Zum letzten Mal…

Am 20. Februar 2008 schrieb ich den ersten Beitrag in diesem Blog „If you’re going to San Francisco – Arndt Peltner berichtet aus den USA“. Die Überschrift lautete „Obama Osama“ und es ging um den Wahlkampf 2008: „Ach wie peinlich…und schon wieder musste sich der Fernsehsender MSNBC öffentlich entschuldigen. In der Sendung „Hardball“ mit Moderator Chris Matthews wurde ein Bild von Osama bin Laden eingespielt, als Matthews über Barack Obama sprach.“ Das war damals ein Skandal!

Das liegt nun zwölfeinhalb Jahre und 3039 Beiträge zurück. Dieser hier ist der 3040te und wohl der letzte Blogbeitrag an dieser Stelle. Es ist Schicht im Schacht. Die redaktionellen Umstrukturierungen und Einsparungen im Pressehaus Nürnberg haben auch zu der Entscheidung geführt, dass die Blogs eingestellt werden. Was nun kommt ist noch nicht klar, aber ich soll wohl auf der nordbayern.de Webseite eine Möglichkeit für Berichte aus den USA erhalten. Genaueres weiß ich auch noch nicht.

Dieser Blog ist mir über die Jahre ans Herz gewachsen. Ich habe nicht nur von der Politik, der Kultur, den Eigenheiten aus den USA berichtet, wo ich seit 1996 lebe, sondern auch von meinen Reisen nach Mexiko, Afghanistan und Ruanda, aus dem Kongo, Uganda, Burundi, Tschad, Niger, Somaliland, Puntland und Sudan. Es wurde ein Reiseblog der etwas anderen Art, in dem ich von Situationen, Begebenheiten, Menschen und Erfahrungen „on the road“ berichtete. Mal versuchte ich die Sprachlosigkeit auszudrücken, als ich an Orten des Massenmordes in Ruanda stand. Mal berichtete ich vom Leben in der gefährlichsten Stadt der Welt, Ciuadad Juarez. Mal vom Besuch bei einem Rebellenpräsidenten im Osten des Kongos, als vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehr und Raketenwerfer standen und wir im Haus vor dem Interview ersteinmal beteten und zu Mittag aßen. Ich hatte die Möglichkeit in diesem Blog über meine Reisen mit der Hilfsorganisation CARE zu schreiben, die ich in Länder begleiten durfte, in die ich sonst nie gekommen wäre. Im Süden des Tschads sass ich in einer kleinen Hütte einer Frau gegenüber, die auf der Flucht aus der Zentralafrikanischen Republik alles verloren hatte, auch ihre Kinder. Die von Gewalt und Vergewaltigung sprach, auf der Flucht und im Lager. Im südlichen Niger wurde mir ein Haus in einem kleinen Dorf angeboten. In Somaliland hatte ein lokaler Journalist wohl mein NZ Blog falsch übersetzt, fortan sollte ich aus Gründen der Sicherheit zeitversetzt bloggen. Interessanterweise hatte der Reporter kein Bild von mir im Internet gefunden und setzte stattdessen eines einer „Anne Peltner“ in seinen Artikel. Auch das sind unvergessene Erlebnisse.

Dann war da diese Geschichte über die weibliche Genitalverstümmelung in Somaliland. Dabei kam ich an meine journalistischen und auch persönlichen Grenzen, denn nichts, aber auch rein gar nichts rechtfertigt diese grundlose Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Ich sass da einer älteren Frau gegenüber, die erzählte, wie sie die Klitoris und die Schamlippen von kleinen Mädchen abschneidet und die Wunde anschließend mit Dornen schließt, während ihre Mutter und ihre Großmutter sie festhalten. Sprachlosigkeit!

Krieg, Hunger, Dürre, Elend, Armut, Gewalt, Tod, Ungerechtigkeit, Hoffnungslosigkeit. All das habe ich zu Genüge auf diesen Reisen erlebt und auch an dieser Stelle hier darüber berichtet. Aber ich fand auch immer wieder faszinierende Geschichten vor Ort. Fussball in Puntland, Hip Hop in Ruanda, mutige Frauen im Sudan, Rückkehrer in Somaliland, die an ihr Land glauben und sich engagieren, wunderbare Musik im Niger.

In einem Flüchtlingslager im somalischen Puntland. Auch darüber schrieb ich im Blog.

Und immer waren da Menschen, mit denen man lachen konnte, die einen aufnahmen, mit denen man Geschichten teilte, die neugierig fragten, die bereitwillig antworteten, mit denen man sich hinsetzte und Tee trank. Das klingt banal, aber für mich wichtig, denn es ging mir nie nur darum, über ein Thema zu berichten. Und da hatte ich hier in diesem Blog die Möglichkeit den erweiterten Blick schweifen zu lassen, denn oftmals waren diese „anderen“ Geschichten in Redaktionen nicht gefragt. Ich erinnere mich noch an die Antwort eines Chefredakteurs eines Radiosenders, der mir nach meiner Rückkehr aus dem Tschad sagte, ja, die Flüchltingskrise im Süden des Landes sei sicherlich ein Thema, aber derzeit sei bei ihnen Afrika nur Ebola. Mehr Platz habe man nicht. Da kamen für mich immer diese Seiten zum Zuge, die mir ermöglichten das niederzuschreiben, was ich erlebt, gesehen, erfahren und auch gespürt habe.

Diese Reiseberichte waren für mich auch eine Abwechslung von meiner Arbeit hier in den USA. Gerade in den letzten Jahren mit Präsident Donald Trump war die US Berichterstattung eine große Herausforderung. Themen, die gab es genug, auch das Interesse daran. Doch selbst ich, der hier schon lange lebt, vergleichen und einordnen kann, der auch Amerikaner geworden ist, selbst für mich wurde es immer schwerer das zu erklären, was hier derzeit passiert.

Ich habe die Leserinnen und Leser dieser Zeilen mit ins Staatsgefängnis von San Quentin genommen, sie begleiteten mich auf meinen Fahrten quer durchs Land, ich habe ausgefallene Musik vorgestellt, versuchte stets den Alltag in einem Land zu beschreiben, das ähnlich, doch auch wieder ganz anders ist. Und das eben aus meiner Perspektive, von einem, der aus Nürnberg in die San Francisco Bay Area zog, drei Jahre bleiben wollte, dann länger blieb, sesshaft wurde und schließlich auch die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Die Sichtweise eines Journalisten, der irgendwie dazwischen hängt, nicht richtig weg und auch nicht richtig angekommen ist. An dieser Stelle Danke an alle, die über die Jahre mitgelesen haben, mir schrieben, mir Rückmeldungen gaben, mir das Gefühl vermittelten, dass das, was ich hier in diesem Blog mache, irgendeine Bedeutung hat. Danke! Von daher, auf bald an anderer Stelle.

Es geht nicht um Qualität

Richard Grenell wurde Botschafter in Berlin, nicht weil er ein guter Diplomat, ein Kenner Deutschlands oder Europas, ein Verteidiger der transatlantischen Partnerschaft war, sondern weil er ein 150prozentiger Unterstützer von Donald Trump ist. Blind, gehorsam, kritiklos, einfach abnickend und lauthals verteidigend, was der Boss im Oval Office vorgibt. Und genauso macht man Karriere in der Trumpschen Welt. Um Vorwissen, Einfühlungsvermögen oder gar eine Ausbildung geht es nicht.

Die Trumpistin Merritt Corrigan arbeitet nicht länger für USAID. Foto: AFP.

Merritt Corrigan ist ein anderes Beispiel. Sie wurde im Frühjahr von Trump bei der staatlichen Entwicklungshilfeorganisation USAID als Verbindungsperson zum Weißen Haus eingesetzt. Kein Spur davon, dass sie eine Ahnung von Entwicklungs- oder Außenpolitik hat. Corrigan arbeitete zuvor für die republikanische Partei und auch in der amerikanischen Botschaft in Budapest. Da fiel sie auf, dass sie den ungarischen Präsidenten Victor Orban „the shining champion of Western civilization“ nannte. Schon zuvor wetterte sie gegen Feminismus, Flüchtlinge und liberale Werte. Corrigian selbst sieht sich als christliche Kämpferin, die diese Grundhaltung auch an ihren Arbeitsplatz bei USAID mitbrachte. Mit Unterstützung der fundamentalistischen Evangelikalen in den USA trat sie ihren Job an, denn die hatten mit Mike Pence eine „christian warrior“ im Weißen Haus, der fortan die Entwicklungshilfe der USA auf ihren Kurs brachte – gegen Abtreibung, gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften, für christliche Familienwerte.

Doch bei USAID flog Merritt Corrigan nun nach nur wenigen Monaten raus. Immer wieder kämpfte sie gegen Projekte der Behörde an, wie sie es auch in einem Tweet darlegte: „Gay marriage isn’t marriage Men aren’t women US-funded Tunisian LGBT soap operas aren’t America First“. Und weiter „The United States is losing ground in the battle to garner influence through humanitarian aid because we now refuse to help countries who don’t celebrate sexual deviancy. Meanwhile, Russia and China are happy to step in and eat our lunch.“

Ihre Anti-LGBTQ Haltung wurde ihr nun zum Verhängnis. Seit Montag 15 Uhr ist sie nicht länger bei USAID angestellt, verkündete die Entwicklungshilfeorganisation. Doch Corrigan will sich damit nicht abfinden. Sie kündigte für Donnerstag eine Pressekonferenz an, um, wie sie sagt, die anti-christliche Politik und Vorgehensweise von USAID offenzulegen. Sie beschuldigt die Medien und Politiker der Demokraten einer Schmierenkampagne gegen sie. Sie werde sich nicht „radikalen, anti-christlichen Linken“ unterwerfen. Noch hat Donald Trump nicht auf den Rauswurf seiner Frau in der Behörde reagiert, aber das ist nur eine Frage der Zeit, denn verschiedene evangelikale Gruppen im Land fordern Konsequenzen nach dem Rauswurf ihrer Frau bei USAID.

