Die Wüste lebt

Hitze, Staub, Sand und weit über 50.000 Menschen. So könnte man Burning Man kurz und knapp beschreiben. Doch da ist auch Kunst, Kultur, Gemeinschaft, friedliches Beisammensein, Teilen, Phantasie, Kreativität und vieles mehr. Inmitten eines gewaltigen trockenen Seebettes wird Jahr für Jahr das Burning Man Festival abgehalten. Die Ansiedlung aus Zelten, Campingwagen und Camper nennt sich dann für eine Woche „Black Rock City“, hier in der Black Rock Wüste von Nevada. Und es wird in dieser Woche eine der größten Städte des Bundesstaates.

Am Eingang stehen vier Splitternackte, drei Männer, eine Frau, die einen erst einmal mit einer Umarmung begrüßen. Alles ist anders in Black Rock City. Ein paar einleitende Worte, ein paar Warnungen. Der nackte Herr, so um die 50, einen Cocktailbecher in der Hand, warnt, dass die Polizei, die hier auch patroulliert, aufpasst, dass man auch im Wagen angeschnallt ist. OK!

VW Bus parken, Camp aufbauen und dann aufs Fahrrad schwingen, um das riesige Gebiet abzufahren. Von überallher dröhnt Musik. Meist Technomusik. Überall wird getanzt, gelacht, genossen. Wie ein Hufeisen ist Black Rock City angelegt. Außen die Camps in Straßen, man orientiert sich nach der Uhrzeit, also z.B. „L“ Street zwischen 7:30 und 7:45. Der Mittelbereich nennt sich Playa, von einer Seite zur anderen sind es sicherlich drei Kilometer, bis ans offene Ende des Hufeisens noch weiter. Dort im Zentrum steht der „Man“, der „Burning Man“. Er überwacht und überblickt alles. Riesig groß steht er da und wartet auf seinen „Burn“. Um ihn herum Kunstprojekte. Alles ist möglich. Von einem riesigen Tempel, der von jedem aufgesucht wird, der beschriftet wird mit Namen von und Grußbotschaften an Verstorbene und der am Ende auch abgefackelt wird. Bis hin zu einem Pier mit Meeresrauschen in den ausgetrockneten See.

Die eigens gegründete „Burning Man Foundation“ unterstützt zum Teil größere Kunstprojekte finanziell. Aus guten Grund, manche Kunstobjekte wiegen mehrere Tonnen und müssen mit Tiefladern hierher gekarrt werden. Dennoch tauchen Nacht für Nacht kleinere und auch größere Dinge auf. „Burners“, wie sich die Bewohner von Black Rock City nennen, bereiten sich fast das ganz Jahr über auf diese Woche vor.

Manche Kunst ist kreativ, arbeitet mit der Umgebung, fügt sich ein in die heiße und staubige Wüstenlandschaft. Bei manchem steht man davor und denkt sich, „Jaaaaa, ähm, was wollte uns der Künstler damit sagen?“ Dutzende und Dutzende von Kunstprojekten gibt es hier mit dem Fahrrad abzufahren. Alles soll möglichst interaktiv sein, der Betrachter soll Kunst erfühlen, erspüren, erfahren und erleben. Man wird eingeladen, darauf herum zu klettern, oder sich im Schatten auszuruhen. Kunst ist hier vergänglich, nur für eine Woche bleiben die Objekte hier. Danach werden sie abgebaut, verstaut oder wieder verwertet.

Doch Burning Man ist mehr, viel mehr. Hunderte von Themencamps gibt es und das gibt es wahrlich keine Grenzen. Radiostationen in Black Rock City, Weinbar, Brauerei, Massagecamps, Tanztempel. Schulungen aller Art werden angeboten, vom sicheren Fesseln bis hin zum T-Shirt bemalen. Am Eingang bekommt man ein gebundenes Buch in die Hand gedrückt mit einer Auflistung der Themencamps….und alles ist enthalten. Die Camps laden Besucher ein, einfach anzuhalten und vorbei zu schauen. Hier in Black Rock City zahlt man für nichts, hier teilt man, nimmt Teil am ganzen. Es gibt kostenloses Frühstück oder jemand steht am Straßenrand und besprüht Vorbeifahrende mit kühlem Wasser. Schenken und Teilen sind ein Grundsatz der „Burners“.

Burning Man ist laut, intensiv, man wird überschüttet mit Eindrücken und Erfahrungen. Und es gibt für jeden wohl diese persönlichen Burning Man Momente, die dieses Festival zu etwas ganz außergewöhnlichem werden lassen, was man nicht erklären kann. Für mich war es am Freitagmorgen. Ein Mann um die 70 hielt an meinem VW Bus an und fragte mich, ob einer meiner Camping Nachbarn die Trommelgruppe aus Austin sei. Ich verneinte und meinte, ich habe hier auch noch nie Trommeln gehört. Er hörte gleich meinen deutschen Akzent heraus und wir unterhielten uns über Deutschland. Er war dort in den 70er Jahren stationiert, begeistert von Land, Leute und Kultur. Er kaufte sich damals einen Porsche, genoß die Autobahn (als Deutscher in den USA muß man immer über Autos und Autobahn sprechen). Und dann meinte er, er sei damals in der Nähe von Frankfurt stationiert gewesen und was er wirklich am meisten vermisse, sei dieses tolle Bier, was er damals immer trank: Henninger. Ich grinste ihn an, öffnete meine Kühlbox und reichte ihm eine Dose Henninger. Er fiel fast aus allen Wolken, nicht nur, endlich wieder ein Henninger trinken zu können, sondern unter den 50.000 + Menschen hier im Wüstensand den gefunden zu haben, der ihm das anbieten kann.

Dieses Zusammenfinden von Menschen und Dingen und Erlebnissen….das ist Burning Man. Für eine Woche in der Wüste von Nevada.

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