Kalifornien hol die Rechen raus

Das Tweet kam von ganz oben. Von ganz, ganz oben. Der Präsident tweetete am Sonntagmorgen zum ersten Mal über die katastrophalen Brände in Kalifornien. Und was kam, ein Angriff auf Kalifornien, auf Natur- und Klimaschützer und auf Gouverneur Gavin Newsom. Trump forderte mal wieder, den Waldboden zu „säubern“, sprich Newsom solle eine Rechenbrigade aufstellen, um das Laub aufzukehren. Und wenn das nicht passiere, dann würde die Bundesregierung auch keine Hilfsgelder mehr nach solchen Katastrophen nach Kalifornien schicken.

Gouerneur Newsom reagierte perfekt in seinem Antworttweet, etwas lax übersetzt: „Sie glauben nicht an den Klimawandel. Von daher machen Sie sich vom Acker“. Newsom hatte in der vergangenen Woche mehrfach darauf hingewiesen, dass die gewaltigen Feuer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren sind. Das Energieunternehmen PG&E und seine veraltete Infrastruktur, der Klimawandel und dazu noch mehr und mehr Menschen, die in ländlichen, abgelegenen Gegenden leben. Vom Laubkehren hat er nicht gesprochen.

Was Trump mal wieder in dieser Attacke vergisst ist, dass rund 60 Prozent der Wälder in Kalifornien Bundeswald sind und damit unter der Kontrolle der Regierung in Washington, der Trump Adminstration, stehen. Er ist also selbst für die idiotischen Rechenbrigaden zuständig, die er da fordert und die, seien wir mal ehrlich, nichts bringen würden. Selbst in Finnland nicht. Und auch die Ankündigung, Kalifornien keine Hilfsgelder mehr auszahlen zu wollen, übersieht, dass der Golden State der größte Einzahler in den Bundeshaushalt ist. Ohne Kalifornien würde die „Union“ alt ausschauen. Aber das scheint Trump und seine Unterstützer nicht zu interessieren. Der morgendliche Angriff auf Kalifornien war hingegen typisch für Trump. Zuvor kein Wort zu den Feuern und dann so etwas. Trump enttäuscht einfach nicht, mehr kann man von ihm nicht erwarten.

Das Feuer wird politisch

Ein Fake Bild vom Präsidenten verbreitet.

Kalifornien brennt weiter, ein Ende ist noch nicht in Sicht. In der Nähe der Ronald Reagan Library in Simi Valley ist ein weiteres Großfeuer ausgebrochen. Donald Trump tweetet gar nichts zu der ungebremsten Katastrophe in Kalifornien, er verbreitet lieber ein billig bearbeitetes Foto, das ihn und den Hund zeigt, der im Anti-Terror Einsatz Abu Bakr al-Baghdadi gejagt haben soll. Darauf hängt Trump dem Hund einen Orden um. Darüber schreibt der Präsident „American Hero“. Ein gefaktes Foto von einem Mann, der tagtäglich gegen die „Fake News“ wettert. Interessant sind vor allem die witzigen Kommentare unter diesem präsidialen Tweet. Einer schreibt, Trump müsse sich in das Bild „photoshoppen“, denn der Hund würde ihm sonst in seine „kleinen Hände“ beißen.

Kalifornien interessiert da nicht, darum kümmert sich nun sein Haussender FoxNews. Dort wird erklärt, dass die Klimaschützer und die linken Horden für die Flächenbrände verantwortlich seien, denn die verhinderten eine sinnvolle Umweltschutzpolitik und sinnvolle Brandprävention. Da wird dann auch noch das Energieunternehmen PG&E zum Opfer gemacht. Der arme Konzern würde ja so gerne „fire protection“ durchführen, aber das würde immer wieder verhindert werden.

