten Neuzugängen. Neben Konstantinos Mavropanos, der in Hamburg noch Spielpraxisdefizite offenbarte, lief auch Philipp Heise auf der linken Verteidigerposition auf. Dort bewies er, dass er noch nicht vom lähmenden Clubvirus infiziert ist, setzte sich häufug selbstbewusst durch, was bereits in der 13. Minute zum Erfolg führte. Eine Flanke von Heise verwertete Michael Frey akrobatisch per Kopf zur 1:0-Führung.

Wer jedoch dacht, jetzt sei der Knoten geplatzt und der Club würde locker aufspielen, sah sich getäuscht. Wieder ließ man sich hintenrein drücken, um so die Instabilität der Abwehr zu demonstrieren. Allerdings lieferte dort zumindest Mavropanos einen souveränen Auftritt ab. Trotzdem kamen die jetzt überlegenen Gäste mehrfach zu Ausgleichschancen. Die nutzen sie glücklicherweise nicht. Gleiches galt allerdings auch für die wenigen Konterchancen, die sich dem FCN eröffneten. So durften wir zur Pause immerhin das ungewohnte Gefühl einer Führung genießen.

In der zweiten Hälfte klappte dann endlich mal ein Konter. In der 52. Minute verlor Sandhausen den Ball in der Vorwärtsbewegung, Geis spielte ihn zu Hack, der dann noch einen Verteidiger aussteigen ließ und zum 2:0 einschob.

Beruhigend ist aber auch ein Zwei-Tore-Vorsprung nicht. Nicht beim Club! In Minute 63 wird Engels steil geschickt, Mathenia fährt das Bein aus und der Gegner fällt dankbar drüber. Elfmeter! Der war schwach geschossen. Mathenia konnte halten. Mavropanos verhinderte zudem gedankenschnell den Nachschuss.

Als dann wenig später beim SVS Marlon Frey eingewechselt wurde, witzelten manche schon über kommentatorenunfreundliche Mannschaftsaufstellungen, schließlich waren schon zwei Behrense (Hanno beim Club, Kevin beim Gast) auf dem Platz. Der Nürnberger 1:0-Torschütze verabschiedet sich dann jedoch prompt mit einem überharten Einsteigen und der folgenden zweiten gelben Karte vom Feld. Jetzt mussten zehzn Nürnberger den Vorsprung verteidigen. Das gelang überraschend gut, wobei allerdings auch Sandhausen mit teilweise kläglicher Chancenverwertung mitspielte.

Insofern: Wichtige drei Punkte, aber zu Entwarnung oder zu Wendegefasel besteht kein Anlass.

Ein Letztes:

Eine Frage der Geduld

1. FC Nürnberg - TSV 1860 MünchenDer 1. FC Nürnberg kann doch noch ansehnlichen Fußball spielen. Das ist eine positive Erkenntnis, die man der 1:2-Niederlage gegen den TSV 1860 München am Montagabend abgewinnen kann. Endlich – am vierten Spieltag der nicht mehr ganz so jungen Zweitligasaison – zeigte die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz über 90 Minuten eine ansprechende Leistung. Sowohl kämpferisch als auch läuferisch. Ein weiterer Lichtblick: Ersatzkeeper Thorsten Kirschbaum überzeugte und gehörte mit Neuzugang Tim Matavz zu den Besten im Club-Dress.

Matavz fackelte in der 16. Minute auf Zuspiel von Miso Brecko nicht lange und zog aus rund 20 Metern Torentfernung ab. Sein satter Flachschuss schlug im langen Eck ein – es stand 1:1. Bereits in der elften Spielminute waren die Löwen durch Sascha Mölders in Führung gegangen. Auch wenn Schwartz‘ ernste Miene, die er an der Seitenlinie aufzusetzen pflegt, es nicht unbedingt ausdrückt: Die Leidenschaft ist zurück. Und wenn die zu spüren ist, wenn das Feuer brennt, dann verzeiht ein echter Clubfan (fast) alles.

Den besten, aber auch dümmsten Beweis für das wiederentflammte Temperament lieferte Guido Burgstaller in Minute 73. Der Österreicher sah nach einem unnötigen Foul im Mittelfeld die zweite Verwarnung und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Nur wenige Minuten später fiel der 2:1-Siegtreffer für den TSV. Mölders legte mit der Hacke auf Michael Liendl ab, der den Ball völlig freistehend ins kurze Eck beförderte (79.). Das Problem ist, und damit kommen wir zu den negativen Erkenntnissen aus dem Spiel, dass dieser Platzverweis nicht zur Schlüsselszene taugt.

In Schwierigkeiten geraten war der Club nämlich schon etwa ab der 65. Minute. Und das aus völlig unerklärlichen Gründen. Denn dieser Phase waren ein insgesamt recht ordentlicher erster Durchgang und ein durchaus ansehnlicher Beginn in der zweiten Hälfte vorausgegangen. Also kein Grund zu Panik, oder? Doch urplötzlich ging beim FCN nichts mehr. So leidenschaftlich die Spieler kämpften, so erschreckend hilflos und planlos wirkten nunmehr ihre Aktionen. Nach einer minutenlangen Ballstafette der Löwen gab es sogar vereinzelte Pfiffe. Burgstallers hartes Einsteigen war demnach höchstens eine Konsequenz aus dieser seltsamen Apathie, nicht aber ihr Auslöser.

Ein möglicher Auslöser: In der 69. Minute, zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1 und der 1. FC Nürnberg war noch vollzählig, wechselte Club-Coach Alois Schwartz Mittelfeldmann Kevin Möhwald für Mittelfeldmann Enis Alushi ein. Ein Wechsel, der fast so wirkt, als hätte der Trainer mit dem Unentschieden ganz gut leben können. Warum zu Hause nicht auf Sieg spielen? Möglicherweise hätte eine frische Offensivkraft hier genau den Schub gegeben, den seine Elf so dringend nötig gehabt hätte. Immerhin: Es blieben ja noch zwei Wechsel.

Aber Alois Schwartz machte – nichts. Selbst nach dem Gegentreffer reagierte der Coach nicht. Es schien fast so, als wolle er jene Geduld ausstrahlen, die er vom Club-Umfeld in Bezug auf seine Person einfordert. So dauerte es bis zur 89. Minute (!), ehe der FCN-Trainer mit Shawn Parker für Hanno Behrens und Cedric Teuchert für Laszlo Sepsi doch noch zwei Stürmer brachte. Und siehe da: Die beiden machten sofort Alarm im Löwen-Sechzehner, der Ausgleich schien auf einmal nur eine Frage der Zeit zu sein. Nur leider war das Spiel dann recht schnell vorbei und man stellte sich unweigerlich erneut diese eine Frage, die man eigentlich auf gar keinen Fall stellen darf, weil man ja Geduld braucht. Bis es zu spät ist.

Freibier für die Fanseele

24.05.2015 --- Fussball --- Saison 2014 2015 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 34. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN - VfR Aalen  --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / MiWi ---  FCN Klatschpappen sind auf den Stadionstuehlen ausgelegt

Auf den Stadionstühlen waren Klatschpappen ausgelegt.

Der Spannung auf den anderen Plätzen geschuldet haben wir das Spiel gegen den bereits abgestiegenen VfR Aalen am Sonntag nur in der Zweitliga-Konferenz verfolgt. Es ging ja schließlich um nichts mehr. Das war auch den Kollegen von Sky bewusst, denn mehr als die Tore bekamen die Zuschauer von „diesem ereignisarmen Gekicke“ (Tenor des Kommentators) nicht zu sehen.

Das wichtigste Ereignis spielte sich ohnehin vor der Partie ab, als die Nordkurve Fanliebling Pinola mit einer Wahnsinnschoreographie für zehn Jahre Vereinszugehörigkeit huldigte. Der von Dr. Drees gesperrte Argentinier war zu Tränen gerührt – ein Gänsehautmoment für jeden FCN-Anhänger.

Das gefühlt zweitwichtigste Ereignis fand rund zwei Stunden später statt: Dann nämlich gab es 4500 Liter Freibier für die Fans. Das hatten die sich zuvor, und eigentlich die ganze Saison über, auch redlich verdient, denn erwähnenswerter als das zweitklassige Geschehen auf dem Rasen ist in diesem Zusammenhang der erneut erstklassige Support von den Rängen. Wieder einmal.

Zwischen Choreo und Freibier brachte Bulthuis den Ball nach einer Schöpf-Ecke per Kopf zum 1:0 in den Maschen unter, diesmal zählte der Treffer. Das war in Minute 28. Gjasula glich nach der Halbzeit aus (51.), ehe Burgstaller das Leder nach gekonnter Vorarbeit durch Kerk zum 2:1-Siegtreffer ins Gehäuse bugsierte (87.). Eine Gelb-Rote gab’s noch für Aalens Welzmüller (75.). Ansonsten war es das bereits angeklungene „ereignisarme Gekicke“. Man hatte irgendwie den Eindruck, dass Pinola, die Fans und das Bier gereicht hätten, um von einem gelungenen Nachmittag im Grundig-Stadion zu sprechen.

Am Sonntag verabschiedeten sich schließlich die Spieler in einen vierwöchigen Urlaub. Unterdessen können sich Sportvorstand Martin Bader, der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf und Trainer René Weiler schon einmal Gedanken um die Kaderplanung für die kommende Saison machen. Hoffentlich beweisen die Verantwortlichen diesmal ein besseres Händchen als letztes Jahr…

„Ja, es ist kein Geheimnis, dass wir mit Willy Evseev vom VfL Wolfsburg und mit Mike Ott vom TSV 1860 München zwei Spieler geholt haben, die natürlich am Anfang ihrer Karriere sind, aber die natürlich auch unseren Kader von der persönlichen Klasse her bereichern können“Martin Bader im Mai 2014 gegenüber Sky nach dem Abstieg aus der Bundesliga über die Kaderplanung beim 1. FC Nürnberg

Das lassen wir mal so stehen – und brauchen jetzt selbst ein Bier. Prost!

Erfolgreicher Raketentest vor dem Parteitag

1. FC Nürnberg - 1. FC KaiserslauternVor ein paar Tagen hat Blogger-Kollege „vip“ den Namen „Kim Jong Bader“ aus der Taufe gehoben. Da war Schäfer noch Torwart und noch nicht mundtot gemacht. Der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg hatte gerade verkündet, dass er trotz aller Turbulenzen dem Club erhalten bleiben wolle.

Zugegeben: Nordkorea-Vergleiche sind in jedem Zusammenhang grenzwertig. Doch manchmal passen sie einfach wunderbar. Und wenn wir schon dabei sind: Für Bader muss sich der 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern im achten Saisonspiel am Vorabend der Jahreshauptversammlung ungefähr so angefühlt haben wie für Kim Jong Un ein im achten Anlauf kurz vor einem Parteitag endlich geglückter Langstreckenraketentest.

Gezündet hat es beim Club am Montagabend allemal. Zumindest in der ersten Hälfte. Von einer „Schöpf-Show“ sprach der Sky-Kommentator – und bekam sich gar nicht mehr ein vor lauter Lobhudelei. Schöpf hatte schließlich das 1:0 vorbereitet, das Candeias zentral stehend machte (24.). Das 2:0 in der 41. Minute besorgte der 20-jährige Youngster höchstselbst nach einem sehenswerten Turbo-Alleingang in bester Andi-Möller-Manier.

Die kompletten ersten 45 Minuten über spielte der Club wider Erwarten erfrischend stark auf. War es tatsächlich die Degradierung Schäfers, die Wirkung zeigte? Oder packte den FCN als Tabellenvorletzter der Mut der Verzweiflung? Man kann nur mutmaßen, doch es ging ein spürbarer Ruck durch die Elf von Coach Ismael. Diesen Schub nahm die Truppe um Interims-Kapitän Mössmer mit in Durchgang zwei, wenn nun auch etwas Gegenwind von den Roten Teufeln auffrischte. In Minute 51 war es wieder Schöpf, der zum Torjubel abdrehen durfte, nachdem er die Kugel irgendwie in die Maschen gedroschen hatte. Die Lauterer kamen vor 25.130 Zuschauern im Grundig-Stadion in Person von Ring (62.) und Löwe (71.) noch einmal auf 2:3 heran. Das große Zittern begann. Zweifler beschworen Übles herauf, schließlich hatte Schiedsrichter Kinhöfer auch das 3:3 in Hannover gepfiffen, wo der Club letzte Saison tragisch eine 3:0-Führung verspielt hatte. Doch es reichte. Am Ende war der Jubel groß.

Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Schramm („Wir haben einen Spordlichen Leider, wir haben den Fußballabdeilungsleider, wir haben den Drainer, wir haben die Mannschafd und die müssen die Woche weider arbeiden und dann gehd des weider“) bis zu Trainer Ismael („Wir haben gewonnen, jetzt gibt es keinen Grund mehr, etwas zu ändern“): Am Valznerweiher ist ohne Schäfer wieder Zug drin, das Club-Raumschiff ist auf Kurs. Und wenn am Dienstag nicht der Baiersdorfer Meerrettich-Pate zum Schubumkehrhebel greift, schwebt es einfach weiter, immer weiter. Völlig losgelöst. Bis es abstürzt.

Jetzt sind die Wunderheiler gefragt

822269039Jaja, der Club hat immer schon schlecht begonnen und kämpfte mit Anpassungsschwierigkeiten, wenn er abgestiegen ist. Diesmal ist das nicht anders. Gegen den KSC mochte man freilich nicht einmal von Anpassungsschwierigkeiten reden. Das war einfach nicht zweitligatauglich, was da abgeliefert wurde. Dabei hatte Trainer Valerien Ismael noch vor dem Spiel getönt, die Mannschaft habe vor allem mental gearbeitet, um ihr Können auch umsetzen zu können.

Leider war davon nichts zu sehen. Der Club spielte wie schon seit mehr als einem Jahr: ohne Zug nach vorne, ohne Durchschlagskraft und versuchte nur Ordnung reinzubringen und keine Fehler zu machen. Genau das passierte dann jedoch. Wer sich nämlich nur auf die Löcher im Käse (dazu später mehr) konzentriert, der wird nicht satt, sondern bekommt nur Blähungen.

So stand es, ehe man sich recht versah, 3:0 für die Karlsruher. Die werden sich auch gewundert haben, wie einfach es ihnen der „Ruhmreiche“ gemacht hat. Insofern hätten sie ruhig noch was für ihr Torverhältnis tun können. Aber in der zweiten Hälfte verwalteten sie das Spiel nur noch und dann hielt Raphael Schäfer sogar noch einen Elfmeter und die Drei fest. Schäfer tat also was für sich. Punkte bringt das, wie beschrieben, leider nicht.

Nichts für sich tun konnte dagegen Timo Gebhart. Bereits nach 30 Minuten holte ihn Trainer Ismael vom Feld. Das wird es für Gebhart wohl gewesen sein. Ein Missverständnis! Für Ismael könnte es das aber ebenfalls gewesen sein. Manager Martin Bader steht massiv unter Druck. Mit Spielen wie gegen den KSC wird im Verein keine Ruhe einkehren. Am 30.9. droht ihm eine Anti-Bader-Mehrheit im Aufsichtsrat. Also wird er was unternehmen. Erstmal Prinzen und Wolf auf die Bank setzen. Die kosten wenigstens nichts extra. Und dann Mirko Slomka holen. Der hat mit dem HSV in der vergangenen Saison immerhin die Klasse gehalten 😉 Oder vielleicht doch den ebenfalls arbeitslosen Felix Magath. Der hat den Club 1997 in einer ähnlichen Situation noch auf einen Aufstiegsplatz befördert. Der könnte es beim Club ja mal mit Käse versuchen. Ansonsten versuchen es die Mitglieder am 30. mit Meerrettich.

Wenn die Schulmedizin versagt, dann müssen halt die Homöopathen ran.

Wir Clubfans trauern unseren Emotionen hinterher

1. FC Nürnberg - Fortuna DüsseldorfDie Länderspielpause hat nicht gut getan. Mit 0:2 (0:1) verlor der 1.FC Nürnberg am Montagabend sein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Die immerhin zwei Wochen währende Euphorie nach dem 4:0 beim 1.FC Union Berlin, Coach Ismael hatte da von der Geburt einer neuen Mannschaft geschwärmt, ist wieder einmal wie weggeblasen. Für die eher mittelmäßig in die Saison gestarteten Fortunen war der Club nichts weiter als ein angenehmer Aufbaugegner.

Dabei begann die Ismael-Truppe recht gefällig. Sylvestr tauchte bereits nach wenigen Minuten erstmals gefährlich im Düsseldorfer Sechzehner auf, konnte den Ball aber nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin verflachte die Partie etwas. Der FCN war zwar weiterhin optisch überlegen, agierte aber wie so oft in dieser Saison wenig zwingend und kreativ. Bis zur 20. Minute ging das so. Dann wurde es blutig. Düsseldorfs Benschop sprang Petrak in Kung-Fung-Manier mit den Stollen voran ins Gesicht, der Tscheche sackte zusammen und die Blutung am Kopf musste am Seitenrand gestoppt werden.

Es ist fraglich, ob dieses Foul den Club derart verunsicherte, dass er nur wenige Minuten später komplett aus dem Tritt geriet. Da sah Bulthuis auf der linken Abwehrseite nämlich ganz schlecht aus, ließ sich von Schauerte ohne Gegenwehr tunneln. Schauerte war durch, passte stramm nach innen, wo Erwin Hoffer lauerte und nur noch einschieben musste – 0:1 (23.). Wieder mal eine Minusleistung der Abwehr.

