Die Evangelikalen stehen zu Trump

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat, ein Teil des sogenannten Bibelgürtels der USA. Hier findet man sehr viele Kirchen und Glaubensgemeinschaften aller christlichen Richtungen. Wer nach Tupelo will, fliegt nach Memphis und fährt von dort nochmals eineinhalb Stunden mit dem Auto weiter. Dort findet man eine der führenden Organisationen der Christliche Rechte, der fundamentalistischen Evangelikalen, in den USA.

Die Headquarters der „American Family Association“ und „American Family Radio“.

“Und nun ein Krieger für das Wort Gottes und die Verfassung der Vereinigten Staaten…” So beginnt die Sendung “The Awakening” von Bishop E. W. Jackson, ausgestrahlt auf dem Radionetzwerk “American Family Radio” auf über 180 Stationen im ganzen Land. “American Family Radio” gehört zur “American Family Association”, einer christlich-fundamentalistischen Organisation, die 1977 von Don Wildmon in Tupelo, Mississippi gegründet wurde. Das Ziel war – und ist – gegen die Verlotterung Amerikas, gegen Pornografie, die, wie sie sagen “Homosexualisierung der Gesellschaft” und für die traditionellen christlichen Familienwerte einzutreten.

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat in den USA, mitten im “Bible Belt”, dem Bibelgürtel der Südstaaten. Tupelo gilt in dieser Region als etwas liberaler. Bekannt ist die Kleinstadt vor allem als Geburtsort von Elvis Presley. An Elvis kommt man hier nicht vorbei: Statuen und Gedenktafeln, Bilder und Andenken zum Mitnehmen.

Doch um Elvis Presley geht es weder bei der “American Family Association” noch bei ihrem Radionetzwerk. Ganz offen verbindet man Religion mit Politik. Man dürfe zwar keinen Kandidaten offen unterstützen, aber man spreche viel über Politik und darüber, wie sich Kandidaten positionierten, erklärt Tim Wildmon, Sohn des Gründers und seit letztem Jahr “Spirtual Adviser” von Donald Trump, Berater in religiösen Fragen. “Ich wurde vor ein paar Monaten dazu eingeladen, Teil des “Faith Advisory Council” von Präsident Trump zu sein. Es ist keine bezahlte Position, es ist vielmehr ein Gremium christlicher Führer aus allen Teilen Amerikas, die vom Präsidenten und seinem Team gefragt wurden, für ihn zu beten, denn er glaubt an Gebete und ihn auch dahingehend zu beraten, was uns Christen betrifft.”

Schon früh im Präsidentschaftswahlkamf 2016 hatten die verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften der Christlichen Rechte in den USA auf Donald Trump gesetzt, denn dieser sprach genau das aus, was sie hören wollten, erzählt Tim Wildmon, der auch der Präsident der “American Family Association” ist: “Viele Christen hatten ihre Vorbehalte gegen Donald Trump. Er war kein Konservativer, er war sicherlich kein Christ im eigentlichen Sinne. Er lebte lange als Playboy, hatte mehrere Ehen und, wie man weiß, nicht gerade den besten Charakter. Aber, er machte eine Menge Versprechungen im Wahlkampf und viele Christen meinten, er sollte eine Chance bekommen.”

Im AFR Studio in Tupelo. Rechts Tim Wildmon.

Gerade was Trump in Bezug auf Pro-Life Richter, also Richter, die gegen Abtreibung sind, versprach kam an. Er betonte, dass er nur Richter einsetzen werde, die sich gegen Schwangerschaftsabbrüche aussprachen. Was bei den Evangelikalen in den USA auch gut ankam war, dass er mit Mike Pence einen “von ihnen” in sein Team holte. Vize-Präsident Mike Pence, der sich selbst als ein “born again Christian” versteht, ist für die Evangelikalen der direkte Kontaktmann in der Regierung. Mit ihm haben sie jemanden, der ihre Ideen von Ehe, Erziehung und Abtreibung umsetzen kann und das auch macht. So jemanden hatten sie bislang noch nie im Weißen Haus.

Dieser Schulterschluß zwischen der Trump-Administration und den Evangelikalen wird auch ganz deutlich, wenn man sich die Sendungen von “American Family Radio” anhört. Donald Trump wird Tag für Tag in den Sendungen gelobt, verteidigt, als jemand gepriesen, der für die Christen im Land kämpft. “Der Präsident hätte ohne die Stimmen der evangelikalen Christen 2016 nicht gewinnen können. Er kann darauf auch in dieser Wahl bauen”, umschreibt es Tim Wildmon. 85 Prozent der Evangelikalen hatten in der letzten Wahl für Donald Trump gestimmt. Neben dem Radionetzwerk unterhält die Family Association auch noch eine Presseagentur mit täglichen evangelikalen Nachrichten und Sichtweisen, dazu wird ein Newsletter verschickt, der nach eigenen Angaben, mehrere Millionen Menschen in den USA erreicht.

Und nun in diesen Zeiten von Covid-19, dem “Social Distancing”, dem in den eigenen vier Wänden bleiben, werden die weit verbreiteten und viel gehörten Radiosendungen des “American Family Radios” zu Gold für Donald Trump. Ein offener, direkter Wahlkampf ist derzeit nicht möglich. Trump hat damit einen Vorteil, denn ein ähnliches Radionetzwerk gibt es nicht für einen Kandidaten der Demokraten. Millionen von Amerikanern, gerade im “Heartland” schalten ein und hören zu, wie die Evangelikalen der “American Family Association” für ihren Kandidaten ins Feld ziehen, um den “Culture War”, den Kulturkrieg in den USA zu gewinnen. Sie sind zum Sprachrohr für Donald Trump geworden.

Doch egal, ob Donald Trump oder der Kandidat der Demokraten am 3. November die Wahl gewinnen wird. Für Tim Wildmon und die Evangelikalen in den USA ist eines ganz klar – sie bleiben und werden weiter für ein christlich fundamentalistisches Amerika kämpfen: “Uns gibt es seit 1977, schon über 42 Jahre, wir verschwinden nicht, wir wachsen weiter, bleiben stark und halten an unserer Botschaft fest. Wir sind mehr als nur diese Konflikte mit den Linken über Abtreibung und Rechte von Homosexuellen. Wir helfen den Leuten der Bibel in Fragen zur Familie und in ihrem täglichen Christsein zu folgen. Das alles führt zu einer Stärkung Amerikas, daran glauben wir.”

Amerika im Wahlkampf

Ach ja, da war ja noch was. Die Demokraten führen noch ihre Vorwahlkämpfe, um zu entscheiden, wer denn nun im November gegen Donald Trump antreten soll. Alles sieht nach Joe Biden aus, aber Bernie Sanders ist nach wie vor im Rennen. Große Veranstaltungen gibt es keine mehr, alles wird online und aus der Sicherheit der eigenen vier Wände geleistet. Joe Biden hat im eigenen Keller ein kleines Sendestudio, aus dem er Fernsehinterviews gibt, von dort wendet er sich an seine Anhänger.

Und die Kameras warten. Foto: Reuters.

Da hat es Donald Trump schon leichter. Er kann zwar derzeit keine seiner beliebten Massenauftritte mehr durchführen, aber Trump hat nun jeden Tag eine Pressekonferenz, die live übertragen wird. Anfänglich waren es noch alle Newskanäle, die den Präsidenten der USA in die Wohnzimmer der Amerikaner brachten. Doch schnell wurden die Stimmen laut, dass Trump diese Pressekonferenzen zur Lage von Corona in den USA als Wahlkampfveranstaltungen nutzt. Jeden Tag stehen mit Trump Unternehmer, Minister, Experten auf der Bühne, die ihn preisen und loben. Ihre vorbereiteten Texte werden vorher vom Weißen Haus abgesegnet. Es sind also keine Überraschungen zu erwarten. Trump sonnt sich in diesem Bad der organisierten Lobhudelei. Mich erinnert das oft an die Auftritte des nordkoreanischen Diktators, der ja alles weiß, richtig macht, erfahren in jeglicher Krise ist, sein Volk sicher durch die schweren Zeiten führt und dafür von Experten, den Armeeangehörigen und dem eigenen Volk bejubelt wird.

Ich weiß, ein böser Vergleich, aber die Pressekonferenzen Trumps sind in diesen Tagen mehr als surreal. Denn wenn ein Reporter kritische Fragen stellt, wie das ja auf Pressekonferenzen auch durchaus sein sollte. Wenn, wie eine Journalistin von PBS, Trump mit seinen eigenen Aussagen aus den letzten Wochen konfrontiert wird, er dann antwortet, das habe er nicht gesagt, dann wundert man sich schon, in welchem schlechten Film man gerade ist.

Sender wie CNN haben sich nun davon zurückgezogen, diese täglichen Auftritte des Präsidenten live zu senden. Gerade auch aus dem Grund, weil er Dinge verdreht, falsch darstellt, ja, offen lügt. Die Pressekonferenzen im „Rose Garden“ sind für Trump Wahlauftritte geworden, so wendet er sich in Zeiten des „social distancing“ an seine Wähler. Und die Einschaltquoten sind hoch. Trump vergleicht seine Auftritte mit „Monday Night Football“ und verkennt mit so einem Vergleich, dass die Nation durch eine noch nie dagewesene Krise geht und eigentlich einen Präsidenten bräuchte, der präsidial auftritt. Der Applaus in den großen Hallen und Stadien fehlt ihm, deshalb müssen nun die Unternehmer im Land den „Commander in Chief“ mit löblichen Worte bejubeln. Trump dominiert derzeit die Airwaves. Biden und Sanders tauchen kaum noch auf. Sie können gar nicht mehr auf das reagieren, was der Präsident da verbreitet. Das ist der Wahlkampf 2020. Ausgang ungewiss.

Der Weltuntergang ist nah

Heute früh bin ich mit dem Hund um den Block gegangen. So ruhig war es hier noch nie. Keine Menschenseele auf der Straße, niemand war auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule. Kein Auto fuhr, alles war ruhig, seltsam ruhig. So still ist es noch nicht einmal an Thanksgiving oder Weihnachten. Denn auch aus der Ferne war kein Straßenlärm zu hören.

Seit Mitternacht sind in den Bezirken rund um San Francisco, von Santa Cruz im Süden bis Hopland im Norden Ausgangssperren verhängt worden. „Häusliche Isolation“ nennt sich das, betroffen davon sind rund sechseinhalb Millionen Menschen. Nur wenige Geschäfte dürfen noch auf haben, alles andere ist geschlossen. Das öffentliche Leben kommt in der Bay Area zum Stillstand.

Zumindest eine hat Spaß in diesen Tagen.

Unterdessen steigen im ganzen Land die Waffenverkäufe. Vor Gun Stores in Idaho, Montana, Kentucky, Arkansas und anderen Bundesstaaten haben sich lange Schlange gebildet. Gekauft wird alles was Wumm machen kann, dazu Unmengen an Munition. Das schwerbewaffnete Amerika bereitet sich auf den Endzeitkrieg vor. In einem Wahljahr steigen grundsätzlch die Waffenverkäufe, denn immer ist das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz auch ein Wahlkampfthema. Republikaner, allen voran Donald Trump, mobilisieren ihre Basis damit, dass sie erklären, die Demokraten wollten das „2nd Amendment“ abschaffen und alle Knarren konfiszieren lassen. Das ist natürlich Blödsinn, aber es führt dennoch zu einem „Run“ auf die „Guns“.

Doch dieses Wahljahr trifft auch noch auf eine globale Krise. Im Januar wurden deshalb rund 350.000 Waffen mehr verkauft als im Wahljahr 2016. Unzählige Amerikaner sind auf den „drohenden“ Bürgerkrieg und die Aussetzung aller Grundrechte vorbereitet, nach dem Motto, wer an mein Klopapier oder meine Nudeln will, „only over my dead body“. Die Knarren sind geladen.

Die Verschwörungstheorien blühen derzeit auf. Die einen sehen hinter dem Corona Virus den Versuch der „geheimen Weltregierung“ die Bevölkerungen unter ihre Kontrolle zu bringen. Die anderen machen einen Geheimplan von Donald Trump aus, der nun „Martial Law“, also das Kriegsrecht ausrufen wird, um so seine Abwahl zu verhindern und auf einen Kurs mit seinen diktatorischen Kumpels in aller Welt einschwenken will. Bei all dem bin ich nur noch sprachlos. Ich sitze hier in meinem alltäglichen „Home Office“, schreibe und produziere und genieße auch weiterhin die Waldspaziergänge mit meiner Käthe. Da sehe ich keinen, da treffe ich keinen, da treibt sich kein Virus herum.

