Entscheidung eines Lebens

Die kanadischen Zwillinge Binh and Phuoc Wagner brauchen dringend eine Lebertransplantation.

Die kanadischen Zwillinge Binh and Phuoc Wagner leider an einer Erbkrankheit und brauchen dringend eine Lebertransplantation.

Die dreijährigen Zwillinge Binh und Phuoc Wagner leiden an der Erbkrankheit Alagille-Syndrom. Es ist eine Gallenstauung, die schlimmstenfalls eine Lebertransplantation erfordert. Die beiden vietnamesichen Mädchen wurden 2012 von der kanadischen Wagner Familie adoptiert. Damals wußten die Wagners schon, dass die Zwillinge die Erbkrankheit haben. Doch was dann passierte, konnte keiner erahnen.

Der Gesundheitszustand von Binh und Phuoc verschlechterte sich, Ärzte rieten zur Lebertransplantation bei beiden Mädchen, um sie zu retten. Spender wurden gesucht und auch Adoptivvater Michael Wagner ließ sich untersuchen. Das Ergebnis, er war positiv für eine Organspende. Doch er kann nur einen Teil seiner Leber für ein Mädchen spenden. Eine Entscheidung, die kein Vater treffen will.

Die Mediziner wollen in den nächsten zwei Wochen die Transplantation durchführen. Wer von den beiden Mädchen nun ein Stück der Leber des Vaters bekommt ist noch unklar. In der Zwischenzeit hoffen die Wagners und die Ärzte auf weitere positive Spender. Dazu wurde eine facebook Seite eingerichtet, um möglichst viele Menschen auf dieses familiäre Drama aufmerksam zu machen.

Pot statt Crack

Wahlkampf mal ganz anders. In Toronto stehen im Oktober die Bürgermeisterwahlen an. Eigentlich ist das kein großes Thema für jemanden außerhalb von Toronto, wäre da nicht Rob Ford, der aktuelle OB der kanadischen Metropole. Ford ist der, der nach der Veröffentlichung von eindeutigen Fotos zugeben mußte, Crack geraucht zu haben. Auch mit Prostituierten bespaßte sich der Bürgermeister, war darüberhinaus noch in einige weitere Skandale verwickelt. Doch Rob Ford wäre nicht Rob Ford, wenn er einfach still und leise die politische Bühne verlassen würde. Nein, Rob Ford kandidiert wieder für den Chefsessel in Toronto.

Neben ihm haben sich schon 46 weitere Kandidaten aufstellen lassen. Jeder meint, er könne es besser machen als Rob Ford. Dazu gehört dann wohl nicht viel. Kanadier haben allerdings auch einen guten Sinn für Humor. Am Montag tauchte nämlich im Stadtbild von Toronto dieses Plakat hier auf: Wählt Jeff McElroy – Er verspricht als Bürgermeister nur Gras zu rauchen – kein Crack. Jeder ist besser als Rob Ford. Den Kandidaten Jeff McElroy gibt es gar nicht, aber die Botschaft ist klar, die Bürger von Toronto haben die Nase gestrichen voll von Rob Ford…ich gebe zu, schlechte Wortwahl bei diesem Politiker.

 

Musik nur, wenn sie laut ist

Gestern Abend spielten KMFDM in San Francisco. Eine Band, die seit fast 30 Jahren kompromisslos ihren Weg geht, oder wie es in einem Lied heisst, den „ultimate beat“ präsentiert. Gegründet vom Hamburger Sascha Konietzko gehören KMFDM weltweit zu den Pionieren des härteren Industrial-Metal Sounds. Konietzko singt mal auf Englisch, mal auf Deutsch und liebt solche Wörter wie „Hauruck“, „Ruckzuck“ oder „Tohuvabohu“, die dann vom Publikum begeistert und lauthals mitgesungen werden. Eine Deutschlektion, der etwas anderen Art. Auf solchen Wörtern bauen ganze Songs  auf, und ja, sie sind durchzogen vom „ultimate beat“.

KMFDM touren regelmäßig durch die USA und Kanada. Sie sind eine der deutschen Bands, die unbeachtet von Kulturinstitutionen, Konsulaten und deutschen Musikexportbüros Werbung für Deutschland machen. Am gestrigen Abend traf ich auch Dave Heckman, den Besitzer von Metropolis Records, auf dem KMFDM seit einigen Jahren veröffentlicht sind. Heckman sagte mir mal, sein Label sei wohl das bedeutendste deutsche Label in den USA. Und recht hat er. Seitdem ich Radio Goethe produziere kenne ich Metropolis Records. Neben KMFDM und vielen EBM und Darkwave Acts, wie Wumpscut, Funker Vogt, In Strict Confidence u.a. waren dort auch Wolfsheim und Melotron  mit ihrem Elektropop und viele andere veröffentlicht.

Und auch die Münchner Eisbrecher haben hier ein US Zuhause gefunden. Eisbrecher sind richtig angesagt „overseas“. Wenn man auf Pandora „Rammstein“ oder „KMFDM“ eingibt, dann ist fast jeder dritte Song, der gespielt wird ein Eisbrecher Lied. Auf Deutsch wohlgemerkt. Dave Heckman bestätigte mir, dass dieser Streaming Service mittlerweile mehr als wichtig für sein Indie-Label geworden ist und Eisbrecher darüber hervorragend verbreitet werden.

Heute steht noch ein Interview mit Jürgen Engler an. Er war Gründungsmitglied von „Die Krupps“, die wieder zusammen gekommen sind und mit „The Machinists of Joy“ ein hervorragendes Comeback Album vorlegen. Viele der Texte sind auf Deutsch, die amerikanischen Fans wird es freuen. Harter Beat und „Tschörman“, das geht hier drüben spielend zusammen. Jürgen Engler lebt in Austin, Texas und natürlich kommt die Platte in den USA auf Metropolis heraus. Die Krupps sind auch eine dieser einflussreichen deutschen Bands, die gerne übersehen werden. Doch wer sich ein bisschen mit der deutschen Musikgeschichte beschäftigt, wer einmal genauer hinblickt, der wird etliche Gruppen aus Deutschland finden, die Pioniere in ihrem Genre sind. Und ich rede hier mal nicht von Kraftwerk, Can und Tangerine Dream. Gerade was Anfang der 80er Jahre in Deutschland passierte und allgemein als Neue Deutsche Welle durchgewunken wird, war eine Revolution im internationalen Musikzirkus. Wer an NDW denkt, dem trudeln Lieder der Spaßfraktion von Nena, Markus, Frl. Menke und UKW durchs Ohr. Doch die Plattenfirmen veröffentlichten damals, wohl mehr aus Versehen, auch bahnbrechende Gruppen, die etwas ganz anderes machten, doch eben deutsch waren und somit den NDW Sticker erhielten.  Gerade im Ausland wurden diese Bands für ihre Arbeit, für ihre neuen Ansätze erkannt und geschätzt. Der Blick zurück lohnt sich. Garantiert.

 

Rettungsaktion für Killerwale

Im nördlichen Teil der Hudson Bay in Nord Quebec ist eine außerordentliche Rettungsaktion in Gang. Mindestens 12 Orkas oder Killerwale kämpfen dort um ihr Leben. Nur ein kleines Loch im Eis gibt ihnen noch die Möglichkeit zu Atmen. Peter Inukpuk, Bürgermeister von Inukjuak, dem nächstgelegenen Ort, erklärte, das Wasser sei in diesem Jahr später als sonst gefroren, was erklären würde, warum die Wale überhaupt in diese missliche Lage gekommen sind.

Ein Video, das am Dienstag auf Facebook erschien, zeigte zum ersten mal das Drama im Eis. Die benachrichtigten Behörden versuchen nun eine Rettungsaktion zu starten, bevor das Loch überfriert und die Wale ersticken würden. Angeblich ist bereits ein Eisbrecher der amerikanischen Küstenwache unterwegs, der den Orkas eine Rückzugsmöglichkeit bieten könnte. Unklar ist, ob die Wale eine weitere Nacht überleben werden. Die größeren von ihnen stoßen immer wieder gewaltig nach oben, um das Eisloch offen zu halten. Hinterher tauchen kurz die kleineren von ihnen auf, um Luft zu schnappen.

Das Video zeigt das ganze Drama, allerdings sollte man die Bilder ohne die störende Musik ansehen.

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Mit Fiddler’s Green und Shiny Gnomes am Pazifik

Vor 16 Jahren schob ich an einem Samstagmorgen in einem kleinen Radiostudio auf dem Campus der University of San Francisco einen Regler nach oben und sagte: „Hallo und guten Morgen, hier ist Radio Goethe“….oder so ähnlich. Die Aufnahme habe ich noch hier auf Kassette rumliegen, aber nicht wieder gehört. Denn solche „Air Checks“ können manchmal sehr peinlich sein. Egal, wichtig ist, es ging los vor 16 Jahren. Mit einer Handvoll CDs schlappte ich an jenem Morgen ins Studio von KUSF und überraschte die paar Hörer, die eingeschaltet hatten. Vor mir lief eine armenische Sendung, nach mir kamen die Perser zum Zug, da passte so ein Deutscher mit einer Musikmischung zwischen Joachim Witt und Kraftwerk ja ideal. Hallo, was ist das denn!

Schon der Name „Radio Goethe“ war alles andere als passend. Amerikaner kennen Goethe nicht und können den Namen auch nicht aussprechen. Das klingt dann nach „Gothic Radio“ oder „Radio GoThiiiii“. Als ich im August 1996 nach San Francisco zog fand ich schnell KUSF im Radio. Der Collegesender war bekannt für seine bunte und vor allem internationale Mischung. Dort konnte ich Kraftwerk, Nina Hagen, Faust, KMFDM und die Neubauten hören und immer auch mal wieder ein paar Underground Hitsingles wie „Der Mussolini“ von DAF. Collegeradio in den USA, vor allem KUSF, war international aufgestellt. Hier blickte man nicht auf die heimischen Charts, hier war man Trendsetter, schaute sich um, hielt Verbindungen mit Industrial Bands in Deutschland, genauso wie mit schrillen Punk Trios in Japan.

Und an einem Tag im September stand ich bei der Programmchefin von KUSF auf der Matte und machte mit holprigem Englisch klar, dass ich Radiomacher und frisch aus dem Volontariat im Funkhaus Nürnberg hierher an den Pazifik gekommen sei und nun unbedingt eine Sendung brauche. Kate Ingram schaute mich ewas perplex an, fand aber wohl, für mich überraschend, die Idee interessant und meinte nur, als „Cultural Producer“ bräuchte ich einen „Underwriter“, also jemanden, der die Sendezeit von 20 Dollar pro halbe Stunde übernimmt. Sie habe auch ein offenes Zeitfenster, eben Samstagmorgen von 10-11 Uhr. In meiner Naivität dachte ich, das ist doch eigentlich die Aufgabe vom Goethe-Institut, die müssten doch an so einer tollen, neuen deutschen Radiosendung interessiert sein. Und der Direktor war es dann sogar auch und fragte, ob ich denn schon einen Namen für die Show habe? Soweit hatte ich gar nicht gedacht. Er schlug „Radio Goethe“ vor. Na ja, nicht gerade der Renner, aber wenn man nichts anderes und besseres weiß, dann nimmt man eben das. Also hieß das Ding von nunan „Radio Goethe“.

Samstagmorgen fing ich mit dem Senden an. Nach ein paar Jahren übernahm nach einer finanziellen Fehlentscheidung der neuen Goethe-Instituts-Direktorin das deutsche Generalkonsulat den „Underwriter“ Part. Die Sendung wurde auf Donnerstagabend verschoben, eine viel bessere Sendezeit. Nun beplapperte und beschallte ich die Hörer zwischen einer kulinarischen Sendung und einer abgefahrenen Astrologenshow. Interessanterweise merkte ich schon bald, dass die Rückmeldungen von überallher kamen, also auch von außerhalb des eigentlichen UKW Sendegebiets. KUSF war einer der ersten Sender, der auch im Netz sendete. Die Idee einer Radio Goethe „Syndication“ war geboren.

Es war einfach die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Rammstein gingen ab wie die Rakete in den USA, Al Gore hatte sein Internet erfunden und viele junge Leute suchten im WWW nach deutscher Musik. Und diesen schrägen, schrillen, fremden Sound lieferte ich allwöchentlich live auf KUSF und in einer vorproduzierten „Syndication“ Sendung.

Für mich wichtig war von Anfang an auch immer Bands und Musik aus meiner alten Heimat einzubauen. Das reichte von den Shiny Gnomes, über Klaus Brandl, Atze Bauer und JBO bis zu Fiddler’s Green, von Blue Manner Haze bis Fade und viele mehr. Ich spielte, was ich in die Hand bekam und erzählte über Nürnberg, Franken, das Leben und die Kultur dort. Dazu gab es Interviews mit Musikern, Filmschaffenden, Künstlern, Politikern.

Radio Goethe ist heute auf etlichen Sendern in den USA und Kanada zu hören. Darüberhinaus kann man das Programm am Hindukusch in Afghanistan über die Frequenz des Bundeswehrsenders Radio Andernach und sogar in Namibia empfangen. Etliche Sender im deutschsprachigen und europäischen Ausland strahlen das Programm aus. Und auch lokal ist Radio Goethe in Nürnberg auf AFK Max empfangbar. Radio Goethe wurde in diesen 16 Jahren auf Stationen in 12 Ländern ausgestrahlt.

16 Jahre Radio Goethe, das hätte ich mir damals an diesem besagten Samstagmorgen nicht vorstellen können. Was mich im Rückblick überrascht ist die große Resonanz auf die deutsche Musikszene im Ausland. Und das nicht nur auf Bands wie Rammstein oder Tokio Hotel, sondern auch auf die vielen Bands, die einfach ihr Ding machen, ohne große Unterstützung von Plattenfirmen und Management. Radio Goethe war nie eine Genre Sendung, das sollte sie auch nie sein. Mir war wichtig, die Vielseitigkeit und die Vielschichtigkeit der Musikszenen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu präsentieren. Natürlich habe ich Lieblingsbands und Lieblingssongs, die immer mal wieder auftauchen. Das ist wohl dann meine persönliche Marke. Ob ich das ganze noch weitere 16 Jahre weitermache bleibt offen. Auf alle Fälle wird weitergesendet, so lange es noch Spaß macht und es noch Hörer für dieses schräge Formatradio unfreundliche Programm gibt.

Schlagen mit Folgen

Auch wenn Pädagogen und Psychologen schon lange vor den Folgen warnen, wenn Kinder geschlagen werden, 70-90 Prozent der amerikanischen Mütter haben in Umfragen erklärt, sie haben schon einmal oder mehrmals Hand angelegt.

Nun liegt eine neue Studie der University of Manitoba in Winnipeg vor. Die Antworten von 34000 erwachsenen Kanadiern wurden ausgewertet und analysiert. Das Ergebnis ist nicht gerade neu, doch deswegen nicht weniger schlimm. Wer als Kind geschlagen wird hat ein erhöhtes Risiko als Erwachsener mit psychischen Problemen zu leben. Das reicht von Stimmungsschwankungen bis Depressionen, Angstzuständen, Persönlichkeitsstörungen, Drogen- und Alkoholsucht.

Sieben Prozent der mentalen Störungen bei Erwachsenen lassen sich auf körperliche Züchtigung und Bestrafung im Kindesalter zurückführen. Die Forscher gehen sogar noch weiter. Die Wahrscheinlichkeit eine Depression zu bekommen wird um 41 Prozent erhöht, wenn Kinder regelmäßig übers Knie gelegt werden. Sie liegt 59 Prozent höher für Alkohol- und Drogenmißbrauch und 93 Prozent höher im Erwachsenenalter Angstzustände zu bekommen.

Die Wissenschaftler betonten, dass es hier nicht um den einfachen Klaps auf den Po geht, sondern um Kinder, die regelmäßig mit Prügelstrafe leben müssen. Auch schloß man in der Umfrage jene Fälle aus, die körperliche, seelische und sexuelle Mißhandlung erdulden mußten. Vielmehr habe man sich auf jene erwachsenen Befragten konzentriert, für die es normal war, als Kind den Po versohlt zu bekommen.

Teutonische Terror Attacke

„Teutonic Terror Attack“ ist der Titel eines lautstarken Pakets. Die deutschen Hard Rock Heroen von Accept haben sich mit den Thrash-Metal Pionieren von Kreator zusammengetan, um im September von der amerikanischen Ostküste Richtung Westen zu rocken. Ein paar Abstecher nach Kanada sind dabei auch eingeplant. Erdbeben an verschiedenen Orten sind dabei garantiert.

„Endlich hat es geklappt mit so einer Tour“, erklärte er mir die Managerin von Accept Gaby Hoffmann, ihres Zeichens Frau von Gitarrist Wolf Hoffmann und langjähre Accept Begleiterin, Song Schreiberin (u.a.“Balls to the wall“) und „Driving Force“ hinter der Accept Reunion. „Mein Konzept – das ganze als Visitenkarte des German Heavy Metals zu verkaufen „greift“ !! 2 Bands…Väter und Söhne könnte man fast sagen,  sind im Augenblick an der Spitze Ihrer Karriere angelangt – Kreator, die jüngeren, die nach ACCEPT gekommen sind – beide Bands aus dem Ruhrpott  – woher denn sonst,  auch die englische Version der harten Gangart kam auch alles aus dem dortigen Industriegebiet – sind auf ihre Art bahnbrechend gewesen wie ACCEPT vor ihnen und beide Bands stehen für einen felsenfesten Trend, MARKE BÄRENSTARK!“

Da kann man nichts hinzufügen, nur, dass sich die amerikanischen Heavy Fans auf ein wahrhaft teutonisches Metal Spektakel einstellen sollten. Es wird laut!!!

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TEUTONIC TERROR ATTACK!!!!!

09/05/12 Howard Theater – Washington, D.C.

09/06/12 The Trocadero – Philadelphia, PA

09/07/12 Best Buy Theater – New York, NY

09/08/12 The Palladium – Worcester, MA

09/10/12 Metropolis – Montreal, QC – CANADA

09/11/12 Imperial de Quebec – Quebec City, QC – CANADA

09/12/12 Phoenix Concert Theatre – Toronto, ON – CANADA

09/14/12 Newport Music Hall – Columbus, OH

09/15/12 Mojoe’s – Joliet, IL

09/16/12 The Beaumont Club – Kansas City, MO

09/18/12 Gothic Theater – Englewood, CO

09/19/12 The Complex – Salt Lake City, UT

09/21/12 Rickshaw Theater – Vancouver, B.C. – CANADA

09/22/12 Showbox at the Market – Seattle, WA

09/23/12 Roseland Theater – Portland, OR

09/25/12 The Grand Ballroom – San Francisco, CA

09/26/12 The Avalon – Hollywood, CA

09/27/12 The Grove – Anaheim, CA

09/28/12 Marquee Theatre – Tempe, AZ

09/30/12 Emo’s East – Austin, TX

10/01/12 Trees – Dallas, TX

10/02/12 House Of Blues – New Orleans, LA

10/04/12 Tremont Music Hall – Charlotte, NC

In der Hölle und zurück

Unten wurde der polnische Ministerpräsident mit Militärehren, Fanfaren und Salut empfangen, im zweiten Stock saß ich General a.D. und Senator Romeo Dallaire gegenüber. Ottawa strahlte an diesem Montagmorgen unter einem blauen Himmel. Und auch der 65jährige lacht. Ganz stolz zeigt er mir die deutsche Ausgabe seines Buches „Handschlag mit dem Teufel„.

Romeo Dallaire ist durch die Hölle gegangen, ein Jahr lang war er in Ruanda stationiert. Hochmotiviert kam er im August ’93 in dieses kleine afrikanische Land, um die UN Truppen zu befehligen, die das dortige Friedensabkommen überwachen sollten. Doch alles kam anders. Im Rückblick war klar, radikale Kräfte in der Regierung und im Land arbeiteten auf die Endlösung hin, sie wollten die Tutsi Minderheit auslöschen. Man spielte mit ihm. Die verschiedensten radikalen Kräfte im Land und auch die Politdiplomaten daheim in New York.

Im Interview berichtet der Senator von damals, von seinen Einschätzungen, von den Versuchen, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen endlich zum Handeln zu bringen. Aber auch davon, dass Länder wie Deutschland schlichtweg versagt haben, kaum mit ihm als UN Vertreter vor Ort zusammen gearbeitet haben oder zusammen arbeiten wollten. Deutschland war Teil einer Gruppe von Botschaftern, die sich regelmäßig in Kigali traf, um die Lage vor Ort zu besprechen.

Romeo Dallaire erzählt, man merkt ihm im Gespräch nicht an, dass er Zeuge eines der schlimmsten Verbrechen der Geschichte war. Im Jahr 2000 versuchte er sich umzubringen, die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung. Die Geister von Ruanda lassen ihn nicht mehr los. Seine Erlebnisse, seine Erfahrungen in Ruanda und innerhalb des gewaltigen UN Apparats, die Enttäuschungen, die Hilflosigkeit, der Handschlag mit dem Teufel haben sein Leben verändert. Romeo Dallaire blickt nach vorne, sucht den Kontakt und das Gespräch mit vielen jungen Menschen. Man habe aus der Geschichte gelernt, sagt er. Und fügt hinzu, zumindest auf dem Papier.

Handschlag mit dem Teufel

Ich sitze in Ottawa, drei Stunden Zeitverschiebung, für mich mitten in der Nacht. Ein langer Flug von San Francisco über Minneapolis bis nach Montreal. Von dort mit dem Auto weiter. Heute morgen steht das Interview mit General Romeo Dallaire an, der 1994 in Ruanda die UN Truppen befehligte und hilflos mitansehen mußte, wie das Abschlachten begann. Seine Hilferufe an die Zentrale der Vereinten Nationen in New York fielen auf taube Ohren. Stattdessen mußte Dallaire einen Eiertanz über das Wort „Genozid“ erleben. War das, was da in Ruanda stattfand ein Genozid oder nicht, denn erst dann würde man aufgrund der geschichtlichen Verantwortung eingreifen? Hauptverantwortliche: Bill Clinton, Madeleine Albright, Kofi Annan.

Nun also hier in Ottawa. Seit zwei Jahren habe ich versucht dieses Interview zu bekommen, immer kam irgendetwas dazwischen. Vorletzte Woche dann die Zusage, 14. Mai, 10:30 Uhr morgens. Flug buchen und hier bin ich und bin sehr gespannt auf diesen Mann, der eines der größten Verbrechen der Menschheit durchlebt und überlebt hat, der hilflos dabei stehen mußte…und die Weltbevölkerung schaute einfach weg.

Seine Erfahrungen als UN General in Ruanda hat Romeo Dallaire in seinem Buch „Handschlag mit dem Teufel“ verarbeitet. Ein sehr empfehlenswertes Buch.

Hier zwei kurze Audioberichte zu Ruanda.

Der geschichtliche Hintergrund:

Ruanda 1994     

Das Aufarbeiten des Unfassbaren:

Ruanda 2012