Covid-19 hinter den dicken Mauern

Auf Deutschlandfunk Kultur lief in der vergangenen Woche meine Serie über meine Freundschaft mit Reno, der seit 40 Jahren im Todestrakt von San Quentin ist. Hier kann diese fünfteile Reihe nachgehört werden.

Und dann kam da vor ein paar Tagen ein Brief aus San Quentin, in dem Reno schreibt, Covid-19 sei bei einem „Correctional Officer“ bestätigt worden. Gefangene hätten sich infiziert und auch im „East Block“, wo die „Death Row“ untergebracht ist, sei Corona entdeckt worden. Keine guten Aussichten für die Inhaftierten, ein „Lock Down“ sei angeordnet worden, das heißt, die Gefangenen kommen ersteinmal nicht mehr aus ihren Zellen raus. Kein Hofgang, kein Gottesdienst, keine Programme. Im Normalvollzug sind sie zu zweit auf vier Quadratmetern untergebracht, im Todestrakt sind sie alleine. Essen, schlafen, nicht durchdrehen auf unbestimmte Zeit und auf engstem Raum. Und die Anweisungen der Gefängnisleitung befolgen, wie „six feet“ Distanz halten, was nicht so einfach ist in einer Zelle, die gerade mal „eight feet“ lang ist.

In der Enge Distanz halten, die Anordnungen der Gefängnisleitung von San Quentin in der Corona-Krise.

„Mit all meinen Gesundheitsproblemen, bin ich besonders vorsichtig, um das Covid-19 Virus nicht zu bekommen, denn ich vermute, ich würde das nicht überleben. Und falls es doch passiert, dann lass mich an dieser Stelle Danke sagen für all die Jahre als mein Freund…Wenn ich mich infiziere, werde ich in eine Isolationszelle im „Adjustment Center“ (dem Knast im Knast, AP) verlegt, wo ich kein Telefon und keine Schreibmaschine haben werde, ich kann Dich dann also nicht kontaktieren. Wenn die Dinge also wirklich ganz schlecht werden, dann könnte dieser Brief der letzte direkte Kontakt mit Dir sein….“

Der Tod im Todestrakt, er schleicht da immer herum. Obwohl ich San Quentin seit über 25 Jahren kenne, über mehrere Hinrichtungen berichtet habe, drei Männer kennenlernte, die am Ende exekutiert wurden, ich zu einer Hinrichtung als Medienzeuge geladen war, noch immer treffen mich solche direkten Zeilen. Ich glaube, man härtet da nicht ab. Man sollte das wohl auch nicht. Eine verrückte Welt hier draußen, eine ganz surreale hinter den dicken Mauern von San Quentin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *