Club schlägt die Bayern

  • Dort, wo die Bayern unterwegs sind, tummeln sich auch die Werbetreibenden. Einen kleinen Eindruck bekommen wir in der Diaspora Lebenden aktuell gerade. Da mottet Magenta Sport Alt-Moderator Fritz von Thurn und Taxis für das Freundschaftsspiel des FCN in Nürnberg aus und bekommt prompt allerorten kostenlose Werbung.
  • Er war fast schon beim FC Barcelona. Doch Uli Hoeneß wollte das Talent nicht ziehen lassen. Dann versuchte sich der FCB-Nachwuchsspieler relativ erfolglos beim Club. Jetzt ist Timothy Tillman bei den Greuthern gelandet. Anders als für uns Fans liegt für die Akteure im bezahlten Fußball Fürth eben nahe bei Nürnberg.
  • Der ehemalige Bild-Reporter Daniel Westgate ist nicht mehr Pressesprecher beim FCN. Man wolle mehr und transparenter mit den Fans kommunizieren, ließ der kaufmännische Vorstand Niels Rossow verlauten. Für Westgate wird jetzt im Verein eine andere Verwendung gesucht, seinen als „Leiter Sportkommunikation“ aufgewerteten Posten übernimmt der 42-jährige Christian Bönig. Zumindest in der Pressestelle ist jedenfalls nichts von einer „Verkleinerung des Kaders“ zu bemerken.
  • Wir Fans fragen uns schon länger, warum beim Club die Leistungskurve vieler Spieler nach unten zeigt. Bei der Ursachenforschung ist mancher bei Instagram fündig geworden. Da hat sich erst eine Spielerfrau beklagt, dass selbst ihr Hund nicht wieder nach Nürnberg will. Am 6. Januar postete dann Mikael Ishak einen Hilferuf, er sitze ohne Klopapier daheim und könne auch keines kaufen, weil alle Läden geschlossen hätten. Vielleicht ist die Stadt schuld; und das bayerische Ladenschlussgesetz.
  • Reizvoller als in Norwich auf der Bank zu sitzen, scheint Nürnberg aber allemal zu sein. Zumal, wenn der Aufenthalt zeitlich befristet ist. Linksverteidiger Philipp Heise, an dem der Club schon länger dran ist, kommt zumindest auf Leihbasis bis zum Saisonende. In den nächsten Tagen will Sportvorstand Palikuca noch eine weitere Abwehrverstärkung präsentieren.

Das Spiel:

Mit „Das Spiel“ haben wir die Begegnung gegen die Bayern wahrscheinlich höher gehängt als alle Beteiligten. Club-Trainer Jens Keller hatte schon vorab beklagt, das Testspiel komme zur Unzeit, weil die Mannschaft müde und platt sei. Das dürfte den Kaufleuten beim FCN nicht allzusehr gefallen haben, zumal der Kartenverkauf ohnehin nicht den Erwartungen entsprach. Andererseits schien genau das Druck von der Mannschaft zu nehmen. Die zeigte, dass sie durchaus mit den Bayern mithalten kann, dass sie sich offenbar sogar leichter tut mit einem Gegner, der selbst das Spiel machen und immer Ballbesitz haben will.

So ging der Club in der 22. Minute sogar durch Frey in Führung (Assist: Behrens) und hatte weitere Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Allerdings sah man zwölf Minuten später, dass die Münchner, wenn sie sich gezwungen sehen, immer noch einen Gang hochschalten können und dann gegen eine nicht gerade sattelfeste Abwehr auch zum Erfolg kommen. Diesmal war es Davies, der den Ausgleich machte.

In der Pause wurde komplett durchgewechselt. Lediglich Clubkeeper Dornebusch blieb mangels Alternativen im Spiel. Bei den Bayern standen praktisch nur noch Jugend- und Drittliga-Spieler auf dem Platz. Beim Club wirkte sich die zuletzt beklagte Größe des Kaders hingegen positiv aus. Wohl auch, dass einige ein bisschen Werbung für sich machen wollten. So war es dann der wechselwillige Mikael Ishak der bereits nach wenigen Sekunden den Club erneut in Führung brachte. Beim 3:1 legte Ishak für seinen ebenfalls aufs Abstellgleis geratenen Sturmkollegen Adam Zrelak auf. Das 4:1 hatte Torschütze Schleusener ebenfalls einer Vorlage von Ishak zu verdanken. Danach hatte der Club immer noch nicht genug: Hack erhöhte sogar auf 5:1. Die Bayern konnten hingegen zunächst einen Elfmeter nicht verwerten (Dornebusch hielt) und danach lediglich noch ein bisschen Ergebniskosmetik betreiben.

5:2 gegen die Bayern: Das hört sich super an. Allerdings waren die Voraussetzungen im Nachhinein eher als Aufbauhilfe zu verstehen. Und die älteren unter den Clubfans wissen, FCB-Aufbauhilfe muss nicht immer zum Erfolg führen (Hoeneß!).

Positiv mitnehmen kann der Club immerhin, dass man gegen nicht ganz so motivierte Bayernstars mithalten und dass man gegen Drittliga-Bayern sogar gewinnen kann. Vielleicht passt der Kader also doch, bloß die Liga nicht.

Ein Letztes:

Die SPD des Fußballs

Man könnte im Rückblick auf 2019 fast witzeln, dass der 1.FC Nürnberg seine Trainer  genauso rasch wechselt wie die SPD ihre Vorsitzenden. 2019 benötigten die Genossen sechs Chefs und der Club vier Übungsleiter. Ein Vergleich, der auch deswegen passt, weil weder der Traditionsverein noch die stolze Partei 2019 aus ihrem Dauertief herausgekommen sind.


Allerdings bewies der Club mehr Geduld mit Michael Köllner als die SPD mit Andrea Nahles. Denn er durfte 21 Spieltage bleiben, obwohl dem 1.FC Nürnberg in der Hinserie 2018/19 nur zwei Siege glückten und er als Tabellenletzter überwinterte. Und 2019 ging so weiter, wie 2018 aufgehört hatte – mit Enttäuschungen und Pleiten. Nach zwei Niederlagen und einem Remis schied der Club im Pokal bei Zweitligist Hamburger SV aus und leistete sich anschließend eine 0:2-Niederlage im Kellerduell beim späteren Mitabsteiger Hannover 96.   Erst dann war Schluss für Köllner, mit ihm ging Sportchef Andreas Bornemann, der sein Schicksal mit dem des Trainers verknüpft hatte.


Köllners Assistent Boris Schommers übernahm für die verbleibenden 13 Spiele und startete mit einem 0:0 gegen Borussia Dortmund sehr solide. Letztlich aber war der Kader zu schwach für die Bundesliga. Unter Schommers verlor der Club zunächst zwar knapper als unter Köllner, aber er verlor. So baute der FCN seine Sieglos-Serie auf 20 Bundesligapartien aus, bis am 27. Spieltag mit einem 3:0 gegen den FC Augsburg endlich der dritte Saisonsieg gelang. Es sollte der letzte bleiben. Immerhin trotzte man den Münchner Bayern noch ein 1:1 ab, was aber deren siebten Meistertitel in Folge auch nicht verhindern konnte.  Die Saison endete mit zwei Packungen – nach dem 0:4 gegen Mönchengladbach war der Abstieg auch rechnerisch besiegelt, und zum Saisonabschluss leistete sich der Club ein 1:5 in Freiburg.

Platz 18 mit nur 19 Punkten und drei Siegen – selbst in der Horrorsaison 1983/84 hatte der FCN  viermal gewonnen. Damals war der Altmeister aber angesichts prominenter Neuzugänge wie Manfred Burgsmüller mit großen Erwartungen in die Saison gestartet, diesmal kam der Abstieg indes wenig überraschend.

Im Sommer kamen viele neue Gesichter an den Valznerweiher – darunter auch  Coach Damir Canadi. Der durfte aber auch nur zwölf  Spieltage bleiben. In den ersten vier Partien gelangen noch zwei 1:0-Siege in Dresden und gegen Osnabrück, doch in den folgenden acht Spielen holte der Club nur noch einen „Dreier“, und zwar beim 4:0 in Hannover. Nach dem 1:3 in Bochum musste Canadi im November gehen. Vereinsikone Marek Mintal übernahm für ein Spiel und musste eine 1:5-Klatsche gegen Bielefeld erleben. Cheftainer Nummer vier, Jens Keller, konnte  auch erst im fünften Spiel dreifach punkten, aber mit dem 2:0 gegen Dresden hat man wenigstens einen versöhnlichen Jahresabschluss geschafft und zugleich einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf auf Distanz gehalten.


Denn eben dort, im Abstiegskampf der Zweiten Bundesliga, befindet sich der Club nach 18 Spieltagen. Mit 19 Punkten (immerhin so viele wie in der gesamten Vorsaison) belegen die Nürnberger Rang 16 und müssten nach derzeitigem Stand gegen den Dritten aus der Dritten Liga Relegationsspiele um den Klassenerhalt bestreiten. In eben dieser  Dritten Liga haben die Ex-Trainer Köllner und Schommers übrigens die Traditionsklubs 1860 München und Kaiserslautern zuletzt auf Kurs gebracht.


Beim Club muss Bornemann-Nachfolger Robert Palikuća in der Winterpause wohl vor allem die Abwehr verstärken, wenn man den Tabellenkeller verlassen will. Mit dem Toreschießen klappt es ganz gut, aber die Defensive zeigte sich  chronisch instabil – so verspielte der Altmeister zum Beispiel 2:0-Führungen gegen Heidenheim sowie Kiel (jeweils 2:2) und kassierte bereits 34 Gegentore, nur Wiesbaden (35) und Karlsruhe (36) sind noch anfälliger.


Schafft der 1.FC Nürnberg die Wende? Nach dem katastrophalen Jahr 2019 kann es eigentlich nur besser werden. Aber das dachte die SPD auch oft, etwa nach der Bundestagswahl 2009. Doch später kam es dann noch schlimmer – und auch der Austausch von Vorsitzenden half auf Dauer nicht…

Planloses Stückwerk

Die Woche:

  • Guten Fußball hat das Noch-Max-Morlock-Stadion schon länger nicht gesehen. Da ist es dann eine nette Geste vom DFB, im März dort das EM-Vorbereitungsspiel gegen Italien auszurichten. So ganz uneigennützig dürfte dies jedoch nicht sein. Bei solchen Testspielen melden sich mittlerweile nicht bloß jene Spieler, die es sich leisten konnten, wegen irgendwelcher Zipperlein krank, auch die Ränge sind meist spärlich gefüllt. Tickets sind offenbar wohl nur dort verkäuflich, wo die Not groß ist. Also in Nürnberg.
  • Irgendwie muss man den Fan ja von früh verfehlten Saisonzielen ablenken. Auf der FCN-Homepage soll dazu ein Adventskalender beitragen, der bis zu Weihnachten „attraktive“ Angebote und Preise alljenen verspricht, die die FCN-Quizfragen richtig beantworten. Blöd nur, wenn man dabei gar nicht gewinnen kann. Bei der Frage nach dem Siegtorschützen beim Pokalfinale 2007 wurde die richtige Antwort (Jan Kristiansen) gar nicht angeboten (siehe unten!). Es standen nur Banovic, Saenko, Mnari und Polak zur Wahl. Wahrscheinlich auch wieder so eine trickreiche Sparmaßnahme. Dass die FCN-Marketingabteilung das nicht weiß und nicht mal ergoogeln kann, können wir uns nämlich echt nicht vorstellen.
  • Daneben gegangen ist ein Versuch, die hiesige Jugend für den Club zu begeistern. Da lud der Club Erstklässler aus der Region ins Stadion ein, damit sie mal live die Begeisterung und Stimmung dort erleben können. Das war bei der 1:5-Klatsche gegen Bielefeld. Nachwuchswerbung war das eher nicht. Also wiederholte man die Einladung. Diesmal ging es schließlich gegen den Tabellenletzten aus Wiesbaden. Leider war die Werbewirkung da ebenfalls gering. Immerhin schön, dass wenigstens Herr Rossow noch optimistisch ist. Wobei, so ganz stimmt das auch nicht.
  • Woran liegt es, dass unsere Mannschaft auch in der 2. Liga so abkackt? Der Trainer allein kann es nicht gewesen sein. Der Sportdirektor wird von manchen inzwischen auch exkulpiert. Dann dürfte es vielleicht an der Mannschaft liegen, die eigentlich keine ist. Deren Kapitän hat offenbar schon Canadi einen Teil des Problems gesehen. Als er Hanno Behrens aber auf die Bank setzte, hatte er sofort die Mehrzahl der Fans gegen sich. Die Mannschaft wiederum scheint wenig darauf zu geben, was „unser Hannoooo“ so von sich gibt. Der hatte Journalisten gegenüber jegliche Stellungnahme verweigert, weil man sich jetzt auf den Abstiegskampf konzentrieren müsse. Prompt sprangen alle möglichen Mannschaftskameraden vor die Mikros und füllten die Lücke. Georg Margreitter brachte dabei gleich einen neuen Schuldigen in die Debatte: die „Traditionsfans“. Selbst wenn da was Wahres dran sein könnte (siehe Behrens und früher Bader), die Pfiffe von den Rängen kamen doch erst, nachdem die Mannschaft von Woche zu Woche trotz 1a-Support einen schlimmeren Stiefel zusammenkickte. Ach so, bevor jetzt noch jemand daher kommt und das Stadion für die Misere verantwortlich macht, fragen wir mal: Wo versteckt sich eigentlich der Aufsichtsrat gerade?

Das Spiel:

Auf dem Platz ist natürlich manches anders. Zumal wenn es gegen einen Gegner geht, der selbst Probleme hat – wenn auch auf anderem Niveau. Ein bisschen war die Konstellation so wie beim letzten Sieg in Hannover. Da ging es auch gegen einen angeblich erstklassig besetzten Bundesligaabsteiger, der nicht so recht in der 2. Liga angekommen ist und der vor heimischen Publikum das Spiel machen muss.

Das praktizierten die Stuttgarter auch und kamen in der ersten Hälfte auf mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Der Club wiederum, der zwar mit Frey, Lohkemper und Schleusener drei gelernte Stürmer aufgeboten hatte, versuchte vor allem hinten Beton anzurühren.

Nach vorne lief für den FCN nicht viel. Das lag auch daran, dass kaum ein Pass den eigenen Mann erreichte. Bis auf ein Mal. Das war in der 10. Minute. Da konnte Geis einen Klärungsversuch der Stuttgarter abfangen, zum frei stehenden Frey köpfeln, der den Ball dann volley in den rechten Winkel hämmerte. Das sah dann schon sehr nach Befreiungsschlag aus.

Allerdings ließ der Club gleich wieder den VfB kommen, der nun verbissener aufs Tor drängte. Zwei Mal zappelte der Ball auch im Clubnetz. Beim vermeintlichen 1:1 hatte der Kölner Keller ein Foulspiel von Gomez an Behrens signalisiert. Schiedsrichter Schröder gab den Treffer ebenso nicht, wie sechs Minuten später einen weiteren VfB-Treffer. Da stand Torschütze Mario Gomez hauchdünn im Abseits. So rettete der Club mit viel Glück die Führung in die Pause.

Aber 90 Minuten nur Glück, das haut eben nicht hin. Ein bisschen Können und Spielkultur sollte sich schon noch hinzugesellen. Zunächst kam dem Club, der weiterhin nicht viel zustande brachte, zugute, dass Stuttgart sichtlich das Selbstvertrauen fehlte. So musste erst der Videobeweis helfen. In der 58. Minute erkannte der ein Handspiel von Schleusener. Den Elfmeter versenkte Silas. Eine Minute später klapperte es erneut im Clubkasten, Diesmal war Gomez erfolgreich. Der VAR war diesmal erneut auf Stuttgarter Seite. Zuvor hatte Endo Geis mit einem Kopfstoß außer Gefecht gesetzt. In Köln sah man das nicht als ahndungswürdig an. Wahrscheinlich wollte man auch mal den Stuttgartern was zukommen lassen,

Nichtsdestotrotz war das erschreckend schwach, was die Mannschaft ablieferte. Viel zu viele Fehler im Spielaufbau, kaum Struktur, keine Aggressivität, kein Zug zum Tor… Vorne gab Frey den Alleinunterhalter. Er hatte offenbar schon längst aufgegeben, irgendetwas Verwertbares von seinen Mannschaftskollegen serviert zu bekommen und rannte regelmäßig Torwart Bredlow an, wohl in der Hoffnung, wie in Kaiserslautern nochmal einen Glückstreffer zu landen.

In der 72. Minute machte Förster schließlich noch das 3:1. Da hatte sich der Club dann endgültig aufgegeben. Irgendjemanden, der das Ruder herumreißt und die Ärmel hochkrempelt, sucht man in dieser Mannschaft leider vergeblich. Wobei sich langsam auch die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht nur an der Mentalität hapert, sondern wohl auch an der fußballerischen Qualität.

Völlig verpufft ist jedenfalls der Trainerwechsel (die Auswechslungen von Keller waren diesmal übrigens auch schwer nachzuvollziehen). Genauso verpufft ist offenbar auch Palikucas Brandrede. Der darf in der Winterpause drei neue Spieler kaufen. Hoffentlich hören die besser zu.

Ansonsten bekommt das mit dem Zweijahresplan nämlich eine ganz andere Ausrichtung. Dann muss das Ziel „Wiederaufstieg in die zweite Liga“ lauten.

Ein Letztes:

Was ist der FCN? Rufen Sie an und nennen Sie das Lösungswort „Spitzenclub“!

Hätte schlimmer kommen können

Die Woche:

  • Der Club ist erstmals mit einer eigenen Bude am Christkindlesmarkt vertreten. Dort gibt es auch ein FCN-Christkind-Trikot. Hoffen wir, dass es auch andernorts mal Buden zu feiern gibt.
  • Um den akuten Notstand auf der Torwartposition zu beheben, hat der Club Felix Dornebusch verpflichtet. Hilfe kam dabei auch über die Sozialen Medien. Vielleicht ergibt sich für den notorisch klammen FCN da noch Sparpotenzial (Twitter statt Palikuca):

Das Spiel:

Vielleicht geht es euch ähnlich, ich jedenfalls habe schon lange eine Übedosis an Derby-Vorberichterstattung. Jeder Stein oder Grashalm ist da mittlerweile umgedreht worden und wohl jeder, der in der Vergangenheit irgendwann einen Ball getroffen hat, ins gleißende Licht der Öffentlichkeit gezerrt worden. All dies transportiert aber halt leider nur die Botschaft: Das Heute kann mit dem Gestern nicht mithalten. Bezeichnend auch, dass unter dem bei Twitter trendenden Hashtag „Derby“ vor allem Beiträge zur zeitgleich ausgetragenen Begegnung des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC zu finden waren.

Nichtsdestotrotz ist das unserige natürlich das deutsche Derby. Alles andere ist schnödes Epigonentum. Zudem ist es für den Clubfan auch im Heute nur schwer erträglich, nach einer Derbyniederlage in der Öffentlichkeit, im Büro oder beim Einkaufen auf dreist feixende Kleeblattfans zu treffen. Da geht es dann in die Privatsphäre und da verstehen wir keinen Spaß.

Diesmal drohte erneut Spießrutenlaufen. Beim Club gab zwar mit Jens Keller ein neuer Trainer sein Debüt. Aber bei der Klatsche gegen Bielefeld hatte die Mannschaft schon demonstriert, dass ein neuer Trainer keineswegs die Wende zum Guten garantiert.

In Fürth merkte man dem Club an: die von Keller kaum veränderte Mannschaft (nur stand diesmal Neuzugang Dornebusch im Tor und die Mintal-Experimente mit Petrak und Lohkemper ließ der Neue zurecht lieber sein) ist verunsichert. Nach vorne klappte kaum etwas. Hinten kam dem Club zugute, dass dem Gegner der letzte Zug zum Tor fehlte, zudem feierte Dornebusch eine solide Premiere. Trotzdem ging die erste Hälfte eindeutig an die Fürther. Mit dem 0:0 waren wir gut bedient.

Nach der Pause kam der Club besser in die Partie. Ohne zunächst allerdings Zwingendes zu kreieren. Immerhin musste unsereins mal nicht bei jedem gegnerischen Angriff auf Glück und Unzulänglichkeiten der Angreifer hoffen. Zumindest was die Abwehrarbeit anging, waren also Fortschritte erkennbar.

Wenn dann der eingewechslete Medeiros in der 90. Minute alleinstehend vor Burchert nicht so kläglich vergeben hätte, hätten wahrscheinlich manche schon wieder was von „Wende“ oder „Geburt einer neuen Mannschaft“ gefaselt. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass der Schuss vorbei ging. Was den Abstiegskampf in der zweiten Liga angeht, und da steckt der Club erst einmal drin, hätten uns die drei Punkte freilich gut getan.

Ein Letztes:

Frühförderung!

Für Canadi wird es eng

Die Woche:

  • Wer schon ein paar Jährchen Clubfan ist, der kennt das: Erst werden die Ziele hochgeschraubt (Wiederaufstieg), dann wird Geld in die Hand genommen (meistens zu wenig), dann brauchen die Spieler noch Zeit, um „die Abläufe“ zu verinnerlichen, wenn die Zeit um ist, setzt die Mannschaft nicht um, was der Trainer will, aktuell wird dann noch „die Berichterstattung“ (welche eigentlich?) kritisiert, Respekt eingefordert. Am Ende ist der Trainer dann halt doch weg. Diesmal fehlen uns zudem die Emotionen. Das mag an den oben geschilderten Erfahrungen liegen. Wahrscheinlich aber auch daran, dass Damir Canadi ziemlich emotionsdämpfend wirkt. Bei Hans Meyer oder bei Gertjan Verbeek war jedenfalls weniger Gleichmut.
  • Vielleicht wächst die Mannschaft ja in der Winterpause unter anderer Leitung noch zusammen. Robert Palikuca hat inzwischen das Trainingslager im spanischen Marbella gebucht. Dass das letzte Wintertrainingslager nur wenige Kilometer entfernt eher negative Effekte zeitigte, stört den Sportvorstand offenbar nicht.
  • Beim Club kommt inzwischen einiges zusammen. Nach Christian Mathenia (er fällt, wenn es blöd läuft, den Rest der Saison aus) hat sich bekanntlich auch Patric Klandt beim Pokal-Aus in Kaiserslautern schwer verletzt. Auch U21-Torwart Jonas Wendlinger ist verletzt. Vor dem Bochum-Spiel meldete sich schließlich auch Andreas Lukse krank (saß dann aber trotzdem auf der Bank). Zuvor musste Enrico Valentini, der beim FCK als Torwart eingesprungen war, ebenfalls wegen Fieber passen. Blieb also nur U19-Keeper Benedikt Willert (18) übrig. Auf der Torwartposition gibt es also dringenden Handlungsbedarf. Da zur Zeit nur vereinslose Spieler verpflichtet werden dürfen, ist die Zahl potenzieller Nothelfer überschaubar.
  • Der Blick auf die Tabelle macht nicht nur wegen des Abstands zu den Aufstiegsrängen wenig Freude. Selbst unser Spitzenplatz als alleiniger Rekordaufsteiger ist in Gefahr. Sollte Arminia Bielefeld da oben bleiben, sind die genauso oft aufgestiegen wie wir. Mittelmaß droht allerorten.

Das Spiel:

In Bochum begann der Club wie immer. Er schien zunächst alles im Griff zu haben. Allerdings ohne zwingende Torchancen zu entwickeln. Doch nur ganze neun Minuten durfte sich die Mannschaft überlegen fühlen. Dann eroberte Hanno Behrens am Strafraum zunächst den Ball, verlor dann aber zunächst die Übersicht und dann das Spielgerät. Tesche schnappte sich dieses, passte zu Danilo, der überraschend unbedrängt den hier noch machtlosen Ersatzersatzersatzersatz-Keeper Willert überwinden konnte.

Wieder mal lag der Club hinten. Wieder mal präsentierte sich, die verletzungsbedingt erneut umformerte Abwehr anfällig, wenn schneller gespielt wird. Dass die FCN-Abwehrspieler nicht die schnellsten sind, hat sich in der Liga längst herumgesprochen. Dass sie diese Defizite durch Antizipation wett machen, ist wohl ein frommer Wunsch. Ein solcher war es wohl auch, dass sich die Mitspieler bemühen, dem 18-jährigen Willert deas Debüt zu erleichtern und den durch Ausfälle geschwächten Bochumer Angriff bereits im Vorfeld zu stoppen.

Aber nichts da. In der 40. Minute baute der Club bei einem Freistoß seine Mauer derart löchrig, dass Ex-FCN-Spieler Danny Blum den Ball scharf vors Tor bringen konnte. Willert konnte den Ball nicht festhalten, Lorenz staubte zum 2:0 ab. Und es kam noch schlimmer. Fünf Minuten später ließ die pomadige Clubabwehr Wintzheimer frei stehen, der den inzwischen auch durch höhnische Fangesänge verunsicherten Willert zum 3:0 überwinden konnte.

Aber es hapert halt beim Club nicht blo0 hinten. Für die völlig abgetauchten Kerk und Dovedan brachte Trainer Canadi nach der Pause Lohkemper und Medeiros. Die beiden machten dann auch prompt mehr Druck. Nach einer Stunde konnte Geis von rechts flanken und Sörensen zum 3:1 einköpfen. In der 75. Minute gelingt Lohkemper nach Vorlage von Medeiros sogar der Anschlusstreffer. Allerdings stand Frey im Abseits. Nach Videobeweis stand fest: kein Tor. Nach und nach schwand beim Club der Glaube, noch die Wende einleiten zu können. So kommt Bochum zum ersten Heimsieg. Trotzdem steht der VfL noch auf dem Abstiegsrelegationsplatz. Der Club ist allerdings nur zwei Punkte besser. Vielleicht sollten wir uns langsam mit diesen Tabellenregionen beschäftigen. Den Aufstieg dürfte sich inzwischen selbst der letzte abgeschminkt haben.

Ein Letztes:

….oder halt danach.

Last-Minute-Depp

Die Woche:

  • Das Aue-Spektakel dürften die meisten von uns zunächst verarbeitet haben. Immerhin hat der Club für Unterhaltungswerte und Kurzweil im deutschen Profifußball gesorgt. Warum es nicht mal zu einem Punkt langte, lag bestimmt nicht bloß am Elfmeterschützen oder am abseitigen Videobeweis. Was die Zahl der Gegentore angeht, sind nur die Mannschaften auf den Abstiegsrängen schlechter als der Club. Da braucht man dann auch nicht über Aufstieg reden.
  • …und noch ein Nachtrag zum Aue-Spiel: Martin Männel, der Keeper der Erzgebirgler, hatte kolportiert, die Clubspieler hätten sich im Hotel daneben benommen. Danach ruderte er zurück. Da hatte diese Fake-Behauptung allerdings schon ihre Motivationsfunktion erfüllt. Nebenbei: Was treibt eigentlich unser Motivationscoach Mathias Berthold?
  • Unser Kapitän Hanno Behrens macht angeblich (der Beitrag ist hinter der Bezahlschranke) das Stadion für mangelnde Heimstärke verantwortlich. Das klingt halt leider ein bisschen nach Entschuldigung und Ablenkung von der eigenen Leistung. Die statistischen Belege fehlen mir zwar (da darf sich gerne mal einer verwirklichen), aber gefühlt gibt es im Profifußball den Heimvorteil ohnehin kaum noch. Das scheint also mehr was mit Umschaltspiel zu tun zu haben und weniger mit Aschenbahnen. Stattdessen gäbe es genügend andere Gründe für einen Stadionneubau. Dieser nährt falsche Hoffnungen und führt dann bloß wieder zu bösem Erwachen.

Das Spiel:

Was Unterhaltungswerte angeht, da wollte der Club nicht unbedingt an das Aue-Spiel anknüpfen. Nach vore agierte er nur verhalten, unnötiges Risiko sollte offenbar vermieden werden. Auch die Gäste aus Regensburg schienen nicht an Spektakel interessiert zu sein. So rückte dann eine im Stadion umherfliegende Taube in den Fokus. Unterbrochen wurde die Taubenbeobachtung zum einen durch einen Lattentreffer der Regensburger und später durch ein Abseitstor von Dovedan. In der 38. Minute war es dann aber soweit: Geis brachte einen Freistoß in den Strafraum, wo sich Behrens schön freilaufen und ziemlich unbehindert einköpfen konnte. Danach hatte der Club noch Chancen, die Führung auszubauen. Ohne Erfolg. Aber wenigstens brannte hinten nichts an.

In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild kaum. Der Club versuchte kontrolliert nach vorne zu kommen, war dabei aber zu uninspiriert und ohne die letzte Perfektion. Regensburg wiederum schien nicht gewillt zu sein, wegen des Rückstands aufzumachen. Zunächst zumindest. Aber der Club ist eben der Club und der kann zum Beispiel die Null nicht halten, auch wenn das Trainer Canadi offenbar anders gesehen hat und nach gut einer Stunde Aktivposten Frey zu dessen sichtbarer Überraschung herausnahm, um dem lange verletzten Mikael Ishak zu etwas Spielpraxis verhelfen wollte. Immerhin sah es während der regulären Spielzeit noch nach Arbeitssieg aus. Aber dann tauchte plötzlich der gelbe Sweater von Jahn-Keeper Meyer im FCN-Strafraum auf. Verwirrung! Zunächst landete der Ball noch über dem Tor. Danach verlängerte Meyer den folgenden Eckball zu Schneider, der mit der letzten Spielaktion den Ausgleich erzielte. Der Club kann nicht nur die Null nicht halten, er kann auch daheim nicht mehr gewinnen.

