Der 3. Oktober in den USA

Was war da nochmal am 3. Oktober? Genau, vor 20 Jahren wurde der wohl berühmteste Freispruch unserer Zeit gefällt. „Not Guilty“ hieß es im Gerichtsgebäude von Los Angeles.

     

Mehr als 100 Millionen Menschen in den USA waren damals live dabei, hielten inne und warteten auf die Entscheidung der Jury. Hier Jubel, dort tiefe Bestürzung. O.J. Simpson war für den Doppelmord an Nicole Brown Simpson und ihren Freun Ronald Goldman frei gesprochen worden. Ein Jahrhundertprozess, ein Jahrhundertereignis, ein historischer Fernsehmoment.

Heute am 3. Oktober erinnern sich viele an dieses Ereignis 1995, reden darüber, wo sie damals waren, als die Nachricht vom Freispruch verbreitet wurde. „The Juice“, wie OJ auch genannt wird, hat die 90er Jahre geprägt.

Foto: GKSF.

Foto: GKSF.

Natürlich berichten auch einige Medien in den USA über 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung. Aber für die Amerikaner war der Fall der Mauer ein Jahr zuvor ein größeres und wichtigeres Ereignis als das Zusammenwachsen beider deutscher Staaten. Ronald Reagans Rede vor dem Brandenbuger Tor, geschützt von kugelsicherem Glas, ist im aktuellen Präsidentenwahlkampf sehr gegenwärtig. „Mister Gorbachev, tear down this wall“. Die Republikaner verweisen auf Reagan und seine harte Haltung gegenüber der Sowjetunion als Beispiel dafür, wie Amerika heute gegenüber Russland auftreten sollte. Obama, so die Einschätzung quer durch die Bank, wird nie ein Ronald Reagan sein.

Im deutschen Generalkonsulat findet heute der alljährliche Empfang zum Tag der deutschen Einheit statt. Es wird gefeiert, erinnert, gesungen. An diesem Tag trifft sich die deutsche Gemeinde am Golden Gate bei Brezeln, Bier und Wein. Die Stimmung wird ausgelassen sein, 25 Jahre deutsche Einheit sind ein Grund zum Feiern. Doch die amerikanischen Gäste wissen, dass bei den Deutschen immer auch kritische Töne durch- und hochkommen. Die Probleme der Einheit, die aktuelle Flüchtlingskrise, die Europäische Union. Bei den Deutschen gibt es keine Jubelfeiern, das erwartet hier auch niemand.

 

 

Mandela am Golden Gate

Nelson Mandela hatte eine enge Verbindung zur San Francisco Bay Area. Hier begann die Protestwelle gegen das Apartheid Regime in Südafrika, hier wurde lautstark die Freilassung des politisch Gefangenen ANC-Führers verlangt. Und diese Rufe waren im ganzen Land und darüberhinaus zu hören.

Als das Weiße Haus und der US Kongress in Washington sich nicht klar für Frieden und Freiheit am Kap der guten Hoffnung aussprachen, war der damalige Abgeordnete Ron Dellums eine einsame Stimme im Parlament, die allerdings nicht verstummen wollte. Er forderte schon in den Spätsiebzigern drastische Sanktionen gegen Südafrika. Die Menschen in der Bay Area organisierten sich, unterstützt von zahlreichen Prominenten. Sogar die Longshoremen, die Hafenarbeiter von Oakand, weigerten sich Schiffe aus Südafrika zu entladen. Ein Affront ohnegleichen. Die Protestfront war breit und hörbar. Sogar der damalige republikanische Gouverneur George Deukmejian forderte das Einfrieren der südafrikanischen Gelder im Land.

Die Rufe aus Kalifornien wurden im ganzen Land gehört, der Protest wuchs. Kurz nach seiner Entlassung aus der Haft besuchte Nelson Mandela die Bay Area. Am 30. Juni 1990 wurde Mandela im Football Stadium, dem Oakland Coliseum, triumphal von Zehntausenden empfangen.

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