OMG – OH MEIN GOTT!

Jeden Morgen frage ich mich, ob Donald Trump es mal wieder schafft, seine Äußerungen und Tweets vom Vortag noch zu toppen. Heute war es mal wieder so weit. Trump macht einen auf Kulturkrieger, wohlgemerkt, er verteidigt die Kultur eines weißen, rassistischen Amerikas, in dem die Ureinwohner problemlos „Redskins“, Rothäute genannt werden dürfen. So kann man den obigen Tweet lesen, denn der Präsident möchte ja, dass das Football Team in Washington seinen Namen beibehält.

Er übergeht da einfach den jahrelangen Protest der „Native Americans“, die immer wieder und immer wieder lautstark die Namensänderung von professionellen Sportsteams, genauso wie von High School und College Teams fordern. Trump scheint in seiner Blase in Washington DC nicht mitzubekommen, dass eine breite Diskussion auch darüber im ganzen Land vorangetrieben wird. Er denkt nur an seine kleine Wählerbasis, die mit der Umbenennung von Mannschaften, Kasernen und dem Abbruch von Statuen konförderierter Generäle größte Probleme hat. Trump meint, das sei eine Um- und Neuschreibung der amerikanischen Geschichte.

Doch damit hat das nichts zu tun. Niemand schreibt die Gechichte um, vielmehr geht es darum, wie man mit der Geschichte umgeht. Amerika war und ist ein von einer weißen Sichtweise bestimmtes Land. Weiße haben die Geschichte geschrieben, doch Amerika ist kein weißes Land (mehr). Das sollte nun auch endlich im Weißen Haus und in Washington ankommen. In manchen Bundesstaaten, wie Kalifornien und Texas, sind „Caucasians“ nicht mehr in der Mehrzahl. Doch wer kennt in diesem als „Melting Pot“ gefeierten Land die Geschichte und die Sichtweisen von afroamerikanischen Communities, von den Hispanics, den „Native Americans“, den Asian-Americans? #45 maßt sich in seiner selbstverliebten Arroganz an, genau zu wissen, was jemand mit einer anderen Hautfarbe fühlt und denkt. Trump vertritt ein von Weißen dominiertes, doch längst vergangenes Amerika, das nie fair, offen und gerecht war. Das Festhalten daran, eben auch durch solche unsäglichen, ja, rassistischen Tweets, darf nicht aus dem Weißen Haus kommen. Denn der Präsisdent der Vereinigten Staaten ist eben nicht nur der Präsident seiner Wähler, sondern aller Amerikaner. Auch wenn das in diesen Tagen nur sehr schwer vorstellbar ist.

Wo ist ein George W. Bush?

Es ist schon verrückt, wenn man sich in diesen Tagen einen George W. Bush im Weißen Haus wünscht. Mir braucht jetzt keiner damit kommen, dass Bush Junior ein Kriegstreiber, ein Erzkonservativer, ein erklärter Gegner der LGBTQ Bewegung war. Amerika steckt in einer tiefen Krise und im Oval Office sitzt ein Präsident, der alles nur schlimmer macht, der noch nicht einmal ansatzweise versucht, die Menschen in den 50 Bundesstaaten zu vereinen.

George W. Bushs Präsidentschaft war geprägt durch den Terroranschlag vom 11. September 2001. Die Welt blickte entsetzt nach New York. Jeder, der damals alt genug war, weiß, wo er war und was er tat, als die Meldung rausging, dass Amerika angegriffen wurde. Ich wurde damals aus dem Bett geklingelt, jemand von Antenne Thüringen war an der Leitung und fragte, was da bei uns los sei. Ich antwortete, keine Ahnung, ich sei gerade erst wach geworden. „Na, dann mach mal den Fernseher an.“ Ich schaltete auf CNN, als der zweite Flieger in den Süd Tower des World Trade Centers flog.

Die Welt rückte in diesen Stunden zusammen. Von überallher erhielt ich Mails, in denen mir gesagt wurde, man stehe zu den USA. Selbst von Freunden und Bekannten, die immer kritisch gegenüber den USA waren, kamen gefühlvolle Zeilen voller Anteilnahme. Es war klar, Amerika wird nach 9/11 nicht mehr so sein wie vorher. Und was würde kommen, auch das war unklar.

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In diesen Stunden der tiefen Krise schaffte es George W. Bush allerdings das Land zu einen. Überall in den USA wehte die amerikanische Fahne, die Nation rückte ganz eng zusammen, „we are all Americans“, hieß es zwischen Hollywood und Manhattan. Sicherlich war da auch die Anspannung auf das, was kommt, denn jeder wußte, es würde eine deutliche militärische Reaktion geben. Dennoch, Bush zeigte Führungsqualitäten, er erkannte, dass Amerika nur geeint die Stärke hat, die es in solchen Stunden braucht. Da war kein „America First“, da war der Versuch, die internationale Gemeinschaft zu einen im Kampf gegen den Terrorismus. Und das glückte.

Was Bush dann anschließend daraus machte, ist eine ganz andere Frage. Er hörte auf die Hardliner seiner Administration, verprellte Bündnispartner und setze den Nahen Osten in Brand. Und doch, in diesen Corona Tagen, in dieser tiefen nationalen Debatte um „Black Lives Matter“ wünscht man sich einen Präsidenten, der wie Bush auf den symbolischen Ruinen der Gesellschaft steht und an die Einheit, an das Gemeinsame der Nation appelliert. Trump macht genau das Gegenteil, inmitten einer weltweiten Krise, die die USA besonders hart trifft, spaltet er weiter, zerlegt das, woran zumindest viele in den USA nach wie vor glaubten, dass Amerika in der Not zusammenrücken kann. Im Jahr 2020 erinnere ich mich an George W. Bush, der in dieser historischen Krise einmal wirkliche Größe zeigte und es schaffte, das auch schon damals tief gespaltene Land zu einen. Zumindest für eine kurze Zeit. Und das tat gut.

Das ganz andere Amerika

Unterwegs auf dem „Extraterrestrial Highway“. Foto: Peltner.

Ich bin an einer größeren Sendung über UFOs und Außerirdische dran. Das ist auch ein amerikanisches Thema, denn „Roswell“ in New Mexico und die „Area 51“ in Nevada sind ja Orte, die genau damit zu tun haben. Das tut in diesen Corona Zeiten, mit all dem politischen Hickhack richtig gut. Nun höre ich mich für diese Sendung durch etliche Interviews und Feldaufnahmen, zeichne auf, was wichtig ist, suche nach passender Musik.

Einige der Interviews waren da schon „very far out“. Ein Doktor, der außerirdische Metallteile aus Menschen operierte, die zur Kontrolle und Überwachung der Erdlinge eingepflanzt wurden und, der mir sagte, etwa 12 Millionen Amerikaner seien schon von Aliens „abducted“ worden. Ein Gesprächspartner kandidierte für den Kongress auf der politischen Plattform, endlich die geheimen Dokumente der Regierung über diese intergalaktischen Kontakte veröffentlichen zu wollen. Ich traf an der „Area 51“ eine Frau, die mich anblickte und meinte, ich könnte mit meinem durchdringenden Blick auch ein Außerirdischer sein. Zuvor hatte sie mir von den verschiedenen Aliens berichtet, die in der „Area 51″ versteckt würden.

Ich habe mit Ufologen gesprochen, die jede Sicht eines “ unidentified flying object“ erfassen und „investigativ“ verfolgen. Dabei stieß ich auf eine Frau, die auch nach dem „Dogman“ sucht, einem Lebewesen, das halb Hund, halb Mensch ist. Zuerst wurde es in Pennsylvania gesichtet, mittlerweile scheint es sich auch in den Wäldern Nordkaliforniens ausgebreitet zu haben. Geschichten gibt es, die gibt es gar nicht.

Und dann war da die afro-amerikanische Frau, die ein Buch mit dem Titel „From the Motherland to the Mothership“ geschrieben hat und mir von ihren mehrfachen Reisen auf den Mars berichtete. Sie wurde nachts mit dem „Mothership“ auf den roten Planeten gebracht. Glauben Sie also nicht, was sie da auf den Bildern zu sehen bekommen, die der „Rover“ zur Erde gefunkt hat, denn Mars ist eine Kolonie, auf der Lebewesen mit dunkler Hautfarbe leben. Man kann sich das als „Wakanda“ aus dem Kinofilm „Black Panther“ vorstellen, nur eben auf dem Mars. Und alles war gut, sie hat es ja gesehen.

In dieser langen Sendung werden die Hörer auch mit zur „Area 51“ genommen und das, was man da sieht oder eben auch nicht sieht, wird ganz sachlich erzählt. Ich war dort und habe mit jemandem gesprochen, der sich mit dem Thema mehr als auskennt, der seit Jahrzehnten das erforscht, was auf der geheimen und geheimnisvollen Militärbasis wirklich passiert. Es wird manche enttäuschen, manche werden das anzweifeln, was berichtet wird, andere werden sich darin bestätigt fühlen, dass alles um uns herum einen „logischen“ Grund hat. Aber am Ende wird es wohl dennoch heißen: „The truth is out there“.

Wird sich Amerika wirklich ändern?

Manchmal bin ich froh, dass ich kein festangestellter USA Korrespondent bin. Ich kriege ja mit, über was meine Kolleginnen und Kollegen berichten. In diesen Tagen ist das ausschließlich Trump, Trump und nochmal Trump. Und ich kenne das, irgendwann weiß man gar nicht mehr, was man noch schreiben soll. Aber manchmal muß es sein.

„Donald Trump is the first president in my lifetime who does not try to unite the American people—does not even pretend to try. Instead he tries to divide us.“ (James Mattis). Foto: AFP.

Als Donald Trump im November 2016 gewählt wurde, lag ein unglaublicher Wahlkampf hinter uns. Keiner hatte mit so etwas gerechnet, schon gar nicht dem Ausgang der Wahl. Als Trump da im Trump Tower die Rolltreppe runterglitt dachte jeder, auch in der republikanischen Partei, das ist der berühmte gespielte Witz, wie einst bei „Nonstop Nonsens“. Dieter Hallervorden hätte es nicht besser machen können. Trump war unterhaltsam, weil eben so anders im Wahlkampf. Die republikanischen Debatten wurden zu einem witzigen Abendprogramm, man wußte nie, was dieser Kandidat da als nächstes verkünden würde. „Low energy“ Jeb Bush, „Little“ Marco, „Lyin'“ Ted, „Truly weird“ Rand Paul…bis auf Jeb Bush wurden all diese einstigen Gegner zu bereitwilligen, ja, enthusiastischen Unterstützern von Donald Trump.

Dann kam der Wahlabend und überall hieß es, Trump werde sich nun ändern, „präsidial“ werden, das tief gespaltene Land einen. Doch Fehlanzeige, der Präsident hörte nie mit seinem Wahlkampf auf. Er beschimpfte auch weiterhin politische Gegner und Kritiker. Trump wurde nie der Präsident der Vereinigten Staaten, er wurde vielmehr der Kaiser für Trumpistan. Für seine Untergebenenen, seine Jünger, seine Gefolgschaft regierte er fortan. Kritik, meist begründet, manchmal auch unbegründet, nahm er zum Anlass für einen Rundumschlag. Trump machte die Gegner rund.

Daran hat sich bis wenige Monate vor dem erneuten Wahltag nichts geändert. Wer hoffte, dieser Mann würde im höchsten politischen Amt der USA zum Würdenträger werden, der wurde eines besseren belehrt, und das ganz schnell. Einstige Wegbegleiter wendeten sich schließlich ab, sie alle erkannten, dass Trump Politik als Bauchnabelschau betreibt. Nicht mehr und nicht weniger. In seinem Umfeld sind nur noch jene geblieben, die ihm huldigen, so, als ob er der wahrhaftig Auserwählte sei.

Donald Trump ist ein Phänomen, geschaffen in Amerika, gehypt in den Medien und durch ein undemokratisches Wahlsystem bis ins Weiße Haus gekommen. Trump ist auf dem ultimativen Ego-Trip. Ein Immobilienmakler, der trotz etlicher Pleiten und Bankrotterklärungen als Geschäftsmann gefeiert wurde. Er sonnte sich gerne im Rampenlicht, erst in der Schickeria von New York City, dann im Abendprogramm seiner „Reality TV“ Sendung und schließlich als Kandidat für das Präsidentenamt. Man muß sich mal vor Augen führen, dass dieser Mann, der auch als „Slum Landlord“ in New York bekannt war, der „undocumented immigrants“ in seinen Golf-Ressorts arbeiten ließ, der Arbeitnehmer in seinen mehrfachen Bankrotterklärungen ausnutzte und einfach fallen ließ, der eine rassistische Hetze gegen junge Afro-Amerikaner entzündete und die Todesstrafe für sie forderte, für eine Straftat, die sie nicht begangen hatten, der dem ersten gewählten afro-amerikanischen Präsidenten der USA vorwarf, nicht in Amerika geboren zu sein und seine Geburtsurkunde gefälscht zu haben, dass dieser Mann es schaffte durch weitere Lügen bis ins Oval Office zu gelangen.

Das ist Amerika. Das war kein Einzelfall, denn es wird wieder passieren, dass ein Blender, der für eine kleine Wählerschicht das ausspricht, was sie hören wollen, wieder gewählt wird. Das amerikanische Wahlsystem ist überholt, veraltet, versagt vollkommen. Das zeigt sich bei den Kongresswahlen genauso wie bei den Präsidentschaftsswahlen. Gewählte Volksvertreter, die nicht die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben und auch nicht in Wahlen die meisten Stimmen auf sich vereinen konnten, das hat nichts mit einer funktionierenden Demokratie zu tun.

Derzeit wird in den USA viel über eine gesellschaftliche Reform, eine Neuausrichtung Amerikas gesprochen. Das ist wichtig und mehr als notwendig. Doch eine grundlegende Veränderung des Alltags in den USA muß auch über eine Wahlrechtsreform erreicht werden. Die Trump Ära hat gezeigt, dass dieses Land, sich immer weiter von einer funktionierenden Demokratie entfernt. Was dann kommt kann ganz einfach mit dem Wort Gefahr umschrieben werden.

Die Trumpsche Logik

Eine Aussage des amerikanischen Präsidenten Donald Trump (ich muß noch immer schlucken, wenn ich das ausschreibe!) vom Montag, fiel leider etwas von den Redaktionsschreibtischen. Trump meinte da: „If we stop testing right now, we’d have very few cases, if any.“ Also, wenn man in diesen Corona-Zeiten mit dem Testen aufhöre, dann habe man kaum noch Fälle, wenn überhaupt welche.

Das muß man setzen lassen. Sich den Satz mehrmals durchlesen, um die Logik dahinter in der ganzen Breite zu erfasen. Der Präsident (!) sagt also allen Ernstes, man solle doch vielleicht mit dem Testen aufhören, dann habe sich auch das Problem mit Corona und dieser Pandemie erledigt. Diese Auslegung der Trumpschen Worte ist ja leider keine Übertreibung, denn Trump will die Uhren zurückdrehen, alles soll wieder „normal“ laufen. Masken trägt er nicht und am Samstag will er vor Zehntausenden von Trumpianern in Tulsa, Oklahoma, auftreten. Wie er selbst behauptet, hätte es über eine Million Ticket Anfragen für die Arena gegeben.

Amerika sei „ready for business“ tönt er tagtäglich und preist, wie viel und gut seine Adminstration in dieser weltweiten Krise gearbeitet habe. Seinem Vorgänger Barack Obama wirft er da vor, dass dieser ihm keine Pläne für diese Covid-19 Krise hinterlassen habe und retweetet gerne Bilder von sich ohne Maske und daneben Joe Biden mit Mund-Nasen-Schutz. „If we stop testing right now, we’d have very few cases, if any.“ Das ist dann wohl den Kopf in den Sand stecken und denken es ist dunkel am hellichten Tag. Oder, wie es Kinder gerne machen, wenn sie sich die Hand vor die Augen legen, „wenn ich es nicht sehen kann, kann mich auch niemand sehen“.

Das ist die Trumpsche Logik, wo kein Ankläger, da kein Angeklagter, wo keine hohen Infektionszahlen zu vermelden sind, da läuft auch von Seiten der Trump-Administration nichts schief. Von daher, einfach all die Tests stoppen, die, die krank sind,  würden ja eh sterben, ob mit oder ohne Corona. So einfach ist das im Weltbild des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika!

Trumps Polizeireförmchen

Mit einer Präsidentenverfügung versucht Donald Trump wieder Oberwasser in einer ihm entglittenen Debatte über Polizeigewalt im ganzen Land zu bekommen. Dafür will er Bundesmittel für eine bessere Schulung der Beamten und der Polizeieinheiten locker machen. Eine eigens einzurichtende Datenbank soll sicher stellen, dass sich gefeuerte Polizisten nicht in anderen Städten erneut bewerben können. Diese Reform, so Trump, sei historisch. Doch kein Wort davon, dass es in den Polizeireihen der USA einen systemischen Rassismus gibt. Ganz im Gegenteil, Trump sprach von wenigen Ausnahmen, stellte sich wie eh und je unterstützend vor die Polizei.

So sieht sich Präsident Trump am liebsten. Für eine präsidiale Anordnung beklatscht zu werden. Foto: Reuters.

Seine 27minütige Rede erinnerte in weiten Teilen an eine Wahlkampfrede, er griff erneut die Obama Administration und seinen voraussichtlichen Gegenkandidaten, den früheren Vize-Präsidenten Joe Biden, an, ohne in namentlich zu nennen.

Auch wandte er sich gegen finanzielle Kürzungen von Polizeieinheiten, dies führe nur zu Chaos. Trump erklärte, seine präsidiale Anordnung werde dazu führen, dass es fortan in den Polizeireihen der USA die „höchsten professionellen Standards der Welt“ gebe.

Die Demokraten kritisierten umgehend Trumps Rede. Die Sprecherin des Kongresses, Nancy Pelosi, erklärte, der Auftritt des Präsidenten im Rose Garden, sei nur ein Fototermin gewesen, das, was Trump verkündete sei in diesen Zeiten viel zu wenig. Joe Bidens Wahlkampfteam reagierte ebenfalls und warf dem Präsidenten vor, in den letzten dreieinhalb Jahren genau die Reformen der Obama Regierung wieder abgeschafft zu haben, die eine Militarisierung der Polizeireihen beenden sollten. Eine Sprecherin von amnesty international beschrieb Trumps Präsidentenverfügung als ein „Pflaster für eine Schußwunde“.

Der positive Gangsterrap

Meine Oma hätte sicherlich gesagt: Dat sind doch alles Gangsta im Knast. Stimmt schon irgendwie, alle wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Doch dieser Gangsterrap ist anders. Positiv, mit einer Message, Therapie hinter den dicken Mauern.

Johnny Cash spielte schon dort, genauso wie Metallica, B.B. King und Carlos Santana. San Quentin, das älteste Staatsgefängnis in Kalifornien, hat aber nicht nur musikalische Besucher von draußen bekommen. Hinter den dicken Mauern des einst gefährlichsten Gefängnisses westlich des Mississippis waren auch immer wieder Musiker inhaftiert. Das reicht vom Komponisten Henry Cowell über Jazz Musiker wie Art Pepper, Frank Morgan und Dexter Gordon bis hin zum Country Musiker Merle Haggard. Seit über 25 Jahren beschäftigt ich mich und berichte über San Quentin, nun habe ich David Jassy kennengelernt, einen Musiker aus Schweden, der wegen Mordes zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, nach San Quentin kam und im Frühjahr begnadigt wurde. Jassy hat nun die “San Quentin Mixtapes” veröffentlicht.

David Jassy erreiche ich per What’s App in Stockholm. Seit März lebt er wieder in seiner Heimatstadt. Er war Mitglied des erfolgreichen schwedischen Hip Hop Duos “Navigators”, er produzierte in Deutschland Songs für die No Angels und Janet Biedermann und war im November 2008 in Los Angeles, um am Album von Britney Spears mitzuarbeiten. Dann passierte es, auf dem Nachhauseweg geriet er mit einem anderen Verkehrsteilnehmer in Streit, er schlug zu, der Mann verstarb an den Folgen. Jassy wurde für einen Mord angeklagt und 2010 zu 15 Jahren bis zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Nach dem LA County Jail kam er erst nach Solano und dann nach San Quentin: „Und ich komme in dieses Gebäude und es war wie aus einem Film. Es war der West Block. Es war verrückt. Leuten liefen durch die Gegend, es schien keine Struktur zu geben, sie liefen die Eisentreppen hoch und runter. Und ich hatte dieses panische Gefühl in mir, lebenslang. Ich dachte mir, wie um alles in der Welt soll ich das überleben. Aber ich hab’s überlebt.“

Der heute 46jährige überlebte es nicht nur, er half vielen anderen im Gefängnis. Er selbst ist schwarz, sein Vater stammt aus Gambia, seine jüdische Mutter floh aus Estland nach Stockholm, wo er geboren wurde. Seine Geschichte stieß auf Interesse, gerade auch, weil viele im kalifornischen Knast nicht wußten, dass es in Schweden auch Schwarze gibt. David Jassy hielt sich fern von den Gangs und den Drogen im Knast, organisierte sein Leben hinter Gittern, konzentrierte sich auf seine Musik und begeisterte damit auch andere um ihn herum. Er schaffte es, einen Synthesizer in seine Zelle geschickt zu bekommen, ein Musikprogramm hinter den dicken Mauern zu starten. In einem Anbau wurde sogar ein kleines Tonstudio eingerichtet.

„
Musik war meine Therapie. Als ich mit dem “San Quentin Mixtape” anfing, wollte ich ein Album mit den Youngsters machen, auf dem sie über ihr Leben und ihren Mühen sprechen, aber ohne obszöne und abfällige Sprache, und doch authentisch. Du kennst San Quentin, Du weißt wie das hier ist, da ist nichts zum Schönreden und es ist auch nicht cool im Gefängnis zu sein. Da aufzuwachen und es jeden Morgen zu bereuen, dass man jemanden umgebracht hat. Ich wollte, dass sie das mitteilen.“

Und genau das kann man in diesen 17 Songs hören, authentische Stimmen, die durch Musik und Rap einen Weg gefunden haben, sich mitzuteilen. Es war nicht leicht, dieses “Mixtape” Album zu realisieren und dann zu veröffentlichen. Als er schon die Zusage hatte, zog ein anderer Beamter die wieder zurück. Doch Jassy gab nicht auf, über bekannte Unterstützer, wie MC Hammer und Kim Kardashian, hörte Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom von dem Projekt und gab scließlich grünes Licht.

In den Texten werden Erfahrungen, Erlebnisse und Gefühle im Leben der Youngsters draußen und hinter Gittern beschrieben. Ein Song sticht für David Jassy ganz besonders heraus, der von Dinero G, einem 19jährigen Mexikaner, der in einer Gang war. Eigentlich, so David Jassy, wären sie im Gefängnisalltag nie zusammen gekommen, aber die Musik brachte sie zusammen. „
Eines Tages kam er ins Studio und er fing an diesen Song zu rappen. Und dabei sagte er “I’m in the same prison as my grandfather”, ich bin im gleichen Gefängnis wie mein Großvater. Und ich stoppte ihn und fragte, was war das. Und er, yeah, ich bin im selben Knast. Nicht nur, dass sein Opa auch in San Quentin war, er war im selben Zellenblock, auf der selben Ebene, nur ein paar Zellen weiter. Und ich, was für eine verrückte Geschichte. Er sprach von diesem Generationentrauma, seine Mutter war gerade 13 als sie mit ihm schwanger war, ihr Vater war in San Quentin und konnte nicht da sein für seine Tochter. Und jetzt ist er im selben Gefängnis und er kann selbst nicht für seine Tochter da sein.“

Nach zehn Jahren in San Quentin, einem der notorischen Gefängnisse in den USA, beginnt nun für David Jassy ein neues Leben, den Kontakt mit seinen “Mixtape” Mitstreitern will er halten und sie von außen unterstützen. Er sagt von sich, er sei ein neuer Mensch: „
Es hat mich in vielen Bereichen verändert. Es hat mich wohl dankbarer gemacht, am Leben zu sein. Ich schätze Dinge nun mehr wert, wieder hier in Stockholm zu sein, ich sehe Sachen in meiner Stadt, die mir nie aufgefallen sind. Ich sehe die Schönheit an Orten, die ich nie beachtet habe…ich bin dankbar zu leben.“

Die „San Quentin Mixtapes“ sind auf allen digitalen Plattformen, wie amazon, iTunes und Spotify zu finden.

Hallo? Ein Staatsstreich?

Und was ist das nun? „Donald Trumps Strategien für den Staatsstreich“ ist die Kolumne von Sascha Lobo auf Spiegel Online überschrieben. Ich lebe zwar seit 25 Jahren in einem Land, das mir manchmal mehr als fremd erscheint, in dem ich mir oft die Frage nach dem Sinn und der Logik stelle, aber Donald Trump bereitet sicherlich keinen Staatsstreich vor, auch wenn Lobo schreibt, „Die Hinweise liegen offen da, man muss nur wenige, indiziengestützte Vermutungen zusammenfügen.“

Foto: Reuters.

Ich lebe in den USA, nicht in „Trump-Country“. Das wird auch nach dem Wahltag am 3. November so sein und bleiben. Ich denke schon auch, und da stimme ich mit Sascha Lobo überein, dass Donald Trump seine mögliche Niederlage an der Wahlurne nicht eingestehen wird. Er wird das Land weiter spalten und vor den Gerichten lahmlegen. Sein Nachfolger wird kein leichtes Spiel haben. Das ist das Ziel von Donald Trump.

Lobo führt einige „Indizien“ an, die dafür sprechen, dass es diesen großen Plan gibt, wie das „Gerrymandering“, bei dem Wahldistrikte auf feste Mehrheiten zugeschnitten werden. Allerdings unterstellt Lobo da, dass das nur die Republikaner tun würden. Nein, Herr Kolumnist, das geschieht auch von Seiten der Demokraten. Das amerikanische Wahlsystem ist undemokratisch, das habe ich hier an dieser Stelle schon mehrmals dargelegt. Und ja, jede der beiden Großparteien versucht die Macht zu halten, zu stabilisieren, zu betonieren. Die Mehrheit in den USA ist eigentlich liberal eingestellt, das ist auch das Problem der Republikaner, die ihre Felle davon schwimmen sehen. Mit einigen Tricks versuchen sie ihre Macht, gerade in den Swing States zu halten, aber die Frage ist, für wie lange noch. Trump und seine Basis sprechen gerade mal für 25-30 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner. Dabei sind sie laut, mit Nachdruck, bestimmen die Debatte. Und am Ende gehen sie zur Wahl. Geschlossen, wie das auch der evangelikale Wahlblock demonstriert, deshalb auch die Washingtoner Bibel-Aktion von Trump am Montag.

Was Sascha Lobo übersieht ist, dass Hillary Clinton eine Mehrheit 2016 hatte, und dass, obwohl sie die falsche Kandidatin der Demokraten war. Eigentlich hätte da schon Joe Biden kandidieren müssen und sollen, doch er verzichtete, weil er kurz zuvor seinen Sohn verloren hatte. Biden hätte Trump im Wahlkampf vernichtet. Trump spricht auch nicht für die republikanische Partei. Auch da sollte man den Blick auf den Wahlkampf 2016 richten. Damals kandidierten fast 20 Republikaner und sie nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg. Trump erzielte in den einzelnen Vorwahlen nie mehr als 50 Prozent, sondern gewann jedesmal mit etwa 30 Prozent. Trump hatte und hat mit seiner Politik und seiner Art keine Mehrheit in der eigenen Partei. Das sage ich nicht einfach so, das kann ich nach vielen Gesprächen mit republikanischen Wählerinnen und Wählern durchau behaupten. Ja, Trump weiß das System zu nutzen, auszunutzen, Parteimitstreiter unter Druck zu setzen, aber er ist weder ein König noch von Gott gesandt, auch wenn er sich selbst so versteht.

Sascha Lobo geht hier einen gefährlichen Weg, in dem er halbgare Verschwörungstheorien verbreitet und sie über ein Medium, wie Spiegel Online auch noch befeuert. Er spricht von den bewaffneten Milizen als Einheitsfront, die nur darauf warten würden, für ihn in den Kampf zu ziehen. Diese Einheitsfront gab es nie und gibt es auch heute noch nicht. Er schreibt vom Ausscheiden eines „eher liberalen Richters unter merkwürdigen Umständen“, läßt allerdings außen vor, dass Anthony Kennedy mit 82 Jahren in den Ruhestand ging und er schon viel früher angekündigt hatte, dass er sich zurückziehen wolle. Und er übersieht, dass der Kongress nicht einfach einem Staatsstreich zusehen würde. Zu sehr wird die amerikanische Verfassung dort als wichtigste Schrift neben der Bibel hochgehalten. Da sind sich Demokraten und Republikaner, zumindest eine deutliche Mehrheit, einig. Was zu einem Staatsstreich fehlt ist, dass Donald Trump auch die Armee hinter sich haben müßte. Und das hat er nicht. Die Streitkräfte der USA schwören auf die Verfassung, nicht auf den Präsidenten.

Donald Trump wird sicherlich nicht einfach abtreten, falls er die Wahlen im November verlieren sollte. Das ist klar, das ist jedem in den USA bewußt, damit wird gerechnet. Er wird sicherlich von manipulierten Stimmabgaben sprechen, Verschwörungstheorien schüren. Die Gefahr ist jedoch kein Staatsstreich, sondern ein nationaler Terrorismus. Das ist die eigentliche Bedrohung, Terrorakte von verblendeten und schwer bewaffneten Einzeltätern oder Kleinstgruppen. Das wird Amerika erschüttern, aber nicht aus den Angeln heben.

Missing in Action, Mister President

Donald Trump hatte sich das Wochenende sicher anders vorgestellt. Mit Vize-Präsident Mike Pence flog er nach Cape Canaveral, Florida, um dort direkt den Start der NASA/SpaceX Weltraummission zu beobachten. Ein historischer Tag für Amerika sollte es werden, schöne Bilder mit Trump und der Rakete und dann wurde daraus so gut wie gar nichts. Denn die 24/7 Nachrichtenkanäle berichteten nur darüber, dass Amerika brennt. Im Lauftext am unteren Ende des Bildschirms wurde auf den geglückten Start verwiesen.

Und diesmal war es nicht nur in den Metropolen New York City, Los Angeles, Seattle und San Francisco, diesmal brannte es und brennt noch immer im ganzen Land. Nach dem Tod von George Floyd in Polizeigewahrsam in Minneapolis eskalierte überall die Lage. Und der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist „Missing in Action“. Ein paar Tweets, ein paar Worte, aber damit gießt er nur noch mehr Öl auf den Flächenbrand.

Vier Tweets am Sonntag innerhalb einer Stunde machen das ganz deutlich. Trump hat keine Ahnung, keinen Plan, versteht nicht, was in den USA passiert. Er gratuliert der Nationalgarde für ihr hartes Durchgreifen in Minneapolis, er beschuldigt Demokraten die Lage eskalieren zu lassen, die Medien der falschen Berichterstattung und will fortan die Antifa als terroristische Organisation brandmarken. Damit zeigt er, dass er das grundlegende Problem in den USA nicht nachvollziehen kann.