Kampf dem Virus

Schlangen vor den Supermärkten, leere Regale in den Läden, Home Office, die Parkplätze an der BART Station sind wie leergefegt, über die Bay Bridge kann man derzeit ungebremst fahren, alles frei. Von der Brücke kann man auch das Kreuzfahrtschiff „Grand Princess“ sehen, das in der San Francisco Bay geankert hat, auf dem noch immer Hunderte von Mitarbeitern sind und dort unter Quarantäne stehen. Und nun auch ein vom „Health Officer“ angeordneter „Hausarrest“. Na ja, nicht ganz, aber mal soll zu Hause bleiben, wenn man nicht unbedingt raus muss. Unbedingt bedeutet, Einkaufen im Supermarkt, zum Arzt gehen oder mit dem Hund raus, das ist erlaubt. Alles andere wird gestrichen.

Von überall sichtbar, die geankerte „Grand Princess“ in der San Francisco Bay. Foto: AFP.

Die Pandemie ist nun auch direkt vor meiner Haustür angekommen. Mein Fitnessclub reagierte spät und dann schrittweise. Erst wurden die Klassen gestrichen, dann die „Social Events“ und schließlich wurden die Türen mit der heute weit verbreiteten Anordung ganz geschlossen. Übers Handy kommt ein „Alert“, laut piept es mehrmals, man soll in den eigenen vier Wänden bleiben. Mein Lieblingsweingut meldet sich per Mail, man komme den Anordungen in Sonoma County nach. Der „Tasting Room“ bleibt vorerst geschlossen. Restaurants, Cafes, Bars machen dicht, wenn sie nicht notwendig sind und Speisen zum Mitnehmen anbieten können. Die Lichter gehen fast überall auf „Main Street“ aus.

Wie es nun weitergeht, das weiß keiner so genau. Präsident Donald Trump scheint so langsam die Kurve gekratzt zu haben und erkennt die große Herausforderung. Sprach er anfangs noch von einem „Media-Hype“, von einer politischen Angstmacherei der Demokraten hat er nun den nationalen Notstand ausgerufen, erklärt vor Pressevertretern auf einer Skala von 1-10 habe er die 10 in Sachen Corona-Bekämpfung verdient. Und auch Trumps Haussender, FoxNews, hat mittlerweile den Ton geändert. Sprachen sie lange Zeit nur von einer Panikmache, einem erneuten Versuch, diesem Präsidenten zu schaden, wird nun ganz offen von einer Krise berichtet. Natürlich in Trumpschen Farben, denn dieser Präsident habe alles unter Kontrolle und sei der richtige Mann zur richtigen Zeit, so Sean Hannity, der erfolgreichste Moderator des Senders.

Nun also wird zu dramatischen Mitteln gegriffen, um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Zu spät käme es, sagen Gesundheitsexperten. Trump hätte schon längst reagieren müssen, hätte schon längst auf die Gouverneure in den verschiedenen früh betroffenen Bundesstaaten hören sollen. Doch Trump hört nicht zu, wenn es  um sein Image geht. Wie es heißt, kann die Krise Monate dauern, das liegt auch daran, dass das Ausmaß der Ansteckungen noch gar nicht bekannt ist. Viel Zeit wurde verschwendet, gerade von Seiten des Weißen Hauses und dieses Präsidenten, der nicht wahrhaben wollte, was da passiert. Er glaubte wirklich, er könnte die Krise aussitzen. Nun tritt der bittere Alltag ein und FoxNews erklärte am Nachmittag, eine „recession is highly likely“.

Trump und sein Rassismus

Nun wissen wir es. Das Virus ist „ausländisch“. Donald Trump sprach am Mittwochabend zur Fernsehnation und erklärte, alles kein Problem und überhaupt „it’s a foreign virus“. So, als ob Covid-19 mit Pass an der Grenze aufgetaucht sei oder höchstwahrscheinlich illegal über die Grenze kam. Aber diese Aussage des amerikanischen Präsidenten passt zu seinem immer wieder aufkommenden rassistischen Unterton, den viele in seiner Basis ja so schätzen.

Donald Trump als „Commander in Chief“ in der Corona-Krise. Foto: Reuters.

Trump will nun hart durchgreifen, bislang war der Corona-Ausbruch erst eine Medienkampagne gegen ihn, dann ein „Democratic Hoax“, also ein Hirngespinst der Demokraten, dann alles nicht so schlimm, denn durch die Grippe sterben ja weitaus mehr Leute. Am Mittwoch dann wollte sich Trump ganz als „Commander in Chief“ präsentieren und verbot erstmal alle Flüge von Europa in die USA, denn die Europäer, so Trump, hätten viel verschlafen und seien für den Corona-Ausbruch in Amerika verantwortlich. Briten allerdings, die ja nun aus der EU ausgetreten sind, dürfen auch weiterhin kommen. Später dann musste das „White House“ zurückrudern, denn Trump hatte Dinge erklärt, die so nicht stimmten. Der Handel und der Import/Export sollte weiterlaufen und auch gelte dieses Einreiseverbot nicht für Amerikaner und Green-Card Besitzer.

Trump ließ schon vor seiner Schreibtischrede verbreiten, dass er was „very big“ verkünden wird. Das war es dann durchaus, doch Trump kam eher so rüber, als ob er das nun vom Teleprompter ablesen muß, etwas distanziert, alles andere als überzeugend, tief schnaufend, immer mal wieder blieb er hängen. Man hatte das Gefühl, Corona ist so eine nervige Sache für ihn, die da ganz ungelegen ist in seiner täglichen Selbstbeweihräucherung. Viele Wochen verpennte Trump schlichtweg die Reaktion auf die kommende Pandemie, pries sich vielmehr selbst, erklärte alles als eine politsche Aktion der Demokraten, betonte immer wieder, dass Amerika die führende Nation weltweit sei und mehr als gut vorbereitet auf alles sei, was da kommen möchte. Alles nicht so schlimm.

Dem ist nicht so, das wird nun mehr als deutlich. Es gibt keinen Plan, es ist Stückchenarbeit, hier mal etwas einschränken, da mal etwas verbieten. Die Krankenhäuser sind überlastet, es fehlen weit über 100.000 Betten für Betroffene. Aber, so Trump, wir haben hier in den USA das beste Gesundheitssystem, die besten Mediziner und die besten Forscher. Wird schon alles, muß ja, wenn Trump das sagt.

Der macht unterdessen mit dem politischen Kleinkrieg weiter, greift die Opposition an und tut so, als ob nichts geschehen ist. Von der Einheit Amerikas, die er noch am Mittwochabend beschwor, keine Spur. Beruhigt kann man in den USA nicht mehr sein, denn da ist jemand am Machen, der von sich erklärt, er verstehe alles viel besser als die Mediziner und Wissenschaftler. Ich hoffe nur, dass ich in den kommenden 30 Tagen nicht ganz dringend nach Deutschland muss.

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Die Mitte setzt sich durch

Der strahlende Sieger am „Super Tuesday“ – Joe Biden: Foto: AFP.

Es war kein guter Abend für Bernie Sanders. Joe Biden konnte sich am „Super Tuesday“ nach vorne drängeln, Dank auch dem Ausscheiden von Tom Steyer, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar. Am Mittwoch dann folgte der Ausstieg von Michael Bloomberg. Joe Biden kann gestärkt in die noch anstehenden Vorwahlen ziehen.

Bernie Sanders hat zwar den bevölkerungsreichsten und wohl auch liberalsten Bundesstaat Kalifornien gewonnen, aber man muss bedenken, dass 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler schon vor der Wahl in South Carolina am vergangenen Samstag, also noch vor dem Neustart der Biden-Kampagne, ihre Stimme abgegeben hatten. Viele für Sanders, aber auch viele für Buttigieg, Steyer, Klobuchar und Bloomberg. Die Ergebnisse am „Super Tuesday“ zeigen, dass Bernie Sanders keine Mehrheit in den Reihen der Demokraten hat.

Mit dem Wiedererstarken von Joe Biden konzentrieren sich die Demokraten auf ihre politische Mitte. Und Biden versucht schon jetzt eine breite Koalition zu schmieden. Er will die anderen mit einbeziehen, sowohl in seinen Wahlkampf, als auch in einem möglichen Kabinett. Ein kluger Schachzug, denn nur so wird die Partei am Endes des Vorwahlkampfes geeint und gestärkt in den Kampf gegen Donald Trump ziehen können.

Doch die Frage bleibt, wie wird das Bernie Sanders Lager nun reagieren? Schon jetzt kursieren Angriffe gegen Biden und die Demokraten, einen Hinterzimmerdeal geschmiedet zu haben, um Bernie erneut auszubooten. Sanders wird sicherlich nicht klein beigeben, er glaubt weiterhin an seine Chance, an seine Revolution, die er immer wieder ausruft. Doch wann ist der Punkt erreicht, an dem auch er die Segel streichen und seinen Unterstützern deutlich machen muss, dass in diesem Wahlkampf nur eines zählt, Donald Trump aus dem Weißen Haus zu bekommen.

