Ein Grammy für Pete Seeger

Ich bin kein großer Fan der Grammys, irgendwie wird immer das gleiche und die gleichen ausgezeichnet. Interessant finde ich nur jene Awards, die auf den hinteren Rängen zu finden sind, wie „Best boxed or special limited-edition package“, „Best album notes“ und „Best historical album“. Da sind immer mal wieder außergewöhnliche Veröffentlichungen dabei, wie in diesem Jahr der Grammy für eine Pete Seeger Box.

Pete Seeger, die Stimme der amerikanischen Folk-Bewegung. Vor sechs Jahren, am 27. Januar 2014 verstarb er im Alter von 94 Jahren. Seeger wurde schon zu Lebzeiten als “American Treasure”, als lebender Kulturschatz Amerikas bezeichnet. Meist nur mit seinem Banjo in der Hand, begeisterte er seine Zuhörer, und das weltweit. Pete Seeger war Sänger, Rebell und die Stimme einer ganzen Nation. Er sang von einer besseren Welt und war der Meinung, diese könne nicht überleben, solange das Privateigentum „Gott aller Götter“ sei. Seine Lieder sollten Hoffnung geben. Zu Pete Seeger‘s 100. Geburtstag am 3. Mai 2019 hatte sein langjähriges Label “Smithsonian Folkways” eine umfangreiche 6 CD Box herausgebracht, darunter auch 20 bislang unveröffentlichte Songs. Dazu ein 200seitiges Buch. Und diese opulente Box wurde mit einem Grammy für „Best historical album“ ausgezeichnet.

An Pete Seeger kommt man in den USA nicht vorbei. Bob Dylan und Joan Baez und selbst Musiker von Rage Against the Machine sehen ihn als großen Einfluss auf ihre Musik. Seine Lieder wurden zu einem Soundtrack dieses Landes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine bekannten Songs sind genauso auf „The Smithsonian Folkways Collection” zu finden, wie Lieder, die ihn einfach am besten beschreiben. Zusammengestellt wurde diese Werkschau von Jeff Place, Kurator und Leiter des Folkways Archivs. „Ich habe einfach versucht, die größte mögliche Retrospektive zusammenzustellen. Von seinen ersten Veröffentlichungen überhaupt bis hin zu den letzten in seinem Leben. Und dann wollte ich auch noch all die Orte aufnehmen, die Pete Seeger mit seiner Musik besuchte. Die Leute sprechen von ihm wie von Woody Guthrie, Woody’s Kinder sind auch Pete’s Kinder…Joan Baez erzählte mal, dass sie als 13jährige ein Konzert von Pete Seeger an ihrer Schule erlebte, und das veränderte ihr Leben.“

Jeff Place berichtet davon, dass Pete Seeger in den 50 Jahren aufgrund seiner früheren Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei und seinem politischen Einsatz für soziale und gesellschaftliche Initiativen unter politischen Druck geriet. Seeger war auch ein Teil der legendären und sehr erfolgreichen „Weavers“, einem Folk Quartett aus Greenwich Village, das neben traditionellen Folk Songs auch Arbeiter- und Protestlieder sang. Damit machten sie sich in der politisch aufgeheizten McCarthy Ära verdächtig. Seeger und auch andere Mitglieder der „Weavers“ wurden „blacklisted“. Kein Club ließ ihn mehr auftreten, kein Radiosender spielte ihn mehr. Doch das hielt ihn nicht auf, so Jeff Place: „Er lebte also ein Leben im Untergrund, wo er einfach an Colleges und Universitäten auftauchte und ohne große Ankündigung spielte, so konnte man ihn nicht davon abhalten. Es wurde versucht, seine Ideen aufzuhalten, aber er fand einen Weg, um die jüngere Generation zu erreichen, in dem er an Schulen spielte und Platten aufnahm. Darunter auch Platten für Kinder. Er hat all diese Menschen in den Vereinigten Staaten beeinflusst, diese jungen Leute, diese Kinder, die schließlich Teil der großen Folk Bewegung in den späten 50er und 60er Jahren wurden, wie Peter, Paul & Mary und Dylan und all die anderen.“

Pete Seeger wurde durch seine Schul- und Uniauftritte erneut bekannt, erreichte so eine neue, junge Generation. In den 60er Jahren setzten Lehrer in den Schulklassen seine Musik im Unterricht ein. Die Saat, die er mit seinen Konzerten säte, ging auf. Seeger veröffentlichte über 70 Platten auf Folkways Records, darunter “Spoken Word” Alben, Musik für Kinder, Protestlieder, Songs aus anderen Ländern und Kulturen. Überall wohin Pete Seeger reiste, brachte er nicht nur seine amerikanischen Lieder mit, sondern nahm auch Songs von dort mit zurück in die USA. Er war ein musikalischer Grenzgänger und Brückenbauer, der Menschen mit seinen Songs zusammenbrachte. Auf dieser Box ist auch eines der bedeutendsten antifaschistischen Protestlieder überhaupt enthalten, das 1933 im norddeutschen Konzentrationslager Börgermoor geschrieben und mit dem Spanischen Bürgerkrieg in alle Welt geweht wurde. Pete Seeger liebte dieses kraftvolle Lied und spielte es immer wieder auf seinen Konzerten.

