Der Block 8 und die Wahrheit

Auf uns Journalisten versuchen bekanntlich unterschiedlichste Interessensgruppen einzuwirken. Und weil uns häufig die zeitlichen und personellen Kapazitäten fehlen, fallen wir auch hin und wieder auf manches rein, was uns aus wesentlich besser besetzten Pressestellen zugesteckt wird.

Nun gut, „besser besetzt“ kann man beim Club nicht sagen. Dennoch ist man auch hier nicht unbegabt darin, einen heißen Brei im kaltzuschwafeln.

Wir präsentieren Euch hier gerne noch einmal die Presseerklärung zum geplanten Stadionausbau im Wortlaut:

Club bald vor 48.500 Fans: Umbau im easyCredit-Stadion bringt 2.800 neue Stehplätze

Das easyCredit-Stadion in Nürnberg wird zur Rückrunde der Saison 2009/10 auf eine Kapazität von rund 48.500 Plätze erweitert. Bislang können noch 46.780 Zuschauer die Heimspiele des 1. FC Nürnberg sehen. Mit dem Umbau bieten der Club und die Betreibergesellschaft zudem ab dem ersten Rückrundenheimspiel gegen Eintracht Frankfurt (Januar 2010) 2.800 Tickets mehr im beliebten und günstigen Stehplatzbereich in der Nordkurve an.

Hintergrund des geplanten Umbaus ist die bisherige Nutzung eines Teils der Sitzplätze im Oberrang als Stehplätze. Spätestens zum Jahreswechsel müsse die vorgesehene Nutzungsweise des Oberrangs als Sitzplatzbereich wieder sichergestellt sein, teilte die Bauordnungsbehörde der Stadt Nürnberg der Stadion Nürnberg Betriebs-GmbH mit.

„Um das zu gewährleisten, aber auch nicht auf die sensationelle Atmosphäre verzichten zu müssen, haben wir uns entschieden, den Fans aus dem ‚Stimmungsblock‘ 8 im Oberrang, die eben unser Team im Stehen unterstützen, alternativ Stehplätze im Unterrang anzubieten“, erklärte 1. FCN-Vizepräsident und Geschäftsführer Ralf Woy.

Dazu hat die Stadion-Nürnberg Betriebs GmbH für den 1. FC Nürnberg ein Konzept entwickelt, das gleichzeitig mehr Plätze im easyCredit-Stadion schafft und somit auch der erhöhten Nachfrage für die Liga-Spiele Rechnung trägt. „Wir ziehen bei diesem Umbau-Projekt mit unserem Partner 1. FCN gemeinsam an einem Strang und haben hierzu mit den Vorplanungen bereits begonnen“, verdeutlicht Klaus Daedelow, Geschäftsführer der Stadion Nürnberg Betriebs-GmbH.

Die geplante Kapazitätserweiterung im Stehplatzbereich wird nach Genehmigung durch die Stadt Nürnberg durch den Umbau der Blöcke 1 und 3 aus Sitz- in Stehplätze erreicht; die Kosten für den Umbau trägt der 1. FC Nürnberg. Für internationale Spiele, werden wie in der Vergangenheit auch künftig alle Stehplatzbereiche zu Sitzplätzen umgerüstet. Dauerkartenbesitzer in den umzubauenden Sitzplatzblöcken sind vom 1. FCN informiert worden; ihnen werden zur Rückrunde ohne Aufpreis neue Sitzplätze im easyCredit-Stadion angeboten.

Alles toll, möchte man meinen. Jeder dürfte zufrieden sein. Dass der Block 8, „der Stimmungsblock“ (Woy), wegfällt bzw. durch Sitzplätze deeskaliert wird, das wird geschickt umgangen. Das wissen allenfalls Insider. Und selbst wenn einen als Journalist das ungute Gefühl beschleicht, dass da einiges ein bisschen zu toll klingt um ganz sauber zu sein, tut man sich hart, mögliche Gegenpositionen einzuholen. Beim Nordkurve-Forum kommt man z.B. mittlerweile ohne Anmeldung nicht mehr rein. Immerhin wurden wir wenigstens hier fündig. Mit der Anmerkung, dass manche „Wahrheiten“ lauter anklopfen als andere, wollen wir Euch die Erklärung der Ultras zu dem Thema natürlich ebenfalls nicht vorenthalten:

Die fünfte Saison auf Block 8 wird für ULTRAS NÜRNBERG die letzte Spielzeit mit Standort im Oberrang sein.

Die Vielzahl von Spekulationen und Gerüchte zur Zukunft der NORDKURVE NÜRNBERG, die die Nürnberger Fanszene umtrieben, wurden mit der durch den 1. FC Nürnberg getätigten, offiziellen Bekanntgabe des definitiven Endes des Block 8 als Stimmungsblock auf traurige Weise bestätigt. Ab der Rückrunde dieser Saison wird gemeinschaftliches Stehen im Sitzplatzbereich im Oberrang nicht mehr geduldet, wodurch uns die Grundlage für unser Handeln in diesem Bereich der Nordkurve entzogen wird. Unsere Anstrengungen, den Block 8 auch weiterhin als Motor innerhalb der gewachsenen Nordkurve nutzen zu können, wurden nicht belohnt. Das Aus für den Oberrang ist nicht nur eine herbe persönliche Enttäuschung für jeden Einzelnen in unserer Gruppe, sondern auch ein großer Rückschritt für die Stimmung in der Nordkurve und somit auch für die organisierte Unterstützung der Mannschaft des 1. FC Nürnberg. weiter lesen

War ich im falschen Stadion?

