Ein Punkt gegen den Abstieg

  • Fast hatten wir ihn schon vergessen: Virgil Misidjan. Inzwischen hat er nicht nur sein Verfahren wegen Körperverletzung, sondern auch seinen Kreuzbandriss überstanden und trainiert wieder. Der Club plant angeblich sogar eine Vertragsverlängerung mit dem schnellen und seinerzeit nicht ganz billigen Außenstürmer.
  • Mit Robin Hack hat der Club noch einen schnellen Außenstürmer, der – wenn er nicht wie heute gelb-gesperrt ist – regelmäßig spielt und dabei mitunter richtig Spaß macht. Ihn deswegen jedoch deswegen jedesmal mit dem Attribut Shootingstar (auch hier) zu versehen, ist jedoch in zweierlei Hinsicht ungeschickt: Zum gibt es da kaum noch Steigerungsmöglichkeiten, zum sieht es stark nach Wegloben aus

Das Spiel:

Der Beginn war vielversprechend. Bereits mit dem ersten Angriff brachte Nikola Dovedan (letzte Saison noch bei den Hausherren unter Vertrag) den Club in Führung. Der zuletzt oft gescholtene Hanno Behrens hatte aufgelegt. Mit der Führung im Rücken trumpfte der Club selbstbewusst auf. Bereits im Mittelfeld wurden die Angriffe der Heidenheimer abgefangen und diese durch hohes Pressing zu Fehlern gezwungen. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, wann der Club nachlegt. Aber damit war es nach einer guten Viertelstunde dann leider vorbei. Der Club schaltete in den Schongang und Heidenheim machte nun massiv Druck. Aber entweder war Mathenia zur Stelle oder Mavropanos, der einen Ball gerade noch von der Linie kratzen konnte. In der Nachspielzeit passierte es dann doch: Heidenheim erzielte den Ausgliech. Zunächst konnte Mathenia noch an den Pfosten abwehren, Den Abpraller bugsierten dann Kleindienst und Margreitter praktisch mit dem Pausenpfiff über die Linie.

Nach der Pause schien sich Geschichte zu wiederholen. Nach wenigen Sekunden kam Dovedan wieder zu einer Großchance. Diesmal verzog er allerdings. Kurz darauf vergab Heise. Nach gut einer Stunde machte er es aber besser, passte im Strafraum zu Behrens, der das 2:1 für den Club markiert.

Zehn Minuten später liegt der Ball erneut im Heidenheimer Tor. Margreitter hatte ihn nach Geis-Flanke per Kopf dorthin befördert. Allerdings stand der diesmal oft unglücklich agierende Michael Frey bei der Aktion im Abseits. Strittig, ob er dabei aktiv eingegriffen hat. Der Kölner Keller bejahte dies. So blieb es bei der knappen Führung.

Für die zuvor augenscheinlich verunsicherten Hausherren war das ein Weckruf. Erneut übernahmen sie das Zepter und schnürten den Club, bei dem langsam auch die Kräfte schwanden, mehr und mehr ein. Nach einer Ecke wurden die Bemühungen in der 83. Minute mit dem Ausgleich belohnt. Wieder war Kleindienst der Schütze.

Das Unentschieden war letztlich gerecht. Beim Club ist zwar ein Aufwärtstrend zu erkennen. Über weiter Strecken war er in Heidenheim sogar die bessere Mannschaft. Die Hausherren haben aber Stehaufmännchenqualitäten und da reicht die Verwaltung eines Ein-Tore-Vorsprungs halt nicht .

Ein Letztes:

Lebenshilfe für den Clubfan (für euch leider zu spät):

Nicht schön, aber erfolgreich

Die Woche:

  • Wer gewinnt, hat Recht. So setzte Clubtrainer Jens Keller nach dem Sieg gegen Sandhausen zur Medienschelte an. Angeblich missfiel ihm, wie nach dem HSV-Debakel die Leistung einiger Spieler beurteilt wurde. Wahrscheinlich aber war er auch sauer, weil darauf hingewiesen wurde, dass er sich halt etwas vercoacht hat. Egal! Obwohl wir uns nicht angesprochen fühlen müssen, geben wir gerne den Sündenbock (Scheißbock?), wenn´s dem Verein dient.
  • Apropos Trainer: Künftigen Entlassungen kann der Club stressfreier entgegen sehen. Das Phantom steht bereit. Marek Mintal hat alle Prüfungen bestanden und darf nun auch Profimannschaften trainieren.
  •  Kaum punktet der Club wieder, taucht Aufsichtsratschef Dr. (so viel Zeit muss sein) Thomas Grethlein wieder aus der Versenkung auf. In dem langen Interview sind es aber weniger die Infos, die bestechen, als vielmehr der salbungsvolle Tonfall und die verbindliche Wortwahl. Man könnte sich Dr. (so viel Zeit muss sein) Grethlein gut auch als Bundespräsidenten oder als Landesbischof vorstellen.
  • Beim Club muss vor allem gespart werden. Das fällt einem wieder ein, wenn die Fanradio-Reporter nicht mehr im Stadion sitzen, sondern nur die Sky-Bilder kommentieren.

Das Spiel:

Die neue, gegen Sandhausen erfolgreiche, Taktik bedeutet einerseits, dem Gegner den Ball überlassen und über schnelles Umschalten irgendwann ein Tor zu machen. Andererseits verlangt sie aber auch viel Geduld beim Zuschauer. Eine Stunde verbreiteten beide Mannschaften an der Bremer Brücke gähnende Langeweile. Die Osnabrücker demonstrierten, dass sie genauso wenig das Spiel machen können, wie der Club in seinen Krisenzeiten. So brannte dann trotz zwei Drittel Ballbesitz kaum etwas an in der erneut umgestellten Clubabwehr (Margreitter und Handwerker für die angeschlagenen Sörensen und Heise). Nach vorne ging beim Club allerdings auch wenig. Der für den gesperrten Frey spielende Adam Zrelak hing völlig in der Luft, Schleusener und Hack hatten kaum Ballkontakte.

Aber was soll´s? Auf die Tore kommt es an.. Dass das Tor ausgerechnet dem hauptsächlich durch diverse Stockfehler aufgefallenen Hanno Behrens gelang, ist da nur noch ein zusätzlicher Beleg.

Wie schon gegen Sandhausen kam die Flanke von links (Nürnberger) und statt Frey köpfte diesmal unser Kapitän mit dem Rücken zum Tor ins selbige.

Der Club führte.

Bei den Hausherren machte sich zunehmend Frust bemerkbar. Die besseren Chancen hatte der Club. Robin Hack hätte zwei Mal erhöhen können. Auch Behrens kam noch einmal zu einer Gelegenheit. Letztlich schaukelte der Club die knappe Führung aber nach Hause.

Früher hätten wir solche Spiele zwar interessanter gestaltet, aber wohl verloren. Insofern: Erstmal da unten raus, dann kann man vielleicht wieder an den Zuschauer denken.

Ein Letztes:

Als twitternder Clubfan wird man immer wieder auch mit Infos aus Nantes versorgt. Der dortige Fußballverein postet nämlich ebenfalls unter dem Hashtag #FCN. Dieser Tage war beim französischen Erstligisten ausnahmsweise mehr los als abei uns. Grund war das Topspiel gegen Paris St.Germain und das Diven-Gehabe der beiden gegnerischen Topstars. Mbappe schmollte nach einer Auswechslung und Neymar hatte sich nach einer pompösen Geburtstagsfeier wegen einer „Rippenverletzung“ krank gemeldet. Eine andere Welt!

Der Club lebt noch

  • Floskeln statt Fußball, das war beim Club zuletzt angesagt. Trainer Keller sah in Hamburg in der 2. Halbzeit sogar eine gute Leistung seiner Mannschaft. Dabei bestand die im Wesentlichen aus einer Einzelaktion, einem Sonntagsschuss von Tim Handwerker. Und wenn Trainer und Sportvorstand dann der Mannschaft doch „Mutlosigkeit“ vorwerfen, dann fragt man sich verwundert, wo die so plötzlich hergekommen ist, bislang hat die doch immer mutig dagegen gehalten. Oder etwa nicht?
  • Nichts unternommen hat Sportvorstand Robert Palikuca auf der Sechser-Position. Eigentlich wurden dort die größten Defizite ausgemacht und deswegen eine entsprechende Verstärkung in der Winterpause gefordert. Stattdessen lieh der FCN zwei auf englischen Ersatzbänken schmorende Verteidiger aus. Zwei Innenverteidiger seien genauso gut wie ein Sechser, behauptet Palikuca nun.
  • Johannes Geis spielte zuletzt für den 1. FC Köln. Deswegen war ihm die Begrifflichkeit wohl geläufig als er forderte, gegen Sandhausen müsse „der Scheißbock endlich umgestoßen werden“. Scheißbock nennen Düsseldorfer Fortuna-Fans gern mal das Maskottchen des 1.FC Köln. Sportvorstand Palikuca wiederum kommt aus Düsseldorf und dürfte sich bei dieser Wortwahl wohl zu Hause gefühlt haben.
  • Vielleicht war das ein Schritt in Richtung Geschwätzreduktion. Jedenfalls gab es vom Club erstmals keine Spieltags-Pressekonferenz im Netz. Könnten aber auch erste Auflösungserscheinungen im PR-Bereich sein.

Das Spiel:

Zum Siegen verdammt, unter solchen Voraussetzungen wird einem angesichts des dünnen Nervenkostüms unserer Spieler angst und bange. Aber zunächst war dazu kein Anlass. Das lag wohl auch an den beiden in der Winterpause verpflichteten Neuzugängen. Neben Konstantinos Mavropanos, der in Hamburg noch Spielpraxisdefizite offenbarte, lief auch Philipp Heise auf der linken Verteidigerposition auf. Dort bewies er, dass er noch nicht vom lähmenden Clubvirus infiziert ist, setzte sich häufug selbstbewusst durch, was bereits in der 13. Minute zum Erfolg führte. Eine Flanke von Heise verwertete Michael Frey akrobatisch per Kopf zur 1:0-Führung.

Wer jedoch dacht, jetzt sei der Knoten geplatzt und der Club würde locker aufspielen, sah sich getäuscht. Wieder ließ man sich hintenrein drücken, um so die Instabilität der Abwehr zu demonstrieren. Allerdings lieferte dort zumindest Mavropanos einen souveränen Auftritt ab. Trotzdem kamen die jetzt überlegenen Gäste mehrfach zu Ausgleichschancen. Die nutzen sie glücklicherweise nicht. Gleiches galt allerdings auch für die wenigen Konterchancen, die sich dem FCN eröffneten. So durften wir zur Pause immerhin das ungewohnte Gefühl einer Führung genießen.

In der zweiten Hälfte klappte dann endlich mal ein Konter. In der 52. Minute verlor Sandhausen den Ball in der Vorwärtsbewegung, Geis spielte ihn zu Hack, der dann noch einen Verteidiger aussteigen ließ und zum 2:0 einschob.

Beruhigend ist aber auch ein Zwei-Tore-Vorsprung nicht. Nicht beim Club! In Minute 63 wird Engels steil geschickt, Mathenia fährt das Bein aus und der Gegner fällt dankbar drüber. Elfmeter! Der war schwach geschossen. Mathenia konnte halten. Mavropanos verhinderte zudem gedankenschnell den Nachschuss.

Als dann wenig später beim SVS Marlon Frey eingewechselt wurde, witzelten manche schon über kommentatorenunfreundliche Mannschaftsaufstellungen, schließlich waren schon zwei Behrense (Hanno beim Club, Kevin beim Gast) auf dem Platz. Der Nürnberger 1:0-Torschütze verabschiedet sich dann jedoch prompt mit einem überharten Einsteigen und der folgenden zweiten gelben Karte vom Feld. Jetzt mussten zehzn Nürnberger den Vorsprung verteidigen. Das gelang überraschend gut, wobei allerdings auch Sandhausen mit teilweise kläglicher Chancenverwertung mitspielte.

Insofern: Wichtige drei Punkte, aber zu Entwarnung oder zu Wendegefasel besteht kein Anlass.

Ein Letztes:

Da geht er hin, der Optimismus!

  • Aus gegebenem Anlass noch ein Nachtrag zum Testspiel gegen die Bayern: Das wurde bekanntlich von „Magenta Sport“ kostenlos übertragen. Jenem Sender, der die Rechte für die 3. Liga besitzt und sich da wohl rechtzeitig bei den Fans eines potenziellen Neuzugangs vorstellen wollte.
  • Für die Abwehr gab es in der Winterpause eine weitere Verstärkung. Bis zum Saisonende kommt der 194 Zentimeter große Grieche Konstantinos Mavropanos nach Nürnberg. Beim FC Arsenal sieht man ihn eher als Perspektivspieler. Hier wie schon beim zweiten Winterneuzugang Philipp Heise konnte der Club auf die guten England-Kontakte seines Scouts Kevin Cruickshank zurückgreifen.
  • Er war vom gegenwärtigen Kader am längsten beim Club, jetzt hat dieser Ondrej Petrak abgegeben; als Leihspieler zum Abstiegskonkurrenten Dynamo Dresden. Ablöse gibt es nur, wenn Petrak einschlägt, sprich Dresden drin bleibt und jemand anderes runtergeht, hoffentlich nicht Petraks dann höchstens kurzfristig ein bisschen reicherer Ex-Verein.
  • Erinnert sich noch jemand an Fuchs-Mühl? Damals dachten wir, Michael Köllner kann zaubern und seinen Heimatort Tore schießen lassen. Vergangene Zeiten! Köllner ist weg, Lukas Mühl spielt durchwachsen und Alexander Fuchs künftig für Unterhaching.
  • Kaderverkleinerung Nr. 3: Auch Lukas Jäger, bei Canadi noch Stammspieler, verlässt den Club. Er kickt ab sofort für Sturm Graz.
  • Selbst in seiner Heimatstadt wandelt der FCN gegenwärtig zwischen Langeweile und Desinteresse. Da da geht es in einer Veranstaltung in Nürnberg dann doch lieber um die, was den Absturz angeht, zugkräftigeren Sechziger. Und wenn die Nürnberger Zeitungen am 8. März eine Leserfahrt zum „Bayerischen Derby“ anbieten, dann geht´s nichtzum Club, sondern zu Bayern gegen den FC Augsburg. Richtiges Drama, richtiger Fußball, dasind wir zurzeit nicht dabei.
  • Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich der FCN im Hinspiel gegen den HSV )0:4). Auch danach nicht mit der eher lächerlichen Klage wegen der Spielberechtigung eines HSV-Akteurs. Inzwischen wird über die Sache – sicher auch im Sinne des Hamburger Spielers – nicht mehr geredet. Da machte ausgerechnet der HSV-Sportvorstand Jonas Boldt das Faß ohne Not wieder auf und tönte, sein Verein habe gegen den Club „noch eine Rechnung offen“. Da sind dann leider manche Fans seriöser und vernünftiger als ihre Vostände.
  • Rettung aus Argentinien naht erst einmal nicht. Javier Pinola verlängerte seinen Vertrag bei River Plate um ein Jahr.

Das Spiel:

In Hamburg hatte Trainer Keller ein paar Überraschungen in der Aufstellung parat. Dass im Tor wieder die Nummer 1 Christian Mathenia stehen würde war noch zu erwarten. In der Innenverteidigung lief Neuzugang Mavropanos auf. Lukas Mühl sollte auf rechts verteidigen. Erstmals von Beginn dabei war Gnezda Cerin.

Wenn da ein Plan dahinter steckte, dann ging der schief. Bezeichnenderweise wurde Ceri9n noch in der ersten Halbzeit wieder ausgewechselt. Lediglich in den ersten Minuten konnte der FCN den Eindruck erwecken, dass die „Aufbruchstimmung“ nicht nur eine der mittlerweile üblichen Durchhaltefloskeln ist. Leider wissen aber die Gegner, wie man den Club immer noch knacken kann. Unter Druck begann die Abwehr (wo ist eigentlich die Verstärkung im defensiven Mittelfeld?) wie gewohnt zu schwimmen und so war es dann wenig verwunderlich, dass der HSV in der 18. Minute durch Jatta in Führung ging. Wie üblich machte sich dann wieder der Frust unter den Cluberern breit. Selbst einfachste Pässe landeten beim Gegner. Geordneter Spielaufbau: Fehlanzeige! Dann war es ausgerechnet Mavropanos, der ungeschickt im Strafraum zum Ball ging. Elfmeter! Bereits nach 29 Minuten führten die Hausherren mit 2:0 und beförderten den Club unsanft auf den Boden der Tatsachen. Der konnte froh sein, zur Halbzeit nicht höher zurückzuliegen.

Aus dem nichts kam der Club zunächst doch noch ins Spiel. Ex-FCN-Spieler Tim Leibold hatte wohl ein Einsehen und bediente Tim Handwerker, der zog in der 51. Minute aus 20 Metern ab und erzielte den Anschlusstreffer. Plötzlich hatte unsere Mannschaft Oberwasser und die Hamburger wirkten verunsichert. Leider dauerte das nur ein paar Minuten an. Dann bekam Margreitter den Ball an die Hand und Schiedsrichter Markus Schmidt entschied erneut auf Elfmeter. 3:1!

Jetzt hingen wieder die Schultern. Das Ding schien durch. In der 82. Minute erhöhte Jung noch auf 4:1.

Mittlerweile steht der FCN sogar auf einem direkten Abstiegsplatz. Bereits am Sonntag geht es weiter gegen Sandhausen. Hoffnung macht weder das Spiel in Hamburg, noch das, was die sportlich Verantwortlichen in der Winterpause zusammengezimmert haben.

Ein Letztes:

Fußball ist bekanntlich nur eine Nebensache. Doch auch um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. kümmert sich der FCN. Zum Beispiel um das Abnehmen. Für weibliche Clubfans wird dazu ein neuer Kurs angeboten. Voraussetzung: Clubmitgliedschaft und ein Bauchumfang von mindestens 88 Zentimetern.

Club schlägt die Bayern

  • Dort, wo die Bayern unterwegs sind, tummeln sich auch die Werbetreibenden. Einen kleinen Eindruck bekommen wir in der Diaspora Lebenden aktuell gerade. Da mottet Magenta Sport Alt-Moderator Fritz von Thurn und Taxis für das Freundschaftsspiel des FCN in Nürnberg aus und bekommt prompt allerorten kostenlose Werbung.
  • Er war fast schon beim FC Barcelona. Doch Uli Hoeneß wollte das Talent nicht ziehen lassen. Dann versuchte sich der FCB-Nachwuchsspieler relativ erfolglos beim Club. Jetzt ist Timothy Tillman bei den Greuthern gelandet. Anders als für uns Fans liegt für die Akteure im bezahlten Fußball Fürth eben nahe bei Nürnberg.
  • Der ehemalige Bild-Reporter Daniel Westgate ist nicht mehr Pressesprecher beim FCN. Man wolle mehr und transparenter mit den Fans kommunizieren, ließ der kaufmännische Vorstand Niels Rossow verlauten. Für Westgate wird jetzt im Verein eine andere Verwendung gesucht, seinen als „Leiter Sportkommunikation“ aufgewerteten Posten übernimmt der 42-jährige Christian Bönig. Zumindest in der Pressestelle ist jedenfalls nichts von einer „Verkleinerung des Kaders“ zu bemerken.
  • Wir Fans fragen uns schon länger, warum beim Club die Leistungskurve vieler Spieler nach unten zeigt. Bei der Ursachenforschung ist mancher bei Instagram fündig geworden. Da hat sich erst eine Spielerfrau beklagt, dass selbst ihr Hund nicht wieder nach Nürnberg will. Am 6. Januar postete dann Mikael Ishak einen Hilferuf, er sitze ohne Klopapier daheim und könne auch keines kaufen, weil alle Läden geschlossen hätten. Vielleicht ist die Stadt schuld; und das bayerische Ladenschlussgesetz.
  • Reizvoller als in Norwich auf der Bank zu sitzen, scheint Nürnberg aber allemal zu sein. Zumal, wenn der Aufenthalt zeitlich befristet ist. Linksverteidiger Philipp Heise, an dem der Club schon länger dran ist, kommt zumindest auf Leihbasis bis zum Saisonende. In den nächsten Tagen will Sportvorstand Palikuca noch eine weitere Abwehrverstärkung präsentieren.

Das Spiel:

Mit „Das Spiel“ haben wir die Begegnung gegen die Bayern wahrscheinlich höher gehängt als alle Beteiligten. Club-Trainer Jens Keller hatte schon vorab beklagt, das Testspiel komme zur Unzeit, weil die Mannschaft müde und platt sei. Das dürfte den Kaufleuten beim FCN nicht allzusehr gefallen haben, zumal der Kartenverkauf ohnehin nicht den Erwartungen entsprach. Andererseits schien genau das Druck von der Mannschaft zu nehmen. Die zeigte, dass sie durchaus mit den Bayern mithalten kann, dass sie sich offenbar sogar leichter tut mit einem Gegner, der selbst das Spiel machen und immer Ballbesitz haben will.

So ging der Club in der 22. Minute sogar durch Frey in Führung (Assist: Behrens) und hatte weitere Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Allerdings sah man zwölf Minuten später, dass die Münchner, wenn sie sich gezwungen sehen, immer noch einen Gang hochschalten können und dann gegen eine nicht gerade sattelfeste Abwehr auch zum Erfolg kommen. Diesmal war es Davies, der den Ausgleich machte.

In der Pause wurde komplett durchgewechselt. Lediglich Clubkeeper Dornebusch blieb mangels Alternativen im Spiel. Bei den Bayern standen praktisch nur noch Jugend- und Drittliga-Spieler auf dem Platz. Beim Club wirkte sich die zuletzt beklagte Größe des Kaders hingegen positiv aus. Wohl auch, dass einige ein bisschen Werbung für sich machen wollten. So war es dann der wechselwillige Mikael Ishak der bereits nach wenigen Sekunden den Club erneut in Führung brachte. Beim 3:1 legte Ishak für seinen ebenfalls aufs Abstellgleis geratenen Sturmkollegen Adam Zrelak auf. Das 4:1 hatte Torschütze Schleusener ebenfalls einer Vorlage von Ishak zu verdanken. Danach hatte der Club immer noch nicht genug: Hack erhöhte sogar auf 5:1. Die Bayern konnten hingegen zunächst einen Elfmeter nicht verwerten (Dornebusch hielt) und danach lediglich noch ein bisschen Ergebniskosmetik betreiben.

5:2 gegen die Bayern: Das hört sich super an. Allerdings waren die Voraussetzungen im Nachhinein eher als Aufbauhilfe zu verstehen. Und die älteren unter den Clubfans wissen, FCB-Aufbauhilfe muss nicht immer zum Erfolg führen (Hoeneß!).

Positiv mitnehmen kann der Club immerhin, dass man gegen nicht ganz so motivierte Bayernstars mithalten und dass man gegen Drittliga-Bayern sogar gewinnen kann. Vielleicht passt der Kader also doch, bloß die Liga nicht.

Ein Letztes:

Die SPD des Fußballs

Man könnte im Rückblick auf 2019 fast witzeln, dass der 1.FC Nürnberg seine Trainer  genauso rasch wechselt wie die SPD ihre Vorsitzenden. 2019 benötigten die Genossen sechs Chefs und der Club vier Übungsleiter. Ein Vergleich, der auch deswegen passt, weil weder der Traditionsverein noch die stolze Partei 2019 aus ihrem Dauertief herausgekommen sind.


Allerdings bewies der Club mehr Geduld mit Michael Köllner als die SPD mit Andrea Nahles. Denn er durfte 21 Spieltage bleiben, obwohl dem 1.FC Nürnberg in der Hinserie 2018/19 nur zwei Siege glückten und er als Tabellenletzter überwinterte. Und 2019 ging so weiter, wie 2018 aufgehört hatte – mit Enttäuschungen und Pleiten. Nach zwei Niederlagen und einem Remis schied der Club im Pokal bei Zweitligist Hamburger SV aus und leistete sich anschließend eine 0:2-Niederlage im Kellerduell beim späteren Mitabsteiger Hannover 96.   Erst dann war Schluss für Köllner, mit ihm ging Sportchef Andreas Bornemann, der sein Schicksal mit dem des Trainers verknüpft hatte.


Köllners Assistent Boris Schommers übernahm für die verbleibenden 13 Spiele und startete mit einem 0:0 gegen Borussia Dortmund sehr solide. Letztlich aber war der Kader zu schwach für die Bundesliga. Unter Schommers verlor der Club zunächst zwar knapper als unter Köllner, aber er verlor. So baute der FCN seine Sieglos-Serie auf 20 Bundesligapartien aus, bis am 27. Spieltag mit einem 3:0 gegen den FC Augsburg endlich der dritte Saisonsieg gelang. Es sollte der letzte bleiben. Immerhin trotzte man den Münchner Bayern noch ein 1:1 ab, was aber deren siebten Meistertitel in Folge auch nicht verhindern konnte.  Die Saison endete mit zwei Packungen – nach dem 0:4 gegen Mönchengladbach war der Abstieg auch rechnerisch besiegelt, und zum Saisonabschluss leistete sich der Club ein 1:5 in Freiburg.

Platz 18 mit nur 19 Punkten und drei Siegen – selbst in der Horrorsaison 1983/84 hatte der FCN  viermal gewonnen. Damals war der Altmeister aber angesichts prominenter Neuzugänge wie Manfred Burgsmüller mit großen Erwartungen in die Saison gestartet, diesmal kam der Abstieg indes wenig überraschend.

