28 Bombendrohungen

In den Notrufzentralen in 17 Bundesstaaten schrillten gestern die Telefone. 28mal gingen gestern Bombendrohungen gegen jüdische Kultureinrichtungen und Schulen ein. In San Francisco erhielt die „Anti-Defamation League“, eine Organisation, die sich gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden einsetzt, um 16 Uhr solch einen Anruf. Die benachrichtigte Polizei und Spezialkräfte sperrten und evakuierten einen ganzen Straßenblock auf der zentralen Market Street. Es kam zu einem Verkehrschaos im Feierabendverkehr. Gefunden wurde nichts, nach drei Stunden wurde die Sperre aufgehoben.

Nur eine Woche nach der Schändung eines jüdischen Friedhofs außerhalb von Saint Louis wurde am Wochenende in Philadelphia ein jüdischer Friedhof das Ziel von anti-semitischen Straftätern. Sie kippten auch hier etwa 100 Grabsteine um. Der Anne Frank Center in den USA wandte sich daraufhin mit einem Tweet direkt an Präsident Donald Trump: „Mr. President, es ist an der Zeit, dass sie eine nationalweit übertragene Rede live und zur besten Sendezeit aus dem Oval Office geben, in der sie erklären, was sie gegen Antisemitismus, aber auch gegen die Islamophobie und andere Formen des Hasses unternehmen wollen.“

Donald Trump hat bislang nur am Rande eines Besuches im afro-amerikanischen Smithsonian Museum dazu etwas gesagt. Zuvor hatte er in einer Pressekonferenz auf eine Frage eines israelischen Reporters nach den gestiegenen Übergriffen gegen Juden in den USA erklärt, “Erstens, bin ich die am wenigsten anti-semitische Person, die Sie in ihrem gesamten Leben gesehen haben. Zweitens, Rassismus, ich bin die am wenigsten rassistische Person”. Aber das genügt in dieser Zeit nicht mehr. Seit seinem Wahlsieg haben sich die Drohungen und auch Angriffe gegen jüdische Personen und Einrichtungen dramatisch in den USA erhöht. Allein in den ersten Wochen dieses Jahres wurden 54 jüdische Einrichtungen in 27 Bundesstaaten ganze 70 mal bedroht. Im gesamten letzten Jahr gab es gerade mal eine Anschlagsdrohung.

Das Klima in den USA ist aufgeheizt, auch und vor allem durch Donald Trump. Rassistische und anti-semitische Gruppen sehen sich im Aufwind, fühlen sich durch den Wahlkampf und den Wahlsieg von Donald Trump bestätigt. Der wiegelt zwar ab, aber eben auch eher halbherzig. Nun muß man darauf hoffen, dass der Brandstifter oder zumindest der Brandbeschleuniger zum Feuerlöscher taugt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.