Zurück in der Normalität

Die News:

  • So schwinden auch die letzten Ankündigungen nach dem Fastabstieg dahin. Nichts wird es mit der personellen Verstärkung der Fußballkompetenz in der Clubführung. „Wir brauchen keinen Sportdirektor“, erklärte Palikuca-Nachfolger Dieter Hecking in einem Interview. Nun ja, wenn er das alleine kann, warum sollte man da – vor allem angesichts der vielen Fragezeichen auf der Einnahmenseite – unnötig Geld ausgeben. Trainer könnte Hecking ja notfalls auch…
  • Zur Verstärkung der Abwehr hat der Club noch Pius Krätschmer von Schweinfurt 05 verpflichtet. Dafür soll der zunächst als gefühlte Verstärkung an die Würzburger Kickers verliehene Simon Rhein wohl doch abgegeben werden. Dennis Lippert, lange verletztes Clubtalent, darf schon mal in Bayreuth den Neuanfang starten. Ob Robin Hack geht oder bleibt, ist weiter unklar. Tendenz im Augenblick: Er bleibt.
  • Für die Clubheimspiele werden wieder Zuschauer zugelassen. 10.000 dürfen sich nach dem Windhundprinzip um die Karten für das Spiel am 27. September gegen den SV Sandhausen streiten. Letztlich entscheiden aber – siehe München – die aktuellen Infektionszahlen.

Das Spiel:

Zum Saisonstart stellte sich wieder so etwas wie Fußballnormalität ein. 3000 Regensburger Fans durften ins Jahn-Stadion. Offenbar wurden sie nach Stimmgewalt ausgesucht. Doch wenn 3000 versuchen, wie 30.000 zu klingen, kann das leicht nervtötend werden. Andererseits bot das Spiel dann eher bescheidene Zweitliga-Hausmannskost. Die Nerven wurden also dort eher wenig strapaziert.

Fast aus dem Nichts fiel kurz vor der Pause der Führungstreffer für den Club. Handwerker packte aus gut 25 Metern einfach mal den Hammer aus und überwand den sichtlich überraschten Regensburger Keeper Meyer.

Man könnte die Führung durchaus als glückllich bezeichnen, zumal Jahn Regensburg die besseren Chancen besaß. Zum Ausgleich kam der Jahn allerdings nur mit Hilfe des überforderten Schiedsrichters Jöllenbeck und der Unterstützung von Bibiana Steinhaus im Kölner Keller. In der 57. Minute traf Besuschkow aus kürzester Distanz den angelegten Arm von Enrico Valentini. Gesehen hat dieses „Vergehen“ kaum einer. Selbst Jöllenbeck brauchte zwei Minuten um am Bildschirm was zu entdecken. Den Elfer versenkte Besuschkow danach zum zwar verdienten, in der Entstehung aber lächerlichen Ausgleich.

Schnell war der Club also auch auf dem Spielfeld in der Normalität angekommen. In der nervt halt so einiges. Nicht bloß die Zuschauer, sondern auch das Regelwerk, der VAR, der DFB, aber halt auch die eigene Mannschaft, die zwar hinten stabiler wirkt, nach vorne jedoch weiter ziemlich ideenlos anrennt und kaum Chancen generiert. Immerhin brach sie nach dem Gegentor nicht ein und schaukelte wenigstens den einen Punkt nach Hause.

Insofern kann man zwar erfreut feststellen, dass im Spielbetrieb wieder Normalität einkehrt. Wir als Clubfans hätten es aber gerne etwa unnormaler.

Mit Glück und Grethlein

Inzwischen habe ich mir wieder ein paar Spiele angetan. Auch die vom Club. So ganz kann man es dann doch nicht lassen.

Wenn man ohne Vertrag woanders mitgucken kann und daher nichts zahlen muss, fällt einem aber leider auch auf, dass man immer noch Zeit investiert. Zeit, die man eigentlich für vieles sinnvoller nutzen und unterhaltsamer verbringen könnte. Oben steuern die Bayern ihren drölfzigsten Titel an. Unten wird der Club nur durch die Hilfe der Gegner noch einigermaßen am Leben gehalten. In der ersten Hälfte des Heimspiels gegen Aue wäre ich beinahe weggenickt. Spielerisch und kämpferisch kommt da gar nichts. Nicht einmal akustisch. Die Clubspieler haben offenbar besonders große Angst vor Tröpfcheninfektion und taumeln deshalb stumm in Richtung 3. Liga. Der ebenfalls ziemlich ruhige Trainer Jens Keller scheint mit seinem Latein ohnehin am Ende (dürfte sich eher um das kleine Latinum handeln), was sich auch in dem hilflosen Wortgeschwurbel widerspiegelt, mit dem er die Lokalpresse abspeist.

Einzig Aufsichtsratschef Thomas Grethlein ist mit verbalen Supportversuchen im fanentleerten Stadion zu hören. Außer „FCN“ und „Weiter“ hatte er aber nichts auf der Platte. Da erkennt man erst, wie originell doch die Fans sind. Wobei es auch da Ausnahmen gibt, zum Beispiel wenn fast eine Halbzeit lang bloß das hier gebrüllt wird. Die Leistungen der Fans verhalten sich da anscheinend umgekehrt proportional zu denen auf dem Platz.

Im Heimspiel gegen Aue schien zumindest Kapitän Hanno Behrens dem „Weiter“ seines AR-Vorsitzenden Gehör zu schenken. Sein energischer Vorstoß führte dann wenigstens zum Ausgleich.

In Regensburg war es mit dem von Keller geschmähten Ishak ebenfalls einer der „Alten“, der uns endlich mal ein Feldtor bescherte. Aber egal, auf welcher Seite das Tor fällt, beim FCN scheint das immer Lähmung und Zurückschalten in den Verwaltungsmodus zu bedeuten. Gegen den Jahn ging das sogar eine Zeit lang gut. Statt jedoch nach den beiden Aluminiumtreffern aufzuwachen und das eigene Glück nicht weiter zu strapazieren, bettelte der Club so lange bis er 1:2 in Rückstand lag. Dass dann in der Nachspielzeit noch der kaum erwartbare Ausgleich durch den derzeit besten Clubstürmer (Eigentor) fiel, dürfte höchstens dazu dienen, den trostlosen Auftritt wieder irgendwie schönzureden. In der Tabelle hat sich der Abstand zum Mittelfeld für den Club weiter vergrößert. Möglicherweise muss so lange gezittert werden, bis Dresden seine beiden Nachholspiele absolviert hat.

Andererseits ertappe ich mich mittlerweile bei dem Gedanken, ob nicht ein Abstieg und eine völlige Neuorientierung für den FCN besser wäre als eine irgendwie glücklich zustande gekommene Verlängerung des jetzt noch deutlicher zu Tage tretenden Trauerspiels. Ohne Fans ist der Club, noch mehr als andere Vereine, ein Nichts.

Doch wie soll eine solche Neuorientierung stattfinden? Bekanntlich gibt es nichts Richtiges im Falschen. Einige Fankommentatoren schlagen da vor, das Rad der Zeit um etwa 15 Monate zurück zu drehen, Köllner und Bornemann wieder zu holen und stattdessen die, für deren Entlassung verantwortlichen „Amateure“ in die Wüste zu schicken. Die Beiträge unserer Scoutingabteilung machen Bornemanns reservierte Haltung, was Neuverpflichtungen anging, nachträglich verständlich. Aktuelles Beispiel ist der, lediglich durch seinen Fehlschuss im Derby aufgefallene, Iuri Medeiros, der jetzt an Braga abgegeben werden soll.

Kosten minimieren dürfte beim Club wieder oberstes Gebot werden. Guter Fußball für die Fans interessiert da eher weniger. Ohnehin weiß keiner genau, wie es nach der Saison weiter geht. Im August dürfte es bestimmt noch keinen Impfstoff geben. Ob wir gegen Fürth oder gegen Würzburg nicht hin dürfen, ist dann auch egal.

Immerhin scheint Grethlein – trotz stark limitierter Mittel – erkannt zu haben, dass es beim Produkt Fußball auch um Unterhaltungswerte geht. Das ist schon mal ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht finden sich ja in der Möchtegern-Kulturhauptstadt noch ein paar – derzeit ohnehin beschäftigungslose – Künstler, die wenigstens das mit der akustischen Unterstützung ein bisschen besser hinbekommen.

Ein Letztes:

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Die Woche:

1. Auf einmal hat der Club die Favoritenrolle im Aufstiegsrennen. Wir werden hier seit Jahren nicht müde, mhier auf die Erwartungsbremse zu drücken. Nicht weil wir Nörgler und Pessimisten sind, sondern weil wir aus Erfahrung wissen, wie das beim Club endet. Immerhin scheint Trainer Michael Köllner (genau wie übrigens auch Sportvorstand Andreas Bornemann) da ebenfalls eine Gefahr zu sehen und dämpft da schon mal verbal: „Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen aufsteigen.“

2. Mit Identifikationsfiguren tun sich die meisten Vereine mittlerweile schwer. Spielt einer mal längere Zeit erfolgreich, wird er prompt weggekauft. Nach Max Morlock ging es auch beim Club identifikationsmäßig bergab. Marek Mintal war noch so einer. Deshalb wurde er beim FCN nach seiner aktiven Laufbahn auch weiterbeschäftigt. Bei Raphael Schäfer war das zunächst genauso. Jetzt hat der Club die Zusammenarbeit beendet. Warum, das blieb bislang im Dunklen.

3. Noch einen weiteren Weggang hatte der FCN zu vermelden. Rurik Gislason stürmt in der Rückrunde für den Ligakonkurrenten SV Sandhausen. Dort will sich der Isländer seinem Nationaltrainer empfehlen um doch noch zur WM nach Russland fahren zu können. Der Club kann damit zwar einen Spieler, der noch einen „guten“ Altvertrag besaß, von der Gehaltsliste streichen. Der Deal hat aber auch Deppenpotenzial, denn am vorletzten Spieltag geht es gegen Sandhausen. Nicht auszudenken, aber gerade deshalb wohl typisch Club, wenn da ausgerechnet Rurik…

Das Spiel:

Und wenn es dann erst wird, dann sind die Winterpausendebatten auch schon wieder Makulatur, Zum Beispiel der Köllner-Vergleich mit dem Testspielgegner Heart of Midlothian. Die hat der Club noch mit 5:0 vom Platz gefegt. Aber Jahn Regensburg war halt ein anderes Kaliber. Taktik, in dem Fall hoch pressen, ist da das eine. Aber wo keine Ballsicherheoit vorhanden ist und jeder zweite Ball verloren geht, ist die Taktik eigentlich egal. Diesmal erwischte ausgerechnet der sonst so solide Ewerton einen schwarzen Tag. Dazu kam, dass der gleich zu Beginn auflaufende Neuzugang Marvin Stefaniak und Tim Leibold auf der linken Seite deutliche Abstimmungsprobleme hatten. So schenkte der Jahn dem Club bereits in der 6. Minute den ersten Treffer ein. Immerhin brauchten wir nicht lange für die passende Antwort. Vier Minuten später konnte Kapitän Hanno Behrens abstauben, nachdem der Regensburger Keeper Pentke einen Leibold-Schuss nicht festhalten konnte. Am konfusen Abwehrverhalten änderte das jedoch nichts und so ging Regensburg nach einer knappen halben Stunde erneut in Führung. Danach merkte man den Clubspielern an, dass sie verunsichert waren. Regensburg war einfach besser und raubte unserer Mannschaft mit dem frühen Angreifen den letzten Nerv. Nicht nur wir Fans sehnten daher die Pause herbei in der Hoffnung, dass kein Gegentor mehr fällt.

