Reise in die Katastrophe

Auf dem Weg zum Flughafen. Mit der Bahn nach Frankfurt, von dort weiter über Addis Abeba nach Hargeisa in Somaliland. Irgendwann morgen früh werde ich da sein, in der Republik, die es nicht geben darf. Somaliland wird nach wie vor international als Teil von Somalia gesehen, obwohl sich das einstige Britisch-Somaliland schon 1991, nach dem Sturz des Diktators Siad Barre von Rest-Somalia abgespalten und losgelöst hat. Doch niemand erkennt diesen friedlichen und boommenden Teil am Horn von Afrika an. Man wolle eine „Balkanisierung“ der Region verhindern, so das deutsche Außenministerium auf Anfrage.

Doch diese harte „diplomatische“ Haltung und die angespannte Sicherheitslage in Rest-Somalia machen es schwer in der aktuellen Situation. Am Horn von Afrika droht ein Hungerkatastrophe gewaltigen Ausmaßes. Sechs Millionen Menschen, so die Schätzungen der Vereinten Nationen, könnten alleine hier von der Dürre und der bevorstehenden Notsituation betroffen sein. Hunderttausende sind bereits auf der Flucht, um in anderen Teilen des Landes Hilfe, Nahrung und Wasser zu finden. Millionen Rinder, Kamele und Ziegen sind bereits verendet. Die Lage spitzt sich zu.

Doch Somalia und Somaliland sind nicht die einzigen Hungerkatastrophen. In Nord Nigeria, im Südsudan und im Jemen hungern die Menschen. Im Norden Kenias breitet sich die Dürre aus, in Äthiopien und Eritrea sieht es nicht besser aus. Die UN und Hilfsorganisationen sprechen bereits von der schlimmsten Hungerkrise in nahezu 70 Jahren. Insgesamt sind mehr als 20 Millionen Menschen betroffen. Und das zu einer Zeit, in der sich die USA unter Präsident Donald Trump aus ihrer internationalen Verantwortung zurückziehen. Trump kürzt die Budgets für das State Department und wichtige Hilfsprojekte und -programme in Übersee. Die Katastrophe gerät damit außer Kontrolle.

Meine Reise beginnt und endet in Hargeisa, der Hauptstadt Somalilands. Von dort wird es in ländliche Gegenden gehen, die besonders von der Dürre betroffen sind. Auch in der semi-autonomen Region Puntland, direkt am Horn von Afrika gelegen, werde ich unterwegs sein. Gespräche mit Betroffenen führen, Besuche bei Bauern, in Flüchtlingslagern, in Krankenhäusern. Interviews, das Tönesammeln und eine Unmenge an Eindrücken warten auf mich, die ich dann irgendwie zu Artikeln, Beiträgen und Features aufarbeiten muss. Eine Reise, die für mich Grenzen neu setzen wird.