Journalistischer Corona Alltag

Ich weiß, ich kann mich in diesen Tagen und Wochen glücklich schätzen. „Home Office“ ist für mich seit fast 25 Jahren ganz alltäglich und normal. Für mich wäre es wohl eine große Umstellung, wenn ich nun jeden Morgen in ein Büro fahren müsste. Von Daheim zu arbeiten hat für mich den Vorteil, dass ich mir die Zeit selbst einteilen kann. Auch mal frühmorgens, abends oder am Wochenende arbeite, dafür dann sonnige Tage für lange Spaziergänge nutzen kann.

Auch sind die Restriktionen nicht so groß in Oakland, ich kann also noch jeden Tag mit meinem Hund die Wege und Pfade im East Bay Regional Park unsicher machen. Viel hat sich also für mich in diesen Corona Zeiten nicht geändert, zumindest vom täglichen Ablauf her.

Thematisch sieht das ganz anders aus. Einige Features wurden verschoben oder angefragt, ob ich die auf die aktuelle Situation umschreiben könnte. Das geht nicht so einfach, denn oftmals hängen damit ja auch Reisen zusammen. Sowieso muß derzeit alles irgendwie einen Corona-Dreher bekommen. Ein anderer Beitrag, über die Zusammenarbeit eines Tierheims in Marin County und dem Staatsgefängnis von San Quentin, ist derzeit überhaupt nicht zu realisieren, denn Töne vor Ort kann ich nicht aufnehmen. Das Gefängnis steht unter Lock-Down, keine Besucher sind erwünscht.

Milizen in den USA sind im Wahljahr 2020 ein aktuelles Thema. Foto: AFP.

Sowieso ist das derzeit mehr als schwierig. Rausgehen, Interviews vor Ort führen, Feldaufnahmen machen, sich einen eigenen Eindruck schaffen. Ich hatte Glück, dass ich vor der Krise und den Ausgangsbeschränkungen noch einiges hier auf dem Schreibtisch hatte, was ich abarbeiten konnte. Nun kam vor kurzem eine größere Anfrage vom Bundesamt für politische Bildung für ein Podcast zum Thema Milizen in den USA. Eigentlich war eine Veranstaltung über Freiräume rechter Gruppen geplant, doch die mußte abgesagt werden. Stattdessen wird nun alles in Podcasts aufgearbeitet. Da ich schon mal ein längeres Feature über die Milizen in den USA produziert habe, wurde ich angefragt. Ein paar aktuelle Interviews kann ich über What’s App Audio oder Skype führen, viele der Töne für solch eine Sendung habe ich bereits vorliegen.

Hinzu arbeite ich noch an Musikbeiträgen, gehe Stories nach, die ich eventuell aktualisieren könnte und überlege, wie ich trotz Corona an Töne, Aufnahmen, Interviews vor Ort komme, denn nur per Telefon, Skype und andere Audiodienste…das ist nicht so ganz das Wahre. Zumindest nicht für mich. Und ich spreche noch nicht einmal von meinen Reisen in Gegenden, von denen ich hier in diesem Blog immer wieder berichtet habe. Es sind seltsame Zeiten und die Aussicht auf das, was da kommt oder kommen mag, sind ungewiss. Auch, wie sich das alles noch auf meine Arbeit, auf den Journalismus allgemein auswirken wird.

Im Namen der Pressefreiheit

Heute ist „World Press Freedom Day“. Es spricht für sich, dass es diesen Tag überhaupt geben muß. Doch die Pressefreiheit ist unter Beschuß. Klar, man denkt da sofort an die eingeforderte Hofberichterstattung von Donald Trump. Er tut kritischen Journalismus als „Fake News“ ab und untergräbt damit die Arbeit von Journalisten weltweit.

Doch über Trump und sein gestörtes Verhältnis zu den Medien sollte es an diesem Tag nicht gehen. Vielmehr möchte ich an die Journalistinnen und Journalisten erinnern, die ich auf vielen meiner Reisen getroffen habe. In Afghanistan und Ruanda, im Niger und im Tschad. Ich denke an A. in Ciudad Juarez, als die mexikanische Grenzstadt zu El Paso 3400 Morde pro Jahr hatte, Drogenkartelle und ihre verbündeten Gangs sich offen Straßenkriege lieferten. Die Stadt glich gerade nachts eine Geisterstadt, ein öffentliches Leben gab es nicht mehr. Doch A. blieb, um über das zu berichten, was dort passierte. Auch als er Morddrohungen erhielt.

Besuch bei NIYYA FM in Maradi, Niger. Foto: J. Mitscherlich.

Oder Adam Al Sanosi in Khartum, der Hauptstadt des Sudan, der über die Revolution 2018/19 berichtete. Sich von Drohungen nicht einschüchtern ließ und einfach weitermachte. Da ist Maya Gadir, Moderatorin bei Capital Radio in Khartum. Der Sender blieb während den stürmischen Umbruchzeiten on-air und sendete weiter. Um nicht abgeschaltet zu werden, sprach man nichts deutlich an, doch positionierte sich zum Teil durch die Musikauswahl. Gadir spielte Lieder von der tunesischen Revolution oder auch „Talkin‘ about a Revolution“ von Tracey Chapman.

