Beim Essen ist man sich einig

Hungeropfer im Jemen. Foto: Reuters.

Gestern am späten Abend flippte ich so durch die Fernsehkanäle. Krimis, bescheuerte Reality TV Shows, fremdsprachige Gameshows, C-Movies und zig Verkaufskanäle. auf denen alles von potthässlichen Nachthemden bis zu Münzen und Fitnessgeräten angeboten wurde. Im hinteren Bereich, auf Kanal 112, stieß ich auf C-SPAN2, einem Sender, der Parlamentssitzungen, Reden und Veranstaltungen von öffentlichem Interesse kommentarlos überträgt. So gegen 23 Uhr wurde die Aufzeichnung einer Anhörung des Auswärtigen Ausschusses im US Senat (Senate Foreign Relations Committee) vom gleichen Tag ausgestrahlt. Und die hatte es in sich.

Nur ein paar Senatoren saßen dort und befragten den Direktor von USAID, Matthew Nims. Eigentlich hätte diese Anhörung zur besten Sendezeit ausgestrahlt werden müssen, und das von allen Nachrichtenkanälen gleichzeitig. Aber die befassen sich lieber mit ihren „Talking Heads“ und ihren Nullnachrichten, die eigentlich keiner braucht. In dieser Sendung konnte man miterleben, für was Amerika auch steht, wie die Amerikaner helfen, wie man politisch bei wirklich wichtigen Fragen überein stimmt, aber auch wie unsinnig Bürokratie und der Ruf nach „America First“ sein kann.

Republikaner und Demokraten dieses Senatsausschusses waren sich einig, es geht also doch in Washington DC. Nims beschrieb die derzeitige Arbeit von USAID, den Versuch 20 Millionen Menschen vor dem Hungertod zu bewahren. Er beantwortete treffende Fragen, teils kurz und knapp, nur mit einem Ja oder einem Nein. So zum Beispiel, ob die Regel, dass 50 Prozent der Schiffe mit landwirtschaftlichen Produkten aus den USA – Hilfslieferungen für betroffene Regionen in Afrika – unter US Flagge fahren müssten ein Hemmnis für die Arbeit von USAID sei. Matthew Nims: „Ja“. Auf Nachfrage erklärte er warum. Der bürokratische Mehraufwand sei immens, so Nims. Doch vor allem die Kosten machten keinen Sinn. Für eine Tonne Nahrungsmittel auf einem Schiff unter US Flagge müsste USAID 135 Dollar zahlen, auf einem Schiff mit anderer Flagge nur 65 Dollar. Steuermittel, die notleidenden Menschen helfen sollen, helfen also vor allem amerikanischen Reedereien.

Und dann sind da die Produkte selbst, die in den USA für viel Geld erworben werden müssen und in den Hilfsgebieten 25 Cent zum Dollar verlieren. Hinzu kommt, dass mit diesen Hilfslieferungen aus der amerikanischen Landwirtschaft oftmals fragile lokale und regionale Märkte in den betroffenen Ländern geschädigt und zerstört werden.

Die Anhörung drehte sich dann um den Jemen, ein Land im Bürgerkrieg, abgeriegelt durch eine von Saudi Arabien angeführte Koalition, einen engen politischen Partner der Trump-Administration. Hungerkrise, Cholerakrise, eine zerstörte Infrastruktur. „Kann man sagen, dass Hunger als Kriegsmittel eingesetzt wird“, fragte der republikanische Vorsitzende des Ausschusses, Senator Bob Corker. Matthew Nims‘ knappe Antwort: „Ja“. Saudi Arabien blockiere sogar die Lieferung von zwei Hafenkränen, die dringend benötigt werden, damit internationale Hilfsorganisationen schneller und einfacher andockende Schiffe löschen könnten.

Matthew Nims zeichnete insgesamt ein erschütterndes Bild in dieser Fernsehsendung, die so gar nicht von der amerikanischen Öffentlichkeit und wohl auch nicht im Weißen Haus beachtet wurde. Der Hunger, so der USAID Direktor, habe nach zehn Jahren Abwärtstrend im Jahr 2017 wieder zugenommen. Das nicht, weil die Menschheit nicht genügend Nahrungsmittel habe, sondern vielmehr, weil aufgrund von Krisenherden Menschen hungern müssten…Jemen, Somalia, Südsudan, Nordnigeria….

Die gesamte Anhörung des „Senate Foreign Relations Committee“ kann man hier sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *