Was war das denn?

Also, es ist mir schon klar, dass man als amerikanischer Präsident seinen Kopf mit allerlei Sachen voll hat. Krieg und Frieden, die eigenen Jungs in Afghanistan, die Eskalation an der türkisch-syrischen Grenze, Arbeitslosigkeit und soziale Kälte….also, da gibt es schon viel, was so einem Präsidenten am Abend durch den Kopf geht. Aber Barack Obama stand heute in dieser ersten Fernsehdebatte mit Mitt Romney völlig neben sich. Er wirkte nervös, unkonzentriert, müde und ausgelaugt. Da fehlte eigentlich alles, was ihn als begnadeten Redner ausmacht. Und das lag sicherlich nicht am fehlenden Teleprompter, denn Obama kann ja in Debatten bestehen, spontan sein, überzeugen, das hat er in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Aber der Auftritt am heutigen Tag sollte ganz schnell abgehakt werden. Das war wirklich nichts.

Mitt Romney hatte sich dagegen gut vorbereitet, wirkte gelassen, locker, sachkundig, auch wenn vieles, was er da an den Mann und die Frau brachte, hinten und vorne nicht stimmte. Aber er verkaufte es gut. Das lag auch an Obama, der auf Steilvorlagen seines Kontrahenten so gar nicht reagierte, vieles einfach im Raum stehen ließ und lieber mit Details und politischen Feinheiten auch den letzten der 50 Millionen Zuschauer verwirrte.

Einen klaren Sieger gab es am Ende nicht, nur Romney gewann das Duell wohl nach Punkten. Er überzeugte im Auftreten, suchte nicht hilflos nach Worten wie Obama, vergatzte auch keine Sätze, wie der Amtsinhaber. Das war dann auch schon alles, ob das allerdings am Ende für Oval Office reicht, das sei mal dahin gestellt.

My Country, My Gun, My Right

71 Menschen in 90 Sekunden. 12 Tote, 59 Verletzte. Das ist die Bilanz des Massakers von Aurora. Es wären wohl mehr gewesen, wenn das Schnellfeuergewehr AR-15 des mutmaßlichen Schützen James Holmes nicht blockiert hätte. Eigentlich sollte es gar nicht mehr möglich sein, diese Art von Gewehren zu erwerben, denn bereits 1994 unterzeichnete der damalige Präsident Bill Clinton ein Gesetz zum Verkaufsstopp für diese Art Schußwaffen. Doch das Gesetz lief 2004 unter dem Nachfolger George W. Bush aus. Und seitdem gab es mehrere Versuche es zu erneuern, doch vergeblich.

Nun, nach der Schießerei in Aurora, wird ein neuer Anlauf unternommen. Mehrere Demokraten, darunter die kalifornischen Senatorinnen Dianne Feinstein und Barbara Boxer, wollen das Verbot wieder in Kraft treten lassen. Die New Yorker Demokratin Carolyn McCarthy, deren Sohn erschossen wurde, warf der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) vor, dass sie mit der Angst der Leute spiele und Abgeordnete unter Druck setze. „Jeder kann auch weiterhin an Thanksgiving auf die Jagd gehen, auch wenn Sturmgewehre verboten sein sollten, denn diese sind nur dazu da, so viele Menschen wie nur möglich in kürzester Zeit zu töten“, so McCarthy.

Aber die Message scheint bei den knarrenverliebten Amerikanern nicht anzukommen. Allein in Colorado stiegen die Anfragen auf Hintergrundchecks bei Waffenkäufen seit dem Massaker um 41 Prozent. Allein am vergangenen Wochenende erhielt das FBI 2887 solcher routinemäßiger Anfragen von Waffenhändlern. Ihnen werden derzeit die Türen eingerannt, so die Gun Shop Besitzer. Viele Kunden hätten Angst, dass Präsident Barack Obama im Falle eines Wahlsieges seine zweite Amtszeit dafür nutzen würde, das „Recht auf Waffenbesitz“ einzuschränken.

Der sprunghafte Anstieg von Waffenverkäufen nach solchen Amokläufen ist in den USA nichts neues. Als im vergangenen Jahr in Arizona die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords im Kugelhagel von Jared Loughner schwer verletzt und dabei auch noch weitere Menschen getötet und verwundet wurden, stieg unmittelbar darauf der Waffenverkauf in Arizona um 60 Prozent.

Amerikaner lieben ihre Knarren, wie auch das Bild einer Waffenliebhaberin mit ihrem speziell lackierten aber funktionstüchtigen Sturmgewehr AR-15 zeigt – dieses Modell kam auch in Aurora zum Einsatz. Die „Love for Guns“ läßt sich in einer Zahl gut auszudrücken. Im Weihnachtsmonat Dezember 2011 wurden in den USA eine Million Fünfhundertvierundreissigtausend Vierhundert und Vierzehn Pistolen und Gewehre verkauft. Noch Fragen!?

 

 

 

 

Kümmerliches Signal von Obama

Barack Obama machte am Sonntagabend auf dem Weg nach Kalifornien Halt in Aurora, Colorado. Quasi auf dem Weg zu Millionen Dollar Wahlkampf Veranstaltungen. Er besuchte nach dem Massaker vom Freitag Angehörige der Opfer und Verwundete im Krankenhaus. Er wollte Trost spenden, da sein, ein Signal setzen. Amerika rückt in solchen tragischen Stunden zusammen. Doch genau das gelang dem Präsidenten nicht. Er wußte, die Fernsehnation wird vor den Bildschirmen sitzen und sehen, wie er am Krankenbett steht, wie er tröstende Worte spendet, große Gesten für die Kameras.

Doch groß war das alles nicht. Groß wäre gewesen, wenn er seinen Kontrahenten im Wahlkampf Mitt Romney eingeladen hätte, gemeinsam nach Aurora zu fliegen, gemeinsam mit dem Republikaner in die Krankenzimmer zu gehen, zu zeigen Politik ist eines, in solch einer Stunde rücken Amerikaner zusammen. So war das nach dem 11. September 2001. So hätte es auch jetzt sein sollen.

Doch es ist Wahlkampf, ein ausgeklügeltes Strategiespielchen, von vorne bis hinten abgewogen, da passen solche großen Gesten wohl nicht ins Bild. Mitt Romney war am Sonntagabend in San Francisco und sammelte Geld ein. 250 geladene Gäste kamen, die jeder 50.000 Dollar bezahlten. Romney meinte, es sei gut, dass der Präsident in Aurora sei und hielt sich in seiner Rede mit direkten Angriffen auf den Amtsinhaber zurück. Das verbiete dieser Abend, meinte Romney.

Schade, Amerika hätte einen gemeinsamen Auftritt von Barack Obama und Mitt Romney bitter nötig gehabt. Einen Schulterschluß, ein Zeichen der Einheit Amerikas in einer schwierigen Situation. Doch all das vertan….für ein Bilder, für ein paar positive Schlagzeilen im 24 Stunden News Kreislauf.

Schießerei im Wahlkampf

Das Blut nach dem Amoklauf im Century Theater in Aurora ist noch nicht trocken, da beginnt schon die politische Diskussion um die Folgen. In beiden politischen Lagern gibt es Flügel, die die unfassbare Tat des 24jährigen James Holmes ausnutzen wollen. Holmes schlich sich in der Nacht zum Freitag durch einen Notausgang in eine Spätvorstellung des neuen Batman Filmes „Dark Knight“, schmiss eine Rauchbombe und eröffnete das Feuer. Ein Dutzend Tote, fast 40 Verletzte und eine Nation, die nicht sprachlos ist.

Waffenenthusiasten befürchten, dass ihr „Grundrecht“ auf eine Knarre ausgehöhlt werden könnte und Präsident Obama in einer möglichen zweiten Amtszeit den Waffenbesitz stärker reglementieren wird. Sie machen schon jetzt mobil, fordern massiv den Wahlkampf von Mitt Romney zu unterstützen, denn nur der Republikaner würde ihnen auch weiterhin das Schießeisen erlauben. Und nicht nur das, sie gehen noch weiter. Die Tat von Aurora zeige, dass eigentlich jeder das Recht habe sollte, mit einer Knarre das eigene Haus zu verlassen, um sich in einem Fall wie diesem zu verteidigen. Also James Holmes hätte von einem der Kinobesucher abgeknallt werden sollen.

Auf der anderen Seite verlangen schon jetzt Teile des Obamalagers eine Überarbeitung des Waffenrechts. Der Amoklauf zeige erneut, dass das größte Problem in den USA der leichte Zugang zu Waffen sei. Um sowas zu verhindern müsse der Waffenverkauf und der Waffenbesitz in Zukunft stärker kontrolliert werden. Amerika hat damit ein neues Thema im Wahlkampf bekommen.

Totgesagte haben Flügel

„Totgesagte haben Flügel“ singen die Münchner Megaherz in einem Song. Und das traf am Dienstag wohl auf Rick Santorum zu. Da wurde er schon abgeschrieben und dann gewinnt er die republikanischen Vorwahlen in Minnesota, Missouri und Colorado. Megaharte Breitseite für die Kontrahenten Mitt Romney und Newt Gingrich. Santorum is back and in full force. Der Saubermann im GOP Lager zieht mit seiner Message gegen Obamacare, gegen Abtreibung, gegen Homo-Ehe, gegen Waffenkontrolle, gegen…. immer mehr Konservative an.

In Minnesota und Colorado fiel vor allem die geringe Wahlbeteiligung auf. In Missouri dagegen war die Wahl eigentlich für die Tonne, denn hier gab es keine Delegiertenstimmen zu gewinnen.

An diesem Wahlabend gibt es durch den Wahlsieg von Rick Santorum gleich zwei große Verlierer. Der gegelte und immer ein bißchen arrogant wirkende Mitt Romney, der nach seinem Sieg in Florida schon vom sicheren Einkauf Weißes Haus träumte. Und Newt Gingrich, der sich seit South Carolina als der einzig wahre konservative Kandidat im Rennen präsentierte und nun mitansehen muß, dass ein anderer diese Rolle im „Heartland“ Amerikas erfolgreich übernimmt.

Rick Santorum hat nun mit der Wahl in Iowa schon vier republikanische „Primaries“ gewonnen. Er kann durchaus darauf verweisen, dass er der einzige Kandidat ist, der das konservative Amerika anspricht, da wo christliche Werte zählen, wo man sich keinen Wahlsieg erkaufen kann. Santorum ist im Moment obenauf und das, obwohl er insgesamt gerade mal die Hälfte der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte, die Romney hat. Und auch Gingrich hat bereits über 300.000 Stimmen mehr erhalten als Santorum. Das ist ja das Irre bei amerikanischen Wahlen, nicht wer die meisten Wählerstimmen erhält wird Kandidat (oder wie im Jahr 2000 Präsident), sondern der, der den geschicktesten Wahlkampf führt und die Resourcen am klügsten einsetzt.

Romney und Gingrich haben nun Probleme. Es wird immer deutlicher, dass Mitt Romney die republikanische Basis mit seinem Wahlkampf nicht erreicht. Man glaubt dem früheren Gouverneur von Massachusetts einfach nicht, dass er ein Konservativer ist, der für christliche Werte steht. Und „Former Speaker of the House“ Newt Gingrich verliert immer mehr an Boden. Er ist zwar konservativ aber hat aufgrund seiner langen politischen Jahre in Washington zu viele Leichen im Keller. Und auch er kommt bei der christlichen Basis nicht an, die sich fast geschlossen hinter Santorum vereint hat. Ron Paul ist auch noch da, aber ohne finanzielle Mittel, ohne breite Unterstützung, ohne irgendwelche nennenswerte Erfolge. Abgeschlagen am Ende.

Die niedrige Wahlbeteiligung bei diesen Vorwahlen sollte allerdings der GOP Führung zu denken geben, denn damit wird deutlich, dass eigentlich kein Kandidat die Parteireihen schließen kann. Egal wer es am Schluß sein wird, in einen Kampf ums Weiße Haus wird ein angeschlagener und schwacher GOP Kandidat ziehen.

Kurioses aus den USA

Thanksgiving liegt hinter uns, damit auch das Gedränge, Geschiebe, Geschubse und eine Pfeffersprayattacke an den Auslagen plus ein bewaffneter Überfall auf nächtliche Shopper auf dem Parkplatz am „Black Friday“. Wenn man denkt, das ist schon schräg, dann sollte man nicht die amerikanischen Zeitungen lesen.

Aus Utah kommt die Meldung, dass es in Box Elder County zu einer Schießerei kam. Na ja, nicht ganz. Ein Hund schoß da auf sein Herrchen. Der 46jährige war mit einem Freund auf Entenjagd. Sie paddelten mit dem Boot am Ufer entlang, als der Mann mal kurz über Bord kletterte, um ein paar Äste aus dem Weg zu räumen. Der Hund dachte, jetzt beginnt der Spaß mit der Entenjagd und sprang ganz aufgeregt im Boot hin und her. Die Tatze landete auf dem Abzug des Schießgewehrs und Kabumm….27 Schrotkügelchen landeten im Hinterteil des drei Meter entfernt stehenden Mannes. Um 9 Uhr morgens war damit die Entenjagd beendet.

Und aus Denver, Colorado, kommt die Nachricht, dass Jesse Dimmick das Ehepaar Jared und Lindsay Rowley verklagt. Das alleine ist ja keine Meldung, aber die Tatsache, dass Dimmick zuvor die Rowleys gekidnappt hat macht die ganze Sache interessant. Dimmick war auf der Flucht vor der Polizei, brach in das Haus der Rowleys ein und nahm die beiden als Geiseln. Er versprach den beiden einen hohen Geldbetrag, wenn sie ihn versteckt halten würden. Das Ehepaar willigte gezwungenermaßen ein. Die drei saßen in den folgenden Stunden vor dem Fernseher, kauten auf Snacks herum, bis der böse Bube schließlich einnickte. Die Rowleys nutzten die Gunst der Stunde und flohen. Jesse Dimmick wurde verhaftet und schließlich u.a. für zweifaches Kidnapping zu elf Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Nun hat Jesse Dimmick eine Klage wegen Vertragsbruchs eingereicht. Er argumentiert, dass mit der Einwilligung der Rowleys ein mündlicher Vertrag ausgesprochen wurde, den die beiden offensichtlich brachen. Er fordert nun Schadensersatz von 250.000 (!) Dollar. Noch Fragen?

Washington rappelt

Ungewöhnlich und ein Schocker für die Ostküste. Um 13:51 Uhr Ortszeit bebte die Erde unweit der Hauptstadt Washington DC. Der Erdstoß wurde sogar in New York City gefühlt. Die Flughäfen der Region wurden geschlossen, das Pentagon und viele öffentliche Einrichtungen wurden geräumt.

Die amerikanische Ostküste erlebt immer wieder kleinere Erdstöße, aber keinen in dieser Größe von 5.9 auf der Richterskala. Im Vergleich zu Kalifornien oder Alaska ist auch niemand im Osten des Landes auf Erdbeben vorbereitet. Zur Zeit des Bebens war gerade eine Pressekonferenz im Pentagon im Gange. Einige ältere Reporter erinnerten sich bei dem Stoß an den 11.9.2001. Es war nicht das erste Beben in dieser Woche in den USA, bereits gestern rappelte die Erde in Colorado und New Mexico.

Auch die Medien berichteten sofort über das „Earthquake“ und stellten gleich die Verbindung mit 9/11 her. Ich hoffe nur, dass nun keiner auf die Idee kommt, Obama auch dafür verantwortlich zu machen. Er ist im Urlaub und überläßt die Amerikaner hilflos der kontinentalen Plattentektonik.

Der Müll Nazi

Überall in den USA stehen die Schilder entlang der Landstrassen und Autobahnen: „Adopt a Highway“. Bürger und Gruppen, lokalen Unternehmen und Kirchengemeinden raffen sich dann immer mal wieder zusammen und erklären sich dazu bereit, eine Meile Highway sauber zu halten. Das heisst, sie sammeln den Müll ein, den Autofahrer so aus dem Fenster schmeissen und der sich entlang der Strasse ansammelt.

Nun hat sich in Colorado eine extreme Nazi Organisation für ein Strassenstück angemeldet und das schlägt im ganzen Land hohe Wellen. Die Nazis sagen, sie seien pflichtbewusste Bürger, andere meinen, man dürfte solchen Hasspredigern kein Forum bieten. Und das sei es, wenn an der Strasse nun ein Schild mit dem Namen der Organisation stehen wird. Doch einige meinen süffisant, man solle die Nazis doch den Müll aufsammeln lassen….was passe besser zu ihnen. Die Behörden haben nun zugestimmt, auch auf Anraten von Bürgerrechtsgruppen, die erklärten, die Meinungsfreiheit sei eben auch die Freiheit Andersdenkender.

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