Wohin, mein Amerika?

Adventszeit in Amerika. Von Friede, Freude, Eierkuchen keine Spur. Die amerikanische Gesellschaft ist tief gespalten, keine Aussicht auf Verbesserung. Ganz im Gegenteil. Die USA gehen 2020 in ein Wahljahr, dass die tiefen Gräben noch weiter verbreitern wird.

Hier ein Präsident, der von seinen Unterstützern blind verteidigt wird. Der deutlich macht, dass er nicht der Präsident aller Amerikaner ist, sondern nur für jene, die ihn politisch unterstützen und ihm huldigen. Dort die Demokraten, die alles aus dem Weißen Haus ablehnen, die Schwierigkeiten haben, mit einem Donald Trump und seinem Politikstil umzugehen. Einen “Middle Ground”, eine Kompromissbereitschaft, ein aufeinander Zugehen gibt es nicht und wird es auch nicht mehr geben. Die Atmosphäre ist auf Dauer vergiftet.

Die Demokraten streiten sich derzeit darum, wie man in dieses Wahljahr gehen soll, welcher Kandidat, welche Kandidatin sich durchsetzen wird, wie man am besten auf den Erfolg von Donald Trump reagieren soll. Und Trump macht Wahlkampf da, wo er gewinnen kann und muss, in den Swing States und bei seiner Wählerbasis. Er umwirbt das Militär, Farmer und Arbeiter, erzählt die Mär von der historischen Größe Amerikas, vom internationalen Respekt für die USA, von “Win, Win, Win” und spaltet damit die Nation nur weiter. Und nun versucht er erneut den Schulterschluss mit der Christlichen Rechte, den Fundamentalisten, die mit Trump all ihre christlichen Überzeugungen über den Haufen geworfen haben. Sie erkennen in ihm den Retter der Nation, der aus Amerika “God’s Country” machen wird, den von Gott Gesandten, wie es führende Evangelikale behaupten.

Die USA sind auf einem Weg, der 2020 eine fatale Entwicklung machen wird. Ich weiß, ich wiederhole mich mit dem, was ich hier schreibe, vor was ich warne. Aber auf Amerika kommen schwierige Zeiten zu, egal wie die Wahl am 3. November ausgehen wird. Wird Trump wiedergewählt, dann wird das wohl auch eine Mehrheit der Republikaner im Kongress bedeuten. Der Präsident könnte losgelöst mit seiner Partei vier weitere Jahre ungehindert schalten und walten. Die Folgen für die Umwelt, den Klimaschutz und den amerikanischen Sozialstaat wären tiefgreifend und folgenschwer. Die internationale Gemeinschaft würde auf vielen Ebenen getestet werden. Falls Trump nicht wiedergewählt werden würde, dann ist die große Frage, ob er einfach und geordnet abtreten würde, was nicht wahrscheinlich ist. Wie man Trump in diesen letzten vier Jahren kennenlernen konnte, wird er wohl eine Verschwörung wittern, vom “Deep State” sprechen und seine Basis wird das nur zu gerne glauben und annehmen. Und das ist gefährlich in einem schwergewaffneten Land, in dem Extremisten mittlerweile aus der Mitte der Gesellschaft zuschlagen.

Mutterschaftsurlaub gegen Krieg der Sterne

Republikaner und ihr Präsident Donald Trump jubeln und auch die Demokraten und ihre Sprecherin im Abgeordnetenhaus Nancy Pelosi sind begeistert. Zumindest größtenteils. Der Kongress hat einen 738 Milliarden Dollar umfassenden Militärthaushalt verabschiedet, dazu die Gründung des sogenannten „Space Corps“, der neuen Weltraumeinheit des amerikanischen Militärs. Mit 377 zu 48 Stimmen wurde der Antrag im Parlament durchgewunken. Die Demokraten bekamen dafür 12 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub für alle Bediensteten im Öffentlichen Dienst. Ein Kuhhandel, wie viele finden.

Die wenigen Gegenstimmen kamen vom linken Flügel der Demokraten, die erklärten, dass dieser Pakt schlichtweg ein ganz schlechter für die eigene Partei sei, denn wie solle man die hohen Militärausgaben vor der eigenen Basis verteidigen. Vor allem auch, da Donald Trump sich den verlängerten Mutterschaftsurlaub umgehend selbst auf die Fahnen schrieb, obwohl eigentlich die Demokraten diese Forderung stellten. Trump tweetete: „Wow! Alle unsere Prioritäten haben es in den abschliessenden NDAA (National Defense Authorization Act ) geschafft: Gehaltserhöhung für die Truppen, Erneuerung des Militärs, Bezahlter Mutterschaftsurlaub, Grenzsicherheit und die Space Force!“

Mit Trump ist kein guter Deal zu machen, denn er ist bekanntlich ja immer ein „Winner“. Und da verdreht er auch mal gerne die Tatsachen, die Abläufe, die Verhandlungsgrundlagen, wer was an den Tisch gebracht hat. Aber nun kann er sich als Präsident präsentieren, der die Raumpatrouille eingerichtet hat, gleichzeitig an junge Familien denkt und dafür Mehrheiten im Parlament erzielen konnte. Die Demokraten hingegen stehen als jene da, die den größten Militärhaushalt in der Geschichte der USA abgesegnet und gleichzeit ein neues Wettrüsten im Weltall vom Zaun gebrochen haben.

Kamala Harris ist wieder da

Auf sie ruhte die Hoffnung der Demokraten. Zumindest für ein paar Wochen, denn als die kalifornische Senatorin Kamala Harris im Januar in Oakland ihre Kandidatur ums Weiße Haus verkündete, jubelten ihr fast 20.000 Menschen zu, Nachrichtenkanäle übetrungen live ihre Rede, Dutzende von Medienvertretern waren vor Ort. Doch Harris war nur kurz vorne mit dabei. Vor wenigen Tagen beendete sie ihre Kandidatur und erklärte, sie wollen sich in Zukunft verstärkt um ihre Aufgabe im Senat kümmern.

Er zieht im Hintergrund die Strippen – Stephen Miller. Foto: AFP.

Und genau das tut sie nun. Kamala Harris führt eine Gruppe von demokratischen Senatoren an, die den Rauswurf von Trump Berater Stephen Miller fordert. Schon seit Beginn der Trump Ära fiel Miller durch seine Anti-Immigranten und seine ausländerfeindlichen Äußerungen auf. Vieles von dem, was er forderte und in Trumps Ohren flüsterte, setzte der Präsident schließlich um. Vor etwa einem Monat veröffentlichte der „Southern Poverty Law Center“ rund 900 Emails von Miller, die er im Dunstkreis seiner Arbeit mit der rechten Medienplattform Breitbart geschrieben hatte. Und daraus, so Harris und die mitunterzeichnenden Demokraten, gehe eindeutig hervor, dass Miller „nicht von der Nationalen Sicherheit (angetrieben werde), sondern von weißer Vorherrschaft – etwas, was in unserem Land, der Bundesregierung und schon gar nicht im Weißen Haus einen Platz haben darf“.

Neben Harris hatten 39 Senatoren der Demokraten, darunter fünf weitere Präsidentschaftskandidaten unterschrieben: Elizabeth Warren (D-Mass.), Cory Booker (D-N.J.), Bernie Sanders (I-Vt.), Amy Klobuchar (D-Minn.) und Michael Bennet. Stephen Miller wird nachgesagt, dass er sowohl für den „Muslim Ban“, also das Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern als auch für die Trennung von Familien an der US-mexikanischen Grenze verantwortlich ist. Das Weiße Haus, allen voran Donald Trump hält weiterhin an dem 34jährigen Miller fest. Die durchaus nationalistischen und rassistischen Töne in den veröffentlichten Emails, seine Bewerbung und Unterstützung faschistischer und extremistischer Redner, Politiker und Literatur wurde bislang vom Weißen Haus nur als „Schmierkampagne“ abgetan. Miller bleibt damit wohl einer der einflussreichsten Berater von Präsident Trump und hat an seiner Schaltstelle radikale Forderungen der amerikanischen Rechte gezielt umsetzen können.

Der lange Tag des Donald Trump

Wenn man sich die Bilder der amerikanischen Präsidenten im Verlauf ihrer Amtszeiten ansieht, dann kann man deutlich erkennen, wie sie altern, graue Haare bekommen, ausgemergelter erscheinen, wie ihnen der Job im Oval Office nahe geht. Das ist verständlich, denn der Tag ist gut durchorganisiert und fängt schon früh an und endet meist spät am Abend. Oftmals werden sie mitten in der Nacht geweckt, da irgendwo auf der Welt eine Krise entsteht, die irgendwie Amerika betrifft. Barack Obama war dazu ein Frühaufsteher, der schon in den Morgenstunden im Gym war, um fit zu bleiben.

Foto: AFP.

Anders ist da der Tag von Donald Trump. Er ist erklärter Gegner von sogenannten „Security Briefings“ seiner Geheim- und Informationsdienste. Er hört nicht so gerne zu, liest auch nicht unbedingt die Berichte und Unterlagen, die ihm vorgelegt werden. Donald Trump verbringt vielmehr seine Zeit damit fern zu sehen, er gilt als Stammzuschauer von „Fox & Friends“ am Morgen, viele der Berichte und Interviews, die dort ausgestrahlt werden, landen kurz danach im Twitter Feed des Präsidenten. Bekannt ist mittlerweile, wer ein Problem hat und damit bei Trump Gehör finden will, der muss Gast in dieser Morning Show werden. Dazu liest Trump noch seltsame Verschwörungstheorien, hört Leuten zu, die man eher in die Kategorie „Laberkopf“ stecken könnte und bildet sich daraus seine Meinung.

Das alles kann man gut daran absehen, was Trump alltäglich auf Twitter postet. Wenn er das wirklich alles sieht und liest, was er da teilt, dann verbringt der Präsident der Vereinigten Staaten einen Großteil seiner Zeit jeden Tag damit, Unsinniges zu konsumieren und es danach via Twitter zu verbreiten. Alleine gestern tweetete der „Tweeter in Chief“ 18mal, darunter Videos, Artikel und Lobpreisungen anderer. Vor allem seine Lieblingsmedien, FoxNews, OAN (One America News), Breitbart und dubiose Rechtsaußenmedien werden von ihm „geliked“ und geteilt. Sowieso ist auffällig, dass Trump in jüngster Zeit wieder mehr die Nähe, ja, den Schulterschluss mit seinem Politarchitekten Steve Bannon sucht. Das läßt nichts Gutes erwarten, denn Trump baut gerade sein Wahlkampfteam 2020 auf und wie es aussieht wird es eine breite Front an Verschwörungstheorien, falschen Fakten und Ungereimtheiten geben. Der deutlich radikalere Rechtsruck ist dabei nicht zu übersehen.

Geld regiert die Welt

Der amerikanische Wahlkampf war schon immer ein Fall für sich. Das sieht man nicht nur an den Ergebnissen, wo jemand zum Präsidenten mit weniger Stimmen als seine Kontrahentin gewählt wird. Oder an dem sündhaft teuren Wahlkampf, der Milliarden an Dollar verschlingt. Oder an der Länge des Wahlkampfes, der mittlerweile etwa zwei Jahre andauert.

Sein Geld soll ihn ins Weiße Haus bringen, Mike Bloomberg. Foto: AFP.

Dieses Mal sind gleich drei Milliardäre am Start, die alle glauben, ihr finanzieller Erfolg ermächtige sie dafür „Commander in Chief“ zu sein. Donald Trump weiß sowieso alles besser, Tom Steyer glaubt genau das Gegenteil und kandidiert deshalb. Und dann ist da nun auch noch Mike Bloomberg, der erst spät ins Rennen eingestiegen ist, aber meint, mit seinem Vermögen kann er die fehlenden Prozentpunkte wettmachen.

Bloomberg TV, das dem Milliardär gehört, hat bekannt gegeben, dass sie nicht groß im Leben von „Mike“ herumrecherchieren werden. Das gilt auch für die demokratischen Mitkandidaten. Nur Präsident Donald Trump werde genauer betrachtet. Man macht also einen Unterschied zwischen dem Wahlkämpfer und dem Präsidenten Trump. Team Trump reagierte umgehend und erklärte, fortan werden keine Journalisten mehr von Bloomberg TV auf den Wahlveranstaltungen akkreditiert. Damit fetzen sich zwei Milliardäre und ziehen die Freiheit der Presse in den Dreck.

Aber das interessiert keinen in diesem Schaulaufen. Amerika hat sich grundlegend verändert, seitdem Donald Trump in Amt und Würden ist. Das liegt sicherlich zum einen an ihm. Sein Ton, sein Politikstil, sein Egozentrismus sind erschreckend, aber kommen bei seinen Wählern an. Zum anderen sind da auch die neuen, sozialen Medien, die keiner besser zu nutzen weiss als Donald Trump. Er hat problemlos eine Medienlandschaft neben den alteingesessenen Printhäusern und Fernsehanstalten aufgebaut. Und keiner der Demokraten im Rennen kann dem die Stirn bieten. Deshalb meint Mike Bloomberg, er könne sich die Wahl erkaufen. Klar, seine politischen Aussagen sind auf Demokraten-Kurs, aber zu meinen, das viele Geld auf dem Bankkonto reiche aus, um die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen, ist gewagt und anmaßend gleichermaßen. Aber das ist nun eben mal die neue amerikanische Politlandschaft.

In was für einem Land leben wir?

Eigentlich ist es nicht überraschend, wenn man sich Tag für Tag anhört und liest, was der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, von sich gibt. Er beschimpft Andersdenkende, Medienvertreter, politische Gegner, Flüchtlinge, afrikanische Länder, langjährige Partner, Richter, Diplomaten, Verwaltungsangestellte. Die Liste ist lang und wahrscheinlich noch länger.

Der Ton ist rauer geworden in der amerikanischen Politik. Da wundert es nicht mehr, dass republikanische Kongressabgeordnete in Rundbriefen deutliche Worte gegen Demokraten aussprechen. So geschehen letzte Woche in einem Schreiben des Republikaners George Buck, der sich in einer Mail an Unterstützer wandte. Darin erklärte er, die demokratische Abgeordnete mit somalischen Wurzeln, Ilhan Omar, habe enge Kontakte zu anderen Nationen und damit zu terroristischen Organisationen. Und weiter schreibt Buck: „We should hang these traitors where they stand“, also man solle diese Verräter aufknüpfen, wo sie gerade sind. Das ist der Aufruf zur Lynchjustiz und der kommt von einem gewählten Repräsentanten der Republikaner.

George Buck erklärte anschließend, er habe das nicht geschrieben, lediglich seine Unterschrift darunter gesetzt. Allerdings schob er dieser Rundmail nur kurz Zeit darauf eine weitere Mail nach, in der er den Paragraphen für Hochverrat zitierte und anmerkte, darauf stände die Todesstrafe oder Gefängnisstrafe nicht unter fünf Jahren und ein Bussgeld von 10.000 Dollar.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ilhan Omar mit dem Tod bedroht wird. In ihrem Distrikt in Minnesota tritt die Republikanerin Danielle Stella gegen sie an. Und auch sie tweetete, Ilhan Omar sollte für Hochverrat angeklagt und gehängt werden („tried for #treason and hanged“). Twitter reagierte und sperrte den Account. Der Ton macht die Musik. In den USA haben diese direkten, persönlichen und nicht begründeten Angriffe die Schwelle zur Gewalt deutlich verringert. Und nicht verwunderlich ist, dass Präsident Trump bislang keinem seiner republikanischen Kollegen über den Mund gefahren ist. Eine richtiggehende Lachnummer ist dagegen, dass sich die First Lady, Melania Trump, mit ihrer „Be Best“ Kampagne gegen das „Bullying“ einsetzt. Das muss man sich erst einmal geben!

 

 

 

Da waren es nur noch 15

Da war die Stimmung im Kamala Harris Lager noch gut.

Nun also doch. Vor ein paar Wochen hatte ich schon geschrieben „Kamala Harris solte aufgeben“, anscheinend hat es mit der Übersetzung etwas gedauert. Nun hat die US Senatorin von Kalifornien aufgegeben. Sie ist die dritte PräsidentschaftskandidatIn, die in den letzten Tagen aus dem Rennen um die Kandidatur ihrer Partei ausgestiegen ist. Zuvor schon hatten Montanas Gouverneur Steve Bullock und der frühere Kongressabgeordnete Joe Sestak die Reissleinen gezogen.

Kamala Harris war mit viel Aufmerksamkeit gestartet. Vor 22.000 Anhängern verkündete sie im Januar in Oakland, dass sie Präsidentin werden will. Es war ein Auftakt nach Maß. Dutzende von Medienvertretern, Live-Fernsehberichte und eine mitreißende Kandidatin ließen hoffen. Doch in den Wochen darauf verkündeten mehr und mehr Kandidaten und Kandidatinnen ihre Absicht Donald Trump aus dem Weißen Haus zu werfen. Kamala Harris ging mit ihrer Message und ihrem Charisma im weiten Anwärterfeld schlichtweg unter. In all den Monaten konnte sie nicht zum Spitzentrio aufschließen, weder auf nationaler Ebene noch in einigen der frühen Vorwahlstaaten.

Nun ist sie draußen, in einer Erklärung hieß es, sie habe nicht genug Geld in ihrer Wahlkampfkasse, um weiter zu machen. Das ist mehr als schade, denn Harris, eine Vertraute von Barack Obama, hätte die Reihen der Demokraten einen können. Unter anderen Umständen wäre sie die richtige Kandidatin gewesen, aber die Demokraten schwächen sich gerade selbst mit einer Armee von Überegos, die alle glauben, Donald Trump besiegen und das Land wieder zusammenführen zu können. 15 Frauen und Männer der Demokraten sind es nun noch immer, die ins Oval Office wollen. Man kann nun gespannt darauf sein, was Harris mit ihrer neuen Rolle anfangen wird. Zumindest wird sie im US Senat wieder als lautstarke Kritikerin dieses Präsidenten in Erscheinung treten.

Die Radikalisierung Amerikas

Vor zwei Jahren produzierte ich für Deutschlandfunk Kultur ein Feature über die Milizen in den USA. Über ihre Entstehungsgeschichte, ihren Einfluss und ihr Anwachsen unter Kandidat und Präsident Donald Trump. Im Wahlkampf setzten sich die Milizen für Trump als ihren Kandidaten ein, denn er sprach genau ihre Sprache.

Mit der Wahl von Trump gerieten die Milizen allerdings in eine Krise, denn auf einmal war ihr Mann im Weißen Haus und repräsentierte eine Regierung, die sie eigentlich grundlegend ablehnten. Gingen die Mitgliedszahlen der verschiedenen „Militia Groups“ im ganzen Land in der Amtszeit von Barack Obama noch stetig nach oben, schien mit Trump der Höhepunkt erreicht zu sein. Es gab für viele keinen Grund mehr Mitglied einer Miliz zu werden, denn da war ja nun ein Präsident, der vieles von dem umsetzen wollte, was die Milizen forderten, z.B. die Verkleinerung der Bundesregierung, mehr Rechte für die Bundesstaaten, das uneingeschränkgte Recht auf Waffenbesitz beizubehalten.

Eine Schattenarmee in den USA bereitet sich auf die Zeit nach Trump vor. Foto: AFP.

Für dieses Feature sprach ich damals auch mit Mark Pitcavage von der „Anti Defamation League“. Er beobachtet seit den frühen 90er Jahren die Milizen Bewegung und andere extremistische Organisationen in den USA. Mit Mark telefonierte ich vor wenigen Tagen erneut, um zu erfahren, wie die Situation der Milizen nun ist. Er bestätigte genau das, was sich in dem Feature vor zwei Jahren schon angedeutet hatte. Die ansteigenden Mitgliedszahlen der einzelnen Gruppen wurde durch die Wahl von Donald Trump gestoppt. Sie verschwanden wieder aus dem Rampenlicht, arbeiten jedoch weiter im Hintergrund, organisieren sich und bereiten sich auf den Tag X vor. Und der könnte kommen, wenn Donald Trump nicht wiedergewählt wird, denn abzusehen ist schon jetzt, dass Trump nicht einfach eine Wahlniederlage zugeben würde, vielmehr würde er wohl eine Verschwörungstheorie spinnen, die besagt, dass die Wahl gefälscht sei.

Dann wäre die Zeit der Milizen da. Ihr Mann sei dann wohl vom „Deep State“ gestürzt worden. Die Gefahr ist nicht unrealistisch, erklärt auch Mark Pitcavage. Doch er sieht die größere Bedrohung vor allem darin, dass die Polarisierung und Radikalisierung in der Mitte der Gesellschaft zugenommen hat. „Extremisten werden immer extrem bleiben“, meint Pitcavage. Ihm mache vor allem Sorgen, dass Leute wie Cesar Sayoc, der ein Trump Supporter aber kein Extremist war, im Oktober 2018 Rohrbomben verschickte. Oder James Hodgkinson, ein Bernie Sanders Unterstützer, der im Juni 2017 den republikanischen Abgeordneten Steve Scalise, einen Polizeibeamten und zwei weitere Personen während eines Baseball Trainigs anschoss. Die Gefahr komme aus der Mitte, aus jenem Bereich, der nicht als extremistisch eingestuft und somit auch nicht beobachtet wird, so Pitcavage.

Interessiert schaut der Extremismusforscher Mark Pitcavage auch auf die weitere Entwicklung der Republikaner. Die große Frage sei, ob die Partei nach Donald Trump wieder auf den politischen Kurs vor Trump einschwenken oder ob die Radikalisierung der GOP weiter zunehmen wird. Also, ob der Ton und der Politikstil von Donald Trump zur Normalität in den Reihen der Republikaner wird. Klar ist jedoch, dass auf die USA im kommenden Jahr eine schwierige Wahl mit noch nicht absehbaren Folgen zukommt.

An einem Tag im Jahr Danke sagen

Amerika rückt an diesem einen Tag zusammen. Es ist Thanksgiving, Highways, Flughäfen, Bus- und Bahnstationen sind überfüllt. Viele wollen nach Hause, zu ihren Eltern, ihren Familien. Am Abend wird gemeinsam gegessen, getrunken, gefeiert. Und auch Danke gesagt. Für was, das ist ganz unterschiedlich.

Aber Thanksgiving ist in diesen Tagen auch politisiert worden. Natürlich von Donald Trump, der erst bei der alljährlichen Begnadigung eines Truthahns im Rose Garden des Weißen Hauses ein paar Breitseiten gegen die Demokraten abfeuerte, um dann auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida zu erklären, es gebe in diesem Land Leute, die „Thanksgiving“ umbenennen wollten. Aber nicht mit ihm. Wer diese Leute sein sollen, sagte er nicht. Klar, auch dieser Schuss ging Richtung Demokraten.

Truthahnfreies Thanksgiving Dinner.

Thanksgiving ist eigentlich ein schöner Feiertag. Man kommt zusammen, isst gemeinsam, unterhält sich, denkt auch mal darüber nach, für was man eigentlich dankbar sein sollte. Die Läden haben geschlossen, eine Kommerzialisierung dieses Festtages gibt es nicht. Familie, Freunde stehen im Mittelpunkt. Aber es ist auch ein Tag, an dem es oftmals zu Gewalt kommt. Häusliche Gewalt, Streitereien und die haben wohl zugenommen, in einem Land, das politisch mehr als gespalten ist. In einigen Häusern wurden deshalb vorweg klare Regeln gesetzt. Keine Diskussionen über Religion und Politik. Gerade letzteres führt im Trump-Zeitalter zu mehr als hitzigen Debatten.

Es ist nicht leicht in diesen Tagen überhaupt das Gespräch mit Trump Anhängern, Trump Begeisterten, Trump Jüngern zu führen. Ich hatte in den letzten Jahren mehrmals die Erfahrungen gemacht, dass mir Leute klipp und klar gesagt haben, über Politik und Trump wollen sie nicht sprechen, das führe zu nichts. Manche konnte ich überzeugen, dass ich gerne mit ihnen diskutieren würde, einfach um zu erfahren, wie sie ticken. Ich sage dann meistens, dass ich in der San Francisco Bay Area auf einer politischen Insel lebe, in der Donald Trump bei der Wahl 2016 in Städten wie Oakland oder Berkeley gerade mal ein paar Prozentpunkte erhalten hat. Deshalb würde ich gerne einfach die andere Seite hören und für mich zählt am Ende sowieso „I can agree to disagree“.

