Covid-19 in San Quentin

San Quentin von oben.

Im Landeanflug auf den internationalen Flughafen von San Francisco ging es gestern über das Staatsgefängnis von San Quentin. Ich dachte an Reno, den ich schon seit etlichen Wochen nicht mehr gesprochen hatte. Mein Brief blieb vor meiner Abreise unbeantwortet. Ich verfolgte die Nachrichten, wußte, dass Covid-19 hinter den Gefängnismauern besonders heftig wütete. Weit über 1600 Gefangene wurden positiv getestet, ein Drittel aller Häftlinge.

Und auch im East-Block, dem Todestrakt von San Quentin, wurde Covid-19 nachgewiesen. Insgesamt starben etwa zweit Dutzend Gefangene, etliche davon auf Death Row. Reno ist 75 Jahre alt, gesundheitlich mehr als angeschlagen. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch heute kam ein Anruf von ihm. Er lebt. Und darüber ist er selbst überrascht. Dreimal wurde er in den letzten Wochen in Krankenhäuser verlegt, drei verschiedene in der San Francisco Bay Area. Er konnte nicht anrufen, nicht schreiben. Es ging ihm schlecht, sehr schlecht.

Seit Montag ist er wieder in seiner Zelle. Das Atmen falle ihm schwer, er bekomme Sauerstoff. San Quentin ist noch immer unter verschärftem „Lock-Down“, Frühstück und Mittagessen erhalten die Gefangenen nun in braunen Papiertüten in ihren Zellen. Keine Besuche sind erlaubt, selbst Rechtsanwälte haben derzeit keinen Zugang zu ihren Klienten. Die Situation in San Quentin geriet im Mai außer Kontrolle, als der Staat 121 Häftlinge aus einem anderen Gefängnis dorthin verlegte. Alle waren zwar vorab getestet worden, doch die Befunde lagen noch nicht vor. Etliche von ihnen waren positiv. Diese Erkenntnis kam zu spät. Covid-19 breitete sich da bereits in den engen Unterkünften und Lebenssituationen von San Quentin aus. „Laß uns am Montag oder Dienstag reden, dann habe ich wieder das Telefon. Ich muß mich hinlegen“, meinte Reno nach wenigen Minuten am Telefon. Er lebt, das ist zumindest eine gute Nachricht in diesen Tagen.

Coming home…

Der Münchner Airport war im internationalen Bereich fast leer. Keine Läden waren geöffnet, die LH-Lounges geschlossen, irgendwie schien alles viel dunkler, man spart in diesen kümmerlichen Reisetagen wohl auch am Licht. Im Flieger von MUC nach SFO war vielleicht gerade mal jeder vierte oder fünfte Sitz besetzt. Der Abstand konnte eingehalten werden, Mund-Nasen-Schutz war während der gesamten Reise vorgeschrieben. „Zum Essen und Trinken können sie die Maske abnehmen“, meinte der nette Mann bei seiner Durchsage.

Damit man es nicht vergisst.

Auf dem Flug bekamen die Passagiere ein Formular des „Center for Disease Control“ (CDC), auf dem man Name, Adresse in den USA und Symptome angeben mußte. Nur einzeln durfte man in San Francisco das Flugzeug verlassen, noch vor dem Terminal warteten Mitarbeiter des CDC im Gate-Tunnel, um weitere Fragen zu stellen und die Formulare einzusammeln. „Haben Sie Fieber?“, fragte mich die nette Frau und ich dachte sie fragt das, weil ich etwas in Schwitzen gekommen war. „Nein, mir ist nur warm“, antwortete ich. Damit war sie zufrieden. Sowieso komme ich mir in diesen Tagen blöd vor, wenn ich schwitze. Auch im Flieger schafften die es wieder nicht, in diesem sündhaft teuren Flugobjekt die Klimanlage so einzustellen, dass man nicht schweißgebadet aufwacht. Ich hoffte nur, dass da niemand an meinem Platz vorbeikam, mich sah und sich dachte, ich fiebere vor mich hin. Von der CDC-Dame erhielt ich dann noch einen „Flyer“ falls Unklarheiten bestehen sollten. Das war es dann.