Joe Biden ist sicherlich kein Kandidat für die nächsten acht Jahre. Er ist und kann nur derjenige sein, der die Partei zusammenführt und das schafft, was in diesen Zeiten notwendig ist. Über eine erneute Gesundsheitsreform, über kostenlose Bildung, über eine Neuausrichtung der amerikanischen Gesellschaft muss zu einem späteren Zeitpunkt geredet werden. Jetzt geht es einzig und allein darum, den Schaden zu reduzieren, der sich nach vier Jahren Donald Trump anghäuft hat und noch viel mehr mehr zu verhindern.

War es ein Hinterzimmerdeal?

Mit dem deutlichen Wahlsieg von Joe Biden am vergangenen Samstag in South Carolina wurden die Karten im Vorwahlkampf der Demokraten neu gemischt. Noch am Wochenende beendeten der Milliardär Tom Steyer und der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg, ihre Kandidaturen.

Pete Buttigieg steigt aus und unterstützt fortan Joe Biden. Foto: Reuters.

Am Montag dann folgte die Senatorin Amy Klobuchar, auch sie schmiss das Handtuch. South Carolina und zuvor schon die Wahlergebnisse in Nevada machten allen drei deutlich, dass sie nicht die wichtigen Stimmen der Latinos und Afro-Amerikaner gewinnen können. Damit wachsen am heutigen Super Tuesday, an dem in 14 Bundesstaaten gewählt wird, die Chancen von Joe Biden, denn gleich drei Kandidaten aus der Parteimitte nehmen ihm damit keine Stimmen mehr ab. Dazu kommt, dass Buttigieg und Klobuchar ihn am gestrigen Abend auf einer Veranstaltung in Dallas ihre Unterstützung zusagten und auch Tom Steyer betonte am Samstag nach seinem Rücktritt, dass er den Kandidaten der Demokraten unterstützen wird.

Im Lager von Bernie Sanders sieht man das Ausscheiden vor allem von Buttigieg und Klobuchar als Hinterzimmerdeal. Das Establishment der Demokraten, so heißt es, versuche erneut mit unsauberen Mitteln, Bernie Sanders zu stoppen. Neben Joe Biden und Bernie Sanders sind auch noch Michael Bloomberg, Elizabeth Warren und Tulsi Gabbard im Rennen. Bloomberg wird wohl nach dem Super Tuesday entscheiden, ob er überhaupt noch eine Chance hat und weitermachen wird. Gerechnet wird damit, dass schon am Dienstagabend nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse Elizabeth Warren das Ende ihres Wahlkampfes verkünden wird. Auch sie hat bislang kaum Wählerinnen und Wähler auf sich vereinen können.

Unterdessen mischt Präsident Trump im Wahlkampf der Demokraten mit, er schürt ganz gezielt Mißtrauen und Mißmut beim politischen Gegner. Immer wieder tweetet er in Richtung Sanders Lager, dass die Demokraten erneut „Crazy Bernie“ (OT-Trump) um die Kandidatur bringen wollen. Am Ende, das steht schon jetzt fest, wird ein Endsiebziger gegen einen anderen Endsiebziger antreten. Die Zukunft Amerikas liegt damit in der Hand der Alten.

Amerikaner und ihr Corona

Es soll sie geben, die Amerikaner, die nun bei all dem Gerede über das Corona Virus mit dem Trinken von Corona Bier aufgehört haben. Sicher ist sicher, man will sich ja nicht beim Saufen anstecken. Was eigentlich zum Lachen ist, ist dann doch zum Weinen, denn klare Aussagen bekommt man in diesen Tagen nicht.

Das Corona Virus macht einen Bogen um Amerika. Dank Trump, sagt Trump. Foto: Reuters.

Präsident Donald Trump nimmt alles mal wieder sehr persönlich und erklärt, eigentlich sei die Grippe ja viel schlimmer und der ganze Hype um Corona sei nur von den Medien initiiert und von den Demokraten gefördert. Denn die wollten politisches Kapital aus einem Problem machen, was für die USA überhaupt kein Problem ist. Auf einer Wahlkampfrede am Freitag in South Carolina sprach er deshalb auch von einem Corona „Hoax“ in Anlehnung an die Ermittlungen der Demokraten über russische Wahlmanipulation 2016 und seinen nicht allzu perfekten Anruf mit dem ukrainischen Präsidenten. Die Demokraten, so Trump, hätten keine Ahnung, sie könnten noch nicht einmal ihre Stimmen bei der Vorwahl in Iowa auszählen und nun kämen sie als wissenschaftliche Experten daher. Es sei alles eine „neue Verarsche“, so Trump. Mit dem Corona Virus würde eine panische Stimmung verbreitet, die die Börsenkurse in den Keller fallen lassen, die Demokraten warteten sogar auf Tote, um damit Wahlkampf zu machen, nur um ihm die Wiederwahl zu verbauen. Es geht also mal wieder nur um Donald Trump.

In dieses Horn bläst auch der texanisch-republikanische Senator Ted Cruz, einst ein erbitterter Gegner von Trump, nun ein bedingungsloser Trumpsoldat. Er tweetet: „The Dem party is rapidly evolving into an angry, anti-science socialist ideology.“ Das ist dann was ganz Neues, den Demokraten wird nun gerade von jenen vorgeworfen, gegen die Wissenschaft zu sein, die zum einen nicht an die Evolution glauben und zum anderen gezielt die finanzielle Grundlage für die verschiedensten Forschungseinrichtungen im Land kürzen oder ganz streichen.

Amerika erlebt derzeit eine Krise, in der gerade derjenige an der Spitze mal wieder eine peinliche „Ich-Show“ daraus macht. Es geht nur um ihn. Jeder der ihn oder das Vorgehen seiner Administration kritisiert, ist ein Feind Amerikas. Und das, obwohl die Menschen hier einfach nur Informationen haben wollen, mit denen sie leben können. Trump jedoch verharmlost, beschuldigt andere der Panikmache und widespricht seinen eigenen Behörden, die fachlich sicherlich mehr Ahnung haben als er. Die Welt dreht sich um Donald Trump, das wird in diese Krise erneut ganz deutlich.

 

Die tiefe Spaltung Amerikas

Bernie Sanders ist der Frontrunner der Demokraten. Foto: AFP.

Bernie Sanders führt das demokratische Kandidatenfeld für die Präsidentschaftswahl an. Und das, obwohl er keine Mehrheit in den demokratischen Reihen hat. Doch genauso war es 2016, Donald Trump setzte sich in den Vorwahlen durch, ohne eine Mehrheit in der republikanischen Partei hinter sich zu haben.

Das ist das amerikanische Wahlsystem. Und das ist das Verrückte an diesen Vorwahlen, in denen sich die gemäßigteren Kandidatinnen und Kandidaten gegenseitig die Stimmen wegnehmen. 2016 versuchten 16  Frauen und Männer neben Donald Trump zu punkten. Viele von ihnen hatten die selben politischen Forderungen und Ideen, sprachen die gleichen Wählerinnen und Wähler an und behinderten sich im Wahlkampf gegenseitig. Das Ergebnis ist bekannt, Donald Trump war der Nutznießer dieses langjährigen und sündhaft teuren Prozederes vor dem eigentlichen Wahltag.

Nun sind die Demokraten in der Opposition und sie haben nichts aus der Vergangenheit gelernt. Anfangs waren es zwei Dutzend Kandidatinnen und Kandidaten, die alle meinten, sie könnten Donald Trump besiegen. Nun sind es immerhin noch sieben Frauen und Männer, die von sich glauben, sie seien dazu auserkoren, Amerika wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Am Ende, so sieht es zumindest aus, wird nicht ein Kandidat der Mitte in die Schlacht gegen Trump ziehen, sondern Bernie Sanders, der keine politische Mehrheit bei den Demokraten hat und noch nicht einmal Demokrat ist.

Der Zweikampf Trump gegen Sanders wird ganz offen die tiefen Gräben in der amerikanischen Gesellschaft zeigen. Da ist einer, der die Verantwortung des Staates aus allen Bereichen beenden will, die freie und unregulierte Marktwirtschaft preist, sich als Retter des „American Dream“ darstellt und die nationalen Symbole Amerikas besetzt. Auf der anderen Seite jemand, der den Staat in die Verantwortung nehmen will, der für eine allgemeine Krankenversichung, für kostenlose Bildung, für eine stark regulierte Wirtschaft, für einen „Green Deal“, für die Neuausrichtung der amerikanischen Industrie ist.

