Es wird immer surrealer

Nun also ein weiterer Milliardär, der ins Rennen um das Weiße Haus einsteigt. Michael Bloomberg hat ein Vermögen von geschätzten 54 Milliarden Dollar, er braucht keine Kleinspender, er kann seinen Wahlkampf einfach mal so selbst zahlen. Bloomberg will auch gar nicht in Iowa und New Hampshire in den Vorwahlkampf eingreifen, dafür fehlt ihm nun die Zeit und die Deadlines sind abgelaufen. Doch das ist kein Problem, Bloomberg glaubt, er hat eine reale Chance.

Damit sind nun drei Milliardäre dabei, die alle glauben, sie haben die Antworten auf Amerikas Probleme. Zwei davon, Tom Steyer und Michael Bloomberg, sind sich sicher, dass sie den anderen Superreichen Donald Trump aus dem Amt vertreiben können. Geld regiert die Welt.

Die Ankündigung von Bloomberg hat große Wellen geschlagen, denn der ehemalige New Yorker Bürgermeister zielt auf die eher gemäßigteren Wählerinnen und Wähler im demokratischen Lager ab, also auf die, die auch Joe Biden hinter sich haben will. Biden ist durch die Ukrainie Krise in den USA politisch angeschlagen, deshalb auch die Kandidatur von Michael Bloomberg, der seine Chance gekommen sieht. Auch Donald Trump wird sichtlich nervös, denn Bloomberg ist ein Außenseiter, ein erfolgreicher Geschäftsmann, einer, der seinen Weg gegangen ist. So wie er. Bloombergs Kandidatur hat bei den eher linken Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen, allen voran Bernie Sanders und Elizabeth Warren, zu großen Fragezeichen geführt. Denn Bloomberg kann ohne Probleme einen Wahlkampf finanzieren und organisieren. Und wählbar ist er auch, das hat er als Bürgermeister von New York City bewiesen. Wie soll darauf nun geantwortet werden.

Unterdessen wirft Donald Trump weiter seine Rauchbomben im „Impeachment“ Verfahren. Er verdreht die Fakten, greift Zeugen an, beschimpft sie als unpatriotisch, als Verräter Amerikas und als „Never Trumpers“. Und er versucht nun in den afro-amerikanischen Communities auf Stimmenfang zu gehen, um so die demokratische Basis zu spalten. Klimaschutz wird da lächerlich gemacht und gegen die Afro-Amerikaner ins Feld gebracht. Klar ist auch, dass Trump oder seine Verbündeten schon im Hintergrund gegen einige der Kandidaten bei den Demokraten wettern. Pete Buttigieg und Cory Booker sind homosexuell und das kommt bei den eher christlich, konservativen „Black Church Goers“ gar nicht gut an. Damit will Trump punkten. Der Umweltschutz und LGBTQ Rechte werden nun also dafür geopfert, um ein paar Stimmen mehr zu bekommen oder „Black Voters“ zumindest von ihrer Stimmabgabe abzuhalten. Es wird noch mehr passieren, die Wahlkampfmaschine ist gerade erst so richtig angelaufen, in einem Jahr ist Wahltag, bis dahin werden noch viele Register gezogen und die werden nicht „pretty“ sein.

Das Lügengebilde von Donald Trump

13000 Falschaussagen und Lügen. Auf so viele hat es Donald Trump seit seinem Amtsantritt schon gebracht. Entweder merkt er nicht, was er da treibt oder er macht es voller Absicht und lacht sich dabei ins Fäustchen, wie er Amerika – sagen wir es wie es ist – verarscht.

Kalkül oder krankhaft. Foto: AFP.

Jüngstes Beispiel der „Whistleblower“. In den letzten Wochen hat Trump mehr als einhundertmal erklärt, der „Whistleblower“ habe sein Gespräch falch dargestellt. Man solle nur die Abschrift des Telefonats lesen, so Trump. Allerdings gibt es keine Abschrift, nur ein Memorandum, also kein Wort für Wort Transkript. Doch das beiseite, die Ermittlungen, Befragungen und Dokumente, die den Demokraten im Kongress mittlerweile vorliegen, belegen, dass der „Whistleblower“ das Telefonat richtig beschrieben und nichts erfunden oder dazugedichtet hat. Donald Trump erklärt gerne, dass das alles „fake“ sei, eine Kampagne der „Never Trumpers“, die im „Deep State“ versuchten, ihn aus dem Amt zu drängen. Trump sagte auch, der Whistleblower habe in seinem Bericht gleich achtmal ‘quid pro quo’ geschrieben. Tatsache ist, in dem Bericht steht diese Anschuldigung kein einziges Mal. Trump erfindet Fakten, die es einfach nicht gibt.

Trump hat auch mehrmals Gespräche mit den republikanischen Senatoren Mitch McConnell und Tim Scott erwähnt, die beide, so Trump, das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten als „unschuldig“ bezeichnet haben sollen. Auf Nachfrage der Presse erklärten beide Senatoren, sie hätten mit Donald Trump überhaupt nicht gesprochen. Hat dann der Präsident gelogen? Antwort Mitch McConnell: „Da müssen Sie den Präsidenten fragen“.

Donald Trump hat von Anfang an seiner Amtszeit eine „Alternative Realität“ erschaffen. Er sagt Sachen, die nicht stimmen. Die wiederholt er so lange, bis andere es ihm nachtun, damit sieht er sich bestätigt. Auch Trumps Lieblingskanal FoxNews greift gerne ungeprüfte Aussagen des Präsidenten auf und sendet diese. Trump scheint das im Fernsehen zu sehen und sich zu denken, „siehste mal, die berichten schon darüber, also muss es wahr sein“. Fakten, Zahlen, Statistiken zählen nichts. Letztere erfindet Trump gerne selbst, allwöchentlich veröffentlicht er auf Twitter eine Nummer, die besagt, dass er 95 Prozent Unterstützung in der republikanischen Partei habe. Auch wenn kein seriöses Meinungsforschungsinstitut das bestätigen kann, Trump hält an dieser Zahl fest. Er baut sich seine Welt, wie sie ihm gefällt. Die Frage ist bei allem, macht er das bewußt? Versucht er mit Unruhe, Zweifeln, Gegenszenarien so viel Unruhe zu stiften, dass seinen Worten geglaubt wird, vor allem von seiner Basis? Oder ist Donald Trump wirklich so krankhaft egozentrisch, dass er es einfach nicht wahrhaben will, dass er nicht als „the greatest president ever“ (Trump über Trump) gesehen wird und einfach für sich dieses Bild entstehen lässt, entstehen lassen muss? In den USA ist alles etwas verwirrend in diesen Tagen, Wochen, Monaten, Trump-Jahren.

 

Die Mauer muss weg

Donald Trump spricht gerne von seinem Lieblingsprojekt, der Mauer an der Grenze zu Mexiko. Um ganz genau zu sein, es ist keine Mauer, es ist eine Stahlkonstruktion, die teils bis zu zehn Meter hoch ist und überall da errichtet wird, wo es bislang keinen Grenzzaun zwischen den beiden Ländern gab. Im Wahlkampf 2016 und auch nach wie vor in seinen Wahlkampfveranstaltungen lässt er gerne den Ruf „Build that wall“ erklingen. Früher kam noch seine Frage „And who’s gonna pay for that wall?“ und die Menschenmasse rief zurück „Mexico“. Doch Mexiko weigert sich nach wie vor hartnäckig einen Scheck nach Washington zu schicken. Vielmehr haben die beiden Länder mit Kanada einen neuen Handelsdeal ausgehandelt. Für alle Parteien zur vollsten Zufriedenheit.

Grenze zu Mexiko.

Trump liebt jedoch seine Mauer. Sie solle schöner und höher und sicherer als alle anderen Mauern werden. Und da gibt es ja viele historische Beispiele, wir feiern ja gerade den 30. Jahrestag vom Ende der Berliner Mauer. Die sollte dann auch noch 50 und 100 Jahre existieren, wie Erich Honecker noch im Januar 1989 erklärte, aber daraus wurde dann ja nichts. Nun allerdings wurde berichet, dass die so sichere „Wall“ zwischen den USA und Mexiko gar nicht so sicher und undurchlässig ist, wie Trump es gerne darstellt. Mit einer mobilen Säge aus einem Baumarkt und ein paar Spezialblättern haben Schmuggler es geschafft, innerhalb von wenigen Minuten ein Loch in den Zaun zu sägen, um danach einen der Metallpfeiler zu verschieben. Damit war ein Durchgang offen für Drogenkuriere und Menschenhändler.

Die Border Patrol ist alarmiert und hofft, dass mit dem Einsatz von Bewegungsmeldern dieses Durchlöchern verhindert werden kann, aber fest steht schon jetzt, auch diese „Mauer“ ist durchlässig. Der Präsident wird dazu nicht viel sagen, denn es passt nicht so in seinen großen Wahlkampfplan zuzugeben, dass die vielgepriesene „Wall“ nicht nur nicht von Mexiko bezahlt wird, damit dem amerikanischen Steuerzahler schon jetzt zehn Milliarden Dollar Kosten aufgebrummt werden. Nein, auch die vermeintliche „Sicherheit“ an der Grenze ist alles andere als gegeben. Dennoch wird Trump die Mär von der großen Mauer weitererzählen und seine Trumpianer wollen genau das hören, ein weiteres Lügenmärchen.

Geschichte leben

Am kommenden Freitag beginnt in Oakland die Ausstellung „Berlin Wonderland“. Dafür habe ich drei Audio Beiträge über das Jahr 1989 produziert, die Geschichte eines ganz besonderen, deutschen Jahres. Von der zarten Hoffnung auf Veränderung, von den Ausreisewilligen über Ungarn und Prag, von der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking, den Leipziger Montagsdemonstrationen, der großen Protestveranstaltung am 4. November auf dem Alexanderplatz und schließlich dem Fall der Mauer.

Berlin, Oakland und zurück.

Das alles ist nun 30 Jahre her und alles noch so gegenwärtig. In der Erinnerung und auch in der Realität. Und beim Produzieren dieser Beiträge kam mir so, dass ich nur 23 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geboren wurde. Nach der größten menschlichen und folgenreichsten Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Und mit diesem Gedanken kamen da viele Fragen und Bilder. Die Probleme im Osten nach der Wiedervereinigung, die Arbeitslosigkeit, die politische und soziale Neuausrichtung waren immens. Doch was war nach 1945 als Deutschland in Schutt und Asche lag, als Täter, Mitläufer und Opfer nebeneinander leben mussten?

Ich erinnere mich an die Geschichten meiner Oma in Dortmund, die oftmals über Nachbarn und Bekannte erzählte. Nicht selten fielen da Beschreibungen wie „der war ein strammer Nazi“ und „der war 150prozentig für Hitler“. Deutschland nach dem Krieg, zerbombt, verarmt, schuldig. Wie ging man mit dieser Schuld um, wenn es um einen Neuanfang ging? Ich weiss, der Schlussstrich wurde oftmals verfrüht gezogen. Und dennoch frage ich mich, wie Täter und Mitläufer im Dritten Reich danach damit umgingen, wie man da einfach Tür an Tür leben konnte, so als ob nichts geschehen war? Ja, ich habe viel darüber gelesen, über die belastete Justiz und die einstigen Nazigrößen in den Hörsälen der Republik. Ich habe auch am Anfang meiner Radiolaufbahn bei Radio Z über den Erfolgsautor Herbert Reinecker berichtet, der bis zum Schluss vom Blut und Boden schwafelte und die Jugend noch 1945 an die Waffen rief, um dann kurz darauf in der Bundesrepublik eine Traumkarriere mit seinem Derrick, dem Traumschiff, Jakob & Adele und vielen anderen Unterhaltungsstories hinzulegen. Ein typisches Beispiel in einer schnell vergessenden Nachkriegsgesellschaft.

30 Jahre nach dem Mauerfall denke ich an 1989, wie ich dieses Jahr in Freiberg, Sachsen, erlebt habe. Und es ist gegenwärtig, ich kann mich sogar noch an den Geruch im Ergebirge erinnern. Meine Erinnerungen sind harmlos, ich bin froh darüber, dass ich dieses Jahr, den Umbruch, die Hoffnung, die Anspannungen, das friedliche Ende miterleben durfte. Und doch frage ich mich gerade, was die Schuld nach 1945 mit den Deutschen gemacht hat, wie sehr auch mich das alles geprägt hat?

Kalifornien hol die Rechen raus

Das Tweet kam von ganz oben. Von ganz, ganz oben. Der Präsident tweetete am Sonntagmorgen zum ersten Mal über die katastrophalen Brände in Kalifornien. Und was kam, ein Angriff auf Kalifornien, auf Natur- und Klimaschützer und auf Gouverneur Gavin Newsom. Trump forderte mal wieder, den Waldboden zu „säubern“, sprich Newsom solle eine Rechenbrigade aufstellen, um das Laub aufzukehren. Und wenn das nicht passiere, dann würde die Bundesregierung auch keine Hilfsgelder mehr nach solchen Katastrophen nach Kalifornien schicken.

Gouerneur Newsom reagierte perfekt in seinem Antworttweet, etwas lax übersetzt: „Sie glauben nicht an den Klimawandel. Von daher machen Sie sich vom Acker“. Newsom hatte in der vergangenen Woche mehrfach darauf hingewiesen, dass die gewaltigen Feuer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren sind. Das Energieunternehmen PG&E und seine veraltete Infrastruktur, der Klimawandel und dazu noch mehr und mehr Menschen, die in ländlichen, abgelegenen Gegenden leben. Vom Laubkehren hat er nicht gesprochen.

Was Trump mal wieder in dieser Attacke vergisst ist, dass rund 60 Prozent der Wälder in Kalifornien Bundeswald sind und damit unter der Kontrolle der Regierung in Washington, der Trump Adminstration, stehen. Er ist also selbst für die idiotischen Rechenbrigaden zuständig, die er da fordert und die, seien wir mal ehrlich, nichts bringen würden. Selbst in Finnland nicht. Und auch die Ankündigung, Kalifornien keine Hilfsgelder mehr auszahlen zu wollen, übersieht, dass der Golden State der größte Einzahler in den Bundeshaushalt ist. Ohne Kalifornien würde die „Union“ alt ausschauen. Aber das scheint Trump und seine Unterstützer nicht zu interessieren. Der morgendliche Angriff auf Kalifornien war hingegen typisch für Trump. Zuvor kein Wort zu den Feuern und dann so etwas. Trump enttäuscht einfach nicht, mehr kann man von ihm nicht erwarten.

Und es wird wieder passieren

Anfang August gab es gleich drei Massenschiessereien, die zu einer erneuten breiten Debatte führten, zumindest einer Scheindebatte. Im kalifornischen Gilroy, im texanischen El Paso und in Dayton, Ohio wurden insgesamt 36 Menschen erschossen und 58 zum Teil schwer verletzt. Der Aufschrei war gross, auch von Präsident Donald Trump. Er werde nun einschreiten, einiges ändern und das mit Zustimmung der Waffenlobby. Er, so Trump, werde alle an einen Tisch holen. Man konnte damals schon ahnen, dass, wenn überhaupt etwas passieren sollte, dass das dann wohl eher eine Mogelpackung werden würde.

Donald Trump schaut im Kugelhagel lieber weg. Es wird keine Verschärfung der Waffengesetze geben. Foto: AFP.

Doch es kommt unter diesem Präsidenten noch nicht einmal zu einer Mogelpackung. Jedenfalls nicht bei den Waffengesetzen. Donald Trumps Berater haben ihm deutlich gemacht, dass er seine Basis im Wahlkampf zusammen halten muss, um die Wiederwahl zu garantieren. Da würden Ein- und Beschränkungen des Waffenzugangs und Waffenbesitzes nur Probleme aufwerfen. Sogar die Waffenlobby NRA hat bereits erklärt, dass es keine Gespräche mehr mit dem Weißen Haus gebe, ein sicheres Zeichen dafür, dass jegliche Reformbestrebungen eingeschlafen sind, denn ohne die NRA passiert im republikanischen Washington rein gar nichts.

Das alles vor dem Hintergrund, dass es in diesem Jahr (Stand 2. November) schon 355 Massenschiessereien gegeben hat. Die Definition für eine Massenschiesserei ist ein Vorfall mit mindestens vier Opfern. Hinzu kommen  für 2019 bislang 12615 Morde und 20662 Selbstmorde durch Schusswaffen. Amerika hat kein Waffenproblem, es hat vielmehr eine „public health“ Krise, eine Epidemie, die Jahr für Jahr unbeachtet und unbehandelt bleibt. Es gibt in den USA kein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, aber eben ein Recht auf Waffenbesitz.

Und nun ist Wahlkampf. Auf der Seite der Demokraten wird über strengere Gesetze gesprochen, doch auch die werden die Situation nicht groß verändern. Mit geschätzten 400 – 450 Millionen Schießeisen im Umlauf, ist eine Kontrolle kaum zu meistern. Das muss man ehrlich und offen sagen, das sollten sich die Demokraten auch eingestehen. Bei den Republikanern ist man zumindest schon ehrlicher und lehnt grundsätzlich jede Einschränkung auf Waffenbesitz ab. Das macht auch Donald Trump immer und immer wieder bei seinen Massenveranstaltungen klar. Er und seine Republikaner treten für das „2nd Amendment“ ein, also das „vermeintliche“ Grundrecht auf Waffenbesitz. Das heißt im Klartext, Tausende von Toten, Massenschiessereien und kein sicherer Ort mehr in den USA sind einfach ein Teil des „American Way of Life“. So wie eben Burger, Coke, American Football, Fahne und die Nationalhymne. Darauf, Amerika, kann man wahrlich stolz sein.

Jetzt ist er dran

Er redet von einer Hexenjagd, vom größten Betrug in der amerikanischen Geschichte. Und heute hat er so richtig gekocht. Donald Trump musste am Morgen mitansehen, wie das Repräsentantenhaus dem öffentlichen Amtsenthebungsverfahren zustimmte. Nun werden die Bandagen abgelegt, der richtig fiese Fight kann beginnen. Trump wird alles daran setzen, das, was man nun am Fernseher beobachten kann, zu diskreditieren, Zeugen niederzumachen und Fakten zu verdrehen. Dazu ein Interview:

Die Untersuchungen laufen ja eigentlich bereits, es wurden auch schon Zeugen befragt – was genau bedeutet denn der heutige Entscheid des Repräsentantenhauses?

Es wurde nun festgelegt, festgelegt von der Mehrheit der Demokraten im Abgeordnetenhaus, wie weiter vorgegangen werden soll. Also der Fahrplan für die kommenden Wochen, dazu die Richtlinien und Regeln, wer was wann sagen, beantragen, formulieren und einbringen darf. Das war ein ziemlich langatmiger Prozess, der aber zuvor in einem Ausschuss debattiert wurde und auch gestern auf dem Kabelkanal CSPAN übertragen wurde. Da merkte man schon, das alles wird ein politischer Grabenkampf, sowas haben wir noch nicht gesehen. Die Republikaner haben schon klar gemacht, dass sie das alles als ein Verfahren wie in Sowjetzeiten sehen, also sie blasen kräftig in das Horn, dass die Demokraten als Sozialisten darstellen soll. Donald Trump und seine Partei erhoffen sich dadurch natürlich Punkte bei den Wählern machen zu können.

Es war kein guter Tag für Donald Trump. Foto: Reuters.

Die Untersuchung wurde also formell abgesegnet. Gleichzeitig ist nun klar definiert, wie die kommende Untersuchung von Statten gehen soll. Was sind die zentralen Punkte?

Es gibt zwei wichtige Punkte. Der erste ist, dass das Verfahren nun öffentlich stattfinden soll, das heißt, es wird zum einen live im Fernsehen übertragen. Zum anderen, dass die Zeugenaussagen auch veröffentlicht werden. Damit wollen die Demokraten erreichen, dass die Amerikaner klar und deutlich sehen, warum sie dieses Verfahren begonnen haben und, dass Donald Trumps Anruf bei seinem ukrainischen Kollegen nicht “perfekt” war, wie der Präsident es selbst umschreibt. Der zweite Punkt ist, dass die Demokraten die Oberhand in diesem Verfahren behalten, sie kontrollieren, wer befragt werden kann, welche Beweise eingebracht werden können. Damit wollen sie sicher gehen, dass die Republikaner aus dem Verfahren keinen Zirkus machen und das eigentlich Anliegen gegen Donald Trump dabei untergeht. Das sieht undemokratisch aus, aber ich denke, die Demokraten ahnen schon, dass da ein gewaltiger politischer Kampf auf sie zukommen wird. Es geht einfach um ein geordnetes und zielgerichtetes Verfahren.

Ist denn nun garantiert, dass die Vorgeladenen auch wirklich kommen und aussagen?

Das ist eine schwere Frage, denn in Washington läuft nichts so, wie es laufen sollte. Und dieses Weiße Haus ist dafür bekannt, das erstmal alles blockiert wird. Was heute entschieden wird, kann schon morgen ganz anders sein oder besser gesagt unbedeutend sein. Ich gehe davon aus, dass da einige Klagen kommen werden und einige Richter über das Verfahren und auch Zeugenaussagen entscheiden werden.

Es soll also weniger hinter verschlossenen Türen passieren, die Ermittlungen der Ausschüsse sollen öffentlich sein – wem bringt das mehr – den Demokraten oder den Republikanern?

Ich würde unter Vorbehalt sagen, den Demokraten bringt es mehr. Das kann man daran erkennen, dass die Republikaner sich so stark gegen dieses Prozedere wehren, sie wollen nicht, dass das alles in der Öffentlichkeit passiert. Auch glaube ich, dass die Demokraten einfach direkt die Amerikaner erreichen wollen, das Verfahren wird ja nun im Fernsehen live übertragen und auch die Zeugenaussagen veröffentlicht. Sie wissen einfach, dass sie gegen die Macht von Donald Trump in den sozialen Medien, und wie er die Dinge auslegt, nicht mit gewöhnlichen Mitteln ankommen und es auch nicht aussitzen können. Von daher scheint die Offenlegung all der Beweise, all der Zeugenaussagen wichtig zu sein. Die Frage dabei ist nur, wer sich das anschaut. Die politischen Gräben in den USA werden damit aber sicherlich nicht überwunden. Die Hoffnung ist vielleicht auch, dass man einige der Republikaner erreicht und sie am Ende umstimmen kann.

Wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, folgt erst die eigentliche Abstimmung über eine Amtsenthebung des Präsidenten. Würden Sie sagen, es könnte eng werden für Donald Trump?

Wenn ich darauf eine Antwort wüsste, dann würde ich in Las Vegas ein paar Tausend Dollar wetten, denn diese Antwort könnte mich reich machen. An dieser Stelle kann man das überhaupt nicht sagen. Es geht darum, wie die Stimmung in ein paar Monaten sein wird, was bei diesen Ermittlungen noch heraus kommen wird. Wie beide Seiten auf das reagieren, wie sie die Ergebnisse auslegen. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass es ein Votum entlang der Parteigrenzen sein wird und, dass es fuer eine Amtsenthebung im Senat keine Mehrheit geben wird. Damit taucht die nächste Frage auf, wie die Wählerinnen und Wähler in den USA im kommenden Jahr auf das reagieren werden, was ihnen präsentiert wurde. Es gibt einfach zu viele Wenn und Aber….Der Blick in die Glaskugel, jetzt, ist einfach nicht möglich.

Das Feuer wird politisch

Ein Fake Bild vom Präsidenten verbreitet.

Kalifornien brennt weiter, ein Ende ist noch nicht in Sicht. In der Nähe der Ronald Reagan Library in Simi Valley ist ein weiteres Großfeuer ausgebrochen. Donald Trump tweetet gar nichts zu der ungebremsten Katastrophe in Kalifornien, er verbreitet lieber ein billig bearbeitetes Foto, das ihn und den Hund zeigt, der im Anti-Terror Einsatz Abu Bakr al-Baghdadi gejagt haben soll. Darauf hängt Trump dem Hund einen Orden um. Darüber schreibt der Präsident „American Hero“. Ein gefaktes Foto von einem Mann, der tagtäglich gegen die „Fake News“ wettert. Interessant sind vor allem die witzigen Kommentare unter diesem präsidialen Tweet. Einer schreibt, Trump müsse sich in das Bild „photoshoppen“, denn der Hund würde ihm sonst in seine „kleinen Hände“ beißen.

Kalifornien interessiert da nicht, darum kümmert sich nun sein Haussender FoxNews. Dort wird erklärt, dass die Klimaschützer und die linken Horden für die Flächenbrände verantwortlich seien, denn die verhinderten eine sinnvolle Umweltschutzpolitik und sinnvolle Brandprävention. Da wird dann auch noch das Energieunternehmen PG&E zum Opfer gemacht. Der arme Konzern würde ja so gerne „fire protection“ durchführen, aber das würde immer wieder verhindert werden.

Unterdessen sind noch immer Hunderttausende ohne Strom. 100.000 Menschen können in Sonoma County noch immer nicht zurück in ihre Häuser, im Süden fliehen die Menschen vor den Flammen. Die öffentlichen Parks in meiner Gegend sind noch immer aufgrund der extremen Feuergefahr gesperrt. Bei mir gingen zum Glück die Lichter wieder an. Langsam kehrt der Alltag in diesem Teil des Bundesstaates zurück. Aber die Spuren der Feuerwalzen werden noch lange zu sehen sein.

Kleines Update aus Nordkalifornien

Mehr als 4000 Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen. Foto: AFP.

Das Kincade Feuer ist weiter gewachsen und dennoch sind die „Fire Fighters“ optimistisch. Seit gestern morgen, nachdem die heftigen Winde etwas abgeflaut waren, konnten einige wichtige Schneisen errichtet, einige kontrollierte Gegenfeuer gelegt werden. Derzeit sind etwa 15 Prozent des Feuers unter Kontrolle. Man hofft, die Brände bis zum 7. November ganz gelöscht zu haben. Betroffen ist nach wie vor eine Fläche in der Größe von Nürnberg, Fürth und Erlangen. Die große Frage ist derzeit, wie sich die heftigen Winde auf die Brände auswirken werden, die heute Abend erwartet werden. Die kommenden 24 Stunden werden alles entscheidend sein.