In Somaliland und Puntland traf ich auf junge, begeisterte Radiomacher, die ihre kleinen Freiheiten in einer sich langsam öffnenden Gesellschaft nutzten. Über Themen sprachen, die bislang kaum angesprochen wurden, darunter auch der Kampf gegen die weitverbreitete Genitalverstümmelung. Und ich denke an diesem Tag an den Studentensender in Goma, im Ost-Kongo. Studierende, die in ihren Sendungen darüber berichten, was wirklich vor Ort passiert, aber auch, wie reichhaltig die Kultur des Kongos ist. Die deutsche Journalistin Judith Raupp, die seit langem in Goma lebt und dieses Projekt begleitet, brachte mich mit den Radiomachern zusammen. Und ich konnte vor einigen Jahren die Verbindung zu multicult.fm in Berlin herstellen. Dort wird noch immer einmal im Monat „Ngoma“ ausgestrahlt, die Sendung aus Goma. Eine wichtige und ungefilterte Stimme.

Und auch hier in den USA gibt es so viele wunderbare Community Stationen, fernab des Mainstream, die den verschiedensten ethnischen Gruppen, Fremdsprachensendungen und Kulturschaffenden aller Art eine Möglichkeit bieten zu senden, sich auszudrücken, sich zu präsentieren. Das ist alles gelebte Pressefreiheit, die geschützt und behütet werden soll.

Vieles stört mich an Donald Trump, politisch sind wir sicherlich nicht auf einer Wellenlänge. Doch das ist nun mal so. Was ich ihm jedoch besonders vorwerfe ist, dass er die Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft untergräbt, ja, unterminiert. Und dazu gehört eine freie Presse. Wenn schon in den USA Medienvertreter als „Volksfeinde“ bezeichnet werden, wenn kritische Berichterstattung als „Fake News“ abgetan wird, dann kann man sich vorstellen, wie in Ländern wie Somalia, Tschad, Kongo, Ruanda und Sudan, Niger, Mexiko und Afghanistan, Uganda und Burundi gegen Journalisten vorgegangen wird. Dort schauen Regierungen auf Amerika und finden ein Argument dafür, gegen all jene vorzugehen, die nachfragen, Kritik äußern, über Mißstände und Fehlverhalten von Mächtigen berichten. Deshalb gibt es diesen „World Press Freedom Day“. Und er ist heute notwendiger als je zuvor.

Eine unlösbare Aufgabe

Foto: AFP.

Als Korrespondent in den USA dreht sich in diesen Tagen, Wochen, Monaten eigentlich alles um Donald Trump. Irgendwie passt er in alle Geschichten, die man aufgreift. Amerikanische Innenpolitik sowieso, klar Außenpolitik, doch auch wenn ich in Afrika unterwegs bin oder hier über Ausstellungen mexikanischer Kulturgüter berichte, alles wird unter der Trumpschen Lampe betrachtet. Und das liegt nicht nur an einem selber, dass man nicht mehr fähig ist über den Tellerrand zu blicken. Auch die Redaktionen für die ich arbeite erklären entweder, man soll das in Verbindung mit Trump sehen oder sie sagen ein vorgeschlagenes Thema mit der Begründung gleich ab, es würde schon zu viel über die USA berichtet werden, da sei kein Platz mehr für andere (Trump freie) Themen.

Und da ist auch noch ein dritter Aspekt zu erwähnen. Leser und Hörer meiner Berichte reagieren auf Artikel und Features zu und über Trump ganz anders, sprich viel zahlreicher. Themen, die mir am Herzen liegen, die ich aufgreife, weil ich sie für wichtig halte, die jedoch nur wenig oder gar nichts mit dem amerikanischen Präsidenten zu tun haben, fallen hinter runter, werden kaum beachtet oder registriert. Nein, ich weine nicht darüber, beschwere mich auch nicht, es sollte nur mal ganz klar angesprochen werden, dass die übermäßige Berichterstattung über Donald Trump nicht nur ein Problem der Medien ist, sondern auch eines der Leser, Hörer und Zuschauer.

Der richtige Umgang mit diesem populistischen Präsidenten ist noch nicht gefunden worden. Das eigentliche Problem ist, dass man als Journalist auch Teil der Trumpschen „Fake News“ wird, in dem man das teilt, was er sagt. Das teilt, was zweifellos falsch ist oder von ihm faktisch verdreht wurde. Es langt ja schon, wenn man einfach das wiederholt, was er sagt. Alleine das führt dazu, dass Donald Trumps Falschaussagen in den Medien weit verbreitet werden.

