Da waren es nur noch 15

Da war die Stimmung im Kamala Harris Lager noch gut.

Nun also doch. Vor ein paar Wochen hatte ich schon geschrieben „Kamala Harris solte aufgeben“, anscheinend hat es mit der Übersetzung etwas gedauert. Nun hat die US Senatorin von Kalifornien aufgegeben. Sie ist die dritte PräsidentschaftskandidatIn, die in den letzten Tagen aus dem Rennen um die Kandidatur ihrer Partei ausgestiegen ist. Zuvor schon hatten Montanas Gouverneur Steve Bullock und der frühere Kongressabgeordnete Joe Sestak die Reissleinen gezogen.

Kamala Harris war mit viel Aufmerksamkeit gestartet. Vor 22.000 Anhängern verkündete sie im Januar in Oakland, dass sie Präsidentin werden will. Es war ein Auftakt nach Maß. Dutzende von Medienvertretern, Live-Fernsehberichte und eine mitreißende Kandidatin ließen hoffen. Doch in den Wochen darauf verkündeten mehr und mehr Kandidaten und Kandidatinnen ihre Absicht Donald Trump aus dem Weißen Haus zu werfen. Kamala Harris ging mit ihrer Message und ihrem Charisma im weiten Anwärterfeld schlichtweg unter. In all den Monaten konnte sie nicht zum Spitzentrio aufschließen, weder auf nationaler Ebene noch in einigen der frühen Vorwahlstaaten.

Nun ist sie draußen, in einer Erklärung hieß es, sie habe nicht genug Geld in ihrer Wahlkampfkasse, um weiter zu machen. Das ist mehr als schade, denn Harris, eine Vertraute von Barack Obama, hätte die Reihen der Demokraten einen können. Unter anderen Umständen wäre sie die richtige Kandidatin gewesen, aber die Demokraten schwächen sich gerade selbst mit einer Armee von Überegos, die alle glauben, Donald Trump besiegen und das Land wieder zusammenführen zu können. 15 Frauen und Männer der Demokraten sind es nun noch immer, die ins Oval Office wollen. Man kann nun gespannt darauf sein, was Harris mit ihrer neuen Rolle anfangen wird. Zumindest wird sie im US Senat wieder als lautstarke Kritikerin dieses Präsidenten in Erscheinung treten.

An einem Tag im Jahr Danke sagen

Amerika rückt an diesem einen Tag zusammen. Es ist Thanksgiving, Highways, Flughäfen, Bus- und Bahnstationen sind überfüllt. Viele wollen nach Hause, zu ihren Eltern, ihren Familien. Am Abend wird gemeinsam gegessen, getrunken, gefeiert. Und auch Danke gesagt. Für was, das ist ganz unterschiedlich.

Aber Thanksgiving ist in diesen Tagen auch politisiert worden. Natürlich von Donald Trump, der erst bei der alljährlichen Begnadigung eines Truthahns im Rose Garden des Weißen Hauses ein paar Breitseiten gegen die Demokraten abfeuerte, um dann auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida zu erklären, es gebe in diesem Land Leute, die „Thanksgiving“ umbenennen wollten. Aber nicht mit ihm. Wer diese Leute sein sollen, sagte er nicht. Klar, auch dieser Schuss ging Richtung Demokraten.

Truthahnfreies Thanksgiving Dinner.

Thanksgiving ist eigentlich ein schöner Feiertag. Man kommt zusammen, isst gemeinsam, unterhält sich, denkt auch mal darüber nach, für was man eigentlich dankbar sein sollte. Die Läden haben geschlossen, eine Kommerzialisierung dieses Festtages gibt es nicht. Familie, Freunde stehen im Mittelpunkt. Aber es ist auch ein Tag, an dem es oftmals zu Gewalt kommt. Häusliche Gewalt, Streitereien und die haben wohl zugenommen, in einem Land, das politisch mehr als gespalten ist. In einigen Häusern wurden deshalb vorweg klare Regeln gesetzt. Keine Diskussionen über Religion und Politik. Gerade letzteres führt im Trump-Zeitalter zu mehr als hitzigen Debatten.

Es ist nicht leicht in diesen Tagen überhaupt das Gespräch mit Trump Anhängern, Trump Begeisterten, Trump Jüngern zu führen. Ich hatte in den letzten Jahren mehrmals die Erfahrungen gemacht, dass mir Leute klipp und klar gesagt haben, über Politik und Trump wollen sie nicht sprechen, das führe zu nichts. Manche konnte ich überzeugen, dass ich gerne mit ihnen diskutieren würde, einfach um zu erfahren, wie sie ticken. Ich sage dann meistens, dass ich in der San Francisco Bay Area auf einer politischen Insel lebe, in der Donald Trump bei der Wahl 2016 in Städten wie Oakland oder Berkeley gerade mal ein paar Prozentpunkte erhalten hat. Deshalb würde ich gerne einfach die andere Seite hören und für mich zählt am Ende sowieso „I can agree to disagree“.

Solche Gespräche gehen mit Fremden. Man kommt, sitzt zusammen, geht wieder. Schwierig ist das, wenn solche politischen Gräben durch Familien und Freundschaften gehen. Hier in den USA habe ich das bislang noch nicht erleben müssen, wie gesagt, ich lebe auf einer politischen Insel. In Deutschland hingegen kenne ich Leute, die die AfD unterstützen, keine engen Freunde, aber langjährige Bekannte. Wie soll man damit umgehen? Kontakte abbrechen, ignorieren oder die Auseinandersetzung suchen?

Doch zurück zu Thanksgiving, ein Tag, dessen Bedeutung ich als Zugezogener und Neu-Amerikaner erst einmal über die Jahre kennenlernen musste, doch den ich mittlerweile gerne auch zum Nachdenken, zum Reflektieren nutze. Es ist ruhig draußen. Dankbar bin ich für viele Menschen in meinem Leben, für vieles was ich gesehen, erlebt, erfahren durfte. Und ich bin gespannt, wie ich am nächsten Thanksgiving auf das zurück blicken werde, was 2020 alles passiert ist.

Kamala Harris sollte aufgeben

Oakland feierte noch im Januar Kamala Harris. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Im Januar stand ich mit Dutzenden von Reportern und etwa 15.000 begeisterten Wählerinnen und Wählern vor dem Rathaus in Oakland. Die Polizei hatte den Innenstadtbereich weitgegehend abgesperrt. Lange Schlangen von Menschen wurden an den Kontrollpunkten kontrolliert. News Helikopter drehten ihre Kreise über der Menge. Überall wehten amerikanische Fahnen. Die kalifornische Senatorin Kamala Harris wurde schon lange vorher, auch von mir, als mögliche Präsidentschaftskandidatin gehandelt.

Und an diesem sonnigen Sonntag machte Harris die Dinge klar. Erst sang ein Gospel Chor eine mitreissende Variante der Nationalhymne, dann kündigte Oaklands Bürgermeisterin Libby Schaaf Oaklands „Native“ und „neue und erste Präsidentin der Vereinigten Staaten“ an. Harris Auftritt und Eintritt in das Rennen um das Weiße Haus wurde vielbeachtet und gefeiert. In den Umfragen stand sie auf einmal hinter Bernie Sanders, Elizabeth Warren und Joe Biden, der damals seine Kandidatur noch nicht verkündet hatte, doch schon mit einem Bein im Rennen stand. Harris galt als Hoffnungsfigur.

Ein Dreivierteljahr später ist von dieser Welle der Begeisterung nicht mehr viel zu spüren. Kamala Harris sackte in den Umfragen immer weiter ab und ist nun nur noch eine von vielen in diesem Wettkampf der Demokraten. Eine ernstzunehmende Chance doch noch die Krönung ihrer Partei zu erhalten, hat sie nicht mehr. In den Bundesstaaten, die früh wählen und damit richtungsweisend sind, Iowa und New Hampshire, liegt sie mit drei bzw. einem Prozent weit abgeschlagen. US weit sehen die Meinungsforscher sie bei hoffnungslosen 5,3 Prozent.

Sie ist nur eine von etlichen Kandidatinnen und Kandidaten, die eigentlich jetzt aus dem Rennen ausscheiden sollten, denn es geht in dieser Wahl nicht um Köpfe, nicht um politische Differenzen und Ideen in der Partei der Demokraten, es geht einzig und allein darum gegen Donald Trump zu gewinnen. Ein endloser und teurer Vorwahlkampf der Demokraten bringt da gar nichts, denn klar ist auch, je näher wir den Wahltagen kommen, wird die Stimmung aufgeheizter und der Ton schärfer. Gewinner bei diesem täglichen verbalen Aufeinanderprügeln wird einzig und allein Donald Trump sein, dem es nur recht wäre, dass sich die Demokraten gegenseitig verwunden. Von daher, macht Schluß mit diesen unsinnigen Vorwahlkämpfen und konzentriert Euch auf das, was wichtig ist. Auf das, was für jeden Demokraten, egal ob mit Parteizugehörigkeit oder ohne, das einzige Ziel sein sollte – die Abwahl des gefährlichsten amerikanischen Präsidenten aller Zeiten. Denn Donald Trump hat in nur wenigen Jahren diese Demokratie aus den Angeln gehoben, die Grundfesten der Gesellschaft und der Demokratie unterminiert. Schlimmer noch, er hat die Spaltung der Nation mit Vollkraft vorangetrieben, eine alternative Realität erschaffen, in der man nun von einem Trump-Kult sprechen kann. Vier weitere Jahre unter Trump können sich die Vereinigten Staaten von Amerika nicht leisten. Und auch der Rest der Welt könnte endlich wieder aufatmen.

Geschichte leben

Am kommenden Freitag beginnt in Oakland die Ausstellung „Berlin Wonderland“. Dafür habe ich drei Audio Beiträge über das Jahr 1989 produziert, die Geschichte eines ganz besonderen, deutschen Jahres. Von der zarten Hoffnung auf Veränderung, von den Ausreisewilligen über Ungarn und Prag, von der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking, den Leipziger Montagsdemonstrationen, der großen Protestveranstaltung am 4. November auf dem Alexanderplatz und schließlich dem Fall der Mauer.

Berlin, Oakland und zurück.

Das alles ist nun 30 Jahre her und alles noch so gegenwärtig. In der Erinnerung und auch in der Realität. Und beim Produzieren dieser Beiträge kam mir so, dass ich nur 23 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geboren wurde. Nach der größten menschlichen und folgenreichsten Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Und mit diesem Gedanken kamen da viele Fragen und Bilder. Die Probleme im Osten nach der Wiedervereinigung, die Arbeitslosigkeit, die politische und soziale Neuausrichtung waren immens. Doch was war nach 1945 als Deutschland in Schutt und Asche lag, als Täter, Mitläufer und Opfer nebeneinander leben mussten?

Ich erinnere mich an die Geschichten meiner Oma in Dortmund, die oftmals über Nachbarn und Bekannte erzählte. Nicht selten fielen da Beschreibungen wie „der war ein strammer Nazi“ und „der war 150prozentig für Hitler“. Deutschland nach dem Krieg, zerbombt, verarmt, schuldig. Wie ging man mit dieser Schuld um, wenn es um einen Neuanfang ging? Ich weiss, der Schlussstrich wurde oftmals verfrüht gezogen. Und dennoch frage ich mich, wie Täter und Mitläufer im Dritten Reich danach damit umgingen, wie man da einfach Tür an Tür leben konnte, so als ob nichts geschehen war? Ja, ich habe viel darüber gelesen, über die belastete Justiz und die einstigen Nazigrößen in den Hörsälen der Republik. Ich habe auch am Anfang meiner Radiolaufbahn bei Radio Z über den Erfolgsautor Herbert Reinecker berichtet, der bis zum Schluss vom Blut und Boden schwafelte und die Jugend noch 1945 an die Waffen rief, um dann kurz darauf in der Bundesrepublik eine Traumkarriere mit seinem Derrick, dem Traumschiff, Jakob & Adele und vielen anderen Unterhaltungsstories hinzulegen. Ein typisches Beispiel in einer schnell vergessenden Nachkriegsgesellschaft.

30 Jahre nach dem Mauerfall denke ich an 1989, wie ich dieses Jahr in Freiberg, Sachsen, erlebt habe. Und es ist gegenwärtig, ich kann mich sogar noch an den Geruch im Ergebirge erinnern. Meine Erinnerungen sind harmlos, ich bin froh darüber, dass ich dieses Jahr, den Umbruch, die Hoffnung, die Anspannungen, das friedliche Ende miterleben durfte. Und doch frage ich mich gerade, was die Schuld nach 1945 mit den Deutschen gemacht hat, wie sehr auch mich das alles geprägt hat?

Das Feuer wird politisch

Ein Fake Bild vom Präsidenten verbreitet.

Kalifornien brennt weiter, ein Ende ist noch nicht in Sicht. In der Nähe der Ronald Reagan Library in Simi Valley ist ein weiteres Großfeuer ausgebrochen. Donald Trump tweetet gar nichts zu der ungebremsten Katastrophe in Kalifornien, er verbreitet lieber ein billig bearbeitetes Foto, das ihn und den Hund zeigt, der im Anti-Terror Einsatz Abu Bakr al-Baghdadi gejagt haben soll. Darauf hängt Trump dem Hund einen Orden um. Darüber schreibt der Präsident „American Hero“. Ein gefaktes Foto von einem Mann, der tagtäglich gegen die „Fake News“ wettert. Interessant sind vor allem die witzigen Kommentare unter diesem präsidialen Tweet. Einer schreibt, Trump müsse sich in das Bild „photoshoppen“, denn der Hund würde ihm sonst in seine „kleinen Hände“ beißen.

Kalifornien interessiert da nicht, darum kümmert sich nun sein Haussender FoxNews. Dort wird erklärt, dass die Klimaschützer und die linken Horden für die Flächenbrände verantwortlich seien, denn die verhinderten eine sinnvolle Umweltschutzpolitik und sinnvolle Brandprävention. Da wird dann auch noch das Energieunternehmen PG&E zum Opfer gemacht. Der arme Konzern würde ja so gerne „fire protection“ durchführen, aber das würde immer wieder verhindert werden.

Unterdessen sind noch immer Hunderttausende ohne Strom. 100.000 Menschen können in Sonoma County noch immer nicht zurück in ihre Häuser, im Süden fliehen die Menschen vor den Flammen. Die öffentlichen Parks in meiner Gegend sind noch immer aufgrund der extremen Feuergefahr gesperrt. Bei mir gingen zum Glück die Lichter wieder an. Langsam kehrt der Alltag in diesem Teil des Bundesstaates zurück. Aber die Spuren der Feuerwalzen werden noch lange zu sehen sein.

Kleines Update aus Nordkalifornien

Mehr als 4000 Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen. Foto: AFP.

Das Kincade Feuer ist weiter gewachsen und dennoch sind die „Fire Fighters“ optimistisch. Seit gestern morgen, nachdem die heftigen Winde etwas abgeflaut waren, konnten einige wichtige Schneisen errichtet, einige kontrollierte Gegenfeuer gelegt werden. Derzeit sind etwa 15 Prozent des Feuers unter Kontrolle. Man hofft, die Brände bis zum 7. November ganz gelöscht zu haben. Betroffen ist nach wie vor eine Fläche in der Größe von Nürnberg, Fürth und Erlangen. Die große Frage ist derzeit, wie sich die heftigen Winde auf die Brände auswirken werden, die heute Abend erwartet werden. Die kommenden 24 Stunden werden alles entscheidend sein.

Tausende von Einsatzkräften sind vor Ort, einige Evakuierungsmaßnahmen wurden aufgehoben, Tausende Anwohner können wieder in ihre Häuser zurück. Ein Funken Hoffnung gibt es. Dennoch sind nach wie vor Hunderttausende in der Region ohne Strom. Zwar wurden gestern viele Haushalte wieder ans Netz angeschlossen – mein Haus und meine Nachbarschaft blieb allerdings „dark“ – doch für heute Abend ist bereits die nächste massive und weitreichende Stromabschaltung in Nordkalifornien angekündigt worden. Das würde bedeuten, dass ich dann wohl erst am Freitag wieder Strom zu Hause haben werde.

Die Brände in Sonoma County sind auch hier in Oakland, nahezu 100 Kilometer entfernt, deutlich zu spüren. Eine dicke Rauchwolke hängt in der Luft, schon nach kurzer Zeit im Freien bekommt man Kopfschmerzen. Dennoch werde ich gleich mal mit meinem Hund losgehen, nutzt ja nichts, mal sehen, ob ich irgendwo einen Zugang zum Waldgebiet in meiner Gegend finde, der nicht wegen Feuergefahr gesperrt ist.

330 Brände in 20 Stunden

Mit kontrollierten Feuerschneisen gegen den Flächenbrand. Foto: AFP.

Warum fällt mir gerade in so einer Situation diese olle Textzeile aus einem NDW-Klassiker ein „es brennt so gut, bald sieht man nur noch Glut…“. Kalifornien brennt, am Montagmorgen gab Gouverneur Gavin Newsom bekannt, dass innerhalb der letzten 20 Stunden 330 Brände bekämpft wurden. In der Nacht auf Montag nahm das Ausmaß des Kincade Fires in Sonoma County noch einmal zu. Die eineinhalbfache Fläche von Nürnberg ist nun betroffen, gerade mal 5 Prozent sind unter Kontrolle.

Und in Los Angeles, in der Nähe des Getty Centers, ist auch ein Großfeuer ausgebrochen. Im nahegelegenen Brentwood mussten u.a. Arnold Schwarzegger und LeBron James ihre Häuser verlassen. Die Flammen machen vor niemandem Halt. Unterdessen wächst der Ärger über den Stromversorger PG&E, der weder einen klaren Plan, noch glaubwürdige Informationen zu haben scheint, wann der Strom für Hundertausende Haushalte wieder angestellt wird. Dazu kommt, dass das mangelhafte Equipment des Unternehmes etliche der Feuer entfachte. Nach dieser Krise stehen viele offene Fragen im Raum.

Die Winde haben heute etwas nachgelassen, doch das heisst nicht, dass die Lichter wieder angehen. Morgen sollen, so die Meteorologen, erneut heftige Stürme auf uns zu kommen. Die Frage also ist, ob PG&E einfach den Schalter unten läßt, bis auch diese neuen Lüftchen vorbeigezogen sind, oder ob man zwischenzeitlich versucht einige der Haushalte wieder mit Strom zu versorgen. Außerdem muss, so das Unternehmen, jede Stromleitung noch vor dem Einschalten begutachtet werden. Noch Fragen?

Unterdessen kämpfen rund 4000 Feuerwehrleute in Sonoma gegen die Flammen, darunter auch etliche Trupps aus benachbarten Bundesstaaten. Die Krise ist hausgemacht, dass habe ich an dieser Stelle schon mehrmals geschrieben. Dazu kommt der Klimawandel, der in Kalifornien deutlich zu spüren ist, auch wenn an der anderen Küste im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der den „Climate Change“ als „Hoax“, als Schwindel und als von Chinesen erfunden bezeichnet. Schwierige Zeiten hier in den USA und in Kalifornien, die Nachrichtenlage überschlägt sich tagtäglich. Man kann nur auf einen einigermaßen guten Ausgang hoffen.

Und der Strom ist weg

Gestern Abend dann um kurz nach 23 Uhr gingen die Lichter aus. Das sind die USA, das ist Kalifornien, das ist die vielgepriesene High Tech Gegend um das Silicon Valley herum. Drei Millionen Menschen seien von diesem „Black Out“ betroffen, wird berichtet. Und ich bin einer davon. Bei mir heißt das nun nicht nur keinen Strom im Haus zu haben und das für bis zu 48 Stunden, nein, auch die Cell Phone Towers wurden wohl abgestellt, telefonisch bin ich also auch nicht erreichbar, auch kein Internet, um mal zu sehen, wie die allgemeine Lage im brennenden Sonoma oder im stromlosen Oakland ist.

