Operativer Vorgang „Sumpf“

Heute kamen hier in Oakland per Post die Kopien meiner angesammelten Unterlagen an, die in den Stasi Archiven in Berlin und im früheren Bezirk Karl-Marx-Stadt gefunden wurden. Vor rund zwei Jahren hatte ich nach langem hin und her dann doch mal einen Antrag ausgefüllt, kurz danach erhielt ich einen Brief, in dem stand, dass der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes etwas unter meinem Namen gefunden habe. Nun also liegen diese Informationen hier vor mir, schon seltsam, was da gesammelt, welche Informationen angehäuft wurden, wer da etwas über andere erzählte. weiter lesen

Zum Tod von Peter Härtling

Seine Helden hießen Krücke, Hirbel und Alter John. Peter Härtling erzählte aus dem Leben für das Leben von Kindern und Jugendlichen. Und er fand dabei eine Sprache, die verständlich war. Ich selbst konnte das Ende der 80er Jahre erleben, als ich meinen Zivildienst in der Städtischen Kinderklinik Nürnberg ableistete. Eine meiner Aufgaben war es, eine mobile Kinderbibliothek aufzubauen und zu unterhalten. Zweimal in der Woche rollte ich mit meinem alten, bunt angestrichenen und von den Schreinern des Klinikums umfunktionierten Kinderleichenwagen über die Stationen der Klinik. Allein das war schon eine Geschichte wert.

Peter Härtling war ein stiller Begleiter für viele kranke Kinder. Foto: AFP.

Und die Bücher von Peter Härtling wurden gerne von den Kindern ausgeliehen. Seine Sprache war direkt, ansprechend, einfach und doch so voller Tiefe. Gerade jene Kleinen, die lange auf den Stationen waren, liebten die Bücher Härtlings. Bücher waren damals eine der wenigen Ruheplätze, Fluchtwege, Abschaltmöglichkeiten in einem Krankenhaus wie der Kinderklinik. Sein Kinderbuchverlag „Beltz & Gelberg“ schickte mir immer mal wieder ein paar neue Bücher von ihm, einiges konnte ich auch über die Krankenhausbücherei ordern. Dort freute man sich neben all den Fachbüchern über die etwas andere, leichtere Lektüre.

Damals schrieb ich Peter Härtling auch mal an, um ihm für seine vielen wunderbaren Geschichten zu danken, die in der Kinderklinik gerne gelesen wurden. Er antwortete selbst und schrieb, er freue sich sehr über diese Rückmeldung auf seine Bücher. Wo ist dieser Brief nur geblieben? Über seine Arbeit für Kinder lernte ich auch den Romanschriftsteller Peter Härtling kennen. „Das Windrad“ beeindruckte mich so, dass ich das Buch damals meinem Freund René in der DDR mitbrachte und ihm ans Herz legte. Er war sehr in den christlichen Öko-Kreisen in und um Freiberg in Sachsen aktiv. In diesen Vorwendejahren tauschten wir uns regelmäßig aus und beschenkten uns mit Büchern.

Nach dem Zivildienst arbeitete ich noch ein paar Jahre weiter in der Kinderbücherei, der Verein Klabautermann finanzierte diese erste Teilzeitstelle. Härtlings Bücher wurden zu einem festen Bestandteil der Bibliothek. Der grüne Bücherwagen mit seiner langen Geschichte ist selbst Geschichte geworden. Der große blaue Bücherschrank wohl auch. Ob es die Kinderbücherei heute noch im Südklinikum gibt, wohin die Kinderklinik nach meiner Zeit umgezogen ist, weiß ich gar nicht. Geblieben sind für mich die vielen Erinnerungen und viele, viele wunderschöne Kinderbücher, die ich mir nach dem Lesen dann noch selbst besorgt habe. Sie stehen heute alle hier in meinem Haus in Oakland. Die „Geschichten für Kinder“ – kleine und große – werde ich mir noch einmal heute Abend in meinem Sessel durchlesen. Danke Peter Härtling.

Wo die wilden Kerle wohnen

Am frühen Dienstagmorgen ist in Danbury, Connecticut, der 83jährige Schriftsteller und Illustrator Maurice Sendak gestorben. Bekannt, beliebt und weltberühmt wurde er für sein Buch „Wo die wilden Kerle wohnen“. „Ich mag interessante Menschen und Kinder sind wirklich interessant“, meinte er einmal in einem Interview. „Ich schreibe Bücher, die wohl passender für Kinder erscheinen, und das ist ok für mich. Sie sind ein besseres Publikum und härtere Kritiker. Kinder sagen einem, was sie denken, nicht was sie meinen denken zu müssen“.

Maurice Sendak wurde mehrmals in den USA von konservativen Organisationen angegriffen, mit dem Ziel seine Bücher aus öffentlichen Bibliotheken zu verbannen. Doch der Autor hatte neben all den Kindern, die seine Bücher liebten auch namhafte Leser. So verlieh ihm Präsident Bill Clinton 1996 die „National Medal of the Arts“ und Präsident Barack Obama las 2009 während des großen Ostereiersuchens im Garten des Weißen Hauses aus „Wo die wilden Kerle wohnen“ vor.

Während der Zeit meines Zivildienstes betreute ich die Kinderbücherei in der Städtischen Kinderklinik Nürnberg. Zweimal in der Woche schlappte ich mit einem ganz speziellen Bücherwagen über die Stationen und verteilte Bücher. In einigen Zimmern lagen immer ein paar Kleine in ihrem Bett, ganz alleine, verängstigt oder gelangweilt. Von Büchern und Lesen wollten sie nichts wissen. Doch „Wo die wilden Kerle wohnen“ war oftmals die Wende. Entweder kannten sie das Buch aus dem Kindergarten oder sie fühlten sich von den freundlichen Monstern und dem kleinen Helden Max in seinem Pyjama angesprochen. Ich las das Buch vor, fügte hier und dort noch was hinzu und eigentlich immer ließ ich es auch danach im Zimmer, wenn ich mich mit dem Bücherwagen wieder auf den Weg machte. Sendaks Kunst war es, Kindern die Angst zu nehmen.

1928 wurde Maurice Sendak in Brooklyn geboren. In einem Interview erinnerte er sich an die Tränen seiner jüdisch-polnischen Eltern, die immer wieder von den Gräueltaten der Nazis und den getöteten Verwandten und Freunden hörten. „Meine Kindheit verbrachte ich damit, an diese Kinder dort drüben (in Europa) zu denken. Meine Last ist, für jene zu leben, die starben.“.

„Der Engel von Kigali“

Dr. Alfred Jahn…so wurde Dr. Alfred Jahn auch schon genannt. Der frühere Chefarzt der Kinderklinik in Landshut lebt heute in Kigali. Ich traf ihn bei meinem jüngsten Besuch in der ruandischen Hauptstadt. Er lud uns zum Abendessen mit „seinen Jungs“ ein. Seine Lebensgeschichte ist aussergewöhnlich. Man sitzt einfach nur da, hört ihm zu, sieht das, was er tagtäglich tut und geht mit vielen Fragen wieder weg. Vor allem einer, was habe ich eigentlich bislang in meinem Leben gemacht?

Hier ein zweiteiliger Audiobericht über einen Arzt, der nicht wegsehen wollte und kann:

Dr. Alfred Jahn Part 1     
Dr. Alfred Jahn Part 2