Kommt es zur Revanche im Ronhof?

Die Spielvereinigung gegen den Hamburger SV: Heute Abend gibt’s im Ronhof das erste Schlagerspiel der Saison 2018/19 fürs Kleeblatt. Interessant wird die Begegnung aus verschiedenen Gründen:

1. Der HSV ist zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte zweitklassig. Das will der Bundesliga-Dino schleunigst ändern.
2. Das letzte Spiel hat der HSV blamabel mit 0:5 gegen Jahn Regensburg verloren. Das wird er nicht auf sich sitzen lassen wollen.
3. Die Spielvereinigung hat quasi noch eine Rechnung mit dem HSV offen: In der Relegation 2014 trennte sich das Kleeblatt zu Hause im Rückspiel (Foto: Sportfoto Zink) knapp mit einem 1:1. Das Tor von Pierre-Michel Lassogga war ausschlaggebend  – aufgrund der „Das-Auswärtstor-gilt-mehr-Regel“ gab es keine Verlängerung und kein Elf-Meter-Schießen. Damit blieb der SpVgg der Wiederaufstieg in die Bundesliga verwehrt.
4. Khaled Narey, der bis Ende der letzten Saison ein Kleeblatt und der Derbyheld war, hat beim HSV angeheuert und sich da zum Tormacher entwickelt. Er ist in der Spielweise ein ähnlicher Typ wie David Atanga. Wer wird sich heute durchsetzen?
5. Lasogga war bei der Klatsche gegen Jahn Regensburg erst in der zweiten Halbzeit auf dem Platz. Eine Partie vorher – gegen den 1. FC Heidenheim – wurde er auch erst in der 46. Minute eingewechselt und erzielte dann drei Tore in neun Minuten.
6. Eben dieser FC Heidenheim hat letzten Sonntag das Kleeblatt mit 2:0 besiegt und ihm die erste Niederlage zugefügt.

Also: Das wird heute ab 20.30 Uhr eine spannende und sicher aufregende Begegnung im vermutlich ausverkauften Fürther Ronhof. Mal sehen, was die Spielvereinigung daraus macht. Sie hat sicher Potenzial und kann auch gegen gute Gegner – wie gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal – „bella figura“ machen. Ganz anders – die „3 Clubfreunde“ mögen mir die Spitze verzeihen – als der 1. FC Nürnberg gestern Abend bei der 0:7-Niederlage gegen den BVB in Dortmund. Ein wenig Schadenfreude auf Seiten der Kleeblattfans mag erlaubt sein.

Derbyheld Narey wird zum Torjäger beim HSV

Khaled Narey gehört zu den Fußballspielern, die ich während seiner Zeit bei der Spielvereinigung immer geschätzt habe. Er hat sich engagiert, ist gelaufen und gelaufen, er war sich (fast) nie zu schade, jedem möglichen Ball hinterher zu jagen. Der im rheinland-pfälzischen Neuwied geborene Rechtsaußen mit togolesischer Abstammung war vom 1. Juli 2016 bis zum 1. Juli 2018 beim Kleeblatt.
Zur aktuellen Spielzeit wechselte er von der SpVgg weiter lesen

Veilchen verpassen dem Kleeblatt blaues Auge

Fast schon ein bisschen Oberwasser hatten viele Kleeblattfans vor der heutigen Begegnung gegen den FC Erzgebirge Aue. Denn die Sachsen lagen hinter dem Kleeblatt auf dem 16. Tabellenrang. Aber wie so oft kam es anders als man es erwartete. Und die Veilchen gewannen – durchaus verdient – mit 2:1.

In der ersten Halbzeit hatte man als unvoreingenommener Zuschauer den Eindruck, dass die SpVgg ihrer zuletzt guten Form hinterherhechelte. Da kam kein Pass an, die effektive Abwehr um Marco Caligiuri machte Fehler, der Angriff versemmelte eine Chance nach der anderen. Es waren vielmehr die Erzgebirgler, die gute Möglichkeiten hatten, präzise agierten, die klar bessere Mannschaft waren. Und in der 34. Minute ging Aue dann in Führung: Nazarov traf mit einem Distanzschuss nur den Pfosten, Maloca spielte den Ball Pascal Köpke vor die Füße – und dieser schoss ins lange Eck. Zum Leidwesen der 240 angereisten Kleeblattfans (die das Spiel mit weiß-grüner Pyro eröffnet hatten, Foto:Sportfoto Zink) legte Malcolm Cacutalua noch vor der Halbzeitpause den zweiten Treffer obendrauf. Eine mäßige Bilanz fürs Kleeblatt nach 45 Minuten. Wenn Fürths Keeper Sascha Burchert nicht mehrfach engagiert pariert hätte, wäre für die Veilchen noch mehr drin gewesen. weiter lesen

Ist der Derbysieg der Befreiungsschlag?