Gähnende Leere auch hier im internationalen Terminal des Airports. Keine Schlange an der Passkontrolle, das Gepäck kam schnell, es waren ja kaum Passagiere an Bord. Sowieso fehlten andere ankommende Flieger. Normalerweise landen um diese Zeit gleich mehrere Maschinen aus aller Welt. SFO ist in normalen Zeiten eine der wichtigen Drehscheiben an der amerikanischen Westküste. Und auch draußen das selbe Bild, kaum Wartende, keine langsam fahrenden Autos, keine Polizisten, die mit lauten Pfiffen zum Weiterfahren aufforderten.

Nun sitze ich wieder daheim in Oakland. Die letzten zwei Wochen gingen wie im Flug vorbei. Wann die nächste Reise klappen könnte, kann ich noch gar nicht sagen, noch nicht absehen, hier und da fließt bis dahin noch viel Wasser durchs Golden Gate und die Pegnitz runter. Wie heißt es so schön: schaun mer mal!

 

Gibt es den Masterplan?

Donald Trump liegt in den Umfragen weit zurück. Nicht nur in den US weiten, in denen das sowieso anzunehmen ist, sondern mittlerweile auch in etlichen „Swing States“, also Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen und die er im Zweikampf gegen Hillary Clinton 2016 noch für sich entscheiden konnte. Und nicht nur das, selbst in Texas ist aus dem einst sicheren Vorsprung von Trump ein Kopf an Kopf Rennen mit dem demokratischen Herausforderer Joe Biden geworden.

All das wird im Trump Lager die roten Warnleuchten aufleuchten lassen. Der Präsident und sein Team waren bislang fest davon überzeut, dass ihr „Make America Great Again“ Zug, auch diesmal als erster ins Ziel einlaufen wird. Mit einer florierenden Wirtschaft, mit einer festen Basis im Rücken, mit einem zerstreuten demokratischen Feld sah alles nach einem Selbstläufer aus. Doch dann kam Corona, dann kam „Black Lives Matter“. Trump sank immer tiefer in den Umfragen, gerade eben auch, weil er unfähig in den nationalen Krisen war.

Donald Trump findet, er sieht mit Mund-Nasen-Schutz wie der „Lone Ranger“ aus. Foto: Reuters.

Doch es ist Wahlkampf und Trump macht genau das, was er am besten kann, er schlägt wild und scheinbar unüberlegt um sich, greift den politischen Gegner genauso an wie Kritiker in den eigenen Reihen und internationale Partner. Er stellt sich als „Law & Order“ Präsident dar, stellt sich für seine Anhänger schön ins Bild und erzählt das gleiche einfach weiter, was er Anfang des Jahres schon gesagt hat. Doch Amerika und die Welt sind nicht mehr die gleichen. Das Chaos in den USA wird von Trump selbst geschürt und es scheint, es gibt diesen „Masterplan“, wie er auf Biegen und Brechen seine Wiederwahl doch noch erreichen kann.

Beispiel 1: Trump läßt in verschiedenen Städten, in denen zumeist friedlich protestiert wird, Bundespolizisten aufmarschieren, die die Lage vor Ort eskalieren lassen. Demokratische Bürgermeister und Gouverneure wehren sich gegen diese Einsätze, doch der Präsident schickt einfach weitere Einheiten. Ihm scheinen die Bilder von brutalen Kämpfen und Auseinandersetzungen zu gefallen, passen sie doch genau in sein Bild. Immer wieder betont er, dass die Städte von Demokraten regiert werden, wer für Biden stimme, der wolle, dass solche Zustände überall im Land herrschen.

Beispiel 2: Seit Monaten wettert Trump fast täglich gegen die allgemeine Briefwahl bei der kommenden Abstimmung am 3. November. Briefwahlen seien anfällig für Manipulation, seien nicht fair, ungenau, das Ergebnis würde nur schleppend und mit großer Verzögerung („maybe years“) bekannt gegeben werden. Trump will auch trotz Coronakrise die Wahlen direkt in den Wahllokalen haben, denn eine allgemein niedrige Wahlbeteiligung käme ihm zugute. Er weiß, dass seine Anhänger ihre Stimme abgeben werden, sie zweifeln ja schon lange ganz oder zum Teil an der Gefährlichkeit von Covid-19.

Und falls es doch zur Briefwahl kommen sollte, gibt es da nun auch einen Plan B. Trump hat im Juli einen neuen Postmaster General eingesetzt, einen ehemaligen Großspender von Trump, der einen Millionendollarbetrag für ihn 2016 überwiesen hat. Und genau dieser neue Leiter der US Post verlangsamt nun den Ablauf im Postsystem, ganz gezielt und mit weitreichenden Folgen. Arbeitnehmervertreter erklären schon jetzt, dass damit der schnelle Versand von Briefen kaum noch möglich ist. Die Briefberge werden größer und größer, im Angesicht einer großangelegten Briefwahl drohe ein Chaos, so warnende Stimmen bei den Briefzustellern. Das scheint aber gewollt zu sein, denn genau das paßt ja ins Bild von Donald Trump.

Beispiel 3: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika redet von einer Verlegung der Wahl, was verfassungswidrig wäre. Der Aufschrei ist groß, in den eigenen Reihen jedoch eher verhalten. Trump testet damit erneut die Lage per Twitter und mit einer Bemerkung aus, wie weit er sich vorwagen kann, um die Wahl am 3. November als solche zu unterminieren, hinauszuzögern, um wieder in „normale“ Zeiten zu gelangen, wo die Trumpsche Welt noch in Ordnung ist. Denn Corona und BLM setzen seinem Wahlkampfteam zu. Trump spricht zwar von der „Silent Majority“ in den USA, die hinter ihm stehe, doch wer genau das sein soll, das ist unklar. 2020 ist nicht 2016. Joe Biden nicht Hillary Clinton, denn der steigt in den Umfragen, selbst dann, wenn er kaum öffentliche Auftritte hat. Das Votum am 3. November, das wird immer deutlicher, wäre denn auch nicht unbedingt eine Wahl für Joe Biden, sondern eher eine Abwahl von Donald Trump, wenn der das nicht noch irgendwie verhindern kann. Amerika hat vom „stable genius“ im Weißen Haus die Nase gestrichen voll.

Der neue Ton des Donald Trump

Man sollte sich nicht täuschen lassen. Die “Einsicht” von Donald Trump, die Corona Krise nun endlich als nationale Krise einzustufen ist sicherlich richtig, kommt aber viel zu spät und ist garantiert nicht ein Anzeichen dafür, dass der Präsident nun endlich umdenkt.

Vielmehr eskaliert Trump den Wahlkampf mit seinen Horrorbildern des brutalen Straßenkampfes in den amerikanischen Großstädten, mit der Entsendung von Spezialeinheiten der Bundespolizei nach Portland, Chicago, Albuquerque und anderen US Städten, von seinen Drohgebärden unter einem Präsident Biden würden die USA im Chaos enden, von seiner geschichtstauben Auffassung, die weißen Vorstädte müssten gerettet werden.

Einige im Umfeld von Donald Trump haben wohl erkannt, dass der Hauptfeind im Wahlkampf nicht die Demokraten sind, sondern das Corona Virus. Joe Biden muß eigentlich gar nichts machen und steigt trotzdem in den Umfragen. Nicht nur in den nationalen, sondern eben auch in jenen in den sogenannten Swing States, die die Wahl am 3. November entscheiden werden. Sogar im republikanischen Texas gibt es ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Trump und Biden, der “Lone Star State” wird nun sogar als “Swing State” gehandelt, etwas, was vor ein paar Jahren noch undenkbar erschien.

Maskentragen sei nun „patriotisch“, erklärt „Lone Ranger“ Trump. Foto: AFP.

Corona ist nun also der Hauptgegner, Trump will sich fortan als Kriegspräsident gegen das “China Virus” darstellen, fordert nun die Amerikaner zum Maskentragen auf, das sei patriotisch, erklärt er. Kein Wort darüber, dass er monatelang all jene verunglimpfte und belächelte, die einen Mund-Nasen-Schutz trugen. Nun erklärt er, er selbst sehe richtig gut aus mit Maske, wie eben der “Lone Ranger”. Seine Anhänger feiern ihn nun als “bad ass president”. Trump ging nun sogar so weit, den großen Wahlkonvent der Republikaner zu canceln, aus “Vorsicht”. Die Städte und Bundesstaaten sollten fortan selbst entscheiden können, wie sie vorgehen wollen und erhielten dafür auch noch finanzielle Unterstützung aus Washington. Ganz neue Töne. Vor ein paar Wochen und Tagen klang das noch anders, doch anscheinend müssen selbst ein Trump und sein Team erkennen, dass sich die Zeiten dramatisch geändert haben. Der US Präsident kann sich nicht mehr hinter der unsinnigen Aussage verstecken, man habe in den USA nur deshalb so viele positive Corona Fälle, weil man viel mehr als anderen Nationen teste.

Fakt ist, Amerika hat ein Problem. Um eine Pandemie dieses Ausmaßes unter Kontrolle zu bekommen, müsste noch viel mehr getestet werden und vor allem schnell. Derzeit dauert es etwa acht Tage in den USA um einen Befund nach einem Covid-19 Test zu erhalten, viel zu lange, um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Fraglich ist auch, ob Trumps Anhänger den neuen Kurs des Maskentragens, des “Social Distancing”, des Rücksichtnehmens mittragen. Zu lange hat genau dieser Präsident das Gegenteil gepredigt, die nationale und internationale Krise verharmlost, davon gesprochen, dass das Virus einfach verschwinden wird, die Corona Krise als von Demokraten und Medien gehypte Anti-Trump-Kampagne abgetan.

Die Frage ist daher, ob diese offensichtliche Kehrtwende ohne Eingeständnis Fehler gemacht zu haben bei den Wählerinnen und Wählern ankommen wird. Eigentlich ist zu offensichtlich, was Trump da vorhat. Hier sich nun als fürsorglichen Landesvater darzustellen, dort den harten “Law & Order” Führer zu spielen. Es ist ein Bild, das hinten und vorne nicht passt. Trump eskaliert und unterminiert weiter, schafft Fakten, die noch lange nach ihm das Leben und das Miteinander in den USA bestimmen werden. Amerika heute ist nicht mehr das Land, in das ich vor 24 Jahren immigriert bin.

Na, da schau her!

Der Flug LH459 von San Francisco nach München war vielleicht zu einem Drittel gefüllt. Das Einsteigen ging so schnell, dass wir verfrüht vom Gate abstoßen konnten. 15 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit erreichten wir MUC. Auf den Rollfeldern kaum etwas los und auch an den Gates standen nur wenige Flugzeuge. Der Flug selbst war entspannt, das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes war vorgeschrieben, außer beim Essen und Trinken.

Das Tor am Gate war noch geschlossen, als ich ins leere MUC Terminal kam. Sechs Bundespolizisten saßen an der Passkontrolle, kein Mensch weit und breit zu sehen, ich war der erste aus meinem Flieger. “Wo kommen Sie her?” “Aus San Francisco”. Er schaute auf meinen Pass und forderte mich auf, kurz die Maske abzunehmen: “Sie leben dort?” “Ja.” “Sie wissen, dass sie sich nun für 14 Tage in Quarantäne begeben müssen“, er hielt einen Informationszettel in die Höhe. “Den habe ich im Flugzeug schon erhalten.” “Schönen Tag”. “Auf Wiedersehen”.

Das wars, niemand fragte mich wohin ich eigentlich will, keiner verlangte die genaue Adresse zu der ich reise. Damit hatte ich nicht gerechnet, ich war darauf vorbereitet, dass ich zumindest einen Zielort angeben muß, denn wie soll das örtliche Gesundheitsamt wissen, dass ich komme, dass ich da bin, dass ich wieder abreise, wenn die Information der Einreise gar nicht weitergegeben wird?

Meine Koffer kamen schnell auf dem Gepäckband, es war wohl der einzige Flieger, der gerade entladen wurde. Mein Neffe holte mich ab, er wartete in der fast menschenleeren Empfangshalle. Auf dem Parkplatz kaum Autos. Nur die A9 war mal wieder verstopft an Endlosbaustellen. “Welcome to Bavaria”

Nix los an SFO

Im vergangenen Jahr reisten fast 58 Millionen Passagiere durch den San Francisco International Airport. Heute war ich um kurz nach 15 Uhr der einzige, der vor dem internationalen Terminal ausstieg. Weit und breit niemand. Kein Polizist rief „move your car“. Nix, niemand.

Einchecken ohne Schlange, an jedem Schalter sind Plexiglasscheiben angebracht. Weder der SFMOMA Store ist offen, noch der Food Court. Die Gates im südlichen Teil des Terminals sind ganz verrammelt. Rund zwei Dutzend TSA Angestellte stehen sich die Beine in den Bauch. Sie haben nichts zu tun. Auch an der Sicherheitscheck kein Warten, bei der Passkontrolle heißt es lediglich, nehmen Sie mal kurzdie Maske ab. Ein Blick auf den Pass, ein Nicken, gut ist.

Im eigentlichen Terminal scheint der Lufthansa Flug für eine ganze Weile der einzige zu sein. An allen Gates heißt es „closed“. Nur am Gate 08, wo die Maschine nach München abfliegen soll, sitzen ein paar Maskierte herum. Überall sind die Abstandsaufkleber zu sehen, auf dem Boden, auf den Sitzgelegenheiten. Und die Läden sind geschlossen. Nur ein Restaurant hat geöffnet, das Japanische, aber dort sitzt niemand. Die Angestellten unterhalten sich ungestört hinter dem Tresen.

Es herrscht eine seltsame Atmosphäre im gesamten Terminal. In der Ferne kann man geparkte United Flieger sehen, denn SFO ist ja einer der „Hubs“ der US Airline. Wenige Maschinen sind an den Gates zu sehen. Ich bin gespannt auf den Flug und wie die Freiheit wohl über den Wolken in diesen Tagen gehandhabt wird.

Test #2

Morgen geht mein Flieger nach Deutschland, am Mittwoch lande ich dann in München. Als Vorgabe gilt, ich muß bei meiner Einreise einen Covid-19 Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Deshalb ließ ich mir heute nocheinmal einen Abstrich nehmen, der war aber deutlich unangenehmer als der erste in der vergangenen Woche.

Einmal schnell einen Abstrich in der Garage.

Diesmal hatte ich bei meiner Versicherung und meinem Provider „Kaiser“ einen Testtermin in Oakland ausgemacht. In einer der Parkgaragen am Broadway fand es diesmal statt. Der „Security Guard“ an der Einfahrt kommunizierte per Schild, Ausweis und Versicherungskarte sollten sichtbar vor die Windschutzscheibe gelegt werden, das Fenster geschlossen bleiben. Vor mir etwa acht Autos. Eine Mitarbeiterin von Kaiser lief dann zu meinem Wagen und hakte meinen Namen auf einer Liste ab, danach kam sie, befestigte „mein“ Testkit am Scheibenwischer.