 

Der Tanz mit den Teufeln am Horn von Afrika

Wenn man an das Horn von Afrika denkt, dann fallen einem vor allem Krieg, Chaos, Terror, Hunger und Seepiraten ein. Die Hochzeiten der Kulturmetropole Mogadischu sind lang her, lang vergessen. An eine spannende, reiche und vielseitige Musikszene in der Region denkt wohl kaum jemand. Doch die gibt es, wie das neue Album von Ostinato Records “The Dancing Devils Of Djibouti” zeigt

Neun von zehn Befragten haben noch nie etwas von Dschibuti gehört, der kleinen Republik am Horn von Afrika, zwischen Eritrea, Äthiopien und Somaliland gelegen. Das kleine Land mit noch nicht einmal einer Million Einwohnern liegt strategisch, wie es Vik Sohonie von Ostinato Records beschreibt: „Wenn wir an Dschibuti denken, dann an die Militärbasen. Daran, dass die USA von dort ihre Drohnen starten, um Somalia zu bombardieren.“

Vik Sohonie hatte zuvor mit seinem Label Ostinato Records die Platte “Sweet as broken Dreams” veröffentlicht, Musik aus der boomenden somalischen Metropole Mogadischu, bevor sie zerstört wurde. Dafür waren er und sein Mitstreiter wochenlang vor Ort, hörten sich durch Klangarchive bei Radiosendern und Kultureinrichtungen und suchten auf den Märkten der Region alte Kassetten. Und bei den Recherchen stießen sie auch auf die Musik im Nachbarland Dschibuti, am Golf von Aden gelegen, einem Knotenpunkt der Schifffahrt. „Ähnlich wie das auch in Somalia war, trafen und vermischten sich hier die verschiedenen Kulturen der Händler, denn ist so ein strategischer Punkt der Welt. Wenn man das alles zusammenfasst, dann versteht man, dass Dschibuti nicht nur heute ein Ort des globalen Interesses ist. Vielmehr ist es ein Ort, an dem sich all diese Kulturen von überallher trafen.“

Vik Sohonie und sein Label Partner reisten erneut nach Dschibuti, um dort Musik ganz neu aufzunehmen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Musikindustrie in dem kleinen Land wird seit der Unabhängigkeit 1977 staatlich kontrolliert. Und alles wurde im Studio des Nationalen Rundfunks aufgenommen. Es ging den beiden diesmal nicht darum, einfach nur Archivmaterial zu kopieren und zu veröffentlichen. Sie wollten an diesem Ort, in diesem alten Studio alte Songs ganz neu aufnehmen. Nach langem hin und her bekamen sie die Erlaubnis zehn Songs aufzuzeichnen, die nun auf dem Album “The Dancing Devils of Djibouti”, eingespielt von der Groupe RTD, zu finden sind. „Als wir die Band zum ersten Mal hörten, war das in diesem Aufnahmestudio. Hier hatte zuvor jeder gespielt, hier wurden Tausende von Songs eingespielt. Da ist diese Energie im Raum, diese historische Energie, auch wenn das Studio nicht mehr im besten Zustand ist. Aber da ist auch eine grandiose Akustik. Wenn die Band da spielt, ist es einfach atemberaubend.“

Es ist wahrlich ein musikalischer Schatz, der hier gehoben wurde. Musik zwischen Funk und Reggae, Harlem Jazz, indischem Bollywood und arabischen Einflüssen. Eine mitreißende Mischung, die bislang kaum bekannt war und nun sicherlich ein ganz neues Interesse finden wird. Und das mehr als verdient. Zehn Songs, die den musikalischen Reichtum dieser Region ausdrücken. Für Vik Sohonie drückt ein Lied das besonders aus, das übersetzt “You Are the One I Love” heißt: „Er gibt sehr gut dieses Ost-Afrika Gefühl wieder. Über diesen Song bekommt man einen Einstieg in die Musik Dschibutis. Da ist amerikanischer Funk und Jazz, ein bißchen Äthiopisch, ein bißchen Somalia, ein bißchen Indisch, ein bißchen von allem…. I think it’s the perfect stew for people to appreciate the music of Djibouti.”


Auf der Bandcamp Seite des Labels kann man schon mal in zwei Songs reinhören.

Dunkle Wolken am Horn von Afrika

Somalia ist ein Land, das seit nunmehr drei Jahrzehnten keine Ruhe findet. Der Großteil der Bevölkerung ist mit Krieg, Chaos, Konflikten, Hunger, Vertreibung und Elend aufgewachsen. Die Region ist hart vom Klimawandel betroffen und derzeit ziehen gewaltige Heuschreckenschwärme über die Länder am Horn von Afrika. Die Ernte ist in Gefahr.

Covid-19 trifft am Horn von Afrika auf eine unvorbereitete Bevölkerung.

Doch das ist noch nicht alles. Wie die Hilfsorganisation CARE berichtet, sind die Infektionszahlen von Covid-19 alarmierend. Am 5. Mai wurden 756 Fälle gemeldet, darunter 35 Tote. Es gibt nicht genügend Tests in Somalia, das zeigt diese Zahl ganz deutlich. Doch was aufhorchen läßt ist, dass 60 Prozent der Getesteten positiv sind. Das bedeutet, auf das Land und die gesamte Region rollt eine Krankheitswelle zu, die kaum noch zu kontrollieren ist. Im Vergleich, in den USA wurden rund sechs Millionen Menschen auf Covid-19 getestet, davon waren 17 Prozent positiv. Und das in einem Land, das das „beste Gesundheitssystem der Welt“ hat, so Präsident Donald Trump.

In Somalia sind weniger als 20 Prozent der Kliniken und Gesundheitszentren mit dem nötigen Equipment und Schutzmaterial für Ärzte und Pflegekräfte ausgestattet. Sauberes Wasser, Seife, Hygieneartikel sind in vielen Teilen des Landes nicht oder nur mangelhaft vorhanden. Somalia hat mit rund 2,6 Millionen inländisch vertriebenden Menschen (IDPs) ein riesiges Problem, denn viele von ihnen sind in Flüchtlingslagern oder bei Verwandten untergekommen.

Hilfsorganisationen, wie CARE, versuchen nun Materialien ins Land zu bringen, doch das ist angesichts der fehlenden Flüge und der internationalen Einschränkungen nicht ganz so einfach. Während man in Europa, in Asien und Nordamerika wieder vorsichtig zu einer Normalität zurückkehren will und kann, beginnt die Krise erst so richtig in Ländern wie Somalia. Es ist erneut eine fast vergessene Krise, weit weg, aus dem aktuellen Blickwinkel. Dazu kommt, dass viele in den USA und Europa in diesen Zeiten eine Bauchnabelschau veranstalten, was jenseits der Grenzen passiert interessiert nicht. Schon gar nicht, wenn die Grenzen weit weg sind. Man sollte daher jetzt auf die lauten Rufe von Hilfsorganisationen hören, denn sie sind noch immer im Einsatz „on the ground“. CARE ist gut vernetzt in der Region, einige der Projekte, gerade im Hygienebereich (WASH), konnte ich in der Vergangenheit besuchen.

Weitere Infos zur Arbeit von CARE in Somaliland, Somalia und anderen Ländern in Covid-19 Zeiten kann man hier finden.

„Ich lass‘ mich in den Äther saugen“

Heute ist Weltradiotag. An dieser Stelle sollte man mal an all jene Radiomacher denken, die den Hörfunk für sich entdeckt haben. Nein, ich spreche nicht von den Profis im kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Rundfunk, vielmehr von all denen, die ich ich über die Jahre in High School und College Sendern, Community Stationen und offenen Kanälen getroffen habe.

Im Tonarchiv eines Senders in Somalia.

Für mich selber ging es bei Radio Z in Nürnberg los, eine Station, die so ganz anders war und ist. Dort machte ich meine ersten Radioschritte. Neben Radio Z gibt es auch noch den Ausbildungskanal afk max/max neo in Nürnberg, den ich sehr gut kenne. Dort werden junge Radiomacher geschult und für Karrieren im Hörfunk vorbereitet. Ein tolles Konzept, ein engagiertes Team, die Ergebnisse lassen sich durchaus hören.

So richtig auf den „Geschmack“ von Community Stationen bin ich in San Francisco gekommen. Kurz nach meinem Umzug in die Bay Area 1996 fing ich auf KUSF, dem Collegesender der University of San Francisco mit meiner Sendung Radio Goethe an. „Mach mal“, hieß es und das langte mir, um allwöchentlich auf Sendung zu gehen. KUSF war eine Station, auf der sich alles traf. Armenier und Finnen, Türken und Chinesen, Perser und Polen, ein schwuler Pastor genauso wie ein Astrologe. Dazu Unmengen an Independent Musik. Vieles hörbar, manches nur schwer zu genießen. Ein Highlight war für mich auch das Kennenlernen der „Piratensender“ in der San Francisco Bay Area. Senden ohne Lizenz und mit politischer Message: „the airwaves belong to the people“.

Besuch einer Community Station im Niger.

Mit der „Syndication“ meiner Sendung lernte ich andere Stationen vor allem in den USA und Kanada kennen. Da ist KWMR in West-Marin oder KOWS in Sonoma County oder KRYZ in Mariposa. Da ist CFUV in British Columbia oder WBDG in Indianapolis, aber auch RaBe in Bern. Und zuletzt lernte ich KKUP in San Jose kennen. Community Stationen, die fernab des kommerziellen Radios Musik- und Wortprogramme ausstrahlen. Manchmal holprig, doch eigentlich immer mit Herz. Auf all meinen Reisen nach Afrika ist es mir immer wichtig, Radiostationen zu besuchen, zu sehen, welche Bedeutung der Rundfunk heute noch hat. Und immer treffe ich auf engagierte Radiomacher, die oftmals das beste aus den wenigen Mitteln und der Technik holen, die ihnen zur Verfügung stehen. Einfache Studios, es wird oftmals improvisiert. Am Ende klingt das, was da über den Äther kommt einfach gut und erfrischend.

An all diese Radiomacher sollte man heute denken, die den Hörfunk als wichtige Stimme ihrer Community erkannt haben. Die sich einsetzen, motiviert sind und das Radio zu dem machen, was es sein sollte – eine Stimme in der Community. Die Musik spielen, Kunst, Kultur, Literatur, Stimmen aus unserer Mitte oder vom Rand der Gesellschaft vorstellen, die man sonst nirgends hört. „To give a voice to the voiceless“… Radio verbindet, informiert, bildet, unterhält. Auch wenn immer wieder erklärt wird, das Radio habe keine Zukunft, daran glaube ich nicht. Radio ist das unmittelbarste und schnellste Medium. Es ist ganz einfach und billig on-air zu gehen, Menschen zu erreichen. Eben auch und gerade in Krisenzeiten und Konfliktgegenden. Radio hat eine Zukunft, so lange es all jene gibt, die an das glauben, was sie vor dem Mikrofon machen.

Nach dem Rückblick der Ausblick

2020 steht vor der Tür. Übermorgen ist es so weit und ich habe keine Ahnung, was das kommende Jahr bringen wird. Viel Donald Trump, das zumindest weiss ich. Denn es ist Wahljahr und es geht ums Weiße Haus. Aber was da in den kommenden Monaten auf uns alle zukommen wird, ist noch völlig unklar. Wobei man schon jetzt vermuten kann, dass der Wahlkampf alles andere als „Friede, Freude, Eierkuchen“ werden wird.

Natürlich werde und, ja, muss ich auch darüber berichten. Viel Wahlkampf, wer setzt sich bei den Demokraten durch, wie stellt sich die Partei damit auf, wie reagiert Donald Trump, was wird er tun, um an der Macht zu bleiben? Viele offene Fragen, auf die noch niemand eine Antwort weiß. Aber ich hoffe, ich kann auch im kommenden Jahr einiges fernab des Politalltags und des Trumpschen Wahnsinns berichten.

Anfangen wird das Jahr für mich mit einer neuen Sendung. Auf KKUP, einer Community Station in San Jose mit einer starken UKW Frequenz, werde ich eine monatliche Nachtsendung moderieren. Angedacht ist Mittwoch von 00:00 bis 3 Uhr (in Deutschland 9 bis 12 Uhr). Ich habe Lust darauf wieder live zu senden. Spielen will ich experimentelle, ausgefallene und elektronische Musik. Manches wird ein wahres Klangbad zu früher Stunde sein, anderes eine Herausforderung für die Hörer. Ich freue mich darauf.

Eine Sendung über die Area 51, Ufos und Außerirdische kommt noch.

Gleich mehrere Features sind in der „Pipeline“, darunter die Ausarbeitung des Themas „Musik in Krisenzeiten und Konfliktgegenden“ für das ich im Niger und in Somaliland war. Daneben kommt eine Sendung über UFOs und Außerirdische in den USA. Dann arbeite ich mit einer Kollegin in Afrika an einem international brisanten Politikthema. Sie dort, ich hier, und ja, es geht dabei auch um Trump. Ich will etwas zu Flüchtlingen und „undocumented immigrants“ machen, auch mal ganz, ganz hoch hinaus, wenn ich dafür einen Abnehmer finden kann. Ich hoffe, ich werde etwas mehr in den USA unterwegs sein, aus Gegenden berichten, die oftmals außen vor gelassen werden. Dann plane ich ein oder zwei weitere Reisen nach Afrika, sowohl in Somaliland wie auch im Sudan warten sehr interessante und spannende Geschichten.

Natürlich werde ich auch wieder Musik- und Religionsgeschichten suchen und finden und für Radio Goethe im Jahr 24 will ich ein paar thematische Sendungen produzieren. Ein Hörspiel über San Quentin und die Death Row schwebt mir vor, in dem ich all die Aufnahmen, Briefe, Kontakte, Erfahrungen, Besuche und auch Emotionen und Eindrücke aus den letzten 25 Jahren einbauen könnte. Mal sehen, ob ich dafür die Zeit und die Ruhe finde. Ach ja, dann arbeite ich auch noch mit an einer größeren Ausstellung über die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco und in die Bay Area. Dafür werde ich Audio Files für Hörstationen und eine Webseite produzieren.

Hier stapeln sich die Bücher, die gelesen werden wollen. Daneben viel neue und alte Musik, die gehört, entdeckt und wiederentdeckt werden will. 2020 ist sicherlich ein Jahr, in dem es als USA Korrespondent nicht langweilig werden wird. Doch für mich ist es wichtig, dass ich dabei genau wie in diesem Jahr auch anderes bearbeiten kann, eben nicht nur den Wahlkampf, Trumps Tweets und langweilige Debatten. Das wird schon. Allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und gutes neues Jahr…Happy New Year aus Kalifornien.

Die Hoffnung ist da

Es war eine schnelle Reise einmal halb um die Welt. Von Kalifornien in den Sudan. Nun bin ich wieder zurück in Oakland. Der Sudan ist ein Land im Auf- und Umbruch. In der Hauptstadt Khartum wurde viel von der Revolution gesprochen, der friedlichen Revolution, die Vorbild für andere afrikanische Staaten sein könnte.

Der Blick aus dem Fenster von meiner Unterkunft in Kassala.

Ich sprach in den vergangenen Tagen mit Journalisten und Radiomachern, mit jungen, engagierten Frauen, mit Musikern, Kulturschaffenden. Man hat Hoffnung in diesem Land nach der jahrzehntelangen Dikatur. Das ist zu sehen, das ist zu spüren. Selbst in einem Pizzaladen ist es entspannter geworden. Junge Frauen sitzen zusammen, lachen, machen „Selfies“ ohne Kopftuch, genießen den Tag. So etwas sei vorher nicht möglich gewesen, wurde mir gesagt. Im einzigen englischsprachigem Radiosender in Khartum, Capital 91.6 FM, blickt man optimistisch in die Zukunft. „The heart beat of Sudan“ ist der Slogan dieser Station und der dringt klar und deutlich nach draußen. Die schwierigen Zeiten während des Umbruchs sind vorbei. Deutliche Worte durfte man in der Übergangszeit on-air nicht finden, doch man bezog durch die Musikauswahl Stellung. Ein Lied, wie Tracy Chapmans „Talkin‘ Bout a Revolution„, wurde da zu einer kraftvollen Aussage, bestätigt mir die Moderatorin Maya Gadir.

Im Impact Hub von Khartum sitzen vor allem junge Leute mit Ideen zusammen. Sie repräsentieren das neue Sudan, sind stolz auf ihre Revolution, die ein Land nach 30 Jahren brutaler Regierung durch Omar Bashir, auf einen neuen Kurs gebracht hat. Seitdem sind nur wenige Monate vergangen, vieles ist noch unklar und unsicher, doch die Hoffnung ist groß, dass der Übergang zu einer demokratischen Reform funktioniert, dass der Sudan, das flächenmäßig drittgrößte Land Afrikas, zu seiner Stärke findet, die er eigentlich auf dem Kontinent haben müsste. Hier treffe ich auch Emad Zakria, den Mitbegründer von Share Zone, einem Start-up aus Darfur. Auch das gibt es in dieser von Krieg und Gewalt geprägten Region Sudans. Emad will dabei mithelfen, dass die Jungen bleiben und nicht das Land verlassen. Es ist beeindruckend, zu erleben, zu hören, zu sehen, was gerade im Sudan passiert, Ein Land im Umbruch, im Aufbruch.

Als die Tür während des Interviews mit dem Dorfführer immer wieder aufging, zückte dieser kurzerhand sein Messer und verriegelte die Tür damit.

Und doch, da sind auch die bekannten Bilder. Ich bin mit CARE Deutschland in dieses Land am Nil gereist, die hier unter dem Namen „Care International Switzerland“ arbeiten. Der Grund für diese Reise waren nicht die Revolution, die Start-ups, die Aufbruchstimmung, es war das, was wir in Kassala, im Osten des Sudan, nahe der Grenze zu Eritrea sahen. Vergessene Dörfer, Unterernährung, Wasserknappheit, benachteiligte Mädchen und Frauen, Armut und auch Elend. CARE hat hier in dieser konservativen Region neue Projekte begonnen, gemeinsam mit einer lokalen NGO versucht man zu  helfen. Es ist nicht ganz leicht, denn alte Traditionen, religiöse Überzeugungen, die harten Lebensbedingungen und die Abgeschiedenheit mancher Dörfer lassen eine schnelle Hilfe nicht zu. Es braucht Zeit, Geld und Ausdauer hier Fortschritte zu erzielen. Khartum ist weit weg. Kassala ist eine Gegend, in der viele Flüchtlinge aus Somalia, Somaliland, Eritrea und Äthiopien durchziehen. Es liegt im Zentrum der Schmuggler. Hier ticken die Uhren anders.

