Zurück in die Zukunft

Dass man beim Club in diesen Zeiten auf einen Billigflieger als Symbol setzt, begeistert höchstens die Jubelperser-Fraktion unter den Fans und den Nürnberger Bürgermeister, der sich um die Stadioneinnahmen sorgt. Das beste an der Vorstellung des Corendonfliegers war noch, dass Aufsichtsratschef Grethlein dann doch nicht anwesend war. Wäre auch ein bisschen peinlich gewesen, wenn der auf dem Rollfeld den Grüßaugust gegeben hätte, während der FCN weiter ohne sportliche Führung dasteht.

Das ist nun vorbei. Nachdem das mit Michael Wiesinger einigermaßen geklappt hat, soll nun erneut jemand, unter dem der Club bessere Zeiten gesehen hat, das Ruder herumreißen. Diesmal fungiert Dieter Hecking allerdings als Sportvorstand, der jetzt nicht bloß einen Trainer, sondern auch einen Sportdirektor installieren darf (wobei – passend zu diesem Aufsichtsrat – das auch noch nicht fix ist). Kurz zuvor hatte der ebenfalls als Palikuca-Nachfolger gehandelte Benjamin Schmedes mit der bezeichnenden Begründung, er sei mit der Ausrichtung des FCN nicht zufrieden, abgesagt. Im Gegensatz zu Hecking wäre Schmedes für Innovation und Aufbruch in die Zukunft gestanden, aber das sagte man letztes Jahr von Palikuca auch. Beim Club macht man die gleichen Fehler eben immer erst beim übernächsten Mal. Diesmal also der Griff in die Vergangenheit mit Hecking, der den Club 2012 kurz vor Weihnachten plötzlich verließ, um beim VfL Wolfsburg anzuheuern. Der Club stand damals doppelt blöd da, denn er hatte Hecking mit einer Ausstiegsklausel den Karrieresprung zum reichen VW-Club erst ermöglicht. Ein bisschen erinnert das an den Spruch, man sehe sich im Leben immer zwei Mal, einmal auf dem Weg nach oben und dann auf dem Weg nach unten.

Viel Zeit hat Hecking nicht, den Club personell neu aufzustellen. So könnte sich das Gerücht bestätigen, dass Markus Weinzierl neuer Clubtrainer wird. Das ist einer, der bei offenem Fenster schläft, damit er auch den leisesten Ruf noch mitbekommt. Beim VfB Stuttgart hatte er zuletzt allerdings nur deshalb ein halbes Jahr amtieren dürfen, weil wenigstens der Club ein Einsehen hatte und ihn gewinnen ließ.

Nach Aufbruch und mutigen Konzepten sieht das jedenfalls nicht aus. Statt einer Neupositionierung in einem, sich leider nicht zum Positiven entwickelndem Fußballgeschäft, setzt man Seriosität von vorgestern. Immerhin verfügt Hecking wenigstens über jenen zuletzt schmerzlich vermissten sportlichen Sachverstand. Insofern hat der Aufsichtsrat erst mal für Ruhe gesorgt und sich aus der Schusslinie genommen. Trotzdem ist dieser Sachverstand wieder nur ein eingekaufter. Im Aufsichtsrat, der in den letzten Tagen bewiesen hat, dass er zumindest gegenüber der Bildzeitung den Mund aufmachen kann, fehlt er nach wie vor. Hoffen wir mal, dass das bis zur Jahreshauptversammlung nicht in Vergessenheit gerät, damit da nicht wieder die Fünf-Minuten-Dampfplauderer ins Amt gewählt werden.

Mit Glück und Grethlein

Inzwischen habe ich mir wieder ein paar Spiele angetan. Auch die vom Club. So ganz kann man es dann doch nicht lassen.

Wenn man ohne Vertrag woanders mitgucken kann und daher nichts zahlen muss, fällt einem aber leider auch auf, dass man immer noch Zeit investiert. Zeit, die man eigentlich für vieles sinnvoller nutzen und unterhaltsamer verbringen könnte. Oben steuern die Bayern ihren drölfzigsten Titel an. Unten wird der Club nur durch die Hilfe der Gegner noch einigermaßen am Leben gehalten. In der ersten Hälfte des Heimspiels gegen Aue wäre ich beinahe weggenickt. Spielerisch und kämpferisch kommt da gar nichts. Nicht einmal akustisch. Die Clubspieler haben offenbar besonders große Angst vor Tröpfcheninfektion und taumeln deshalb stumm in Richtung 3. Liga. Der ebenfalls ziemlich ruhige Trainer Jens Keller scheint mit seinem Latein ohnehin am Ende (dürfte sich eher um das kleine Latinum handeln), was sich auch in dem hilflosen Wortgeschwurbel widerspiegelt, mit dem er die Lokalpresse abspeist.