Nach etwa zehn Minuten war ich dran, erneut wurde mein Name auf der Versicherungskarte mit meinem Ausweis durch die Scheibe abgeglichen, dann durfte ich das Fahrerfenster öffnen. Eine Ärztin begrüßte mich und erklärte, was sie machen wird. Erst einen Abstrich aus meinem Rachen, dann jeweils einen Abstrich aus meinen Nasenlöchern. Und dann meinte sie noch: „Please don’t touch me, if it’s too much, just take a break“.

Der Wattestab wurde mir tief in den Mund geschoben, der Rachenabstrich war grenzwertig, ich begann zu würgen. Danach schob sie mir das Stäbchen tief ins linke Nasenloch, zehn Sekunden später ins rechte. „Thank you and goodbye“. Das wars, unangenehm, aber eben notwendig. Kaiser war professionell und effizient, alles genau geplant. Nun hoffe ich darauf, dass auch dieser Test negativ ist und ich keine böse Überraschung nach dem Landen in München erlebe. Wenn morgen dann noch der Flieger wie geplant abhebt, dann ist klar, Nürnberg ich komme.

Er hat ja immer Recht

Das vielbeachtete Interview von Fox News‘ Chris Wallace mit Donald Trump war mehr als sehenswert. Nicht nur, dass der Journalist Wallace dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika direkt seine Lügen und Falschaussagen vorhielt und dies auch belegen konnte, Wallace war hervorragend vorbereitet. Sondern dieses Interview hatte es auch in sich, um Donald Trump besser verstehen zu können.

Donald Trump wird von Chris Wallace interviewt. Foto: AFP.

Ganz zentral in diesem Gespräch war Donald Trumps einer Satz, als er erneut erklärte, das Virus werde einfach so verschwinden. Warum? „Because I’ve been right probably more than anybody else.“ Dieser eine Satz beschreibt die Trumpsche Präsidentschaft, von Beginn bis zum hoffentlich baldigen Ende, denn er beschreibt damit ganz klar, dass Trump in seiner eigenen, seiner alternativen Realität lebt. Er ist tatsächlich davon überzeugt, dass, was er glaubt, den Tatsachen entspricht. Dass er alles besser weiß, auch das, was Experten ganz anders sehen, wie man in der Corona Krise täglich erkennen muß.

Chris Wallace hat Donald Trump vorgeführt, der merkte zu spät, was da passiert, der Schaden war angerichtet. Denn Trump, der gerne auf seine Fernsehinterviews per Twitter verweist, hat dieses Fox News Interview nicht mit seinen „Followern“ geteilt. Warum ist klar, Trump hatte dieses Gespräch nicht unter Kontrolle, ihm wurden auf der Stelle seine Lügen nachgewiesen. Doch das zählt für ihn nicht, wie man auch an der Aussage erkennen konnte, dass Joe Biden die Polizei in den USA nicht weiter finanzieren wolle. Trump meinte, das sei eine Abmachung zwischen Biden und Bernie Sanders. Wallace erklärte daraufhin, das stimme nicht und konnte das belegen. Trump allerdings tweetete nach dem Interview, dass Biden doch vorhabe „to defund the police“.

Es ist schon unglaublich, dass Trump es schafft in seiner selbst gezimmerten Realität zu leben und dafür auch noch Unterstützer findet, die ihn darin bestätigen, dass diese „Fake World“ existiert, zumindest für ihn. Er glaubt an das, was er sagt. Er ist unfehlbar, hat immer Recht, weiß alles besser: „Because I’ve been right probably more than anybody else.“ Dieser Satz steht wie kein anderer für Donald Trump. Für seinen Erfolg und sein Ende.

San Quentin Lock Down

Kein Brief, kein Anruf und das seit mehreren Wochen. In den 25 Jahren, in denen ich mit Reno befreundet bin, kam das noch nicht vor. Reno ist zum Tode verurteilt, er ist seit 1980 auf der Death Row im ältesten kalifornischen Staatsgefängnis in San Quentin. Und dort wütet das Corona Virus.

Die Zellen im East-Block von San Quentin. Foto: Reuters.

Im Mai wurden 122 Gefangene aus anderen Haftvollzugsanstalten nach San Quentin verlegt. Sie hatten alle negative Covid-19 Tests, allerdings waren die mehrere Wochen alt. Nach der Ankunft wurden die Neuankömmling noch einmal getestet, 25 kamen als positiv zurück. Doch da, war es schon zu spät. San Quentin ist für 3082 Gefangen ausgelegt, derzeit sind mehr als 4350 dort untergebracht. Covid-19 breitete sich unter den Gefangenen und Strafvollzugsbeamten rasant aus. Am vergangenen Dienstag wurden 2030 Fälle bestätigt. 10 Häftlinge verstarben bereits.

Es ist eine Gesundheitskrise, die nur schwer unter Kontrolle zu bekommen ist. In San Quentin ist die kalifornische Death Row mit etwa 700 zum Tode Verurteilten untergebracht. Daneben sind viele „Lifers“, Lebenslängliche und Gefangene mit langen Haftstrafen in diesem „Prison“. San Quentin galt lange Zeit als das gefährlichste Gefängnis westlich des Mississippis, bis der Staat Kalifornien in den 80er und 90er Jahren neue Gefängnisse bauen ließ, um auch die Situation in San Quentin zu entzerren. Seitdem sind dort viele ältere Häftlinge untergebracht. Eine Isolation ist in dem übervollen und veralteten Knast kaum möglich.

Der derzeitige Lock Down bedeutet auch, dass es quasi eine Kontaktsperre gibt. Die Gefangenen im East-Block, dem Todestrakt, können normalerweise von ihren Zellen aus telefonieren. Dazu wird ein Telefon auf einem Wägelchen vor die Zelle gerollt, durch die Gitterstäbe kann dann telefoniert werden. Doch um die Verbreitung des Virus‘ über die Oberfläche des Apparats zu verhindern, wurden alle Telefonate gestrichen. Auch die Post von und nach San Quentin wurde eingeschränkt. Nun heißt es warten, bis ich endlich wieder etwas aus San Quentin höre. Das letzte Gespräch mit Reno war nicht gut, er fühlte sich krank und schwach und legte schon nach wenigen Minuten wieder auf. Das war vor drei Wochen…

Praise the Lord, Halleluja!

Wer gerade nachts in den USA fern sieht und über die Kanäle surft, der wird auf alle Fälle irgendwann auf einen Fernsehprediger oder -predigerin stoßen. Einige Networks sind sogar ganz für das “Wort Gottes” bestimmt. Doch beim genaueren Hinhören wird schnell klar, dass diese “Televangelists”, wie sie in den USA genannt werden, wenig mit den Übertragungen der Gottesdienste am Sonntagmorgen in Deutschland zu tun haben.

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Dr. Gene Scott, legendärer Televangelist in den USA. Er sendete Nacht für Nacht zwischen den 70er und späten 90er Jahren seine religiösen Sendungen. Bekannt wurde er durch seinen exzentrischen Stil, er beschrieb Wandtafeln mit Originaltexten, setzte sich aber auch schon mal stillschweigend und Zigarre rauchend vor die Kamera, bis seine Fernsehgemeinde 1000 weitere Dollar gespendet hatte.

LeAnn Flesher ist Vize-Präsidentin des “American Baptist Seminary of the West”, einem Priesterseminar in Berkeley. Für sie muß man eines in dieser Diskussion um Fernsehprediger beachten: „Ich würde nicht sagen, dass jeder Gottesdienst online den Fernsehpredigern gleichzusetzen ist. Diese “Televangelists” sind etwas eigenes. Viele, die meisten sogar, haben keine Gemeinde, keine Kirche an einem Ort. Sie machen nur Fernsehen.“

