Wieviele sind es wirklich?

Donald Trump hat auf Twitter 56,2 Millionen „Followers“, das bedeutet, all diese ihm Folgenden bekommen wie bei einem Abo seine täglichen Ergüsse auf ihre Bildschirme und ihre Smartphones geliefert. Das klingt nun viel, wenn man sich nur die Zahl ansieht. Ins Amt gewählt wurde er von 62, 9 Millionen Menschen. Also folgen ihm fast all seine Wählerinnen und Wähler?

Ganz im Gegenteil, würde ich mal behaupten. Donald Trump glaubt zwar selbst daran, dass er durch seine Tweets eine alternative Realität, einen direkten Weg zu seinen Anhängern geschaffen hat. Doch dem widersprechen die vielen Kommentare, die man unter seinen Verlautbarungen lesen kann. Hinzu kommt, dass jeder einmal selbst auf die Liste von Freunden schauen sollte, die Donald Trump folgen. Ich habe so gut wie niemanden in meinem Bekanntenkreis, der Trump gewählt hat oder ihn nun unterstützt. Und dennoch sind nahezu drei Dutzend meiner Bekannten mit Trump auf Twitter verbunden, darunter Kolleginnen und Kollegen, Organisationen, die ich schätze, und denen ich folge, sogar das Goethe-Institut Los Angeles und die deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, sind Twitter „Followers“ des Präsidenten.

Trump selbst kann diese Zahlen seiner Anhänger drehen und wenden wie er will, die Mehrzahl der 56,2 Millionen „Followers“ sind keine Trumpianer. Das Problem bei allem ist, dass wir Medienschaffenden über Trumps Tweets berichten, dass Politiker in den USA und im Ausland diese zum Thema machen, diese als offizielle amerikanische Politik betrachten, auch wenn es von den 140/280 Zeichen bis zur Gesetzgebung ein langer Weg ist. Sicherlich, und das ist unumstritten, Trump macht Politik über Twitter. Aber er macht sie nicht direkt, er erreicht nicht direkt seine Anhänger über den Kurznachrichtendienst. Vielmehr hat er es geschafft, über Twitter die Medienberichterstattung über ihn zu beeinflussen. Egal was passiert, Trump dreht mit ein, zwei Tweets die Nachrichten und plötzlich wird wieder über ihn berichtet, gesprochen, diskutiert. Das ist der eigentliche Wahnsinn, der eigentliche Geniestreich dieses Twitter-Königs.

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