Covid-19 auf der Death Row

„Mir geht es nicht gut“, meinte Reno vor ein paar Tagen am Telefon. Er klang krank, so, als ob er eine schwere Erkältung hat. Das Gespräch dauerte nicht lange, er wollte sich wieder hinlegen. Was er genau hat ist unklar. Reno ist 75 Jahre alt, er wurde 1978 verhaftet, seit 1980 ist er im Todestrakt von San Quentin, dem ältesten Staatsgefängnis in Kalifornien untergebracht. Vor kurzem lief diese Serie über unsere Freundschaft auf Deutschlandfunk Kultur.

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

Schon seit März gibt es einen Lock-Down in San Quentin, um eine Verbreitung von Covid-19 hinter den dicken Mauern zu verhindern. Keine Besuche sind erlaubt, auch nicht von ihren Anwälten, den Gefangenen wird geraten in ihren Zellen zu bleiben, sich regelmäßig die Hände zu waschen, Kontakte zu anderen Inhaftierten zu vermeiden. Doch vor ein paar Wochen, am 30. Mai, wurden 121 Häftlinge aus einem anderen Gefängnis nach San Quentin gebracht. Die Justizvollzugsanstalt in Chino war da schon ein Covid-Hotspot. Corona breitete sich schnell in San Quentin aus und hat nun auch die „Death Row“ im East-Block erreicht.

725 Todeskandidaten sind dort untergebracht, von denen, die sich auf das Covid-19 Virus testen ließen waren 166 positiv. Ein erster Todesfall wurde in dieser Woche bekannt, der 71jährige Richard Eugene Stitely wurde tot in seiner Zelle gefunden. Die Corona Pandemie ist ein riesiges Problem für San Quentin und vor allem für den Todestrakt, denn im Gefängnis sind viele „Lifers“, zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteile Strafgefangene untergebracht und dazu eben zum Tode Verurteilte, viele von ihnen schon im Seniorenalter.

Die Gefängnisleitung mauert derzeit, hält sich mit Informationen zurück. Man versucht Herr der Lage zu werden, doch derzeit sieht die Situation nicht gut aus. Ich warte nun auf einen erneuten Anruf aus San Quentin. Manchmal ruft Reno auch am Donnerstag an, gestern kam jedoch kein Anruf. Montags hat er normalerweise das Telefon zur Verfügung…

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