Im Sommer kamen viele neue Gesichter an den Valznerweiher – darunter auch  Coach Damir Canadi. Der durfte aber auch nur zwölf  Spieltage bleiben. In den ersten vier Partien gelangen noch zwei 1:0-Siege in Dresden und gegen Osnabrück, doch in den folgenden acht Spielen holte der Club nur noch einen „Dreier“, und zwar beim 4:0 in Hannover. Nach dem 1:3 in Bochum musste Canadi im November gehen. Vereinsikone Marek Mintal übernahm für ein Spiel und musste eine 1:5-Klatsche gegen Bielefeld erleben. Cheftainer Nummer vier, Jens Keller, konnte  auch erst im fünften Spiel dreifach punkten, aber mit dem 2:0 gegen Dresden hat man wenigstens einen versöhnlichen Jahresabschluss geschafft und zugleich einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf auf Distanz gehalten.


Denn eben dort, im Abstiegskampf der Zweiten Bundesliga, befindet sich der Club nach 18 Spieltagen. Mit 19 Punkten (immerhin so viele wie in der gesamten Vorsaison) belegen die Nürnberger Rang 16 und müssten nach derzeitigem Stand gegen den Dritten aus der Dritten Liga Relegationsspiele um den Klassenerhalt bestreiten. In eben dieser  Dritten Liga haben die Ex-Trainer Köllner und Schommers übrigens die Traditionsklubs 1860 München und Kaiserslautern zuletzt auf Kurs gebracht.


Beim Club muss Bornemann-Nachfolger Robert Palikuća in der Winterpause wohl vor allem die Abwehr verstärken, wenn man den Tabellenkeller verlassen will. Mit dem Toreschießen klappt es ganz gut, aber die Defensive zeigte sich  chronisch instabil – so verspielte der Altmeister zum Beispiel 2:0-Führungen gegen Heidenheim sowie Kiel (jeweils 2:2) und kassierte bereits 34 Gegentore, nur Wiesbaden (35) und Karlsruhe (36) sind noch anfälliger.


Schafft der 1.FC Nürnberg die Wende? Nach dem katastrophalen Jahr 2019 kann es eigentlich nur besser werden. Aber das dachte die SPD auch oft, etwa nach der Bundestagswahl 2009. Doch später kam es dann noch schlimmer – und auch der Austausch von Vorsitzenden half auf Dauer nicht…

Seltene Glücksgefühle

Die Woche:

  • Club-Kapitän Hanno Behrens wurde inzwischen nicht mehr bloß von den „ewigen Netz-Nörglern“, sondern auch von der „seriösen Presse“ zum „Gesicht der Krise“ erklärt. Als „Gesicht des Aufstiegs“ galt er eigentlich als sakrosankt. Und deswegen wurde die Kritik an ihm auch nur refereiert und gleich wieder widerlegt (andere haben noch schlechtere Zweikampfquoten u.ä.). Immerhin kaum widerlegbar ist, dass Hanno Behrens zuletzt nie an frühere Leistungen anknüpfen konnte, wahrscheinlich auch deswegen, weil er mit der Rolle als Kapitän überfordert ist. Das dürfte aber möglicherweise daran liegen, dass an diese Rolle inzwischen andere Ansprüche geknüpft werden. Bezeichnend wie ihn Palikuca nach der Niederlage in Bochum vor den versammelten TV-Kameras zur Seite genommen hatte, um ganz offensichtlich mit ihm die Entlassung Canadis zu besprechen. Da wurde der brave Hanno in eine Art Brutus-Rolle gedrängt. Schon mit der Verpflichtung von Palikuca und Canadi hatte der FCN jedoch den von Behrens präferierten Weg des netten, freundlichen Umgangs miteinander verlassen. Die – manchmal vielleicht wirklich nicht leistungsfördernde – Harmonie in der Mannschaft war einigen wohl ein Dorn im Auge. Insofern ist Hanno schlicht der Falsche für die ihm zugedachte Rolle. Den Vorwurf der Undankbarkeit sollte man also, wenn schon, an die richtige Stelle adressieren.
  • Apropos Dankbarkeit. Ein anderer Aufstiegsheld sollte in der Winterpause an den FC Paderborn abgegeben werden: Mikael Ishak. Der hat dem Tabellenletzten der 1. Liga mittlerweile aber abgesagt. Beim Club aufgestellt wird er derzeit dennoch nicht. Keller vermutet, er sei aufgrund seiner Wechselbemühungen nicht voll bei der Sache.
  • „Das Ende ist nah“ lautete die NN-Überschrift vor dem Keller-Duell gegen Dynamo Dresden. Man kann das vielfältig interpretieren. Bestenfalls, dass ein für den „Ruhmreichen“ wenig ruhmreiches Jahr sein Ende findet. So bestünde wenigstens die Hoffnung, es könnte nächstes Jahr wieder besser werden. In diesem Sinne: frohe Weihnachten! Genießt die spielfreie Zeit! Wir haben es uns verdient.

Das Spiel:

Nürnberg gegen Dresden, das ging nicht bloß zum Hinrundenauftakt zu unseren Gunsten aus. Auch bei der Bewerbung um den Kulturhauptstadttitel hieß es letzte Woche: Vorteil Nürnberg. Dresden gehörte dagegen zu den drei Oststädten, die aussortiert wurden.

Auch sonst verbreiteten die Sachsen nicht unbedingt Angst und Schrecken. Vier Stammspieler mussten beim Kellerduell ersetzt werden. Dazu lief Torwart Broll in einem Behelfstrikot mit abgeklebter Rückennummer auf (Schuld daran war allerdings Schiedsrichter Jöllenbeck, der Bedenken hatte, das mitgebrachte grüne Hemd könnte bei Nässe nachgrauen und dann nicht mehr von den grauen Nürnberger Trikots unterscheidbar sein).

Demgegenüber hatte sich Clubstürmer Michael Frey die langen Haare abrasiert. Offenbar sollte ihm die Glatze im Strafraum mehr Respekt verleihen.

Ihr merkt schon: Auf dem Platz passierte erst einmal nicht viel Berichtenswertes. Der Club hatte zwar ein Übergewicht und mehr Ballbesitz. Allerdings ohne daraus irgendwelches Kapital schlagen zu können. Dem Spiel war deutlich anzumerken, dass da zwei der augenblicklich schwächsten Mannschaften der 2. Liga aufeinander trafen.

Trotzdem ging der Club in der 33. Minute in Führung. Der zuletzt arg kritisierte Kapitän Hanno Behrens hatte in den Strafraum geflankt. Dovedan, für den diese bestimmt war, rutschte zusammen mit seinem Gegenspieler weg. Dahinter stand Robin Hack völlig frei, erwischte den Ball aber nicht richtig. Der trudelte dann aber neben dem linken Pfosten ins Tor.

Mit der knappen Führung ging es in die Pause.

Aber was heißt das schon? Schließlich pflegte der Club in der Schlussphase regelmäßig die Punkte zu verspielen. Da half es dem durch solche Erfahrungen pessimistisch gewordenen FCN-Fan auch nicht, dass in der 53. Minute erneut Hack – wieder auf Vorlage von Behrens – auf 2:0 erhöhte.

Allerdings brannte diesmal hinten nichts mehr an. Das lag zum einen daran, dass die Dresdner nach vorne nicht viel zustande brachten, Zum anderen aber auch daran, dass mit Georg Margreitter (für ihn musste Mühl draußen bleiben) mehr Stabilität in die Clubabwehr einkehrte.

So brachte der Club dias 2:0 unfallfrei über die Zeit und kann ein bisschen hoffnungsvoller in die Winterpause gehen. Allerdings wurde uns der Sieg diesmal auch ziemlich leicht gemacht. Anlass, von einer Trendwende zu sprechen, betsht also noch nicht.

Ein Letztes:

Nicht dumm, die Eistiger. Denn wer den Club nicht mehr packt, der wechselt nicht den Verein, der wechselt gleich die Sportart.

Langsam fehlen die Worte

Die Woche:

  • Ein bisschen verwundert hörten wir, was Spieler und Trainer nach dem Auftritt in Stuttgart von sich gaben. Demnach war es offensichtlich eher Pech, dass das Spiel verloren wurde. Ist das schleichender Realitätsverlust oder soll auf die Zartbesaitung der Spieler Rücksicht genommen werden? Wenn letzteres stimmt, fragt man sich allerdings wie das zum brandredenden Palikuca passt. Kein Wunder, dass auch wir Fans manchmal schwankend sind, ob wir pfeifen oder Aufbauarbeit leisten sollen.
  • Ein Aussage nach dem Stuttgart-Spiel gab dann aber doch zu denken. Michael Frey erklärte, der Mannschaft habe am Ende die Kraft gefehlt. Kurz danach kamen übrigens Rufe nach Felix Magath und seinen Medizinbällen.
  • Geschichte scheint sich manchmal zu wiederholen. Vom Ingolstadt-Itermezzo unseres derzeitigen Trainers reden wir dabei (noch!) nicht. Vielmehr sind nach einer Club-Niederlage erneut Zweifel an der Identität eines Gegenspielers aufgetaucht. Diesmal geht es um den Schützen zum 1:1, mit dessen Einwechslung übrigens die Wende zugunsten des VfB kam. Wobei auch wir nicht genau wussten, heißt der nun Silas oder Wamangituka. Inzwischen kursiert auch der Name Mvumpa Katompa. Wie schon bei Bakery Jatta vom HSV soll der Spieler zudem ein Jahr älter sein. Der Club zeigte sich immerhin lernfähig und legte dieses Mal keinen Protest ein.
  • Der Begriff Trendwende trendet derzeit am Valznerweiher. Gerade so, als sei es nur eine Art Modererscheinung, dass der Club auch in der zweiten Liga nicht zurecht kommt.
  • Vergangene Woche hatten wir hier gefragt, wo sich denn der Aufsichtsrat versteckt. Prompt ist dessen Chef Thomas Grethlein aus der Versenkung aufgetaucht. Allerdings hat er sich nicht dazu gesäußert, wie der Club aus der Krise kommen will. Auch das eigene Vorgehen und dessen Auswirkungen auf die aktuelle Krise (Zweijahresplan) hat er nicht hinterfragt. Nein, er hat seiner Freude darüber Ausdruck verliehen, dass Nürnberg nicht zu den drei Absteigern im Rennen um den Kulturhauptstadttitel gehört. Ist wohl auch nur einer dieser Erfolgsfans, der Herr Grethlein.

Das Spiel:

Dass das kein schönes Spiel werden würde, war zu erwarten. Gegen Holstein Kiel konnte Jens Keller zwar wieder aus dem Vollen schöpfen und beispielsweise Robin Hack aufs Feld schicken. Der sollte offenbar die Konter fahren. Ansonsten überließ der Club, der bekanntlich nicht damit zurecht kommt, selber das Kommando zu übernehmen, den Gästen weitgehend das Spielgerät. Auch was Ecken, Passquote und Zweikämpfe anging, waren die Kieler im Vorteil. Echte Torchancen entwickelten sich allerdings hier wie da nicht.

Kampf und Krampf dominierten die Anfangsphase. Bis zur 37. Minute. Da bekam der Club nach einem Foul an Dovedan aus aussichtsreicher Position einen Freistoß. Den verwandelte dann ausgerechnet ein Verteidiger: Asger Sörensen hämmerte den Ball unhaltbar ins linke Eck.

Euphorie kam allerdings nur kurz auf. Keine zwei Minuten später fiel Özcan in Strafraum. Behrens, der zuvor schon durch etliche unglückliche Aktionen aufgefallen war, rutschte auf dem nassen Boden aus und zog den Kieler mit zu Boden. Eigentlich zu wenig für einen Elfmeter. Aber egal: Felix Dornebusch, die Nürnberger Nummer 5, hielt nämlich den vom „Gefoulten“ selbst geschossenen Strafstoß. So rettet der Club das 1:0 in die Pause. Wie schon in Stuttgart.

Zunächst lief es jedoch anders. In der 67. Minute war es Hack, der den Club mit 2:0 in Führung brachte. Da schien alles für den Club zu laufen. Da dachte man wieder mal: Jetzt ist sie da, die Wende, jetzt setzt sich die angebliche Qualität des Kaders durch. Allerdings war zunächst der aus der Vereinslosigkeit verpflichtete Clubkeeper Dornebusch mehrfach gefragt, um die Null zu halten. Die KStorche aus Kiel schlugen dann allerdings in der 77. Minute doch zu. Serra macht den Anschlusstreffer und schon begann erneut das Zittern. Der Club stand nur noch mit Mann und Maus hinten drin, um den lange ersehnten Sieg nach Hause zu fahren. Aber der Club, – vor allem der Club 2019 – wäre nicht der Club, wenn so etwas klappen würde. Mit der letzten Aktion erzielte Thesker noch den Ausgleich. Die Krise geht weiter. Nächstes Wochenende gibt´s Kellergipfel gegen Dresden. Es schwant einem nichts Gutes.