Aber was kann man da tun? Soll und kann man den amerikanischen Präsidenten einfach ignorieren, nicht über ihn berichten oder zumindest weniger? Ich schaue mir die Klickzahlen dieses Blogs an, die Kommentare auf facebook, Twitter, die Rückmeldungen per Email auf Beiträge, die ich veröffentliche. Wenn ich über den amerikanischen Präsidenten, seine Politik, seine Machenschaften, seine teils primitiven Äußerungen, Angriffe, Verunglimpfungen schreibe, gehen die Zahlen nach oben. Wenn es um ganz andere Themen geht, Themen, die mir als Journalist wichtig sind, ist das Interesse deutlich geringer. Trump ist ein Phänomen, dem man sich stellen muss. Doch eine Antwort darauf, wie man am besten mit diesem Populisten umgeht, gerade in einem so wichtigen Wahljahr, habe ich bislang auch noch nicht finden können. Es liegt wohl an uns allen… und das ist leichter gesagt als getan.

Nach dem Rückblick der Ausblick

2020 steht vor der Tür. Übermorgen ist es so weit und ich habe keine Ahnung, was das kommende Jahr bringen wird. Viel Donald Trump, das zumindest weiss ich. Denn es ist Wahljahr und es geht ums Weiße Haus. Aber was da in den kommenden Monaten auf uns alle zukommen wird, ist noch völlig unklar. Wobei man schon jetzt vermuten kann, dass der Wahlkampf alles andere als „Friede, Freude, Eierkuchen“ werden wird.

Natürlich werde und, ja, muss ich auch darüber berichten. Viel Wahlkampf, wer setzt sich bei den Demokraten durch, wie stellt sich die Partei damit auf, wie reagiert Donald Trump, was wird er tun, um an der Macht zu bleiben? Viele offene Fragen, auf die noch niemand eine Antwort weiß. Aber ich hoffe, ich kann auch im kommenden Jahr einiges fernab des Politalltags und des Trumpschen Wahnsinns berichten.

Anfangen wird das Jahr für mich mit einer neuen Sendung. Auf KKUP, einer Community Station in San Jose mit einer starken UKW Frequenz, werde ich eine monatliche Nachtsendung moderieren. Angedacht ist Mittwoch von 00:00 bis 3 Uhr (in Deutschland 9 bis 12 Uhr). Ich habe Lust darauf wieder live zu senden. Spielen will ich experimentelle, ausgefallene und elektronische Musik. Manches wird ein wahres Klangbad zu früher Stunde sein, anderes eine Herausforderung für die Hörer. Ich freue mich darauf.

Eine Sendung über die Area 51, Ufos und Außerirdische kommt noch.

Gleich mehrere Features sind in der „Pipeline“, darunter die Ausarbeitung des Themas „Musik in Krisenzeiten und Konfliktgegenden“ für das ich im Niger und in Somaliland war. Daneben kommt eine Sendung über UFOs und Außerirdische in den USA. Dann arbeite ich mit einer Kollegin in Afrika an einem international brisanten Politikthema. Sie dort, ich hier, und ja, es geht dabei auch um Trump. Ich will etwas zu Flüchtlingen und „undocumented immigrants“ machen, auch mal ganz, ganz hoch hinaus, wenn ich dafür einen Abnehmer finden kann. Ich hoffe, ich werde etwas mehr in den USA unterwegs sein, aus Gegenden berichten, die oftmals außen vor gelassen werden. Dann plane ich ein oder zwei weitere Reisen nach Afrika, sowohl in Somaliland wie auch im Sudan warten sehr interessante und spannende Geschichten.

Natürlich werde ich auch wieder Musik- und Religionsgeschichten suchen und finden und für Radio Goethe im Jahr 24 will ich ein paar thematische Sendungen produzieren. Ein Hörspiel über San Quentin und die Death Row schwebt mir vor, in dem ich all die Aufnahmen, Briefe, Kontakte, Erfahrungen, Besuche und auch Emotionen und Eindrücke aus den letzten 25 Jahren einbauen könnte. Mal sehen, ob ich dafür die Zeit und die Ruhe finde. Ach ja, dann arbeite ich auch noch mit an einer größeren Ausstellung über die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco und in die Bay Area. Dafür werde ich Audio Files für Hörstationen und eine Webseite produzieren.

Hier stapeln sich die Bücher, die gelesen werden wollen. Daneben viel neue und alte Musik, die gehört, entdeckt und wiederentdeckt werden will. 2020 ist sicherlich ein Jahr, in dem es als USA Korrespondent nicht langweilig werden wird. Doch für mich ist es wichtig, dass ich dabei genau wie in diesem Jahr auch anderes bearbeiten kann, eben nicht nur den Wahlkampf, Trumps Tweets und langweilige Debatten. Das wird schon. Allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und gutes neues Jahr…Happy New Year aus Kalifornien.

Es ist nicht alles Trump

2019 habe ich viel über Donald Trump geschrieben. Wahrscheinlich zu viel. Oft genug wurde ich gefragt, warum schreibst Du ständig über den? Man kommt als Korrespondent in den USA nicht um Trump herum. Das steht fest. Doch ich habe im vergangenen Jahr über viel mehr berichtet als nur über den „Tweeter in Chief“.

Vor genau einem Jahr lief meine Lange Nacht über die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco. An der Dreistundensendung „Aufbruch in ein neues Leben“ habe ich lange gearbeitet und konnte Aufnahmen der letzten 20 Jahre neu verarbeiten. Im Januar folgten dann zwei Musikgeschichten, eine über die Musik App von Neil Young, die andere über die Digitalisierung von Schellack Platten. Musik begleitet mich immer und ich bin froh darüber, dass ich da manchmal wunderbare Musik finden und vorstellen kann.

Im Februar jährte sich dann zum 50. Mal das legendäre Konzert von Johnny Cash im Staatsgefängnis von San Quentin. Und San Quentin habe ich über die Jahre bei zahlreichen Besuchen mehr als gut kennengelernt. Mehrmals stand ich genau in jenem Speisesaal, wo Cash im Februar 1969 spielte. Und dort im ältesten Knast von Kalifornien sind auch Hexen im Einsatz. Es herrscht Religionsfreiheit, von daher bekommen Anhänger von Wicca regelmäßig Besuch von Hexen. Sowieso ist die San Francisco Bay Area ein Zentrum des Wicca Glaubens. Auch darüber berichtete ich in einem längerem Beitrag.

Eines meiner größeren Features in diesem Jahr war „Patriotismus made in USA“, der Kampf um den „American Dream“. Das war für mich auch ein persönliches Thema, denn seit 23 Jahren lebe ich in den USA, habe die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und hänge dennoch irgendwie zwischen den Kulturen und Sprachen. Auf der einen Seite wird man als Immigrant Willkommen geheißen, auf der anderen Seite hat sich das Klima gegenüber Fremden grundlegend verändert.

Mit CARE war ich im Sudan unterwegs. Ein Land voller Geschichten, die erzählt werden wollen.

Ich berichtete auch über den Roadtrip von Michel Foucault ins Death Valley, über die John Coltrane Church in San Francisco, die veränderte Museumslandschaft in den USA, ging der Frage nach, wie die Cola koscher wurde, besuchte den spirituellen Ort Ojai in Südkalifornien, sprach über die Rolle der Deutschen vor und während der Völkermorde an den Armeniern am Anfang und in Ruanda am Ende des 20. Jahrhunderts. In Kalifornien ließ der Gouverneur Gavin Newsom die Hinrichtungskammer abbauen und setzte alle Todesurteile aus, darüber redete ich mit dem Schauspieler und Anti-Death Penalty Aktivisten Mike Farrell.

Musik war auch in diesem Jahr immer ein wichtiger Part meiner Arbeit. Da ging es um die Wiederveröffentlichung einer Platte von „Gastarbeitern“. Grup Doğuş hatte in den 1970er Jahren einen mitreißenden Beat. Das Folkways Label brachte dann noch eine umfangreiche Box über die Musik aus Bulgarien heraus, auch die konnte ich besprechen. Und ich durfte mit einer Sendungsreihe Teil des Deutschlandjahres in den USA sein, das vom Auswärtigen Amt ausgerufen worden war. Unter dem Slogan „Wunderbar Together“ produzierte ich sechs musikalische Themensendungen die Deutschland und die USA verbinden.

Am intensivsten waren aber wohl meine Reisen nach Somaliland, in den Niger und in den Sudan, alles in einem Zeitraum von vier Wochen. Es ging um Musik, um Hoffnung, um den Blick nach vorne, ohne die eigene Geschichte zu vergessen. Gerade die Rolle der Frauen während und nach der Revolution im Sudan beeindruckte mich zutiefst. Ohne sie wäre der Regimewechsel wohl nicht möglich gewesen.

Eine lange doch unvollständige Liste von Themen, die ich in diesem Jahr bearbeiten konnte. Das alles war nur ein Teil der Arbeit eines freien Korrespondenten. Und doch, sie zeigt, wie vielseitig, spannend, interessant diese Arbeit sein kann. Ich lerne Leute kennen, darf Fragen stellen und bekomme meistens Antworten darauf. Sehe Orte, an die ich sonst nie kommen würde. Und wie gesagt, es ist nicht alles Trump in diesen Zeiten. Die Welt um mich herum birgt so viele wunderbare, faszinierende und erlebnsreiche Geschichten. Die sollten nicht übersehen und überhört werden. Auch und gerade im Trump-Zeitalter.

Objektive Berichterstattung

Objektivität in Zeiten von Donald Trump. Foto: Reuters.

