Wie ein Absteiger

  • Wer etwas auf sich hält, hat einen Podcast. Der FCN natürlich auch. Inzwischen ist die sechste Folge hörbereit. Diesmal mit Kapitän Hanno Behrens. In der ersten Folge kam übrigens der scheidende OB Ulrich Maly zu Wort, was zu der Frage führt: Hat er jetzt endlich Zeit für seine Aufsichtsratstätigkeit oder räumt er seinen Platz für den neuen OB?
  • Kaum hat der Club wieder Anschluss ans Zweitliga-Mittelfeld gefunden, schießen die Transfergerüchte ins Kraut. An Bernard Tekpetey und Kevin Bua sei der FCN dran, außerdem möchte er Michael Frey für eine Rekordsumme fest verpflichten. Dafür stehe Robin Hack vor einem Wechsel… Nun, vielleicht sollte man erst einmal seine Hausaufgaben machen, sonst wird das nämlich nichts mit der Versetzung.
  • Die Vereine sollen es richten. Das meinen DFB, Kalle Rummenigge und jetzt auch die Polizei. Kennen die den FCN? Der stellt noch nicht mal die richtigen Fragen. Das müssen die Fürther machen. Wobei sich die Vereinsführung dank der Ultras gar nicht bewegen muss. Die haben nämlich angeblich angekündigt, auf beleidigende Plakate zu verzichten.
  • In Italien finden die Fußballspiele gegenwärtig ohne Zuschauer statt. Da dürften sich die dort kickenden Nationalspieler und deren ausgeschlossene Fans freuen, wenn sie am 31. März im Max-Morlock-Stadion im Testspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft mal wieder richtigen Fußball zelebrieren können. Auch mancher Nürnberger hätte statt karge Zweitligakost gerne mal wieder gehobenerer Fußballkunst konsumiert. So wie es aussieht, wird daraus aber nichts.

Das Spiel:

Wir erinnern uns, in der Hinrunde konnte der Club in Hannover 4:0 gewinnen, was allerdings nur das Missverständnis mit Damir Canadi verlängerte. Dass das Urteil für Jens Keller mal besser ausfällt, machte nach dem schwachen Auftritt des Clubs keiner unterschreiben. Kein Plan, kein Zug zum Tor, kein Druck, keine Zweikampfstärke… Die Mannschaft fing, wie aus Heimspielen sattsam bekannt, zwar ganz gefällig, aber wenig zielstrebig und ohne den letzten Biss an. Nach einer guten Viertelstunde musste Mathenia erstmals sein ganzes Können aufbieten. Kurz danach war er aber machtlos, als nach einer Ecke ausgerechnet der lange Erras das Kopfballduell gegen Hübers verlor. Hannover führte. Beim Club begannen bereits woeder die Schultern zu hängen und die Einzelaktionen Überhand zu nehmen. Immerhin scheint es bei der fehlenden Frustrationstoleranz so etwas wie mannschaftliche Geschlossenheit zu geben, Folgerichtig kamen die Gäste immer besser ins Spiel und dann sogar zum zweiten Treffer. Ex-Cluberer Cedric Teuchert konnte völlig inbedrängt nach vorne marschieren, auf Maina passen, der dann das 2:0 machte. Danach wieder kein Aufbäumen.

In der zweiten Hälfte ging es im selben Stil weiter. Nur dass Hannover es inzwischen lockerer angehen ließ. Im sicheren Gefühl, den einfallslosen Club im Griff zu haben. Teilweise erinnerte das Spiel an die Schlussphase des Bayernauftritts in Hoffenheim. Sinnloses Ballgeschiebe im Mittelfeld, Fußball zum Abgewöhnen!

Akzente von der Bank wurden auch nicht gesetzt. Nur insofern, als Keller erst Ishak zur Einwechslung losschickte, ihn dann aber zurück beorderte. Dafür kam später Lohkemper noch zum Einsatz, der die einzig nennenswerte Torchance des Clubs haben sollte. Aber offenbar war er ob der ungewohnten Situation so überrascht, dass er den Kopfball weit neben das Tor platzierte. So kam dann Hannover 96 in der Schlussminute durch Weydandt noch zum 3:0.

Auf der Suche nach etwas Positiven fing Günther Koch im Fanradio an, den Platzwart zu loben. Das ehrt ihn. Leider fällen die Platzverhältnisse als Ausrede damit auch flach. Aber wenigstens gibt es einen, an dem es nicht liegt.

Nachtrag:

Vielleicht ist das eine Erklärung für diesen schwachen Auftritt.

Ein Letztes:

Endlich kommt Farbe in die Stadt:

…und eine berechtigte Frage,

die sich hier aber genauso stellt:

Verpfiffen!

  • Kommt Michael Köllner nach Nürnberg zurück? Kooperieren zwei eher von der Tradition lebende bayrtische Fußballclubs? Diese Fragen stellen sich plötzlich, nachdem die Sechziger für zwei Jahre ein Ausweichquartier benötigen und nun auch das Max-Morlock-Stadion im Gespräch ist. Allerdings haben die Münchner Verantwortlichen die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, mittlerweile als „eher gering“ eingestuft
  • Der Club ist eine Partnerschaft mit den türkischen Corendon Airlines eingegangen. Die haben sogar angekündigt, einen Flieger in den Clubfarben zu bemalen. Offenbar, weil´s wurscht ist.
  • Er ist nicht nur Clubspieler, sondern auch Clubfan. Bisschen schade, dass das besonders erwähnt werden muss. Umso besser aber, dass der FCN jetzt den Vertrag mit Enrico Valentini verlängert hat.
  • Torwart beim Club, das scheint die Vorstufe zum Lazarett zu sein. Jetzt fällt Andreas Lukse wegen einer Adduktorenverletzung auf unbestimmte Zeit aus.
  • Einer, der sich derzeit richtig für den Club reinhängt und innerhalb weniger Wochen zum Publikumsliebling avancierte (und der heute leider schon in der 13. Minute verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste) , ist nur Leihspieler und wird wohl nicht beim FCN bleiben: Konstantinos Mavropanos.

Das Spiel:

Zunächst konnte man beim zäh beginnenden Heimspiel gegen Darmstadt 98 Kleidungsfragen erörtern. Der Club lief nämlich nicht im traditionellen Rot-Schwarz sondern erneut in Grau auf. Der meist blaue Gast musste so auf Orange ausweichen. Den ersten Aufreger gab es erst in der 12. Minute. Dinos Mavropanos ging im Clinch mit Dursun zu Boden und musste verletzt raus.

Für ihn kam Lukas Mühl. Wer jetzt dachte, die Clubabwehr würde damit an Stabilität verlieren, sah sich aber getäuscht. Mühl, von den Fans lautstark aufgebaut, hatte sich offenbar vom griechischen Leihspieler einiges in Sachen Einsatz abgeschaut.

Die Lilien aus Darmstadt hatten zwar ein optisches Übergewicht, kamen aber kaum gefährlich vor das Club-Tor. Anders der Club. Der erspielte sich in der 24. Minute die erste Gelegenheit. Nürnberger flankte in den Strafraum auf Behrens, der aber von Holland zu Boden gezogen wurde. Schiedsrichter Patrick Alt winkte ab, ohne den VAR zu Rate zu ziehen. In ähnlichen Situationen hatte es freilich schon mal Strafstoß gegeben. Dafür nutzte der Club nach einer halben Stunde seine nächste Chance zur Führung. Hack und Frey kombinierten sich in den Darmstädter Strafraum. Freys Schuss konnte von Darmstadts Torhüter Schuhen nur nach vorne weggefaustet werden, wo Nikola Dovedan stand und den Ball mit Karacho unter die Latte knallte.

Nicht ganz so effektiv war der Club dann bei den sich danach noch eröffnenden Chancen. Das sollte sich leider noch rächen.

In der zweiten Hälfte begann nämlich Schiedsrichter Alt sich zum Hauptdarsteller aufzuspielen. In der 52. Minute ahndete er eine ähnliche Situation wie bei Behrens in der ersten Halbzeit nicht nur mit Elfmeter, sondern auch mit Gelb gegen Asger Sörensen, der den Darmstädter Dursun an der Schulter gezogen hatte. War das schon überzogen, meldete sich auch noch der Kölner Keller und wies Alt darauf hin, er müsse auf Rot nachbessern. Das tat Alt dann auch. Kempe verwandelte zum 1:1 und der Club war nur noch mit zehn Mann auf dem Platz.

Die hängten sich aber für elf rein, zudem schien Darmstadt auch keinen Plan zu haben, aus der Überzahl Kapital schlagen zu können. Als der Club sich dann mit dem einen Punkt abgefunden hatte, kamen die Gäste kurz vor Schluss doch noch zum Siegtreffer. Dumic konnte sich gegen Frey durchsetzen und aus der Distanz Mathenia überwinden. Zuvor war der Ball möglicherweise im Aus. Aber auf Schiedsrichter Alt durfte sich im Max-Morlock-Stadion mittlerweile keiner mehr verlassen.

Im Gegenteil. Kurz darauf zeigte Alt Nürnberger noch wegen Meckerns die Ampelkarte. Und nach dem Schlusspfiff präsentierte der Gelbwütige dann auch noch Trainer Keller und Co-Trainer Stickroth sein Kärtchen.

Wer auch immer glaubte, die Einführung der Videobeweises würde mehr Objektivität in den Fußball bringen, heute wurde er eines besseren (für uns leider schlechteren) belehrt.

Ein Letztes:

Kiebitz? Nein, Fasching!

Der Club lebt noch

  • Floskeln statt Fußball, das war beim Club zuletzt angesagt. Trainer Keller sah in Hamburg in der 2. Halbzeit sogar eine gute Leistung seiner Mannschaft. Dabei bestand die im Wesentlichen aus einer Einzelaktion, einem Sonntagsschuss von Tim Handwerker. Und wenn Trainer und Sportvorstand dann der Mannschaft doch „Mutlosigkeit“ vorwerfen, dann fragt man sich verwundert, wo die so plötzlich hergekommen ist, bislang hat die doch immer mutig dagegen gehalten. Oder etwa nicht?
  • Nichts unternommen hat Sportvorstand Robert Palikuca auf der Sechser-Position. Eigentlich wurden dort die größten Defizite ausgemacht und deswegen eine entsprechende Verstärkung in der Winterpause gefordert. Stattdessen lieh der FCN zwei auf englischen Ersatzbänken schmorende Verteidiger aus. Zwei Innenverteidiger seien genauso gut wie ein Sechser, behauptet Palikuca nun.
  • Johannes Geis spielte zuletzt für den 1. FC Köln. Deswegen war ihm die Begrifflichkeit wohl geläufig als er forderte, gegen Sandhausen müsse „der Scheißbock endlich umgestoßen werden“. Scheißbock nennen Düsseldorfer Fortuna-Fans gern mal das Maskottchen des 1.FC Köln. Sportvorstand Palikuca wiederum kommt aus Düsseldorf und dürfte sich bei dieser Wortwahl wohl zu Hause gefühlt haben.
  • Vielleicht war das ein Schritt in Richtung Geschwätzreduktion. Jedenfalls gab es vom Club erstmals keine Spieltags-Pressekonferenz im Netz. Könnten aber auch erste Auflösungserscheinungen im PR-Bereich sein.

Das Spiel:

Zum Siegen verdammt, unter solchen Voraussetzungen wird einem angesichts des dünnen Nervenkostüms unserer Spieler angst und bange. Aber zunächst war dazu kein Anlass. Das lag wohl auch an den beiden in der Winterpause verpflichteten Neuzugängen. Neben Konstantinos Mavropanos, der in Hamburg noch Spielpraxisdefizite offenbarte, lief auch Philipp Heise auf der linken Verteidigerposition auf. Dort bewies er, dass er noch nicht vom lähmenden Clubvirus infiziert ist, setzte sich häufug selbstbewusst durch, was bereits in der 13. Minute zum Erfolg führte. Eine Flanke von Heise verwertete Michael Frey akrobatisch per Kopf zur 1:0-Führung.