Tausende von Einsatzkräften sind vor Ort, einige Evakuierungsmaßnahmen wurden aufgehoben, Tausende Anwohner können wieder in ihre Häuser zurück. Ein Funken Hoffnung gibt es. Dennoch sind nach wie vor Hunderttausende in der Region ohne Strom. Zwar wurden gestern viele Haushalte wieder ans Netz angeschlossen – mein Haus und meine Nachbarschaft blieb allerdings „dark“ – doch für heute Abend ist bereits die nächste massive und weitreichende Stromabschaltung in Nordkalifornien angekündigt worden. Das würde bedeuten, dass ich dann wohl erst am Freitag wieder Strom zu Hause haben werde.

Die Brände in Sonoma County sind auch hier in Oakland, nahezu 100 Kilometer entfernt, deutlich zu spüren. Eine dicke Rauchwolke hängt in der Luft, schon nach kurzer Zeit im Freien bekommt man Kopfschmerzen. Dennoch werde ich gleich mal mit meinem Hund losgehen, nutzt ja nichts, mal sehen, ob ich irgendwo einen Zugang zum Waldgebiet in meiner Gegend finde, der nicht wegen Feuergefahr gesperrt ist.

330 Brände in 20 Stunden

Mit kontrollierten Feuerschneisen gegen den Flächenbrand. Foto: AFP.

Warum fällt mir gerade in so einer Situation diese olle Textzeile aus einem NDW-Klassiker ein „es brennt so gut, bald sieht man nur noch Glut…“. Kalifornien brennt, am Montagmorgen gab Gouverneur Gavin Newsom bekannt, dass innerhalb der letzten 20 Stunden 330 Brände bekämpft wurden. In der Nacht auf Montag nahm das Ausmaß des Kincade Fires in Sonoma County noch einmal zu. Die eineinhalbfache Fläche von Nürnberg ist nun betroffen, gerade mal 5 Prozent sind unter Kontrolle.

Und in Los Angeles, in der Nähe des Getty Centers, ist auch ein Großfeuer ausgebrochen. Im nahegelegenen Brentwood mussten u.a. Arnold Schwarzegger und LeBron James ihre Häuser verlassen. Die Flammen machen vor niemandem Halt. Unterdessen wächst der Ärger über den Stromversorger PG&E, der weder einen klaren Plan, noch glaubwürdige Informationen zu haben scheint, wann der Strom für Hundertausende Haushalte wieder angestellt wird. Dazu kommt, dass das mangelhafte Equipment des Unternehmes etliche der Feuer entfachte. Nach dieser Krise stehen viele offene Fragen im Raum.

Die Winde haben heute etwas nachgelassen, doch das heisst nicht, dass die Lichter wieder angehen. Morgen sollen, so die Meteorologen, erneut heftige Stürme auf uns zu kommen. Die Frage also ist, ob PG&E einfach den Schalter unten läßt, bis auch diese neuen Lüftchen vorbeigezogen sind, oder ob man zwischenzeitlich versucht einige der Haushalte wieder mit Strom zu versorgen. Außerdem muss, so das Unternehmen, jede Stromleitung noch vor dem Einschalten begutachtet werden. Noch Fragen?

Unterdessen kämpfen rund 4000 Feuerwehrleute in Sonoma gegen die Flammen, darunter auch etliche Trupps aus benachbarten Bundesstaaten. Die Krise ist hausgemacht, dass habe ich an dieser Stelle schon mehrmals geschrieben. Dazu kommt der Klimawandel, der in Kalifornien deutlich zu spüren ist, auch wenn an der anderen Küste im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der den „Climate Change“ als „Hoax“, als Schwindel und als von Chinesen erfunden bezeichnet. Schwierige Zeiten hier in den USA und in Kalifornien, die Nachrichtenlage überschlägt sich tagtäglich. Man kann nur auf einen einigermaßen guten Ausgang hoffen.