Vor ein paar Tagen war ich zu Gast im Journalismus Department des San Francisco City Colleges. Die Studierenden wollten mit mir über meinen Job als freier Korrespondent sprechen. Ich wurde dabei von einer interessierten Gruppe interviewt. Sie fragten nach meinen Erfahrungen, Erlebnissen, wie ich mich auf Themen vorbereite, wie ich Interviews durchführe, wie ich mich in schwierigen Situationen und mit nicht leichten Interviewpartnern verhalte, wie ich meine Reisen finanziere, wie es ist, mit Übersetzern zu arbeiten, und vieles, vieles mehr.

Und eine Frage beschäftigt mich seitdem weiter, kann man als Journalist objektiv berichten? Ich glaube, in diesen Zeiten ist es schwer geworden die Objektivität zu bewahren. Ich habe in den letzten paar Jahren sehr viel über Donald Trump berichtet und dabei durchaus auch versucht, nicht gleich alles, was er sagt und tut negativ zu sehen und zu bewerten. Das ist nicht leicht, denn vieles, für was Trump steht, was er macht, was er sagt, ist mir zuwider. Und doch, ich bewerte es als positiv, dass Trump genau das macht, was er im Wahlkampf angekündigt und versprochen hat. Er hält seine Wahlversprechen, zumindest das muss man ihm anrechnen.

Aber objektiv kann ich wohl nicht mehr sein, bei einem Mann, der kritische Medien als „Fake News“ abtut, als „Volksfeinde“ bezeichnet. Der lügt und betrügt und sich für seine Fehler, Falscheinschätzungen und Halbwahrheiten nicht entschuldigt, ganz im Gegenteil, der daraus auch noch eine „alternative Realität“ schafft, in die ihm Millionen von Wählerinnen und Wählern bereitwillig gefolgt sind. Der Neo-Nazis verteidigt und immer wieder mit rassistischen und nationalistischen Tönen auffällt. Trump hat sich und seinen Anhängern eine Welt erschaffen, in der ich mich nicht wiederfinden kann. Und da ist es schwer „objektiv“, „neutral“, „ausgewogen“ zu berichten.

Wie zum Beispiel kann ich objektiv bleiben, wenn Trump die eigenen Ministerien gängelt nicht weiter über den Klimawandel zu berichten, Gelder für Klimaschutzprojekte in afrikanischen Ländern bereit zu stellen? Wie kann ich neutral berichten, wenn Trump pauschal Migranten, die illegal in das Land kommen als „Vergewaltiger“, „Mörder“, „Drogendealer“ und „Gang Mitglieder“ bezeichnet? Wie kann ich ausgewogen sein, wenn Trump seit Amtsantritt nachweisbar Tausende Male gelogen und Unwahrheiten verbreitet hat?

Donald Trump und all die anderen rechtsnationalen Populisten in den westlichen Gesellschaften haben einen Frontalangriff auf die Grundfesten der Demokratien gestartet. Und sie sind dabei erfolgreich, denn alleine in den USA folgen rund 30 Prozent der Wähler Trump und seiner Politik. Sie glauben nur noch ihm und seiner schwarz-weiß Sicht der Dinge. Es ist schwer vorstellbar, dass sich das noch einmal ändern wird. Doch wie kann, wie soll man damit als Journalist umgehen? Und was ist in diesen Zeiten eigentlich noch „objektive Berichterstattung“?

Die schöne Seite Amerikas

Am Freitag war ich zu einer Podiumsdiskussion über die Situation von Korrespondenten im Trump-Zeitalter eingeladen. Es war eine interessante Debatte, in der wir über das veränderte Klima in Washington und in den USA sprachen. Für mich hat sich da eigentlich nicht so viel geändert, denn seit meinen Anfängen als USA Korrespondent habe ich versucht, meine eigene kleine Nische zu finden. Ich habe weder Kontakte in Washington DC noch einen Zugang zum Silicon Valley gleich hier vor meiner Haustür. Von daher hatte ich unter George W. Bush keine Krise, unter Barack Obama keine Hoffnung und nun unter Donald Trump keine Kopfschmerzen. Alles bleibt beim Alten.

Was ich am Freitag allerdings betonte war, dass sich die Einstellung bei vielen Redaktionen in Deutschland geändert hat. Es geht meist nur noch um Trump, Sende- und Artikelplätze werden fast ausschließlich nur noch mit Nachrichten von und über den 45. Präsidenten gefüllt. Positive USA Berichterstattung, Beiträge über Kultur, Entwicklungen, Szenen, das Leben in den USA kommt kaum noch vor. Und ja, ich ertappe mich auch selbst dabei, wie ich nach jedem allmorgendlichen Twitter-Gewitter von „DT“ Themen anbiete oder einen Blogbeitrag schreibe.

Ein Ort zum Verweilen in Mendocino County.

Auf dem Rückflug von München nach San Franciso sass ich neben einem jungen Paar, die mich siezten und meinten, sie werden nun in zehn Tagen Kalifornien abfahren. Alles im Schnelldurchlauf: San Francisco, Highway 1, Santa Barbara, Los Angeles, dann rüber nach Las Vegas, von dort noch einen Abstecher zum Yosemite Nationalpark, bevor es von San Francisco wieder losgeht. Ich meinte nur, das wird stressig, man sollte sich aber auch mal Zeit für den Norden Kaliforniens nehmen. Allein das „Wine Country“ von Sonoma- und Napa Valley und die Küstenregion sind wunderschön, entspannend und sehr empfehlenswert.

Erst gestern war ich auf einer kleinen alljährlichen Feier auf einem Weingut in der Nähe von Hopland, Mendocino County. Ein traumhafter Ort, ein wunderbares Event und dazu die sehr bekömmlichen Tropfen von Topel, einem meiner Lieblingswinzer der Region. Es war leider eine Art „Goodbye Party“, ein Kapitel geht zu Ende, gefeiert wurde dennoch. Und zum Schluss nach einigen Danksagungen, Tränen und viel Beifall die Worte von Donnis Topel: „Let’s celebrate. Go Warriors. And Fuck Trump“. Auch das ist (mein) Kalifornien.

Wie wäre es mit einem Trump-freien Tag

Es ist ja nicht so, dass nichts in der Welt passiert. Eigentlich gibt es genügend Brennpunkte rund um den Globus, die beachtet werden sollten. Wer mich kennt oder wer hin und wieder dieses Blog liest, weiß, wovon ich spreche. Die Hungerkrise in Somalia, die katastrophale Situation im Ost-Kongo, die Not und das Leid im Niger und der gesamten Tschadsee Region. Gestern führte ich ein Interview mit Wolfgang Jamann, dem Geschäftsführer von CARE International. Er kam gerade von einer Reise in den Jemen zurück, jenem Land, das derzeit im Chaos versinkt, in dem sich zwei große regionale Mächte einen Stellvertreterkrieg liefern, in dem Millionen von Menschen Flüchtlinge im eigenen Land sind, in dem nun auch noch eine der größten Cholerakrisen der jüngsten Zeit ausgebrochen ist. Bis Ende des Jahres rechnen Gesundheitsexperten mit etwa 600.000 Fällen. Aber all das wird gerne übersehen. Wolfgang Jamann meinte dazu: „Aber eins ist auch klar, Jemen schickt keine Flüchtlinge nach Europa, hier gibt es zwei Millionen Vertriebene innerhalb des Landes und das heißt natürlich – und das wurde mir auch sehr klar und sehr deutlich vor Ort zur Kenntnis gebracht – dass hier die internationale Gemeinschaft nicht ganz so besorgt reagiert, wie das vielleicht in Ländern der Fall ist, wo ein Flüchtlingsexodus droht“.

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Und vor diesem Hintergund der harten Fakten, Nachrichten, Realitäten sitze ich hier jeden Morgen und lese das, was Donald Trump tagtäglich über Twitter raushaut und was anschließend über ihn berichtet wird. Trump ist im Dauerwahlkampf, er wütet, tobt, beleidigt, macht andere nieder. Das sind dann Meldungen, mit denen sich die New York Times, die Washington Post, CNN, FOXNews und am Ende auch ich beschäftige. Es sind Nullnummern, platte Aussagen, es sind wahrlich „Fake News“ im Trump-Zeitlalter. Denn seien wir mal ehrlich, auf politische Ergebnisse kann dieser Präsident bislang nicht verweisen. Außer viel heißer Luft hat er bislang wenig zu bieten, doch die hat so einige in Washington ins Schwitzen gebracht.

Was ich mir wünschen würde, wären Tage, an denen man wirklich nur über die Nachrichten berichtet, die es wert sind verbreitet zu werden. Nicht Trumps leeres Gepoltere und die darauf kommenden Reaktionen, sondern den Blick auf das zu richten, was wirklich wichtig ist. Die Hungerkatastrophe in Teilen Afrikas, der Krieg im Jemen oder auch die Heroinkrise in den USA, die Probleme von illegalen Einwanderern in diesem Land, die abgehängten Regionen in den Weiten der USA, die Gefährdung durch Raubbau der einzigartigen Natur in den Vereinigten Staaten. Davon sollte man mehr lesen und mitbekommen.

Es gibt sicherlich einige, die nun sagen „mach halt“. Aber so einfach ist das nicht, denn Leser und Hörer entscheiden mit, was geschrieben und berichtet wird. Das Interesse an einem Trump Bericht mit Nullinformationswert ist einfach höher als eine Reise nach Somalia, um über die dortige Hungerkatastrophe zu informieren. Genau so ist es, zumindest sehe ich das an den Klickzahlen im Blog, kann das an den Reaktionen auf Berichte und Features über Trump und solchen Reisen ablesen. Wenn man dem Trump-Wahn entkommen will, als Journalist und als Leser und Hörer und Zuschauer, dann geht das nur gemeinsam. Ein „Trump freier Sonntag“ im Monat wäre vielleicht der richtige Ansatz.