Auch aus dem Auto läßt es sich bloggen.

Gerade sitze ich im Auto rund fünf Kilometer von meinem Haus in den Oakland Hills entfernt. Hier ist die mobile Verbindung einigermaßen gut, also versuche ich mein Feature-Skript über den Hotspot rauszuschicken. Mit der Produktion morgen wird es dann wohl nichts werden. Ohne Strom läuft kein Mischpult, kein Computer, kein Mikrofon. Soviel zu Amerika im Jahr 2019.

Falls man mir anmerkt, dass ich einen dicken Hals habe. Stimmt, den habe ich. Und ja, es könnte schlimmer sein, wenn ich nur an die Brände in Sonoma denke. Die Bilder sind verheerend, mehrere Freunde mussten gestern Abend noch evakuieren, einiges schnell zusammenpacken und raus. Weite Teile des Bezirks sind nun leer, das Feuer konnte bislang nur zu etwa 11 Prozent unter Kontrolle gebracht werden. Am Abend und in der Nacht nahmen die Winde wieder zu, bis zu 90 Meilen pro Stunde nahmen sie Geschwindigkeit auf. Und einzelne Funken können da bis zu zwei Meilen weit mitgetragen werden und an ganz anderer Stelle neue Brandherde entstehen lassen.

Die Situation hier ist kritisch, angespannt, surreal und auch hausgemacht. Kalifornien ist ausgedorrt, der Klimawandel ist deutlich zu spüren. Dazu noch eine vealtete Infrastruktur und ein Stromversorger, der in den letzten Jahren mehr an seine Aktionäre gedacht hat, als an Investitionen in das eigene Netzwerk. Wer mir in den kommenden Monaten nochmal damit kommt, dass das hier „the best nation on earth“ ist, der soll sich warm anziehen. Derzeit reihe ich die USA in eine Liste mit Puntland, Ruanda, Kongo, Tschad, Niger und Sudan ein, denn überall dort, in diesen Entwicklungsländern, habe ich Stromausfälle erlebt. Also nichts mehr mit „America First“, eher wohl, zumindest in bestimmten Bereichen, „America Last“.

Ein Flammenmeer im Wine Country

Das „Wine Country“ brennt. Foto: AFP.

Es brennt im Wine Country. Gerade kam die Nachricht, dass nun Geyserville, Windsor und auch die Kleinstadt Healdsburg evakuiert werden. Das Kincade Fire ist auf eine Größe von zweimal Fürth angewachsen und kein Ende ist in Sicht. Heute Abend rechnen die Einsatzkräfte mit weiteren kräftigen Winden mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Deshalb wurden nun die weiteren und weitreichenden Evakuierungen angeordnet. Denn klar ist, wenn das Feuer weiter wächst wird der Freeway 101 gesperrt werden, dann wäre eine geordnete Evakuierung schwierig, wenn nicht sogar zu spät.

Bislang sind gerade mal zehn Prozent der Flammen unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte kämpfen gegen Windmühlen, derzeit geht es noch immer nur darum, Menschen und auch Tiere zu retten, schnell zu evakuieren, einige gezielte Gegenbrände zu legen. Todesopfer sind bislang noch nicht zu beklagen.

Und wieder mal deutet viel darauf hin, dass PG&E für das Feuer verantwortlich ist. Kaputtes Equipment an einem Strommast soll Funken geworfen haben, genau dort, wo die ersten Flammen gemeldet wurden. Nun will der Stromlieferant zeitgleich zum Brand in Sonoma County Hundertausenden von Kunden den Strom abschalten. Insgesamt sollen dabei mehr als zwei Millionen Menschen betroffen sein. Auch bei mir und das nicht nur über Nacht, bis zu 48 Stunden sollen hier ab heute Abend die Lichter aus bleiben. Und damit Computer, Herd, Kühlschrank und so weiter. Nicht gerade rosige Aussichten für jemanden, der von zu Hause arbeitet und gerade an einem 30 Minuten Feature sitzt, das ich nicht mit Kleber und Schere zusammen basteln kann. Da taucht bei mir immer wieder die Frage auf, was ich eigentlich in diesem Dritte-Welt-Land mit seiner katastrophalen Infrastruktur mache. Ich lebe in einer Gegend, die als High Tech Schmiede gilt, von der neue Impulse ausgehen. Und was passiert hier, sie schalten den Strom ab, weil der Wind bläst. Das nicht zum ersten Mal, es ist ein hausgemachtes Problem. Meine Güte, verbuddelt die Kabel endlich und gut ist.

Leben mit Wildtieren

Da ist also mal wieder ein Bär in Bayern unterwegs. In den Zeitungen steht es und auch Deutschlandfunk berichtet im täglichen Podcast „Der Tag“ von Meister Petz, der nun von einer Wildtierkamera geblitzt wurde. Warum aber eigentlich die Aufregung?

Hier in Kalifornien ist es ganz normal, dass man auf wilde Tiere stößt. In meiner Nachbarschaft leben Stinktiere und Waschbären, Coyoten laufen einem über den Weg und oft genug hört man sie heulen. Hin und wieder wird ein Berglöwe oder Puma gesichtet, Warnschilder an den Parks warnen vor Klapper- und anderen Schlangen. Wenn ich in den Süden fahre, kann man im Hochzommer handtellergroße Spinnen auf dem Highway sehen und ja, auch Bären haben schon mehrmals meinen Weg gekreuzt. In Michigan, wo ich hin und wieder mal bin, sind Wölfe daheim. Auch die hört man, einmal hatte ich das Glück einen aus der Ferne zu sehen.

Ein Braunbär nach seiner Behandlung. Seine Pfoten wurden auf der Flucht vor den Flammen des Thomas Fires verletzt. Foto: California Department of Fish and Wildlife.

Nach dem Thomas Fire im südkalifornischen Ojai kamen die Bären aus dem Los Padres National Forest ins Tal. Erst flohen sie vor den Flammen, dann war klar, oben in den Bergen gab es nicht mehr genug Nahrung. Also machten sie sich da breit, wo es was zum Essen gab. Die Braunbären kamen auf den Geschmack, ließen sich auf den Citrusplantagen die Avocados und die Orangen schmecken und blieben. Noch immer kann man morgens neben den Bäumen eindeutige Spuren finden. Die Verdauung nach dem Orangenverzehr scheint bei Bären schnell zu gehen.

Als Problembär, Problemcoyote, Problemwolf bezeichnet eigentlich niemand die Tiere, es sei denn es kommt zu unmittelbaren Kontakten mit Menschen. Hier bei mir in Oakland warnen Nachbarn, wenn sie einen Coyoten gesehen haben, dass man besser seine Katzen ins Haus, kleinen Hunde oder auch Hühner in Sicherheit bringen sollte. Vor einigen Wochen war ich mal wieder mit meiner Käthe im East Bay Regional Park unterwegs. Irgendwann verschwand sie im Gebüsch und ich sah etwas weiter vorne weghuschen. Ich rief sie und sie kam auch und dann ging das Konzert los. Anscheinend hatte sie die Fährte eines Muttertieres aufgenommen, die Coyotin rannte dann los, um meine Käthe von ihren Jungtieren abzulenken, was auch klappte. Doch die jungen Coyoten fingen dann an zu heulen, die Mutter antwortete, die Jungen hörten nicht auf. Ein hin und her entstand. Ich stand dann für gut zehn Minuten auf dem Weg, hatte Käthe an der Leine und hörte mir das in Ruhe an. Erst am Auto fiel mir ein, dass ich diesen einmaligen Naturgesang eigentlich hätte aufnehmen sollen…na ja, hätte, hätte Fahrradkette. So lebt es sich zumindest hier und ich muss sagen, ich bin begeistert davon, dass es hier noch wilde Tiere gibt.