Nichts ist mehr so, wie es einmal war

Nancy Pelosi zerreißt die Rede Trumps. Foto: AFP.

Am Ende kam die Szene, die diese „State of the Union“ Rede, die dritte (und vielleicht letzte) von Donald Trump ausmachte. Trump badete sich im Applaus seiner Partei und hinter ihm zerriß die Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, die gedruckte Ansprache des Präsidenten. Damit wurde ganz deutlich, wie tief gespalten dieses Land, diese Nation, diese Gesellschaft ist. Amerika geht schwierigen Zeiten entgegen.

In seiner über 70minütigen Rede feierte sich Donald Trump selbst, verwies auf die boomende Wirtschaft, die niedrigen Arbeitslosenzahlen, betonte, dass die Welt die USA wieder respektierten. Und er sei für all das verantwortlich. Immer wieder gab es Tiefschläge gegen die Obama Administration. Trump erklärte, er sei der erfolgreichste Präsident in der Geschichte Amerikas. Und weitere Seitenhiebe gegen die Demokraten. Es war keine Rede der Einheit, es war eine weitere Wahlkampfrede Trumps vor der Fernsehnation.

Und dann die Verleihung der „Medal of Freedom“ für den erzkonservativen und mehr als umstrittenen Talk Radio Moderator Rush Limbaugh. Einfach mal so, mitten in der Ansprache hing ihm die First Lady, Melania Trump, den Orden um. Limbaugh ist in der Vergangenheit auch durch rassistische, sexistische und schlichtweg fiese Kommentare in seiner Sendung aufgefallen. Doch Rush Limbaugh beschallt Tag für Tag ein Millionenpublikum auf rund 600 Stationen im ganzen Land. Er hat Einfluß in der republikanischen Partei und an der Basis, die Trump braucht.

Mehrmals versuchte Trump den Schulterschluss mit dem Militär. Für ihn, der wegen falscher Vorgaben nicht zum Wehrdienst während des Vietnamkrieges eingezogen wurde, ist diese Nähe zur Streitmacht wichtig. Als er die Ehefrau und die zwei kleinen Kinder eines im Einsatz befindlichen Soldaten vorstellt, wird überraschend der Vater selbst in den Saal geführt. Er wurde kurzerhand für dieses Spektakel von der Front eingeflogen. Die Familie wusste anscheinend nichts davon. Das amerikanische Militär wird so zu Statisten in Trumps Wiederwahlkampagne gemacht. Die anwesenden Generäle in der ersten Reihe schauten dem ganzen Treiben mißmutig zu.

Trump kennt keine Grenzen. Seine Rede war gespickt mit Halbwahrheiten und offenen Lügen. Doch er ist der „King“ der Wahlkämpfer, er weiß, es ist leicht vor der Fernsehnation Dinge zu erklären, zu behaupten, als Fakten zu verkaufen. Es ist viel schwerer danach den Präsidenten der Lüge zu bezichtigen. Das hören seine Anhänger sowieso nicht mehr. Für sie ist Donald Trump der beste „Commander in Chief“ aller Zeiten.

Wie die Demokraten diesen Mann schlagen wollen ist ungewiss. Nach dem Debakel in Iowa, nach den weiteren Kämpfen innerhalb der Partei ist unklar, wer und vor allem mit welcher Message Donald Trump aus dem Weißen Haus gejagt werden soll. Knapp 10 Monate vor dem Wahltermin am 3. November habe ich das ungute Gefühl, dass Donald Trump die Wahl gewinnen wird. Der heutige Abend, seine „State of the Union“ Rede belegte nur zu deutlich, dass er nicht mehr zu bremsen ist, für ihn ist alles „fair game“. Und die Regeln bestimmt am Ende der Präsident selbst.

Komische Zeiten, in denen wir leben

Da ist auf einmal John Bolton der Hoffnungsträger der Demokraten, man bedauert den Ausstieg von Generälen in der Regierung und viele wünschen sich George W. Bush als Präsidenten zurück. Im Weißen Haus sitzt einer, der nachweislich in den gut drei Jahren seit Amtsantritt nahezu 15,000 Mal gelogen hat, andere beschimpft und am Ende alles besser weiss, als Berater, Fachleute und Wissenschaftler. Wo der „Commander in Chief“ Liebesbriefe mit brutalsten Diktatoren austauscht und enge Verbündete vor den Kopf stößt. Was für verrückte, amerikanische Zeiten!

John Bolton soll die amerikanische Demokratie retten. Foto: AFP.

John Bolton, der Hardliner in der Bush Regierung, danach ein Kommentator auf Fox News, dessen Analysen und Meinungen nur schwer zu schlucken waren, der schließlich zum nationalen Sicherheitsberater in der Trump Regierung befördert wurde. Hochgelobt von diesem, von anderen hingegen wurde diese Jobvergabe nur mit „oh, mein Gott“ belegt. Befürchtet wurde viel, unter anderem weitere Militäreinsätze, die Bolton schon lange auf dem Radarschirm hatte. Deutliche Töne gegen Nordkorea, den Iran und auch etliche Verbündete, ließen auf nichts Gutes schließen.

Dann war Bolton draußen, die Zweckfreundschaft mit Donald Trump lief wohl doch nicht so gut. Trump, bekannt dafür resistent gegenüber Ratschlägen zu sein, konnte dann doch nicht mit dem eher polternden Bolton. Auf der einen Seite ein Aufatmen, dass John Bolton weg ist, auf der anderen Seite die Frage, wer nach ihm kommt. Denn das Weiße Haus unter Trump hat einen ziemlich hohen Verschleiss an qualifizierten Mitarbeitern, die dann oftmals mit Ja-Sagern und Trumpisten ersetzt wurden.

Bolton also draußen und langsam sickerte durch, dass er ein Buch schreiben will über seine Zeit im Weißen Haus. Die Alarmglocken schrillten los, denn Bolton wusste zu viel, auch über die Ukrainepläne von Trump. Damit war der schnauzbärtige Scharfmacher auf einmal interessant für die Demokraten, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump eingeleitet hatten. Und in solchen Zeiten leben wir nun, wo jemand wie John Bolton als Hoffnungsträger der Demokraten, ja sogar der amerikanischen Demokratie gewertet werden muss.

Trump macht das, was er bisher bei allen Fallengelassenen getan hat, er haut drauf, diskreditiert die Personen, deren Wissen, deren Einfluß und greift sie auch noch persönlich an. Sein direktes Umfeld, führende Vertreter seiner Partei und vor allem sein blindes Wahlvolk schlucken das einfach so, blasen manchmal sogar noch ins selbe Horn wie der Präsident den Ton vorgibt. Abzusehen ist leider, dass Amerika nicht mehr das Amerika sein wird, das ich 1987 zum ersten Mal bereiste und in das ich 1996 auswanderte. Die große Frage wird sein, wie sich die USA nach Donald Trump entwickeln werden, wird es weiter auf dem Trumpschen Weg gehen oder wird der Versuch unternommen werden, die tiefen Gräben zu überwinden? Letzteres wird wohl nur Wunschdenken bleiben.

Ein Freitag mit Folgen

Er macht, was er will. Foto: AFP.

Freitag der 31. Januar 2020 war nicht nur ein schwarzer Tag für die amerikanische Demokratie. Es war auch ein schwarzer Tag für das, wofür Amerika einmal stand. Im US Senat machten die republikanischen Senatoren mit ihrer Stimmabgabe gegen weitere Zeugenaussagen deutlich, dass sie kein Interesse an einer Aufarbeitung des Fehlverhaltens von Donald Trump haben. Gleichzeitig weitete Trump die Einreise- und Aufenthaltsverbote weiter aus und hob ein Verbot der Nutzung von Landminen durch Barack Obama auf. Dem US Milität ist es also wieder erlaubt Minen zu verlegen.

Mit dem quasi Freispruch ohne Prozess wird sich Donald Trump bestätigt fühlen. Für ihn gibt es kein Einhalten mehr, keine Kontrolle, er hat nun eine Narrenfreiheit bekommen, die er nutzen wird. Denn der Senat mit seiner republikanischen Mehrheit hat auf ganzer Linie versagt. Die Partei hat sich lieber hinter dem „Stable Genius“ ein- und untergeordnet, als für die überparteilichen Werte Amerikas zu kämpfen.

Da verwundert es nicht, dass genau an dem Tag Trump auch noch den Einsatz von Landminen durch das Pentagon wiedereinführt und erlaubt und auch noch seine umstrittene „Travel Ban“ Liste ausweitet. Nun wird das Reisen, vor allem das Einreisen auch noch für Menschen aus Nigeria, Sudan, Tansania, Eritrea, Myanmar und Kirgistan erschwert. Genaue Gründe dafür werden nicht genannt, Trump und seine Administration müssen sich nicht mehr erklären. Das macht er hier erneut ganz deutlich. Er hat nun auch ganz offiziell einen Freifahrtschein erhalten. Die republikanische Mehrheit im Senat und seine Partei nicken alles ab, was der Präsident ihnen vorhält.

Die Folgen werden weitreichend sein, vor allem, wenn Trump wiedergewählt werden sollte. Vier weitere Jahre des Abbaus von Rechten für Minderheiten, von Schutzräumen für die Umwelt, von Strafzahlungen für Vergehen der Industrie, von Arbeitsschutzmaßnahmen und so weiter. Er wird weiterhin einen Keil in die amerikanische Gesellschaft treiben, den Graben vertiefen, die Grundfesten der amerikanischen Demokratie und Gesellschaft aushöhlen. Dieser Freitag hat gezeigt, wohin der Weg gehen wird.

Einfach nur unglaublich!

Donald Trump lügt und gesteht auch noch ein, dass er es macht und meint dann: „It doesn’t really matter“. Trump hatte die Drohnenangriffe auf den iranischen Kommandeur der Quds-Einheit, Qasem Soleimani, als notwendig und im Rahmen der nationalen Sicherheit der USA verteidigt. Soleimani, so der Präsident, habe Anschläge auf vier Botschaften im Nahen Osten geplant. Deshalb habe man ihn ausschalten müssen.

Doch nach und nach wurde deutlich, dass es keine akute Gefahrenlage gab, keine konkreten Pläne für Angriffe, sogar seine eigenen Kabinettsmitglieder widersprachen ihm. Deshalb auch die lapidare Erklärung von Trump, macht ja nichts, denn Soleimani hatte genug Dreck am Stecken. Von daher konnte man ihn getrost mit ein paar Raketen pulverisieren. Dass damit die USA an den Rand eines Krieges gebracht wurden, dass damit der Abschuss des ukrainischen Flugzeuges zusammenhängt, dass durch den Angriff die Lage in der Region noch weiter eskalieren wird, das scheint dem amerikanischen Präsidenten egal zu sein. Er ließ lieber verkünden, dass Soleimani ein viel größerer Terrorist als Osama bin Laden gewesen sei. Von daher, „take that Obama“, Trump wollte mal wieder wichtiger sein.

Von Donald Trump geteilte Fotomontage, die die Demokraten Chuck Schumer und Nancy Pelosi als Handlanger Irans zeigen sollen.

Doch nicht nur das. Obwohl alle Politiker in Washington, Republikaner und Demokraten, einheitlich erklärten, der Quds-Kommandeur sei ein Schurke und „evil“ gewesen, habe jahrelang terroristische Gruppen im Nahen Osten unterstützt, holte Trump aus und ließ vermelden, die Kritik der Demokraten an seinem Befehl sei wie die Unterstützung der Demokraten für Terroristen. Auf Twitter machte er das nicht nur selbst kund, er teilte auch eindeutige Fotomontagen von Trumpisten. Das ist eine weitere totale Verdrehung der Tatsachen, die seine Basis jedoch jubelnd aufnimmt.

Donald Trump verspielt international immer mehr die amerikanische Glaubwürdigkeit. Wer will noch an der Seite der Amerikaner stehen, wenn diese einfach mit falschen Meldungen hantieren. Als Colin Powell im UN Sicherheitsrat erklärte, Saddam Hussein baue Massenvernichtungswaffen und deshalb müsste man den irakischen Diktator stoppen zweifelte die Welt an diesen „Fakten“. Es stellte sich später heraus, dass die vorgetragenen Informationen und Bilder gefälscht waren, die Amerikaner hatten damit einen Flächenbrand im Nahen Osten entzündet. Daraus hätte man lernen müssen.

Doch dann die Aktion in Bagdad gegen den iranischen Offizier, wieder mit halbseidenen Fakten begründet, die sich später als totale Verdrehung der Tatsachen herausstellten und ein Präsident der grinsend erklärt, alles halb so schlimm, Soleimani sei eh ein übler Typ gewesen. Damit öffnen die Amerikaner Tür und Tor für Anschläge anderer Regierungen. Aber das Verhalten von Trump ist nicht verwunderlich, man denke nur daran, wie er betonte, er glaube dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dass dieser nichts mit der Ermordung und der Leichensägerei von Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul zu tun gehabt habe. Es wird nicht einfacher, die Politik und das Verhalten dieses Mannes zu erklären.

„Wag the dog“

Es gibt diesen Hollywood Spielfilm mit Dustin Hoffmann, Robert de Niro und Ann Heche „Wag the dog“. Darin ist der amerikanische Präsident in einen Sexskandal verwickelt und um die Medien abzulenken wird ein Krieg mit Albanien vom Zaun gebrochen. Das erinnert sehr an Bill Clinton, der auch auf dem Höhepunkt der Lewinsky „Blue Dress“-Affäre serbische Stellungen im Balkankrieg bombardieren ließ.

Nun haben wir 2020 und Donald Trump ließ mal kurzerhand ein paar gezielte Raketen auf ein iranisches „Target“ in Bagdad abfeuern, den „schlimmsten Terroristen“, wie er es umschreibt. Und das im Alleingang, ohne den Kongress zu informieren, zumindest nicht die Demokraten, die eigentlich in solch eine Entscheidung eingebunden werden sollten. Damit brachte er die Welt einen Krieg näher, entzündete eine weitere Lunte in der Region und erteilte dem Anliegen Frieden zu schaffen einen Bärendienst. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Man kann nur rätseln und hoffen, dass es da in Teheran und in Washington noch ein paar kluge Köpfe gibt, die Hinterzimmerdiplomatie verstehen.

Interessant ist bei diesem gezielten US Anschlag, dass Donald Trump sich gerade in einem Impeachment Verfahren befindet, dazu kocht der Wahlkampf hoch und immer mehr Details über Trump und seine Geschäfte kommen ans Licht. Da erscheint es schon sehr seltsam, dass Trump selbst seinem Vorgänger Barack Obama 2011 und 2012 in mehreren Tweets vorwarf, einen Krieg mit dem Iran beginnen zu wollen, um seine Wiederwahl zu garantieren. Man kratzt sich in den USA nur noch am Kopf über das, was hier gerade passiert. Verstehen kann das niemand mehr.

Wohin, mein Amerika?

Adventszeit in Amerika. Von Friede, Freude, Eierkuchen keine Spur. Die amerikanische Gesellschaft ist tief gespalten, keine Aussicht auf Verbesserung. Ganz im Gegenteil. Die USA gehen 2020 in ein Wahljahr, dass die tiefen Gräben noch weiter verbreitern wird.

Hier ein Präsident, der von seinen Unterstützern blind verteidigt wird. Der deutlich macht, dass er nicht der Präsident aller Amerikaner ist, sondern nur für jene, die ihn politisch unterstützen und ihm huldigen. Dort die Demokraten, die alles aus dem Weißen Haus ablehnen, die Schwierigkeiten haben, mit einem Donald Trump und seinem Politikstil umzugehen. Einen “Middle Ground”, eine Kompromissbereitschaft, ein aufeinander Zugehen gibt es nicht und wird es auch nicht mehr geben. Die Atmosphäre ist auf Dauer vergiftet.

Die Demokraten streiten sich derzeit darum, wie man in dieses Wahljahr gehen soll, welcher Kandidat, welche Kandidatin sich durchsetzen wird, wie man am besten auf den Erfolg von Donald Trump reagieren soll. Und Trump macht Wahlkampf da, wo er gewinnen kann und muss, in den Swing States und bei seiner Wählerbasis. Er umwirbt das Militär, Farmer und Arbeiter, erzählt die Mär von der historischen Größe Amerikas, vom internationalen Respekt für die USA, von “Win, Win, Win” und spaltet damit die Nation nur weiter. Und nun versucht er erneut den Schulterschluss mit der Christlichen Rechte, den Fundamentalisten, die mit Trump all ihre christlichen Überzeugungen über den Haufen geworfen haben. Sie erkennen in ihm den Retter der Nation, der aus Amerika “God’s Country” machen wird, den von Gott Gesandten, wie es führende Evangelikale behaupten.

Die USA sind auf einem Weg, der 2020 eine fatale Entwicklung machen wird. Ich weiß, ich wiederhole mich mit dem, was ich hier schreibe, vor was ich warne. Aber auf Amerika kommen schwierige Zeiten zu, egal wie die Wahl am 3. November ausgehen wird. Wird Trump wiedergewählt, dann wird das wohl auch eine Mehrheit der Republikaner im Kongress bedeuten. Der Präsident könnte losgelöst mit seiner Partei vier weitere Jahre ungehindert schalten und walten. Die Folgen für die Umwelt, den Klimaschutz und den amerikanischen Sozialstaat wären tiefgreifend und folgenschwer. Die internationale Gemeinschaft würde auf vielen Ebenen getestet werden. Falls Trump nicht wiedergewählt werden würde, dann ist die große Frage, ob er einfach und geordnet abtreten würde, was nicht wahrscheinlich ist. Wie man Trump in diesen letzten vier Jahren kennenlernen konnte, wird er wohl eine Verschwörung wittern, vom “Deep State” sprechen und seine Basis wird das nur zu gerne glauben und annehmen. Und das ist gefährlich in einem schwergewaffneten Land, in dem Extremisten mittlerweile aus der Mitte der Gesellschaft zuschlagen.

Mutterschaftsurlaub gegen Krieg der Sterne

Republikaner und ihr Präsident Donald Trump jubeln und auch die Demokraten und ihre Sprecherin im Abgeordnetenhaus Nancy Pelosi sind begeistert. Zumindest größtenteils. Der Kongress hat einen 738 Milliarden Dollar umfassenden Militärthaushalt verabschiedet, dazu die Gründung des sogenannten „Space Corps“, der neuen Weltraumeinheit des amerikanischen Militärs. Mit 377 zu 48 Stimmen wurde der Antrag im Parlament durchgewunken. Die Demokraten bekamen dafür 12 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub für alle Bediensteten im Öffentlichen Dienst. Ein Kuhhandel, wie viele finden.

Die wenigen Gegenstimmen kamen vom linken Flügel der Demokraten, die erklärten, dass dieser Pakt schlichtweg ein ganz schlechter für die eigene Partei sei, denn wie solle man die hohen Militärausgaben vor der eigenen Basis verteidigen. Vor allem auch, da Donald Trump sich den verlängerten Mutterschaftsurlaub umgehend selbst auf die Fahnen schrieb, obwohl eigentlich die Demokraten diese Forderung stellten. Trump tweetete: „Wow! Alle unsere Prioritäten haben es in den abschliessenden NDAA (National Defense Authorization Act ) geschafft: Gehaltserhöhung für die Truppen, Erneuerung des Militärs, Bezahlter Mutterschaftsurlaub, Grenzsicherheit und die Space Force!“

Mit Trump ist kein guter Deal zu machen, denn er ist bekanntlich ja immer ein „Winner“. Und da verdreht er auch mal gerne die Tatsachen, die Abläufe, die Verhandlungsgrundlagen, wer was an den Tisch gebracht hat. Aber nun kann er sich als Präsident präsentieren, der die Raumpatrouille eingerichtet hat, gleichzeitig an junge Familien denkt und dafür Mehrheiten im Parlament erzielen konnte. Die Demokraten hingegen stehen als jene da, die den größten Militärhaushalt in der Geschichte der USA abgesegnet und gleichzeit ein neues Wettrüsten im Weltall vom Zaun gebrochen haben.

Die Area 51 wird gestürmt

Alle kann man nicht stoppen. Das zumindest ist die Hoffnung der Facebookgruppe „Storm Area 51“. Rund eine halbe Million Menschen interessiert sich genau dafür, am 20 September dieses Jahres gemeinsan auf das hochgeheime Militärareal zu rennen. Das Ziel ist, endlich Klarheit darüber zu bekommen, ob auf der Air Force Basis tatsächlich Außerirdische festgehalten werden.

Der Eingang zur Area 51. Einfach weiterlaufen ist nicht zu empfehlen.

Eigentlich ist es als Spass gedacht. Denn keiner wird wohl wirklich ernsthaft glauben, die „Nellis Air Force Base“ überrennen zu können. Doch diese Facebookseite hat nun auch viele Alien-Fans und Alien-Gläubige angezogen, die diesen Plan in die Tat umsetzen wollen. Denn, wer am Eingang der „Area 51“ steht, könnte meinen, es ist ein leichtes Unterfangen einfach loszurennen. Denn ein Tor gibt es nicht, auch keinen Schlagbaum, kein Panzer steht da, keine bewaffneten Soldaten patroullieren. Lediglich Warnschilder weisen darauf hin, dass man nicht weitergehen darf. Allerdings ist das Gelände weitläufig gesichert. Bewegungsmelder sind im Sand entlang der Staubstrasse vergraben und kündigen jeden Besucher schon Meilen vor dem eigentlichen Tor an. Dazu kommen Kameras, die jeden Schritt und Tritt genauestens verfolgen.

Auch hat die Air Force bereits erklärt, „Nellis Air Force Base“ sei eine militärische Einrichtung, die gesichert sei. Und eine Sprecherin der amerikanischen Luftwaffe machte unmissverständlich klar: „The U.S. Air Force always stands ready to protect America and its assets.“ Heisst, wer die Warntafeln missachtet, wer wirklich das Projekt „Storm Area 51“ umsetzen will, der kann sich auf was gefasst machen. Wie das nun aussehen würde, falls da wirklich Hunderttausende von Menschen auf einmal loslaufen, das lässt sich wohl nur erahnen. Von daher werde ich mal am 20. September mit Jörg sprechen, der in Rachel, Nevada, direkt am Extraterrestrial Highway lebt. Denn eine halbe Million Menschen wird man nicht einfach übersehen können….und schon gar nicht stoppen können.

„He got, what he wanted“

Donald Trump am 4. Juli. Foto: Reuters.

Er hat das bekommen, was er wollte. So kann man den Auftritt von Donald Trump am 4. Juli vor dem Lincoln Memorial umschreiben. Als ich ihn da stehen sah, dachte ich mir, die Bilder kann sein Publicity Department nicht nutzen, denn jemand hatte vergessen, die Panzerglasscheibe vor ihm abzutrocknen. Donald Trumps Image war für die Fernsehnation hinter einer Regenschicht etwas verschwommen.

Doch am Abend dann wurde ein Video auf Twitter veröffentlicht, das man durchaus in die Kategorie „Propaganda Video“ packen kann. Trump hat genau die Bilder bekommen, die er haben wollte. Er vor dem Lincoln Memorial, Tausende von Menschen, Kampfflugzeuge, Panzer, patriotische Lieder und viele Fahnen. Genau auf solche Images steht Trump, der sich selbst gerne als großen, wenn nicht sogar als den größten US Präsidenten aller Zeiten bezeichnet. Die zahlreichen historischen Ungenauigkeiten in seiner Rede wurden zwar im Nachhinein erwähnt, doch kaum kritisiert. Trump erwähnte am Freitag, der Teleprompter sei ausgefallen, deshalb habe er die Fehler gemacht. Damit ist das auch geklärt.

Bemerkenswert war sicherlich, dass Donald Trump beim eigentlichen Skript der Rede blieb und nicht zu einer großen politischen Abrechnung für seine Basis ausholte. Die war sicherlich erstaunt davon, denn man hatte mit was anderem gerechnet, ja, sogar darauf gehofft. Doch Trump brauchte das an diesem 4. Juli nicht. Ihm genügten die Bilder, die er haben, die er ins Land und um die Welt schicken wollte. Der Präsident vor den nationalen Symbolen, als „Commander in Chief“, als Erklärer der „Greatest Nation“ in der Geschichte der Menschheit. Sein „Salute to America“ war genau so, wie er das seit fast zwei Jahren haben wollte. Der eigentliche Skandal, sein Auftritt überhaupt, die Verschwendung von Steuergeldern für diesen PR-Stunt und für seine republikanischen Großspender, das war ihm wie immer egal. Nun kann man darauf warten, dass Trump schon bald einen erneuten Auftritt für das nächste Jahr ankündigt. Das würde zu ihm passen. Und es wären dann nur noch ein paar Monate vor dem Wahltag. Was wäre da besser als eine vielbeachtete Rede an einem geschichtlichen Ort zu halten?

Wunderbar Together

Während im Weißen Haus jemand sitzt, der einen mehr als kontroversen „America First“ Kurs fährt und damit nicht nur im eigenen Land viele Amerika Freunde vor den Kopf stößt, versucht man im Ausland zu verstehen, wie man am besten auf diese neuen Zeiten reagiert. Deutschland versucht da mit einer Projektreihe gegenzusteuern. „Wunderbar Together“ ist der Versuch, vielen in Amerika deutlich zu machen oder sie vielmehr daran zu erinnern, wie eng die Freundschaft, Verbundenheit, Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland ist.

Das Auswärtige Amt hat dafür ein Deutschlandjahr in den Vereinigten Staaten ausgerufen. Überall im Land wird daran erinnert, was uns verbindet. Viel Geld wird in diesen 12 Monaten ausgegeben und die Projekte reichen von gemeinsamen Festen über Ausstellungen, Konzerte, Konferenzen bis hin zu Radiosendungen mit Musikthemen, wie ich sie derzeit produziere.

Den Anfang macht eine Sendung über „American Forces Network“, AFN. Der Sender der amerikanischen Streitkräfte war für viele in Deutschland sehr prägend. Die Musik, die gespielt wurde, war anders als das, was wir auf den öffentlich-rechtlichen Frequenzen zu hören bekamen. Rock, Blues, Jazz, Country, Funk und R&B, AFN überzeugte durch eine ganz andere Musikauswahl. Auch die DJs moderierten anders, lockerer, als ihre deutschen Kollegen auf den damals noch steifen ARD-Kanälen. Und über die zahlreichen lokalen AFN-Stationen in Deutschland konnte man auch sein Englisch etwas aufpolieren. Ich hörte damals in den 80ern viel AFN-Nuremberg, der aus dem „Bavarian American Hotel“ gegenüber vom Hauptbahnhof sendete. In meinen Jahren bei Radio Gong Nürnberg konnte ich erst über den Umzug von Nürnberg nach Fürth berichten und später dann, beim Abzug der US Army aus dem Großraum Nürnberg, die Verlegung von AFN nach Vilseck. Dort wurde AFN-Nuremberg schließlich zu AFN-Bavaria. Ein wichtiges Kapitel in der mittelfränkischen Radiogeschichte wurde damit beendet.

AFN war (und ist) ein Sender für das US Militär. Doch „American Forces Network“ hatte eine riesige „Shadow Audience“ – Germans. Und darum geht es in dieser Sendung, den Einfluss dieser Radiostation und ihrer vielen Shows und DJs auf eine dankbare deutsche Hörgemeinschaft.

Und hier kann man die Sendung hören:

„Wunderbar Together – AFN and it’s huge impact on Germany“