Ein Letztes:

Wir haben zwar auch schon mal davon profitiert, trotzdem:

Ein Allerletztes:

Auch bei den anderen Kleinparteien hat inzwischen der Kommunalwahlkampf begonnen:

Kurioses Unentschieden

Die Woche:

  • Nicht wenige von uns glauben, dass es große Künstler am Ball gibt. Dass die irgendwann mal im Club-Dress spielen, diese Hoffnung hat wohl selbst FCN-Aufsichtsratsmitglied Ulrich Maly aufgegeben. „Kommst du nicht zur Kunst, kommt die Kunst zu dir“, hat er verlauten lassen und damit eine erstmalig beim heutigen Heimspiel durchgeführte Kunstaktion angekündigt. Wir Fans würden trotzdem lieber den Aufstieg wählen als den Kulturhauptstadttitel. Nur falls einer fragt. So richtig gezündet haben die Bandenbotschaften (z. B. „reden über Zentimeter“) jetzt auch nicht.
  • Ohnehin ist der FCN eher der Verein der braven Handwerker. Das wird nicht nur im Namen eines Mitglieds unseres Profikaders deutlich, sondern auch auf Sponsorenebene.
  • Nach dem Sieg in Hannover ging der zuvor etwas gesenkte Clubblick ganz schnell wieder nach oben. Gerade weil das aber so schnell gehen kann, sollte man die Distanz nutzen, um sich mal mit dem RWE-Phänomen zu beschäftigen. Es gibt nämlich Schlimmeres als geplatzte Aufstiegshoffnungen.
  • Unter Ausschluss der Öffentlichkeit findet am Mittwoch das Testspiel gegen den FC Ingolstadt statt. Der Club nutzt so die Länderspielpause.

Das Spiel:

Gegentoren gehen meistens eigene Fehler voraus. Wer, wenn nicht der Club, könnte eine derartige Binsenweisheit widerlegen? Es kann nämlich auch ein Fehler des Linienrichters zu einem Tor führen. So geschehen in der 23. Minute. St. Pauli griff über rechts an. Beim Pass auf Ohlsson hob der Linienrichter sofort die Fahne. Jeder, auch die Clubabwehr dachte: Abseits! Schiri Koslowski setzte die Pfeife zum Mund, pfiff aber offenbar nicht. Dass St.Pauli-Stürmer Gyökeres den Ball noch ins Netz schoss, geschenkt! Aber da sind ja noch die Videoschiedsrichter. Die erkannten zurecht, dass keine Abseitsstellung vorlag. Das Tor wurde gegeben. Bleibt als Erkenntnis nur: Immer weiterspielen, nicht von Unparteiischen irritieren lassen! Trotzdem: Unglücklicher kann ein Rückstand kaum fallen. Wobei sich das unglücklich durchaus auch auf den Videobeweis und das gegenwärtige Schiedsrichterwesen bezieht.

Leider war der Club dann auch noch unglücklich im Verwerten der sich zahlreich ergebenden Großchancen. War gegen Hannover 96 fast jeder Schuss ein Treffer, schien das von Himmelmann allerdings auch exzellent gehütete gegnerische Tor wie vernagelt. So gimg es mit dem Rückstand in die Pause.

Inzwischen hat der Club längst aufgeholt, was Ballbesitz und Passquoten angeht. Die in Hannover erfolgreiche Taktik war ja nach der Fahnenirritation nicht mehr aufrechtzuhalten. Dass der Club dann in der 51. Minute zum Ausgleich kam, war längst verdient, wenn auch der Treffer eher glücklich zustande kam. Dovedan, der diesmal wieder nicht überzeugen konnte, wollte eigentlich nach rechts ablegen, von einem gegnerischen Abwehrbein prallte der Ball jedoch zu Hanno Behrens, der den Ball in die Maschen wuchtete.

Danach hatten allerdings prompt die Hamburger eine Großchance. Miyaichi legte allerdings vor dem Clubtor anstatt selbst zu schießen noch quer, so dass Sörensen noch dazwischen gehen konnte. Zehn MInuten später war wieder die Fahne des Linienrichters oben und der Ball im Tor. Diesmal allerdings in dem von Mathenia. Diesmal zählte es aber nicht. Der Clubkeeper wurde von einem im Abseits stehenden Gegner irritiert.

Allerdings schaffte es der FCN aber ebenfalls nicht, seine Chancen zu nutzen. Hack traf lediglich den Pfosten. In der Nachspielzeit musste Mathenia noch einmal Kopf und Kragen riskieren, um wenigstens den einen Punkt zu sichern. Danach pfiff Schiri Koslowski ab. Bezeichnend, dass das noch nicht das Ende war. Minutenlang wurde Mathenia auf dem Platz verarztet, ehe er sich dann doch noch in den Spielerkreis einklinken konnte.

Fazit: Nach dem Höhenflug in Hannover ist der Club wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Da war definitiv mehr drin. Und noch eine Erkenntnis: Nehmt den Offiziellen bitte die Fahnen weg. Die Schiedsrichter sind eh akustisch miteinander verbunden und diese analogen Relikte dienen offenbar nur noch der Irritation von Spielern und Zuschauern.

Ein Letztes:

Leiser! Ich hör nix! Vielleicht könnte der Akustiker der österreichischen Skinationalmannschaft weiterhelfen…

Wir können auch anders

Die Woche:

  • Das ging schnell! Nach der bescheidenen Leistung gegen den KSC war in Nürnberg die Trainerdiskussion eröffnet. Mal wieder! Der, um dessen Posten es geht,  gab erstmal „den Mahner“. Ja mei! Den Mahner könnte ich hier auch geben. Dazu muss ich nicht Trainer sein. Aber vielleicht muss er halt einfach irgendwas sagen, damit nervige Sportjournalisten was zu schreiben haben.  Das mit dem fehlenden Killerinstinkt war auch nicht gerade die originellste Feststellung.
  • Canadi hat da wohl ebenfalls Defizite erkannt und nachgelegt. Fehlende Lernfähigkeit sei der Grund. Das hohe Verteidigen sei noch nicht verinnerlicht. Fehlende Lernfähigkeit hatten wir allerdings auch schon in der vergangenen Saison beklagt. Haben sich die Neuzugänge etwa zu gut integriert?
  • „Bader raus!“, wir erinnern uns. Jetzt trennt sich auch der FC Kaiserslautern von unserem Ex-Sportdirektor (das Pokalspiel gegen uns nimmt er allerdings noch mit). Martin Bader hatte gerade noch Boris Schommers verpflichtet. Unter unserem Ex-Trainer fiel der FCK allerdings von Platz 14 auf Platz 17 zurück. Bader-Spezi Christian Möckel hingegen ist neuer Sportdirektor beim österreichischen Erstligisten SCR Altach, jenem Verein, bei dem Damir Canadi seine größten Erfolge feierte. So schließt sich der Kreis.

Das Spiel:

Bei der Premiere des el Kackico im Februar ließ der Club die Punkte in Hannover. Denen half das dann allerdings auch nichts, weshalb sich die beiden Absteiger jetzt erneut in der zweiten Liga trafen. Dass es diesmal keinen Grottenkick gab, lag allerdings am in den grauen Auswärtstrikot aufspielenden FCN. Der nutzte die Schwächen der 96er gnadenlos aus. Bereits in der 3. Minute stand es 1:0. Eine einstudierte (?) Freistoßvariante wurde von Frey per Kopf weitergeleitet, wo der völlig frei stehende Margreitter nur noch einnicken musste.

Hannover musste nun kommen und kam auch. Der diesmal im 4-3-3 spielende Club stand aber – auch dank des wieder genesenen Sörensen – größtenteils sicher. Allerdings offenbarten die Offensivaktionen der Hannoveraner auch, warum die derzeit so weit unten stehen.

Erst In der 26. Minute kam der Club wieder vors Tor der Gastgeber – und wieder war der Ball drin. Jetzt war es Kapitän Hanno Behrens, der unbedrängt einköpfen durfte.

Hannover übernahm erneut das Kommando. Aber dann kam der große Auftritt von Robin Hack. Er wurde von Behrens bedient, ließ drei Gegner stehen und schoß trocken ins linke Eck. 3: 0 zur Halbzeit! An sowas erinnert sich kaum einer mehr.

In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild kaum. Hannover hatte inzwischen eine Ballbesitzquote von 80 Prozent. Ihnen fiel aber nichts ein, wie sie die früh pressenden Nürnberger überwinden konnte. So machte sich bei unserem Mitabsteiger zunehmend Frust und Verzweiflung breit.

Die besseren Chancen hatte der Club. Jetzt war allerdings nicht mehr jeder Schuss ein Treffer. So dauerte es bis zur 83. Minute als erneut Margreitter traf. Wieder per Kopf. Diesmal nach einer von Geis getretenen Ecke.

Gut, Hannover war nicht voll bei der Sache, hinten unaufmerksam und vorne uninspiriert. Andererseits war der Club auch wesentlich bissiger als zuletzt. Zudem, auch das macht Mut, stand hinten endlich mal die Null.

Ein Letztes:

Der FCN ist Spitzenreiter. Allerdings nur bei der Anzahl von Montagsspielen in der Vorrunde:

Vogelwild in Darmstadt

Die Woche:

  • Dass ein Clubspieler gleich mehrfach mit Toren in unserer Nationalmannschaft für Furore sorgt, ist schon lange her. Die Älteren, wie ich, erinnern sich noch vage an Heinz Strehl, der mal in einem Spiel alle drei Tore erzielt hat. Das war im September 1962 gegen Jugoslawien. Jetzt hat Robin Hack das Gleiche bei der deutschen U21 geschafft. Übrigens jener Robin Hack, nach dessen Auswechslung der Club im letzten Heimspiel noch eine solide 2:0-Führung vergeigte.
  • Nur in der Regionalliga kicken die Frauen des FCN. Jetzt hatten sie aber mal ein echtes Erfolgserlebnis zu feiern, den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Dass für die Betreuung der Frauen-Webseite jemand mit fränkischer B-P-Schwäche zuständig zu sein scheint, geschenkt! Den „DFP-Pokal“ haken wir unter Bodenständigkeit ab.
  • Die Klatschreporter unter den Sportjournalisten scheinen Michael Köllner doch etwas nachzutrauern. Geballt tauchte er vergangene Woche auf, weil er erst im Trachtenanzug das Altstadtfest und dann im Smoking den Opernball besucht hatte. Was Promis angeht, klafft in Nürnberg halt eine Lücke. Das hat der Fuchsmühler immerhin gut erkannt.
  • Wenn man einen Österreicher als Coach hat, dann wundert einen sowas nicht wirklich: Dieser Tage griff Ski-Erfolgstrainer Mathias Berthold ins Clubtraining ein. Vielleicht sollte einfach der Begriff „Erfolgstrainer“ abfärben.

Das Spiel:

Am Böllenfalltor musste Trainer Canadi kurzfristig nach Sörensen mit Valentini einen weiteren Verletzten ersetzen. Für ihn rückte Sorg nach. In der Dreierkette spielten mit Margreitter, Mühl und Erras drei alte Bekannte. Allerdings: Sicherheit brachte das nicht. Im Gegenteil! Obwohl Darmstadt den bislang schwächsten Sturm der zweiten Liga aufwies, stellte dieser die Clubabwehr ein ums andere Mal vor massive Probleme. Schon nach sechs Minuten gingen die Hausherren durch den Ex-Fürther Dursun in Führung. Viel zu einfach konnten die Darmstädter Heller und Mehlem da durch die FCN-Abwehr spazieren.