Die Zukunft des Journalismus

Auf die Medien und die Journalisten wird ja in diesen Wochen und Monaten gerne eingeprügelt. Nicht nur Donald Trump hat seine Sündenböcke gefunden, die er unter dem Jubel seiner Anhänger beschimpft, verunglimpft und verbal bespuckt, auch die seltsame deutsche Bürgerbewegung Pegida und die sogenannte „Alternative für Deutschland“ sprechen gerne von der „Lügenpresse“.

Heute war ich auf Einladung einer alten Kollegin von KUSF, die für den Nachfolgesender „San Francisco Community Radio“ Medienarbeit an Schulen unterrichtet, am „Lycée Français de San Francisco„. Ihn ihrer Klasse waren zehn junge Schüler, die mich interviewten, Fragen stellten zu meiner Arbeit, meinem Werdegang und wie das so ist, Journalist zu sein. Sie hatten zuvor mit Farinaz Agharabi Fragen vorbereitet und die reichten von in welchen Ländern ich schon war, wie lange ich schon als Journalist arbeite, wie es dazu überhaupt kam als Journalist zu arbeiten, bis hin ob es auch mal gefährlich werde. Eine Frage jedoch ließ mich selbst nachdenken: ob ich gerne Journalist bin?

Ja, bin ich. Ich glaube, es ist der richtige Beruf für mich. Und das sagte ich ihnen auch. Ich bin neugierig und meistens bekommt man als Journalist auf seine Fragen Antworten. Ich reise viel und an Orte, die keine Urlaubsziele sind. Treffe Menschen, die ich wohl nie treffen würde, wenn ich nicht Journalist wäre. Viele von ihnen erzählen mir aus ihrem Leben. Oftmals sind es schlimme Erlebnisse, Erfahrungen und Umstände, von denen mir berichtet wird. Und doch sind da auch viele schöne Augenblicke, die ich nicht missen möchte. Im umkämpften Osten des Kongos gab es einmal einen Besuch in einem entlegenen Dorf, das immer wieder von Milizen angegriffen wurde. Das Dorf wurde geplündert, Frauen vergewaltigt, Männer brutalst zusammen geschlagen, erniedrigt, auch getötet. Als wir damals in dieses Dorf fuhren, wartete die evangelische Gemeinde rund eineinhalb Kilometer vor dem Dorf an der Straße, um uns zu empfangen. Wir stiegen aus und gingen gemeinsam mit ihnen, tanzend und singend, zu der kleinen Kirche aus Holzstöcken und Stroh. Und dort berichteten sie von den Schrecken ihres Alltags. Sie wußten, dass ich „nur“ ein Journalist bin, und doch war da jemand, der einfach mal zuhörte, Interesse zeigte.

Irgendwo in Ruanda liegt ein Fußballplatz.

In Puntland, dem nordöstlichen Teil von Somalia, spielte ich mit jungen Männern Fußball. Draußen standen unsere „Bewacher“ mit ihren Maschinengewehren und ich zog mir die kurze Hose an, schnürte die Turnschuhe und wartete auf meinen Einsatz. Wir sprachen nicht dieselbe Sprache und die jungen Kerle kurvten um diesen alten Sack aus Nürnberg problemlos herum, doch es war ein Erlebnis, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Normalität in einem geplagten Alltag. Fußball war auch in Ruanda so ein Erlebnis für mich. Irgendwo auf dem Weg zwischen Kigali und Gisenyi fuhren wir an einem Feld vorbei, auf dem ein gutes Dutzend Kinder in Fetzen bekleidet und barfuss Fußball spielte. Ihr Ball war nicht aus Leder, sondern aus Bananenblättern. Hart und dennoch rund. Damit spielten sie. Anfangs waren sie überrascht, als ich mitspielen wollte, doch dann lachten sie und spielten einfach weiter mit mir.

Und dann war da der Niger. In irgendeinem Dorf im Süden des Landes. Ich war mit CARE unterwegs, wir sprachen über die Auswirkungen des „Global Warming“ – Dürre und Hunger. Und dann saßen wir mit einer Frau und ihrem Sohn in ihrer Hütte. Einfach und kahl und lachten. Oder im Tschad, in einem Flüchtlingslager für Menschen aus der Zentralafrikanischen Republik, die viel, die sehr viel Schlimmes auf der Flucht erlebt hatten. Es war erst 10 Uhr morgens, doch schon sehr heiß und drückend. Ein Termin führte uns zu einem Brunnen, der von CARE gebohrt wurde. Auch dort wartete schon eine Gruppe von Frauen, Männern und Jugendlichen auf uns. Sie zeigten uns den Brunnen, wie er funktioniert und instand gehalten wird. Doch dann wurden Lieder gesungen, es wurde ausgelassen getanzt, die Besucher so willkommen geheißen.