Zumindest kämpferisch steckten die Mannen von Trainer Ismael in der Folgezeit nicht auf. Doch spielerisch war irgendwie der Wurm drin. Wenig verwunderlich also, dass es bis zur Halbzeit bei einem knappen Rückstand blieb. Ein Ergebnis, das aus Düsseldorfer Sicht allerdings erstaunlich einfach zu halten war. Einzig Gebhart sorgte kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal für Alarm vor dem Düsseldorfer Kasten, doch Fortuna-Keeper Rensing brauchte nicht einmal einzugreifen, weil der Bad Boy die Kugel über den Querbalken drosch.

Für den 0:1-Mitverursacher Bulthuis brachte Ismael in der Halbzeit Ramirez. Das änderte jedoch nichts an den Kräfteverhältnissen auf dem Grün. Wie gehabt präsentierte sich der Club in wackeliger Verfassung. Viel zu wenig zielstrebig kombinierten sich die Jungs vom Valznerweiher nach vorne. In Minute 57 kam dann Mlapa für Sylvestr. Der vermeintliche Joker durfte aber nur wenig später dabei zusehen, wie Pinto unbedrängt zum 2:0 für die Fortunen einnetzte (62.).

Heiß wurde es in der Schlussphase vor Rensings Gehäuse nicht mehr, dafür aber umso mehr vor der Düsseldorfer Bank. Wieder im Mittelpunkt des Geschehens: der nicht gerade als zimperlich verschriene Pinto. Der senste mit purer Absicht Ramirez von hinten um – eigentlich hätte es hierfür Rot geben müssen. Natürlich hatte Ramirez zuvor mit der Hand Pintos Gesicht getroffen. Das rechtfertig aber nicht eine derartige Form der Selbstjustiz. Letztendlich hätte der rote Karton dem FCN auch nichts mehr gebracht, ebensowenig wie es Füllkrug tat, der in der 83. Minute für Candeias kam.

Am Ende herrschte große Unruhe unter den 26.588 Zuschauern im Grundig-Stadion. Viele pfiffen. Manche starrten ins Leere. Kaum einer regte sich auf. Selbst die Mannschaft schlich einfach nur bedröppelt mit versteinerten Mienen von dannen. Irgendwie ein gewohntes Bild, das man nunmehr selbst als hartgesottener Clubfan fast emotionslos zur Kenntniss nimmt. Das ist das eigentlich Traurige an der momentanen Situation.

Hölderlin kam nicht bis zum Valznerweiher

Wie man es macht, ist es verkehrt. Eigentlich dachte ich: der Worte sind genug gewechselt. Deswegen hielt ich mich zurück, und vertraute darauf, beim Patienten mögen vielleicht die Selbstheilungskräfte einsetzen und eine Wende herbeiführen. Wenn jemand unter schweren psychischen Belastungen leidet, ist es manchmal gut, das Thema zu wechseln und so diesen Belastungen die Bedeutung zu nehmen.

Nun kommen aber Kommentatoren hier im Blog (Wolferl!) und in den Netzwerken daher und werfen uns Sprachlosigkeit vor. Uns! Also ob wir nicht wüssten, was wir tun. Also ob wir nicht alles schon gesagt hätten. Nur vielleicht nicht zu jedem. Verwiesen sei nur auf das reichhaltige Oeuvre zu den Bereichen Angst und Mentalcoach.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, jetzt doch die Stimme zu erheben: Eventuell dürfte dieser Tage ein gewisser Dave bei der Geschäftsstelle vorsprechen, für dessen Verpflichtung wir uns hier schon einmal vehement ins Zeug legen wollen. Der Mann weiß, wo der Hebel angesetzt werden muss. Also, Club, stell ihn ein!

Hier unsere Twitter-Konversation während des Frankfurt-Debakels. Auch als Beweis dafür, dass Hölderlin Recht hat mit seinem Satz: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Nur vielleicht nicht am Valznerweiher.

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Am Valznerweiher grassiert nämlich Morbus glubb. Eigentlich eine Banalangst, die Ähnlichkeiten mit Morbus brasil aufweist und die wir einmal populärwissenschaftlich als „Angst in das Loch zu fallen, in dem man schon steckt“ beschreiben wollen oder auch als Self-fullfilling Prophecy für das Worst-Case Scenario. Banalangst heißt allerdings nicht, dass die Folgen banal wären, das haben wir schließlich in der vergangenen Saison schon gemerkt. Wir beziehen uns dabei auf den oben erwähnten, deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann, der von vier Grundformen der Angst spricht, auf die sich die Banalängste beziehen. weiter lesen