Der Professor und die Schwarze Kasse

Der Stil von „Pistolero“-Präsident Roth mag manchmal gewöhnungsbedürftig sein, in der Reihe der führenden Club-Funktionäre der jüngeren Vergangenheit ragt „König Weißbart“  (so mal die Frankfurter Allgemeine Zeitung) aber trotzdem als Lichtgestalt heraus.

Zum Beleg für diese gewagte These und als Abschluss unserer Tiefpunkt-Serie sei an Prof. Dr. Dr. Ingo Böbel (im Bild rechts) erinnert, der ab 1986 fünf Jahre lang Schatzmeister des 1.FC Nürnberg war. Böbel hatte bei den Fans zeitweise einen Bonus, weil er sich gemeinsam mit Vizepräsident Sven Oberhof (links) gegen die Alleingänge Gerd Schmelzers (Mitte) gewehrt hatte. Nachdem  Schmelzer 1991 zurückgetreten war, bildeten Böbel und der neue Präsident Oberhof („Der Professor und ich“) ein zeitweise unzertrenntliches Duo.

Damit war es Ende 1991 vorbei. Böbel trat zurück, nachdem sein Vorgänger Peter Karg enthüllt hatte, dass der Professor und der damals beim FCN für die Schiedsrichter-Betreuung zuständige Obmann Hans Mausser die in Nürnberg pfeifenden Unpartteiischen mit üppigen Geschenken wie Trimmgeräten bedacht hatten. 174 000 DM wurden in der Saison 1990/91 in diese doch arg spezielle Form der Betreuung investiert.

Das war aber nur die Spitze des Eisbergs. Der Wirtschaftswissenschaftler Böbel hatte nämlich eine besonders unorthodoxe Art, mit Geld und Bilanzen umzugehen. So legte er eine Schwarze Kasse an, in die an der offiziellen Buchhaltung vorbei Gelder aus Freundschaftsspielen und Hallenturnieren flossen. Mit dem Geld konnte Böbel Extra-Honorare für Stars wie Sergio Zarate springen lassen zahlen oder auch wahlweise seine Eigentumswohnung abbezahlen. Zudem ließ  sich Böbel vom Verein nicht nur teure private Flugreisen nach Monte Carlo oder Venedig finanzieren, sondern er stellte dem Club sogar Käufe von Schallplatten oder Glühbirnen in Rechnung. Und 1991 ließ er sich die Einnahmen aus dem Kartenvorverkauf in bar auszahlen und behielt sie einfach mal für sich. Ebenso wie die 100 000 DM, die noch in der Schwarzen Kasse waren, als Böbel diese im November 1991 auflöste. Doch nicht genug der lustigen Anekdoten: Im Frühjahr 1991 bekam der FC St. Pauli einen 1,8 Millionen-Scheck vom Club für den Transfer des Spielers Andre Golke an den Valznerweiher – der war aber nicht gedeckt, was die finanziell angeschlagenen Hamburger an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte.

Apropos zahlungsunfähig: Als Böbel zurückgetreten war, hinterließ er einen Schuldenberg von 22 Millionen. Während der FCN jahrelang gegen den Konkurs ankämpfte, wurde Böbel 1993 verhaftet und 1994 wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Vor Gericht beklagte sich der Professor, dass die anderen Herren aus der Vorstandschaft über die Schwarze Kasse Bescheid wussten und er nun zum alleinigen Sündenbock gemacht werde. Musterhäftling Böbel kam 1995 wieder frei.

TIEFPUNKT 14

Geisterfahrer Vlado Kasalo

Eine Million D-Mark kostete Vlado Kasalo (Mitte, mit dem damaligen Clubpräsidenten und jetzigen Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer und dem später im Knast gelandeten Schatzmeister Ingo Böbel). Das war eine stattliche Summe in jenen Zeiten.

Man schrieb den Sommer des Jahres 1989, als der Club zur Stärkung seiner Defensive den jugoslawischen Nationalspieler von Dynamo Zagreb an den Valznerweiher lotste.

Den Fans ist Kasalo, mit dem wir unsere Reihe der Tiefpunkte in der FCN-Geschichte fortsetzen, aber weniger als Leistungsträger, sondern eher als Geisterfahrer in Erinnerung geblieben. Mitten im heißen Abstiegskampf der Saison 1990/91 traf der Libero nämlich bei den Spielen gegen Stuttgart (0:1) und in Karlsruhe (0:2) innerhalb einer Woche zweimal ins eigene Netz.

Kasalo geriet in Verdacht: Der Abwehrspieler, der gerne in Spielcasinos verkehrt haben soll, könnte absichtlich auf das falsche Tor gezielt haben, um Wetten zu gewinnen und so seine Schulden abzubauen. Der FCN suspendierte den damals 28-Jährigen und schaffte auch ohne den Abwehrchef knapp die Rettung.

Allerdings konnte Kasalo nie eine Manipulation nachgewiesen werden. Von 1992 bis 1994 spielte er noch in Mainz, damals eine graue Maus in der Zweiten Bundesliga. Dort brachte er es auf 55 Einsätze, zudem traf er fünfmal –  ins richtige Tor wohlgemerkt.

TIEFPUNKT 11