Solche Gespräche gehen mit Fremden. Man kommt, sitzt zusammen, geht wieder. Schwierig ist das, wenn solche politischen Gräben durch Familien und Freundschaften gehen. Hier in den USA habe ich das bislang noch nicht erleben müssen, wie gesagt, ich lebe auf einer politischen Insel. In Deutschland hingegen kenne ich Leute, die die AfD unterstützen, keine engen Freunde, aber langjährige Bekannte. Wie soll man damit umgehen? Kontakte abbrechen, ignorieren oder die Auseinandersetzung suchen?

Doch zurück zu Thanksgiving, ein Tag, dessen Bedeutung ich als Zugezogener und Neu-Amerikaner erst einmal über die Jahre kennenlernen musste, doch den ich mittlerweile gerne auch zum Nachdenken, zum Reflektieren nutze. Es ist ruhig draußen. Dankbar bin ich für viele Menschen in meinem Leben, für vieles was ich gesehen, erlebt, erfahren durfte. Und ich bin gespannt, wie ich am nächsten Thanksgiving auf das zurück blicken werde, was 2020 alles passiert ist.

Der von Gott Gesandte

Manchmal sitzt man als Journalist da und weiß nicht, wie man einen Text beginnen soll. Seit 25 Jahren arbeite ich nun für verschiedene Medien, habe in meinem Beruf viel gesehen und erlebt, mit interessanten Menschen gesprochen. Vieles ging mir unter die Haut, manches war mehr Pflichtprogramm, bei einigen Geschichten musste ich mich zurückhalten. Und dann kommt sowas wie heute, der einstige texanische Gouverneur, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und nun Energieminister im Kabinett von Donald Trump erklärt in einem Interview mit Fox News, dass Donald Trump von Gott gesandt wurde.

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Das muss man erstmal setzen lassen, aber Perry ist ein „born again Christian“, der nur das ausspricht, was viele in der Christlichen Rechte in den USA glauben. Donald Trump ist ein Präsident, der den göttlichen Plan in  „God’s Country“ umsetzt. Klar, so Perry, Trump habe seine Fehler, doch auch Gott habe, wie es in der Bibel zu lesen ist, immer wieder auf Menschen gesetzt, die fehlerhaft waren. Nun tut er das eben mit Donald Trump. Der egozentrische Milliardär als Gottes Kämpfer auf Erden.

Rick Perry sieht sich als Gehilfe des Gott Gesandten. Foto: AFP.

Schon früh setzte die „Christian Right“ in den USA auf Trump, der genau das versprach, was andere nicht auszusprechen wagten. Trump sprach von MAGA, Make America Great Again, und malte dabei das Bild Amerikas aus den 50er Jahren, einem weißen Amerika, in dem Familie, Kirche und Glauben noch wichtige Rollen spielten. In dem sich Arbeit lohnte, in dem nicht über die Rechte von Homosexuellen und Transsexuellen debattiert wurde, in dem es nur Herren- und Damentoiletten gab, nur ER und SIE. Trump forderte den Umzug der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem, sprach sich gegen Abtreibung aus und brachte mit Mike Pence einen „born again Christian“ ins Boot, der betonte, die gesamte Außenpolitik unter den erzkonservativ-christlichen Blickwinkel zu nehmen. Die Folgen für Entwicklungsländer sind immens. Und der Präsidentschaftskandidat der Republikaner versprach auch die Stärkung der Kirchen in den USA.

Doch Trump versprach nicht nur, er arbeitete seine Liste auch ab. Von daher ist es kein Wunder, dass die „Christliche Rechte“ im Land nach wie vor nahezu geschlossen hinter Donald Trump steht und im kommenden Wahlkampf die wichtigste Basis für ihn sein wird. Rick Perry, der Trump im Wahlkampf 2016 noch als „Krebsgeschwür“ abtat, hat also nur das ausgesprochen, was etliche Amerikaner denken. Donald Trump in Gottes Namen….