Wer hätte sich das in seinen kühnsten Träumen vorgestellt: Die Spielvereinigung hat das 264. Lokalderby gegen den 1. FC Nürnberg mit 2:0 gewonnen. Die glücklichen Torhelden heißen Khaled Narey und Daniel Steininger (Foto: Sportfoto Zink).
Die Stimmung bei einigen Fürther Fangruppen und den Kleeblattanhängern vor der brisanten Begegnung war offenbar nicht allzu prickelnd: Von den 4000 möglichen Eintrittskarten ins Max-Morlock-Stadion waren 1300 zurückgegeben worden. Ein Armutszeugnis! Doch die verbleibenden 2700 Kleeblattfans machten richtig gute Stimmung und feierten den ersten Auswärtssieg ihres Vereins in dieser Saison.

Das Spiel startete mit einer Bombenchance von Fabian Reese in der 7. Minute. Der Ball ging knapp übers Nürnberger Tor. Ein vielversprechender Auftakt! Der Club – aktueller Tabellenführer und potenzieller Aufstiegskandidat – kam in keiner Phase richtig ins Spiel. Die Mannschaft war ideenlos und kam offenbar mit dem immensen Druck des Frankenderbys im eigenen Stadion schlecht klar. Bis zur Halbzeitpause war man andererseits als Kleeblattfan froh, dass nichts passiert war.
Dann der Knaller vier Minuten nach dem Wiederanpfiff: Einen langen Ball von Maxi Wittek aus der eigenen Hälfte verteidigt Khaled Narey erfolgreich und schießt dann von der Strafraumgrenze aus der Drehung flockig aufs Clubtor. Und der Ball ist drin! Ein unerwartetes 1:0 für die SpVgg in der 49. Minute. Der Club reagierte völlig konsterniert, er hätte um ein Haar kurz darauf das 0:2 kassiert, aber Alexander Fuchs rettete.
Nürnberg schoss einen Bock nach dem anderen, ließen ein Konzept vermissen und scheiterte immer wieder an der kompakten Fürther Abwehr. Der FCN hatte mit dem eingewechselten Werner (82.) und Behrens (90.+1) allenfalls kleine Chancen, die er nicht verwandeln konnte. Die Fürther Zuschauer zitterten und zählten die verbleibenden Spielminuten runter. Hoffentlich nicht noch das Ausgleichtstor!  Dann wurde Daniel Steininger eingewechselt. In der zweiten Minute der vierminütigen Nachspielzeit startete er einen Alleingang in Richtung Nürnberger Tor. Er agierte souverän und nervenstark – und traf zum 2:0. Das besiegelte den ersten Auswärtssieg der Spielzeit 2017/18. Für das Kleeblatt ganz wichtige drei Punkte im Abstiegskampf.

Bis zu den Spielen von Eintracht Braunschweig (morgen) und dem VfL Bochum (Montag) liegt die Spielvereinigung mit 30 Punkten jetzt erst mal auf dem 13. Tabellenplatz. Wenn dieser heutige Derbysieg nicht der Anfang vom Weg nach oben ist, dann möchte ich es wissen!

Erst mal Luft zum Durchschnaufen

Er ist so wichtig im Abstiegskampf – dieser heutige 2:1-Heimsieg des Kleeblatts gegen Eintracht Braunschweig. Sieben Spiele lang war die Spielvereinigung zu Hause schon ungeschlagen, heute also zum achten Mal.

Das Kleeblatt hatte in der ersten Spielhälfte nach einigen Startproblemen eindeutig mehr vom Spiel. In der 21. Minute gelingt es Khaled Narey nach Vorbereitung von Julian Green, seinen Gegner Reichel zu umspielen und einen Schuss aus kurzer Distanz im Kasten der Eintracht zu platzieren. Doch statt aus dieser Führung etwas zu machen, rennen die Fürther im Anschluss erfolglos gegen die Braunschweiger Abwehr an. Und obwohl sie mehr Ballbesitz haben, können sie ihre Dominanz nicht in einen zweiten Treffer ummünzen. Der Eintracht gelingt es nach einer guten halben Stunde, den Druck zu erhöhen. Und nicht nur das: In der 45. Minute schafft ausgerechnet der Ex-Fürther Dominick Kumbela, der in seiner Zeit beim Kleeblatt keinen Treffer landen konnte, den Ausgleich – 1:1 auch der Halbzeitstand.

Und schon müssen die Fans in der zweiten Hälfte wieder zittern. Beim Kleeblatt kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Zum Glück können auch die Braunschweiger nicht an ihre starke Phase am Ende des ersten Durchgangs anknüpfen. So bleibt es lange Zeit beim 1:1-Spielstand. Kapitän Marco Caligiuri, der bis gestern gegen eine Grippe kämpfte, lässt in der 77. Minute eine Riesenchance verstreichen, als er, völlig frei stehend, eine einwandfreie Hereingabe von Maxi Wittek aus wenigen Metern Entfernung am Tor der Eintracht vorbeiköpft. Zu diesem Zeitpunkt war man als Fan eigentlich fast am Verzweifeln. Doch dann geht es blitzschnell: Erst ein verpatzter Fürther Konter, dann kann Jurgen Gjasula doch noch zu Sebastian Ernst passen – und der macht in der 79. Minute klare Sache: 2:1 für die Spielvereinigung (Foto: Sportfoto Zink).

Der Rest des Spiels bestand größtenteils nur noch aus Spielerwechseln auf beiden Seiten ohne sehenswerte Spielzüge. Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck gibt drei Minuten obendrauf, die die Eintracht zum Glück auch nicht mehr nutzen kann. Es bleibt beim insgesamt verdienten 2:1. Die Spielvereinigung steht nun auf dem 15. Tabellenplatz und hat sich dadurch zumindest etwas Luft verschafft. Allerdings: Der nun auf Rang 16 platzierte VfL Bochum hat an diesem Wochenende noch nicht gespielt. Und er muss morgen ausgerechnet gegen den 1. FC Nürnberg ran. Eine verflixte Situation, und das vor dem Lokalderby nächste Woche!!!

Endlich wieder ein Heimsieg im Ronhof!

Der Mann des Tages heißt Damir Buric. Der Fürther Coach hat mit seinen Entscheidungen vor und während der heutigen Begegnung gegen den FC Erzgebirge Aue alles richtig gemacht. Er stellte sein Team im Vergleich zur 0:3-Schlappe gegen den 1. FC Kaiserslautern wesentlich um: Für Keeper Balazs Megyeri kam Sascha Burchert, außerdem gehörten Neuzugang (und Ex-Kleeblatt) Roberto Hilbert, Manuel Torres und Serdar Dursun (für Sontheimer, Green und Hofmann) zur Startelf.
Ab Spielbeginn war die Spielvereinigung bei herrlichstem Altweibersommer konzentriert, voller Power und dominierte das Spiel. Die Gäste aus Aue taten sich schwer, agierten defensiv und hatten kaum Chancen. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit wurde dann das Engagement der Spielvereinigung auch belohnt: Khaled Narey, der nach einem guten Saisonstart in den letzten Spielen immer schwächer geworden ist – bringt einen weiten Schlag von Roberto Hilbert unter seine Kontrolle, macht sich im Strafraum Platz und nimmt Tempo auf. Der Verteidiger der Veilchen kann nicht folgen, und Narey schießt von halbrechts souverän flach ins linke Eck zum 1:0 (40. Minute). Ein Bilderbuchtor, das von den Zuschauern mit lautem Jubel honoriert wird. Und mit diesem Vorsprung geht das Kleeblatt in die Halbeitpause.
Die zweiten 45 Minuten starten wieder lebhaft. Das Kleeblatt spielt jetzt mit der Sonne. Mit einem Elfmeter (nach einem Duell im Strafraum zwischen Manuel Torres und Ex-Kleeblatt Nicolai Rapp), den der Schiedsrichter allerdings nicht gibt, hätte die Mannschaft ihre 1:0-Führung eventuell erhöhen können. Schade! Roberto Hilbert mischt sich mehr ein, kommt von Minute zu Minute besser ins Spiel. Am Ende einer guten Kombination verpasst er mit einem coolen Distanzschuss nur knapp seinen Premierentreffer (68. Minute). weiter lesen

Gjasulas Comeback und Zuljs Doppelpack

Ich hatte vor dem heutigen Auswärtsspiel gegen den FC Heidenheim optimistisch einen 3:1-Sieg des Kleeblatts vorhergesagt. Greuterweib uwo war jedoch eher skeptisch. Wir sollten beide nicht Recht behalten. Die Spielvereinigung hat gewonnen, aber „nur“ mit einem 2:0. Beide Treffer machte Robert Zulj, der nach Vorlagen von Veton Berisha und Khaled Narey den gegnerischen Torwart schlecht aussehen ließ.

In der ersten Halbzeit war das Kleeblatt eindeutig die dominierende Mannschaft. Nach einer guten Chance von Niko Gießelmann in der 7. Minute fiel eine Viertelstunde später das 1:0 durch Zulj. Die Gastgeber wussten mit dem Rückstand nicht umzugehen, sie leisteten sich viele Fehlpässe, was nicht gerade zur Qualität des Spiels beitrug. Kapitän Marc Schnatterer war während der gesamten 93 Minuten der mit Abstand beste Spieler im Team der Ostalbstädter. Nur: Er konnte keinen Ball im Fürther Tor unterbringen.

Nach der Halbzeitpause drehte sich die Situation allerdings um: Die Gastgeber agierten offensiver und souveräner, Schnatterer machte dem Kleeblatt das Leben weiter schwer: Einmal musste Balazs Megyeri sensationell mit den Fingerspitzen retten, dann setzte Schnatterer (Gott sei Dank!) knapp über die Latte (62., 63.). Glück für die Spielvereinigung!
Die angereisten Kleeblattfans jubelten, als in der 65. Minute Jurgen Gjasula nach langer Ausfallzeit (wegen eines Achillessehnenrisses) sein Comeback feiern konnte. Vielleicht war das der Kick für das Kleeblatt-Team? Denn schon drei Minuten später gibt Serdar Dursun den Ball an Narey, der an Zulj weiterleitet. Und der erhöht völlig ungestört den Fürther Vorsprung auf 2:0. Gjasula jubelt mit dem Torschützen (Foto). Vier Minuten später hat dann Khaled Narey noch mal ein tolle Chance, aber – wie so oft – schwächelt er im Abschluss und zielt aus spitzem Winkel links am Heidenheimer Tor vorbei (72.).

Mit dem heutigen Sieg kann das Kleeblatt seine Erfolgsserie fortsetzen: Für die Mannschaft von Trainer Janos Radoki war das bereits das achte Ligaspiel in Folge ohne Niederlage. Chapeau! Ausruhen kann man sich in dieser englischen Woche allerdings nicht. Am Mittwoch, 5. April, empfängt das Kleeblatt um 17.30 Uhr zu Hause im Fürther Ronhof Eintracht Braunschweig. Die rangiert mit 50 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz und könnte für die Spielvereinigung eine echt harte Nuss werden!

Kiez-Kicker unterschätzt – und prompt 0:2 verloren!

SpVgg Greuther Fürth - FC St. PauliIch mag den FC St. Pauli, wirklich. Aber dass die Spielvereinigung heute das letzte Heimspiel dieses Jahres mit 0:2 verloren hat, das war absolut unnötig und fahrlässig. Die erste gute Chance hatte Mathis Bolly schon gleich zu Beginn des Spiels, er konnte sie nicht verwerten und man hoffte auf mehr. Und was den 10. 000 Zuschauern im Fürther Ronhof dann vom Kleeblatt geboten wurde, war mehr als dürftig.

Eigentlich hätte der Hamburger Kiezclub ja ein machbarer Gegner sein müssen. Er lag mit (zu Anfang der heutigen Begegnung) sieben Punkten am Tabellenende, was für Fürth mit dem neuen Trainer Janis Radoki ein gefundes Fressen hätte sein müssen. Vielleicht hat man es sich zu leicht gemacht? Die Passquote (zugegeben auf beiden Seiten) war verheerend. Vom Kleeblatt ging keine ernsthafte Gefahr aus, ab und zu flackerte mal etwas wie Ehrgeiz auf. Allerdings nur schwach. Aber die Mannschaft, die zum Großteil im gegnerischen Strafraum agierte, waren die Hamburger. Wobei sie fußballerisch Nachteile hatten, zum Beispiel aufgrund ihrer Körpergröße in Kopfballduellen.

Aber es kam, wie es sich angedeutet hatte: In der 64. Spielminute machen die Hamburger dem Drama ein Ende. Waldemar Sobota gibt im Strafraum den Ball zurück auf Aziz Bouhaddouz, der schießt, Veton Berisha versucht sein Bestes und blockt. Aber Bouhaddouz ergattert den Ball ein zweites Mal und trifft ins linke untere Eck. Die Gästeecke jubelt, man ist komplett aus dem Häuschen.
Doch nicht mal nach dem Rückstand kamen die Fürther richtig in die Puschen. Coach Radoki nahm offensive Einwechslungen vor, um den Rückstand zu egalisieren oder sogar noch einen Sieg rauszuholen. Ohne Erfolg! Im Gegenteil: Auf einen Freistoß fürs Kleeblatt in der Nachspielzeit reagiert St. Pauli raffiniert mit einem Konter. Cenk Sahin marschiert alleine auf Khaled Narey zu (Foto), nimmt das Tempo raus, umläuft ihn, bekommt den Ball zurück und macht mit einem eleganten Lupfer über den Kleeblatt-Torwart Balasz Megyeri hinweg das 2:0 für St. Pauli.

Wie gesagt: Ich gönne den Kiez-Kickern den ersten Auswärtserfolg nach langer Zeit, damit endete eine Serie von elf Spielen ohne Dreier. Aber für Janos Radoki war es im dritten Spiel die erste Niederlage. Und mein Fazit: Das Kleeblatt machte es sich heute ehrlich gesagt zu leicht und erkannte nicht, dass auch ein Tabellenletzter imstande ist, alle Reserven zu mobilisieren. Der FC St. Pauli kämpfte heute wie ein verletztes Tier ums Überleben in der Zweiten Liga. Die Mannschaft, Trainer Ewald Lienen und die Fans feiern heute bis zum Umfallen!

Balázs Megyeri ist der Held des Tages

KSC - SpVgg Greuther FürthWie ausgewechselt spielte das Kleeblatt heute beim Karlsruher SC – zumindest in der ersten Halbzeit. Ich hatte Skepsis angemeldet, als sich der Verein von Stefan Ruthenbeck trennte. Ich fand seine ruhige Art wohltuend und traute ihm zu, einen guten Job zu machen. Doch der Erfolg blieb aus – aus welchen Gründen auch immer. Dem neuen Coach Janos Radoki ist es offenbar gelungen, die Mannschaft mit seiner direkten Art (neu) zu motivieren. Nach dem heutigen Auswärtssieg muss ich Abbitte leisten und zugeben: Der Trainerwechsel hat spielerisch etwas gebracht. Zwei Siege in zwei Begegnungen, das ist doch was!

Temporeich startete die heutige Partie vor 10 500 Zuschauern im Wildparkstadion. Und mit dem schnellen Start kamen die Karlsruher überhaupt nicht klar. Das Tor von Khaled Narey in der sechsten Minute war Labsal auf die Seelen der angereisten und daheimgebliebenen Kleeblattfans. Für den KSC wurde es in der 24. Minute dann noch düsterer: Sercan Sararer gibt den Ball in den Lauf von Mathis Bolly, der völlig skrupellos mit links den Treffer macht. Zwei Tore nach noch nicht mal einer halben Stunde!

Der Austausch von Bolly durch Serdar Dursun und Sararer durch Zlatko Tripić leitete eine aufregende Passage ein: Sebastian Heidinger foult Hoffer im Strafraum. Ein klarer Elfmeter, Heidinger bekam noch dazu die Gelbe Karte. Dimitris Diamantakos läuft an und schießt konzentriert ins Fürther linke Eck. Balázs Megyeri tut sein Bestes, hat aber keine Chance – der Anschlusstreffer! Jetzt hieß es hoffen, dass den Karlsruhern weder der Ausgleich oder Schlimmeres gelingt.
In der 90. Spielminute spitzt sich die Lage zu: Bei einem Freistoß klammert Niko Gießelmann seinen Gegenspieler Florian Kamberi. Schiedsrichter Arne Aarnink entscheidet zu Recht auf den zweiten Elfer gegen das Kleeblatt. Doch dieses Mal ist Torwart Megyeri clever: Diamantakos wählt naiverweise dieselbe Ecke, Megyeri reagiert und wehrt den Ball ab. Und auch beim Nachschuss reagiert der Ungar souverän.

Das Spiel endete 2:1 für die Spielvereinigung, sowohl heute als auch in der vergangenen Woche entschied sich die Partie in der letzten Minute zugunsten des Kleeblatts. Damit klettert die SpVgg mit 20 Punkten auf den (aktuell) neunten Tabellenplatz. Das nächste Heimspiel ist am Sonntag, 11. Dezember, ab 13.30 Uhr gegen St. Pauli zu Hause im Ronhof. Die Hamburger konnten heute nur einen Punkt holen und haben in der Zweiten Liga jetzt die Rote Laterne.

Wie kann man einen Vorsprung so verschusseln?

 Es gibt Fußballspiele, da wünschte man sich, es gäbe keine zweite Halbzeit. Zum Beispiel heute in der Auswärtspartie gegen Fortuna Düsseldorf. Vor über 25 000 Zuschauern (davon maximal 200 Kleeblattfans) in der Esprit-Arena bewies die Spielvereinigung einmal mehr, dass sie in der Sommerpause ihre Schwächen nicht in den Griff bekommen hat.

Aber chronologisch: Sowohl bei Fortuna Düsseldorf als auch bei den Gästen aus Fürth hatte man als Zuschauer zu Spielbeginn den Eindruck, dass sie lieber einen  gemütlichen Nachmittag verbracht hätten. Eine ungewöhnlich hohe Fehlerquote, kein richtiges Konzept auf beiden Seiten – das Spiel plätscherte so vor sich hin.  Null Torchancen, Fehlpässe en masse. Bis (mein derzeitiger Favorit beim Kleeblatt) Khaled Narey in der 22. Minute nach einer von Hennings abgeblockten Freistoßflanke von Gießelmann den Ball ins Düsseldorfer Netz katapultierte. Ihm ist der Treffer zu gönnen – Narey ist einer der aktivsten und engagiertesten Spieler im Kleeblatt-Team. Dementsprechend war seine Freude riesengroß, er holte sich sofort eine „Streicheleinheit unter Männern“ bei Coach Stefan Ruthenbeck ab (Foto). Die verbleibenden 20 Minuten der ersten Halbzeit blieben spielerisch uninteressant. Lediglich die Zweikämpfe wurden bissiger.

Dann also die zweite Halbzeit: Die Fortunen hatten offenbar von Trainer Friedhelm Funkel einen Motivationsschub erhalten, denn sie versuchten jetzt mit etwas mehr Power, den Kleeblättern auf die Pelle zu rücken. Doch sie scheiterten am Fürther Keeper Balasz Megyeri, der einen sicheren Eindruck machte. Allerdings: Das Spiel ließ nach wie vor an Klasse zu wünschen übrig. Eben typisch Zweite Liga!?! Die Spielvereinigung war im Zuspiel ungenau und fahrig. Die üblichen Verdächtigen wie Veton Berisha und Sebastian Freis spielten öfter ihren Widersacher als den eigenen Teamkollegen an. Und die Sturmhoffnung Serdar Dursun schaute entweder Bällen hinterher oder versuchte, mit unfairen Attacken die Gegner aus dem Rhythmus oder sogar zu Fall zu bringen. Im Gegenzug musste heute Robert Zulj viel einstecken.

Und so kam es, wie es kommen musste: Hennings ließ in der 78. Minute Franke im Regen stehen, spielte einen überlegten Querpass nach innen auf Oliver Fink, Marco Caligiuri kam nicht mehr an den Ball, und Fink schob den Ball locker aus wenigen Metern Distanz ins Fürther Tor. Megyeri hatte keine Chance, den Ausgleich zu verhindern. So wurde das Kleeblatt heute für seine zu flapsige Spielauffassung und seine passive Haltung mit dem Verlust von zwei Punkten bestraft. Ohne jetzt zu hart urteilen zu wollen: selber schuld. So kann und darf man sich einen 1:0-Vorsprung nicht nehmen lassen. Dabei hatte Fortuna Düsseldorf heute keinen Glanztag. Gar nicht daran zu denken, was passiert, wenn die Spielvereinigung auf richtig gute Gegner trifft.

Zum Beispiel am nächsten Spieltag: Die Spielvereinigung empfängt kommenden Freitag, 16. September, um 18.30 Uhr zu Hause den starken Aufsteiger Würzburger Kickers. Die stehen nach vier Spielen immerhin auf dem vierten Tabellenplatz – zwei Plätze vor dem Kleeblatt. Und am 20. September steigt dann das Derby gegen den 1. FC Nürnberg. Da ist dann unbedingte Konzentration angesagt, sonst….