Die Kathedrale steht noch

Vor fast zwei Jahren hatte ich Besuch von guten Freunden aus Berlin. Ich wollte ihnen etwas zeigen, was hier vor der Tür zu finden ist, etwas ganz besonderes hier in diesem riesigen Ballungsraum. Redwoods, diese gewaltigen Bäume, die sich schnurgerade nach oben recken und alles unter ihnen klein erscheinen lassen. Es war ein mehr als anstrengender Spaziergang, vor allem bergauf am Ende. Aber ich glaube, der Augenblick am Fuße dieser Bäume hat alles entschädigt, zumindest sagten sie mir das. Am Abend spielten die beiden ein Konzert und ich schwöre, sie wirkten ganz und gar nicht ausgelaugt von dem beschwerlichen Ab- und Aufstieg.

Seitdem ich 1999 von San Francisco nach Oakland zog, bin ich eigentlich jeden Tag mit einem Hund im East Bay Regional Park unterwegs gewesen. Es gibt so viele wunderschöne Ort dort zu entdecken, viele mit einem unglaublichen Ausblick, doch mich zieht es immer wieder zurück an diesen Ort, der für mich wie eine Kathedrale wirkt. Oftmals bin ich dort alleine mit „man’s best friend“, wie auch heute, kein Mensch weit und breit zu sehen. Die schlechte, doch langsam bessere werdende Luft, hielt viele Spaziergänger in den letzten Tagen und Wochen fern. Am schönsten ist es dort, wenn der dicke Nebel sich über den Wald legt und alle Geräusche schluckt. Der Boden feucht und weich, die frische Luft. Die unglaubliche Ruhe in all dem Tumult, vergleichbar für mich mit der St. Klara Kirche in Nürnberg, die ich bei jedem Besuch in meiner Heimatstadt aufsuche.

Heute war ich mal wieder seit langem dort unten. Die Luftqualität war deutlich besser. Meine Käthe hat durchgeatmet und hat sich nicht bremsen lassen. Und diese Redwoods stehen noch immer da, unbeeindruckt von all dem, was um uns herum passiert, was uns aufregt, was uns wütend, verärgert, traurig macht. Das gibt in dem Augenblick eine ganz andere Perspektive. Sie zieht es weiter nach oben, dem Licht entgegen. Und diese Ruhe ist unglaublich erholsam. Entschleunigend. Die Redwoods in den Oakland Hills sind noch nicht so alt, zwischen 100 und 150 Jahren. Früher standen auch hier diese gewaltigen Bäume, die 500 und mehr Jahre auf den Wurzeln hatten. Es heißt, sie waren so hochgewachsen, dass sie Seefahrern auf dem Meer eine Hilfe waren, das Golden Gate nicht zu verpassen. Doch all diese Redwoods wurden seinerzeit abgeholzt für den Aufbau und dann den Wiederaufbau von San Francisco nach dem Erdbeben von 1906. Nur noch einer der ganz alten ist in den East Bay Hills übrig geblieben, an einem schwer zugänglichen Ort. Er wurde damals und wird heute wohl noch immer übersehen.

Atmen ist gesundheitsgefährdend

Kalifornien kommt nicht zur Ruhe. Nach wie vor brennt es an Dutzenden Orten, zum Teil sind es gewaltige Feuer, die noch wochenlang ausbrennen werden. Die Feuerwehreinsatzkräfte machen nur geringe Fortschritte. Auch in Oregon und Washington State brennt es und die Feuersaison im Westen der USA hat noch gar nicht richtig begonnen.

Die Luft in Oakland war heute „gesundheitsgefährdend“.

Täglich werden Dutzende von Pressekonferenzen der verschiedenen Feuerwehrleitstellen im ganzen Bundesstaat übertragen. 2018 war das bislang verheerendste Feuerjahr in der aufgezeichnten Geschichte von Kalifornien. Vor zwei Jahren verbrannte im Golden State eine Fläche rund dreimal so groß wie Luxemburg. Doch diese Marke wurde in diesem Jahr bereits am „Labor Day“, dem ersten Montag im September deutlich überschritten. Schon viermal brannte hier 2020 die Grundfläche von Luxemburg ab. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom spricht denn auch von einer historischen Marke: “Historisch ist ein Begriff, den wir hier in Kalifornien anscheinend sehr oft benutzen, aber diese Zahlen bestätigen genau das, es ist historisch, das ist die größte Feuer Saison bezüglich der betroffenen Fläche, die je registriert wurde.”

Die Statistiken zeigen auch auf, dass die Brandgefahr in Kalifornien immer weiter steigt. Die Top Five der gewaltigsten Feuerjahre seit Anfang des 20. Jahrhunderts liegen in den letzten 13 Jahren: 2007, 2008, 2017, 2018 und nun 2020. An 29 Stellen in Bundesstaat brennt es noch immer. Mehr als 20 Tausend Feuerwehrleute sind im Einsatz. Was ihnen derzeit hilft, ist das Wetter, es wird kühler, die starken Winde lassen etwas nach, gerade im Küstenbereich zieht Nebel auf. Doch genau das ist das Problem in Ballungsräumen wie der San Francisco Bay Area, die bekannt für ihre Nebeldecke gerade im Sommer ist. Die Bilder gingen am Mittwoch um die Welt: Der Tag an dem die Sonne nicht aufging. Dicker Rauch von den umliegenden Feuern und sogar von Waldbränden aus Oregon sammelte sich unter der Nebeldecke und konnte nicht abziehen. Ein orangenes Dauerdämmerlicht war den ganzen Tag zu sehen, als ob man sich auf dem Mars aufhält. Die Autos waren mit einer Ascheschicht bedeckt. Experten warnten vor der schlechten Luftqualität und riefen dazu auf, sich möglichst nicht draußen aufzuhalten. Fast jeder, den man sprach, beschrieb die Situation als “apokalyptisch”, “verrückt”, “surreal”, wie in einem schlechten Traum, aus dem man nicht aufwacht.

Auch am Donnerstag wurde es nicht besser. Einige der Brände, gerade die in der näheren Umgebung der San Francisco Bay wurden fast vollständig unter Kontrolle gebracht, doch dafür sank die Luftqualität weiter. Als “gesundheitlich gefährdend” wurde sie eingestuft, wer länger draußen sein mußte, merkte schnell ein Kratzen im Hals, brennende Augen, Probleme beim tiefen Einatmen.

Ein Ende der Feuergefahr ist noch lange nicht in Sicht, denn die eigentliche “Fire Season”, die Feuersaison in Kalifornien steht im Frühherbst noch bevor. Dann ziehen vom Landesinneren die „Santa Ana Winds“, starke, sich ständig drehende und warme Winde über den Bundesstaat, schon der kleinste Funke kann dann zu einer Katastrophe führen…einer weiteren im Golden State. Unterdessen breiten sich riesige Waldbrände in Oregon und Washington aus. Im nördlichen Nachbarstaat von Kalifornien mussten 500.000 evakuiert werden. Oregon hat nur 4,2 Millionen Einwohner.

Die Sonne so rot

Es will einfach nicht hell werden.

Es ist elf Uhr morgens und draußen ist es dämmerig. Ich sitze in meinem Büro und muß das Licht anmachen, um überhaupt etwas sehen zu können. Es ist im Freien nicht richtig dunkel, eher ein orangenes, apokalyptisches Licht. Endzeitstimmung. Die Außenbeleuchtungen an den Häusern in der Nachbarschaft, die über Sensoren angehen, brennen noch. Die Technik wird getäuscht, genauso wie die Natur, die Grillen zirpen sich einen, so als der Abend angebrochen ist. Es wirkt alles noch düster. Auf mein Auto hat sich ein Aschefilm gelegt.

In Kalifornien brennt es weiter, im Norden, in Napa, im Central Valley, in der Nähe von Santa Cruz und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Eigentlich geht es um diese Zeit erst so richtig los. Die Santa Ana Winde stehen an, starke, warme Winde, die im Landesinneren entstehen und wie ein Fön wirken. Eine späte Hitzewelle ist noch für Ende September, Anfang Oktober zu erwarten. Ich erinnere mich noch daran, dass ich nur im Herbst am Ocean Beach von San Francisco im Meer baden ging, da es dann unerträglich heiß wurde, die kühle, von Alaska kommende Strömung war da eine wunderbare Abkühlung. Da kommt noch was auf uns zu. Vor 25 Jahren gab es diese „Fire Season“ im Herbst, mittlerweile ist dauerhauft Feuer-Saison.

Es regnet Asche.

Corona, Wahlkampf, Hitze, Feuer. Nun noch diese gewaltige Rauchglocke, die das Draußensein ungesund werden läßt. Aber sagen sie das mal einem Schäferhund-Huskie, der einfach immer raus will. Gestern ging ich mit Käthe in den nahegelegenen Wald, ich war einer der wenigen Bekloppten, die in der Hitze und in dem Qualm unterwegs waren. Am Ende eines gut einstündigen Spaziergangs waren wir beide fix und fertig. Sie hechelte nach Wasser, mir kratzte es im Hals. Und heute morgen ist es noch schlimmer. Dieses organgene Licht verschwindet nicht, dicke Schichten Rauch lassen die Sonnenstrahlen nicht durch. Es wird einfach nicht hell. Der Ascheregen nimmt kein Ende. Ich hoffe nur, das ist kein Sinnbild für das, was noch auf die USA zukommen wird…Doomsday!

 

Solch eine Stimme fehlt

Es gibt Platten, die kommen einfach zur richtigen Zeit. „Long Time Passing“, das neue Album des Kronos Quartets, ist so eine. Die Gruppe aus San Francisco hat nun Lieder von Pete Seeger neu veröffentlicht, dem legendären Folk Sänger, der sicherlich kein erklärter politischer Barde war, aber mit seinen Liedern Menschen bewegte und beeinflußte und allein dadurch schon politisch hochbrisant wurde.

„Pete Seeger ist schon lange ein Teil meines Lebens“, meint David Harrington vom Kronos Quartet. „Es gibt eigentlich keine Zeit, in der ich nicht von seiner Musik wußte oder beeinflußt wurde.“ David Harrington ist Gründungsmitglied und Violinist des in San Francisco ansässigen Kronos Quartets. Obwohl ich in Oakland lebe, also auf der anderen Seite der Bay, müssen wir das Interview Corona bedingt telefonisch führen. Harrington ist Frühaufsteher, um 8 Uhr morgens haben wir den Termin, um über die neue Platte des Quartetts zu sprechen: „Long Time Passing, Kronos Quartet and friends celebrate Pete Seeger“. Und es ein wunderbares und nahegehendes feiern von Seegers Liedern. „Als Kind hörte ich ihn im Fernsehen. Später hatte ich selbst Kinder und die ersten Platten, die wir ihnen vorspielten, waren Pete Seeger Platten. Eine unserer Lieblings LPs war Pete Seeger zu Gast in der Sesamstraße. Auch für unsere Enkel spielten wir Pete Seeger. Später habe ich dann erfahren, dass meine Tochter, die schon lange Grundschullehrerin ist, seine Musik in ihrem Klassenzimmer einsetzt.“

“Long Time Passing” erscheint in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten tief gespalten sind. David Harrington sagt, Pete Seeger schaffte es immer wieder, durch gemeinsames Singen die Menschen zusammen zu bringen. Die USA, das wird beim Hören dieses Albums ganz klar, könnten jemanden wie Seeger in diesen Tagen wahrlich gebrauchen, der die tiefen Gräben musikalisch überwinden könnte. “Long Time Passing” ist aber durchaus eine politische Platte, die ganz bewußt vor der Wahl am 3. November erscheinten mußte, das betont David Harrington: „Wir haben alles daran gelegt, um diese Platte vor dem Wahltag zu veröffentlichen. Ende Juli hatten wir “Where have all the flowers gone” rausgebracht. Zum republikanischen Wahlkonvent kam dann die Single „which side are you on?“ Und am 16. September wird „the president sang amazing grace“ veröffentlicht. Die Vorstellung, dass Trump in einer afro-amerikanischen Kirche “Amazing Grace” singen würde ist einfach unmöglich, absolut unmöglich.“

“The president sang Amazing Grace” ist ein Lied von Zoe Mulford, die es nach dem Kirchenmassaker in Charleston 2015 und dem Besuch des damaligen Präsidenten Barack Obama bei den Gläubigen in der Kirche schrieb. Obama sang mit ihnen “Amazing Grace”, ein inniger, hoch emotionaler Moment. Mulfords Lied, das der im Januar 2014 verstorbene Pete Seeger gar nicht kannte, passt dennoch auf dieses Album. David Harrington glaubt, der legendäre Folksänger, hätte es in diesen hochexplosiven Tagen gesungen

Es ist also eine Platte, die zur richtigen Zeit erscheint, denn sie zeigt auf, was Amerika eben auch groß und bedeutend für viele gemacht hat. Der reiche Klangschatz dieses Landes, die die umfangreiche Liedersammlung von Pete Seeger repräsentiert, der Songs und Songideen von seinen vielen Reisen in aller Welt mit nach Hause brachte und hier teilte, wie „Mbube“, besser bekannt als „Wimoweh“ oder “The lion sleeps tonight”. Über Alan Lomax stieß Seeger einst auf dieses Lied.

„Es ist schon interessant, wenn man drüber nachdenkt, dass es im Weißen Haus keine Musik gibt“, meint Harrington. „Zum ersten Mal in meinem Leben ist das so, glaube ich. Trump hat Angst davor. Und wenn er auftritt, klauen seine Leute die Musik von Künstlern, ohne deren Erlaubnis einzuholen. Mit diesen Songs will er sich bedeutender darstellen als er ist.“

David Harrington glaubt an die Kraft der Musik. Im Begleittext zu diesem Album beschreibt er ein Treffen mit dem amerikanischen Historiker, Howard Zinn. Der erklärte ihm, dass mächtige Männer Angst vor Musikern und Künstlern hätten. Darauf baut David Harrington, der mit diesem Album seinen Teil zur Abwahl von Donald Trump beitragen will.
Musik als Fundament einer lebendigen, starken und kritischen Gesellschaft. “Long Time Passing – Kronos Quartet and friends celebrate Pete Seeger” erscheint auf Smithsonian Folkways.

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Der Golden State brennt weiter

Es will einfach kein Ende nehmen, seit dem 15. August wurden in Kalifornien 900 Brände gezählt. Der gesamte Bundesstaat ist davon betroffen. Seit Wochen schon hängt eine riesige Rauchwolke über dem Golden State. Aktivitäten im Freien sollten weitgehend vermieden werden, heißt es, und das bei Temperaturen, die an diesem Wochenende wieder bei 35 bis zu 47 Grad liegen. Und es ist ein langes Wochenende, am Montag ist Labor Day in den USA, da zieht es viele Kurzurlauber an die Seen und in die Nationalparks.

Kalifornien brennt weiter. Foto: AFP.

Doch am Freitag brach erneut ein riesiges Feuer in der Nähe von Shaver Lake aus, das liegt im „Sierra National Forest“ zwischen Fresno und dem Yosemite Nationalpark, genau dort, wo es an diesem Wochenende viele Kurzurlauber aus der San Francisco Bay Area und aus dem Großraum Los Angeles hingezogen hat. Die Einsatzkräfte konnten bislang die sich schnell ausbreitenden Flammen nicht unter Kontrolle bekommen, eine Fläche von mehr als 160 Quadratkilometern brennt lichterloh. Rund 200 Camper mußten am Sonntagmorgen mithilfe von Hubschraubern der Feuerwehr und der Nationalgarde evakuiert werden, nachdem die einzige Zufahrtsstraße in einem Tal von den Flammen blockiert war. Jeremy Remington war einer von ihnen, er verschickte vor der Evakuierung noch ein Video über Twitter, auf dem zu sehen ist, wie die Kurzurlauber von den Feuern eingeschlossen waren.

Kurze Zeit später wurde er von einem Fernsehteam des Lokalsenders am Flughafen in Fresno interviewt, dorthin hatte die Nationalgarde die Menschen quasi in letzter Minute ausgeflogen. “Wir waren auf unserem Boot und wollten gerade Eis für unsere Kühlboxen holen und gerade mal 30 Minuten später, waren die Flammen überall, wir mußten nasse T-Shirts vors Gesicht halten, um atmen zu können.”

Auch östlich von Los Angeles und östlich von San Diego brennt es. Mehr als 12,500 Feuerwehrleute sind derzeit im Einsatz um 22 Brände im gesamten Bundesstaat unter Kontrolle zu bekommen. Die Feuerwehren in Kalifornien sind an ihre Grenzen gestoßen, es bleibt kaum Zeit das Equipment zu reinigen, zu reparieren und schon gar keine Zeit für die Einsatzkräfte sich auszuruhen. Das nächste Feuer wartet schon. Unterstützung bekommen sie grenzüberschreitend von umliegenden Bundesstaaten und sogar aus Kanada und das inmitten einer Pandemie. Der Energieversorger PG&E hat unterdessen angekündigt, ab Dienstag erneute Stromabschaltungen durchzuführen, dann werden wieder starke Winde erwartet. In der Vergangenheit entfachten gerissene Stromleitungen durch umstürzende Bäume mehrere tödliche Flächenbrände.

Als ich vor 25 Jahren nach Kalifornien kam wurde immer von der “Fire Season”, der Feuer Saison im Herbst gesprochen. Dann wurde es nach einem trockenen Sommer noch einmal richtig heiß, dazu kamen die sogenannten Santa Ana Winds, starke und sehr trockene Winde, die im Landesinneren entstehen. Nur ein Funken kann da einen gewaltigen Brand entstehen lassen. Doch das ist vorbei, Kalifornien hat mittlerweile das ganze Jahr über mit Großfeuern zu kämpfen, die immer gewaltiger und vernichtender werden. Angetrieben von heftigen Stürmen kann ein einzelner Funke bis zu eineinhalb Kilometer weit getragen werden, um neue Brandherde anzufachen. Der Boden ist ausgetrocknet, die Temperaturen steigen, und das bei weniger Niederschlag im Jahr. Da hilft auch nicht der gute Ratschlag von Donald Trump, dass die Kalifornier mehr ihren Waldboden harken und vom am Boden liegenden Laub befreien sollten.

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Diesen durchaus dämlichen Vorschlag hat er erst kürzlich erneut wiederholt. Wer in Kalifornien lebt, weiß um die Gefahr der Erdbeben und die Gefahr der Feuerwalzen. In solchen Tagen sitzt man hier auf gepackten Koffern, ein paar Klamotten, Fotos, wichtige persönliche Dinge, denn man weiß nie genau, wann es in der unmittelbaren Nähe passieren wird. Und dann bleiben oftmals nur wenige Minuten zur Evakuierung.

Wie laut kann man schreien?

“I heard Kim Guilfoyle’s speech and my TV’s not even on“, kommentierte Chuck Ross für die rechtslastige und von FOX News‘ Tucker Carlson gegründete News Webseite „Daily Caller“ diese Rede. Guilfoyle, die jetzige Partnerin von Donald Trump Junior schrie sich die Seele aus dem Leib, so, als ob sie in einem Stadion auch den entferntesten Platz erreichen wollte. Doch vor ihr war niemand, sie stand im leeren Andrew W. Mellon Auditorium in Washington, D.C. Ihre Worte hallten brutal und verstörend von den Wänden zurück. Aber schreien wir mal, damit Joe in Montana und Cathy in Louisiana auch wirklich zuhören und die frohe Trumpsche Botschaft auch mitbekommen.

Hört Ihr die frohe Botschaft auch dahinten? Kim Guilfoyle während ihrer Rede. Foto: AFP.

Doch das war typisch für diesen ersten Tag des republikanischen Wahlkonvents. Sowieso fragte ich mich, ob es bei den Rednern eine Vorgabe gab, wie oft sie den Namen Donald Trump erwähnen und wie sehr sie ihn ohne mit der Wimper zu zucken lobpreisen müssen. Manche der Lobhudeleien erinnerten schon sehr an Trumps Wahlfreundschaften Erdogan und Kim. Der große Führer wird gehuldigt, die Geschichte verfälscht, die Tatsachen so hingebogen, wie man es braucht und da steht er, der Retter unserer Zeit mit überlanger Krawatte, kompliziert hingekämmten Haaren und der orangenen Gesichtsfarbe.

Es ist schon erstaunlich, und für mich auch nach fast 25 Jahren noch immer wieder so, wie hier in den USA Wahlkampf geführt wird. An diesen über-patriotischen Ton muß man sich gewöhnen. Das ist so bei den Demokraten und erst recht bei den Republikanern. Die „Stars & Stripes“ kann man schon gar nicht mehr zählen und irgendwann wird selbst Gott im Himmel müde und genervt davon sein, dass er ständig dazu aufgefordert wird, die Amerikaner und Amerika zu schützen. Man kann es auch übertreiben. Denn eigentlich hätten die es ja selbst in der Hand. Ständig wird betont, dass die USA das schönste, tollste, stärkste, reichste, wichtigste Land der Welt seien. „God’s Country“, wie die Vereinigten Staaten auch gerne genannt werden, von einigen Amerikanern wohlgemerkt. Doch wenn man sich die Politik und die letzten dreieinhalb Jahre unter Donald Trump ansieht, dann ist da nicht viel zu sehen von der Bewahrung der Schöpfung, von einem Einklang mit der Natur, von einem sozialen, gerechten und friedlichen Miteinander, weder im Land noch mit dem Rest der Welt. Das soll nicht heißen, dass vorher unter Obama alles besser war, aber immerhin gestand sich #44 ein, dass er es „versuchen“ will, Amerika auf den richtigen Kurs zu bringen. #45, der sich selbst gern auch als „your favorite president“ bezeichnet, meint dagegen unumwunden, er und nur er kann die USA retten. Vor was auch immer.

Das schon inflationäre Herausposaunen von Begriffen wie „Kommunismus“, „Sozialismus“, „Anarchismus“ am ersten Tag des Wahlkonvents der einstigen republikanischen Partei, die man eigentlich in Trump-Partei umbenennen sollte, war schon erstaunlich. Wen man damit erreichen will, ist fraglich, denn so doof kann die Mehrheit der Amerikaner nicht sein, um diesen Schwachsinn zu schlucken. Es fehlte nur noch, dass der politische Gegner als „Faschist“ bezeichnet wurde, weil in einer weltweiten Pandemie strenge Regeln aufgestellt werden. Aber auch das ist schon passiert, nur eben am gestrigen Montag nicht. Ein bekennender Demokrat in den USA ist in den Augen eines Trumpianers mittlerweile alles: Kommunist, Sozialist, Anarchist, Faschist, ja, auch Anti-Christ.

Und so schrie denn Kim Guilfoyle in die Runde, dass man Venezuela, Kuba und Kalifornien, ihren früheren Heimatstaat, in einer Linie zu sehen hat. Guilfoyle war einst auch mit Gavin Newsom veheiratet, der damals Bürgermeister von San Francisco war und nun Gouverneur von Kalifornien ist. Wer die Zustände an diesen drei Orten nicht haben wolle, der könne nur für Donald Trump stimmen, so Guilfoyle. Well, Frau Möchtegern-Trump, ich höre ja gerne zu und weiß auch, dass hier in Kalifornien nicht alles so ist, wie es sein sollte und könnte. Aber den Golden State mit Venezuela und Kuba zu vergleichen, damit die politischen Systeme in den zwei Ländern mit dem größten und wichtigsten Bundesstaat der USA gleichzusetzen, grenzt schon sehr an die bescheuerte Argumentation ihres wahrscheinlich baldigen Schwiegervaters Donald Trump, der ja derzeit wieder einen auf Oberförster macht und die Kalifornier zum besseren Harken der Wälder auffordert. Es kann durchaus sein, dass ich mit meinen Einschätzungen über die USA, mit meinen politischen Sichtweisen, mit meinem Verständnis für das Land, in dem ich nun fast die Hälfte meines Leben verbracht habe, so ganz falsch liege. Aber irgendwie graust es mir davor, vier weitere Jahre in einem Land zu leben, in dem solch ein Führerkult zur Normalität geworden ist.

 

Kalifornien brennt

Eine Hitzewelle trifft Kalifornien. Alles ist ausgetrocknet, etliche Blitze haben Dutzende von Feuern, alleine in Nordkalifornien entfacht. Besonders betroffen sind erneut Napa und Sonoma County, das „Wine Country“ in der Region, etwa eine Autostunde nördlich von San Francisco. Tausende von Menschen wurden bereits zur Evakuierung aufgerufen. Mittlerweile hat eines der Feuer auch den nördlichen Teil des „Armstrong Redwoods State Natural Reserve“ erreicht, ein wunderschöner kalifornischer Park, in dem gewaltige Redwoods zu finden sind.

Hitze und Rauch, eine giftige Mischung.

Draußen ist es heiß, dazu eine dicke Rauchdecke. Auch südlich und östlich von Oakland brennt es. Normalerweise kann man von hier kilometerweit blicken, jetzt gerade mal ein paar Hundert Meter. Schon nach wenigen Sekunden draußen brennen die Augen. An Sport oder an einen längeren Spaziergang ist gar nicht zu denken. Die Feuersaison hat in diesem Jahr früh begonnen. Eigentlich ist mittlerweile das ganze Jahr über „Fire Season“. Als ich vor 25 Jahren hierher kam, hieß es immer noch, dass im Frühherbst die Gefahr der großen Waldbrände steige. Das ist schon lange her, brennen kann es nun immer. Kalifornien trocknet aus. In diesem Jahr gab es bislang noch kaum Niederschlag, die andauernde Brandgefahr ist zu einem normalen Umstand im „Golden State“ geworden, da helfen auch nicht guten Ratschläge von Präsident Donald Trump, dass die Kalifornier mehr ihre Wälder harken sollten. Man hofft nur, dass es nicht vor der eigenen Tür brennt. Und doch, ich habe Freunde in Sonoma County, die erneut auf gepackten Koffern sitzen, denn wenn es zu einer Evakuierung kommen sollte, dann bleiben manchmal nur 5-10 Minuten, um das eigene Haus zu verlassen, sich in Sicherheit zu bringen, wissend, dass man sein Zuhause vielleicht nie wieder sehen wird.

Eine filmische Brücke zwischen Berlin und San Francisco

Pornofilme haben einen schlechten Ruf. Rein-Raus, der schnelle Quickie, sie seien frauenfeindlich und geben nur ein falsches Bild von Sexualität wider. Dass das nicht so sein muß, zeigt Jahr für Jahr das Berliner Pornofilmfestival. Und das hat durchaus weite Kreise gezogen. Einige Filmbegeisterte im fernen Kalifornien wurden auf den Plan gerufen. Das erste San Francisco Pornfilmfestival findet Mittwoch bis Sonntag (19.-23.8.) Corona bedingt online statt.

“Weißt Du, in Toronto gibt es ein Pornofilmfestival, London hat eins, Berlin und auch Madrid. Und ich dachte mir, warum gibt es das überall, San Francisco braucht auch eines”, das meinte Shine Louise Houston zu mir, die Direktorin des ersten Pornofilm Festivals in San Francisco ist, auf die Frage, warum sie ein Filmfest mit nackten Tatsachen ans Golden Gate bringen wollte. Für sie war klar, das im prallen Festivalkalender von San Francisco solch eine Filmschau einfach fehlt, auch wenn andere Events, wie das weltweit größte LGBTQ Filmfest “Frameline” immer mal wieder “After Dark” Streifen im Programm haben, also Filme mit eindeutigen Sexszenen.

Vor über zehn Jahren sei sie zum ersten Mal zum Pornofilmfest nach Berlin gereist, meint Houston. “Ich war vollkommen hin und weg, denn da machten Leute etwas, was ich gerade erst für mich entdeckt hatte, ich bin eine Filmliebhaberin. Für mich war klar, ich wollte wirklich schöne Filme machen und hier waren Leute, die dieselben Ideen und Werte hatten und fantastische Dinge realisierten.”

San Francisco, die Stadt am Golden Gate, ist wohl wie für dieses Festival gemacht. In San Francisco werden die teils puritanischen Gesetze wie in anderen Teilen der USA einfach ignoriert. Die “City by the Bay” gilt als die Hauptstadt der Gay-Bewegung, hier feiert alljährlich die BDSM Szene ganz offen das Folsom Street Fair mit Hundertausenden von Besuchern. Und hier gibt es auch eine lange Geschichte von unabhängigen Filmschaffenden, die teils künstlerisch, teils gewagt und provokant “Adult Movies”, Filme mit sexuellem Inhalt, produzierten. In den 1960er Jahren nannte die New York Times San Francisco sogar “The Smut Capital of the United States”, also die Porno oder Schweinkram Hauptstadt der USA.

Die Dokumentation “Smut Capital of America”, die beim Festival gezeigt wird, erzählt genau davon, dass San Francisco einmal das Epicenter der amerikanischen Pornoszene war. Doch davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Heute denkt man bei US Pornos vor allem an das San Fernando Valley außerhalb von Los Angeles und an Las Vegas.
Für Shine Louise Houston ist es dennoch ein Heimbringen eines Filmgenres, dass hier sowieso schon auf verschiedenste Weise gefeiert wurde: “Ich verstehe Porno einfach als ein weiteres Film Genre. Es ist nicht monolithisch, es gibt vielmehr eine riesige künstlerische Vielfalt innerhalb des Genres, bei dem man denkt, oh mein Gott, das ist Porno?”

Es geht bei diesem Pornofilmfestival nicht um die schnelle Befriedigung, um unmögliche Positionen, um ein aneinander reiben von wunderschönen Körpern. Ganz im Gegenteil, Porno ist hier ein weit gefasster Begriff. Ja, es wird auch kopuliert, geleckt und mit Grenzen gespielt, aber es wird vor allem ein durchaus künstlerischer, ästhetischer und politisch korrekter Blick auf nackte Haut und Vorlieben gewährt.

Eigentlich sollte es ja ein traditionelles Festival in einem Kinosaal werden, die Verträge waren unterschrieben, doch dann kam Corona. Und alles änderte sich. Was tun? Für Shine Louise Houston war klar, man werde am eigentlichen Konzept festhalten. “Wir wollten nicht einfach “Video on demand” machen, also, dass die Leute sich die Filme einfach ansehen können, wann sie wollen. Mir war die Festivalidee wichtig. Das miteinander Ansehen als Erfahrung. Also machten wir uns daran, wie wir das live Streamen können, mit einem Live Chat und all dem, damit man das Gefühl bekommt, die Filme gemeinsam zu sehen. Denn für mich ist gerade das der wesentliche Part eines Festivals.”

Im nächsten Jahr soll es dann aber doch ins Kino gehen, der Vertrag mit dem Brava Theater am Rande des Mission Distrikts von San Francisco wurde einfach um 12 Monate verschoben. In diesem Jahr allerdings kann man problemlos auch aus der Nürnberger Metropolregion dabei sein.
Tickets für das Festival gibt es hier: https://sfpff.pinklabel.tv/tickets/

„Now let’s go win this thing“

Barack Obama freute sich über die Wahl von Kamala Harris. Sein ehemaliger Vize habe die beste Entscheidung getroffen, so Obama. Er kenne die kalifornische Senatorin schon lange, sie sei genau richtig für den Kampf ums Weiße Haus. „Now let’s go win this thing“, tweetete er kurz nach Bekanntwerden der Nominierung. Auch aus dem Bernie Sanders Lager kamen wohlwollende Kommentare. Und die anderen Frauen im Rennen um den Vize-Präsidentschaftsposten der Demokraten feierten Kamala Harris als „herausragende Wahl“.

Aus dem Trump Lager kamen natürlich ganz andere Stimmen. Harris sei eine Vertreterin des linksradikalen Flügels der Partei. Donald Trump selbst führte an, dass Kamala Harris sehr „nasty“ gegenüber Brett Kavanaugh gewesen sei, als dieser seine Senatsanhörung zum Verfassungsrichter hatte. Kein Wort davon, dass Donald Trump und auch Tochter Ivanka Trump noch bis 2014 Kamala Harris‘ Wahlkämpfe finanziell unterstützt hatten. Damals sah die Welt von Trump noch anders aus.

Zwei Oakländerinnen feiern – Kamala Harris und Libby Schaaf. Foto: L. Schaaf/Twitter.

Kamala Harris stammt aus Oakland und in Oakland wurde die Entscheidung von Joe Biden gefeiert. Bürgermeisterin Libby Schaaf, eine langjährige Freundin und Wegbegleiterin von Harris, die die Senatorin im Januar 2019 auch als Präsidentschaftskandidatin ankündigte, war begeistert. Sie sei „hella proud“, unfassbar stolz und fügte hinzu: „Now let’s fight like hell for a #BidenHarris win in Nov.“

Vieles sprach schon im Vorfeld für die Senatorin. Ein wichtiger Punkt, der vielleicht auch noch ausschlaggebend war, sie kommt aus dem für die Demokraten sicheren Kalifornien. Im Falle eines Wahlsieges von Joe Biden würde sie ihren Senatsposten aufgeben, der demokratische Gouverneur, Gavin Newsom, würde dann sicherlich erneut eine Demokratin nach Washington schicken. Das Kräfteverhältnis im Senat würde so nicht beeinflusst werden.

Kamala Harris hatte ich schon seit 2003 auf dem Schirm, als sie Generalstaatsanwältin für San Francisco wurde. Damals fiel sie mir auf, weil sie eine vehemente Gegnerin der Todesstrafe war und auch zu diesen Prinzipien stand, als in der „City by the Bay“ ein Polizist ermordet wurde, der Ruf nach der Todesstrafe für den Täter mehr als laut war. Sie weigerte sich und wurde von den Beamten, der Polizei Gewerkschaft und selbst namhaften Demokraten, wie Dianne Feinstein, angefeindet. Das rechntete ich ihr hoch an. Und auch als sie danach kalifornische Justizministerin wurde, blieb sie bei ihrer Grundeinstellung gegen die Todesstrafe.

Kamala Harris ist eine Kämpferin, die mitreißen kann. Mit ihrer Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ließ sie Anfang 2019 aufhorchen. Vor dem Rathaus in Oakland kamen rund 20.000 Menschen zusammen, um das zu feiern. Harris war über Nacht Frontrunner. Doch dann wurde sie schlichtweg im 25köpfigen Kandidatenfeld der Demokraten aufgerieben. Harris zog die Reißleine, aber fiel danach umso mehr auf, weil sie auf Frontalkurs mit Donald Trump ging. Das blieb nicht unbemerkt. Joe Biden führte genau diese Haltung in seiner Begründung für Kamala Harris an.

Biden hat mit Harris eine Partnerin an seiner Seite, die alles andere als ein weiblicher Mike Pence ist. Harris wird nicht hinter Biden stehen, ihn untertänigst und bewundernd anhimmeln und ihm ständig erklären, wie dankbar sie doch sei, in seinem Kabinett mitarbeiten zu dürfen. Vielmehr wird Kamala Harris vom Tag eins der Biden-Adminstration bereit sein für den Tag X, wenn sie den Amtseid selbst ablegen muß. Und der kann schneller kommen, als man denkt. Ich bin davon überzeugt, dass Joe Biden nur ein Übergangskandidat ist, der jetzt die demokratischen Reihen schließen kann, der aber nach zwei Jahren im Amt zurücktreten und die Amtsgeschäfte an seine Vize-Präsidentin, Kamala Harris, übergeben wird. Amerika wird weiblich, die Weichenstellung dafür fand heute statt.

Covid-19 in San Quentin

San Quentin von oben.

Im Landeanflug auf den internationalen Flughafen von San Francisco ging es gestern über das Staatsgefängnis von San Quentin. Ich dachte an Reno, den ich schon seit etlichen Wochen nicht mehr gesprochen hatte. Mein Brief blieb vor meiner Abreise unbeantwortet. Ich verfolgte die Nachrichten, wußte, dass Covid-19 hinter den Gefängnismauern besonders heftig wütete. Weit über 1600 Gefangene wurden positiv getestet, ein Drittel aller Häftlinge.

Und auch im East-Block, dem Todestrakt von San Quentin, wurde Covid-19 nachgewiesen. Insgesamt starben etwa zweit Dutzend Gefangene, etliche davon auf Death Row. Reno ist 75 Jahre alt, gesundheitlich mehr als angeschlagen. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch heute kam ein Anruf von ihm. Er lebt. Und darüber ist er selbst überrascht. Dreimal wurde er in den letzten Wochen in Krankenhäuser verlegt, drei verschiedene in der San Francisco Bay Area. Er konnte nicht anrufen, nicht schreiben. Es ging ihm schlecht, sehr schlecht.

Seit Montag ist er wieder in seiner Zelle. Das Atmen falle ihm schwer, er bekomme Sauerstoff. San Quentin ist noch immer unter verschärftem „Lock-Down“, Frühstück und Mittagessen erhalten die Gefangenen nun in braunen Papiertüten in ihren Zellen. Keine Besuche sind erlaubt, selbst Rechtsanwälte haben derzeit keinen Zugang zu ihren Klienten. Die Situation in San Quentin geriet im Mai außer Kontrolle, als der Staat 121 Häftlinge aus einem anderen Gefängnis dorthin verlegte. Alle waren zwar vorab getestet worden, doch die Befunde lagen noch nicht vor. Etliche von ihnen waren positiv. Diese Erkenntnis kam zu spät. Covid-19 breitete sich da bereits in den engen Unterkünften und Lebenssituationen von San Quentin aus. „Laß uns am Montag oder Dienstag reden, dann habe ich wieder das Telefon. Ich muß mich hinlegen“, meinte Reno nach wenigen Minuten am Telefon. Er lebt, das ist zumindest eine gute Nachricht in diesen Tagen.