Nach dem Seitenwechsel kam Mühl für den indisponierten, aber wohl auch verletzten Ewerton. Das Highliight des Spiels durften wir wenig später erleben. In der 49. Minute nach einer Möhwald-Flanke macht ausgerechnet Edgar Salli per Kopfball den Ausgleich. Wo hat Köllner den denn aus dem Hut gezaubert? 😉 Nun ja, schön dass es endlich mal geklappt hat. Wenig später hätte Salli sogar noch den Siegtreffer machen können, brauchte aber einen Tick zu lange für die Ballannahme. Allerdings hatte auch der Jahn durchaus Chancen, den Siegtreffer zu landen.

Köllner wechselte dann noch Erras für den offenbar im Training überzeugenderen Petrak ein und Löwen für den noch nicht eingebundenden Stefaniak. Wobei Löwen leider nicht ganz bei der Sache zu sein scheint. Aus welchen Gründen auch immer.

Wer aufsteigen will, der sollte Heimspiele gegen Mannschaften wie Regensburg eigentlich gewinnen. Angesichts des Spiels und des Auftretens der Gäste müssen wir aber mit dem Punkt zufrieden sein.

Ein Letztes:

Die Schalker kaufen nicht nur gerne beim Club ein, sie unterstützen auch dessen fränkische Konkurrenz. Tröstlich immerhin, dass sie es nicht blicken, wann wir harte Konsonanten nur weich aussprechen und wann sie wirklich weich sind.

Spitzenreiter mit Schwachstellen

Zweite Liga, das ist harter Kampf, viel Arbeit und der eine oder andere lichte Moment, der den Unterschied macht. Beim Club weiß man das inzwischen. Der Aufsteiger Jahn Regensburg hat da wohl noch ein paar Lektionen vor sich. Dabei waren die Regensburger in dem kampfbetonten Match lange Zeit durchaus ebenbürtig. Hüben wie drüben gab es Chancen, allerdings niemanden, der damit etwas anzufangen wusste.

Beim FCN war diesmal Rurik Gislason für Edgar Salli in der Startelf. Doch die Frisur macht es halt nicht. Gislason agierte leider wieder mal plan- und erfolglos und wurde zurecht ausgewechselt. Allerdings gegen eben jenen Salli, der dann auch nur die Argumenten dafür nachlieferte, warum er nicht schon zu Beginn an spielen durfte. Wird Zeit, dass Abdelhamid Sabiri wieder die Kurve kriegt.

Auch Mikael Ishak versackte wieder in alten Verhaltensweisen und brachte vorne kaum etwas zustande. Kein Wunder, dass der Siegtreffer für den Club erst fiel, nachdem Ishak durch Cedric Teuchert ersetzt wurde. Der war dann allerdings lediglich als Störenfried am Treffer beteiligt. Die Supervorabeit von Valentini ließ er in der 78. Minute durchlaufen zu Kevin Möhwald, der dann den Ball zum entscheidenden Treffer im Regensburger Kasten versenkte.

Wie gesagt: Es war der eine lichte Moment, der den Unterschied machte. Insofern gilt nach wie vor, was wir schon nach dem Kaiserslauternspiel gesagt haben: Ob der Club wirklich da oben hingehört (für uns als Fans tut er das natürlich sowieso), muss sich erst noch gegen stärkere Gegner erweisen. Auch gegen Regensburg gab es durchaus Situationen, wo eine abgezocktere Mannschaft den einen oder anderen Treffer erzielt hätte. Da war längst nicht alles so souverän und fehlerfrei, wie es jetzt der Tabellenstand andeutet. Schön ist diese Momentaufnahme freilich allemal und deswegen zelebrieren wir sie halt hier noch ein bisschen.