Wer keine Chancen hat, kann auch nichts vergeigen

Auf dem Transfermarkt wird gegenwärtig noch einiges nachgebessert. Der HSV schießt dabei mit Ruud van Nistelrooy wohl den Vogel ab. Nürnberg hätte mit Roy Makaay zwar einigermaßen mithalten können, aber den wollte man ja beim FCN nicht. Stattdessen leiht man jetzt noch Mickael Tavares vom HSV aus. Nach dem Motto: Die werden schon sehen, wo sie mit ihren Stürmern bleiben, wenn sie die Sechser nicht ehren.

Ich wage allerdings, nachdem ich das Frankfurtspiel gesehen habe, die Behauptung: Weder Makaay noch Ruud van Nistelrooy (mal abgesehen davon, dass wir den eh nicht bezahlen könnten) würden dem Club in der jetzigen Situation helfen. Gegen die Eintracht gab es bestenfalls zwei Situationen, wo man gedacht hat, da hätte ein Goalgetter, der etwas abgeklärter ist und mehr Selbstbewusstsein besitzt als unsere „Stürmer“, den Ball vielleicht reingemacht. Letztlich hapert es hinten (was ist eigentlich mit Andi Wolf los?) und im Mittelfeld genauso. Da stimmen wir durchaus überein mit dem „Veteran“, der inzwischen bei den Clubexperten eine neue Kolumne begonnen hat.

Im Prinzip müsste jemand die Zügel im Mittelfeld in die Hand nehmen, überraschende Pässe spielen, das Spieltempo bestimmen und den „Stürmern“ mehr Chancen erarbeiten. Wie das aber Leute, die genau wissen, dass sie im Juni wieder weg sind, leisten sollen, das bleibt das Geheimnis von Martin Bader. Insofern sehen wir das Leihgeschäft mit Mickael Tavares genauso skeptisch, wie das mit Andreas Ottl und Breno.

Umfrage: Wie soll es beim Club weitergehen?

Drei Niederlagen in Folge, eine peinlicher als die andere. Kein Tor geschossen, eine verunsicherte Mannschaft, ein angezählter Trainer, ein Manager, der sich in Durchhalterparolen ergeht… Beim Club ist endgültig die Krise ausgebrochen. Im Spiel gegen den HSV forderten Fans „Oenning raus!“, andere bedrohten Manager Martin Bader. Wobei hier Sachen ablaufen, die mit Fußballbegeisterung nichts mehr zu tun haben.
Nichtsdestotrotz sollte man sich jetzt am Valznerweiher langsam Gedanken machen. Einfach nur darauf zu warten, dass Torhüter Raphael Schäfer wieder kommt und vielleicht auch mal wieder (wie in Wolfsburg) das Glück, dürfte zum Klassenerhalt nicht ausreichen, zumal sich auch das Glück hart tut, einer Mannschaft Gutes zu tun, die zwar vorne keine Tore schießt, aber regelmäßig einbricht, wenn sie in Rückstand gerät.
Doch, wo sollen die Clubverantwortlichen den Hebel ansetzen? Um ihnen eine Hilfestellung anzubieten, starten wir hier eine Umfrage. Weil es aber an mehreren Stellen Defizite gibt, ist Multiple-Choice mit bis zu drei Antworten möglich.

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Raus aus dem Schaumbad!

16639179Zur Halbzeit hieß es gegen den HSV noch 0:0. Da konnte man über das Fantransparent „Schluss mit der Schönrednerei“ noch lächeln. Doch dann kam die Pause. Und was machen die Clubspieler da in der Kabine? Warmduschen? Feiern? Vorglühen? Weihnachtslieder singen? Mit der Wettmafia verhandeln? Jedenfalls nichts Leistungsförderndes.

Dabei sollte da doch der Trainer eine Ansprache halten, die Richtung vorgeben, vielleicht taktische Anweisungen geben, Mut machen. Nix! Das hat der Michael Oenning wohl dem Bruno Labaddia überlassen. Dessen Mannschaft, die übrigens auch junge Spieler und keine ausgemachten Stürmer drin hat, macht dann auswärts vier Dinger. Dabei ist der HSV zur Zeit beileibe keine Übermannschaft, genau wie der BVB, der dem Club am letzten Wochenende auch vier einschenkte.

Dass die Fans am Schluss „Oenning raus!“ rufen, ist dann bloß folgerichtig. Mit Pubertät hat das jedenfalls nichts zu tun. Eher mit Klarblick und berechtigtem Ärger. Weil: Inzwischen kann man nicht einmal mehr sagen, das liegt nur am Sturm (obwohl: Eigler war wieder mal höchstens in der Rückwärtsbewegung gut, trotzdem ließ ihn der Trainer auf dem Platz), da will man schon gar nicht mehr differenzieren. Letztlich hat es überall gehapert.

Wir können da nur unseren Twitterbeitrag wiederholen: Die Zeit des Schaumbadens ist vorbei, Herr Bader! Gegen Köln geht es im letzten Spiel des Jahres jedenfalls schon um Wurst.

So, Thomas Susemihl ist jetzt auch zurück aus dem Stadion und postet Folgendes:

In der 66. Minute kann der Sturmlauf beginnen. Charisteas und Choupo-Moting kommen aufs Feld. Zusammen mit Bunjaku und Eigler spielen jetzt vier Angreifer. Okay, sagen wir drei Stürmer und ein Stürmer-Darsteller. Doch dann im Gegenzug das 0:3. Da war jetzt auch Coach Michael Oenning ratlos. Ich hab doch alles versucht, scheint sein Blick auszudrücken. Die 1. Halbzeit war durchaus nicht übel. Vier Chancen wurden erarbeitet. Außer dem diesmal in der Defensive überforderten Diekmeier und dem wie stets überforderten Eigler, hielt der Club auch kämpferisch dagegen.

Doch die 2. Hälfte geriet zur kompletten Katastrophe. Die Viererkette wurde ständig durch, zugegebenermaßen, intelligente Pässe ausgehebelt. Nordtveit war als defensiver Mittelfeldmann ein Totalausfall (Mnari!) und die achtbeinige Offensivmaschine sorgte nur durch abstruse Laufwege für Aufregung. Konzept und Feuer gleich null, dazu zuletzt 0:9 Punkte und 0:9 Tore. Aber Herr Oenning hat ja Vertrauen in den Kader.

Langsam wird´s peinlich

Langsam wird´s peinlich, ja blamabel. Das 0:4 in Leverkusen zeigt nämlich nicht bloß vom Ergebnis her: Der Club hat mit dieser Mannschaft in der ersten Liga nichts verloren. Die Bayer-Fans skandierten. „So spielt ein Absteiger.“ Viel Fußballverstand gehört zu einer solchen Erkenntnis nicht.

Doch, was tun? Die jungen Spieler, auf die der Club setzt, sind mit der Situation überfordert. Ihnen jetzt einfach weiter Zeit geben, dazu braucht es viel Geduld, die wohl weder beim Umfald noch bei den Fans vorhanden ist. Für erfahrene Profis, die das Spiel lenken und den Ball auch mal aus weniger aussichtsreichen Situationen im Tor versenken können, ist weder der Markt noch das Geld da.

Bleibt nur: Trainer Michael Oenning und Manager Martin Bader auszuwechseln. Die schauen zwar immer so, als hätten sie einen Plan. Das, man erinnert sich, hatte aber auch ein Thomas von Heesen mimisch drauf. Gegen Oenning, für den es uns schon leid tun würde, spricht, dass er genausowenig Bundesligaerfahrung hat wie seine jungen Spieler. An Schalke sieht man, dass ein erfahrener Trainer auch mit jungen Spielern und ohne Finanzmittel was reißen kann. Eigentlich wäre Oenning also fällig. Aber einerseits sind auch nicht unbedingt die Brüller unterwegs, um beim Club anzuheuern, andererseits fragt sich, ob Interimspräsident Schäfer, ein ebenfalls angeschlagener Bader und ein nicht gerade Selbständigkeit gewohntes Präsidium überhaupt zu einem wie auch immer gearteten Schritt in der Lage sind. Möglicherweise kulminiert alles in der Mitgliederversammlung am 13. Oktober.

