Harm- und chancenlos

  • In der Kapitänsfrage ist inzwischen eine Entscheidung gefallen. Statt Hanno Behrens trägt jetzt Enrico Valentini die Binde. Bei ihm ist offenbar die Chance größer, dass er spielt.
  • Ein bisschen Bewegung kommt offenbar doch ins Trainerwechselabnich-Gremium. Reporterlegende Günther Koch tritt im Herbst nicht mehr an.

Das Spiel:

Heute dann das erste Pflichtspiel. Und glecih wieder die Ernüchterung. Wenn man – wie Christian Mathenia – bereits in der 3. Minute einen individuellen Fehler macht, der dann prompt bestraft wird, hat man halt gegen eine Mannschaft wie RB Leipzig keine Chance. Eigentlich hätten wir nach dem frühen Rückstand gleich heim gehen/ äh abschalten können. Dass dann im Verlauf des Spiels doch wieder Hoffnung aufkeimte, war nicht der Spielweise des FCN zu verdanken, sondern der mangelnden Chancenverwertung des Champions-League-Halbfinalisten. So lag der Club lediglich mit einem Tor zur Halbzeit zurück. Einer Halbzeit allerdings, in der praktisch nur der Gast spielte und auf der Gegenseite keinerlei Torchance zu verzeichnen war. Wie auch, wenn spätestens der zweite Pass beim Gegner landete.

Viel besser wurde es nach der Pause allerdings auch nicht. Jetzt spielte Geis für Neuzugang Pascal Köpke. Wenig später wurde auch noch Singh (für ihn kam Hack) ausgewechselt, so dass außer Krauß nur die bekannten Gesichter auf dem Platz standen. Die durften dann zuschauen, wie Leipzig in der 67. und der 90. Minute noch zwei Treffer nachlegte und damit auch vom Ergebnis her den Klassenunterschied untermauerte.

Der FCN kann sich jetzt wenigstens ganz auf den Nichtabstieg konzentrieren. Irgendwelche weiteren Ambitionen sollten wir uns schnell abschminken.

Da gehen sie hin, die Feindbilder

  • Im letzten Beitrag hatten wir noch Bedenken geäußert, der neue Sportvorstand Dieter Hecking könnte zu arg „old school“ sein und den Club nicht wirklich weiter bringen. Statt dem damals noch befürchteten Markus Weinzierl hat Hecking aber den Leipziger Co-Trainer Robert Klauß aus dem Hut gezaubert. Das könnte zusammen mit seiner Erfahrung durchaus passen.
  • Aus Leipzig bringt Klauß das hoch gehandelte Talent Tom Krauß mit. Der 19-Jährige soll als Leihspieler Spielpraxis sammeln.
  • Neben der Leipzig-Connection gibt es offenbar auch eine Bayern-Connection. Vom FCB will der Club das Torwarttalent Früchtl, den Offensivallrounder Sarpreet Singh und den Flügelspieler Oliver Batista-Meier (hat sich mittlerweile aber wohl zerschlagen) ausleihen. Mit den Bayern und Red Bull im Boot, das muss man auch erst mal sacken lassen.
  • Den ganz großen Umbruch wird es aber beim Club – schon coronabedingt – nicht geben. Platz im ziemlich breiten Kader machten lediglich Felix Dornebusch, Dinos Mavropanos, Philip Heise, Patrick Erras, Mikael Ishak, Michael Frey und Sebastian Kerk. Dabei schmerztt vor allem der Weggang von Patrick Erras (zu Werder Bremen), der nicht nur als Vorlagengeber zum immens wichtigen Schleusener-Tor in Ingolstadt einer der wenigen Lichtblicke der vergangenen Katastrophensaison war. Er wäre vielleicht sogar beim Club geblieben, wenn der zu Saisonende handlungsfähig gewesen wäre.
  • Ein paar gefühlte Neuzugänge gilt es ebenfalls zu vermelden. Virgil Misidjan steht offenbar nach langer Verletzung wieder zur Verfügung, außerdem kehren Simon Rhein (Würzburg), Törles Knöll (Wehen-Wiesbaden) und Kevin Goden (Braunschweig) von ihren Leihbereinen zurück.
  • Im Trainerstab tat sich einiges. So trennte sich der FCN unter anderem von Mentalcoach Mathias Berthold, von Torwarttrainer Martin Scharrer und Fitnesstrainer Florian Klausner. Was jetzt angesichts der vielen Gegentore, der Fitnessdefizite und der Schwächen im Mentalbereich durchaus nachvollziehbar ist. Als Neuzugänge vermeldet der FCN: Tobias Schweinsteiger (der Bruder des bekannten Bayernspielers Bastian Schweinsteiger wird Co-Trainer), Tobias Dippert (der Athletiktrainer kommt ebenfalls von den Bayern) sowie Dennis Neudahm (Torwarttrainer, kommt aus Hoffenheim).
Der erst vor wenigen Wochen engagierte Rehacoach Frank Steinmetz darf bleiben.
  • Der bisher als Doping-Experte gefragte Heroldsberger Professor Fritz Sörgel hat sich zu einer anderen FCN-Baustelle geäußert: dem Aufsichtsrat. Vergleichbar Kritisches war hier auch schon zu lesen. Ob es bei der nächsten JHV zum Umbruch kommt, da gibt es dennoch Zweifel. Zum einen steht nur ein Teil der Aufsichtsräte zur Wiederwahl an. Zum anderen müssten sich erst einmal kompetente Gegenknadidaten melden. Selbstkritik scheint diesem seltsamen Gremium ohnehin fremd. AR-Mitglied Ulrich Maly äußerte dieser Tage erst, dass er da gerne weiter machen wolle und Unkenntnis im sportlichen Bereich dabei kein Problem sei. Er sei dort schließlich „nie mit dem Ehrgeiz, sportliche Kompetenz zu haben, angetreten„.
  • Bleibt noch die Frage nach der Gefühlslage. Wirklich bereut haben wir diese Liebe zwar nicht, ein bisschen mehr Gegenleistung wäre aber schon nett. Im Augenblick sind es lediglich Namen, aus denen man Hoffnung schöpfen kann. Allerdings ist da auch die Botschaft herauszulesen, dass wir gefälligst unser alten Feindbilder (Bauern, Dosenplörre) begraben sollten. Uns wiederum an unserer eigener Begeisterung erfreuen, das dürfte noch eine Weile dauern. Statt einer Dauerkarte wird es dann erstmal wohl nur ein Sky-Ticket. Übersetzt heißt das: Kein Strauß Rosen, sondern nur ein Gänseblümchen für die – gerade nicht mehr ganz so – große Liebe.

Die Luft ist draußen

  • Der Club steht am Tabellenende. Die Punkteausbeute ist historisch schlecht. Dennoch behauptet der Aufsichtsratsvorsitzende, der Verein sei „attraktiver“ geworden. Woran er das festmacht? An der Zahl der Bewerbungen für die Nachfolge von Andreas Bornemann. Möglicherweise liegt das aber nicht an der Attraktivität des FCN, sondern daran, dass inzwischen die Zahl arbeitsloser Bewerber größer geworden ist.
  • Für Adam Zrelak ist die Saison gelaufen. Im Training zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Wir wünschen gute Besserung.
  • Punkte sind im Fußball nicht alles. Für Toleranz, Offenheit und Fairness im Sport hat der 1. FCN jetzt den „Makkabäer 2019“ erhalten.
  • Sie lernen es einfach nicht: Auch wenn sich kaum noch einer an den letzten Sieg erinnern kann, wird vor jedem Spiel auf Zuversicht gemacht. Irgendwo wird noch ein Aspekt herbeigezerrt, der einen möglichen Sieg begründen könnte. Nach dem Motto: Wenn der Samstag auf einen Montag fällt und alle 150 Prozent geben, dann holen wir die drei Punkte. Wie wäre es damit: Einfach den Mund halten und erstmal auf dem Platz dafür sorgen, dass man medial wieder glaubwürdig wird.
  • Der Club präsentiert sich mit einem eigenen Stand auf der Freizeitmesse. Unter anderem werden dort derzeit eher schlecht verkäufliche Trikots mit Rabatt verhökert. Es werden aber auch Gespräche mit Fans geführt. Mancher Zuspruch und manches Lob ist dabei eher zweischneidig. Zum Beispiel, wenn sich Bayern-Fans dafür bedanken, dass der FCN dem Meisterschaftskonkurrenten aus Dortmund zwei Punkte abgenommen hat.

Das Spiel:

Notgedrungen lief diesmal eine auf drei Positionen veränderte Clubmannschaft auf. Ishak ersetzte der verletzten Zrelak, Kerk lief für den gesperrten Pereira und Erras für Petrak auf. Der Club kam zunächst gut ins Spiel. Diesmal schien sich auch das nötige Glück einzustellen. In der 9. Minute ließ Konate am Strafraum das Bein stehen, Leibold fiel drüber, Schiedsrichter Schlager entschied zunächst auf Freistoß und Gelb, via VAR wurde jedoch auf Elfmeter nachgebessert. Behrens tritt an, verlädt Gästekeeper Gulacsi, doch der Ball knallt an die Latte.

Der Club spielt zwar weiter gut mit, aber mehr und mehr übernimmt Leipzig das Kommando. Anders als gegen Dortmund reichte es aber nicht, durch Hintenreistellen die Null zu sichern. Zunächst konnte sich Mathenia noch mehrfach auszeichnen. Nach einem Eckball kommt Klostermann aber in der 40. Minute völlig freistehend an den Ball und hämmert diesen durch die im Torraum versammelte Abwehr am diesmal machtlosen Mathenia in die Maschen. Der Club hätte eigentlich führen müssen. Jetzt liegt er wieder hinten.

In der zweiten Hälfte muss Leipzig nicht mehr mit vollem Einsatz agieren. Beim Club überwiegt allerdings die Angst, sich einen der gefürchteten schnellen Konter zu fangen. Deswegen geht nach vorne nicht viel. Für Aufregung muss da eben der Kölner Keller sorgen. In der 58. Minute bekommt Konate nach einem Foul an Ishak erneut die gelbe Karte vors Gesicht gehalten. Der muss runter, dachten alle. Aber nichts da. Wie sich – erst jetzt – herausstellte, hatten die Kölner die erste Gelbe wegen der Nachbesserung auf Elfmeter zurückgenommen. Kann man machen, allerdings versteht der Zuschauer, vor allem wenn er im Stadion sitzt, zunehmend weniger, was sich auf dem Rasen abspielt.

Ob der Club gegen zehn Leipziger ein Tor gemacht hätte, ist eh fraglich. Diesmal ging nach vorne nicht viel zusammen. Das lag auch daran, dass Kerk und Kubo blaß blieben und der Club inzwischen leider auch was den läuferischen und kämpferischen Einsatz angeht nicht den Eindruck erweckte, als würde er sich mit aller Kraft gegen den Abstieg aufbäumen.

Immerhin gab es diesmal keine Klatsche und das ist ja auch schon was.

Ein Letztes:

Matheus Pereira hat für seine Tätlichkeit im Düsseldorf-Spiel einiges einstecken müssen und sich jetzt entschuldigt. Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, dass beim Club schon mal ein Leihspieler aus Südamerika zunächst durch mangelnde Disziplin auf dem Platz aufgefallen ist, um sich dann zu einem Publikumsliebling zu entwickeln. Einem, für den sich jetzt, da Bornemann weg ist, vielleicht sogar wieder eine Tür öffnen könnte.

Wollte mich nur entschuldigen. In dieser schwierigen Moment ich sage
Entschuldigung liebe Fans und @1_fc_nuernberg ein sehr großer Fehler gemacht ,mehr niemals aufgeben pic.twitter.com/OmptpxFghM— Matheus Pereira (@MatheusPereira) 27. Februar 2019