Einzig Aufsichtsratschef Thomas Grethlein ist mit verbalen Supportversuchen im fanentleerten Stadion zu hören. Außer „FCN“ und „Weiter“ hatte er aber nichts auf der Platte. Da erkennt man erst, wie originell doch die Fans sind. Wobei es auch da Ausnahmen gibt, zum Beispiel wenn fast eine Halbzeit lang bloß das hier gebrüllt wird. Die Leistungen der Fans verhalten sich da anscheinend umgekehrt proportional zu denen auf dem Platz.

Im Heimspiel gegen Aue schien zumindest Kapitän Hanno Behrens dem „Weiter“ seines AR-Vorsitzenden Gehör zu schenken. Sein energischer Vorstoß führte dann wenigstens zum Ausgleich.

In Regensburg war es mit dem von Keller geschmähten Ishak ebenfalls einer der „Alten“, der uns endlich mal ein Feldtor bescherte. Aber egal, auf welcher Seite das Tor fällt, beim FCN scheint das immer Lähmung und Zurückschalten in den Verwaltungsmodus zu bedeuten. Gegen den Jahn ging das sogar eine Zeit lang gut. Statt jedoch nach den beiden Aluminiumtreffern aufzuwachen und das eigene Glück nicht weiter zu strapazieren, bettelte der Club so lange bis er 1:2 in Rückstand lag. Dass dann in der Nachspielzeit noch der kaum erwartbare Ausgleich durch den derzeit besten Clubstürmer (Eigentor) fiel, dürfte höchstens dazu dienen, den trostlosen Auftritt wieder irgendwie schönzureden. In der Tabelle hat sich der Abstand zum Mittelfeld für den Club weiter vergrößert. Möglicherweise muss so lange gezittert werden, bis Dresden seine beiden Nachholspiele absolviert hat.

Andererseits ertappe ich mich mittlerweile bei dem Gedanken, ob nicht ein Abstieg und eine völlige Neuorientierung für den FCN besser wäre als eine irgendwie glücklich zustande gekommene Verlängerung des jetzt noch deutlicher zu Tage tretenden Trauerspiels. Ohne Fans ist der Club, noch mehr als andere Vereine, ein Nichts.

Doch wie soll eine solche Neuorientierung stattfinden? Bekanntlich gibt es nichts Richtiges im Falschen. Einige Fankommentatoren schlagen da vor, das Rad der Zeit um etwa 15 Monate zurück zu drehen, Köllner und Bornemann wieder zu holen und stattdessen die, für deren Entlassung verantwortlichen „Amateure“ in die Wüste zu schicken. Die Beiträge unserer Scoutingabteilung machen Bornemanns reservierte Haltung, was Neuverpflichtungen anging, nachträglich verständlich. Aktuelles Beispiel ist der, lediglich durch seinen Fehlschuss im Derby aufgefallene, Iuri Medeiros, der jetzt an Braga abgegeben werden soll.

Kosten minimieren dürfte beim Club wieder oberstes Gebot werden. Guter Fußball für die Fans interessiert da eher weniger. Ohnehin weiß keiner genau, wie es nach der Saison weiter geht. Im August dürfte es bestimmt noch keinen Impfstoff geben. Ob wir gegen Fürth oder gegen Würzburg nicht hin dürfen, ist dann auch egal.

Immerhin scheint Grethlein – trotz stark limitierter Mittel – erkannt zu haben, dass es beim Produkt Fußball auch um Unterhaltungswerte geht. Das ist schon mal ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht finden sich ja in der Möchtegern-Kulturhauptstadt noch ein paar – derzeit ohnehin beschäftigungslose – Künstler, die wenigstens das mit der akustischen Unterstützung ein bisschen besser hinbekommen.

Ein Letztes: