Kulturbanause oder Kulturfeind?

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran scheint sich zu deeskalieren. Und doch, viele Fragen bleiben weiterhin offen. Als der amerikanische Präsident Donald Trump den Iranern per Twitter drohte, gezielt Kulturstätten im Iran zu beschießen und zu zerstören, war der Aufschrei groß, zumindest außerhalb der republikanischen Reihen. Eine rote Linie sei dabei vom US Präsidenten überschritten worden, hieß es. Wie konnte Trump nur öffentlich zu einem Kriegsverbrechen aufrufen, denn das wäre die Zerstörung von Kulturstätten in kriegerischen Auseinandersetzungen, fragten sich etliche.

Allerdings kommt diese Androhung nicht überraschend. Trump war noch nie ein Freund der Kultur und ich rede jetzt noch nicht einmal darüber, dass er im Weißen Haus bei Empfängen Big Macs servierte oder seine „Trump Tempel“ in kitschigem Gold und Glanz dekorieren läßt oder seinen Golf Club Mar-a-Lago als „Winter White House“ bezeichnet. Donald Trump hatte im Wahlkampf bereits angekündigt, dass er die staatlichen Förderungen für Kunst, Kultur und Museen aussetzen möchte. Als gewählter Präsident verfolgte er seitdem regelmäßig in Haushaltsentwürfen diesen Ansatz. Gelder für die Kunst- und Kulturförderung sollten ersatzlos gestrichen werden.

Bislang gab es noch genug Gegenwind aus dem Kongress und das überparteilich. Die Fördergelder für die „Humanities“ blieben erhalten. Doch das ist keine langfristige Absicherung, gerade nicht unter diesem Präsidenten, der nicht viel von Kultur hält und gleichzeitig behauptet, er habe mehr Ahnung von Kultur als all jene, die sich damit berufsmäßig beschäftigen. Die Androhung wertvolle, historische Kulturstätten im Iran bombardieren zu lassen, war also kein verbaler Ausrutscher von Donald Trump, vielmehr drückt sie seine Haltung gegenüber Hochkultur, anderen Kulturkreisen und auch Geschichte als solche aus. Die USA haben derzeit jemanden als „Commander in Chief“ der einfach nicht über den eigenen Tellerrand blicken kann und blicken will.

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