Ich will satte Altstars!

Wenn ein Verein im Tabellenkeller dahindümpelt, kommt oft der Ruf der Fans nach jungen Talenten, die doch die satten Altstars ersetzen sollen. Der Club steht derzeit mal wieder mal ziemlich weit unten, doch man kann ihm kaum vorwerfen, zu wenig auf die Jugend zu setzen. Die Reporter von ARD und ZDF waren denn auch beim 0:0 in Stuttgart ganz enthusiasmiert über unsere Nachwuchsstars wie Diekmeier, Risse und Vidosic. Auch wenn sie das Tor nicht getroffen haben. Und es darauf ja nicht unwesentlich ankommt.

20090831_chupo_dpa_bigJedenfalls  kommt jetzt Maxim Choupo-Moting – ein weiterer 20-Jähriger, der  mit den vielen anderen gerade mal den A-Junioren entschlüpften Kickern gemein hat, dass er die Zukunft ebenso noch vor sich hat wie seinen ersten Bundesligatreffer.

Bisher ging Choupo-Moting in 13 Erstligaspielen nämlich leer aus. Deswegen erscheint es auch ein gewagter Schachzug des Clubs, ausgerechnet mit ihm das Problem der Abschlussschwäche lösen zu wollen. Aber immerhin, bei den Verfechtern einer simplen „Umso jünger, umso besser“-Strategie kommt eine solche Personalpolitik gut an.

Ich halte es da eher mit Otto Rehhagel, der immer meinte, es gebe „keine jungen und alten, sondern nur gute und schlechte Spieler“. Und so holte er mit Akteuren, die sich an ihren 30. Geburtstag nur noch schemenhaft erinnern konnten, regelmäßig Titel. Erinnert sei an Manfred Burgsmüller (Meister 1988), Klaus Allofs (Europapokal 1992, Meister 1993) oder die zum Teil schon in Ehren ergrauten Griechen bei der Europameisterschaft 2004.

Fazit: Ich will keine jungen Wilden, sondern satte Altstars! Bis 31. August, 0 Uhr, also noch ein paar Stunden,  hat der FCN ja noch Zeit, ein paar rüstige ältere Herren zu verpflichten, die den Grünschnäbeln mal von den fernen 80ern erzählen können. Tomas Galasek fällt ja leider weg, den hat der FSV Bruck uns weggeschnappt. Aber der eine oder andere wird sich doch auftreiben lassen. Und fehlende Perspektive ist kein Argument: Falls Choupo-Moting einschlagen sollte, ist er in einem Jahr nämlich auch wieder weg, dann holt ihn der HSV zurück. Stefan Reinartz lässt grüßen.

Ein bisschen Frieden

1__FC_Nr.JPGAngeblich haben sich alle wieder lieb. Schuld war –  wie so häufig – die Presse. In dem Fall die AZ. Die habe alles aufgebauscht und eigentlich habe Clubpräsident Michael A. Roth nie schlecht über seinen Vize Ralf Woy und Manager Martin Bader geredet. Selbst wenn wir das mal so stehen lassen, dann wäre aber alles wie gehabt. Verbessert hat sich dadurch an der Situation des FCN jedenfalls nichts.

Eines wundert mich allerdings ein bisschen: Früher hätte sich Roth solche Widerworte wie von Bader und Woy auf seine (gesagt oder nicht gesagten) Angriffe nicht gefalllen lassen. Wird er alt? Weise? Leitet er langsam seinen Rückzug ein?

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