Hier treffen Welten aufeinander und keiner von beiden, weder Trump noch Sanders, vertritt die Mehrheit in den USA. Beide behaupten zwar, sie sprächen für das amerikanische Volk, doch seien wir ehrlich, beide Kandidaten schaffen es lediglich, ein sehr fragwürdiges und durchaus undemokratisches Wahlsystem für sich selbst auszunutzen. Natürlich steht mir Sanders mit seinen eher sozialdemokratischen, europäischen Forderungen, der gesellschaftlichen und staatlichen Verantwortung näher als das Getöne eines Trumps, der Regularien in der Wirtschaft abbaut, den Umweltschutz nicht für wichtig hält, den Sozialstaaat abwickelt, die Grundfesten der Demokratie untermininiert, nichts von Wissenschaft und gesunder Logik hält.

Der Blick voraus verspricht nichts Gutes. Die Monate bis zum Wahltag am 3. November werden diese Nation nur noch weiter spalten. Schon jetzt wird ohne Bandagen gekämpft. Der demokratische Vorwahlkampf nimmt an Fahrt zu und Donald Trump schüttet bereits Öl ins Feuer, um weiter Mißtrauen gegen den Staat und die Wahlen an sich zu schüren. Der Wahltag wird nicht zu klaren Ergebnissen führen, nur eines wird erneut deutlich sein – Amerika ist keine geeinte Nation mehr.

„The Divider in Chief“

Wer glaubte, Donald Trump komme nach dem Amtsenthebungsverfahren zur Vernunft, der hat sich mehr als getäuscht. Trump dreht nun so richtig auf, säubert die eigenen Hallen von all jenen, die nicht loyal genug gegenüber ihm und seiner Politik waren und sind. Mitarbeitern in den verschiedensten Ministerien wird gekündigt oder sie werden an andere, nicht weiter wichtige Positionen versetzt. Trump schasst alle kritischen Stimmen in seiner näheren Umgebung und besetzt die Stellen mit Ja-Sagern und 150prozentingen Trumpisten.

Und es ist Wahlkampf, Trump bläst zum erneuten Sturm aufs Weiße Haus. Dabei ist ihm alles recht. Er besetzt die nationalen Symbole, wie Fahne und Hymne, erklärt die Demokraten als unamerikanisch und unpatriotisch. Nur mit ihm und seiner auf Kurs gebrachten republikanischen Partei werden die amerikanischen Arbeiter, die amerikanischen Familien und der amerikanische Traum geschützt.

Trump ist befreit von all seinen Fesseln, er sieht einen klaren Freispruch darin, dass der Senat mit seiner republikanischen Mehrheit ihn nicht verurteilt hat. Nun kann er ungehindert von seiner Hexenjagd, dem „Deep State“, den gemeinen und fiesen Demokraten sprechen. Trump baut weiter an seinem sehr auf sich bezogenen amerikanischen Alltag. Wer für ihn ist und das auch ganz deutlich zeigt und erklärt, wird gefördert. Wer Kritik äußert oder sich gegen ihn stellt, wird als Feind Amerikas, als Sozialist, als Vaterlandsverräter hingestellt. Darunter durchaus auch einstige Wegbegleiter, wie der ehemalige nationale Sicherheitsberater John Bolton, der nun in Trumps Augen ein „traitor“ sei.

Donald Trump hält nun nichts mehr zurück. Seine Generäle, die er einst pries, die ihn einigermaßen in einer geordneten Laufbahn hielten, sind nicht mehr. Berater für Donald Trump sind nur noch die, die ihm kopfnickend zustimmen und das fraglos umsetzen, was er sich da in den Kopf setzt. Bestes Beispiel ist der umstrittene US Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, der ohne großes Vorwissen nun zum Geheimdienstkoordinator gemacht wurde und dort umgehend den Trumpschen Kurs durchsetzte. Kurzerhand wurde der stellvertretende Leiter, Andrew Hallman, gefeuert. Grenell wird zumindest für die kommenden Monate Trump die Ergebnisse der Geheimdienste präsentieren. Man kann davon ausgehen, dass da nichts über den Einfluss der Russen auf den US Wahlkampf zu hören sein wird.

Der Präsident hat im Jahr vier seiner Amtszeit nun das erreicht, was er von Anfang an wollte. Eine freie Fahrt ohne Hindernisse. Trump greift nun ungehindert die demokratischen Grundfesten an, regiert wie ein König und nicht wie ein gewählter Präsident. Das sollte endlich auch bei den Demokraten ankommen, die dieses peinliche Schauspiel des Vorwahlkampfes schnellstmöglich beenden sollten und eine geeinte Linie im Kampf ums Weiße Haus finden müssen.