Ein Letztes:

Der Kader ist doch nicht so schlecht, wie viele behaupten:

Planloses Stückwerk

Die Woche:

  • Guten Fußball hat das Noch-Max-Morlock-Stadion schon länger nicht gesehen. Da ist es dann eine nette Geste vom DFB, im März dort das EM-Vorbereitungsspiel gegen Italien auszurichten. So ganz uneigennützig dürfte dies jedoch nicht sein. Bei solchen Testspielen melden sich mittlerweile nicht bloß jene Spieler, die es sich leisten konnten, wegen irgendwelcher Zipperlein krank, auch die Ränge sind meist spärlich gefüllt. Tickets sind offenbar wohl nur dort verkäuflich, wo die Not groß ist. Also in Nürnberg.
  • Irgendwie muss man den Fan ja von früh verfehlten Saisonzielen ablenken. Auf der FCN-Homepage soll dazu ein Adventskalender beitragen, der bis zu Weihnachten „attraktive“ Angebote und Preise alljenen verspricht, die die FCN-Quizfragen richtig beantworten. Blöd nur, wenn man dabei gar nicht gewinnen kann. Bei der Frage nach dem Siegtorschützen beim Pokalfinale 2007 wurde die richtige Antwort (Jan Kristiansen) gar nicht angeboten (siehe unten!). Es standen nur Banovic, Saenko, Mnari und Polak zur Wahl. Wahrscheinlich auch wieder so eine trickreiche Sparmaßnahme. Dass die FCN-Marketingabteilung das nicht weiß und nicht mal ergoogeln kann, können wir uns nämlich echt nicht vorstellen.
  • Daneben gegangen ist ein Versuch, die hiesige Jugend für den Club zu begeistern. Da lud der Club Erstklässler aus der Region ins Stadion ein, damit sie mal live die Begeisterung und Stimmung dort erleben können. Das war bei der 1:5-Klatsche gegen Bielefeld. Nachwuchswerbung war das eher nicht. Also wiederholte man die Einladung. Diesmal ging es schließlich gegen den Tabellenletzten aus Wiesbaden. Leider war die Werbewirkung da ebenfalls gering. Immerhin schön, dass wenigstens Herr Rossow noch optimistisch ist. Wobei, so ganz stimmt das auch nicht.
  • Woran liegt es, dass unsere Mannschaft auch in der 2. Liga so abkackt? Der Trainer allein kann es nicht gewesen sein. Der Sportdirektor wird von manchen inzwischen auch exkulpiert. Dann dürfte es vielleicht an der Mannschaft liegen, die eigentlich keine ist. Deren Kapitän hat offenbar schon Canadi einen Teil des Problems gesehen. Als er Hanno Behrens aber auf die Bank setzte, hatte er sofort die Mehrzahl der Fans gegen sich. Die Mannschaft wiederum scheint wenig darauf zu geben, was „unser Hannoooo“ so von sich gibt. Der hatte Journalisten gegenüber jegliche Stellungnahme verweigert, weil man sich jetzt auf den Abstiegskampf konzentrieren müsse. Prompt sprangen alle möglichen Mannschaftskameraden vor die Mikros und füllten die Lücke. Georg Margreitter brachte dabei gleich einen neuen Schuldigen in die Debatte: die „Traditionsfans“. Selbst wenn da was Wahres dran sein könnte (siehe Behrens und früher Bader), die Pfiffe von den Rängen kamen doch erst, nachdem die Mannschaft von Woche zu Woche trotz 1a-Support einen schlimmeren Stiefel zusammenkickte. Ach so, bevor jetzt noch jemand daher kommt und das Stadion für die Misere verantwortlich macht, fragen wir mal: Wo versteckt sich eigentlich der Aufsichtsrat gerade?

Das Spiel:

Auf dem Platz ist natürlich manches anders. Zumal wenn es gegen einen Gegner geht, der selbst Probleme hat – wenn auch auf anderem Niveau. Ein bisschen war die Konstellation so wie beim letzten Sieg in Hannover. Da ging es auch gegen einen angeblich erstklassig besetzten Bundesligaabsteiger, der nicht so recht in der 2. Liga angekommen ist und der vor heimischen Publikum das Spiel machen muss.

Das praktizierten die Stuttgarter auch und kamen in der ersten Hälfte auf mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Der Club wiederum, der zwar mit Frey, Lohkemper und Schleusener drei gelernte Stürmer aufgeboten hatte, versuchte vor allem hinten Beton anzurühren.

Nach vorne lief für den FCN nicht viel. Das lag auch daran, dass kaum ein Pass den eigenen Mann erreichte. Bis auf ein Mal. Das war in der 10. Minute. Da konnte Geis einen Klärungsversuch der Stuttgarter abfangen, zum frei stehenden Frey köpfeln, der den Ball dann volley in den rechten Winkel hämmerte. Das sah dann schon sehr nach Befreiungsschlag aus.

Allerdings ließ der Club gleich wieder den VfB kommen, der nun verbissener aufs Tor drängte. Zwei Mal zappelte der Ball auch im Clubnetz. Beim vermeintlichen 1:1 hatte der Kölner Keller ein Foulspiel von Gomez an Behrens signalisiert. Schiedsrichter Schröder gab den Treffer ebenso nicht, wie sechs Minuten später einen weiteren VfB-Treffer. Da stand Torschütze Mario Gomez hauchdünn im Abseits. So rettete der Club mit viel Glück die Führung in die Pause.

Aber 90 Minuten nur Glück, das haut eben nicht hin. Ein bisschen Können und Spielkultur sollte sich schon noch hinzugesellen. Zunächst kam dem Club, der weiterhin nicht viel zustande brachte, zugute, dass Stuttgart sichtlich das Selbstvertrauen fehlte. So musste erst der Videobeweis helfen. In der 58. Minute erkannte der ein Handspiel von Schleusener. Den Elfmeter versenkte Silas. Eine Minute später klapperte es erneut im Clubkasten, Diesmal war Gomez erfolgreich. Der VAR war diesmal erneut auf Stuttgarter Seite. Zuvor hatte Endo Geis mit einem Kopfstoß außer Gefecht gesetzt. In Köln sah man das nicht als ahndungswürdig an. Wahrscheinlich wollte man auch mal den Stuttgartern was zukommen lassen,

Nichtsdestotrotz war das erschreckend schwach, was die Mannschaft ablieferte. Viel zu viele Fehler im Spielaufbau, kaum Struktur, keine Aggressivität, kein Zug zum Tor… Vorne gab Frey den Alleinunterhalter. Er hatte offenbar schon längst aufgegeben, irgendetwas Verwertbares von seinen Mannschaftskollegen serviert zu bekommen und rannte regelmäßig Torwart Bredlow an, wohl in der Hoffnung, wie in Kaiserslautern nochmal einen Glückstreffer zu landen.

In der 72. Minute machte Förster schließlich noch das 3:1. Da hatte sich der Club dann endgültig aufgegeben. Irgendjemanden, der das Ruder herumreißt und die Ärmel hochkrempelt, sucht man in dieser Mannschaft leider vergeblich. Wobei sich langsam auch die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht nur an der Mentalität hapert, sondern wohl auch an der fußballerischen Qualität.

Völlig verpufft ist jedenfalls der Trainerwechsel (die Auswechslungen von Keller waren diesmal übrigens auch schwer nachzuvollziehen). Genauso verpufft ist offenbar auch Palikucas Brandrede. Der darf in der Winterpause drei neue Spieler kaufen. Hoffentlich hören die besser zu.

Ansonsten bekommt das mit dem Zweijahresplan nämlich eine ganz andere Ausrichtung. Dann muss das Ziel „Wiederaufstieg in die zweite Liga“ lauten.

Ein Letztes:

Was ist der FCN? Rufen Sie an und nennen Sie das Lösungswort „Spitzenclub“!

Völlig von der Rolle

Die Woche:

  • Von einem seiner früheren Trainer wurde Lukas Mühl nicht nur „Bescheidenheit“ attestiert. Er wurde auch als „lernwillig und lernfähig“ bezeichnet. Offenbar hat er gelernt, dass einen Bescheidenheit im Profigeschäft nicht weiterbringt. Das war schon Anfang der Saison so, als er einen Stammplatz einforderte. Jetzt hat er gegen Ex-Trainer Damir Canadi nachgetreten. Wenn es bei der Suche nach Fehlern hilft, soll es uns recht sein. Trotzdem darf man die auch mal bei sich selbst suchen.
  • Immerhin ist Mühl ein sogenanntes Club-Eigengewächs. Solche identifizieren sich mitunter eher mit dem Verein und sollten deswegen möglichst gehalten werden. Das trifft eigentlich auch auf Patrick Erras zu. Dennoch steht er nach zuletzt eher dürftigen Leistungen vor einem Wechsel. Vielleicht hat er aber ebenfalls nur unter Canadis Vorgaben gelitten, und man sollte das nochmal überdenken.
  • Für die einen ist es nur ein T-Shirt mit Sternchen drauf, für die anderen „Ausdruck unserer Liebe zur Stadt“, ein an das „Gewand des Christkinds angelehntes Jersey“, verziert mit einem „dezenten, floralen Stoffmuster“… Zumindest marketingmäßig scheint der FCN in der ersten Liga mitzuspielen. Das schlägt sich dann auch im Preis für das Sondertrikot nieder: 89,95 Euro.
  • Club-Offensivspieler Virgil Misidjan muss nicht in den Knast. Zunächst war er wegen Körperverletzung zu vier Monaten Knast verurteilt worden. In der Berufung kam er glimpflicher davon: Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit. Mancher witzelte daraufhin, auch eine erfolgreicher Einsatz für den Club wäre gemeinnützig.

Das Spiel:

Zum ersten Heimspiel unter Trainer Keller durfte die Club-Elf mit den neuen Christkindlesmarkt-Trikots auflaufen. Mit denen wollten die Spieler offenbar eine gute Figur abgeben und gleichzeitig ein bisschen Glühweinstimmung verbreiten. Nur blöd, dass sich der Tabellenletzte aus Wiesbaden da nicht eingroovte. Der erspielte sich bereits in der 2. Minute die erste gute Chance. Doch der Ex-Nürnberger Dittgen schoß am Tor vorbei. Zwei Minuten später machte es Schäffler besser. Er hob den Ball über Dornebusch hinweg und machte das 0:1 . Schiedsrichter Stegemann hatte zunächst auf Abseits entschieden. Auf den Videobildern war aber erkennbar, dass Valentini die Abseitsfalle aufgehoben hatte.

Jetzt wich die harmonische Weihnachtstimmung allgemeiner Verunsicherung. Einfachste Pässe kamen nicht mehr an. Wehen-Wiesbaden konnte den Club ruhig den Ball überlassen, der wusste damit eh nichts anzufangen. Eine halbe Stunde lang gab es keine einzige Torchance, aber 70 Prozent Ballbesitz. Erst gegen Ende der ersten Hälfte bekam Gästekeeper Lindner doch noch etwas zu tun. Überwinden ließ er sich aber nicht.

Anders war das bei seinem Kollegen auf FCN-Seite. Der versuchte offenbar eine Erklärung dafür zu liefern, warum ihn der heutige Gegner vor der Saison nur als Ersatztorwart verpflichten wollte. Bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff lief Dornebusch unmotiviert raus. Kyereh nutzte die Gelegenheit und markierte das 0:2 per Fernschuss ins verwaiste Clubtor.

Nun musste der abermals verunsicherte Club also zwei Tore aufholen. Und wie wir das kennen, bekommt er das geordnet nicht hin. Da versuchen es dann Geis, Frey oder Hack lediglich mit Einzelaktionen. Mannschaftssport Fußball? Nicht beim Club.

Es folgte einfalls- und sinnloses Angerenne, wie wir es zur Genüge kennen, Dann pfiff der Schiedsrichter auch noch Elfmeter für Wiesbaden. Mühl stellte sich gegen Kyereh ungeschickt an. Der hatte zuvor aber den Ball mit der Hand mitgenommen, so dass der Elfmeter zurückgenommen wurde.

An der hilflosen Spielweise des FCN änderte das jedoch nichts. Höchstens an der Erkenntnis, dass es nicht nur in der Abwehr hapert. Auch nicht an der Misere im Tor (Mathenia war auch immer für einen Klops gut). Dass da elf Einzelindividuen auf dem Platz stehen, die scheinbar keinen Plan haben, hat offensichtlich weitreichendere Ursachen.

Im Augenblick ist zudem nicht erkennbar, wie der freie Fall beim FCN gestoppt werden kann. Der branchenübliche Impuls von Außen ist ja durch den Trainerwechsel schon verpufft. Vielleicht ist es auch ein Fehler, dass der nette Herr Behrens auf den Platz steht und der unnette Herr Palikuca Personal anwerben soll.

Ein Letztes:

Vorweihnachtliches Männleinlaufen (vorausgesetzt, die trauen sich noch raus):