Es war für mich die erste Reise in den Sudan und es war beeindruckend, tief bewegend. Die Landschaft, die Kultur, doch vor allem die Menschen, die ich treffen konnte, die mit mir sprachen, die Antworten auf meine vielen Fragen gaben. Die junge Feministin von Amna, der ältere Dorfanführer in Omraika, die ältere vollverschleierte Frau in Kifeteria, die eloquente Programmleiterin von CARE Sudan und viele mehr. Sie alle nahmen sich Zeit, meine Fragen zu beantworten, erklärten mir Umstände, Sachverhalte, kulturelle Gegebenheiten. Nach so einer Reise komme ich zurück, geerdet, dankbar, bereichert. Und ich weiß, ich habe einen wunderbaren Job, der mich in andere Länder, andere Kulturen führt, der mich Orte sehen lässt, die ich wohl nie besuchen würde. Der mich jedoch vor allem mit Menschen in Kontakt bringt, die ich nie getroffen und mit denen ich wohl nie gesprochen hätte. Nun geht es daran, das alles auszuwerten, was ich aufgenommen, gesehen und erlebt habe. Eine besondere Verpflichtung gegenüber all jenen, die ich getroffen habe.

Was für eine Woche!

Kaum zurück, geht es schon wieder los. Nach Somaliland und Niger steht nun der Sudan auf meinem Reiseplan. Aus dem Jetlag komme ich kaum raus. Heute Nacht geht es von San Francisco über Chicago nach Addis Abeba und von dort weiter nach Khartum. Eine spannende Reise wartet, die so ganz anders sein wird, als die, die ich gerade hinter mir habe.

Und bei all dem steppt gerade der Bär hier in den USA. Ermittlungen im Vorfeld eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Donald Trump wurden eingeleitet, es sieht ganz danach aus, als ob sich Trump da selbst ein Loch gegraben hat, er doch angreifbar ist. Das politische Beben in Washington ist enorm, die Folgen noch nicht abzusehen. Kann dieser Skandal Trump zu Fall bringen oder bedeutet der „Impeachment“ Prozess vielleicht sogar die sichere Wiederwahl des Präsidenten? Alles ist möglich in diesem verrückten Land mit seinem durchaus fragwürdigen Wahlsystem.

Was ich nach wie vor nicht verstehe ist, wie die Republikaner noch immer wie eine Eins hinter diesem Mann stehen und die Fakten, die vorliegen, total verdrehen, so, als ob das, was Trump in dem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Kollegen sagte, nicht zählt. Sie tun so, als ob eine Wahlabsprache mit einem ausländischen Regierungschef ein normaler Vorgang sei. Man fragt sich langsam, was passieren muss, was Trump noch tun muss, damit sie endlich aufwachen und erkennen, dass Donald Trump der Totengräber der amerikanischen Demokratie ist. Selbst die Aussagen, der „Whistleblower“ sei kein „Whistleblower“, vielmehr sei er ein Spion und Verräter und früher hätte man solche Leute ganz anders behandelt, lässt in der „Grand Old Party“ niemanden aufschrecken.

In den kommenden Wochen und Monaten kommt einiges auf uns zu. Der Wahlkampf wird nun mit diesen Ermittlungen gewürzt. Was bei diesem Skandal nun kaum noch beachtet wird ist, was die Trump-Administration sonst noch so veranstaltet. Der offene Krieg gegen den Umwelt- und Klimaschutz, alles unter dem wissenschaftsfeindlichen „America First“ Mantel verdeckt, hat weitreichende Konsequenzen nicht nur für dieses Land. Den Schaden, den dieser Präsident anrichtet und das auf dem weiten Feld der Politik, ist noch gar nicht überschaubar. Ob die Uhren da nochmal zumindest zurückgedreht werden können, muss man abwarten. Eines ist jedoch klar, vier weitere Trumpjahre werden für die USA kaum verdaubar sein.

Heute Abend geht mein Flieger Richtung Sudan. Eine ganz andere Welt und vor allem ganz andere Probleme warten dort auf mich. Ob ich da für ein paar Tage dem riesigen Trump-Schatten entkommen kann, ist fraglich, denn das, was er mit seiner Politik anrichtet, hat eben auch massive Auswirkungen auf den Alltag, auf das Leben in afrikanischen Ländern wie den Sudan.

Die AFD in Niamey?

Man erlebt auf solchen Reise, wie ich sie gerade mache, Dinge, die man schlecht einordnen kann, man sieht Sachen, die will man kaum glauben. So war das heute, als ich auf einem Musikfestival in Niamey, der Hauptstadt des Niger war. Tolle Musik und dann hängt da ein Banner, auf dem die Unterstützer dieses Festivals genannt werden. Gleich neben der Europäischen Union steht da „AFD“. Echt jetzt, die „Alternative für Deutschland“, die Partei von Alice Weidel und Bernd Höcke finanzieren hier in der Sahel Zone ein Musikfestival? Nach allem, was diese Leute über farbige Flüchtlinge in Deutschland gesagt haben und sagen, investieren sie hier ihre Parteieuros, um an einem Samstagabend die Hauptstadt des Niger zu beschallen? Oder steht „AFD“ doch eher für „Agence Française de Développement“? Hm, wahrscheinlich, aber man darf sich ja noch wundern.

Momente wie diese

Zweifel habe ich oft. Ob ich die Geschichte, über die ich berichten will, auch wirklich erzählen kann, ob ich die Interviews, die Töne, die Musik bekomme, die ich für ein klangvolles Feature brauche. Manchmal geht es einfach nicht voran, manchmal sehe ich den roten Faden nicht, der sich durch die Story ziehen soll, manchmal klappt hinten und vorne einfach nichts. Bei dieser Geschichte über die Bedeutung von Musik in Konfliktgegenden und Zeiten der Krise, an der ich gerade arbeite, ist das nicht anders. Ich musste meinen Flug nach Somaliland für 700 Euro umbuchen, weil derjenige, mit dem ich vor Ort unbedingt reden musste, der mir viele Interviewpartner vor Ort vermitteln wollte, mir wenige Tage vor dem Abflug in einer Mail schrieb, ich solle doch einen Tag vorher fliegen, da er an meinem eigentlichen Anreisetag nach London fliege. Es war kein Notfall und er wusste seit Mai, dass ich an diesem Tag im September ankomme.

Vieles was sein sollte, ergab sich dann nicht und ich begann innerlich etwas zu rotieren. Wie sollte ich die Geschichte nun erzählen? Ich suchte nach anderen Interviewpartnern in Somalia. Einer, der von sich behauptet, er setze sich sehr für die somalische Kultur ein, dafür, dass die Menschen in den westlichen Nationen Somalia und Somaliland verstehen lernen, ließ mir über seinen Manager in London mitteilen, dass er nur für einen Vorabbetrag von $400 mit mir sprechen würde. Soviel zum Kulturaustausch.

Ein musikaliscer Bilderbuchmorgen in Niamey.

Die Zweifel an dieser Story waren da, auch wenn ich wunderbare Menschen treffen und mit ihnen sprechen konnte, aber diese rote Linie fehlte noch für mich. Dann ging es weiter nach Niamey. Interviews und Eindrücke, die mir die Größe, diese Übergröße dieses Themas vor Augen führen, auch, dass ich das Thema nur ankratzen werde. Musik ist eine wunderbare Sprache, komplex, tief, vielseitig und vielleicht auch unbeschreibbar.

Gestern erlebte ich diese Augenblicke, die dann ganz anders waren. Am Morgen wurde ich quer durch die Stadt zu einem Grundstück gefahren, hohe Mauern, eine gewaltige Metalltür. Dahinter ein offener Platz, ein paar Zelte, Behausungen, ein Schaf blöckte laut, ein paar Ziegen liefen herum, Kinder spielten im Sand. Vom Nebenhaus war Gehämmere zu hören. Es war schon sehr heiß an diesem Morgen, mir lief der Schweiß runter. Eine Frau winkte uns heran, breitete unter einem niedrigen Dach aus Stroh zwei Matten aus, darauf legte sie eine Decke. Moussa, mein Begleiter, und ich setzten uns auf ein paar niedrige Stühle und warteten. Nacheinander kamen drei Tuareg Musiker, die mir Fragen beantworten und ein paar Lieder spielen wollten. Ich sass schließlich da und merkte mal wieder, dass ich einen wunderbaren Job habe, der mich in andere Länder bringt, der mir neue Kulturen zeigt, der mich zu Menschen führt, denen ich Fragen stellen kann, die oftmals beantwortet werden, dass ich Eindrücke erhalte, Augenblicke erlebe, die einzigartig, die bereichernd sind. So auch dieser auf diesem offenen Gelände unter dem Strohdach. Am Schluss noch ein Liedgeschenk, ein traditionelles altes Tuareglied.

Musik, Lagerfeuer, Wetterleuchten und frisch aufgebrühter Tee.

Am späten Nachmittag brachte mich Moussa dann zu seiner Band. Junge Leute sassen in einem Hof zusammen und spielten, sangen, jammten. Unglaublich, welche Kraft Musik ausdrücken kann. Danach fuhren alle raus aus der Stadt zu einem Seitenarm des Niger, unterwegs hielten wir noch an, um Mehl, Wasser und Holz einzukaufen. Auf einer Sandbank dann wurden kleinere Lagerfeuer entfacht, eins zum Tee kochen, eins zum Brot backen, eins für eine Fleischsoße. Während alles zubereitet wurde, griffen zwei zu Gitarren und begannen zu spielen, einer nutzte eine Kalebasse als Percussioninstrument, es wurde gesungen, in einer Sprache, die ich nicht verstand. Am Himmel braute sich ein Unwetter zusammen, ein gewaltiges Wetterleuchten erhellte die sich auftürmenden Wolken, doch es blieb trocken, der aufkommende Wind war angenehm bei dieser drückenden Hitze. Ich legte mich zurück und ließ die Musik einfach wirken. Irgendwo im Niger lag da ein zufrieden lächelnder Berufszweifler, der in diesem Moment erkannte „life’s good“.