Wohlwollensvorschuss

Manchmal ist es nicht verkehrt, erst mal einen Tag vergehen zu lassen, ehe man sich was von der Seele schreibt. Da kann man sich weitere Abgesänge und Schmähtiraden sparen, hat sich schon wieder so weit gesammelt, dass der Frust nicht mehr so übermächtig ist. Außerdem klingen einem auch noch die Worte das neuen Chefcoachs im Ohr, alle, die es mit dem Club gut meinen, müssten jetzt zusammenhelfen. Auch die Journalisten.

Also: Blicken wir nicht zurück, sondern nach vorne auf die beiden Relegationsspiele am 7. und 11. Juli. Gehen wir mal davon aus, dass die beiden „Notnägel“ Michael Wiesinger und Marek Mintal wissen, wo es hängt, schließlich war das ja kein neuer Stiefel, den die Mannschaft in Kiel zusammengespielt hat.

Dass die beiden bei ihrem früheren Wirken auf der FCN-Trainerbank eher semierfolgreich waren, geschenkt! Jens Keller, der viel zu lange das Vertrauen der Clubverantwortlichen genossen hat, hatte auch keine viel bessere Visitenkarte und schon mit dem FC Ingolstadt bewiesen, dass er eine von Namen und Kosten her zu ganz anderem prädestinierte Mannschaft locker in die dritte Liga führen kann. Anders als Keller und sein Co-Trainer Stickroth gehören Wiesinger und Mintal zu jenen, die beim Club nicht nur einen Job machen, sondern mit Herzblut beim Verein sind. Insofern besteht zumindest die Chance, dass da ein bisschen was auf die davon bislang eher unbeleckte Mannschaft abfärbt. Andererseits dürften es ihnen die Fans aber auch nicht allzu übel nehmen, wenn es dann in der Relegation doch nicht klappen sollte und der FCN in die dritte Liga muss. Was immer die beiden zusammencoachen, die entscheidenden Fehler wurden von anderen schon viel früher gemacht und diese Fehler dürften sich auch nicht abstellen lassen, indem man nur wieder mal „neue Impulse“ auf die Trainerbank setzt, ansonsten aber alles beim Alten belässt.

Trotzdem: Gestern noch war ich drauf und dran, diese Liebe dann endlich doch zu bereuen und die schriftliche Begleitung des „Ruhmreichen“ einzustellen. Am deutschen Fußball hält mich mittlerweile ohnehin kaum noch etwas, am Club waren es immerhin noch die Tradition und die anderen Fans. Verein und Mannschaft haben allerdings viel dazu beigetragen, unsereinem das Gefühl zu geben, dass ihnen Tradition und Fans ziemlich egal sind. Die Lösumg mit Wiesinger und Mintal ist somit immerhin ein Schritt in eine andere, richtige Richtung. Aber halt nur einer. Da müssen weitere folgen. Egal in welcher Liga.

Hurra, der Depp ist zurück

  • Die Süddeutsche hatte nach der Niederlage in Hannover den „Deppen“ -Begriff aus der Versenkung geholt. Da wollte halt wieder ein Wichtigtuer demonstrieren, wie sehr diese Zeitung Dinge gegen den Strich bürsten kann, dachten wir da noch. Denn trotz der sportlichen Misere hatten es Bornemann und Köllner immerhin geschafft, den Club aus der Deppenecke zu hieven. Das lag aber wohl auch daran, dass der Aufsichtsrat bis zum Wochenende den Mund hielt und die beiden machen ließ.
  • Jetzt wollte besagter Aufsichtsrat dann doch gerne seines Amtes walten und wieder mal einen Trainer feuern und das, obwohl AR-Vorsitzender Grethlein auf der Pressekonferenz zugab, von Trainern keine Ahnung zu haben und deswegen eine Neuverpflichtung lieber dem Sportvorstand zu überlassen.
  • Den Sportvorstand muss man sich jetzt allerdings ebenfalls erst suchen, denn Bornemann wurde mitentlassen, weil er an Köllner festhielt und nur der Sportvorstand eine Trainerentlassung vornehmen kann.
  • Hat der AR wenigstens die Kompetenz, einen geeigneten Sportvorstand zu finden? Zweifel sind erlaubt. Zunächst hat dieses Laiengremium jedenfalls keinen in der Hinterhand. Die Entlassung Bornemanns war nicht geplant. Man werde sich Zeit lassen, versuchte Grethlein wenigstens etwas Vertrauen aufzubauen, und man werde auf eine einschlägige Ausbildung achten.
  • Angesichts der Freiheit und Machtfülle, die ein Sportvorstand beim Club genießt, müsste da aber schon ein Tausendsassa gefunden werden. Und solche gibt es selten. Und wenn, dann gehen sie nicht zum Club.
  • Wahrscheinlicher ist also, dass der Club sowohl auf dieser Position als auch beim Traineramt weiter mit Defiziten zurecht kommen muss. Bei Michael Köllner war das die fehlende Bundesligaerfahrung. Das hat er in einem lichten Moment sogar selber angesprochen. In der allgemeinen Aufstiegseuphorie wurde das jedoch niedergebügelt. Auch seitens des Aufsichtsrats wurde nichts unternommen, da irgendwo ein Korrektiv zu installieren. Beim FCN scheint der AR aber halt nur zu handeln, wenn es um das Auswechseln von Führungspersonal geht.
  • Michael Köllner kann andererseits nicht bloß den Aufstieg auf der Habenseite verbuchen. Aus dem Nachwuchs hat er etliche Talente zumindest auf Zweitliganiveau gehievt. Die werden ihm dankbar sein und langfristig verbunden bleiben. Sollte er also irgendwann bei Regensburg, Ingolstadt oder sonst einem Verein, bei dem er sich verständlich machen kann, anheuern, dann dürfte ihm vielleicht der eine oder andere folgen. Blöderweise sind es jedoch genau diese Spieler, die dem Club Hoffnung machen, wenigstens in der 2. Liga erfolgreich zu sein.
  • Wir wünschen Köllner und Bornemann trotzdem alls Gute. Natürlich auch Boris Schommers und Marek Mintal, die ja nichts dafür können, wenn dieser Aufsichtsrat Hoffnungen in sie setzt.

Ein Letztes:

Kann ich den bringen: Treffen sich ein Philosoph, ein Bürgermeister, ein Radioreporter, ein Hockeyspieler und paar Marketingmenschen und spielen Bundesligamanager. #fcn ?— Commander Francesco Padrone 😡 (@thelastsifflord) 12. Februar 2019