Wer jedoch dacht, jetzt sei der Knoten geplatzt und der Club würde locker aufspielen, sah sich getäuscht. Wieder ließ man sich hintenrein drücken, um so die Instabilität der Abwehr zu demonstrieren. Allerdings lieferte dort zumindest Mavropanos einen souveränen Auftritt ab. Trotzdem kamen die jetzt überlegenen Gäste mehrfach zu Ausgleichschancen. Die nutzen sie glücklicherweise nicht. Gleiches galt allerdings auch für die wenigen Konterchancen, die sich dem FCN eröffneten. So durften wir zur Pause immerhin das ungewohnte Gefühl einer Führung genießen.

In der zweiten Hälfte klappte dann endlich mal ein Konter. In der 52. Minute verlor Sandhausen den Ball in der Vorwärtsbewegung, Geis spielte ihn zu Hack, der dann noch einen Verteidiger aussteigen ließ und zum 2:0 einschob.

Beruhigend ist aber auch ein Zwei-Tore-Vorsprung nicht. Nicht beim Club! In Minute 63 wird Engels steil geschickt, Mathenia fährt das Bein aus und der Gegner fällt dankbar drüber. Elfmeter! Der war schwach geschossen. Mathenia konnte halten. Mavropanos verhinderte zudem gedankenschnell den Nachschuss.

Als dann wenig später beim SVS Marlon Frey eingewechselt wurde, witzelten manche schon über kommentatorenunfreundliche Mannschaftsaufstellungen, schließlich waren schon zwei Behrense (Hanno beim Club, Kevin beim Gast) auf dem Platz. Der Nürnberger 1:0-Torschütze verabschiedet sich dann jedoch prompt mit einem überharten Einsteigen und der folgenden zweiten gelben Karte vom Feld. Jetzt mussten zehzn Nürnberger den Vorsprung verteidigen. Das gelang überraschend gut, wobei allerdings auch Sandhausen mit teilweise kläglicher Chancenverwertung mitspielte.

Insofern: Wichtige drei Punkte, aber zu Entwarnung oder zu Wendegefasel besteht kein Anlass.

Ein Letztes:

Da geht er hin, der Optimismus!

  • Aus gegebenem Anlass noch ein Nachtrag zum Testspiel gegen die Bayern: Das wurde bekanntlich von „Magenta Sport“ kostenlos übertragen. Jenem Sender, der die Rechte für die 3. Liga besitzt und sich da wohl rechtzeitig bei den Fans eines potenziellen Neuzugangs vorstellen wollte.
  • Für die Abwehr gab es in der Winterpause eine weitere Verstärkung. Bis zum Saisonende kommt der 194 Zentimeter große Grieche Konstantinos Mavropanos nach Nürnberg. Beim FC Arsenal sieht man ihn eher als Perspektivspieler. Hier wie schon beim zweiten Winterneuzugang Philipp Heise konnte der Club auf die guten England-Kontakte seines Scouts Kevin Cruickshank zurückgreifen.
  • Er war vom gegenwärtigen Kader am längsten beim Club, jetzt hat dieser Ondrej Petrak abgegeben; als Leihspieler zum Abstiegskonkurrenten Dynamo Dresden. Ablöse gibt es nur, wenn Petrak einschlägt, sprich Dresden drin bleibt und jemand anderes runtergeht, hoffentlich nicht Petraks dann höchstens kurzfristig ein bisschen reicherer Ex-Verein.
  • Erinnert sich noch jemand an Fuchs-Mühl? Damals dachten wir, Michael Köllner kann zaubern und seinen Heimatort Tore schießen lassen. Vergangene Zeiten! Köllner ist weg, Lukas Mühl spielt durchwachsen und Alexander Fuchs künftig für Unterhaching.
  • Kaderverkleinerung Nr. 3: Auch Lukas Jäger, bei Canadi noch Stammspieler, verlässt den Club. Er kickt ab sofort für Sturm Graz.
  • Selbst in seiner Heimatstadt wandelt der FCN gegenwärtig zwischen Langeweile und Desinteresse. Da da geht es in einer Veranstaltung in Nürnberg dann doch lieber um die, was den Absturz angeht, zugkräftigeren Sechziger. Und wenn die Nürnberger Zeitungen am 8. März eine Leserfahrt zum „Bayerischen Derby“ anbieten, dann geht´s nichtzum Club, sondern zu Bayern gegen den FC Augsburg. Richtiges Drama, richtiger Fußball, dasind wir zurzeit nicht dabei.
  • Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich der FCN im Hinspiel gegen den HSV )0:4). Auch danach nicht mit der eher lächerlichen Klage wegen der Spielberechtigung eines HSV-Akteurs. Inzwischen wird über die Sache – sicher auch im Sinne des Hamburger Spielers – nicht mehr geredet. Da machte ausgerechnet der HSV-Sportvorstand Jonas Boldt das Faß ohne Not wieder auf und tönte, sein Verein habe gegen den Club „noch eine Rechnung offen“. Da sind dann leider manche Fans seriöser und vernünftiger als ihre Vostände.
  • Rettung aus Argentinien naht erst einmal nicht. Javier Pinola verlängerte seinen Vertrag bei River Plate um ein Jahr.

Das Spiel:

In Hamburg hatte Trainer Keller ein paar Überraschungen in der Aufstellung parat. Dass im Tor wieder die Nummer 1 Christian Mathenia stehen würde war noch zu erwarten. In der Innenverteidigung lief Neuzugang Mavropanos auf. Lukas Mühl sollte auf rechts verteidigen. Erstmals von Beginn dabei war Gnezda Cerin.

Wenn da ein Plan dahinter steckte, dann ging der schief. Bezeichnenderweise wurde Ceri9n noch in der ersten Halbzeit wieder ausgewechselt. Lediglich in den ersten Minuten konnte der FCN den Eindruck erwecken, dass die „Aufbruchstimmung“ nicht nur eine der mittlerweile üblichen Durchhaltefloskeln ist. Leider wissen aber die Gegner, wie man den Club immer noch knacken kann. Unter Druck begann die Abwehr (wo ist eigentlich die Verstärkung im defensiven Mittelfeld?) wie gewohnt zu schwimmen und so war es dann wenig verwunderlich, dass der HSV in der 18. Minute durch Jatta in Führung ging. Wie üblich machte sich dann wieder der Frust unter den Cluberern breit. Selbst einfachste Pässe landeten beim Gegner. Geordneter Spielaufbau: Fehlanzeige! Dann war es ausgerechnet Mavropanos, der ungeschickt im Strafraum zum Ball ging. Elfmeter! Bereits nach 29 Minuten führten die Hausherren mit 2:0 und beförderten den Club unsanft auf den Boden der Tatsachen. Der konnte froh sein, zur Halbzeit nicht höher zurückzuliegen.

Aus dem nichts kam der Club zunächst doch noch ins Spiel. Ex-FCN-Spieler Tim Leibold hatte wohl ein Einsehen und bediente Tim Handwerker, der zog in der 51. Minute aus 20 Metern ab und erzielte den Anschlusstreffer. Plötzlich hatte unsere Mannschaft Oberwasser und die Hamburger wirkten verunsichert. Leider dauerte das nur ein paar Minuten an. Dann bekam Margreitter den Ball an die Hand und Schiedsrichter Markus Schmidt entschied erneut auf Elfmeter. 3:1!

Jetzt hingen wieder die Schultern. Das Ding schien durch. In der 82. Minute erhöhte Jung noch auf 4:1.

Mittlerweile steht der FCN sogar auf einem direkten Abstiegsplatz. Bereits am Sonntag geht es weiter gegen Sandhausen. Hoffnung macht weder das Spiel in Hamburg, noch das, was die sportlich Verantwortlichen in der Winterpause zusammengezimmert haben.

Ein Letztes:

Fußball ist bekanntlich nur eine Nebensache. Doch auch um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. kümmert sich der FCN. Zum Beispiel um das Abnehmen. Für weibliche Clubfans wird dazu ein neuer Kurs angeboten. Voraussetzung: Clubmitgliedschaft und ein Bauchumfang von mindestens 88 Zentimetern.

Club schlägt die Bayern

  • Dort, wo die Bayern unterwegs sind, tummeln sich auch die Werbetreibenden. Einen kleinen Eindruck bekommen wir in der Diaspora Lebenden aktuell gerade. Da mottet Magenta Sport Alt-Moderator Fritz von Thurn und Taxis für das Freundschaftsspiel des FCN in Nürnberg aus und bekommt prompt allerorten kostenlose Werbung.
  • Er war fast schon beim FC Barcelona. Doch Uli Hoeneß wollte das Talent nicht ziehen lassen. Dann versuchte sich der FCB-Nachwuchsspieler relativ erfolglos beim Club. Jetzt ist Timothy Tillman bei den Greuthern gelandet. Anders als für uns Fans liegt für die Akteure im bezahlten Fußball Fürth eben nahe bei Nürnberg.
  • Der ehemalige Bild-Reporter Daniel Westgate ist nicht mehr Pressesprecher beim FCN. Man wolle mehr und transparenter mit den Fans kommunizieren, ließ der kaufmännische Vorstand Niels Rossow verlauten. Für Westgate wird jetzt im Verein eine andere Verwendung gesucht, seinen als „Leiter Sportkommunikation“ aufgewerteten Posten übernimmt der 42-jährige Christian Bönig. Zumindest in der Pressestelle ist jedenfalls nichts von einer „Verkleinerung des Kaders“ zu bemerken.
  • Wir Fans fragen uns schon länger, warum beim Club die Leistungskurve vieler Spieler nach unten zeigt. Bei der Ursachenforschung ist mancher bei Instagram fündig geworden. Da hat sich erst eine Spielerfrau beklagt, dass selbst ihr Hund nicht wieder nach Nürnberg will. Am 6. Januar postete dann Mikael Ishak einen Hilferuf, er sitze ohne Klopapier daheim und könne auch keines kaufen, weil alle Läden geschlossen hätten. Vielleicht ist die Stadt schuld; und das bayerische Ladenschlussgesetz.
  • Reizvoller als in Norwich auf der Bank zu sitzen, scheint Nürnberg aber allemal zu sein. Zumal, wenn der Aufenthalt zeitlich befristet ist. Linksverteidiger Philipp Heise, an dem der Club schon länger dran ist, kommt zumindest auf Leihbasis bis zum Saisonende. In den nächsten Tagen will Sportvorstand Palikuca noch eine weitere Abwehrverstärkung präsentieren.

Das Spiel:

Mit „Das Spiel“ haben wir die Begegnung gegen die Bayern wahrscheinlich höher gehängt als alle Beteiligten. Club-Trainer Jens Keller hatte schon vorab beklagt, das Testspiel komme zur Unzeit, weil die Mannschaft müde und platt sei. Das dürfte den Kaufleuten beim FCN nicht allzusehr gefallen haben, zumal der Kartenverkauf ohnehin nicht den Erwartungen entsprach. Andererseits schien genau das Druck von der Mannschaft zu nehmen. Die zeigte, dass sie durchaus mit den Bayern mithalten kann, dass sie sich offenbar sogar leichter tut mit einem Gegner, der selbst das Spiel machen und immer Ballbesitz haben will.

So ging der Club in der 22. Minute sogar durch Frey in Führung (Assist: Behrens) und hatte weitere Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Allerdings sah man zwölf Minuten später, dass die Münchner, wenn sie sich gezwungen sehen, immer noch einen Gang hochschalten können und dann gegen eine nicht gerade sattelfeste Abwehr auch zum Erfolg kommen. Diesmal war es Davies, der den Ausgleich machte.

In der Pause wurde komplett durchgewechselt. Lediglich Clubkeeper Dornebusch blieb mangels Alternativen im Spiel. Bei den Bayern standen praktisch nur noch Jugend- und Drittliga-Spieler auf dem Platz. Beim Club wirkte sich die zuletzt beklagte Größe des Kaders hingegen positiv aus. Wohl auch, dass einige ein bisschen Werbung für sich machen wollten. So war es dann der wechselwillige Mikael Ishak der bereits nach wenigen Sekunden den Club erneut in Führung brachte. Beim 3:1 legte Ishak für seinen ebenfalls aufs Abstellgleis geratenen Sturmkollegen Adam Zrelak auf. Das 4:1 hatte Torschütze Schleusener ebenfalls einer Vorlage von Ishak zu verdanken. Danach hatte der Club immer noch nicht genug: Hack erhöhte sogar auf 5:1. Die Bayern konnten hingegen zunächst einen Elfmeter nicht verwerten (Dornebusch hielt) und danach lediglich noch ein bisschen Ergebniskosmetik betreiben.

5:2 gegen die Bayern: Das hört sich super an. Allerdings waren die Voraussetzungen im Nachhinein eher als Aufbauhilfe zu verstehen. Und die älteren unter den Clubfans wissen, FCB-Aufbauhilfe muss nicht immer zum Erfolg führen (Hoeneß!).

Positiv mitnehmen kann der Club immerhin, dass man gegen nicht ganz so motivierte Bayernstars mithalten und dass man gegen Drittliga-Bayern sogar gewinnen kann. Vielleicht passt der Kader also doch, bloß die Liga nicht.

Ein Letztes:

Seltene Glücksgefühle

Die Woche:

  • Club-Kapitän Hanno Behrens wurde inzwischen nicht mehr bloß von den „ewigen Netz-Nörglern“, sondern auch von der „seriösen Presse“ zum „Gesicht der Krise“ erklärt. Als „Gesicht des Aufstiegs“ galt er eigentlich als sakrosankt. Und deswegen wurde die Kritik an ihm auch nur refereiert und gleich wieder widerlegt (andere haben noch schlechtere Zweikampfquoten u.ä.). Immerhin kaum widerlegbar ist, dass Hanno Behrens zuletzt nie an frühere Leistungen anknüpfen konnte, wahrscheinlich auch deswegen, weil er mit der Rolle als Kapitän überfordert ist. Das dürfte aber möglicherweise daran liegen, dass an diese Rolle inzwischen andere Ansprüche geknüpft werden. Bezeichnend wie ihn Palikuca nach der Niederlage in Bochum vor den versammelten TV-Kameras zur Seite genommen hatte, um ganz offensichtlich mit ihm die Entlassung Canadis zu besprechen. Da wurde der brave Hanno in eine Art Brutus-Rolle gedrängt. Schon mit der Verpflichtung von Palikuca und Canadi hatte der FCN jedoch den von Behrens präferierten Weg des netten, freundlichen Umgangs miteinander verlassen. Die – manchmal vielleicht wirklich nicht leistungsfördernde – Harmonie in der Mannschaft war einigen wohl ein Dorn im Auge. Insofern ist Hanno schlicht der Falsche für die ihm zugedachte Rolle. Den Vorwurf der Undankbarkeit sollte man also, wenn schon, an die richtige Stelle adressieren.
  • Apropos Dankbarkeit. Ein anderer Aufstiegsheld sollte in der Winterpause an den FC Paderborn abgegeben werden: Mikael Ishak. Der hat dem Tabellenletzten der 1. Liga mittlerweile aber abgesagt. Beim Club aufgestellt wird er derzeit dennoch nicht. Keller vermutet, er sei aufgrund seiner Wechselbemühungen nicht voll bei der Sache.
  • „Das Ende ist nah“ lautete die NN-Überschrift vor dem Keller-Duell gegen Dynamo Dresden. Man kann das vielfältig interpretieren. Bestenfalls, dass ein für den „Ruhmreichen“ wenig ruhmreiches Jahr sein Ende findet. So bestünde wenigstens die Hoffnung, es könnte nächstes Jahr wieder besser werden. In diesem Sinne: frohe Weihnachten! Genießt die spielfreie Zeit! Wir haben es uns verdient.

Das Spiel:

Nürnberg gegen Dresden, das ging nicht bloß zum Hinrundenauftakt zu unseren Gunsten aus. Auch bei der Bewerbung um den Kulturhauptstadttitel hieß es letzte Woche: Vorteil Nürnberg. Dresden gehörte dagegen zu den drei Oststädten, die aussortiert wurden.

Auch sonst verbreiteten die Sachsen nicht unbedingt Angst und Schrecken. Vier Stammspieler mussten beim Kellerduell ersetzt werden. Dazu lief Torwart Broll in einem Behelfstrikot mit abgeklebter Rückennummer auf (Schuld daran war allerdings Schiedsrichter Jöllenbeck, der Bedenken hatte, das mitgebrachte grüne Hemd könnte bei Nässe nachgrauen und dann nicht mehr von den grauen Nürnberger Trikots unterscheidbar sein).

Demgegenüber hatte sich Clubstürmer Michael Frey die langen Haare abrasiert. Offenbar sollte ihm die Glatze im Strafraum mehr Respekt verleihen.

Ihr merkt schon: Auf dem Platz passierte erst einmal nicht viel Berichtenswertes. Der Club hatte zwar ein Übergewicht und mehr Ballbesitz. Allerdings ohne daraus irgendwelches Kapital schlagen zu können. Dem Spiel war deutlich anzumerken, dass da zwei der augenblicklich schwächsten Mannschaften der 2. Liga aufeinander trafen.

Trotzdem ging der Club in der 33. Minute in Führung. Der zuletzt arg kritisierte Kapitän Hanno Behrens hatte in den Strafraum geflankt. Dovedan, für den diese bestimmt war, rutschte zusammen mit seinem Gegenspieler weg. Dahinter stand Robin Hack völlig frei, erwischte den Ball aber nicht richtig. Der trudelte dann aber neben dem linken Pfosten ins Tor.

Mit der knappen Führung ging es in die Pause.

Aber was heißt das schon? Schließlich pflegte der Club in der Schlussphase regelmäßig die Punkte zu verspielen. Da half es dem durch solche Erfahrungen pessimistisch gewordenen FCN-Fan auch nicht, dass in der 53. Minute erneut Hack – wieder auf Vorlage von Behrens – auf 2:0 erhöhte.

Allerdings brannte diesmal hinten nichts mehr an. Das lag zum einen daran, dass die Dresdner nach vorne nicht viel zustande brachten, Zum anderen aber auch daran, dass mit Georg Margreitter (für ihn musste Mühl draußen bleiben) mehr Stabilität in die Clubabwehr einkehrte.

So brachte der Club dias 2:0 unfallfrei über die Zeit und kann ein bisschen hoffnungsvoller in die Winterpause gehen. Allerdings wurde uns der Sieg diesmal auch ziemlich leicht gemacht. Anlass, von einer Trendwende zu sprechen, betsht also noch nicht.

