Leben mit Wildtieren

Da ist also mal wieder ein Bär in Bayern unterwegs. In den Zeitungen steht es und auch Deutschlandfunk berichtet im täglichen Podcast „Der Tag“ von Meister Petz, der nun von einer Wildtierkamera geblitzt wurde. Warum aber eigentlich die Aufregung?

Hier in Kalifornien ist es ganz normal, dass man auf wilde Tiere stößt. In meiner Nachbarschaft leben Stinktiere und Waschbären, Coyoten laufen einem über den Weg und oft genug hört man sie heulen. Hin und wieder wird ein Berglöwe oder Puma gesichtet, Warnschilder an den Parks warnen vor Klapper- und anderen Schlangen. Wenn ich in den Süden fahre, kann man im Hochzommer handtellergroße Spinnen auf dem Highway sehen und ja, auch Bären haben schon mehrmals meinen Weg gekreuzt. In Michigan, wo ich hin und wieder mal bin, sind Wölfe daheim. Auch die hört man, einmal hatte ich das Glück einen aus der Ferne zu sehen.

Ein Braunbär nach seiner Behandlung. Seine Pfoten wurden auf der Flucht vor den Flammen des Thomas Fires verletzt. Foto: California Department of Fish and Wildlife.

Nach dem Thomas Fire im südkalifornischen Ojai kamen die Bären aus dem Los Padres National Forest ins Tal. Erst flohen sie vor den Flammen, dann war klar, oben in den Bergen gab es nicht mehr genug Nahrung. Also machten sie sich da breit, wo es was zum Essen gab. Die Braunbären kamen auf den Geschmack, ließen sich auf den Citrusplantagen die Avocados und die Orangen schmecken und blieben. Noch immer kann man morgens neben den Bäumen eindeutige Spuren finden. Die Verdauung nach dem Orangenverzehr scheint bei Bären schnell zu gehen.

Als Problembär, Problemcoyote, Problemwolf bezeichnet eigentlich niemand die Tiere, es sei denn es kommt zu unmittelbaren Kontakten mit Menschen. Hier bei mir in Oakland warnen Nachbarn, wenn sie einen Coyoten gesehen haben, dass man besser seine Katzen ins Haus, kleinen Hunde oder auch Hühner in Sicherheit bringen sollte. Vor einigen Wochen war ich mal wieder mit meiner Käthe im East Bay Regional Park unterwegs. Irgendwann verschwand sie im Gebüsch und ich sah etwas weiter vorne weghuschen. Ich rief sie und sie kam auch und dann ging das Konzert los. Anscheinend hatte sie die Fährte eines Muttertieres aufgenommen, die Coyotin rannte dann los, um meine Käthe von ihren Jungtieren abzulenken, was auch klappte. Doch die jungen Coyoten fingen dann an zu heulen, die Mutter antwortete, die Jungen hörten nicht auf. Ein hin und her entstand. Ich stand dann für gut zehn Minuten auf dem Weg, hatte Käthe an der Leine und hörte mir das in Ruhe an. Erst am Auto fiel mir ein, dass ich diesen einmaligen Naturgesang eigentlich hätte aufnehmen sollen…na ja, hätte, hätte Fahrradkette. So lebt es sich zumindest hier und ich muss sagen, ich bin begeistert davon, dass es hier noch wilde Tiere gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *