Covid-19 hinter den dicken Mauern

Auf Deutschlandfunk Kultur lief in der vergangenen Woche meine Serie über meine Freundschaft mit Reno, der seit 40 Jahren im Todestrakt von San Quentin ist. Hier kann diese fünfteile Reihe nachgehört werden.

Und dann kam da vor ein paar Tagen ein Brief aus San Quentin, in dem Reno schreibt, Covid-19 sei bei einem „Correctional Officer“ bestätigt worden. Gefangene hätten sich infiziert und auch im „East Block“, wo die „Death Row“ untergebracht ist, sei Corona entdeckt worden. Keine guten Aussichten für die Inhaftierten, ein „Lock Down“ sei angeordnet worden, das heißt, die Gefangenen kommen ersteinmal nicht mehr aus ihren Zellen raus. Kein Hofgang, kein Gottesdienst, keine Programme. Im Normalvollzug sind sie zu zweit auf vier Quadratmetern untergebracht, im Todestrakt sind sie alleine. Essen, schlafen, nicht durchdrehen auf unbestimmte Zeit und auf engstem Raum. Und die Anweisungen der Gefängnisleitung befolgen, wie „six feet“ Distanz halten, was nicht so einfach ist in einer Zelle, die gerade mal „eight feet“ lang ist.

In der Enge Distanz halten, die Anordnungen der Gefängnisleitung von San Quentin in der Corona-Krise.

„Mit all meinen Gesundheitsproblemen, bin ich besonders vorsichtig, um das Covid-19 Virus nicht zu bekommen, denn ich vermute, ich würde das nicht überleben. Und falls es doch passiert, dann lass mich an dieser Stelle Danke sagen für all die Jahre als mein Freund…Wenn ich mich infiziere, werde ich in eine Isolationszelle im „Adjustment Center“ (dem Knast im Knast, AP) verlegt, wo ich kein Telefon und keine Schreibmaschine haben werde, ich kann Dich dann also nicht kontaktieren. Wenn die Dinge also wirklich ganz schlecht werden, dann könnte dieser Brief der letzte direkte Kontakt mit Dir sein….“

Der Tod im Todestrakt, er schleicht da immer herum. Obwohl ich San Quentin seit über 25 Jahren kenne, über mehrere Hinrichtungen berichtet habe, drei Männer kennenlernte, die am Ende exekutiert wurden, ich zu einer Hinrichtung als Medienzeuge geladen war, noch immer treffen mich solche direkten Zeilen. Ich glaube, man härtet da nicht ab. Man sollte das wohl auch nicht. Eine verrückte Welt hier draußen, eine ganz surreale hinter den dicken Mauern von San Quentin.

Corona als Wahlkampfhilfe

Gavin Newsom, der Gouverneur von Kalifornien, hält täglich um 12 Uhr mittags eine Pressekonferenz, um über die aktuelle Lage in der Corona Krise zu berichten und Fragen zu beantworten. Auch in anderen Bundesstaaten, vor allem in den stark betroffenen, finden solche täglichen Auftritte der Gouverneure und Regierungsvertreter statt. Auf lokaler Ebene melden sich regelmäßig Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zu Wort, hier in Oakland ist Mayor Libby Schaaf sehr aktiv, um die Oakländer zu erreichen.

Donald Trump ist mit sich sehr zufrieden. Foto: AFP.

Und ja, auch das Weiße Haus, lädt Tag für Tag um 17 Uhr Ortszeit Medienvertreter in den „Rose Garden“. Die Trump-Show kann beginnen. Der Präsident nutzt diese live übertragene Pressekonferenz aber nicht nur dafür, um über die aktuelle Lage zu berichten, Trump führt vielmehr Wahlkampf in einem stillstehenden Land. Er greift die Presse an, wie eh und je, dass die falsch berichtete oder Journalisten zu kritische Fragen stellten. Er läßt sich applaudieren von seiner Gefolgschaft, sprich Ministern. Trump verdreht die Tatsachen, lügt ganz offen und vor allem übertreibt er. Nun ist die Rede von 200.000 bis 250.000 Toten in den USA durch die Corona-Krise. Experten weisen diese Modelle weit von sich, da würden Zahlen ganz falsch ausgelegt, heißt es.

Am Anfang sprach Trump noch davon, ein paar Tote und dann ist das überwunden. Er spielte alles herunter, alles kein Problem. Doch dann erkannte er in der Krise die Chance. Nun holt er den Vorschlaghammer raus und hämmert auf die Amerikaner ein. Trump selbst zeichnet ganz bewußt ein Horrorszenario, denn klar ist, zumindest für seine Anhänger, wenn es dann doch nicht so schlimm wird, hat er, der selbsternannte „Kriegspräsident“, alles richtig gemacht. Das ist sowieso der Unterton bei allem, was Trump sagt. Er machte und macht keine Fehler. Die Verantwortung liege bei den Bundesstaaten und den Kommunen, seine Adminstration sei vielmehr nur ein „Back up“ zur Unterstützung und sowieso sei der vorherige Regierung für die dramatische Lage verantwortlich zu machen.

Trumps Wahlkampfteam greift das nur zu gerne auf. Hinzu kommen die FoxNews Köpfe, wie Sean Hannity und Laura Ingraham, die sich täglich mit ihm kurzschalten, so, als ob direkt abgesprochen wird, was und wie für die „Trump Nation“ berichtet werden soll. In den sozialen Medien greifen seine Wahlkampfhelfer begeistert diese Nachrichten aus dem Weißen Haus auf. Trump wird als „großartig“, „weitsichtig“, die „Nation vereinend“ dargestellt. Er und nur er sei in dieser historischen und einzigartigen Situation der wahre und richtige Präsident, der Amerika durch diese größte Krise aller Zeiten führen werde.

„War time president“ Donald Trump nutzt die Lage aus. Der politische Gegner kann keinen Wahlkampf führen, aber er hat den Zugang zu den Medien. Tag für Tag im Rosengarten des Weißen Hauses. Und was er da sagt hat Gewicht, zumindest für seine Anhänger, die er seit Jahren darauf eingestimmt hat, dass nur sein Wort zählt, alles andere, vor allem das, was die „Fake News“, die Lügenpresse berichte, sei falsch. Es ist die ultimative Trump-Show, die hier zur Hochform aufläuft. Was gut ist, dafür ist er verantwortlich, was schlecht läuft, dafür sind die anderen zuständig. Es ist ein gefährliches schwarz-weiß Spiel in der Krise, doch Trump geht es nur um seine Wiederwahl. Um das zu erreichen, läßt er sich auch nicht von einem Virus aufhalten. Die Realität kann man durch eine „Alternative Realität“ ersetzen, das ist unter Trump nicht das erste Mal.

Wie sieht die Situation bei Dir aus?

Von einer ehemaligen Kollegin, die für einen fränkischen Privatsender arbeitet, wurde ich gebeten ein paar Fragen zur aktuellen Lage in den USA zu beantworten. Es war für mich mal wieder was anderes, mich kurz und knapp zu halten.

Wie ist die aktuelle Situation bei Dir vor Ort?
Hier in Oakland und der gesamten San Francisco Bay Area wurden die Ausgangsbestimmungen bis zum 3. Mai verlängert und auch verschärft. Das öffentliche Leben soll weitgehend herunter gefahren werden. Ein Mundschutz soll ab morgen getragen werden, aber eben keiner, der von Pflegekräften benötigt wird. Da kann man also Kreativität zeigen. Die Supermärkte kontrollieren, wie viele Leute in den Laden dürfen, in den noch offenen Geschäften ist ganz klar der Abstand zum Vordermann vorgeschrieben. Dazu wurden nun noch mehr Parks geschlossen. Die Leute werden wirklich dazu angehalten daheim zu bleiben. Ein allgemeines Ausgangsverbot gibt es aber noch nicht.

Wie sieht es in den Krankenhäusern aus?
Da sieht es nicht viel anders als in Deutschland aus, wobei hier eine einheitliche Linie fehlt und wohl auch die Schutzmassnahmen, wie Masken und Schutzkleidung langsam aber sicher ausgehen. Das hört man aus den verschiedenen Regionen und Einrichtungen. Dazu kommt, dass die Beatmungsgeräte Mangelware sind. Da kann der Präsident noch so viel beschönigen, wie er will, Tatsache ist, es gibt massive Versorgungsprobleme. Die Bundesstaaten werden hier von der Bundesregierung quasi allein gelassen, sie sollen sich selbst welche besorgen. Das ist natürlich keine Lösung und führt auch nicht gerade zu einer Einheit in dieser Krise im ganzen Land.

Was ist mit den Obdachlosen?
Na, die Hotels sind derzeit leer, da hat nun der Staat eine Möglichkeit gefunden, Obdachlose unterzubringen und sie und auch die Allgemeinheit zu schützen. Die Frage ist, wie dieses gewaltige Problem der Obdachlosigkeit in Kalifornien nach der Krise gelöst werden soll. Aber derzeit versucht man alles, um die Leute von der Straße zu bekommen.

Weißt Du, wie es neben New York und New Orleans in den anderen Bundesstaaten aussieht?
Du hast schon New Orleans erwähnt, Louisiana entwickelt sich zu einem Problemstaat. Und das hat Auswirkungen auch auf die umliegenden Bundesstaaten, die alle eine ziemlich schlechte Gesundheitsversorgung und Infrastruktur in diesem Bereich haben, also ich rede von Mississippi, Tennessee, Alabama. Das wird Probleme geben, denn klar ist, nach den Städten und Ballungsräumen in den USA werden auch die ländlichen Gegenden im Mittleren Westen und den Südstaaten davon betroffen sein. Große Probleme gibt es nach wie vor in Washinton State, aber auch Illinois…und auch Florida mit seinen vielen Rentnern, die dort leben, entwickelt sich zu einem deutlichen Krisengebiet.

Wie reagieren die Einheimischen?
Das ist vergleichbar mit der Situation bei Euch. Die einen reagieren, wie sie reagieren sollten. Ziehen sich zurück, befolgen die Anweisungen. Andere wieder machen genau das Gegenteil, meinen sie sind davon nicht betroffen…also da unterscheiden sich die Deutschen kaum von den Amerikanern. Aber ja, der Großteil hält sich schon daran….sagen wir es so, normalerweise bräuchte ich im Berufsverkehr von meinem Haus bis nach San Francisco etwa eineinhalb Stunden…derzeit kann ich zur gleichen Zeit die Strecke in 20 Minuten schaffen. Das zeigt schon, dass hier das öffentliche Leben deutlich und erfolgreich runtergefahren wurde.

Welche Prognosen haben die Fachleute bisher veröffentlicht und inwieweit deckt sich das mit den Prognosen des Weißen Hauses?
Na ja, es wird von Tag zu Tag schlimmer. Anfangs meinte ja Präsident Trump, das sei alles kein Ding, 15 Tote und dann sei die Sache vorbei….Nur wenige Tage später sind wir soweit, dass hier von vielleicht 200.000 Toten in den USA gesprochen wird….Die Prognosen sind derzeit alles andere als gut….für die Amerikaner genauso wie für die amerikanische Wirtschaft.

Was schätzt Du, wie es in den nächsten Wochen weiter gehen wird und wie die Aussichten sind?
Wenn ich das wüßte?….man muss nur zwei, drei, vier Wochen zurückblicken, dann weiss man, wie falsch alle mit ihren Prognosen gelegen haben, vor allem an ganz obiger Stelle…man kann nur hoffen, dass sich die Menschen an diese Ausgangsbeschränkungen halten und dann sehen, ob es hilft….was ich sehe ist auch, dass derzeit in den USA eine einheitliche Linie fehlt, weil Donald Trump das alles als Wahlkampfspektakel nutzt, man muß nur seine täglichen sogenannten „Pressekonferenzen“ ansehen, die zu einer Trump-Show verkommen sind. Das macht es nicht leicht, wenn man den Verdacht hat, dass er den Staaten mehr hilft, die für ihn bei der Wahl im November mehr Bedeutung haben.

In der Krise kreativ sein

Ich lebe in Oakland Montclair, einem Stadtteil am Rande der Stadt. Alles wirkt etwas dörflich, man kennt sich nach einiger Zeit. Ich wohne hier seit fast 21 Jahren, da habe ich so einige Veränderungen miterlebt. Anfangs gab es noch zwei „Hardware Stores“, also Läden, die vom Nagel bis zum Wasserrohr alles hatten. Die gibt es nicht mehr, dafür nun ein gutes Dutzend „Nail Studios“ und drei Sushi Restaurants. Montclair hat sich zweifellos verändert und das nicht gerade zum Besseren.

Was mir zur Zeit aber auffällt ist, wie die einzelnen Ladeninhaber mit der Krise, die uns alle betrifft, umgehen. Da gibt es Cafés, wie Peet’s, die lassen niemanden mehr in ihre Räume. Dennoch verkaufen sie Kaffee, direkt von der Tür. Ein Tisch blockiert den Eingang, darauf ein Kreditkarten und Smartphone Lesegerät. Mit Abstand kann man seine Tasse „Joe“ bestellen, selbst „Low Fat Soy Organic Fair Trade De-Caf“, dreimal umgerührt und mit dem Verweis darauf, dass der Kaffee auch wirklich bei Vollmond geerntet wurde. Aber eben alles von der Tür aus. Das geht.

Auch der Käseladen um die Ecke hat auf, er zählt zu den wichtigen Läden in der Krise, die geöffnet haben dürfen. Man darf einzeln eintreten, seinen Käse bestellen und der Shop hat auch eine Riesenauswahl an Wein. Verdursten muß also niemand während einer Epidemie, die nach einem Plörrebier benannt wurde (oder auch nicht).

Da viele derzeit in ihrem „home office“ arbeiten, aber dennoch Dokumente und auch anderes durch die Gegend schicken müssen, haben sowohl die Post, wie auch der UPS Store geöffnet. Auch hier muß man einzeln in den Laden eintreten, sein Paket auf die Theke legen und dann „six feet“ Abstand nehmen. Wirkt etwas seltsam, aber es geht.

Auch in Oakland wird in diesen Tagen viel aufs Klo gegangen.

Im Supermarkt läuft alles ganz normal. Das Angebot ist noch immer reichhaltig, bis auf die „Essentials“ in dieser Krise, wie Toilettenpapier, Mehl, Nudeln, Tomatensoße. Wie das zusammengeht, weiß ich auch nicht, aber da gibt es wohl einen Schnittpunkt, der noch zu erkennen ist.

Montclair ist in diesen Tagen ruhig. Der Spritpreis an der Tankstelle sinkt und sinkt für eine Gallone fast über Nacht. Vor vier Wochen lag er noch bei 3 Dollar 29, nun sind es nur noch 2 Dollar 73. Auf den Bänken entlang der Einkaufsstraße darf man nicht mehr sitzen, das hat das Gesundheitsamt verboten, viele Ladenfronten sind verwaist. Auch der lokale Buchladen, ein überfüllter Verkaufsraum ist geschlossen. Am Fenster hängt ein Blatt Papier, man habe geschlossen, könne keine Aufträge entgegen nehmen, man solle also bitte auch nicht anrufen und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, denn der sei schnell voll. Ich lese das und denke an den Artikel in der NZ, in dem beschrieben wird, wie ein Buchhändler in Nürnberg die bestellten Bücher per Fahrrad ausliefert. Mir fällt das Gespräch im Deutschlandfunk Podcast „Der Tag“ ein, in dem eine Buchhändlerin aus Köln erzählt, wie sie nach wie vor Bücher in ihrem Kiez ausliefert. Ein Mann, so die Buchhändlerin, sei sogar zu ihr gekommen und habe gesagt, er brauche derzeit kein Buch, aber hier sei ein Scheck, sie solle davon zehn Kinderbücher kaufen und diese an Familien verteilen, die derzeit zu Hause sein müssten. Das nenne ich Kreativität in der Krise, anders als mein Buchhändler hier, der die Schotten dicht macht, dennoch in seinem Laden am Computer sitzt und die Welt draußen vorbei ziehen läßt.

Nicht jeder kann in diesen Zeiten kreativ sein, das ist mir klar. Doch vielleicht kann man es zumindest versuchen, und seinen Tag nicht nur damit verbringen, vor dem Fernseher oder dem Computer zu sitzen, ein schlechtes Tagesprogramm oder die verstörenden Nachrichten zu konsumieren, um schließlich nervige und dämliche Verschwörungstheorien über die sozialen Medien in alle Welt zu verbreiten. Ich sag ja nur, es gibt Möglichkeiten…

Coronaamerika

Ich mußte heute mal raus. Zuerst in die Bank, parkte mein Auto am Rande der Geschäftsstraße in Oakland-Montclair, um einfach mal in aller Ruhe zu sehen, was da gerade passiert oder eben auch nicht. Die meisten Läden sind geschlossen. Pete’s Coffee Store hat zwar offen, aber niemand darf in den Verkaufsraum. Ein Tisch an der Tür, dort kann man seine Bestellung aufgeben und nur mit Kreditkarte bezahlen. Die Bänke vor den Läden und Cafés sind verwaist, Schilder weisen darauf hin, dass niemand hier sitzen darf.

Nur wenige Restaurants sind geöffnet, und auch nur dann, wenn sie „Take out“ anbieten. Drogerien und Supermärkte haben auf. Und in der Bank, die ich besuchen mußte, wurde das Thermometer hochgefahren, wohl in der Absicht jegliche Viren zu bekämpfen. Auf dem Boden Abstandshalter, um dem Vordermann nicht zu nahe zu kommen, doch es sind kaum Leute in der Bank. Ich sitze schließlich der Managerin in ihrem Büro gegenüber, die im Vergleich zu ihren Mitarbeitern am Schalter hinter dickem Panzerglas weder Mundschutz noch Latexhandschuhe trägt und auch sonst keinerlei Distanzprobleme hat.

Nach gefühlt-geschwitzten 50 Minuten in der überheizten Bank fahre ich zu Trader Joe’s, der Aldi Tochter, eigentlich der Supermarkt meiner Wahl. Doch seit hier die Krisenzeiten ausgebrochen sind, vermeide ich ihn, denn vor dem Laden bildet sich jedesmal eine lange Schlange, sie lassen nur eine bestimmte Anzahl von Leuten hinein. Doch heute bin ich da, um für eine ältere Nachbarin einzukaufen, ich hatte ihr das schon vor einer Woche anbeboten, heute morgen hat sie mich beim Rundgang mit Käthe darauf angesprochen. Also Trader Joe’s…. Die Warteschlange zieht sich um den Laden herum, jeder hält fast zwei Meter Abstand zum Vordermann/frau. Die Frau vor mir blickt sich ständig mit panischem Gesichtsausdruck nach mir um, ob ich ihr auch ja nicht zu nahe komme. Am Eingang sprüht sie sich gleich mehrmals Desinfektionsmittel auf die Hand. Nach zehn Minuten bin ich schließlich drinnen. Die Regale sind voll, bis auf Toilettenpapier, Nudeln, Reis und Bohnen in Dosen. Anscheinend ist das nicht nur ein deutsches Problem.

Einige im Laden sind freundlich, lächeln, andere schauen einen grimmig an, als ob man ein wandelnder Virus sei. Die Mitarbeiter sind mehr als hilfreich, fragen nach, wenn man suchend umherblickt. Sie versuchen wohl die Kunden so schnell wie möglich wieder nach draußen zu bekommen, denn die Schlange vor der Tür wird nicht kürzer. Der Supermarkt liegt gleich neben der Bart Station „Rockridge“, die erhöht zwischen den Autobahnspuren des 24er liegt. Darunter der Parkplatz, der eigentlich immer überfüllt ist. Ich schätze, zwischen 600 und 800 Autos haben dort Platz, heute parkten gerade mal sieben Wagen dort. Skateboarder nutzen die Chance, um sich etwas auf der Freifläche auszutoben.

Das öffentliche Leben wird immer weiter eingeschränkt, Teile der Parks und Parkplätze werden geschlossen, um alles zu entzerren, noch offene Läden und Restaurants müssen schließen. Fast täglich erhalte ich Mails und Anrufe mit der Aufforderung daheim zu bleiben. Unterdessen fabuliert der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von vollen Kirchen am Ostersonntag. Wissenschaftler, bekannterweise nicht gerade die Freunde von Donald Trump, schlagen darüber nur die Hände über den Kopf. Das ist der Alltag im heutigen Amerika.

Krautrock neu erzählt

Als ich 1996 mit meiner Sendung Radio Goethe auf KUSF anfing, hatte ich nur ein paar CDs aus Deutschland mit nach San Francisco gebracht. Also fing ich an im umfangreichen CD und Vinyl Archiv des Senders zu suchen und fand so einige deutsche Bands, die mir vom Namen her bekannt waren, aber die ich in daheim in Nürnberg kaum oder gar nicht gehört hatte. Es waren vor allem experimentelle Bands, wie die Einstürzenden Neubauten oder Gruppen aus dem sogenannten „Krautrock“ Bereich.

Aus einer Not wurde eine große Liebe für diese Bands und diese Epoche. Faust und Amon Düül II, Can und Kraftwerk und viele andere, die ich da in den Plattenregalen von KUSF finden konnte. Und ich war begeistert, diese Gruppen öffneten mir einen ganz neuen Klangraum. Krautrock wurde immer interessanter für mich, schließlich produzierte ich sogar ein zwei Stunden langes „Spotlight“, eine wöchentliche Spezialsendung am Sonntagnachmittag auf KUSF, in der man ein Thema vertiefen konnte. Und als ich diese Sendung ankündigte, bekam ich viele Tipps, Hinweise und Wünsche von anderen KUSF DJs, sie alle kannten die Krautrock Bands, die da gespielt werden sollten. Überhaupt ist Krautrock Kult auf den amerikanischen College- und Communitysendern.

Durch meine Arbeit mit Radio Goethe lernte ich auch Hans Joachim Irmler, Gründungsmitglied von Faust kennen, über die ich sogar irgendwann auf Bayern 2 ein Stundenfeature produzieren durfte. Damals fuhr ich zu Jochen in die schwäbische Provinz, hörte mit ihm so einige alte Aufnahmen und wir führten lange Gespräche, bis wir schließlich nachts um zwei Uhr nach ein paar Flaschen Wein das Aufnahmegerät anstellten. Faust wurden 1972 in Hamburg gegründet und waren für mich die wohl interessanteste Krautrock Band, denn sie verbanden die vielen musikalischen Einflüsse und experimentierten mit Sounds, Klangideen und ihren eigenen technischen Möglichkeiten. Jochen erzählte Geschichten von damals und ich hörte staunend und interessiert zu, manchmal mußte ich mich wegdrehen, weil ich nur so mein Lachen zurückhalten konnte. Es war nicht nur ein Interview, Hans Joachim Irmler hat mir auch eine ganz neue Klangwelt näher gebracht und sie vor allem für mich verständlich gemacht. Ich hörte zwar schon viel Krautrock, aber hatte nie die Bedeutung erkannt. Das änderte sich komplett.

Und nun sitze ich hier in meinem „home office“, wie man in diesen Coronazeiten den heimischen Schreibtisch nennt, und höre Teil 1 der neuen Bear Family Records Reihe „Kraut!“. Insgesamt werden vier Teile veröffentlicht, aufgeteilt nach Nord-, West-, Süddeutschland und Berlin. Musik aus deutschen Landen zwischen 1968 – 1979. Es sind jeweils zwei CDs, die ein lange Zeit übersehenes, doch mehr als bedeutendes Kapitel in der deutschen Musikgeschichte zum Tönen bringen. Nach dem Durchhören habe ich mir gleich Alben von zwei der Bands bestellt, die ich bislang so noch nicht kannte.

Begleitet wird diese umfassende Serie von einem ausführlichen Booklet, mit vielen Informationen, Geschichten, Anekdoten, zusammengetragen von Burghard Rausch, der auch schon die hervorragende NDW-Reihe für Bear Family zusammengestellt hat. Ein wahrer Kenner der Szene. Zu hören sind unter anderem auch die früheren Bands von Kralle Krawinkel und Peter Behrens, die sich beide später bei Trio wiederfanden. Was diese Klangserie zeigt ist, dass Deutschland in den späten 60ern und in den 70er Jahren alles andere als ein Entwicklungsland in Sachen Musik war. Die Bands nahmen das auf, was sie aus England und den USA vorgelegt bekamen, oftmals über die Soldatensender BFBS oder AFN, und nutzten diese Einflüsse um etwas eigenes entstehen zu lassen.

Und das fiel durchaus auch in England und den USA auf, wo viele der Krautrock Bands tourten und Musiker wie David Bowie oder Brian Eno auf einmal aufhorchten, was da in „Krautland“ passierte. Lange Jahre wurde diese wichtige Zeit im deutschen Musikzirkus abgetan oder übersehen. Gerade deshalb ist so eine Serie, wie diese hier von Bear Family Records, mehr als notwendig, denn sie zeigt wie spannend, originell, mitreißend und tief diese Soundvisionen von damals durchaus waren. Diese Gruppen brauchten sich nicht hinter denen aus Großbritannien oder den Vereinigten Staaten zu verstecken. Es geht nicht darum, Geschichte neu zu schreiben, vielmehr darum, das richtig zu bewerten, was diese Bands in dieser Zeit geleistet haben. Krautrock anfangs als minderwertig abgetan ist zu einem anspruchsvollen Gütesiegel geworden. Einziger Wermutstropfen für mich, Faust hat es nicht auf den ersten „Kraut!“ Teil über den Norden der Republik geschafft. Das lag aber weder an Bear Family noch Burghard Rausch, sondern vielmehr an ihrem alten Plattenlabel Warner. Die haben anscheinend noch immer den Hals voll von Faust….doch das ist eine andere, lange Geschichte.

Auf den Hund gekommen

Hotels sind immer auf der Suche das besondere Etwas für ihre Gäste zu finden, das, womit sie aus den Angeboten anderer Hotels herausragen. Ein Golf Resort im südkalifornischen Palm Springs setzt da auf die Unterstützung vierbeiniger Helfer und das in Kooperation mit einem lokalen Tierheim. Die Idee dahinter ist, zumindest einige der mehr als 670,000 Hunde vor dem Einschläfern zu retten.

Wenn man in diesem Westin, rund einhundert Meilen nordöstlich von San Diego eincheckt, dann wird der Hotelgast an der Rezeption auch von einem Vierbeiner begrüßt. In dem hundefreundlichen Westin ist man eine ungewöhnliche Partnerschaft mit dem lokalen Tierheim “Animal Samaritans” eingegangen. Hunde aus dem Tierheim werden so den Hotelbesuchern nahe gebracht mit dem Hintergedanken Adoptionen zu ermöglichen.

Raquel Wood vom Westin ist unter anderem auch für dieses Programm verantwortlich: „Wir haben damit im Mai 2015 begonnen und die erste Adoption machte ein Mitarbeiter. Eigentlich alle unserer Mitarbeiter unterstützen dieses Programm. Es ist schon witzig, wenn ein Hund adoptiert wird, kommt gleich die Frage, wann wir den nächsten bekommen werden.“ Und das Konzept scheint aufzugehen, denn in dieser Woche wurde schon der 156te Hund im Westin begrüßt. Normalerweise dauere es so 10-14 Tage bis ein Hund adoptiert wird, erzählt Wood. „Unser Rekord war ein paar Stunden, das war glaube ich Hund Nummer 151, sie war gerade mal eine halbe Stunde hier, da hatten schon einige Gäste die Formulare für sie ausgefüllt. Sie war einfach so süss und beliebt.“

Tom Snyder, der Direktor des “Animal Samaritans” Tierheims in Palm Springs ist begeistert von dem Programm und sieht den Erfolg für alle Beteiligten: „Wir von “Animal Samaritans” können die Hunde so viel mehr potentiellen Hundebesitzern präsentieren. Für das Westin ist es gut, denn sie haben eine ungewöhnliche Attraktion für ihre Gäste, es hilft den Stress abzubauen. Und natürlich ist es gut für den Hund, denn er bekommt so viel Aufmerksamkeit, viel mehr, als er hier im Tierheim von unseren Mitarbeitern und Ehrenamtlichen bekommen könnte. Es lohnt sich für alle und am Ende ist das Ziel ein “Forever Home” für den Hund zu finden.“

Tagsüber ist der Vierbeiner im Lobby Bereich, kann gestreichelt und auch mal zum Spazierengehen auf dem Areal des Resorts mitgenommen werden. Und nach 20 Uhr schläft der Hund im hinteren Bereich der Rezeption, da, wo der Mitarbeiter am Abend auf Gäste wartet. „Die Hunde, die wir hier haben sind kleinere Hunde, so bis zu 15 Pfund Gewicht“, berichtet Raquel Wood. „Also keine Schäferhunde oder Labradors. Mehr Chihuahua oder Pinscher und Terrier Mischlinge. Der größte Hund war wohl ein Cocker Spaniel mit knapp 25 Pfund. Aber das ist eher selten.“

Auch wenn die Hunde von Hotelgästen adoptiert werden, geprüft wird dennoch genau, wohin der Hund kommt. Das, so Tom Snyder, sei für seine Organisation besonders wichtig: „Wir haben da Möglichkeiten in diesen Zeiten mit dem Internet, die Informationen auf den Adoptionsunterlagen zu prüfen. Die Adresse können wir uns über Google Earth ansehen, checken, ob es auch wirklich ein Privathaus und keine Geschäftsadresse ist, oder sehen, ob der Garten eingezäunt ist.“ Beim Prüfen des neuen Zuhauses gibt es keine Abstriche, wer sich für einen Hund entscheidet und in wenigen Stunden einen Flieger nehmen muss, dem wird geraten von der Adoption Abstand zu nehmen oder noch einmal zurückzukommen. Auch das passiert, erinnert sich Tom Snyder: „Einer kam sogar aus Seattle für den Hund zurück, das zeigt uns ganz deutlich, wenn man das auf sich nimmt, dann hat man das Tier wirklich ins Herz geschlossen und wird ein guter Tierhalter sein.“

Für Tom Snyder und auch Raquel Wood sollte dieses Programm Schule machen, denn ein Hund, da stimmen sie überein, ist eine Bereicherung für jede Hotellobby. Und es würde so manchen Vierbeiner vor dem sicheren Einschläfern retten.

Der Weltuntergang ist nah

Heute früh bin ich mit dem Hund um den Block gegangen. So ruhig war es hier noch nie. Keine Menschenseele auf der Straße, niemand war auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule. Kein Auto fuhr, alles war ruhig, seltsam ruhig. So still ist es noch nicht einmal an Thanksgiving oder Weihnachten. Denn auch aus der Ferne war kein Straßenlärm zu hören.

Seit Mitternacht sind in den Bezirken rund um San Francisco, von Santa Cruz im Süden bis Hopland im Norden Ausgangssperren verhängt worden. „Häusliche Isolation“ nennt sich das, betroffen davon sind rund sechseinhalb Millionen Menschen. Nur wenige Geschäfte dürfen noch auf haben, alles andere ist geschlossen. Das öffentliche Leben kommt in der Bay Area zum Stillstand.

Zumindest eine hat Spaß in diesen Tagen.

Unterdessen steigen im ganzen Land die Waffenverkäufe. Vor Gun Stores in Idaho, Montana, Kentucky, Arkansas und anderen Bundesstaaten haben sich lange Schlange gebildet. Gekauft wird alles was Wumm machen kann, dazu Unmengen an Munition. Das schwerbewaffnete Amerika bereitet sich auf den Endzeitkrieg vor. In einem Wahljahr steigen grundsätzlch die Waffenverkäufe, denn immer ist das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz auch ein Wahlkampfthema. Republikaner, allen voran Donald Trump, mobilisieren ihre Basis damit, dass sie erklären, die Demokraten wollten das „2nd Amendment“ abschaffen und alle Knarren konfiszieren lassen. Das ist natürlich Blödsinn, aber es führt dennoch zu einem „Run“ auf die „Guns“.

Doch dieses Wahljahr trifft auch noch auf eine globale Krise. Im Januar wurden deshalb rund 350.000 Waffen mehr verkauft als im Wahljahr 2016. Unzählige Amerikaner sind auf den „drohenden“ Bürgerkrieg und die Aussetzung aller Grundrechte vorbereitet, nach dem Motto, wer an mein Klopapier oder meine Nudeln will, „only over my dead body“. Die Knarren sind geladen.

Die Verschwörungstheorien blühen derzeit auf. Die einen sehen hinter dem Corona Virus den Versuch der „geheimen Weltregierung“ die Bevölkerungen unter ihre Kontrolle zu bringen. Die anderen machen einen Geheimplan von Donald Trump aus, der nun „Martial Law“, also das Kriegsrecht ausrufen wird, um so seine Abwahl zu verhindern und auf einen Kurs mit seinen diktatorischen Kumpels in aller Welt einschwenken will. Bei all dem bin ich nur noch sprachlos. Ich sitze hier in meinem alltäglichen „Home Office“, schreibe und produziere und genieße auch weiterhin die Waldspaziergänge mit meiner Käthe. Da sehe ich keinen, da treffe ich keinen, da treibt sich kein Virus herum.

„It’s the end of the world“

Gestern im Trader Joe’s. Eigentlich wollte ich nur ein paar Dinge besorgen, aber die Regale waren leer. Zuletzt habe ich sowas in Russland Anfang der 90er Jahre gesehen. Im Tierhandel wollte ich für Käthe Hundefutter kaufen, doch auch da war das Angebot mehr als spärlich. Ich sehe schon, Käthe muss demnächst auf die Jagd gehen, mal sehen, was die Nachbarn dazu sagen werden.

Die Corona Krise scheint auf den Magen zu schlagen.

Heute morgen dann ein ähnliches Bild, ein anderer Trader Joe’s vor dem sich im Regen eine lange Schlange gebildet hatte. Und das um 8 Uhr morgens.Ich fuhr gleich weiter zu Lucky’s. Dort konnte man zumindest in den Laden hinein gehen ohne im Regen zu stehen. Aber das Angebot war auch hier mehr als gering. Lange Regalreihen leer. Ich frage mich sowieso, warum nun alle Klopapier horten.

Und nicht nur das, die Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Einige rannten mit Mundschutz, Einweglatexhandschuhen und Feuchttüchern in der Hand durch die Reihen und sahen einen an, als ob man sie gleich umbringen wollte. Kein Lächeln, kein Sinn für Humor am Samstagmorgen. Als ich vor einem leeren Regal stand und so vor mich hin sagte, der dritte Weltkrieg sei ausgebrochen, meinte eine Frau zu mir, die Lage sei sehr ernst und darüber sollte man keine Witze machen.

Soviel dazu. Es gab noch Milch, Eier und Kartoffeln. Na immerhin. Aber die Situation wird nicht besser, gerade sagte Donald Trump in einer Pressekonferenz, dass er durchaus verstehe, dass die Leute alles aufkaufen. Es wäre wohl gut, wenn man mal für zwei Wochen ganz weg ist. Das beruhigt die Lage sicherlich, Trump hat die Situation alles andere als unter Kontrolle. Er bejubelt den Anstieg des Dow Jones Indexes und verkennt, dass er und seine Administration zu lange diese Krise nicht ernst genommen haben. Aber das ist ein anderes Thema.

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Oakland in den News

Seit 21 Jahren lebe ich in Oakland, eine Stadt, die mir ans Herz gewachsen ist. Auch, wenn Oakland immer im Schatten der strahlenden „City by the Bay“ San Francisco steht. Und doch Oakland ist voller Geschichte und Geschichten. Das versuche ich immer wieder auch in diesem Blog darzulegen. Oak-Town, wie man hier auch die Stadt nennt, wird aber meistens von außen mit schlechten News in Verbindung gebracht.

Die „Grand Princess“ nimmt Kurs auf Oakland. Foto: AFP.

Als ich ich 1999 hierher kam, lag die Mordrate bei über 160 Opfern pro Jahr, die Ganggewalt, die Schießereien gerieten außer Kontrolle. Dazu kam, dass die Stadt die drängenden Probleme nicht unter Kontrolle bringen konnte. Aber Oakland war und ist auch immer eine Künstler- und Subkultur Stadt gewesen, hier wurden viele der gewaltigen Burnin-Man Kunstwerke erstellt, denn hier gab es in der einstigen Arbeiterstadt viel Platz in alten Produktionsstätten. Oakland ist eine Musikstadt, Jazz, Hip Hop, Punk und Noise ließen international aufhorchen. Über all die Jahre, seidem ich das Geschehen hier aus der Nähe beobachten kann, hat sich viel getan. Oakland boomt und hat mit Libby Schaaf eine Bürgermeisterin, die sich schon mehrmals öffentlich mit Präsident Donald Trump gefetzt hat, die Warriors haben Basketballgeschichte geschrieben, die Restaurant- und Kneipenszene ist aufgeblüht. Das alles vor dem Hintergrund der folgenschweren Gentrifizierung in der Stadt.

Und nun ist Oakland mal wieder in den internationalen News. Die „Grand Princess“, das Kreuzfahrtschiff mit 3500 Passagieren an Bord, das seit zwei Wochen vor der Küste des Golden Gates auf eine Hafeneinfahrt wartet, wird am Montag im zweitgrößten Hafen an der Westküste, in Oakland, andocken. Eigentlich sollte die „Grand Princess“ in San Francisco Anker werfen, doch da steht nur ein Pier zur Verfügung, das fast direkt an Downtown angrenzt. Eine weiträumige Isolation ist dort nicht möglich. In Oakland steht der Container- und „Deep Sea“ Hafen zur Verfügung, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Von hier sollen die 3500 Menschen an Bord aufgeteilt werden. Die 21 Erkrankten werden umgehend in spezielle Einrichtungen gebracht, die 1000 kalifornischen Passagiere in Kalifornien beobachtet, die anderen weiter in ihre Heimatbundesstaaten transportiert. Und alles unter Ausschluß der Öffentlichkeit, denn der Hafen in Oakland ist absolutes Sperrgebiet.

Morgen also werden die Bilder aus Oakland um die Welt gehen, ein Kreuzfahrtschiff im Hafen, im Hintergrund die Bay Bridge und San Francisco. Ich kann nur hoffen, dass man danach Oakland nicht als Virenschleuder betrachtet. Ich lebe etwa zehn Kilometer Luftlinie vom Hafen entfernt, mal sehen, ob ich morgen von hier oben das Schiff sehen kann.