Bilder des Krieges von Bilderkriegern

Ein Buch das mich ganz tief berührt. Es ist schon seit 2013 auf dem Markt, aber erst jetzt bin ich darauf gestoßen. „Bilderkrieger“ von Michael Kamber, basierend auf dem Buch „Photojournalists on War“. „Von jenen, die ausziehen, uns die Augen zu öffnen. Kriegsfotografen erzählen“, steht auf dem Cover. Das sagt alles aus. Es sind die besten ihres Faches, die sich hier ihrem Kollegen öffnen und berichten. Von ihrem Leben, von ihren Erfahrungen, von ihrem Drang immer wieder dorthin zu gehen, wo es knallt. Von dem Schrecken und dem Horror, den sie im Rahmen ihrer Objektive und dahinter sehen. Von Tod, Terror, Trauer. Von Not, Elend und wie man mit der Angst umgeht.

Bilderkrieger, erschienen im Verlag Ankerherz.

Bilderkrieger, erschienen im Verlag Ankerherz.

Es ist leicht Journalisten und Medienvertreter als sensationsgeil zu beschimpfen. Oftmals ist es berechtigt. Aber man sollte auch die andere Seite sehen. Die, die hier gezeigt wird. Fotografen, Fotojournalisten, die ausziehen, um uns allen ein Stück der brutalen Wahrheit des Krieges zu zeigen. Es sind nicht die harten, eiskalten Profis, die da mit ihrer Kamera an vorderster Front arbeiten, die Bilder machen und alles anschließend abhaken. Es sind Menschen, die von dem, was sie sehen, getroffen werden. Ja, sie gehen freiwillig in Kriegsgebiete, nach Afghanistan, in den Irak, nach Libyen. Die, die hier zu Wort kommen, verdienen sehr gut, wurden für ihre Bilder mit den höchsten Ehrungen ausgezeichnet. Doch das, was sie erlebten hat jeden verändert. Einige von ihnen sind im Einsatz gestorben, wie Chris Hondros und Anja Niedringhaus, wurden schwer verletzt, wie Joao Silva, oder haben sich ganz aus dem Job zurück gezogen.

„Bilderkrieger“ zeigt die Menschen hinter der Kamera und wirft gleichzeitig die große Sinnfrage des Krieges auf. Die Interviews sind mehr Gespräche. Offen und ehrlich, hier wird nicht beschönt. Sie sprechen von Kollegen, von der Kameradschaft, von der Gemeinschafts da draußen im Feld. Aber auch von Kollegen, die nur an ihr Bild denken. Von immer weniger Redaktionen, die bereit sind, gute Fotografen und Journalisten länger als nur für ein paar Tage zu bezahlen. Krieg ist teuer, nicht nur für das Militär. Wer da raus geht und wieder kommen will, der braucht eine gute Vorbereitung, die Unterstützung einer Redaktion, gute Kontakte vor Ort, das nötige Equipment und jede Menge Glück. Erfahrung in einem Krisen- und Kriegsgebiet gibt es nicht umsonst. Anja Niedringhaus sagt in „Bilderkrieger“: „Ich habe ganz große Angst, dass es meinen Beruf, so wie er ist, in zehn Jahren nicht mehr gibt“. Recht hat sie.

Kein Bürgerjournlist, kein Blogger, keine „social media“, keine Webseite kann das auffangen, was wir alle durch die verschwindende Qualität im Journalismus verlieren. Und sie verschwindet vor allem auch deshalb, weil niemand mehr für die Qualität zahlen will. Es ist das Übel der Kostenlosgesellschaft. Geiz ist nicht geil, sondern eine fatale Entwicklung für die Meinungsbildung in einer Demokratie. Und das gepaart mit dem „alles jetzt und gleich“, dem „wir müssen das zuerst bringen“, „es muß einen aktuellen Bezug haben“. Das ist das Todesurteil des Journalismus.

In „Bilderkrieger“ kommen die großen Namen der internationalen Kriegsfotografen zu Wort. Man sollte sich Zeit nehmen für diese großartige Sammlung aus Bildern, Erfahrungen, Erlebnissen und Beschreibungen. Ein tief beeindruckendes und bewegendes Buch. Sehr empfehlenswert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *