Diskussionsabend mit dem „Helden von Rom“

„Nürnberg grüßt Europa“, jubilierte Star-Kommentator Günther Koch vor 21 Jahren, als sich der 1.FC Nürnberg endlich mal wieder für den Uefa-Pokal-Wettbewerb qualifiziert hatte. „Nürnberg grüßt Europa“ lautet auch der Titel eines Diskussionsabends, zu dem die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur einlädt, um die raren  internationalen Momente des Clubs wieder aufleben zu lassen.

In der Akademie-Gesprächsreihe „Weißt du noch damals…“, in der Legenden von einst und aktuelle Spieler über die Geschicke des FCN sinnieren, sind diesmal Tasso Wild, Dieter Eckstein und Peer Kluge zu Gast.

Der heute 69-jährige Wild spielte zwischen 1959 und 1967 für die erste Mannschaft des FCN und wurde mit ihr 1961 Meister sowie 1962 Pokalsieger. Wild spielte daher auch in den Spielzeiten 1961/62 sowie 1962/63 international für den Club, als dieser im Europapokal der Landesmeister bzw. der Pokalsieger jeweils die dritte Runde erreichte.

saneWesentlich kürzer war das internationale Gastspiel 1988/89, das sich der FCN dank eines fünften Platzes in der Saison 1987/88 verdient hatte. Allerdings gelang beim haushohen Favoriten AS Rom ein 2:1-Sieg – der inzwischen  45-jährige Eckstein erzielte einen Treffer und avancierte in den Herzen der Fans für immer zum „Helden von Rom“, auch wenn durch ein 1:3 nach Verlängerung  im Rückspiel das schnelle Aus kam. Das andere Tor für den FCN beim AS Rom, der immerhin Rudi Völler in seinen Reihen hatte, erzielte übrigens Souleyman „Sammy“ Sane (unser Foto).
Wesentlich länger konnte sich der FCN bei seinem letzten internationalen Auftritt im Wettbewerb halten. 2007/08 überstanden Peer Kluge und Co. die erste Runde und die Gruppenphase des Uefa-Cups, bevor sie in der Zwischenrunde gegen Benfica Lissabon unglücklich ausschieden.

Markus Löser von der „Abendzeitung“ moderiert die Diskussion im Südpunkt (Pillenreuther Straße 147), die am Donnerstag, 15. Oktober, um 19.30 Uhr beginnt. Der Eintritt ist frei.

Als die Spieler revoltierten

Auch da war der Club mal wieder Vorreiter: Im Oktober 1984 gab es eine bislang in der deutschen Fußballgeschichte noch unbekannte Spielerrevolte. Mehrere Clubprofis warfen nach einem vom damaligen Trainer Heinz Höher angesetzten Morgentraining (um sechs Uhr, also noch in der Dunkelheit, ließ er die Profis durch den Wald laufen) den Bettel hin. Sie übergaben eine Erklärung an die Nürnberger Tageszeitungen, worin sie ankündigten, nicht mehr unter Höher trainieren zu wollen. Beim nächsten Training waren ganze fünf Spieler anwesend. Der Rest boykottierte.

Präsident Gerd Schmelzer knöpfte sich daraufin jeden einzelnen der Spieler vor und kündigte Udo Horsmann, Stefan Lottermann, Rudi Kargus und Horst Weyerich die Verträge. Später bekamen auch noch Detlef Krella und Manfred Walz die Kündigung. Thomas Brunner der ebenfalls zu den Unterzeichnern der Presseerklärung gehörte, wurde hingegen als reuiger Sünder „begnadigt“ (später kam heraus, dass Höher offenbar absichtlich die Mannschaft provoziert hatte, um etliche Spieler, von denen er nicht überzeugt war, loszuwerden).

Nach den Kündigungen stand ein Spiel in Aachen an. Nur nach Rücksprache mit ihren Anwälten traten die verbliebenen Spieler überhaupt in Aachen an. Man verlor mit 1:2.  Dennoch gilt die Niederlage als Wende und Geburt einer jungen Mannschaft. Mit ihr schaffte der Club nicht nur den Aufstieg in die erste Liga ,  Hans Dorfner, Dieter Eckstein und Stefan Reuter avancierten später sogar zu Nationalspielern.

Insofern war die Spielerrevolte eigentlich eher ein Wendepunkt. Wir verbuchen sie dennoch als unseren:

TIEFPUNKT 12