Was derzeit in Amerika passiert, ist schon lange am Köcheln. George Floyd ist der nicht der erste Schwarze, der unbewaffnet und ohne eine Gefahr darzustellen durch Polizeigewalt stirbt. Die Liste der Namen ist lang. Statistisch betrachtet sterben in den USA zweimal mehr Afro-Amerikaner durch Polizeigewalt als Weiße. Das alleine zeigt schon das Problem auf. Donald Trump spricht von den „Bad Apples“, den Einzelfällen in den Polizeireihen, doch da ist mehr, was getan, verändert, verbessert werden müsste. Die Polizeigewalt gegen Schwarze dürfte eigentlich nur der Anfang für eine grundlegende Aufarbeitung des tief verwurzelten Rassismus in den USA sein.

Doch dazu braucht es Leute, die ihre Hand zum Dialog ausstrecken, die Führungsstärke beweisen, die einfach verstehen was in Amerika passiert. Ein gutes Beispiel ist der Polizeichef im kalifornischen Santa Cruz. Auch dort wurde protestiert, auch dort war die Polizei vor Ort, beobachtete, begleitete. Und dann kam diese Aktion, die der Footballspieler Colin Kaepernick ins Leben rief – „take a knee“, niederknien und an die Polizeigewalt im Land zu erinnern. Mit den Protestierenden kniete auch der Polizeichef nieder, er trug eine Maske in Zeiten der Pandemie, auch das ein Zeichen von Führungsstärke. Mit diesem Kniefall zeigte er, dass er das, was George Floyd in Minneapolis angetan wurde, aufs Schärfste verurteilt. Mit solchen symbolischen Gesten ist ein erster Schritt getan.

Amerika brennt…mal wieder

Eigentlich jeden Tag schaue ich mir um 18 Uhr die Newshour von PBS an. Eine Nachrichtensendung, die ausgewogen, informativ und fundiert ist, ohne Geschrei, Anfeindungen und großes „Ich-Gehabe“ auskommt. Jeden Freitag sind zwei Journalisten zu Gast, Mark Shields und David Brooks, die die Ereignisse der Woche analysieren. Und gestern meinte David Brooks „collectively we had one of the worst weeks in our lives“.

Und dann zählte er auf. Der rassistische Zwischenfall im Central Park von New York, Verschwörungstheorien verbreitet durch den Präsidenten, die Wirtschaft im „free fall“, der Mord an George Floyd in Minneapolis, die zahlreichen Proteste gegen Polizeigewalt, ach ja, und die Überschreitung der mehr als 100.000 amerikanischen Todesopfer in der Corona Krise. Dazu kommt noch die Eskalation auf der außenpolitischen Bühne mit China und der Rückzug der USA aus der WHO. Amerika steckt tief in der Krise und das mit einem Präsidenten im Weißen Haus, der keinerlei Führungsqualitäten hat und kein Mitgefühl zeigt.

Amerikanische Städte brannten in der Nacht zum Samstag. Foto: AFP.

In der Nacht zum Samstag dann Proteste im ganzen Land, die teilweise in sinnloser Gewalt ausarteten. In Los Angeles und San Jose wurden Freeways blockiert, in Washington mußte der Secret Service das Weiße Hau absichern, in Houston, Atlanta, Detroit, Minneapolis und etlichen anderen Städten kam es zu gewaltsamen Konfrontationen mit der Polizei und zu zahlreichen Verhaftungen. Und hier in Oakland marschierte im Schutz von Tausenden von Demonstranten ein schwarzer Block auf, bewaffnet mit Hammer und Stemmeisen, gezielt wurden Geschäfte in Downtown aufgebrochen, geplündert und verwüstet. Videos von Mitgliedern der „Black Lives Matter“ Bewegung zeigen vor allem junge Weiße, die gut organisiert auf Verwüstung aus waren.

Amerika brennt, die Probleme nehmen überhand und es ist Wahlkampf. Donald Trump ist mehr denn eine Fehlbesetzung in der Krisenzeit und auch der demokratische Herausforderer Joe Biden besticht nicht gerade damit, dass er sich als Präsident aufdrängt. Was für den 77jährigen spricht ist, dass Donald Trump einfach abgewählt werden muß. Biden ist sicherlich nicht der Wunschkandidat der meisten Amerikaner, aber er ist der Kandidat, auf den sich die Demokraten einigen können, der zumindest in solchen Krisen das gesamte Land im Blickwinkel behalten würde und nicht nur die eigene Wählerbasis.