Mit der großen Pete Seeger Werkschau schließt sich für Folkways Records auch der Kreis der wichtigen „Drei“ der amerikanischen Folk-Musik, denn zuvor schon hatte das Label Boxsets von Woody Guthrie und Lead Belly veröffentlicht. „Man muss auch erwähnen, dass Pete Seeger ein enger Freund von Woody Guthry und Lead Belly und einigen anderen war“, meint Jeff Place. „Und er war derjenige, der weitermachte…sie starben leider viel zu jung, doch Pete hielt ihre Musik und ihre Ideen über die Jahre am Leben. Er ist dafür verantwortlich, dass wir Woody Guthrie heute so kennen oder ihn so schätzen.“

„Pete Seeger – The Smithsonian Folkways Collection“ ist nicht nur eine bedeutende Werkschau einer der wohl wichtigsten Jahrhundertmusiker Amerikas, die nun mit einem Grammy geehrt wurde. Beim Durchhören all der Lieder spürt man vielmehr, dass Pete Seeger mit seinem Banjo und seiner warmen Stimme Kraft und Hoffnung in teils schwierigen Zeiten geben wollte und auch konnte. Amerika könnte heute mehr denn je wieder einen Pete Seeger gebrauchen.

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Es ist Sonntag und Trump ist langweilig

Andere  malen, lesen, schreiben ihre Memoiren, spielen Basketball oder lernen ein Instrument. Donald Trump ist nicht bekannt dafür kreativ mit seiner Zeit umzugehen. Ein Familienleben scheint er auch nicht zu haben, denn Bilder von ihm und Melania bei einem Konzert- oder Kinobesuch gibt es nicht, auch sieht man den Präsidenten nicht mal mit seinem jugendlichen Sohn im Rose Garden des Weißen Hauses einen Ball kicken. Er läßt sich lieber von Lobhudeleien belustigen und teilt diese dann nur allzugern auf Twitter. Kritik an ihm und seiner Politik verwirft er als unamerikanisch, unpatriotisch, vom Deep State und den Demokraten initiiert.

Außenminister Mike Pompeo. Foto: AFP.

Heute war mal wieder so ein Sonntag, wo der Präsident der Vereinigten Staaten nichts zu tun hatte. Es gibt keine Krisen in den USA, keine in der Welt, deshalb verbringt er seinen Sonntagmorgen vor dem Fernseher und tweetet sich die Finger wund. Doch diesmal ging er erneut zu weit. Klar, da sind die üblichen „Witchhunt“ Tweets und die Aufforderung das Telefonprotokoll seines Gesprächs mit dem ukrainischen Präsidenten zu lesen (I did, Mister President. You are guilty!). Aber Trump wettert auch erneut gegen die Medien, bezeichnet sie als „korrupt“ und fordert die Einstellung jeglicher finanzieller Unterstützung durch den Staat für NPR, National Public Radio, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den USA.

Und diese Geschichte hat es in sich, denn ein Interview von NPRs Mary Louise Kelly mit Außenminister Mike Pompeo ging wohl total daneben. Pompeo weigerte sich Fragen zur Ukraine zu beantworten und beschimpfte anschließend die anerkannte Journalistin. Auch erklärte er „Do you think Americans care about fucking Ukraine“. Nicht nur das, Pompeo ließ anschließend eine Erklärung verbreiten, in der er der Reporterin unterstellt, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben und, dass Kelly selbst die Ukraine nicht auf einer Landkarte finden konnte („It is worth noting that Bangladesh is NOT Ukraine“).

Marie Louise Kelly. Foto: NPR.

Mary Louise Kelly, geboren 1971 in Augsburg, ist eine langjährige Mitarbeiterin von NPR, arbeitete zuvor für die BBC und CNN aus London. Sie berichtete aus Afghanistan und aus Deutschland. Pompeo wirft ihr vor, ihn unerlaubterweise zur Ukraine befragt zu haben und Inhalte des Nach-Interview Gesprächs, in dem er ausfällig wurde, und das er nun im Nachhinein als „off the record“ bezeichnet, veröffentlicht zu haben. Kelly widerspricht dem. Sie habe vorab mit Pompeos Mitarbeitern geklärt, dass sich die Interviewfragen um den Iran und um die Ukraine drehen werden. Und als Pompeo sie nach dem Interview in sein Büro beorderte, war nicht deutlich gemacht oder gesagt worden, dass das, was nun komme „off the record“ sei. Auch wisse sie wo die Ukraine liege und habe diese dem Außenminister auf einer Landkarte gezeigt.

Donald Trump und seine konservativen Kämpfer, wie der Talk Radio Moderator Mark Levin, nehmen das natürlich zum Anlass auf die Medien im Allgemeinen und auf NPR im Besonderen einzudreschen. NPR sei ein linksliberales Medium, das abgeschaltet gehört und dessen staatliche Förderung gestrichen werden sollte, forderte Levin. Und Trump teilte das nur zu gerne. Wiedereinmal unterminiert er die freie Presse in den USA . Wer ihn und seine Administration kritisiert, keine Hofberichterstattung vorlegen will, wer kritische Fragen stellt, wird als Feind gebrandmarkt. Konsequenzen sind diesem Präsidenten egal.

Wild, Wild West in the USA

Gestern wandte ich mich über Twitter an Präsident Donald Trump? Ich fragte ihn: „With all due respect, Mister President, how much time do you spend on your screen every day?“ Denn ich wundere mich schon lange, wie er überhaupt konzentriert arbeiten kann, wenn er ständig da auf seinem Handy rumtippt. Und nicht nur das, er verlinkt ja auch andauernd Ausschnitte aus Fernsehsendungen, meist FoxNews, Artikel und Jubelmeldungen über ihn, was bedeutet, er schaut mehr fern, als Dokumente zu lesen. Da ist die Frage schon berechtigt, wie er eigentlich da noch Zeit zum Regieren findet. Nicht überraschend, ich bekam keine Antwort.

Heute ließ sich Donald Trump wieder feiern. Er war der erste Präsident, der als Redner auf der alljährlichen „March for Life“ Kundgebung auftrat. Trump betonte, dass er der Präsident sei, der am meisten für Kinder, Ungeborene und gegen Abtreibung täte. 2017, 2018, 2019 ließ Trump nur aus Ferne grüßen, diesmal, im Wahljahr, kam er selbst. Die Abtreibungsgegner werden es ihm im November danken.

Der Demokrat Adam Schiff erläutert die Beweise gegen Präsident Trump. Foto: AFP.

Unterdessen, nicht weit vom Auftritt des Präsidenten entfernt wurde im US Senat weiter darüber verhandelt, ob Donald Trump des Amtes enthoben werden soll. Die demokratischen Kongressmanager, quasi die Staatsanwälte in diesem Impeachment Verfahren, legten in den letzten Tagen den Fall dar. Überzeugend, wie ich finde, denn die einzelnen Beweise sind wie ein Puzzle, das hier vor der amerikanischen Öffentlichkeit zusammengefügt wird. Das Bild, das sich da zeigt ist erschreckend. Trump hat wohl auf eine Umfrage von FoxNews reagiert, die im Mai feststellte, dass er bei einem Zweikampf mit Joe Biden 12 Prozentpunkte hinter diesem liege. Die Folge war, er wollte das ändern und eben nicht mit fairen, erlaubten Mitteln, sondern mit einer Schmierkampagne gegen Biden und seinen Sohn. Die Ukraine bot sich da geradezu an.

Nicht nur die Nachrichtenkanäle übertragen live, auch etliche der lokalen Fernseh- und Radiosender in meiner Gegend, der San Francisco Bay Area, haben sich zugeschaltet. Ab morgen wollen dann Trumps Anwälte dagegenhalten. Sie sagen schon jetzt, Trump habe nichts falsch gemacht. Und auch die republikanischen Senatoren stimmen in dieses Lied ein. Der Ausgang des Verfahrens im Senat ist schon jetzt klar. Die notwendige Zweidrittelmehrheit von 67 Senatoren für eine Amtsenthebung wird nicht zustande kommen. Die Folgen sind deutlich, die Spaltung Amerikas wird dadurch nur noch weiter voran getrieben.

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Was ist los mit Hillary Clinton?

Die Demokraten wurde lange Zeit als die Clinton-Partei bezeichnet. Mit Bill Clinton als Präsident, mit Hillary Clinton als Senatorin, Außenministerin und dann Präsidentschaftskandidatin bestimmten die Clintons über Jahrzehnte das Bild und die Politik der Partei. Doch dann kam der Wahlkampf 2016, die Niederlage von Hillary in einer Wahl, die sie eigentlich hätte gewinnen müssen.

Die Clintons waren schon seit dem Wahlkampf 2008 umstritten. Die Tiefschläge von Bill und Hillary Clinton gegen den Kandidaten Barack Obama gingen vielen in den Reihen der Demokraten zu weit. Und doch, die Parteielite unterstützte und manipulierte den innerparteilichen Wahlkampf 2016 zu ihren Gunsten. Bernie Sanders wurde einfach übergangen, hinter den Kulissen demontiert. Das führte dazu, dass unzählige von Sanders Unterstützern nicht auf den Hillary Wagen aufspringen wollten und lieber nicht wählen gingen, als für Clinton zu stimmen.

Nach der Niederlage wurde es still um Hillary und Bill. Die Partei, so schien es, wollte sich neu und ohne die Clintons auf- und ausrichten. Doch die Rechnung wurde ohne Hillary gemacht. Die hat nun in einem Interview erneut kräftig gegen Bernie Sanders ausgeteilt, der in einigen Umfragen führt (Nobody likes him, nobody wants to work with him, he got nothing done. He was a career politician. It’s all just baloney and I feel so bad that people got sucked into it.“). Hillary Clinton erklärte, niemand mag Sanders, niemand will mit ihm zusammenarbeiten, er sei ein Karrierepolitiker und alles von ihm sei nur eine große Show. Das erinnert schon sehr an die Worte von Bill Clinton, der einst über den Wahlkampf von Barack Obama schimpfte, es sei die „größte Märchenerzählung“, die er je erlebt habe.

Hillary Clinton geht da noch einen Schritt weiter und greift in den eh schon desaströsen Wahlkampf der Demokraten von außen ein und versucht Unruhe zu stiften. Doch Sanders ist nicht der einzige, der von ihr was abgekommt. Auch die Abgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii, die ebenfalls Präsidentschaftskandidatin der Demokraten werden will, wurde von Hillary als „russische Agentin“ bezeichnet. Die läßt sich das nicht gefallen und hat Clinton nun wegen Verleumdung auf 50 Millionen Dollar verklagt. Clinton hat sich mit diesen sinnlosen Angriffen zur falschen Zeit selbst ins Aus katapultiert. In der Partei fragen sich viele, was diese Tiefschläge sollen. Gedient ist damit niemanden, außer dem Ego von Hillary Clinton, die es scheinbar noch immer nicht verkraftet hat, den Zweikampf mit Donald Trump verloren zu haben.

Eine unlösbare Aufgabe

Foto: AFP.

Als Korrespondent in den USA dreht sich in diesen Tagen, Wochen, Monaten eigentlich alles um Donald Trump. Irgendwie passt er in alle Geschichten, die man aufgreift. Amerikanische Innenpolitik sowieso, klar Außenpolitik, doch auch wenn ich in Afrika unterwegs bin oder hier über Ausstellungen mexikanischer Kulturgüter berichte, alles wird unter der Trumpschen Lampe betrachtet. Und das liegt nicht nur an einem selber, dass man nicht mehr fähig ist über den Tellerrand zu blicken. Auch die Redaktionen für die ich arbeite erklären entweder, man soll das in Verbindung mit Trump sehen oder sie sagen ein vorgeschlagenes Thema mit der Begründung gleich ab, es würde schon zu viel über die USA berichtet werden, da sei kein Platz mehr für andere (Trump freie) Themen.

Und da ist auch noch ein dritter Aspekt zu erwähnen. Leser und Hörer meiner Berichte reagieren auf Artikel und Features zu und über Trump ganz anders, sprich viel zahlreicher. Themen, die mir am Herzen liegen, die ich aufgreife, weil ich sie für wichtig halte, die jedoch nur wenig oder gar nichts mit dem amerikanischen Präsidenten zu tun haben, fallen hinter runter, werden kaum beachtet oder registriert. Nein, ich weine nicht darüber, beschwere mich auch nicht, es sollte nur mal ganz klar angesprochen werden, dass die übermäßige Berichterstattung über Donald Trump nicht nur ein Problem der Medien ist, sondern auch eines der Leser, Hörer und Zuschauer.

Der richtige Umgang mit diesem populistischen Präsidenten ist noch nicht gefunden worden. Das eigentliche Problem ist, dass man als Journalist auch Teil der Trumpschen „Fake News“ wird, in dem man das teilt, was er sagt. Das teilt, was zweifellos falsch ist oder von ihm faktisch verdreht wurde. Es langt ja schon, wenn man einfach das wiederholt, was er sagt. Alleine das führt dazu, dass Donald Trumps Falschaussagen in den Medien weit verbreitet werden.

Aber was kann man da tun? Soll und kann man den amerikanischen Präsidenten einfach ignorieren, nicht über ihn berichten oder zumindest weniger? Ich schaue mir die Klickzahlen dieses Blogs an, die Kommentare auf facebook, Twitter, die Rückmeldungen per Email auf Beiträge, die ich veröffentliche. Wenn ich über den amerikanischen Präsidenten, seine Politik, seine Machenschaften, seine teils primitiven Äußerungen, Angriffe, Verunglimpfungen schreibe, gehen die Zahlen nach oben. Wenn es um ganz andere Themen geht, Themen, die mir als Journalist wichtig sind, ist das Interesse deutlich geringer. Trump ist ein Phänomen, dem man sich stellen muss. Doch eine Antwort darauf, wie man am besten mit diesem Populisten umgeht, gerade in einem so wichtigen Wahljahr, habe ich bislang auch noch nicht finden können. Es liegt wohl an uns allen… und das ist leichter gesagt als getan.

“Don’t worry, be happy”

Das Ojai Valley.

Wenn man auf dem 101 von Los Angeles nach San Francisco fährt, kommt gleich hinter Ventura die Abfahrt nach Ojai. Unbedarfte Kalifornienreisende lassen meist das Hinweisschild rechts liegen. Doch den Abzweig sollte man durchaus einmal nehmen. Auf dem Highway 33 geht es an Casitas Springs vorbei, hier lebte einmal Johnny Cash und dann, nach weiteren 15 Meilen, ist man da. An einem Ort, der von vielen als spirituelles Zentrum mit einer besonderen Energie, einem Vortex, geschätzt wird. So ähnlich wird auch über Sedona in Arizona gesprochen.

Ojai kommt aus der Sprache der Chumash und bedeutet “Nest”. Die Kleinstadt liegt in einem Tal am Fuße des “Los Padres National Forest”, einem riesigen, fast 8000 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet, das von Ventura bis nach Monterey County reicht. Ojai ist so eine Stadt, die kaum einer kennt, doch wer schon mal dort war, der verliebt sich in diesen Ort. Hier leben Schauspieler und Filmschaffende, es ist ein Ort der von Citrusplantagen geprägt ist, doch vor allem ist Ojai ein besonderer, ja spiritueller Ort. Man muss nur durch den kleinen Ort fahren, so viele religiöse Gruppen und Organisationen, Kirchen verschiedenster Richtungen, eine Synagoge und Glaubensgemeinschaften aller Art findet man in dieser Dichte wohl selten. Und alle koexistieren mit- und nebeneinander.

Also, irgendwas muss wohl dran sein an dieser Geschichte vom besonderen Energiezentrum in diesem Ost-West Tal. “Ich weiss auch nicht genau, was es ist”, meint Johnny Johnston der Bürgermeister der Kleinstadt. “Ich sage den Leuten immer, wenn sie über Ojai reden, das wirkliche Ojai ist das, in das man sich beim ersten Mal verliebt hat. Und das ist nicht das Ojai, vom dem die sprechen, die seit 50 Jahren hier leben. Wir haben also alle ein unterschiedliche Version davon. Für alle Neuankömmlinge ist es toll, die, die schon länger hier sind sehen die Veränderungen. Und es verändert sich, wie überall auf der Welt.”

Und die Spiritualität ist keine neumodische Geschäftsmacherei, denn Ojai hat seit fast 100 Jahren religiöse Gruppen angezogen. Schon 1926 zog das theosophische Krotona Institut aus dem hektischen Hollywood nach Ojai, um hier Ruhe zu finden. Das Anwesen dieser theosophischen Gemeinde findet man kurz vor dem Ortseingang. Das Gelände wirkt wie ein Park, offen gehalten, Nachbarn gehen hier viel spazieren. Eine erfüllende Ruhe umgibt den Besucher. Maria Parison ist die Leiterin der Krotona Schule, einer Fortbildungseinrichtung für Erwachsene. Sie verweist auf Annie Besant, eine der Gründerinnen des Krotona Instituts. Hier in Ojai, so Parison, hätten sie und ihre Mistreiter vor fast 100 Jahren genau das gefunden, was ihre Gemeinde suchte: “Es hatte eine besondere Energie und sie fühlte, dass dieser Ort für die zukünftigen Generationen eine besondere Rolle spielen wird. Das, was hier passiert, würde zu mehr Menschlichkeit im ganzen führen. Zumindest würden wir hier unseren kleinen Teil dazu beisteuern.” Maria Parison ist eine ältere Dame, die vor 15 Jahren mit ihrem Mann, einem Manager in der Autoindustrie aus dem Mittleren Westen hierher zog. Ihr Mann verstarb vor drei Jahren, doch Maria blieb. Sie führt mich über das Gelände, durch einen theosophischen Park, in dem die Zeichen vieler Religionen zu finden sind und hier bildlich friedlich nebeneinander existieren.

Guru Prasad ist für die Anwohner zuständig, er lebt seit fünf Jahren in Ojai, kennt die Kleinstadt jedoch schon lange durch viele Besuche: “Wir glauben, dass wir nicht das absolute Recht auf die Wahrheit haben. Wahrheit ist etwas Individuelles und jede Person muss das für sich finden. Wenn wir das also glauben, dann müssen wir auch annehmen, dass andere Menschen andere Neigungen, Ideen, Philosophien haben. Denn ich habe nicht das Recht, dass das, was ich fühle der einzig wahre Weg in der Welt ist.”

Die Terrasse des Hauses von Krishnamurti.

Schon vier Jahre vor dem Krotona Institut siedelte sich der indische Philosoph und Theosoph Krishnamurti in Ojai an. Das Haus, in dem er lebte gehört heute der Krishnamurti Stiftung in Amerika. Es liegt am Fuße des Topa Topa Berges, am anderen Ende von Ojai. Dort treffe ich Michael Krohnen, einen Deutschen, der in den 70er Jahren den Ruf bekam, als Koch für den indischen Philosophen zu arbeiten, und das, obwohl er gar nicht kochen konnte. Seitdem lebt Krohnen in Ojai. Beim Gespräch sitzen wir auf der Terrasse des kleinen Hauses, in dem Krishnamurti wohnte, wenn er hier war. Michael Krohnen deutet auf einen Baum gleich neben dem einstigen Wohnhaus Krishnamurtis: “Dieser Pfefferbaum spielte eine gewisse Rolle im Leben Krishnamurtis. Eines Nachmittags sass er unter diesem Pfefferbaum und hatte ein sehr starkes Erlebnis….eine Erleuchtung, dass alles Leben eins ist. Ein paar Tage später schrieb er darüber, dass er eins mit der ganzen Welt war, mit dem Gras und der kleinen Ameise und auch dem Auto, das vorbeifuhr. Er war das alles, so empfand er das.”

Zurück in den Ort. In einer Seitenstrasse liegt das Haus von Kristan Altimus. Sie zog vor 18 Jahren hierher, für sie war Ojai schon von Kindheit an ein großes Lebensziel. Im Fernsehen liefen damals die Fernsehserien “Bionic Woman” und “Six Million Dollar man”, die beide in Ojai spielen. “Der Name Ojai (Nest) fühlte sich nach Zuhause an. Es ist nicht nur ein spiritueller Ort, es ist auch ein beseelter Ort. Deshalb liebe ich Ojai. Der Boden hier erdet mich. Ich glaube, wir alle fühlen Spiritualität als ein Weiterkommen. Ojai hilft mir dabei.”

Im Gongbad sich fallen lassen.

Kristan Altimus hat sich in ihrem Garten einen Traum erfüllt. Ein Gong-Studio, ein kleines Häuschen, in dem acht Gongs hängen, der größte mit gut einem Meter Durchmesser. Hier begongt sie andere, eine spirituelle Reinigung, ein Loslassen, eine gedankliche Leere schaffen. Man liegt auf einer dünne Matte auf dem Boden und läßt dieses Klangbad mit seinen Soundwellen über einen hinwegrollen. Für Altimus ist klar, Ojai ist ein Ort, an dem man eine besondere Energie spüren kann: “Vortexes entstehen durch diese Energie Linien um die Welt. Dieses Tal, das “Ojai Valley” ist etwas besonderes in der Welt, zehn Meilen lang und es geht von Ost nach West. Es gibt auch einen Vortex, der die Menschen ausspuckt. Ich meine damit, wenn du nach einem Ort suchst, an dem es Action gibt, an dem man gesehen wird, dann ist das hier nichts für dich. Hier ist es ein ruhiges Leben. Wer hierher kommt, der erfährt, wie entspannt er hier ist.”

Und da ist was dran. Selten kann ich zur Ruhe kommen, Langeweile kenne ich nicht, zu tun, zu sehen, zu lesen gibt es für mich als Journalisten immer etwas, Abschalten ist für mich schwer. Doch in Ojai ist das ganz anders. Ich kenne den Ort seit mehr als 25 Jahren, bin regelmässig dort. Und immer wieder merke ich, dass es für mich zu einem Platz geworden ist, an dem ich durchatme, innerlich zur Ruhe komme und ja, dieses sprichwörtliche Entschleunigen für mich schaffe, einfach ein paar Gänge zurückschalten kann.

Ganz bewusst wurde mir das hoch droben auf dem Berg, in Upper Ojai. Gleich neben dem früheren Haus von Schauspieler Larry Hagman, das nun der abgeschotteten Scientology Church und ihrem umstrittenen Drogenentzugsprogramm Narconon gehört, findet man “Meher Mount”. Es ist ruhig hier oben auf dem Berg, die Aussicht einfach spektakulär. Man sieht vor sich den Pazifik und die Channel Islands in rund 60 Kilometern Entfernung, hinter einem ragt der „Los Padres National Forest“ mit Topa Topa Mountain auf. Am späten Nachmittag kann man den “Pink Moment” erleben, wenn der Berg sich rosa färbt. Eine seltene Ruhe ist hier zu finden, kein Laubbläser, kein Autoverkehr. Nur Stille. Meher Baba sagte von sich, er sei der Avatar auf Erden, die Reinkarnation von Gott, wie vor ihm schon Zarathustra, Rama, Krishna, Buddha, Jesus, und Mohammed.

Die Weitsicht vom Meher Baba Mount.

Ginger Glasky und ihr Mann Buzz Glasky waren die “Caretaker”, die Verwalter und Betreuer dieses riesigen Grundstückes. Im Sommer beendeten die beiden Rentner nach fünf Jahren diese unbezahlte Aufgabe und zogen weiter nach Arizona. “Meher Baba hatte einst seinen Jüngern aufgetragen, einen Ort etwa eineinhalb Stunden außerhalb einer Großstadt zu finden, an dem er ausruhen könne, wenn er in den Westen der USA reise”, erzählt Ginger Glasky. Das sei 1946 gewesen. Zum ersten Mal sei er erst im Jahr 1956 hier gewesen. “Dieses Grundstück ist ihm gewidmet, denn er war hier, als spiritueller Führer und durch seinen Übersetzer erklärte er seinen Jüngern, Gott durch die Natur zu lieben. Und das machen wir.”

Buzz Glasky ergänzt mit einer tiefen, sonoren Stimme: “Als wir zum ersten Mal hier waren, spürten wir gleich diese besondere Schwingung, wenn man es so nennen will. Wenn man hier dann für fünf Jahre lebt, dann wird es normal. Wir spüren es, wenn wir mal runter ins Tal zum Einkaufen fahren. Manchmal haben wir vor, in fünf Läden zu gehen, doch schon nach dem zweiten sagen wir, lass uns wieder rauf auf den Berg fahren. Denn es fühlt sich einfach so gut an, hier zu sein. Und natürlich für uns als Jünger von Meher Baba, ist es wunderbar an einem Ort zu sein, den er besuchte und wo er umherschritt.”

Wir sitzen bei diesem Gespräch auf einer kleinen Bank. Hinter uns der “Baba Tree”, unter dem Meher Baba am 2. August 1956 sass. Nur damals und nur dieses eine Mal. Der Baum brannte beim großen “Thomas Fire” im Dezember 2017 fast vollständig ab und wird nun mit viel Aufwand und Liebe gepflegt. Vor uns ein Ausblick, der einzigartig ist und der allein schon einen lächeln lässt. Kein Wunder also bei dieser Weitsicht, dass der bekannte Spruch “Don’t worry, be happy” auf Meher Baba zurück geht. “Er kam nicht um zu lehren, sondern um zu erwecken”, erklärt Buzz Glasky. “Man kann es auf diesen einen Satz von ihm reduzieren: Liebe Gott. Es ist so einfach und doch auch so schwer. Und er sagte auch, mach dir keine Sorgen, sei zufrieden. Auch das klingt einfach, aber ist ebenfalls so schwer.”

Am Wochenende ist das Gelände für jedermann geöffnet, es kostet keinen Eintritt, es gibt keinen Buchladen, man wird auch nicht missioniert. Man soll einfach diesen einzigartigen, friedvollen Platz geniessen, der für viele selbst in Ojai unbekannt ist. Auch für mich war es das erste Mal in 25 Jahren, dass ich hier oben war. Aber sicherlich nicht das letzte Mal. Ojai liegt etwas ab von den bekannten kalifornischen Touristenzentren, doch der Weg dahin lohnt sich auf alle Fälle. Es ist für mich einer der besonderen Orte in Kalifornien, an dem man, wie auch immer man sich religiös orientiert, innere Einkehr finden kann. Und das ist etwas ganz besonderes in diesen hektischen, seltsamen Zeiten, in denen wir leben..

Einfach nur unglaublich!

Donald Trump lügt und gesteht auch noch ein, dass er es macht und meint dann: „It doesn’t really matter“. Trump hatte die Drohnenangriffe auf den iranischen Kommandeur der Quds-Einheit, Qasem Soleimani, als notwendig und im Rahmen der nationalen Sicherheit der USA verteidigt. Soleimani, so der Präsident, habe Anschläge auf vier Botschaften im Nahen Osten geplant. Deshalb habe man ihn ausschalten müssen.

Doch nach und nach wurde deutlich, dass es keine akute Gefahrenlage gab, keine konkreten Pläne für Angriffe, sogar seine eigenen Kabinettsmitglieder widersprachen ihm. Deshalb auch die lapidare Erklärung von Trump, macht ja nichts, denn Soleimani hatte genug Dreck am Stecken. Von daher konnte man ihn getrost mit ein paar Raketen pulverisieren. Dass damit die USA an den Rand eines Krieges gebracht wurden, dass damit der Abschuss des ukrainischen Flugzeuges zusammenhängt, dass durch den Angriff die Lage in der Region noch weiter eskalieren wird, das scheint dem amerikanischen Präsidenten egal zu sein. Er ließ lieber verkünden, dass Soleimani ein viel größerer Terrorist als Osama bin Laden gewesen sei. Von daher, „take that Obama“, Trump wollte mal wieder wichtiger sein.

Von Donald Trump geteilte Fotomontage, die die Demokraten Chuck Schumer und Nancy Pelosi als Handlanger Irans zeigen sollen.

Doch nicht nur das. Obwohl alle Politiker in Washington, Republikaner und Demokraten, einheitlich erklärten, der Quds-Kommandeur sei ein Schurke und „evil“ gewesen, habe jahrelang terroristische Gruppen im Nahen Osten unterstützt, holte Trump aus und ließ vermelden, die Kritik der Demokraten an seinem Befehl sei wie die Unterstützung der Demokraten für Terroristen. Auf Twitter machte er das nicht nur selbst kund, er teilte auch eindeutige Fotomontagen von Trumpisten. Das ist eine weitere totale Verdrehung der Tatsachen, die seine Basis jedoch jubelnd aufnimmt.

Donald Trump verspielt international immer mehr die amerikanische Glaubwürdigkeit. Wer will noch an der Seite der Amerikaner stehen, wenn diese einfach mit falschen Meldungen hantieren. Als Colin Powell im UN Sicherheitsrat erklärte, Saddam Hussein baue Massenvernichtungswaffen und deshalb müsste man den irakischen Diktator stoppen zweifelte die Welt an diesen „Fakten“. Es stellte sich später heraus, dass die vorgetragenen Informationen und Bilder gefälscht waren, die Amerikaner hatten damit einen Flächenbrand im Nahen Osten entzündet. Daraus hätte man lernen müssen.

Doch dann die Aktion in Bagdad gegen den iranischen Offizier, wieder mit halbseidenen Fakten begründet, die sich später als totale Verdrehung der Tatsachen herausstellten und ein Präsident der grinsend erklärt, alles halb so schlimm, Soleimani sei eh ein übler Typ gewesen. Damit öffnen die Amerikaner Tür und Tor für Anschläge anderer Regierungen. Aber das Verhalten von Trump ist nicht verwunderlich, man denke nur daran, wie er betonte, er glaube dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dass dieser nichts mit der Ermordung und der Leichensägerei von Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul zu tun gehabt habe. Es wird nicht einfacher, die Politik und das Verhalten dieses Mannes zu erklären.

Texas macht dicht

18000 Flüchtlinge dürfen in diesem Jahr nur in die USA kommen. Das hat Donald Trump so festgelegt. Verwunderlich ist das nicht, denn schon im Wahlkampf hat er gegen Flüchtlinge aus Syrien gewettert, ihnen unterstellt, dass sie alle Terroristen seien. Trup warf Angela Merkel und der deutschen Bundesregierung vor, durch die Flüchtlingskrise vom Islamischen Staat unterwandert zu werden. Als er dann im Weißen Haus saß machte Trump dann schnell das, was er angekündigt hatte, die Tore dicht. Die Fackel von Lady Liberty brennt nicht mehr für die geschundenen Massen aus aller Welt.

Zwei, die sich gut verstehen – Donald Trump und Greg Abbott. Foto: AFP.

Doch damit nicht genug. Die Trump Administration hat es Bundesstaaten und Gemeinden selbst überlassen, ob sie überhaupt Flüchtlinge aufnehmen wollen. 42 Bundesstaaten und die meisten Kommunen haben erklärt, dass sie auch weiterhin für „Refugees“ offen seien. Doch Texas geht einen anderen Weg. Obwohl der Bundesstaat 2019 nur 260 (!) Flüchtlinge aufgenommen hat, erklärte der republikanische Gouverneur Greg Abbott, genug sei genug. Texas habe schon viel zu viele Immigranten und Flüchtlinge aufgenommen. Kommunen wie Dallas, El Paso und Houston protestierten, erklärten, dass die Entscheidung des Gouverneurs „beschämend“ sei, doch das scheint Abbott nicht zu kratzen. Er bleibt bei seinem Entschluss, die texanischen Türen bleiben fortan für Flüchtlinge geschlossen.

Abbott kann sich auf die Zustimmung aus dem Weißen Haus verlassen, denn dort sitzt jemand, der keine Flüchtlinge und keine weiteren Immigranten, vor allem aus – Zitat – „Shithole Countries“ haben will. Mit dem Entschluss des texanischen Gouverneurs wird auch deutlich, welche Auswirkungen die Trumpsche Politik auf die USA haben. Gezielt werden Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft und der amerikanischen Demokratie ausgehöhlt und unterminiert. Nach Donald Trump wird nichts mehr so sein in den USA, wie es einmal war. Die Frage ist daher, was werden die Republikaner nach Trump machen? Werden sie zurückkehren zur Partei von Reagan und Bush oder werden sie auf dem Trumpschen Weg der Spaltung, des Beschmipfens, der Verdrehung der Tatsachen bleiben? Amerika ist an einem Wendepunkt angekommen, die Zukunft ist mehr als ungewiss.

„On the air“ in Amerika

Seit über 23 Jahren bin ich nun „on the air“ in den USA. Angefangen hat alles auf KUSF 90.3 fm, dem einstigen College Radio mit UKW Frequenz der University of San Francisco. Doch die Jesuiten Uni-Leitung brauchte Geld und verkaufte 2011 für mehrere Millionen Dollar die 90.3 Frequenz an ein nicht-kommerzielles Klassikradio-Network aus Südkalifornien. Schon damals deutete sich an, dass KUSF nicht der einzige Collegesender in den USA bleiben würde, dessen Frequenz verhökert werden oder der ganz verschwinden würde. Weitere folgten, Collegeradio, einst ein wichtiger Part und Trendsetter in der amerikanischen Rundfunklandschaft, wurde immer mehr beschnitten.

Heute las ich von KMSM, dem Uniradio in Butte, Montana, auf dem auch mehrere Jahre meine Sendung „Radio Goethe“ ausgestrahlt wurde. Nach 45 Jahren „on the air“ wird der Sender abgewickelt. Studierende der Montana Tech Hochschule erklärten in einer Umfrage, dass sie kein großes Interesse an der Station hätten. Die Uni-Leitung nahm das zum Anlass den Stecker zu ziehen. Doch sie hat schlichtweg übersehen, dass dieser Collegesender eine wichtige Community Station ist, dessen Hörerschaft weit über den Campus hinausreicht. So war es auch bei KUSF in San Francisco. Der Sender war über die Jahrzehnte eine gewachsene College Station, die auf der einen Seite Bands wie Metallica, Nirvana, Faust unterstützten und förderten und auf der anderen Seite Stimmen in der San Francisco Bay Ara on air brachte, die woanders nicht zu hören waren. Es gab 16 fremdsprachige Programme, von den Armeniern bis zu den Finnen, dazu Kultursendungen, die einzigartig waren. All das verschwand aus der Medienlandschaft San Franciscos als die Jesuitenführung der USF einen schnellen „Buck“ machen wollte.