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Derzeit wird im amerikanischen Fernsehen öfters das Wunderwasser von Peter Popoff beworben. Popoff wurde 1946 in Ost-Berlin geboren und war schon in den 80er Jahren durch seine Wunderheilungen im Fernsehen berühmt-berüchtigt. Er flog auf wegen Betrugs, doch das stoppte ihn nicht. Popoff ist zurück auf der Mattscheibe und sammelt erneut Spenden ein. Pete Evans arbeitet für die christlichen Organisation Trinity Foundation mit Sitz in Dallas, Texas. Seit vielen Jahren sammelt die Organisation Informationen über das unregulierte Treiben der Televangelists. Die Ergebnisse ihrer Ermittlungen geben sie an den US Kongress genauso weiter, wie an die Medien. Doch selbst, wenn es mehr als offensichtlich ist, dass diese Fernsehpriester nur die Gutgläubigkeit von notleidenden, kranken und nach einem Sinn suchenden Menschen ausnützen, bislang konnte ihnen kein Riegel vorgeschoben werden. Viele von ihnen fliegen weiter in von Gläubigen finanzierten Jets durch die Weltgeschichte:

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Genaue Zahlen gibt es nicht, doch Pete Evans von der Trinity Foundation schätzt, dass die Fernsehprediger zwischen 6 und 9 Milliarden Dollar im Jahr umsetzen. Es sei wie Darwinismus unter den Predigern, der größte Gauner setze sich am Ende durch: „Grundsätzlich müssen alle Televangelists für ihre Sendezeit auf christlichen Sendern bezahlen. In der Prime Time liegt das bei ungefähr $20,000 für jede Stunde. Die Fernsehprediger, die also überleben und erfolgreich sind, sind die, die das meiste Geld aus den Leuten herausbekommen, denn damit wird auch die Sendezeit bezahlt, neben den Jets und den Bentleys, den Aston Martins, den Luxuswagen und so weiter.“ Und LeAnn Flesher ergänzt: „Sie sind nicht dazu da Seelen zu retten, sie verstehen das “Seelenretten” vielmehr ganz anders. Einige eben so: “Bete das Gebet, schick mir Geld”.

Doch es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Macht und da sieht Pete Evans einen gefährlichen Schulterschluß: „Es ist eine Ehe, die in der Hölle geschlossen wurde, zwischen der christlichen Rechte und der rechtsaußen Politik, genauer gesagt, der republikanischen Partei. Viele dieser Televangelists unterstützen die Theorie oder besser die These, dass Präsident Trump von Gott gesandt wurde.“ Eine, die sich ganz deutlich zu Donald Trump bekennt, ist Paula White, die von Präsident Donald Trump zur offiziellen Beraterin in Glaubensfragen berufen wurde, ihn schon mehrfach im Weißen Haus besuchte, vor dessen Präsidentschaft mit Geldern ihrer Gläubigen ein Luxusapartment im Trump Tower in New York gekauft hatte und auch auf Trump Veranstaltungen, wie hier im Video zu sehen, auftritt.

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In den Auftritten der Televangelists, der Fernsehprediger, geht es um Wunder, um eine Stütze im Alltag, um die Auslegung von Gottes Wort, dem Allmächtigen, der gerade in der Krise gesucht wird. Im Fall des 83jährigen Kenneth Copeland, der geschätzt ein Vermögen von rund einer halben Milliarde Dollar erpredigt haben soll, geht diese Interpretation dann doch mal ganz seltsame Wege, wie selbst Pete Evans erstaunt erzählt: „Kenneth Copeland stand im April vor der Kamera. Er sprach stundenlang zu den Zuschauern und meinte, Gott werde das Virus verschwinden lassen, ganz schnell. Gott werde eine Hitzewelle schicken, die das Virus verbrennen lassen wird. Einfach weg, und dann zeigt er, wie Gott die Hitzewelle und das Virus einfach fortbläst.“

Sehen kann man das in dem folgenden Video bei Minute 27:08. Klar ist, die Televangelist sind ein fester Bestandteil der amerikanischen Fernsehlandschaft, “big business”, unterhaltsam, aber eben auch unkontrolliert und für manchen labilen und suchenden Zuschauer durchaus gefährlich.

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