Unterdessen sind noch immer Hunderttausende ohne Strom. 100.000 Menschen können in Sonoma County noch immer nicht zurück in ihre Häuser, im Süden fliehen die Menschen vor den Flammen. Die öffentlichen Parks in meiner Gegend sind noch immer aufgrund der extremen Feuergefahr gesperrt. Bei mir gingen zum Glück die Lichter wieder an. Langsam kehrt der Alltag in diesem Teil des Bundesstaates zurück. Aber die Spuren der Feuerwalzen werden noch lange zu sehen sein.

Kleines Update aus Nordkalifornien

Mehr als 4000 Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen. Foto: AFP.

Das Kincade Feuer ist weiter gewachsen und dennoch sind die „Fire Fighters“ optimistisch. Seit gestern morgen, nachdem die heftigen Winde etwas abgeflaut waren, konnten einige wichtige Schneisen errichtet, einige kontrollierte Gegenfeuer gelegt werden. Derzeit sind etwa 15 Prozent des Feuers unter Kontrolle. Man hofft, die Brände bis zum 7. November ganz gelöscht zu haben. Betroffen ist nach wie vor eine Fläche in der Größe von Nürnberg, Fürth und Erlangen. Die große Frage ist derzeit, wie sich die heftigen Winde auf die Brände auswirken werden, die heute Abend erwartet werden. Die kommenden 24 Stunden werden alles entscheidend sein.

Tausende von Einsatzkräften sind vor Ort, einige Evakuierungsmaßnahmen wurden aufgehoben, Tausende Anwohner können wieder in ihre Häuser zurück. Ein Funken Hoffnung gibt es. Dennoch sind nach wie vor Hunderttausende in der Region ohne Strom. Zwar wurden gestern viele Haushalte wieder ans Netz angeschlossen – mein Haus und meine Nachbarschaft blieb allerdings „dark“ – doch für heute Abend ist bereits die nächste massive und weitreichende Stromabschaltung in Nordkalifornien angekündigt worden. Das würde bedeuten, dass ich dann wohl erst am Freitag wieder Strom zu Hause haben werde.

Die Brände in Sonoma County sind auch hier in Oakland, nahezu 100 Kilometer entfernt, deutlich zu spüren. Eine dicke Rauchwolke hängt in der Luft, schon nach kurzer Zeit im Freien bekommt man Kopfschmerzen. Dennoch werde ich gleich mal mit meinem Hund losgehen, nutzt ja nichts, mal sehen, ob ich irgendwo einen Zugang zum Waldgebiet in meiner Gegend finde, der nicht wegen Feuergefahr gesperrt ist.

Und der Strom ist weg

Gestern Abend dann um kurz nach 23 Uhr gingen die Lichter aus. Das sind die USA, das ist Kalifornien, das ist die vielgepriesene High Tech Gegend um das Silicon Valley herum. Drei Millionen Menschen seien von diesem „Black Out“ betroffen, wird berichtet. Und ich bin einer davon. Bei mir heißt das nun nicht nur keinen Strom im Haus zu haben und das für bis zu 48 Stunden, nein, auch die Cell Phone Towers wurden wohl abgestellt, telefonisch bin ich also auch nicht erreichbar, auch kein Internet, um mal zu sehen, wie die allgemeine Lage im brennenden Sonoma oder im stromlosen Oakland ist.

Auch aus dem Auto läßt es sich bloggen.

Gerade sitze ich im Auto rund fünf Kilometer von meinem Haus in den Oakland Hills entfernt. Hier ist die mobile Verbindung einigermaßen gut, also versuche ich mein Feature-Skript über den Hotspot rauszuschicken. Mit der Produktion morgen wird es dann wohl nichts werden. Ohne Strom läuft kein Mischpult, kein Computer, kein Mikrofon. Soviel zu Amerika im Jahr 2019.

Falls man mir anmerkt, dass ich einen dicken Hals habe. Stimmt, den habe ich. Und ja, es könnte schlimmer sein, wenn ich nur an die Brände in Sonoma denke. Die Bilder sind verheerend, mehrere Freunde mussten gestern Abend noch evakuieren, einiges schnell zusammenpacken und raus. Weite Teile des Bezirks sind nun leer, das Feuer konnte bislang nur zu etwa 11 Prozent unter Kontrolle gebracht werden. Am Abend und in der Nacht nahmen die Winde wieder zu, bis zu 90 Meilen pro Stunde nahmen sie Geschwindigkeit auf. Und einzelne Funken können da bis zu zwei Meilen weit mitgetragen werden und an ganz anderer Stelle neue Brandherde entstehen lassen.

Die Situation hier ist kritisch, angespannt, surreal und auch hausgemacht. Kalifornien ist ausgedorrt, der Klimawandel ist deutlich zu spüren. Dazu noch eine vealtete Infrastruktur und ein Stromversorger, der in den letzten Jahren mehr an seine Aktionäre gedacht hat, als an Investitionen in das eigene Netzwerk. Wer mir in den kommenden Monaten nochmal damit kommt, dass das hier „the best nation on earth“ ist, der soll sich warm anziehen. Derzeit reihe ich die USA in eine Liste mit Puntland, Ruanda, Kongo, Tschad, Niger und Sudan ein, denn überall dort, in diesen Entwicklungsländern, habe ich Stromausfälle erlebt. Also nichts mehr mit „America First“, eher wohl, zumindest in bestimmten Bereichen, „America Last“.

Ein Flammenmeer im Wine Country

Das „Wine Country“ brennt. Foto: AFP.

Es brennt im Wine Country. Gerade kam die Nachricht, dass nun Geyserville, Windsor und auch die Kleinstadt Healdsburg evakuiert werden. Das Kincade Fire ist auf eine Größe von zweimal Fürth angewachsen und kein Ende ist in Sicht. Heute Abend rechnen die Einsatzkräfte mit weiteren kräftigen Winden mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Deshalb wurden nun die weiteren und weitreichenden Evakuierungen angeordnet. Denn klar ist, wenn das Feuer weiter wächst wird der Freeway 101 gesperrt werden, dann wäre eine geordnete Evakuierung schwierig, wenn nicht sogar zu spät.

Bislang sind gerade mal zehn Prozent der Flammen unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte kämpfen gegen Windmühlen, derzeit geht es noch immer nur darum, Menschen und auch Tiere zu retten, schnell zu evakuieren, einige gezielte Gegenbrände zu legen. Todesopfer sind bislang noch nicht zu beklagen.

Und wieder mal deutet viel darauf hin, dass PG&E für das Feuer verantwortlich ist. Kaputtes Equipment an einem Strommast soll Funken geworfen haben, genau dort, wo die ersten Flammen gemeldet wurden. Nun will der Stromlieferant zeitgleich zum Brand in Sonoma County Hundertausenden von Kunden den Strom abschalten. Insgesamt sollen dabei mehr als zwei Millionen Menschen betroffen sein. Auch bei mir und das nicht nur über Nacht, bis zu 48 Stunden sollen hier ab heute Abend die Lichter aus bleiben. Und damit Computer, Herd, Kühlschrank und so weiter. Nicht gerade rosige Aussichten für jemanden, der von zu Hause arbeitet und gerade an einem 30 Minuten Feature sitzt, das ich nicht mit Kleber und Schere zusammen basteln kann. Da taucht bei mir immer wieder die Frage auf, was ich eigentlich in diesem Dritte-Welt-Land mit seiner katastrophalen Infrastruktur mache. Ich lebe in einer Gegend, die als High Tech Schmiede gilt, von der neue Impulse ausgehen. Und was passiert hier, sie schalten den Strom ab, weil der Wind bläst. Das nicht zum ersten Mal, es ist ein hausgemachtes Problem. Meine Güte, verbuddelt die Kabel endlich und gut ist.

Es brennt erneut

Im „Wine Country“ von Sonoma County in Nordkalifornien, etwa eineinhalb Autostunden nördlich von San Francisco, wütet erneut ein Großfeuer. Am gestrigen Abend wurde es gegen halb zehn zwischen den Ortschaften Geyserville und Healdsburg gemeldet. Es wird Kincade Fire genannt, denn an dieser Straße waren die ersten Flammen zu sehen.

Es brennt erneut im kalifornischen „Wine Country“. Foto: Reuters.

Das Feuer ist derzeit nicht zu stoppen. Seit ein paar Tagen wehen wieder extreme Winde über die gesamte Region. Der Stromversorger PG&E schaltet erneut aus „Präventionsgründen“ für Hunderttausende von Menschen seine Leitungen ab, die öffentlichen Parks werden aufgrund dieses „Red Flag Warnings“ geschlossen. Damit will man verhindern, dass ein Funke, eine weggeworfene Zigarette eine Katastrophe auslösen kann. Auch hier in Oakland sind Parks geschlossen, mein Fitnessclub hat die Halloween Party für die kleinen Mitglieder abgesagt, da ein Stromausfall droht.

Im „Wine Country“ geht es derzeit, Stand Donnerstagmorgen, nur darum, Menschen und Tiere zu retten. Die Feuerwehr, Sheriff, Highway Patrol und lokale Polizeieinheiten fahren von Haus zu Haus, um die zwingende Evakuierung durchzusetzen. Einige Anwohner, wie es heißt, widersetzen sich, wollen selbst ihr Hab und Gut gegen die Flammen verteidigen, doch dieser Kampf ist aussichtslos. Ein Löschen des Feuers ist bislang nicht möglich, die Winde kommen von allen Seiten, befeuern die Flammen nur noch weiter, treiben sie vor sich her. Der Brand ist mittlerweile auf eine Größe von Schwabach angewachsen und er wird sich weiter ausbreiten, die heftigen Winde werden noch für ein paar Tage über die Region hinwegfegen. In der hügeligen, teils ausgetrockneten Waldlandschaft mit Unterholz und Grasflächen in Sonoma County frisst sich das Feuer voran. Etliche Häuser und Gebäude wurden schon zerstört, bislang sind noch keine Opfer gemeldet worden.

Der Feuerwehrmann im Weißen Haus

Erinnern wir uns an letztes Jahr. In Kalifornien wüteten riesige Brände, vernichteten Waldgebiete und ganze Gemeinden und Präsident Donald Trump drohte zum einen damit, Bundesmittel genau der Behörde zu entziehen, die der Bundesregierung und damit ihm untersteht – dem US Forrest Service, der weite Teile des Waldes in Kalifornien kontrolliert. Zum anderen forderte er die Kalifornier auf, mehr die Wälder zu harken, denn das habe er in einem Gespräch mit dem finnischen Präsidenten erfahren. Finnland habe kaum Waldbrände, weil man dort eben im Wald harke, so Trump. Die Finnen erklärten ganz diplomatisch, dass sie das eigentlich nicht tun und auch der finnische Präsident meinte nur, er habe das sicherlich nicht seinem amerikanischen Kollegen geraten.

Donald Trump nahm allerdings nichts zurück. So ist er eben. Und Trump hat zu allem einen Ratschlag, weiss alles besser. Er erklärt General Motors wie sie mit ihren Autos international wieder konkurrenzfähig werden und Boing wie sie fortan ihre Flugzeuge bauen sollten. Doch Feuer scheinen ihn zu begeistern. In Paris brennt die Kathedrale von Notre Dame und Trump gibt auch gleich wieder Tipps, wie man am besten das Feuer löschen könnte. Präsident Donald Trump schlägt den Franzosen tatsächlich vor, dass sie doch aus der Luft die Flammen bekämpfen sollten.

Man möchte schon gar nichts mehr sagen. Nur noch ungläubig den Kopf schütteln, wären da nicht auch die humorvollen Kommentare auf sein Tweet. Allen voran der User „Charly M.“: „Können Sie uns bitte zeigen, wie man ein Feuer löscht? Wir Franzosen haben keine Ahnung, wir blasen derzeit drauf, aber es hilft nichts. Bitte hilf uns, oh großer Weltherrscher“. Ja, mit Humor lässt sich selbst ein Donald Trump aushalten!

 

 

Gleich gehe ich harken

Donald Trump weiß es mal wieder besser. Zwar sind Zweidrittel des kalifornischen Waldes als „National Forest“ ausgeschrieben, also unter seiner Aufsicht, doch der nicht gerade belesene und halbwissbegierige Mann im Oval Office meint, die Kalifornier liegen nur am Strand, bräunen sich die Bäuche und sind schlichtweg faul. Denn was er schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen hat, wird einfach nicht im Sonnenstaat umgesetzt.

Trump meinte kurz nach den desaströsen Feuern in Kalifornien, er habe mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö gesprochen, der erklärte, so Trump, dass solche Brände in den Wäldern Finnlands nicht passierten, weil die Finnen regelmäßig den Boden harkten und das Laub aufklaubten. Ist logisch, dass da Horden von Finnen durch die nordischen Wälder streifen und Blatt für Blatt aufsammeln. Einziges Problem bei der Geschichte, Sauli Niinistö hat das nie gesagt. Auf Nachfrage gleich mehrerer finnischer und amerikanischer Medien meinte er, er habe mit Donald Trump zu keinem Zeitpunkt über die Wälder Finnlands und Kaliforniens gesprochen. Also, eine weitere bestätigte Lüge des amerikanischen Präsidenten.

Doch egal, Trump legt nach. Während die Kleinstadt Paradise nach den Bränden nicht mehr existiert und der neue kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, den Brandschutz zur Priorität erklärt hat, droht der Präsident ganz offen mit dem Entzug jeglicher Gelder für Kalifornien. Und das vor dem Hintergrund, dass der Bundesstaat am meisten in die US Haushaltskasse einzahlt. Nicht nur das, die stetig steigende Feuergefahr liegt sicherlich nicht an den Blättern, die auf dem Waldboden zu finden sind. Als ich Mitte der 90er Jahre nach Kalifornien zog, gab es eine „Fire Season“. Immer im Herbst, nach dem heißen Sommer und noch vor dem winterlichen Regenfällen, war man gewarnt. Die Schilder zur Brandgefahr standen auf „Extreme“. Doch das ist lange her. Nun gilt das ganze Jahr über hohe oder extreme Feuergefahr in den Wäldern des Bundesstaates.

Der Klimawandel ist hier bereits zu spüren, darin sind sich nahezu alle Klimaforscher einig. Doch Trump hört lieber auf die paar wenigen Pseudo-Wissenschaftler, die ihm das Märchen von der Wetterfee erzählen. Die Menschen können nichts dafür, von daher setzt Trump einfach weiter auf Kohle und Öl, wendet sich gegen ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik und haut seine dämlichen Ratschläge raus. Wir Kalifornier sollten also mehr harken und den Waldboden reinemachen. Also, weiß ich ja, was ich heute noch mache. Gummistiefel und Arbeitshose an und wie ein Zwerg aus Schneewittchen „dum-di-dum-di-dum“ pfeifend und eine Rechen geschultert in den Wald marschieren. Alles klar, Mister President!

Darauf ein Bier

Am 27. November ist „Giving Tuesday“. Und in diesem Jahr ist in Kalifornien klar, wohin die vielen Spenden gehen sollen. Die gewaltigen Brände im Bundesstaat haben Tausende von Menschen obdachlos gemacht, Geschäfte zerstört, Existenzen zunichte gemacht. 84 Menschen starben, 475 werden noch vermisst.

Sierra Nevada ist eine der ältesten und erfolgreichsten „Craft Breweries“ in den USA mit Sitz in Chico, unweit von Paradise. Auch wenn die Brauerei nicht selbst vom Camp Fire betroffen war, etliche der Mitarbeiter waren es. Ein Spendenkonto mit einem Startkapital über 100.000 Dollar wurde eingerichtet. Und nun hat sich die Brauerei noch etwas besonderes einfallen lassen. Am kommende Dienstag wird das „Resilience Butte County Proud IPA“ gebraut, 100 Prozent des Erlöses kommt auf das Spendenkonto für die Betroffenen des Feuers. Doch nicht nur das, die Grossman Braufamilie hat andere „Micro-“ und „Craft-Breweries“ dazu aufgerufen, an diesem Tag ihr eigenes „Resilience IPA“ zu brauen und ebenfalls den gesamten Erlös zu spenden. Hunderte von Brauereien im ganzen Land, darunter auch Fort Point in San Francisco, machen mit. Die Brauer von Fort Point schreiben dazu auf ihrer Seite: „If you see this beer around town, made by any brewery, know it was made with heart and symbolizes support and love from the local Bay Area craft beer community.“ Also, trinken für einen guten Zweck oder vielleicht einen Sixpack mit gutem Gewissen zu Weihnachten verschenken.

Dicke Luft in Kalifornien

Kein klarer Blick am Golden Gate.

Seit Tagen schon bin ich tagsüber nahezu alleine mit meinem Hund auf den Waldwegen unterwegs. Und wenn ich jemanden sehe, tragen sie Atemmasken, um sich vor dem Rauch zu schützen, der vom „Camp Fire“, mehr als 200 Kilometer entfernt, in die Bay Area weht. Der „Smoke“ ist giftig, es sind nicht nur Wälder abgebrannt, die ganze Kommune Paradise ist durch die Flammen dem Boden gleichgemacht worden. Man kann sich vorstellen, was dort alles verbrannt ist. Vom Auto bis zum Kühlschrank, von Farben bis zu Elektroartikeln. Und man will gar nicht daran denken, dass in dem gewaltigen Feuer Menschen und Tiere gestorben und verendet sind.

Kalifornien brennt erneut und schon wieder. Früher gab es hier eine Feuersaison zwischen September und Dezember. Die ist nun alljährlich und überall. Jeder, der hier mit Bäumen um sich herum lebt, etwas am Stadtrand oder in der Natur, kann davon betroffen sein. Die Anzahl der Feuer nimmt zu, die Intensität auch.

Eigentlich jeder ernstzunehmende Wissenschaftler erklärt, dass all das mit dem Klimawandel zusammenhängt. Es wird heißer, der Regen bleibt aus, das Unterholz trocknet mehr aus, die Winde nehmen an Stärke zu. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen raus aus den Städten ziehen, die viel zu teuer geworden sind und gleichzeitig die Feuerwehren die präventive und dann feuerbekämpfende Arbeit gar nicht mehr leisten können. Einen Masterplan, wie man all dem begegnen soll existiert nicht. Weder in Sacramento noch in Washington.

Kalifornien kommt in diesen Tagen an seine Grenzen. Allein im vergangenen Jahr gab es sechs massive Brände, die in der Häufigkeit und der Stärke zuvor nie beobachtet wurden. Jedesmal war es das größte Feuer,  um kurz danach schon übertroffen zu werden. Ich selbst lebe seit 20 Jahren in einer Feuerzone, daher weiß ich, dass die „Red Flag Alerts“, die höchste Warnstufe mehr und mehr ausgerufen wird. Was das bedeutet ist klar, man hat für sich die Frage geklärt, was im Falle eines Feuers schnell eingepackt werden muss und welche Fluchtwege es aus dem Canyon raus gibt. Und, der Hund muss mit! Klar, ist man an das Leben mit der Katastrophengefahr in Kalifornien gewöhnt, immerhin lebe ich nur einen guten Kilometer Luftlinie von der sehr aktiven Hayward Spalte entfernt. Jedesmal auf dem Weg zum Einkaufen fahre ich direkt auf der Spalte entlang.