Collegeradio ist sicherlich nicht mehr das, was es einmal war. Die Streaming Dienste, das Online Hören, der Zugang zu Musik, ja, die Wertschätzung der Musik, all das hat über die letzten Jahre die Hörgewohnheiten dramatisch verändert. Und dennoch, es gibt sie noch diese Oasen im Hörfunk. Das konnte ich am Mittwochmorgen wieder feststellen, als ich meine erste Nachtsendung auf KKUP in San Jose moderierte. Die Musikwahl war…sagen wir eklektisch. Etliche der Musiker und Bands veröffentlichen nur auf Vinyl und das in einer Auflage von 50+. Doch auch, wenn das keine Massenware, keine hitverdächtigen Charterfolge sind, so gibt es doch unzählige von Hörerinnen und Hörern, die genau diese Art von Musik entdecken wollen. Selbst ein Klaus Schulze, einer der wohl wichtigsten Pioniere der elektronischen Musik, der weltweit seine Fans und Bewunderer hat, ist im „normalen“ Radio kaum zu hören.

In Sendungen, wie dieser, die ich nun monatlich auf KKUP moderieren werde, wird genau für solche Musikerinnen, Musiker und Gruppen Platz zur Verfügung gestellt. Ich weiss, damit erreiche ich nur jene wenigen, die entweder in der Bay Area nachts nicht schlafen können oder die morgens in Deutschland online keinen Dudelfunk mit den ewig gleichen Songs hören wollen. Aber gerade deshalb gibt es Sender wie KKUP, die „non-commercial“ sind, die Musik und Stimmen „on air“ haben, die man woanders nicht hören kann. Musik, die anders ist, den klanglichen Horizont erweitert, die herausfordernd sein kann, die herkömmliche Hörgrenzen versetzt. Das ist für mich eine Bereicherung, zu wissen, dass es da noch immer solche Stationen gibt, die diese Art von Sendungen möglich machen. Ja, die mir ermöglichen Musik zu teilen, die mich bewegt.

Klar, es gibt solche Stationen nicht nur in den USA. Auch in Deutschland sind zahlreiche offene Kanäle, Uniradios und auch Sender, wie max neo oder auch Radio Z in Nürnberg zu finden. Sie bereichern die Radiolandschaft durch eine andere Musikauswahl, durch andere Sichtweisen und Blickwinkel. Auch wenn manche das als Minderheitenradio abfällig abtun, das, was man da hören kann ist dennoch ein Ausdruck der Vielfalt einer Gesellschaft. Von daher gilt es, diese Radiooasen zu schützen und auch zu unterstützen.

Die Aushöhlung des Umweltschutzes

Donald Trump hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er wenig oder gar nichts von Umweltschutzgesetzen hält. Er hatte schon im Wahlkampf betont, dass er die Regularien, die Teile der amerikanischen Wirtschaft „aufgebürdet wurden“ gezielt und massiv abbauen will, falls er gewählt wird. Und Trump ist nun in Amt und Würden und geht daran, den Umweltschutz in den USA außer Kraft zu setzen.

Einfach mal quer durch die Landschaft gebaut. Die Keystone Pipeline von Nord nach Süd. Das soll in Zukunft unter Donald Trump noch weiter erleichtert werden. Foto: AFP.

Die jüngste Ankündigung sollte aufhorchen lassen, gerade vor den dramatischen Bildern, die aus Australien kommen oder den gewaltigen Feuern, die in Kalifornien wüteten. Der Klimawandel  ist im Oval Office noch nicht angekommen. Die Trump-Administration will nun ein 50 Jahre bestehendes Gesetz aushebeln, seinerzeit von Richard Nixon unterschrieben, das besagt, die Umweltverträglichkeit aller baulichen Bundesprojekte müsse vorab geprüft werden. Das soll sich nun gerade im Bergbau, in der Verlegung von Pipelines, in der Öl- und Gasförderung und in vielen anderen Bauvorhaben, die von der Bundesregierung durchgeführt werden, ändern. Und nicht nur das, auch sollen die Einspruchmöglichkeiten von betroffenen Nachbarn und Gemeinden extrem eingeschränkt werden. Die Baumaßnahmen sollen damit beschleunigt werden. Trump will damit Arbeitsplätze schaffen und erklärte bei der Vorstellung am Donnerstag: „Wir werden nicht eher ruhen, bis unsere glänzende neue Infrastruktur in Amerika wieder überall auf der Welt beneidet wird. Wir wurden einst von allen beneidet und heute sind wir wie ein Dritte Welt Land. Das ist sehr traurig“.

Der Zustand der amerikanischen Infrastruktur ist traurig, das stimmt. Doch daran Schuld sind vor allem republikanische Administrationen, die in der Vergangenheit kaum öffentliche Gelder auf bundesstaatlicher und auf Bundesbene zur Verfügung stellten. Ganz gezielt wurden die Haushalte für die öffentliche Infrastruktur gekürzt. Und traurig ist auch, dass Trump einfach die Zeichen der Zeit nicht erkennen will. Die USA unter diesem Präsidenten verschlafen wahrlich die letzten Minuten die bleiben, um den Klimawandel zu bekämpfen. Donald Trump setzt lieber auf ein „Weiter so“, auf eine Energieunabhängigkeit, auf freie Fahrt für freie Bürger, auf die Verlockung eines „American Dreams“, der dem Einzelnen alle Rechte zuspricht, doch kaum soziale Verantwortung und umweltverträgliche Pflichten vorgibt. Trump dreht die Uhren mit seiner Entscheidung zurück, den nun seit 50 Jahren bestehenden „National Environmental Policy Act“ auszuhöhlen. Man kann sich nur noch fragen, was passieren muss, damit er und seine Republikaner endlich aufwachen und merken, die Zeit läuft ab.