2__Fubal.JPG„Und wir ziehen wieder in die Bundesliga ein und wir werden wieder“, naja ganz so weit ist es ja noch nicht. Doch ob des souveränen Sieges gegen Hansa Rostock wurden einige Club-Fans gestern Abend etwas übermütig. Doch die Freude ist berechtigt. Der zweikampfstarke Maroh, der ballsichere Mnari, der wuselige Frantz, der laufstarke Eigler und natürlich der stets brandgefährliche Mintal: So überzeugend hat man die Mannschaft lange nicht mehr gesehen.

Befand ich mich überhaupt im richtigen Stadion? Erst als ich im Pressebreich mit der lakonischen Frankenart konfrontiert wurde, war ich mir sicher. Ein Rostocker Journalist im feinen Zwirn wollte eine der „berühmten“ Brezen probieren und bekam die knappe Antwort „homma heut net“. Ein Zweiter wollte Senf, doch Senf „homma a net“. Und selbst die Technik war an diesem Tag nicht auf der Höhe. Nach Spielende versammelten sich wie immer Pressevertreter an den Fernsehern um der Analyse der Trainer zu lauschen. Nur leider war dies nur dem möglich, der etwas vom Lippenlesen verstand: denn Bild war da, Ton nicht.

Der für die Technik verantwortliche Mann zuckte wegen des Fauxpas nur mit der Schulter und kommentierte die Situation mit „und scheinbahr homma a kann Ton“.

Kommt jetzt Neururer?

Hypothese: Ein Fan von Real Madrid verirrt sich ins eacycredit Stadion und wird Zeuge der Paarung Club gegen FSV Frankfurt. Was geht in dessem Kopf vor, wenn er einen Spieler wie Ioannis Masmanidis beobachtet? 9 von 10 Pässen des „Mittelfeldmotors“ erreichen nicht mal einen Gegenspieler. Oder wenn er den Stürmern Charisteas und Eigler zusieht. Das Sturmduo rennt wild durcheinander, eine Absprache der Laufwege scheint nie stattgefunden zu haben. Ob der Real Anhänger erkennt, dass er hier einem Fußballspiel beiwohnt? Sogar einem, an dem 22 Profis mitwirken? Ähnlich schwach wie seine Kicker zeigte sich leider auch Trainer Oenning. Als in der 52 Minute Goncalves wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt wird, würdigt er den Portugiesen keines Blickes. Beleidigung bedeutet hier das Berühren der Stirn. Goncalves ist einer der wenigen Clubberer ist, der mit Herzblut zur Sache geht. Dann wechselt Oenning Boakye aus, den einzigen Stürmer der bisher in Hälfte 2 eine gute Szene hatte. Masmanidis darf jedoch noch weiter herumstümpern, Eigler ebenso. Noch kurz zum Konzept: es gibt keines. Vor allem das Mittelfeld ist nicht als solches zu erkennen. Und das bei diesem Gegner. Klandt, Hickl, Mehic, Cenci: Kicker, die selbst der Experte kaum kennt. Unbekannt ist natürlich nicht gleich schlecht, doch FSV Frankfurt war wirklich miserabel. Trotzdem kamen fast 38.000 Zuschauer. Doch ich traue mich zu wetten, außer gegen Fürth wird der Club demnachst vor nicht einmal 20.000 Leuten antreten müssen. Ob sich die Fans solche Leistungen noch lange gefallen lassen, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht hilft doch nur noch Peter Neururer.

Der FCN und die Finanzkrise

Nach allem, was unsereins mit dem Club erlebt hat, würde es verwundern, wenn dieser nicht auch von der Finanzkrise betroffen wäre. Reden tut derzeit (außer uns) aber kaum einer drüber. Schließlich hat die Fußballwelt auch was mit Eskapismus zu tun und außerdem haben Sportler noch weniger Ahnung von der aktuellen Krise als die meisten Wirtschaftsjournalisten.

Dass der Club da unbeschadet davon kommt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Da ist einmal die Stadion-Betreibergesellschaft, hinter der die Firma Hochtief steckt.  An der wiederum ist die Commerzbank beteiligt und ein in Schieflage geratener russischer Investor. Und dann brauchen wir uns ja nur unseren ungeliebten Stadionnamen auf der Zunge zergehen lassen. „Iehsiee Gredid!“ Haben die nicht auch mit Geld zu tun? Gibt es da Gegenwerte für die Kredite? Wobei, ein anderer Stadionname wäre sicher einer der wenigen positiven Nebeneffekte der Bankenkrise.