Covid-19 hinter den dicken Mauern

Auf Deutschlandfunk Kultur lief in der vergangenen Woche meine Serie über meine Freundschaft mit Reno, der seit 40 Jahren im Todestrakt von San Quentin ist. Hier kann diese fünfteile Reihe nachgehört werden.

Und dann kam da vor ein paar Tagen ein Brief aus San Quentin, in dem Reno schreibt, Covid-19 sei bei einem „Correctional Officer“ bestätigt worden. Gefangene hätten sich infiziert und auch im „East Block“, wo die „Death Row“ untergebracht ist, sei Corona entdeckt worden. Keine guten Aussichten für die Inhaftierten, ein „Lock Down“ sei angeordnet worden, das heißt, die Gefangenen kommen ersteinmal nicht mehr aus ihren Zellen raus. Kein Hofgang, kein Gottesdienst, keine Programme. Im Normalvollzug sind sie zu zweit auf vier Quadratmetern untergebracht, im Todestrakt sind sie alleine. Essen, schlafen, nicht durchdrehen auf unbestimmte Zeit und auf engstem Raum. Und die Anweisungen der Gefängnisleitung befolgen, wie „six feet“ Distanz halten, was nicht so einfach ist in einer Zelle, die gerade mal „eight feet“ lang ist.

In der Enge Distanz halten, die Anordnungen der Gefängnisleitung von San Quentin in der Corona-Krise.

„Mit all meinen Gesundheitsproblemen, bin ich besonders vorsichtig, um das Covid-19 Virus nicht zu bekommen, denn ich vermute, ich würde das nicht überleben. Und falls es doch passiert, dann lass mich an dieser Stelle Danke sagen für all die Jahre als mein Freund…Wenn ich mich infiziere, werde ich in eine Isolationszelle im „Adjustment Center“ (dem Knast im Knast, AP) verlegt, wo ich kein Telefon und keine Schreibmaschine haben werde, ich kann Dich dann also nicht kontaktieren. Wenn die Dinge also wirklich ganz schlecht werden, dann könnte dieser Brief der letzte direkte Kontakt mit Dir sein….“

Der Tod im Todestrakt, er schleicht da immer herum. Obwohl ich San Quentin seit über 25 Jahren kenne, über mehrere Hinrichtungen berichtet habe, drei Männer kennenlernte, die am Ende exekutiert wurden, ich zu einer Hinrichtung als Medienzeuge geladen war, noch immer treffen mich solche direkten Zeilen. Ich glaube, man härtet da nicht ab. Man sollte das wohl auch nicht. Eine verrückte Welt hier draußen, eine ganz surreale hinter den dicken Mauern von San Quentin.

Wie sieht die Situation bei Dir aus?

Von einer ehemaligen Kollegin, die für einen fränkischen Privatsender arbeitet, wurde ich gebeten ein paar Fragen zur aktuellen Lage in den USA zu beantworten. Es war für mich mal wieder was anderes, mich kurz und knapp zu halten.

Wie ist die aktuelle Situation bei Dir vor Ort?
Hier in Oakland und der gesamten San Francisco Bay Area wurden die Ausgangsbestimmungen bis zum 3. Mai verlängert und auch verschärft. Das öffentliche Leben soll weitgehend herunter gefahren werden. Ein Mundschutz soll ab morgen getragen werden, aber eben keiner, der von Pflegekräften benötigt wird. Da kann man also Kreativität zeigen. Die Supermärkte kontrollieren, wie viele Leute in den Laden dürfen, in den noch offenen Geschäften ist ganz klar der Abstand zum Vordermann vorgeschrieben. Dazu wurden nun noch mehr Parks geschlossen. Die Leute werden wirklich dazu angehalten daheim zu bleiben. Ein allgemeines Ausgangsverbot gibt es aber noch nicht.

Wie sieht es in den Krankenhäusern aus?
Da sieht es nicht viel anders als in Deutschland aus, wobei hier eine einheitliche Linie fehlt und wohl auch die Schutzmassnahmen, wie Masken und Schutzkleidung langsam aber sicher ausgehen. Das hört man aus den verschiedenen Regionen und Einrichtungen. Dazu kommt, dass die Beatmungsgeräte Mangelware sind. Da kann der Präsident noch so viel beschönigen, wie er will, Tatsache ist, es gibt massive Versorgungsprobleme. Die Bundesstaaten werden hier von der Bundesregierung quasi allein gelassen, sie sollen sich selbst welche besorgen. Das ist natürlich keine Lösung und führt auch nicht gerade zu einer Einheit in dieser Krise im ganzen Land.

Was ist mit den Obdachlosen?
Na, die Hotels sind derzeit leer, da hat nun der Staat eine Möglichkeit gefunden, Obdachlose unterzubringen und sie und auch die Allgemeinheit zu schützen. Die Frage ist, wie dieses gewaltige Problem der Obdachlosigkeit in Kalifornien nach der Krise gelöst werden soll. Aber derzeit versucht man alles, um die Leute von der Straße zu bekommen.

Weißt Du, wie es neben New York und New Orleans in den anderen Bundesstaaten aussieht?
Du hast schon New Orleans erwähnt, Louisiana entwickelt sich zu einem Problemstaat. Und das hat Auswirkungen auch auf die umliegenden Bundesstaaten, die alle eine ziemlich schlechte Gesundheitsversorgung und Infrastruktur in diesem Bereich haben, also ich rede von Mississippi, Tennessee, Alabama. Das wird Probleme geben, denn klar ist, nach den Städten und Ballungsräumen in den USA werden auch die ländlichen Gegenden im Mittleren Westen und den Südstaaten davon betroffen sein. Große Probleme gibt es nach wie vor in Washinton State, aber auch Illinois…und auch Florida mit seinen vielen Rentnern, die dort leben, entwickelt sich zu einem deutlichen Krisengebiet.

Wie reagieren die Einheimischen?
Das ist vergleichbar mit der Situation bei Euch. Die einen reagieren, wie sie reagieren sollten. Ziehen sich zurück, befolgen die Anweisungen. Andere wieder machen genau das Gegenteil, meinen sie sind davon nicht betroffen…also da unterscheiden sich die Deutschen kaum von den Amerikanern. Aber ja, der Großteil hält sich schon daran….sagen wir es so, normalerweise bräuchte ich im Berufsverkehr von meinem Haus bis nach San Francisco etwa eineinhalb Stunden…derzeit kann ich zur gleichen Zeit die Strecke in 20 Minuten schaffen. Das zeigt schon, dass hier das öffentliche Leben deutlich und erfolgreich runtergefahren wurde.

Welche Prognosen haben die Fachleute bisher veröffentlicht und inwieweit deckt sich das mit den Prognosen des Weißen Hauses?
Na ja, es wird von Tag zu Tag schlimmer. Anfangs meinte ja Präsident Trump, das sei alles kein Ding, 15 Tote und dann sei die Sache vorbei….Nur wenige Tage später sind wir soweit, dass hier von vielleicht 200.000 Toten in den USA gesprochen wird….Die Prognosen sind derzeit alles andere als gut….für die Amerikaner genauso wie für die amerikanische Wirtschaft.

Was schätzt Du, wie es in den nächsten Wochen weiter gehen wird und wie die Aussichten sind?
Wenn ich das wüßte?….man muss nur zwei, drei, vier Wochen zurückblicken, dann weiss man, wie falsch alle mit ihren Prognosen gelegen haben, vor allem an ganz obiger Stelle…man kann nur hoffen, dass sich die Menschen an diese Ausgangsbeschränkungen halten und dann sehen, ob es hilft….was ich sehe ist auch, dass derzeit in den USA eine einheitliche Linie fehlt, weil Donald Trump das alles als Wahlkampfspektakel nutzt, man muß nur seine täglichen sogenannten „Pressekonferenzen“ ansehen, die zu einer Trump-Show verkommen sind. Das macht es nicht leicht, wenn man den Verdacht hat, dass er den Staaten mehr hilft, die für ihn bei der Wahl im November mehr Bedeutung haben.

In der Krise kreativ sein

Ich lebe in Oakland Montclair, einem Stadtteil am Rande der Stadt. Alles wirkt etwas dörflich, man kennt sich nach einiger Zeit. Ich wohne hier seit fast 21 Jahren, da habe ich so einige Veränderungen miterlebt. Anfangs gab es noch zwei „Hardware Stores“, also Läden, die vom Nagel bis zum Wasserrohr alles hatten. Die gibt es nicht mehr, dafür nun ein gutes Dutzend „Nail Studios“ und drei Sushi Restaurants. Montclair hat sich zweifellos verändert und das nicht gerade zum Besseren.

Was mir zur Zeit aber auffällt ist, wie die einzelnen Ladeninhaber mit der Krise, die uns alle betrifft, umgehen. Da gibt es Cafés, wie Peet’s, die lassen niemanden mehr in ihre Räume. Dennoch verkaufen sie Kaffee, direkt von der Tür. Ein Tisch blockiert den Eingang, darauf ein Kreditkarten und Smartphone Lesegerät. Mit Abstand kann man seine Tasse „Joe“ bestellen, selbst „Low Fat Soy Organic Fair Trade De-Caf“, dreimal umgerührt und mit dem Verweis darauf, dass der Kaffee auch wirklich bei Vollmond geerntet wurde. Aber eben alles von der Tür aus. Das geht.

Auch der Käseladen um die Ecke hat auf, er zählt zu den wichtigen Läden in der Krise, die geöffnet haben dürfen. Man darf einzeln eintreten, seinen Käse bestellen und der Shop hat auch eine Riesenauswahl an Wein. Verdursten muß also niemand während einer Epidemie, die nach einem Plörrebier benannt wurde (oder auch nicht).

Da viele derzeit in ihrem „home office“ arbeiten, aber dennoch Dokumente und auch anderes durch die Gegend schicken müssen, haben sowohl die Post, wie auch der UPS Store geöffnet. Auch hier muß man einzeln in den Laden eintreten, sein Paket auf die Theke legen und dann „six feet“ Abstand nehmen. Wirkt etwas seltsam, aber es geht.

Auch in Oakland wird in diesen Tagen viel aufs Klo gegangen.

Im Supermarkt läuft alles ganz normal. Das Angebot ist noch immer reichhaltig, bis auf die „Essentials“ in dieser Krise, wie Toilettenpapier, Mehl, Nudeln, Tomatensoße. Wie das zusammengeht, weiß ich auch nicht, aber da gibt es wohl einen Schnittpunkt, der noch zu erkennen ist.

Montclair ist in diesen Tagen ruhig. Der Spritpreis an der Tankstelle sinkt und sinkt für eine Gallone fast über Nacht. Vor vier Wochen lag er noch bei 3 Dollar 29, nun sind es nur noch 2 Dollar 73. Auf den Bänken entlang der Einkaufsstraße darf man nicht mehr sitzen, das hat das Gesundheitsamt verboten, viele Ladenfronten sind verwaist. Auch der lokale Buchladen, ein überfüllter Verkaufsraum ist geschlossen. Am Fenster hängt ein Blatt Papier, man habe geschlossen, könne keine Aufträge entgegen nehmen, man solle also bitte auch nicht anrufen und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, denn der sei schnell voll. Ich lese das und denke an den Artikel in der NZ, in dem beschrieben wird, wie ein Buchhändler in Nürnberg die bestellten Bücher per Fahrrad ausliefert. Mir fällt das Gespräch im Deutschlandfunk Podcast „Der Tag“ ein, in dem eine Buchhändlerin aus Köln erzählt, wie sie nach wie vor Bücher in ihrem Kiez ausliefert. Ein Mann, so die Buchhändlerin, sei sogar zu ihr gekommen und habe gesagt, er brauche derzeit kein Buch, aber hier sei ein Scheck, sie solle davon zehn Kinderbücher kaufen und diese an Familien verteilen, die derzeit zu Hause sein müssten. Das nenne ich Kreativität in der Krise, anders als mein Buchhändler hier, der die Schotten dicht macht, dennoch in seinem Laden am Computer sitzt und die Welt draußen vorbei ziehen läßt.

Nicht jeder kann in diesen Zeiten kreativ sein, das ist mir klar. Doch vielleicht kann man es zumindest versuchen, und seinen Tag nicht nur damit verbringen, vor dem Fernseher oder dem Computer zu sitzen, ein schlechtes Tagesprogramm oder die verstörenden Nachrichten zu konsumieren, um schließlich nervige und dämliche Verschwörungstheorien über die sozialen Medien in alle Welt zu verbreiten. Ich sag ja nur, es gibt Möglichkeiten…

Coronaamerika

Ich mußte heute mal raus. Zuerst in die Bank, parkte mein Auto am Rande der Geschäftsstraße in Oakland-Montclair, um einfach mal in aller Ruhe zu sehen, was da gerade passiert oder eben auch nicht. Die meisten Läden sind geschlossen. Pete’s Coffee Store hat zwar offen, aber niemand darf in den Verkaufsraum. Ein Tisch an der Tür, dort kann man seine Bestellung aufgeben und nur mit Kreditkarte bezahlen. Die Bänke vor den Läden und Cafés sind verwaist, Schilder weisen darauf hin, dass niemand hier sitzen darf.

Nur wenige Restaurants sind geöffnet, und auch nur dann, wenn sie „Take out“ anbieten. Drogerien und Supermärkte haben auf. Und in der Bank, die ich besuchen mußte, wurde das Thermometer hochgefahren, wohl in der Absicht jegliche Viren zu bekämpfen. Auf dem Boden Abstandshalter, um dem Vordermann nicht zu nahe zu kommen, doch es sind kaum Leute in der Bank. Ich sitze schließlich der Managerin in ihrem Büro gegenüber, die im Vergleich zu ihren Mitarbeitern am Schalter hinter dickem Panzerglas weder Mundschutz noch Latexhandschuhe trägt und auch sonst keinerlei Distanzprobleme hat.

Nach gefühlt-geschwitzten 50 Minuten in der überheizten Bank fahre ich zu Trader Joe’s, der Aldi Tochter, eigentlich der Supermarkt meiner Wahl. Doch seit hier die Krisenzeiten ausgebrochen sind, vermeide ich ihn, denn vor dem Laden bildet sich jedesmal eine lange Schlange, sie lassen nur eine bestimmte Anzahl von Leuten hinein. Doch heute bin ich da, um für eine ältere Nachbarin einzukaufen, ich hatte ihr das schon vor einer Woche anbeboten, heute morgen hat sie mich beim Rundgang mit Käthe darauf angesprochen. Also Trader Joe’s…. Die Warteschlange zieht sich um den Laden herum, jeder hält fast zwei Meter Abstand zum Vordermann/frau. Die Frau vor mir blickt sich ständig mit panischem Gesichtsausdruck nach mir um, ob ich ihr auch ja nicht zu nahe komme. Am Eingang sprüht sie sich gleich mehrmals Desinfektionsmittel auf die Hand. Nach zehn Minuten bin ich schließlich drinnen. Die Regale sind voll, bis auf Toilettenpapier, Nudeln, Reis und Bohnen in Dosen. Anscheinend ist das nicht nur ein deutsches Problem.

Einige im Laden sind freundlich, lächeln, andere schauen einen grimmig an, als ob man ein wandelnder Virus sei. Die Mitarbeiter sind mehr als hilfreich, fragen nach, wenn man suchend umherblickt. Sie versuchen wohl die Kunden so schnell wie möglich wieder nach draußen zu bekommen, denn die Schlange vor der Tür wird nicht kürzer. Der Supermarkt liegt gleich neben der Bart Station „Rockridge“, die erhöht zwischen den Autobahnspuren des 24er liegt. Darunter der Parkplatz, der eigentlich immer überfüllt ist. Ich schätze, zwischen 600 und 800 Autos haben dort Platz, heute parkten gerade mal sieben Wagen dort. Skateboarder nutzen die Chance, um sich etwas auf der Freifläche auszutoben.

Das öffentliche Leben wird immer weiter eingeschränkt, Teile der Parks und Parkplätze werden geschlossen, um alles zu entzerren, noch offene Läden und Restaurants müssen schließen. Fast täglich erhalte ich Mails und Anrufe mit der Aufforderung daheim zu bleiben. Unterdessen fabuliert der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von vollen Kirchen am Ostersonntag. Wissenschaftler, bekannterweise nicht gerade die Freunde von Donald Trump, schlagen darüber nur die Hände über den Kopf. Das ist der Alltag im heutigen Amerika.

Auf den Hund gekommen

Hotels sind immer auf der Suche das besondere Etwas für ihre Gäste zu finden, das, womit sie aus den Angeboten anderer Hotels herausragen. Ein Golf Resort im südkalifornischen Palm Springs setzt da auf die Unterstützung vierbeiniger Helfer und das in Kooperation mit einem lokalen Tierheim. Die Idee dahinter ist, zumindest einige der mehr als 670,000 Hunde vor dem Einschläfern zu retten.

Wenn man in diesem Westin, rund einhundert Meilen nordöstlich von San Diego eincheckt, dann wird der Hotelgast an der Rezeption auch von einem Vierbeiner begrüßt. In dem hundefreundlichen Westin ist man eine ungewöhnliche Partnerschaft mit dem lokalen Tierheim “Animal Samaritans” eingegangen. Hunde aus dem Tierheim werden so den Hotelbesuchern nahe gebracht mit dem Hintergedanken Adoptionen zu ermöglichen.

Raquel Wood vom Westin ist unter anderem auch für dieses Programm verantwortlich: „Wir haben damit im Mai 2015 begonnen und die erste Adoption machte ein Mitarbeiter. Eigentlich alle unserer Mitarbeiter unterstützen dieses Programm. Es ist schon witzig, wenn ein Hund adoptiert wird, kommt gleich die Frage, wann wir den nächsten bekommen werden.“ Und das Konzept scheint aufzugehen, denn in dieser Woche wurde schon der 156te Hund im Westin begrüßt. Normalerweise dauere es so 10-14 Tage bis ein Hund adoptiert wird, erzählt Wood. „Unser Rekord war ein paar Stunden, das war glaube ich Hund Nummer 151, sie war gerade mal eine halbe Stunde hier, da hatten schon einige Gäste die Formulare für sie ausgefüllt. Sie war einfach so süss und beliebt.“

Tom Snyder, der Direktor des “Animal Samaritans” Tierheims in Palm Springs ist begeistert von dem Programm und sieht den Erfolg für alle Beteiligten: „Wir von “Animal Samaritans” können die Hunde so viel mehr potentiellen Hundebesitzern präsentieren. Für das Westin ist es gut, denn sie haben eine ungewöhnliche Attraktion für ihre Gäste, es hilft den Stress abzubauen. Und natürlich ist es gut für den Hund, denn er bekommt so viel Aufmerksamkeit, viel mehr, als er hier im Tierheim von unseren Mitarbeitern und Ehrenamtlichen bekommen könnte. Es lohnt sich für alle und am Ende ist das Ziel ein “Forever Home” für den Hund zu finden.“

Tagsüber ist der Vierbeiner im Lobby Bereich, kann gestreichelt und auch mal zum Spazierengehen auf dem Areal des Resorts mitgenommen werden. Und nach 20 Uhr schläft der Hund im hinteren Bereich der Rezeption, da, wo der Mitarbeiter am Abend auf Gäste wartet. „Die Hunde, die wir hier haben sind kleinere Hunde, so bis zu 15 Pfund Gewicht“, berichtet Raquel Wood. „Also keine Schäferhunde oder Labradors. Mehr Chihuahua oder Pinscher und Terrier Mischlinge. Der größte Hund war wohl ein Cocker Spaniel mit knapp 25 Pfund. Aber das ist eher selten.“

Auch wenn die Hunde von Hotelgästen adoptiert werden, geprüft wird dennoch genau, wohin der Hund kommt. Das, so Tom Snyder, sei für seine Organisation besonders wichtig: „Wir haben da Möglichkeiten in diesen Zeiten mit dem Internet, die Informationen auf den Adoptionsunterlagen zu prüfen. Die Adresse können wir uns über Google Earth ansehen, checken, ob es auch wirklich ein Privathaus und keine Geschäftsadresse ist, oder sehen, ob der Garten eingezäunt ist.“ Beim Prüfen des neuen Zuhauses gibt es keine Abstriche, wer sich für einen Hund entscheidet und in wenigen Stunden einen Flieger nehmen muss, dem wird geraten von der Adoption Abstand zu nehmen oder noch einmal zurückzukommen. Auch das passiert, erinnert sich Tom Snyder: „Einer kam sogar aus Seattle für den Hund zurück, das zeigt uns ganz deutlich, wenn man das auf sich nimmt, dann hat man das Tier wirklich ins Herz geschlossen und wird ein guter Tierhalter sein.“

Für Tom Snyder und auch Raquel Wood sollte dieses Programm Schule machen, denn ein Hund, da stimmen sie überein, ist eine Bereicherung für jede Hotellobby. Und es würde so manchen Vierbeiner vor dem sicheren Einschläfern retten.

Der Weltuntergang ist nah

Heute früh bin ich mit dem Hund um den Block gegangen. So ruhig war es hier noch nie. Keine Menschenseele auf der Straße, niemand war auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule. Kein Auto fuhr, alles war ruhig, seltsam ruhig. So still ist es noch nicht einmal an Thanksgiving oder Weihnachten. Denn auch aus der Ferne war kein Straßenlärm zu hören.

Seit Mitternacht sind in den Bezirken rund um San Francisco, von Santa Cruz im Süden bis Hopland im Norden Ausgangssperren verhängt worden. „Häusliche Isolation“ nennt sich das, betroffen davon sind rund sechseinhalb Millionen Menschen. Nur wenige Geschäfte dürfen noch auf haben, alles andere ist geschlossen. Das öffentliche Leben kommt in der Bay Area zum Stillstand.

Zumindest eine hat Spaß in diesen Tagen.

Unterdessen steigen im ganzen Land die Waffenverkäufe. Vor Gun Stores in Idaho, Montana, Kentucky, Arkansas und anderen Bundesstaaten haben sich lange Schlange gebildet. Gekauft wird alles was Wumm machen kann, dazu Unmengen an Munition. Das schwerbewaffnete Amerika bereitet sich auf den Endzeitkrieg vor. In einem Wahljahr steigen grundsätzlch die Waffenverkäufe, denn immer ist das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz auch ein Wahlkampfthema. Republikaner, allen voran Donald Trump, mobilisieren ihre Basis damit, dass sie erklären, die Demokraten wollten das „2nd Amendment“ abschaffen und alle Knarren konfiszieren lassen. Das ist natürlich Blödsinn, aber es führt dennoch zu einem „Run“ auf die „Guns“.

Doch dieses Wahljahr trifft auch noch auf eine globale Krise. Im Januar wurden deshalb rund 350.000 Waffen mehr verkauft als im Wahljahr 2016. Unzählige Amerikaner sind auf den „drohenden“ Bürgerkrieg und die Aussetzung aller Grundrechte vorbereitet, nach dem Motto, wer an mein Klopapier oder meine Nudeln will, „only over my dead body“. Die Knarren sind geladen.

Die Verschwörungstheorien blühen derzeit auf. Die einen sehen hinter dem Corona Virus den Versuch der „geheimen Weltregierung“ die Bevölkerungen unter ihre Kontrolle zu bringen. Die anderen machen einen Geheimplan von Donald Trump aus, der nun „Martial Law“, also das Kriegsrecht ausrufen wird, um so seine Abwahl zu verhindern und auf einen Kurs mit seinen diktatorischen Kumpels in aller Welt einschwenken will. Bei all dem bin ich nur noch sprachlos. Ich sitze hier in meinem alltäglichen „Home Office“, schreibe und produziere und genieße auch weiterhin die Waldspaziergänge mit meiner Käthe. Da sehe ich keinen, da treffe ich keinen, da treibt sich kein Virus herum.

Oakland in den News

Seit 21 Jahren lebe ich in Oakland, eine Stadt, die mir ans Herz gewachsen ist. Auch, wenn Oakland immer im Schatten der strahlenden „City by the Bay“ San Francisco steht. Und doch Oakland ist voller Geschichte und Geschichten. Das versuche ich immer wieder auch in diesem Blog darzulegen. Oak-Town, wie man hier auch die Stadt nennt, wird aber meistens von außen mit schlechten News in Verbindung gebracht.

Die „Grand Princess“ nimmt Kurs auf Oakland. Foto: AFP.

Als ich ich 1999 hierher kam, lag die Mordrate bei über 160 Opfern pro Jahr, die Ganggewalt, die Schießereien gerieten außer Kontrolle. Dazu kam, dass die Stadt die drängenden Probleme nicht unter Kontrolle bringen konnte. Aber Oakland war und ist auch immer eine Künstler- und Subkultur Stadt gewesen, hier wurden viele der gewaltigen Burnin-Man Kunstwerke erstellt, denn hier gab es in der einstigen Arbeiterstadt viel Platz in alten Produktionsstätten. Oakland ist eine Musikstadt, Jazz, Hip Hop, Punk und Noise ließen international aufhorchen. Über all die Jahre, seidem ich das Geschehen hier aus der Nähe beobachten kann, hat sich viel getan. Oakland boomt und hat mit Libby Schaaf eine Bürgermeisterin, die sich schon mehrmals öffentlich mit Präsident Donald Trump gefetzt hat, die Warriors haben Basketballgeschichte geschrieben, die Restaurant- und Kneipenszene ist aufgeblüht. Das alles vor dem Hintergrund der folgenschweren Gentrifizierung in der Stadt.

Und nun ist Oakland mal wieder in den internationalen News. Die „Grand Princess“, das Kreuzfahrtschiff mit 3500 Passagieren an Bord, das seit zwei Wochen vor der Küste des Golden Gates auf eine Hafeneinfahrt wartet, wird am Montag im zweitgrößten Hafen an der Westküste, in Oakland, andocken. Eigentlich sollte die „Grand Princess“ in San Francisco Anker werfen, doch da steht nur ein Pier zur Verfügung, das fast direkt an Downtown angrenzt. Eine weiträumige Isolation ist dort nicht möglich. In Oakland steht der Container- und „Deep Sea“ Hafen zur Verfügung, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Von hier sollen die 3500 Menschen an Bord aufgeteilt werden. Die 21 Erkrankten werden umgehend in spezielle Einrichtungen gebracht, die 1000 kalifornischen Passagiere in Kalifornien beobachtet, die anderen weiter in ihre Heimatbundesstaaten transportiert. Und alles unter Ausschluß der Öffentlichkeit, denn der Hafen in Oakland ist absolutes Sperrgebiet.

Morgen also werden die Bilder aus Oakland um die Welt gehen, ein Kreuzfahrtschiff im Hafen, im Hintergrund die Bay Bridge und San Francisco. Ich kann nur hoffen, dass man danach Oakland nicht als Virenschleuder betrachtet. Ich lebe etwa zehn Kilometer Luftlinie vom Hafen entfernt, mal sehen, ob ich morgen von hier oben das Schiff sehen kann.

Coronajagd in Chinatown

Chinatown in San Francisco und Chinatown in Oakland sind eigentlich sehr lebendige und vielbesuchte Stadtteile. Gerade das Chinatown in San Francisco, das älteste Chinesenviertel in den USA, ist beliebter Anlaufpunkt für die unzähligen Touristen die alljährlich in die „City by the Bay“ strömen. Doch das hat sich nun geändert.

Covid-19, das Corona Virus, tauchte zuerst in Wuhan, China auf. Tausende von Meilen entfernt. Doch alleine, dass es in China ist, führt dazu, dass viele nun meinen, sie müssten Chinatown meiden. Denn irgendwie hängen die Chinesen wohl mit dem Virus zusammen, so die Überzeugung vieler. Die Straßen sind leer, viele Geschäfte geschlossen, die, die offen haben, darunter auch viele Restaurants und Cafes, sind gähnend leer. Von Touristen kaum etwas zu sehen. Für die vielen kleinen Läden zwischen dem „Chinese Gate“ an der Ecke Bush/Grant und der Columbus Street sind schwierige Zeiten angebrochen. Und wer unterwegs ist trägt Mundschutz. Nicht anders ist es in Oakland, gleich auf der anderen Seite der Bay. Chinatown ist in diesen Tagen verwaist. Und nicht nur das, die Nachrichten nehmen zu, dass asiatisch aussehende Menschen Opfer von Hetze, Hass und Gewalttaten werden.

Quarantäne am Golden Gate. Foto: Reuters.

Vor der Küste liegt ein Kreuzfahrschiff und darf nicht ankern, denn die Corona-Gefahr reist mit an Bord. Auf der vorhergehenden Cruise nach Mexiko war ein Mann, der mit Symptomen die „Grand Princess“ verließ und mittlerweile verstorben ist. Die jetzige Cruise ging nach Hawaii, unklar ist, ob es unter den Passagieren zu Ansteckungen kam. Bis Klarheit herrscht, darf das Schiff nicht in den Hafen einfahren. Und die Corona Panik hat auch einen deutschen Club in der Bay Area erreicht. Zwanzig Mitglieder von ihnen waren auf der Schifffahrt nach Mexiko. Sie alle wurden anschließend benachrichtigt und mussten in ihren eigenen vier Wänden in Quarantäne bleiben, dazu kamen weitere Menschen, mit denen sie nach dem Verlassen des Schiffes in Kontakt kamen.

Auch wenn Präsident Donald Trump die Gefahr und die Auswirkungen des Corona Viruses herunterspielt, in diesen Tagen herrscht nirgendwo mehr Normalität. Nicht nur in Chinatown, auch hier in meinem lokalen Supermarkt wird man mehr als schief angeschaut, wenn man mal husten muss. Gegrüßt wird nicht mehr per Handschlag sondern nur noch per Ellbogenkick. Die langfristigen Folgen sind noch nicht absehbar, die Panik vor einer Ansteckung an sich hat schon genug Angst, Schrecken und finanzielle Sorgen ausgelöst.

Auf den Spuren von Jack London

4,4 Millionen Dollar kostet das Anwesen, in dem Jack London im Sommer 1903 sein Buch „The Sea Wolf“ geschrieben hat. Das Haus in Glen Ellen in Sonoma County gehörte einst seiner Agentin, Netta Eames. Die war nicht nur eine frühe Förderin des Schriftstellers, sondern stellte ihm auch ihre Nichte, Charmain Kittredge, vor, die London später heiratete.

Sowieso sind die Spuren von Jack London in der San Francisco Bay Area reich. Auch in Oakland, kann man auf die Suche gehen und findet schnell wichtige Orte. Ein deutscher Immigrant hat sogar die Weichen für den Erfolg des Schriftstellers – zumindest – mitgestellt. Es muss um 1893 gewesen sein, der junge Jack London vertrieb sich nach der Schule die Zeit in Johann “Johnny” Heinolds “First and last chance” Bar direkt im Hafenbereich von Oakland. An einem Tisch machte er seine Hausaufgaben und hörte den Geschichten der Seemänner zu. Die Abenteuerlust packte den damals 17jährigen.

Die Gefahren und der Mut von Männern durchzieht Londons Werk. Und Jack London, so ist es überliefert, erzählte Johnny Heinold davon, dass er überlege an der University of California zu studieren und Schriftsteller zu werden. Heinold war begeistert und lieh dem Jungen das Geld für das Studium.

Jack London kam auch als namhafter Schriftsteller immer wieder zurück in seinen “First and last chance” Saloon. In seinem Roman “John Barleycorn” wird die Bar ganze 17mal erwähnt. Hier lernte er den Seemann Alexander McLean kennen, den er als Vorbild für seinen “Wolf Larsen” in “Der Seewolf” nahm. Und mit Johann Heinolds Hilfe wurden an dem kleinen Tisch in der Bar die Verträge für drei weitere Jack London Romane unterzeichnet. Noch heute ist die Bar und auch derselbe Tisch an dem der Schüler seine Hausaufgaben machte und der Schriftsteller seine Notizen schrieb an der gleichen Stelle zu finden, am “Jack London Square” in Oakland.

Das ist nur eine kleine Anekdote am Rand in der Geschichte Jack Londons und der deutschen Immigranten am Golden Gate. Als ich von dem Hausverkauf in Glen Ellen erfuhr, mußte ich allerdings daran denken, denn der Saloon ist ein interessanter Ort. Eine alte Kneipe, die zum Teil im Laufe der Jahre abgesunken ist und zwischen all den Neubauten am Jack London Square mehr als auffällt. Wer also San Francisco besucht, sollte mit der Fähre vom Ferry Building am Ende der Market Street zum Jack London Square nach Oakland fahren, ein kleiner Spaziergang entlang des Wassers, um im Außenbereich des „First and last chance“ Saloons ein Bier zu trinken. Ich empfehle ein KSA, ein Kölsch, lokal gebraut von der Fort Point Brewery, eine Brauerei, die sehr stark vom deutschen Brauwesen beeinflusst wird.

Röcke bis zum Knie

98 Frauen, zwei Männer, so ungefähr sieht die Warteschlange an diesem Sonntagmorgen am Eingang von San Quentin aus. So ist es immer, viel mehr Frauen als Männer besuchen die Häftlinge. Die Regeln sind strikt, was man anziehen darf, gerade für die Besucherinnen (siehe unten). Und doch, bei allen Restriktionen, wie lang der Rock, wie eng die Bluse, wie tief der Ausschnitt sein darf, wird versucht, die Grenzen des Erlaubten auszutesten und auszutricksen.

Oftmals, wie auch heute, drücken die „Correctional Officers“ nicht beide Augen zu. Vor mir eine etwas fülligere Frau mit einer Freundin. Sie trägt nur ein gelbes, etwas fleckiges T-Shirt, das eng anliegt und einen tiefen Einblick gewährt. Dazu sehr enge Leggings. Blickfang ist ihr Tattoo genau im Ausschnitt. Sie wird aufgefordert die Sweat Shirt Jacke ihrer Begleiterin anzuziehen und bis oben hin zuzuziehen. Dass ihr die Jacke mindestens eine Nummer zu klein ist, interessiert die CDC-Officer nicht.

Auf was man als Besucher achten muss, wenn man jemanden in San Quentin besucht, ist vor allem die Farbe der Klamotten. Keine blaue Jeans, kein blaues Hemd, keine blaue Jacke. Blau ist die Farbe der Häftlinge. Auch Grün darf nicht getragen werden, das ist die Farbe der Wärterinnen und Wärter. Dazu kein Orange, das tragen jene Häftlinge, die im Außenbereich arbeiten. Die Regeln, was angezogen werden darf, werden ständig verändert und erweitert. Vieles macht keinen Sinn und ich selbst hatte schon oft genug am Eingang Debatten darüber, dass meine graue Hose grau sei und nicht blau. Dann hängt es von dem Officer ab, der einen kontrolliert, ob er oder sie päpstlicher als der Papst sind oder an diesem Tag Gnade ergehen lassen.

San Quentin ist eine Welt für sich. Ein kleines Dorf direkt an der San Francisco Bay und an der Richmond-San Rafael Bridge gelegen. Eine Straße führt hinein und die direkt auf das Tor von San Quentin zu. Links davor geht es auf den Besucherparkplatz, von dem man einen wunderbaren Ausblick auf die „Bastille by the Bay“, auf Tiburon, Angel Island, Oakland und San Francisco in der Ferne hat. Nach fast 25 Jahren regelmäßiger Besuche im Todestrakt des kalifornischen Staatsgefängnisses ist das Prozedere für mich zur Normalität geworden. Die Kleidungsbestimmungen, die strikten Kontrollen, teilweise das Rumgebläke der Officers. Ich habe gelernt, nichts zu den teilweise schikanösen Behandlungen und Anweisungen zu sagen. Nur hier trinke ich Dr. Pepper und esse Mikrowellenpopkorn am Morgen. Es wird viel geredet, gelacht. Einige berühren sich, andere weinen. Für die Gefangenen sind solche Besuche allerdings ein Stück Freiheit, ein Stück Normalität in einem unwirklichen, surrealen und vor allem gefährlichen Alltag.