Aber da war ja noch unser U21-Goalgetter. Nicht mal zwei Minuten später marschierte Robin Hack, von Dovedan frei gespielt, übers halbe Feld und schob zum Ausgleich ein. Sattelfester und souveräner wurde unsere Mannschaft dadurch allerdings nicht. Die Lilien dominierten das Spiel. Nach einer halben Stunde lag der Ball dann wieder hinter Mathenia im Netz. Wieder war es Dursun. Allerdings wurde das Tor dann via Videobeweis (ein Darmstädter stand knapp im Abseits) aberkannt. Wer spätestens jetzt erwartete, dass der Clubtrainer einen Wechsel in der Abwehr vornehmen und eventuell auf Viererkette umstellen würde, sah sich aber getäuscht. Canadi tobte nur am Spielfeldrand herum und hoffte wohl auf das Glück. Das kam dann in Gestalt des starken Michael Frey, der einen Freistoß von Sorg zur überraschenden Clubführung verwerten konnte.

In der zweiten Hälfte kam dann doch Jäger für Margreitter. Nun versuchte der Club sich die Führung quasi nachträglich zu verdienen. Allerdings wurden dabei hundertprozentige Chancen leichtfertig vergeben (Dovedan, Hack). Dann schien man sich aufs Verwalten des Vorsprungs geeinigt zu haben. Auf einmal kamen die Hausherren wieder zu Gelegenheiten. Dass dann in der 75. Minute der Ausgleich fiel, war bei der indisponierten Clubabwehr leider nicht fast erwartbar. Diesmal war der Videobeweis auf Darmstädter Seite. Und es kam noch schlimmer. Fast schon symbolisch für die Leistung der Clubabwehr war die Szene in der 82. Minute Erras und Mathenia räumen sich gegenseitig ab, Dursun sagt Danke und schiebt ins leere Tor. Gottseidank hatten wir aber noch Robin Hack. Drei Minuten später traf er aus der zweiten Reihe zum Ausgleich. Dabei blieb es, nachdem der eingewechselte Kerk nur den Pfosten getroffen hat.

Für unbeteiligte Zuschauer war das sicher ein interessantes Spiel. Für Clubfans jedoch eine Tortur. Da musste man sich fast noch freuen, weil wenigstens ein Punkt rumgekommen ist. Trotzdem: Mit dieser Abwehr wird das diese Saison nichts!

Ein Letztes:

Vielleicht auch eine Lösung:

Neues Ziel: Klassenerhalt

Die Woche:

  • Was treibt eigentlich….Peter Hermann? Der bisherige Bayern-Co-Trainer sollte eigentlich seinen Sachverstand beim Club einbringen. Dort wollte man dann aber offenbar zu viel. Nach dem Motto „alter Mann ist kein D-Zug“ zog es Hermann vor, die deutsche U18-Mannschaft als Co zu betreuen.
  • Der gambische Fußballverband hat die Identität von Bakery Jatta zwar bestätigt. Beim DFB wurde aber noch keine Entscheidung getroffen. Der FCN hat daher beantragt, die Einspruchsfrist zu verlängern. In Hamburg geht das Club-Bashing weiter:
  • Palikuca und Co wollten noch einen Stürmer verpflichten und sind fündig geworden. IDer Schweizer Michael Frey soll vorne die vakante Stelle des „kantigen Stoßstürmers“ besetzen. Inzwischen sorgte ein gefühlter Neuzugang bei der U21 für Furore: Dennis Lippert. Der Linksverteidiger war trotz einer fast zweieinhalbjährigen Verletzungspause bei einem Testspiel bester Clubspieler.

Das Spiel:

Trotz der HSV-Klatsche ging der Club in Sandhausen als Favorit ins Spiel. Warum, das wurde auf dem Platz allerdings nicht klar. Der SV Sandhausen war zunächst in allen Belangen überlegen. Nach vorne fand der FCN nicht statt und hinten ließ sich dann sogar Mathenia von der Unsicherheit seiner Vorderleute anstecken. Wie schon gegen den HSV ließ sich der Club-Keeper bei einem Freistoß verladen (25. Minute).

Zehn Minuten später klapperte es erneut. Paqarada kann völlig unbehindert flanken, In der Mitte schauen Mühl und Handwerker nur zu, wie der Namensvetter unseres Kapitäns hochsteigt und Mathenia erneut überwindet. Angesichts der Chancen und der unterirdischen Leistung war der Club mit diesem 2-Tore-Rückstand noch gut bedient.

Dass er kurz vor der Pause doch noch zurück ins Spiel fand, war Torwart Fraisl zu verdanken. Der bugsierte sich einen Kopfball von Sebsatian Kerk selbst ins Netz. Nur noch 1:2.

Danach bewies Trainer Canadi, dass er nichts von Denkmalschutz hält. Für die – zuletzt allerdings schwachen – Aufstiegshelden Behrens und Ishak brachte er Jäger und Knöll. Prompt spielte der Club zumindest auf Augenhöhe mit. Kurzfristig konnte er sich sogar in der Hälfte der Gastgeber festsetzen. In der 70. Minute bedankte sich Sörensen für einen Fehler in der SVS-Abwehr mit dem Ausgleich. Verdient war der zwar nicht. Aber, sowas ist uns ja egal. Warum soll ein Favorit nicht Dusel haben. Das kennen wir schließlich von den Bayern.

Wer jetzt aber dachte, da holen wir noch den Dreier, der kennt den Club 2019 schlecht. In der 89. Minute erzielte Türpitz den Siegtreffer. Völlig frei kam er am Strafraum zum Schuss. Überheblichkeit? Unvermögen? Man weiß es nicht.

Nach der Leistung in jenem Stadion, in dem wir vor gut einem Jahr den Aufstieg feiern konnten, bleibt eigentlich nur das Fazit: Eine Wiederholung wird es so nicht geben. In keinem Stadion der Welt. Und wer gegen Sandhausen verdientermaßen verliert, der muss sich sowieso eher Gedanken darüber machen, wie er die Klasse hält.

Ein Letztes:

Immerhin hat der Club dem DFB etwas voraus.

Er hat einen Bierpartner. Der DFB nicht.