Ein Letztes:

Nicht dumm, die Eistiger. Denn wer den Club nicht mehr packt, der wechselt nicht den Verein, der wechselt gleich die Sportart.

Langsam fehlen die Worte

Die Woche:

  • Ein bisschen verwundert hörten wir, was Spieler und Trainer nach dem Auftritt in Stuttgart von sich gaben. Demnach war es offensichtlich eher Pech, dass das Spiel verloren wurde. Ist das schleichender Realitätsverlust oder soll auf die Zartbesaitung der Spieler Rücksicht genommen werden? Wenn letzteres stimmt, fragt man sich allerdings wie das zum brandredenden Palikuca passt. Kein Wunder, dass auch wir Fans manchmal schwankend sind, ob wir pfeifen oder Aufbauarbeit leisten sollen.
  • Ein Aussage nach dem Stuttgart-Spiel gab dann aber doch zu denken. Michael Frey erklärte, der Mannschaft habe am Ende die Kraft gefehlt. Kurz danach kamen übrigens Rufe nach Felix Magath und seinen Medizinbällen.
  • Geschichte scheint sich manchmal zu wiederholen. Vom Ingolstadt-Itermezzo unseres derzeitigen Trainers reden wir dabei (noch!) nicht. Vielmehr sind nach einer Club-Niederlage erneut Zweifel an der Identität eines Gegenspielers aufgetaucht. Diesmal geht es um den Schützen zum 1:1, mit dessen Einwechslung übrigens die Wende zugunsten des VfB kam. Wobei auch wir nicht genau wussten, heißt der nun Silas oder Wamangituka. Inzwischen kursiert auch der Name Mvumpa Katompa. Wie schon bei Bakery Jatta vom HSV soll der Spieler zudem ein Jahr älter sein. Der Club zeigte sich immerhin lernfähig und legte dieses Mal keinen Protest ein.
  • Der Begriff Trendwende trendet derzeit am Valznerweiher. Gerade so, als sei es nur eine Art Modererscheinung, dass der Club auch in der zweiten Liga nicht zurecht kommt.
  • Vergangene Woche hatten wir hier gefragt, wo sich denn der Aufsichtsrat versteckt. Prompt ist dessen Chef Thomas Grethlein aus der Versenkung aufgetaucht. Allerdings hat er sich nicht dazu gesäußert, wie der Club aus der Krise kommen will. Auch das eigene Vorgehen und dessen Auswirkungen auf die aktuelle Krise (Zweijahresplan) hat er nicht hinterfragt. Nein, er hat seiner Freude darüber Ausdruck verliehen, dass Nürnberg nicht zu den drei Absteigern im Rennen um den Kulturhauptstadttitel gehört. Ist wohl auch nur einer dieser Erfolgsfans, der Herr Grethlein.

Das Spiel:

Dass das kein schönes Spiel werden würde, war zu erwarten. Gegen Holstein Kiel konnte Jens Keller zwar wieder aus dem Vollen schöpfen und beispielsweise Robin Hack aufs Feld schicken. Der sollte offenbar die Konter fahren. Ansonsten überließ der Club, der bekanntlich nicht damit zurecht kommt, selber das Kommando zu übernehmen, den Gästen weitgehend das Spielgerät. Auch was Ecken, Passquote und Zweikämpfe anging, waren die Kieler im Vorteil. Echte Torchancen entwickelten sich allerdings hier wie da nicht.

Kampf und Krampf dominierten die Anfangsphase. Bis zur 37. Minute. Da bekam der Club nach einem Foul an Dovedan aus aussichtsreicher Position einen Freistoß. Den verwandelte dann ausgerechnet ein Verteidiger: Asger Sörensen hämmerte den Ball unhaltbar ins linke Eck.

Euphorie kam allerdings nur kurz auf. Keine zwei Minuten später fiel Özcan in Strafraum. Behrens, der zuvor schon durch etliche unglückliche Aktionen aufgefallen war, rutschte auf dem nassen Boden aus und zog den Kieler mit zu Boden. Eigentlich zu wenig für einen Elfmeter. Aber egal: Felix Dornebusch, die Nürnberger Nummer 5, hielt nämlich den vom „Gefoulten“ selbst geschossenen Strafstoß. So rettet der Club das 1:0 in die Pause. Wie schon in Stuttgart.

Zunächst lief es jedoch anders. In der 67. Minute war es Hack, der den Club mit 2:0 in Führung brachte. Da schien alles für den Club zu laufen. Da dachte man wieder mal: Jetzt ist sie da, die Wende, jetzt setzt sich die angebliche Qualität des Kaders durch. Allerdings war zunächst der aus der Vereinslosigkeit verpflichtete Clubkeeper Dornebusch mehrfach gefragt, um die Null zu halten. Die KStorche aus Kiel schlugen dann allerdings in der 77. Minute doch zu. Serra macht den Anschlusstreffer und schon begann erneut das Zittern. Der Club stand nur noch mit Mann und Maus hinten drin, um den lange ersehnten Sieg nach Hause zu fahren. Aber der Club, – vor allem der Club 2019 – wäre nicht der Club, wenn so etwas klappen würde. Mit der letzten Aktion erzielte Thesker noch den Ausgleich. Die Krise geht weiter. Nächstes Wochenende gibt´s Kellergipfel gegen Dresden. Es schwant einem nichts Gutes.

Ein Letztes:

Der Kader ist doch nicht so schlecht, wie viele behaupten:

Völlig von der Rolle

Die Woche:

  • Von einem seiner früheren Trainer wurde Lukas Mühl nicht nur „Bescheidenheit“ attestiert. Er wurde auch als „lernwillig und lernfähig“ bezeichnet. Offenbar hat er gelernt, dass einen Bescheidenheit im Profigeschäft nicht weiterbringt. Das war schon Anfang der Saison so, als er einen Stammplatz einforderte. Jetzt hat er gegen Ex-Trainer Damir Canadi nachgetreten. Wenn es bei der Suche nach Fehlern hilft, soll es uns recht sein. Trotzdem darf man die auch mal bei sich selbst suchen.
  • Immerhin ist Mühl ein sogenanntes Club-Eigengewächs. Solche identifizieren sich mitunter eher mit dem Verein und sollten deswegen möglichst gehalten werden. Das trifft eigentlich auch auf Patrick Erras zu. Dennoch steht er nach zuletzt eher dürftigen Leistungen vor einem Wechsel. Vielleicht hat er aber ebenfalls nur unter Canadis Vorgaben gelitten, und man sollte das nochmal überdenken.
  • Für die einen ist es nur ein T-Shirt mit Sternchen drauf, für die anderen „Ausdruck unserer Liebe zur Stadt“, ein an das „Gewand des Christkinds angelehntes Jersey“, verziert mit einem „dezenten, floralen Stoffmuster“… Zumindest marketingmäßig scheint der FCN in der ersten Liga mitzuspielen. Das schlägt sich dann auch im Preis für das Sondertrikot nieder: 89,95 Euro.
  • Club-Offensivspieler Virgil Misidjan muss nicht in den Knast. Zunächst war er wegen Körperverletzung zu vier Monaten Knast verurteilt worden. In der Berufung kam er glimpflicher davon: Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit. Mancher witzelte daraufhin, auch eine erfolgreicher Einsatz für den Club wäre gemeinnützig.

Das Spiel:

Zum ersten Heimspiel unter Trainer Keller durfte die Club-Elf mit den neuen Christkindlesmarkt-Trikots auflaufen. Mit denen wollten die Spieler offenbar eine gute Figur abgeben und gleichzeitig ein bisschen Glühweinstimmung verbreiten. Nur blöd, dass sich der Tabellenletzte aus Wiesbaden da nicht eingroovte. Der erspielte sich bereits in der 2. Minute die erste gute Chance. Doch der Ex-Nürnberger Dittgen schoß am Tor vorbei. Zwei Minuten später machte es Schäffler besser. Er hob den Ball über Dornebusch hinweg und machte das 0:1 . Schiedsrichter Stegemann hatte zunächst auf Abseits entschieden. Auf den Videobildern war aber erkennbar, dass Valentini die Abseitsfalle aufgehoben hatte.

Jetzt wich die harmonische Weihnachtstimmung allgemeiner Verunsicherung. Einfachste Pässe kamen nicht mehr an. Wehen-Wiesbaden konnte den Club ruhig den Ball überlassen, der wusste damit eh nichts anzufangen. Eine halbe Stunde lang gab es keine einzige Torchance, aber 70 Prozent Ballbesitz. Erst gegen Ende der ersten Hälfte bekam Gästekeeper Lindner doch noch etwas zu tun. Überwinden ließ er sich aber nicht.

Anders war das bei seinem Kollegen auf FCN-Seite. Der versuchte offenbar eine Erklärung dafür zu liefern, warum ihn der heutige Gegner vor der Saison nur als Ersatztorwart verpflichten wollte. Bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff lief Dornebusch unmotiviert raus. Kyereh nutzte die Gelegenheit und markierte das 0:2 per Fernschuss ins verwaiste Clubtor.

Nun musste der abermals verunsicherte Club also zwei Tore aufholen. Und wie wir das kennen, bekommt er das geordnet nicht hin. Da versuchen es dann Geis, Frey oder Hack lediglich mit Einzelaktionen. Mannschaftssport Fußball? Nicht beim Club.

Es folgte einfalls- und sinnloses Angerenne, wie wir es zur Genüge kennen, Dann pfiff der Schiedsrichter auch noch Elfmeter für Wiesbaden. Mühl stellte sich gegen Kyereh ungeschickt an. Der hatte zuvor aber den Ball mit der Hand mitgenommen, so dass der Elfmeter zurückgenommen wurde.

An der hilflosen Spielweise des FCN änderte das jedoch nichts. Höchstens an der Erkenntnis, dass es nicht nur in der Abwehr hapert. Auch nicht an der Misere im Tor (Mathenia war auch immer für einen Klops gut). Dass da elf Einzelindividuen auf dem Platz stehen, die scheinbar keinen Plan haben, hat offensichtlich weitreichendere Ursachen.

Im Augenblick ist zudem nicht erkennbar, wie der freie Fall beim FCN gestoppt werden kann. Der branchenübliche Impuls von Außen ist ja durch den Trainerwechsel schon verpufft. Vielleicht ist es auch ein Fehler, dass der nette Herr Behrens auf den Platz steht und der unnette Herr Palikuca Personal anwerben soll.

Ein Letztes:

Vorweihnachtliches Männleinlaufen (vorausgesetzt, die trauen sich noch raus):

Keine gute Adresse mehr

Die Woche:

  • Es scheint so, als wäre selbst Alemannia Aachen eine bessere Adresse als der Club. Peter Hermann, der lange Zeit beim Club im Gespräch war, hat jedenfalls lieber dort als sportlicher Berater angeheuert.
  • Die peinliche Pleite gegen Bielefeld hat dem FCN-Ansehen zusätzlich geschadet. Der zunächst als Canadi-Nachfolger vorgesehene Markus Anfang soll nach dem Spiel – laut Bild – neue Forderungen gestellt haben; möglicherweise und naheliegend die nach stabilerem Personal für die Abwehr. Das hat der Aufsichtsrat angeblich abgelehnt. Nachdem zuvor schon Achim Beierlorzer dem Club abgesagt hatte, zog Palikuca Jens Keller aus dem Hut. Hatte der nicht gerade einen Auftritt beim Trainerbewerbungsportal „Blickpunkt Sport„? Billig, verzweifelt, waren so die Adjektive, die einem zu allererst einfielen. Ein Eindruck der sich schon aufdrängte, als vor einem Jahr der FC Ingolstadt in einer ähnlichen Situation Keller als Retter präsentierte. Nach nur zwölf Spielen und lediglich drei Siegen musste Keller (er machte bei der FCN-Vorstellungs-PK den damals noch fehlenden Videobeweis für die unglückliichen Ergebnisse verantwortlich) wieder gehen und die Schanzer stiegen später in die dritte Liga ab. Andererseits hat Keller durchaus auch Erfolge (bei Schalke 04 und Union Berlin) vorzuweisen. Hoffen wir also, dass sich die etwas ältere Historie wiederholt, der VAR funktioniert, Nürnberg nicht zu Ingolstadt 2.0 wird und der knausrige Aufsichtsrat nicht das Geld, das er bei den Spielern spart, für Trainerabfindungen rauspulveren muss.
  • Es gibt auch Leute, die sind zuversichtlich, dass das mit Jens Keller was wird. Toni Leistner (jetzt: Queen Park Rangers, früher: Union Berlin) hält viel von seinem Ex-Trainer. Warum er in Berlin gehen musste, darüber vermitteln die Kommentare auf der Liga-zwei.de-Seite einen kleinen Einblick. Mancher Clubfan fühlt sich an Michael Oenning erinnert.
  • Bedenklich stimmt auch ein Blick auf den nächsten Clubgegner. Der verkündete gerade, sein Trainingslager wieder im türkischen Belek abhalten zu wollen, Was nicht erwähnt wird: Das ist nicht nur preiswert, sondern hat auch den Nebeneffekt, dass keine nervigen Journalisten mitfahren dürften, weil die fürchten müssen, nicht mehr rausgelassen zu werden.

Ein Letztes:

„Es gibt so viele wirkliche Probleme auf der Welt, da sind die selbst geschaffenen beim Club und 1860 doch ein Scheiß dagegen.“

Hannes Ringlstetter (FCN- und Löwen-Fan)

Kurioses Unentschieden

Die Woche:

  • Nicht wenige von uns glauben, dass es große Künstler am Ball gibt. Dass die irgendwann mal im Club-Dress spielen, diese Hoffnung hat wohl selbst FCN-Aufsichtsratsmitglied Ulrich Maly aufgegeben. „Kommst du nicht zur Kunst, kommt die Kunst zu dir“, hat er verlauten lassen und damit eine erstmalig beim heutigen Heimspiel durchgeführte Kunstaktion angekündigt. Wir Fans würden trotzdem lieber den Aufstieg wählen als den Kulturhauptstadttitel. Nur falls einer fragt. So richtig gezündet haben die Bandenbotschaften (z. B. „reden über Zentimeter“) jetzt auch nicht.
  • Ohnehin ist der FCN eher der Verein der braven Handwerker. Das wird nicht nur im Namen eines Mitglieds unseres Profikaders deutlich, sondern auch auf Sponsorenebene.
  • Nach dem Sieg in Hannover ging der zuvor etwas gesenkte Clubblick ganz schnell wieder nach oben. Gerade weil das aber so schnell gehen kann, sollte man die Distanz nutzen, um sich mal mit dem RWE-Phänomen zu beschäftigen. Es gibt nämlich Schlimmeres als geplatzte Aufstiegshoffnungen.
  • Unter Ausschluss der Öffentlichkeit findet am Mittwoch das Testspiel gegen den FC Ingolstadt statt. Der Club nutzt so die Länderspielpause.

Das Spiel:

Gegentoren gehen meistens eigene Fehler voraus. Wer, wenn nicht der Club, könnte eine derartige Binsenweisheit widerlegen? Es kann nämlich auch ein Fehler des Linienrichters zu einem Tor führen. So geschehen in der 23. Minute. St. Pauli griff über rechts an. Beim Pass auf Ohlsson hob der Linienrichter sofort die Fahne. Jeder, auch die Clubabwehr dachte: Abseits! Schiri Koslowski setzte die Pfeife zum Mund, pfiff aber offenbar nicht. Dass St.Pauli-Stürmer Gyökeres den Ball noch ins Netz schoss, geschenkt! Aber da sind ja noch die Videoschiedsrichter. Die erkannten zurecht, dass keine Abseitsstellung vorlag. Das Tor wurde gegeben. Bleibt als Erkenntnis nur: Immer weiterspielen, nicht von Unparteiischen irritieren lassen! Trotzdem: Unglücklicher kann ein Rückstand kaum fallen. Wobei sich das unglücklich durchaus auch auf den Videobeweis und das gegenwärtige Schiedsrichterwesen bezieht.

Leider war der Club dann auch noch unglücklich im Verwerten der sich zahlreich ergebenden Großchancen. War gegen Hannover 96 fast jeder Schuss ein Treffer, schien das von Himmelmann allerdings auch exzellent gehütete gegnerische Tor wie vernagelt. So gimg es mit dem Rückstand in die Pause.

Inzwischen hat der Club längst aufgeholt, was Ballbesitz und Passquoten angeht. Die in Hannover erfolgreiche Taktik war ja nach der Fahnenirritation nicht mehr aufrechtzuhalten. Dass der Club dann in der 51. Minute zum Ausgleich kam, war längst verdient, wenn auch der Treffer eher glücklich zustande kam. Dovedan, der diesmal wieder nicht überzeugen konnte, wollte eigentlich nach rechts ablegen, von einem gegnerischen Abwehrbein prallte der Ball jedoch zu Hanno Behrens, der den Ball in die Maschen wuchtete.

Danach hatten allerdings prompt die Hamburger eine Großchance. Miyaichi legte allerdings vor dem Clubtor anstatt selbst zu schießen noch quer, so dass Sörensen noch dazwischen gehen konnte. Zehn MInuten später war wieder die Fahne des Linienrichters oben und der Ball im Tor. Diesmal allerdings in dem von Mathenia. Diesmal zählte es aber nicht. Der Clubkeeper wurde von einem im Abseits stehenden Gegner irritiert.

Allerdings schaffte es der FCN aber ebenfalls nicht, seine Chancen zu nutzen. Hack traf lediglich den Pfosten. In der Nachspielzeit musste Mathenia noch einmal Kopf und Kragen riskieren, um wenigstens den einen Punkt zu sichern. Danach pfiff Schiri Koslowski ab. Bezeichnend, dass das noch nicht das Ende war. Minutenlang wurde Mathenia auf dem Platz verarztet, ehe er sich dann doch noch in den Spielerkreis einklinken konnte.

Fazit: Nach dem Höhenflug in Hannover ist der Club wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Da war definitiv mehr drin. Und noch eine Erkenntnis: Nehmt den Offiziellen bitte die Fahnen weg. Die Schiedsrichter sind eh akustisch miteinander verbunden und diese analogen Relikte dienen offenbar nur noch der Irritation von Spielern und Zuschauern.

Ein Letztes:

Leiser! Ich hör nix! Vielleicht könnte der Akustiker der österreichischen Skinationalmannschaft weiterhelfen…