Viele solcher kleinen, doch für mich großen Momente, machen den Job als Journalist aus. Und sie sind zahlreich. Die Menschen, mit denen ich spreche, die Orte, die ich sehe, die vielen Freundschaften, die ich über die Jahre schließen konnte. Die reichen von Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Instituts und Hilfsorganisationen bis hin zu Musikern und sogar einer Bundestagsabgeordneten. Journalist sein bedeutet hinzusehen und hinzuhören. Und es war schön, dieses Interesse heute im „Lycée Français de San Francisco“ zu sehen. Mädchen und Jungen, die Fragen hatten, die Antworten verlangten, die neugierig waren. Der Journalismus hat eine Zukunft, wenn man junge Menschen an die Tiefe und auch an die Schönheit dieses Berufes heranführt.

 

 

Bilder des Krieges von Bilderkriegern

Ein Buch das mich ganz tief berührt. Es ist schon seit 2013 auf dem Markt, aber erst jetzt bin ich darauf gestoßen. „Bilderkrieger“ von Michael Kamber, basierend auf dem Buch „Photojournalists on War“. „Von jenen, die ausziehen, uns die Augen zu öffnen. Kriegsfotografen erzählen“, steht auf dem Cover. Das sagt alles aus. Es sind die besten ihres Faches, die sich hier ihrem Kollegen öffnen und berichten. Von ihrem Leben, von ihren Erfahrungen, von ihrem Drang immer wieder dorthin zu gehen, wo es knallt. Von dem Schrecken und dem Horror, den sie im Rahmen ihrer Objektive und dahinter sehen. Von Tod, Terror, Trauer. Von Not, Elend und wie man mit der Angst umgeht.

Bilderkrieger, erschienen im Verlag Ankerherz.

Bilderkrieger, erschienen im Verlag Ankerherz.

Es ist leicht Journalisten und Medienvertreter als sensationsgeil zu beschimpfen. Oftmals ist es berechtigt. Aber man sollte auch die andere Seite sehen. Die, die hier gezeigt wird. Fotografen, Fotojournalisten, die ausziehen, um uns allen ein Stück der brutalen Wahrheit des Krieges zu zeigen. Es sind nicht die harten, eiskalten Profis, die da mit ihrer Kamera an vorderster Front arbeiten, die Bilder machen und alles anschließend abhaken. Es sind Menschen, die von dem, was sie sehen, getroffen werden. Ja, sie gehen freiwillig in Kriegsgebiete, nach Afghanistan, in den Irak, nach Libyen. Die, die hier zu Wort kommen, verdienen sehr gut, wurden für ihre Bilder mit den höchsten Ehrungen ausgezeichnet. Doch das, was sie erlebten hat jeden verändert. Einige von ihnen sind im Einsatz gestorben, wie Chris Hondros und Anja Niedringhaus, wurden schwer verletzt, wie Joao Silva, oder haben sich ganz aus dem Job zurück gezogen.

„Bilderkrieger“ zeigt die Menschen hinter der Kamera und wirft gleichzeitig die große Sinnfrage des Krieges auf. Die Interviews sind mehr Gespräche. Offen und ehrlich, hier wird nicht beschönt. Sie sprechen von Kollegen, von der Kameradschaft, von der Gemeinschafts da draußen im Feld. Aber auch von Kollegen, die nur an ihr Bild denken. Von immer weniger Redaktionen, die bereit sind, gute Fotografen und Journalisten länger als nur für ein paar Tage zu bezahlen. Krieg ist teuer, nicht nur für das Militär. Wer da raus geht und wieder kommen will, der braucht eine gute Vorbereitung, die Unterstützung einer Redaktion, gute Kontakte vor Ort, das nötige Equipment und jede Menge Glück. Erfahrung in einem Krisen- und Kriegsgebiet gibt es nicht umsonst. Anja Niedringhaus sagt in „Bilderkrieger“: „Ich habe ganz große Angst, dass es meinen Beruf, so wie er ist, in zehn Jahren nicht mehr gibt“. Recht hat sie.

Kein Bürgerjournlist, kein Blogger, keine „social media“, keine Webseite kann das auffangen, was wir alle durch die verschwindende Qualität im Journalismus verlieren. Und sie verschwindet vor allem auch deshalb, weil niemand mehr für die Qualität zahlen will. Es ist das Übel der Kostenlosgesellschaft. Geiz ist nicht geil, sondern eine fatale Entwicklung für die Meinungsbildung in einer Demokratie. Und das gepaart mit dem „alles jetzt und gleich“, dem „wir müssen das zuerst bringen“, „es muß einen aktuellen Bezug haben“. Das ist das Todesurteil des Journalismus.

In „Bilderkrieger“ kommen die großen Namen der internationalen Kriegsfotografen zu Wort. Man sollte sich Zeit nehmen für diese großartige Sammlung aus Bildern, Erfahrungen, Erlebnissen und Beschreibungen. Ein tief beeindruckendes und bewegendes Buch. Sehr empfehlenswert.